Gamstag
Samstag, den 31. Mai 1930.
,, Absicht des Gesetzes scheint es gar nicht zu sein, eine besondere Sentung der Bodenpreise herbeizuführen. Vielmehr soll nur Bodenspekulation verhindert werden.( Haha! Und die Grundstücksspekulation der Stadt Berlin? Die Schreiftleitung.). Das geht daraus hervor, daß der Entwurf ja die Ziehung von Gewinnen aus Bodenpreissteigerungen durch die Gemeinden vorsieht, Gewinnen, die wiederum der Bodenvorratswirtschaft zugeführt werden sollen. Auch die im§ 24 genannte Zuwachssteuer wirkt bekanntermaßen bodenpreisversteuernd. Das Ergebnis des Gesetzes in finanzieller Hinsicht wäre also, daß Bodenvorratswirtschaft zur Schaffung von Wohnheimstätten getrieben würde mit
,, Gießener Zeitung"
recht, die da sagen: Bodenreform ist schlimmer als Sozialdemo fratie". Einen Beweis für diese Worte hat auch der 33. Bundes= tag Deutscher Bodenreformer geliefert! Den unter Leitung des inzwischen abgetretenen sozialdemokratischen Reichsarbeitsministers Dr. H. c. Wissel ausgearbeiteten Entwurf eines„ Baulandgesetzes", der den Wünschen der Bodenreformer weitestgehend entgegenkomme, haben die Bodenreformer abgelehnt. Ihnen genügt das Werk des Sozialdemokraten Wissel nicht! Das Damaschkesche ,, Wohnheimstättengesetz" soll zum Gesetz erhoben werden.
Nr. 43.
waren 88,95 Prozent der vorhandenen Wohngebäude Kleinhäuser( mit 1-4 Wohnungen), 0,07 Prozent Großhäuser ( mit 11 und mehr Wohnungen).
Die Gesamtzahl der bewohnten Wohnungen in Gießen belief sich auf 8160, darunter 860 Neuwohnungen( 10,5 Prozent). Von 100 Wohnungen waren 21,4% Kleinwohnungen mit 1-3 Wohnräumen, 60,3 Prozent entfielen auf Mittelwohnungen mit 4-6 Räumen, die restlichen 18,3 v. H. auf Großwohnungen mit 7 und mehr Wohnräumen.
Mitteln, die schon jekt der Förderung und Berbilligung des Wie wohnt die Bevölkerung von Gießen? veranschaulicht werden, daß man feſtſtellt, wieviel Personen
Wohnungsbaues dienen. Wenn man sich diese Tatsache vor Augen hält, dürfte die Frage berechtigt sein, ob das die richtige Verwendung für die doch nur in beschränktem Umfange zur Verfügung stehenden Wohnungsbaumittel ist. Die Ausführun gen zeigen, daß die zwangsmäßige Bodenvorratswirtschaft der finanziellen Grundlage entbehrt. Die Folge würde nur sein, daß Mittel dem Wohnungsbau entzogen werden, ohne daß in ausreichendem Maße dafür an anderer Stelle Ersatz geschaffen wird. Zum mindesten würde aber die Rechnung plus minus null aufgehen.“
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Diese Worte eines erfahrenen Kommunalfachmannes sagen also, daß das Damaschtesche Wohnheimstättengeset" auf den Ruin der Gemeinden hinstenert.
Ueber zwei Jahre hat es gewährt, bis die Maschinerie der amtlichen Statistik in die gewaltigen Zahlenberge der Reichswohnungszählung des Jahres 1927*) Drdnung gebracht hat. Ihre Hauptarbeit ist nun getan, und in systemvollem Aufbau marschieren soeben die Zahlenreihen der großen Wohnungsinventur des deutschen Reiches auf. Zweck der Erhebung war, die im Zeichen des Wohnungsmangels stehenden Wohnverhältnisse der Bevölkerung zahlenmäßig festzustellen und damit Unterlagen für die Wohnungspolitik von Reich, Ländern und Gemeinden zu liefern.
Dämmert es auch bei Herrn Damaschte, daß er auf falscher Fährte ist? Wertvoll ist gewiß sein Geständnis, daß eine Bodenvorratswirtschaft in solchem Umfange, wie sie Berlin betrieben hat, bei den heutigen Zinssägen natürlich ernste Bedenten wetten müsse. Etwas anderes konnte wahrhaftig auch kein eingefleischter Bodenreformgegner konstatieren. Aber Damaschte ist nicht tonsequent. Er will es nicht sein, um seines Lebenswerkes, seiner Bewegung willen. Sonst müßte er die Tatsache eingestehen, die auch sein Vorgänger in der Führung des Bundes Deutscher Bodenreformer, Dr. Heinrich Freese, in dem Buche ,, Nationale Bodenreform" geschrieben hat:
,, Der Gedanke, daß es ein Recht gibt, das jeden Mißbrauch ausschließt, ist leider nicht weniger utopistisch als das Verlangen nach einer Wirtschaftsform, die alle Not beseitigt, nach einer Gesundheitslehre, die jede Erkrankung verhindert, oder nach einer Erziehungsmethode, die uns zu vollkommenen Menschen macht".
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Die Wohndichte kann zunächst in roher Weise dadurch auf eine Wohnung entfallen. In Gießen ergaben sich dabei 3,98 Bewohner je Wohnung. Ein genaueres Bild gibt erst die Berechnung der auf je einen Wohnraum entfallenden Zahl von Personen. Diese ist für Gießen mit 0.81 festgestellt. Die Stadt steht mit dieser Ziffer unter den erfaßten 6 Gemeinden der Provinz Oberhessen an 3. Stelle und entspricht damit dem Durchschnitt der Provinz. Zum Vergleich seien die Ziffern der Wohndichte je Wohnraum für einige Nachbarstädte angegeben: Friedberg 0,82, Bad Nauheim 0,75, Vilbel 0,96, Buzbach 0,79, Alsfeld 0,84, Darmstadt 0,78, Dffenbach 0,91.
Die Zählung erstreckte sich auf alle Gemeinden mit über 5 000 Einwohnern. Das summarische Ergebnis ist, daß zur Zeit der Erhebung in den erfaßten Gemeinden 2 391 391 Wohngebäude mit 8 709 751 Wohnungen vorhanden waren. Auf eine Wohnung entfielen danach im Reichsdurchschnitt 3,81, auf einen Wohnraum 0,98 Personen. Je nach der Bevölkerungsstruktur ist die Wohndichte jedoch regional sehr verschieden. Während z. B. im Lande Braunschweig im Durchschnitt nur 0,76 Personen auf einen Wohnraum tref fen, sind es in Oberschlesien doppelt so viel( 1,54). Im Staate Hessen entfielen auf einen Wohnraum durchschnittlich 0,90 Personen. Von 100 Wohnungen waren in den Kleinstädten des Reiches 6,4, in den Mittelstädten 6,2 und in den Großstädten 5,0 überfüllt, d. h. mit über zwei Personen je Wohnraum belegt.
Zu einem solchen offenen Geständnis wird Damaschte in seinem Leben nicht mehr zu bewegen sein, denn es würde doch nichts anderes bedeuten, als die Feststellung, daß er mit seinem Latein zu Ende ist. Vielleicht einst von dem utopistischen Glauben beseelt, daß man ein Paradies auf Erden schaffen könne, hat er sich schon lange zu denen gesellt, die von der Demagogie zehren. Er paktiert mit denen, die die Unverletzlichkeit des Privateigentums nicht anerkennen.
Mit Recht sagte einst der verstorbene General Hoffmann: ,, Enteignen, immer enteignen! Vielleicht haben die Leute doch
Verdun 1916*.
Im Vordergrund des Interesses steht naturgemäß die Wohnungsüberfüllung, deren Gestaltung übrigens auch für die sonstigen Belegungsverhältnisse mehr oder weniger typisch und die zur Beurteilung des Wohnungsbedarfs unter sozialen und sozialhygienischen Gesichtspunkten am bedeutsamsten ist.
In der Stadt Gießen waren nach den Feststellungen der Reichswohnungszählung zur Zeit der Erhebung 2760 Wohngebäude vorhanden. Im Durchschnitt entfielen auf ein Wohngebäude 2,9 Wohnungen, gegenüber 2,3 im Durchschnitt der Provinz Oberhessen. Im allgemeinen läßt sich feststellen, daß mit zunehmender Gemeindegröße die durchschnittliche Zahl der auf ein Wohngebäude entfallend. Wohnungen steigt. In Gießen
Am 1. Juni lag wieder lebhaftes feindliches Artilleriefeuer auf der Stellung und auf den Anmarschwegen, ganz besonders start auf der vorderen Linie. Nachmittags Steigerung bis zum Trommelfeuer. In den französischen Gräben wurden gegen Abend starke Ansammlungen bemerkt, worauf deutscherseits Sperrfeuer angefordert wurde. Dieses setzte wiederum recht spät ein, es lag dann aber auch sehr gut, so daß der Feind feine Infanterietätigkeit mehr entwickelte. Auch in dem östlichen und westlichen Nachbarabschnitt wurde Sperrfeuer verlangt.
Nach dem Ergebnis der Reichswohnungszählung waren in Gießen 164 Wohnungen als überfüllt(?)( mit über zwei Personen je Wohnraum) anzusehen, in denen: 1252 Personen untergebracht waren. Die Zahl der überfüllten Wohnungen entspricht 2,0 Prozent der überhaupt vorhandenen Wohnungen. Demgegenüber ist zu erwähnen, daß 24,2 Prozent der Wohnungen in Gießen je Wohnraum nur mit bis ½ Personen belegt waren und 53,2 Prozent mit ½- 1 Personen.
*) Anmerkung der Redaktion: Nach der erfolgten Feststellung der Volkszählung 1927 sind in Gießen noch einige 100 Wohnungen erbaut worden, von denen heute noch eine Anzahl leer steht. Seit 1914 hat Gießen aber nicht viel über 1000 Personen(!) zugenommen, während dem gegenüber mindestens ebensoviel Wohnungen(!) errichtet worden sind. Hinzu kommt noch, daß am 1. Juli 1914 auch noch 251 Wohnungen leer standen. Nun frage sich ein Jeder: Wo kommt die Wohnungsnot her?
Da die 7./118 sehr starke Verluste hatte und durch das zweimalige Trommelfeuer moralisch stark erschöpft war, wurde sie in der Nacht durch 8./118 abgelöst. Das beiderseitige Artilleriefeuer ließ erst nach Mitternacht nach, setzte aber am anderen Morgen wieder ein. Im Laufe des Tages beruhigte es sich dann wieder. Die vorderen Kompagnien erhielten Be fehl, vor der besetzten Linie eine neue Stellung festzulegen, die vorläufig durch Schützenschleier besetzt werden sollte. Am rechten Flügel lag etwa 200 Meter vor der Linie ein Zug der 5./118. Dieser Zug hing links vollkommen in der Luft; er war daher ständig in Gefahr, umfaßt zu werden. Nur nachts wurde die linke Flante durch eine Patrouille notdürftig gesichert; die mit dem Schützenschleier in der Linie 371-380 Verbindung aufrecht erhielt. Am rechten Flügel bestand Anschluß an F.R. 35. Dessen Graben war bis zum 31. 5. zweite Linie gewesen. Als dann aber die Franzosen erfolgreich angegriffen hatten, war die vordere Linie zurückverlegt und durch einen Schüßenschleier in der Linie 720-729 gesichert worden. Dieser war aber sehr dünn, etwa alle 20 Meter fam ein Doppelposten. Die Entfernung des Schüßenschleiers bis zum Feinde betrug etwa 200 m. Ein halbverschütteter alter französischer Laufgraben war von uns etwa 15 Meter vor unserem Graben abgedämmt.
Die Wohndichte wird ausschlaggebend durch die Aufnahme von Untermietern beeinflußt. Die wirtschaftliche Not auf der einen Seite und die relativ hohen Mieten in NeubauWohnungen, sodann vor allem die starke Verknappung am Wohnungsmarkt selbst haben allenthalben zu einer umfangreichen Ausdehnung der sogenannten Untervermietung geführt. Nicht weniger als 625 Wohnungen wurden in Gießen gezählt, in denen Unterfamilien oder Haushaltungen aufgenommen waren, und 1089 Wohnungen mit aufgenommenen Einzelpersonen. Prozentual bedeutet das 7,7 bezi. 13,3 v. H. aller Wohnungen.
Demgegenüber und in gewissem Widerspruch zu der allgemeinen Wohnungsnot steht die Tatsache, daß 620 Wohnungen 1 7,6 v. H. sämtlicher Wohnungen in Gießen sich im Besiz von Einzelpersonen befinden. Freilich sind diese Wohnungen zumeist Kleinwohnungen. Außerdem haben namentlich in Mittel- und Großwohnungen die Einzelinhaber der Wohnungen zahlreiche Untervermietungen vorgenommen.
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wundete. Mein Unterstand zitterte ständig unter den Einschlägen. Unser Talglicht mußte immer wieder von neuem angezün det werden. Ueber zehn Mal war im Laufe des Tages der Eingang verschüttet.
Auch unsere Hauptlinie und das rückwärtige Gelände lagen unter starkem Feuer. Ich hatte von vornherein das Gefühl, daß die Franzosen Angriffsabfichten trugen. Gegen Abend konzentrierte sich die Tätigkeit beider Artillerien auf die Höhe 304, die sich um 9 Uhr zum Trommelfeuer stärkster Art auswuchs. Von dem Gelände Höhe 304 über Toten Mann" bis zur Caurettes- Höhe war buchstäblich vor Bulverdampf nichts zu erken= nen. Erst als nach 10 Uhr die Dunkelheit einsetzte, flaute das Feuer allmählich ab. Jeht konnten wir auch aus unseren Löchern heraustriechen. Ich ordnete zunächst die Zurückschaffung der Verwundeten an, die Toten wurden bestattet. Gleich der erste Tag hatte mich ein Viertel meiner Leute gekostet.
Dann gingen wir daran, den Graben wieder in Ordnung zu bringen und weiter auszubauen. Es war aber sehr schwierig, da der steinige Boden sehr hart war. Gegen Mitternacht besuchte mich mein Kompagnieführer, Lt. d. R. Gérard, um sich über seinen Kompagnieabschnitt auch an dieser exponierten Stelle zu orientieren.
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Auf einem Patrouillengang in der gleichen Nacht konnte ich wichtige Feststellungen machen:
5./118 war ebenfalls inzwischen eingetroffen. So wurde dann der Marsch angetreten. Südlich des früheren Regimentsgefechtsstandes( Punkt 91a) gingen wir durch ein etwa 200 Meter langes Stüd Laufgraben, das einigermaßen in Ordnung war. Hier schickte uns der Franzmann seinen ersten Gruß: fünf SalDen mittleren Kalibers, die ausgezeichnet lagen. Zwei Schüsse gingen mitten in den Graben hinein, trotzdem b es nur zwei Verwundete, weil sich alles hingeworfen hatte. Dann ging es weiter. Die feindlichen Batterien streuten unablässig das ganze Gelände ab. Hin und wieder fanden wir halb verschüttete Grabenstücke vor, die aber immer noch etwas Schutz boten. Meistens gingen wir aber über offenes Gelände. In der sogenannten„ Leichenschlucht" sah es einfach grauenhaft aus. Einstmals gut ausgebaute Gräben waren nur noch 30-35 3tm. tief. Ich sah keinen Unterstand, der nicht eingedrückt war. Leichen lagen in Massen unbeerdigt umher oder waren bis auf einzelne Körperteile verschüttet. Auch hier mußten wir uns mehrere Male zum Schutz gegen Granatsplitter hinwerfen. Dann ging es wieder vorwärts, unbehelligt bis zu unserer vorderen Hauptlinie. Hier war der Graben, wo ich ihn treuzte, etwa 1½ Meter tief, als Unterschlüpfe waren nur Karnickellöcher" da. Ich orientierte mich kurz über seinen Verlauf und stieg wieder hinaus, um endlich in den Schüßenschleier zu gelangen. Ich wußte bereits, daß sein linter Flügel in der Luft hing, und war daher stets bestrebt, an das rechte Ende zu kommen. Zur Orientierung hatte ich außer dem Führer, der ein tüchtiger und schneidiger Soldat war, den Weg aber auch erst zweimal gegangen war, noch den Sternhimmel. Nach etwa 20 Meter Weges trepierte 200 Meter rechts von mir eine Granate schwersten Kalibers und bald darauf hörte ich in der Luft etwas heransausen. Ehe ich mich hinwerfen konnte, erhielt ich einen mächtigen Schlag in den Rücken und verlor die Besinnung. Nach etwa 2 Minuten tam ich wieder zu mir und fand mich auf dem Erdboden liegen, um mich besorgt meine beiden treuen Gefechtsmelder. Ich hielt mich für erledigt, glücklicherweise ohne Grund. Ein etwa 30 cm langes und 3 cm breites Eisenstück hatte mich zwar getroffen, aber nur flach. So hatte ich ein lahmes Kreuz, aber die Knochen waren ganz geblieben. Ich ruhte mich noch etwas aus, dann ging es langsam weiter. Wir tamen richtig am rechten Flügel an. Ich ließ mich zum Zugführer bringen, der in dem sogenannten„ Blockhaus", einem früheren französischen Unterstande mit einem Ausgang, lag. Dieses Blockhaus fannte na= türlich die französische Artillerie ganz genau und bepflasterte es täglich mit mehreren hundert Granaten. Glücklicherweise hielt der Unterstand es aus, aber der Eingang wurde alle Tage so und so oft zugeschossen. Dies war auch etwa 5 Minuten vordem der Fall gewesen, ehe ich zu meinem Freund und Landsmann ,, Tante" Boß tam. So konnte ich ihn noch befreien helfen. Ich troch auf allen Vieren durch ein etwa 3 Meter langes und Meter breites Loch hinein und ließ mir zunächst drinnen, später auch draußen, die eigene und feindliche Stellung erklären. Außer dem sogenannten ,, Blockhaus", das etwa 2 Meter Erde über sich hatte und mit startem Grubenholz abgesteift war, gab es in dem Zugabschnitt nur ungefähr 8-10,, Karnickellöcher". Ein Teil der Besatzung mußte sich also in offene Granattrichter legen. Alle diese Löcher waren notdürftig verbunden durch einen 100 Meter langen Graben, der an den meisten Stellen 50-70 cm, nur an wenigen Stellen etwa 1,20 Meter tief Eine Bewegung bei Tage war unmöglich, da die Stellung von der Höhe 310 vollkommen eingesehen wurde.
Dieses vorgeschobene Grabenstück sollte nun links über 371 hinaus verlängert u. bis zum Nachbarregiment durchgeführt werden. Es ergaben sich aber große Schwierigkeiten im Suchen der Anschlußlinie, da das Festlegen nur bei Nacht gemacht werden konnte und das start zerschossene und aufgewühlte Gelände kaum einen Anhaltspunkt bot. Es gelang noch nicht, die Flügel und den sicheren Anschluß festzulegen. Es wurde aber, soweit der Verlauf klargelegt war, bereits mit Schanzarbeiten begonnen.
Den 3. Juni bennzeichnete wiederum ein zeitweises Artille= riefeuer schwerster Kaliber, das aber abnahm, als am Nachmit tag Regen einsetzte. In der Nacht vom 3. auf 4. Juni erfolgte die zweite Ablösung innerhalb des Regiments. III./118 wurde Kampfbataillon, und zwar 11. links, 12. rechts in erster Linie, 9. und 10. in zweiter und dritter Linie. Das 1./118 setzte als Bereitschaftsbataillon 2. und 4./118 in die alte deutsche Stellung und Lb. und 3./118 am ,, T- Wäldchen" ein; Stab ebenfalls dort. II./118 ging als Ruhebataillon ins Waldlager III.
An dieser Stelle soll nun die am weitesten vorgeschobene Postenlinie südlich des Toten Mannes" einmal etwas näher geschildert werden. Lt. d. R. Schröder( Johannes) 12./118, der hier vom 4. bis 7. 6. mit seinem Zuge saß, schreibt darüber folgendermaßen:
„ Ich saß bis zum 3. 6. in dem„ T- Wäldchen". Meine Wohnung" bestand hier aus einem etwa 2 Rubikmeter großem Erdloch, das oben mit einer Zeltbahn überspannt war. Nachmittags hatte es geregnet, was die beiderseitigen Artillerien zu einer bis dahin ungewohnten Zurüdhaltung veranlaßt hatte. Mit Einbruch der Dunkelheit aber hellte sich der Himmel auf, und so sette ein mörderisches Artillerieduell ein. Die französi= schen ,, Liebestoffer" segelten glücklicherweise meistens über uns hinweg in den Forges- Wald oder auf die Anmarschwege in ihrer ganzen Ausdehnung. Zu uns fam nur hin und wieder mal eine Granate, sodaß wir uns ziemlich ungestört für den Marsch in die vordere Linie vorbereiten konnten. Etwa gegen 10,30 Uhr nachmittags war die Bereitschaftsablösung da: ein Führer der.
*) Entnommen aus dem Werk:„ Das Infanterie- Regiment Prinz Karl( 4. Großh. Hess.) Nr. 118 im Weltkriege" Verlag Phil. L. Fint, Groß- Gerau( Hess.) Preis in Leinen gebunden RM 6,80.
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Der Feind befestigte den rechten Teil seines Abschnittes durch Drahthindernisse. Das zeugte dafür, daß er im Augenblick an dieser Stelle keine Angriffsabfichten trug. Anders aber sah es vor unserem rechten Flügel aus. Hier erkannte ich, daß der frühere französische Laufgraben, der jezt zwischen beiden Linien lag, durch starte Arbeitstrupps vertieft wurde. Das konnte nur den Zwed haben, einer in ihr vorgehenden Angriffstruppe besseren Schutz zu gewähren. Hier drohte uns also eine Gefahr, die dadurch besonders ernst wurde, daß der Graben in dem sehr schwach besetzten Abschnitt des Nachbarregiments mündete. Un ser Zug schien unter den gegebenen Verhältnissen einem überraschenden feindlichen Angriff aus der rechten Flanke gegen= über geradezu als unrettbar verloren. Ich wies in meiner Meldung mit aller Deutlichkeit auf die Gefahr hin, und bat das Bataillon, höheren Orts zu erwirken, daß der Schüßenschleier beim F. R. 35 erheblich verstärkt würde. Auch in den nächsten Nächten arbeitete der Feind eifrig an der Verlängerung und Vertiefung des Laufgrabens. In allen meinen Meldungen unterstrich ich immer aufs neue die uns drohende große Gefahr, aber von oben her erfolgte nichts, um ihr zu begegnen. Anscheinend hatte das rechte Nachbarregiment, das weitgehende Sicherungsmaßnahmen hätte anordnen müssen, eine andere Auffassung über die Absichten des Feindes. Es entbehrt nicht einer gewissen Tragif, daß ausgerechnet an der bedrohtesten Stelle des ganzen Divisionsabschnittes die Naht zweier Regimenter lag".
Die erste Nacht verlief verhältnismäßig ruhig. Aber der nächste Tag sollte uns zeigen, in welche Hölle wir geraten waren. Am Frühmorgen war das Wetter noch diesig, sodaß wir die dadurch bedingte Ruhe zu einem mehrstündigen Schlaf ausnutzen fonnten. Gegen 9 Uhr klärte sich der Himmel auf und es setzte eine sehr rege Flieger- und Ballontätigkeit ein. Dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis die Batterien ihr Frühfonzert anstimmten. Eine längere Reihe von ,, Ratsch- Bum" Salven, so genannt, weil der Ratsch- Klang der Detonation eher zu hören war, als das Bum des Abschusses, galt uns. Die Schüsse, von der Höhe 310 aus verhältnismäßiger geringer Entfernung unter guter Beobachtung abgegeben, lagen in oder dicht neben unserem„ Graben". Es gab gleich Tote und Ver
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Den 5. Juni kennzeichnete eine heftige gegenseitige Artilleriebeschießung. Allerdings wurden auch die Infanterieſtellungen nicht ganz verschont. Ein Bild von der Inanspruch nahme und Abnutzung der Geschütze gibt die Tatsache, daß ein Geschoß der mittleren eigenen Artillerie im Forgesbach- Tal niederfiel, also 3 Kilometer hinter der Front. Das Geschehnis wurde, wie auch später noch so oft, zweifelsfrei festgestellt Abends wurde 11./118 in vorderer Linie durch 9./118 abgelöst. Der frühe Morgen des 6. Juni verlief verhältnismäßig ruhig. Um 9 Uhr vormittags äußerst heftige Beschiehung der ganzen vorderen Linie vom„ Toten Mann" bis Cumières. Ein um 9,30 Uhr erfolgter feindlicher Angriff in diesem Abschnitt erstickte bereits im Sperrfeuer unserer Artillerie, das sofort nach Anfordern einsetzte. Der Gegner wollte anscheinend die herrschende trübe Witterung, die eine Beobachtung durch Fesselballone u. Flieger unmöglich machte, ausnutzen Auffallend war die kurze Artillerie- Vorbereitung und die alleinige Beschießung der vorderen Linie. Erst als der Infanterieangriff einsetzte, wurde das Artilleriefeuer nach hinten verlegt. Ein starter Sperrfeuergürtel( Granatbrennzünder) zog sich über die ganze Länge des Forgesbach- Tales. Im westlich der Division anschließenden Nachbargebiet( Höhe 304) fiel während des Angriffes kaum ein Schuß.
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