Einzelbild herunterladen

Nr. 25.

1930

Archiv und dliche oder ogen werden

HAFT

AUF OLYMPIAI

nd Behörden

chätzen unserer

pia

SCHINEN

SCHINEN MAT"

Schreibmaschinen

mietweise

aschinen A. G

T a. M.

Hansa 27326

verbindlich

Gießener Zeitung

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. fedaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­ndung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

14. Jahrg.

Politische Rundſchau.

In der Pariser Presse wird die neue Notverordnung im resentlichen als der erste Schritt zur Errichtung der Diktatur an­jehen.

Wie Adolf Hitler im ,, Bölkischen Beobachter" mitteilt, wird die NSDAP. durch Klage beim Staatsgerichtshof Gelegenheit nehmen, die rechtliche Unhaltbarkeit u. Unzulässigkeit der Not­rordnung vom 28. März 1931 festzustellen.

Das Generalsekretariat des Völkerbundes gibt bekannt, daß die zum 11. Mai einberufene ordentliche Tagung des Völker­hundsrates auf den 18. Mai verlegt worden ist. Die dritte

Segung der Europäischen Mächte ist auf den 15. Mai festgesetzt

Borden.

( Gießener Tageblatt)

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen. Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Mittwoch, den 1. April 1931

und schikanöse Handhabung der Notverordnung zu unterbinden. Ich bin allerdings fest entschlossen, die Verordnung überall da anzuwenden, wo es zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ord­

( Neueste Nachrichten)

Anzeigenpreise: die 30 mm breite Petitzeile auswärts 24 Pfg.. lokal 12 Pfg., die 90 mm breite Reflame- Petitzeile 96 Pfg. Plat vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholung Rabatt. Für Vollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung.

Nummer 26

gegen sein Familienleben und die Mütter ein so kinderloses" Dasein auf die Dauer ertragen werden.

nung und Sicherheit notwendig iſt; denn die Beruhigung unseres öffentlichen Lebens liegt gleicherweise im Intereffe unseres Vol. Ersparnisse durch freie Wohlfahrtspflege.

fes wie unserer Wirtschaft."

Voraussichtlich werden die Kreisämter und Polizeiämter die in der Notverordnung vorgesehenen Meldestellen. Das Verbot von Lastwagentransporten bleibt bestehen, ebenso das der An­fündigung von Versammlung durch Sprechchöre von Lastwagen herunter usw. Das Verfahren vor dem Schnellrichter wird in verstärktem Maße durchgeführt werden. Für Plakate wird ein besonderer Stempel über Verbot oder Zulassung erteilt werden, so daß die Zeitungen bei Annahme von Anzeigen oder Hinweisen

gesichert sind.

Kommunistische..Jugendweihe"

nichts als Heße.

Die italienischen Sachverständigen, die in London bei der herstellung des Wortlauts der italienisch- französischen Flotten­rreinbarung mitarbeiten, reisen ab, um mit ihrer Regierung beraten. Infolgedessen werde der Sachverständigenausschußz feine Arbeit vielleicht erst nach Ostern wieder aufnehmen können. In der letzten Sigung des Lippischen Landtages teilte der Sorsitzende des Landespräsidiums, Drake, mit, daß das Landes­präsidium beschlossen habe, den Volksentscheid auf Auflösung kes Lippischen Landtages am Sonntag, dem 26. April, durch- ,, Riesenpuppenspiel", eine wüste Beschimpfung von Staat und pführen.

Reichstanzler Dr. Brüning hat an den Staatssekretär a. D., Gesandten Dr. Haniel von Haimhausen, ein Schreiben gerichtet, in dem der Kanzler mitteilt, daß der Reichspräsident den Ge­jandten infolge Auflösung der Vertretung der Reichsregierung in München in den einstweiligen Ruhestand versetzt habe. Der Kanzler dankt zugleich im Namen der Reichsregierung aufrich­lig für die von Haniel dem Reich geleisteten wertvollen Dienste. Im Lohnstreit der Deutschen Reichsbahngesellschaft ist der Schiedsspruch vom 19. März 1931 für verbindlich erklärt worden. Der Gemeindevorsteher von Langenlonsheim, Weingutsbe figer Bies, wurde seines Amtes enthoben, weil er sich aktiv in der Nationalsozialistischen Partei betätigte.

Mit Rüdficht auf die wirtschaftliche Notlage der Zechen hat ch der Zechenverband im Ruhrbergbau veranlaßt gesehen, die Rahmentarifsverträge für die Arbeiter sowie für die technischen md faufmännischen Angestellten im Bergbau zu kündigen.

Die Schlichtungsverhandlungen über den Angestelltentarif in der Nordwest- Gruppe der Eisen- und Stahlindustrie finden 8. April vor dem staatlichen Schlichter Professor Brahn in Dortmund statt.

Dem ,, Kurjer Warszawski" nach stehen im polnischen Kabinett in nächster Zeit Aenderungen bevor. Dem Blatt zufolge werde. Narschall Pilsudski selbst die Leitung der Regierungsgeschäfte rieder in die Hand nehmen.

Der englische Schazkanzler wird am 27. April seine Haus­haltsrede halten. Der englische Haushalt schließt mit einem fehlbetrag von über 30 Millionen Pfund ab.

Einer Meldung von Bogota( Columbien) zufolge, ist im restlichen Teil Venezuelas eine revolutionäre Bewegung unter Führung Generals Cedeno ausgebrochen.

Nach Meldungen aus Nicaragua hat ein außerordentlich jhweres Erdbeben den Bezirk Managua heimgesucht. Die Haupt­tadt Managua sei so gut wie ganz zerstört worden. In ver­jhiedenen Teilen der Stadt wüten heftige Feuersbrünste. Die Erdstöße dauerten zurzeit noch weiter an. Hoover hat die ame: rikanische Marine und Armee sowie die Rote- Kreuz- Gesellschaft aufgefordert, sofort Hilfsmaßnahmen für die Opfer des Erd­lebens zu ergreifen.

Der hessische Innenminister

zur Notverordnung.

Darmstadt, 31. 3. Der hessische Innenminister Leuschner mpfing heute die Presse zu einer Besprechung über Fragen, die Ich aus der soeben in Kraft getretenen Notverordnung zur Be­ubigung des öffentlichen Lebens ergeben.

Der Minister erklärte, wenn auch in Hessen die bestehenden Raßnahmen in den meisten Fällen zur Sicherung der Ordnung in Sicherheit von Leben und Eigentum ausreichend wären, b mache sich doch das Fehlen von gesetzlichen Unterlagen für hanche Delitte unangenehm bemerkbar, weil die Radikalen diese de sofort verstärkt ausnüßten. Die Notverordnung habe ich legrüßt, denn sie ist gerechtfertigt und notwendig. Wir sind uns in Hessen der großen Verantwortung bewußt, die mit der Durch­ührung der einschneidenden Gesetzesmöglichkeiten verbunden ist. Sehr wahrscheinlich wird allein schon das Bestehen der Notver­rdnung die Arbeit der Polizei erleichtern. Eine Einschränkung les politischen Lebens tritt nicht ein, soweit es sich sachlich und inständig vollzieht. Die Parteien müssen sich bewußt sein, daß fe im Interesse des Staates, des Volkes und der Wirtschaft ge­bise Verpflichtungen haben und Zurückhaltung üben müssen. Dann haben sie auch keinerlei Maßnahmen aus der Notverord­ung zu gewärtigen. Ich werde allen behördlichen Organen ge­ave Anweisungen erteilen, um von vornherein jede kleinliche

Die Kommunisten Berlins veranstalteten am Sonntag im Sportpalast eine Proletarische Freidenker- Jugendweihe", an der etwa 15 000 Personen, darunter über 2000 Schulkinder, teil­nahmen. Das Programm der Veranstaltung enthielt auch ein

Kirche. Als der Unfug Ausmaße annahm, die weiter nicht ge­duldet werden konnten, erklärte der Vertreter der politischen Polizei die Versammlung für aufgelöst und wies den Kom­mandanten der Schutzpolizeibereitschaft an, den Saal zu räu­men. Die Kommunisten ergingen sich in Schmährufen und Be­schimpfungen gegen die Polizeibeamten. Zwangsgestellungen wurden nicht vorgenommen.

Der Eid auf den Bürgerkrieg.

,, Seid ihr bereit, für die Revolution zu lämpfen?" Von einem Augenzeugen wird berichtet: Bereits vor Be= ginn dieser bolschewistischen Jugendweihe kam es zu maßlosen Verhöhnungen der christlichen Kirche, als Mitglieder des Kom­munistischen Jugendverbandes in den Wandelgängen des Sport­palastes Gottlosenlieder anstimmten, deren Inhalt so gemein ist, daß man Abstand nehmen muß, sie wiederzugeben. Zu diesen Gottlosendemonstrationen waren die jungen Bolschewisten ange­regt worden durch die sogenannten ,, Gottlosenausstellung", die in eben diesen Wandelgängen veranstaltet worden war. Das offizielle Programm zu dieser ,, Jugendweihe" enthielt ein haar­sträubendes Bild:

Jugendliche, mit dem Gewehr in der Hand, versetzen einem Lehrer und einem Geistlichen Tritte.

Der begleitende Text hierzu ist die Aufforderung ,,, an der pro­letarischen Revolution mitzuhelfen", erst dann werde die Re­ligion absterben.

Im Mittelpunkt dieser Jugendweihe stand die Hetrede des tommunistischen Abgeordneten Schneller, der u. a. ausführte, es sei die Pflicht der Jugendlichen, die soeben die Schule ver­lassen hätten, ihre ganze Kraft in den Dienst der Revolution und ihrer Vorbereitung zu stellen. Der Kampf gegen die Kirche und den bürgerlichen Staat müsse mit blutiger Energie geführt werden, bis der Tag des Sieges endlich da sei. Nachdem der Bolschewist Schneller mit allen Mitteln blutrünstiger De­magogie die Jugend zum Bürgerkrieg aufgepeitscht hatte, unter­nahm er es, ca. 2000 Jugendliche mit folgender Formel zu ver­eidigen:

,, Seid ihr bereit, für die Revolution zu lämpfen und euer Blut und Leben dafür einzusetzen?", worauf ein einmütiges Ja! folgte mit erhobener, geballter Faust! Den gleichen Eid nahm der Redner auch den Eltern der Bolschewistenjugend ab, die ebenfalls mit geballter Faust gelobten: ,, mit ihrem Blut für die Revolution zu kämpfen". ,, Seid bereit!" so schrie der KPD.- Führer Schneller mit ver­zerrtem Gesicht in den Saal. Immer bereit!" erscholl es als Antwort.

Russisches Familienideal.

Auf der Ostseite des Ural soll der ehemalige Frankfurter Stadtbaurat May eine neue Stadt, Magnitogorst, er= bauen, die eine wahre kommunistische Musterstadt für 200 000 Menschen werden soll. Die Häuserblods, in Stadtvierteln für je 10 000 Bewohnern angeordnet, sind durch Grünflächen vonein­ander abgegrenzt. Jedes Viertel hat seine Kollektivbauten: Klub, Speisehaus, Schule, Warenhaus, Kindergarten, Krippe, Läden. Jede Familie soll einen Wohnraum, 2 Schlafkammern, 1 Kochnische und noch einiges andere erhalten. Die Wohnungs­einrichtung soll überall gleich sein. Und die Kinder? Die sollen nach Ausführungen des russischen Volksbildungsministers bis zum 16. Lebensjahr im staatlichen Heim erzogen werden. Die Eltern, die nach bestimmten gesetzlich festgelegten Abständen ihre Kinder besuchen können, sollen nicht mehr als ,, Vater" und ,, Mutter" bezeichnet werden. Dann sei die kollektivistische ,, Reife" erreicht. Und der Haushalt? Die kollektive Frau" focht nicht mehr man hat dafür große Zentralküchen und Speiseräume. Sie hat keine Kinder- und keine Haushaltssorgen. In gewissem Sinn verlockend! Fragt sich nur, ob diese Pläne in Erfüllung gehen werden und ob ein Volf einen solchen Schlag

Der Direktor des Hessischen Landesvereins für Innere Mis­sion, Pfarrer Röhricht, teilt folgende Zahlen mit, die starker Beachtung wert sind.

Die Anstaltsarbeit der deutschen freien Wohlfahrtspflege er­spart der öffentlichen Wirtschaft jährlich mindestens 250 Millio­nen Mark und auf dem Gebiet der geschlossenen Fürsorge bestehen weitere Ersparnismöglichkeiten von mindestens jährlich 60 Mil­lionen Mark. Für jeden in einem fommunalen Erziehungsheim untergebrachten Fürsorgezögling entstehen der öffentlichen Wohl­fahrtspflege durchschnittlich pro Tag 4,85 Mt. Selbstkosten. Für die in Erziehungsheimen der freien Wohlfahrtspflege unterge= brachten Zöglinge wendet dagegen die öffentliche Wohlfahrts­pflege nur 2,78 Mt. durchschnittlich pro Tag und Kopf auf.

Die freie Wohlfahrtspflege ist also pro Zögling täglich 2,07 Mark, im Jahr 756 Mt. billiger. Durchschnittlich sind 36 Pro­zent aller Fürsorgezöglinge in freien Erziehungsheimen. Wür­den diese in öffentliche Heime gelegt, so entstünden in Preußen Mehrkosten von reichlich 15 Millionen Mark. Würden umge­fehrt die Fürsorgezöglinge aus öffentlichen Heimen in solche der freien Wohlfahrtspflege verlegt, so könnten in Preußen jährlich 3,7 Millionen erspart werden. Für das ganze Reich ergeben sidy auf diesem Gebiet Ersparnisse in Höhe von etwa 21,5 Millionen und Ersparnismöglichkeiten von 5,2 Millionen Mark.

Was die Frage der Kindertagesstätten angeht, so kommt die amtliche Ausstellung des Berliner Magistrats vom April v. Js. zu dem Ergebnis, daß jedes Kind in einer städtischen Kinder­schule täglich 66 Pfg., im Jahr 243,31 Mark öffentliche Mehr­fosten erfordert gegenüber einem Kind in einer freien Tages= stätte. Die privaten Kinderschulen ersparen nach dem augenblid­lichen Stand der Stadt Berlin schon fast 4 Millionen Mark im Jahr. Würde die Stadt auf eigene Kindergärten verzichten, alle Kinder in private Einrichtungen schicken und diese nach den bisherigen Sätzen bezuschussen, so ergäbe sich eine weitere Er­sparnismöglidfeit von jährlich etwa 830 000 Mart.

Die Selbstkosten der öffentlichen Krankenhäuser liegen im Reichsdurchschnitt etwa 33 Prozent über dem Betrag, mit dem die nichtöffentlichen Anstalten auskommen müssen. Da die deut­sche freie Wohlfahrtspflege insgesamt über rund 115 000 Betten in Krankenhäusern verfügt, ist nach dem jetzigen Stand eine jährliche Ersparnis für die öffentliche Wirtschaft von etwa 45 Millionen Mark durch die Krankenanstalten der freien Wohl­fahrtspflege anzunehmen.

Die Anstalt Bethel bekommt für Epileptische von der Pro­vinz einen Pflegesag von täglich 2,80 Mark. Die Selbstkosten in den Provinzialanstalten machen wenigstens täglich 3,50 Mt. aus. Bethel spart also der Provinz täglich etwa 70 Pfg.

In der Epileptischen Anstalt in Nieder- Ramstadt beträgt der Pflegesatz täglich 3,25 Mart, in den Heil- und Pflegeanstal= ten 4,05 Mart, sodaß in Nieder- Ramstadt täglich pro Pflegling 80 Pig., d. h. bei 220 Pfleglingen 176 Mark täglich und im Jahr 64 240 Mark gespart werden.

Die Vereinigten Staaten

weisen 100000 Seeleute aus.

Wie aus Newyork gemeldet wird, hat der amerikanische Staatssekretär für Arbeiterfragen eine Verfügung erlassen, wo­nach etwa 100 000 ausländische Seefahrer, die von ihren Schiffen desertiert sind und in den Vereinigten Staaten Beschäftigung fanden, nunmehr ausgewiesen werden sollen. Der Erlaß wird damit begründet, daß diese Seeleute einer entsprechenden An­zahl amerikanischer Bürger und wohnberechtigter Ausländer die Arbeitsplätze weggenommen hätten.

Ein Dorf wird mechanisiert.

In Hohenheim bei Stuttgart befindet sich eine der Professor bemerkenswertesten deutschen Versuchssiedlungen. Münzinger unternimmt es hier, eine ganze Gemeinde zu mecha­nisieren. Gemeinsame Bestellungsarbeit mit gemeinschaftlichen Maschinen, gemeinsame Milchkammern, eine genossenschaftliche Molkerei, einheitliche Absazorganisation Münzinger will seine Ideen und Erfolge erst dann der Oeffentlichkeit vorlegen, wenn sie eine Zeit der Entwicklung und Reife durchgemacht haben Ebenso deckt man vorläufig den Schleier des Ge­heimnisses über jene Versuche, die in Schlesien zur Mechanisie­rung der bäuerlichen Siedlung betrieben werden.

Alle verantwortlichen Stellen sind sich heute darüber klar, daß eine Verbesserung der Produktionsmittel mit einer grund­säglichen Neugestaltung der Absazorganisation unter dem Ge­sichtspunkt einer Umstellung der Produktion nach dem Bedarf sowie einer Vereinheitlichung des Angebots. Langsam, ganz allmählich beginnt das Wort ,, Standard" in der Landwirtschaft Klang zu gewinnen. Und langsam beginnt auch jene Neu­Kolonisation des deutschen Bodens sich durchzusehen, die von neuen Menschen auf alter Erde mit Hilfe von modernene Ma­schinen und neuzeitlichen Arbeitsmethoden vollzogen wird