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Mittwoch, den 31. Dezember 1930.

Fußball.

,, Gießener Zeitung"

Surnen, Sport und Spiel.

Ergebnisse aus dem Bezirk.

1. Weihnachtsfeiertag:

1900 Gießen Germania Ffm. 0: 2

11

Sport Kassel-

VfL. Neu- Isenburg 1: 1

Stadtmannschaft Kassel

Lähnberg

Fußballjahr 1930.

Der deutsche Fußballsport hat ein unruhiges Jahr hinter sich. Die Frage des Berufsspielertums hat lange Monate die Gemüter erregt, und wenn om Jahresschluß etwas ruhigere Tage eingezogen sind. so nicht etwa, weil die Kernfrage einer klaren und reinen Lösung zugeführt worden ist, sondern weil die Glieder der Bewegung, Vereine sowohl wie Verbände und der Bund selbst, sich mit der gefundenen Lösung anscheinend zu= friedengeben. Dabei kann wirklich nicht behauptet werden, daß es überhaupt eine Lösung ist und daß die Verhälnisse sich ge­ändert, geschweige denn gebessert hätten. Die Vereine haben wenig Interesse an einer klaren Erkenntnis der Situation. Sie lehnen das Berufsspielertum ab, obwohl der reine Amateu­- 1900 Gießen Jgd. 0: 3 rismus heute kaum noch besteht.

Halle 5: 4

Weylarer SpV. 2: 5

Biedenkopf Wiesenbach 0: 4

Edelshausen

-

Gladenbach 2: 0( 1: 0)

Steinberg 1. Germania Marburg 2. 5: 1( 2: 1) Löhnberg Jgd. Wetzlar SpV. Jgd. 2: 0 SpV. Nassau Wiesbaden Jgd. 2. Weihnachtsfeiertag:

-

Borussia Fulda- Neu- Isenburg 0: 1 Eintracht Siegen- Wetzlar SpV. 4: 1 Biedenkopf Germania Marburg 4: 5 Breidenstein Obereisenhausen 1: 3( 0: 2) Breidenstein 2. Obereisenhausen 2. 2: 0 Großen- Bused 2. Daubringen 2. 1: 2 Waldgirmes Weylar SpV. 3./4. 0: 7

Biedenkopf Jgd.

28. Dezember:

Germania Fulda

Kurhessen Marburg

Germania Jgd. 2: 0

1. Bezirksliga und Bezirksklassen.

VfB. Gießen 2: 1( 1: 1) Odershausen ausgef. Sport Kassel- Hessen Hersfeld 4: 0( 3: 0) Hessen 09 Kassel Grone 4: 2( 2: 1)

SC. Weende Germania Osterode 1: 1 VfB. Witzenhausen- SC. Lauterberg 4: 0 P. Sp. V. Holzminden Sp. Fr. Einbeck 5: 2 Weilburg Großen- Bused 5: 4( 0: 2) Butzbach Gesellschaftsspiele:

Wiesenbach

-

SC. Wetzlar 1: 0

-

Biedenkopf 3: 0

Weylarer SpV. Ehringshausen 1: 1 Meisungen SC. 03 Kassel 3: 3( 1: 1)

Gau Gießen- Wezlar:

SC. Wetzlar 2., W. n. angetr. 1900 Gießen 2. 2: 2

VfB. Gießen 2. 6: 3( 2: 3)

Buzbach 2. Daubringen Steinberg Holzhausen 1. Niedershausen Weyl. SpV. 3. 1900 Gießen 3. VfB. Gießen 3. Grünberg 2. Ulrichstein

-

-

Bissenberg 1. 2: 2( 2: 2)

Nauborn, Na. n. angetr. Hermannstein 1. 1:11

Bieber ausgef.

Garbenteich 1: 4( 0: 2)

Villingen 1.( G.) 1: 1, G. verz. auf P. Flensungen F. n. angetr. Werdorf Ehringshausen 2. 6: 1 Großen- Buseck 1. Jgd. VfB. Gießen 1. Jgd.

Gau Marburg:

-

1900 Gießen 1. Jgd. 0: 4( 0: 3) Heuchelheim 1. Jgd. 1: 0( abgebr.)

Homertshausen Dautphe 3: 2

Hommertshausen 2. Dautphe 2. 5: 2

-

Germania Fulda- VfB. Gießen 2: 1( 1: 1).

Ein im ganzen ausgeglichener Spielverlauf brachte den Einheimischen einen glücklichen Sieg, der genau so umgekehrt den Gästen hätte auch zufallen können. Ein Unentschieden wäre unbedingt gerecht gewesen, zumal noch der Plaz in einem sehr schlechten Zustand war und infolgedessen keine Mannschaft zu besonderen Leistungen auflaufen konnte.

Weilburg 1. Großen- Bused 1. 5: 4( 0: 2)

-

Zu diesem Treffen stellten sich beide Mannschaften nicht in stärkster Aufstellung und nahm das Spiel einen etwas lebhaften Verlauf, sowohl von Seiten der den Bodenverhältnissen entspre= chend fair wirkenden Spieler als auch durch das zuschauende Publikum, welches sich wohl die nassen Füße durch allerlei Gym­nastik warm strampeln wollte. Der Unparteiische aus Grünberg war ein gerechter Leiter und hatte das Spiel gut in seiner Hand. Den Sieg verdankte Weilburg hauptsächlich seinem glänzend auf­gelegten Torwart Lenz und den beiden Stürmern Blant und Pontani.

Aus Gießen und Umgegend.

-

1900 Gießen 2. 2: 2.

Daubringen 1. Daubringen, mit nur 10 Mann antretend, kommt sofort nach Mittelanstoß gut nach vorne und schießt überraschend zum ersten Treffer ein. Nach dem Wiederanstoß: Durchbruch des Linksaußen, Flanke und Halbrechts schießt zum zweiten Treffer ein. Nach 5 Minuten Spielzeit 2: 0. Dann kommt der elfte Spieler Daubringens. Hin und her wanderte der Ball; das Spiel wird schärfer. Gießen steigert zusehends das Tempo und fommt sehr oft gefährlich in Tornähe. Nach einem Geplänkel vor dem Tore ein scharfer Schuß vom Gießener Halblinken, der Tormann wehrt ab, muß jedoch den Nachschuß passieren lassen. 2: 1. Nach Mittelanstoß tommt der D. Sturm wieder gut durch und setzt sich eine kurze Zeit in des Gegners Hälfte fest. Bei einem Angriff wird der Halbrechte Daubringens im Straf­raum zu Fall gebracht. Elfmeter. Dieser vom Mittelstürmer getretene Ball wird gehalten. Kurz danach Pause. Bei Wie­derbeginn sofort scharfes Tempo. Gießen drängt zum Ausgleich, jedoch kann der Gäste- Sturm an Daubringens guter Läufer­reihe nicht recht durchkommen. Eckbälle für Daubringen. Bei einem plötzlichen Durchbruch kann Gießen blitzschnell zum Aus­gleichstor einsenden. Das Spiel wird aufgeregter und trotz starken Drängens, abwechselnd auf beiden Seiten, will nichts mehr gelingen. Ein zum Schluß gegebener Elfmeter wird eben­falls verschossen. Schiri Philipp leitete einwandfrei.

Steinberg 1. Germania Marburg 2. 5: 1( 2: 1) Steinberg 1. BfB. Gießen 2. 6: 3( 2: 3) Am ersten Weihnachtsfeiertage hatte die 1. Mannschaft der Teutonen die zweite Mannschaft der Germania Marburg zu Gast. Das durchaus faire Spiel endete mit einem unerwarteten 5: 1- Sieg.

Zum letzten Verbandsspiel auf eigenem Plaze standen sich die erste Mannschaft des FC. Teutonia und die zweite Mann­schaft vom VfB. Gießen gegenüber. Wie zu erwarten war, lie­ferten beide Mannschaften vor ca. 500 Zuschauern einen scharfen Kampf. In der ersten Halbzeit sah man ein ausgeglichenes Spiel, wobei beide Hintermannschaften einen schweren Stand hatten. Seitenwechsel 3: 2 für VfB. In der zweiten Halbzeit dagegen gab der Plazbesitzer den Ton an und drängte seinen Gegner voll­ständig in seine Spielhälfte zurück. Die Einheimischen spielten nun geschlossener, was in vier weiteren Toren zum Ausdruc tam. Die Gäste waren dem von Anfang an starten Tempo nicht mehr am Schlusse gewachsen. Schiri Schulz- Butzbach war gut. BfB. Gießen 3. Garbenteich 1. 1: 4( 0: 2)

-

Ein schönes Verbandsspiel, daß Grabenteich verdient für sich buchen tonnte. Schiri Henkel- Wetzlar, leitete sehr gut.

Verbände und Bund wollen Ruhe haben.

Die drohende Separation der Groß- Vereine ist vermieden, die Amnestie für alle zurückliegenden Vergehen gibt genügend Sicherheit vor Ueberraschungen, die Führer drehen sich im Kreise und heben heute auf, was gestern beschlossen wurde, der Bruch mit der Turnerschaft ist unwahrscheinlich geworden, und aus all dem zieht man den Schluß, es sei kein Anlaß vorhanden, die Berufsspielerfrage zu überstürzen. Die 7,50 Mart zulässiger Auslagenersatz haben dabei den Amateurstandpunkt stark ver­wässert, die neu eingeführten Kontrollmaßnahmen führen nur dazu, den Verwaltungsapparat noch komplizierter zu machen. Der Sportbetrieb und die Förderung der aktiven Spieltätigkeit tritt bei einer solchen Einstellung der leitenden Stellen nicht besonders in die Erscheinung.

Rein ziffernmäßig ist der Deutsche Fußballbund in den letz­ten zwölf Monaten vorangekommen. Er hat sich

um 50000 Mitglieder vergrößert und ist auf 7300 Vereine mit 936 000 Mitgliedern gewachsen. Leider ist die Zahl der Jugendlichen nicht festzustellen; im Vor­jahr war sie bekanntlich zurückgegangen. Sportlich ist das ab­gelaufene Jahr dagegen bei weitem nicht so erfolgreich gewesen wie die vorangegangenen. Aus sechs Spielen wurden nur zwei Siege heimgebracht: gegen die Schweiz 5: 0 und gegen Ungarn 5: 3. Dem Höhepunkt eines 3: 3 gegen England folgte eine ver­meidbare 3: 6- Niederlage gegen Dänemark und ein recht mageres 1: 1 gegen Norwegen. Gegen Italien verlor unsere Elf trotz stärkster Besatzung 0: 2. Diese teilweisen Mißerfolge haben uns in der internationalen Tabelle beträchtlich zurückgeworfen. Finanziell steht der DFB. gesichert da.

Er besitzt über eine Viertelmillion Reichsmart, wovon im letzten Jahr allein 110 000 Mark bei den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft erübrigt wurden. Die Hausbaupläne sind vorerst aufgegeben worden. Die Finanzpolitik ist trotzdem nicht vorbildlich, weil sie sich in erster Linie auf den Ueberschüssen aus Wettkämpfen ausbaut und von 900 000 Mitgliedern nur 9000 Mark also ein Pfennig pro Kopf Kopfsteuer erho= ben werden.

An den Schulen hat die Verbreitung des Fußballspiels un­zweifelhaft Fortschritte gemacht. Die Hemmnisse in der Lehrer­schaft haben abgenommen. Der DFB. selbst hat durch ein hand­liches Lehrbuch versucht, die Grundlage für eine sachgemäße Uebungsarbeit an den Schulen zu schaffen.

An der im Juli in Montevideo ausgetragenen Weltmeister­schaft beteiligte sich Deutschland nicht. Es ist müßig, nachzuprüfen, ob wir einige Aussichten gehabt hätten. Dagegen fand der inter­

Nr. 104.

nationale Spielverkehr unserer Vereine eine Verstärkung. Die Aufhebung der Sperre für Spiele gegen Profimannschaften hat hierzu erheblich beigetragen. Die Erfolge gingen leider zurück. In 977 durchgeführten Spielen wurden

uur 423 Siege errungen, 125 Spiele unentschieden gestaltet, 429 dagegen verloren.

Die deutsche Extraklasse hat nicht mehr die überragende Form früherer Jahre, nachdem die Hochburg Nürnberg- Fürth ver= drängt ist, ohne das Besseres an ihre Stelle getreten wäre. 1931 wird erstmals ein Spiel gegen Frankreich durchgefürt; mit Desterreich, und Ungarn sind die Beziehungen wieder in Gang gebracht.

Deutsche Schiedsrichter haben im Ausland manche Aner­fennung geerntet. Die Zahl der Anforderungen nahm zu. Dr. Bauwens hat Sitz und Stimme in der internationalen Regel­fommission, dem International Board, und im Konsultativ­Komitee für die Vorbereitungen der Regeländerungen. Außer ihm waren Birkem- Berlin, Weingärtner- Ofenbach, Fuchs- Leip­zig und Maul- Nürnberg im Ausland tätig, wobei festzustellen ist, daß das deutsche Schiedsrichterwesen besser geworden ist. Dr. Schricker vom Bundesvorstand ist Vizepräsident der Fifa, des internationalen Fußball- Verbandes.

Auch an den Hochschulen ist der Fußballsport vorangekommen.

Die Arbeiten der akademischen Ausschüsse wurden vom DFB. unterstützt. In zwei Hochschulkursen wurde den Studenten ermöglicht, ihre Leistungen zu verbessern. Die Deutsche Studen= tenmeisterschaft wurde mit Hilfe des Bundes organisiert, auf die Termingestaltung wurde bei der Ansetzung großer Bundes= spiele Rüdsicht genommen. Also immechin ein Fortschritt gegen früher und ein besseres Verständnis für die Belange der Stu­dentenschaft.

Abschließend ist zu sagen, daß die Entwicklung des Fußball­sports im zu Ende gehenden Jahr einen teilweisen Fortschritt bedeutet, daß aber die Erfolge die Mißerfolge nicht überstrahlen fönnen. Die Politik des DFB. ist nicht gradlinig und klar. In der Auffassung über die Stellung zum Berufssport fehlt die Reinheit. Ein Zurückweichen vor den Zeichen der Zeit, ohne daß damit die Möglichkeit gegeben wäre, die Dinge später so ge­stalten zu können, wie es im Interesse einer ruhigen und steten Entwicklung der Fußballbewegung notwendig ist, ist leider nicht abzuleugnen.

Auch sportlich ist unverkennbar ein Rückgang festzustellen, der seine eigentliche Ursache in der ilcinlichen Fürsorge für Eigeninteressen der Verbände und Groß­Vereine

hat. Die Macht des DFB. ist zu gering, die Verwaltungsform nicht praktisch, nicht erfolgsichernd genug. In die ganze Bewe­gung ist eine große Unruhe eingezogen, die so schnell nicht ge= bannt werden kann. Eine Uebertreibung des Verwaltungsbe= triebs, eine engstirnige Abgrenzung der Interessengebiete der einzelnen Behörden lähmt die Arbeitsgestaltung.

Unsere Forderung geht auf eine vermehrte Jugendarbeit, auf eine größere Freiheit der Führer, auf die Schaffung eines Bundesparlaments, um den Einfluß der Vereine geltend zu machen. Eine Verjüngung der Führerschaft, eine stärkere Her­anziehung des Nachwuchses und eine sichere Führung, frei von allen Semmnissen einer übergroßen Verwaltung, wird dem Fußballsport als Volkssport weiter den Weg ebnen und die Bahn frei machen für die Durchsetzung des gesunden Gedankens, der in ihm noch immer die Massen beherrscht.

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