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Samstag, den 30. August 1930.

preissenkung und diese wiederum bedingt Produktionskostenmin­derung. Nur so ist es möglich, daß die Feierschichten verschwin den und auch die arbeitslos gewordenen Bergleute wieder auf­genommen werden können.

Kommunisten als Arbeitgeber.

Theorie und Praxis.

Es ist das Charakteristikum der Kommunisten, möglichst viel und sei es auch das offensichtlich Unmögliche!- von den andern zu fordern, wohlgemerkt, von den andern, sei es der Staat, die Kommune oder der Arbeitgeber. Aber wehe, wenn die Herren selbst das gewähren sollen, was sie von den andern fordern. Dann ändert sich das Bild. Der Kommunist als Arbeitgeber ist eine so abschreckende Erscheinung, wie sie in der gesamten, kapitalistischen" Welt nicht schlimmer gedacht werden kann.

Gießener Zeitung"

Gewerkschaft, den Verband der Buchdrucker, mit einer Schaden­ersazklage vor ,, bürgerlichen" Gerichten zu belangen.

Man sieht, Theorie und Praxis ist sehr verschieden bei den Schwärmern für die Sowjetrepubliken, und es dürfte sich emp­fehlen, ihnen das im Wahlkampf möglichst oft vorzuhalten; vielleicht, daß sie dann etwas bescheidener werden.

Gerade jetzt vor den Wahlen dürfte es nicht unangebracht sein, sich einige der Haupttaten der Kommunisten als Arbeit­geber ins Gedächtnis zurückzurufen. Es ist erst einige Wochen her, daß es in der Druckerei des Stuttgarter Kommunistenblat­tes beinahe zu Streif und Stillegung des Betriebes gekommen wäre. Dort hatte angeblich der Betriebsrat ohne Genehmigung der Leitung eine einige Minuten dauernde Sigung abgehalten, wofür drei Betriebsratsmitglieder mit fristloser Entlassung be­straft wurden. Tatsächlich war die Sigung dem 2. Geschäfts­führer gemeldet worden; aber die drei Entlassenen paßten den fommunistischen Leitern nicht und darum wollte man sie ent­fernen. Der drohende Streik der Buchdrucker, ote sich mit den Entlassenen solidarisch erklärten, mußte durch die sonst so sehr bekämpften Gewerkschaften beigelegt werden.

Arbeitsgerichtlicher Mißbrauch der

Arbeitslosenversicherung.

Von einem angesehenen Schraubenfabrikanten des In­dustriereviers erhält die ,, Deutsche Bergwerkszeitung" fol­gende Zuschrift. Sie beweist, daß auch heute noch ein Miß­brauch der Arbeitslosenversicherung möglich ist, ja, daß dieser Mißbrauch sogar von amtlichen Stellen gefördert wird. Hier ist scharfes Durchgreifen dringend erforderlich. Die Schriftleitung.

Schränkt den Noggenanbau ein!

Von Landwirtschaftslehrer Dr. P. Lieb.

Nr. 69.

Der Mahnruf: ,, Eßt mehr Roggenbrot!" ist zum geflügelten Wort geworden. Der Verbrauch an Roggenmehl ist dadurch zwar etwas gestiegen, aber das ganze ,, Roggenproblem", das nicht nur den Landwirt, sondern auch den Städter interessiert, ist durch diese Maßnahme keinesfalls als gelöst zu betrachten. In Deutsch­land brauchen wir je Kopf und Woche 1105 g Roggenmehl und 1100 g Weizenmehl. Unsere Ernte liefert 1360 g Roggenmehl und nur 700 g Weizenmehl. Diese Zahlen zeigen uns deutlich den Ueberschuß an Roggen und den Mangel an Weizen.

Von mir wurde seit etwa vier Wochen ein Invalide als Scherenarbeiter beschäftigt. Mein Werkmeister beanstandet, daß das von diesem Arbeiter geschnittene Material nicht in dem da­zu bestimmten Behälter, sondern auf der Erde herumlag und verlangte, daß der Arbeiter das Material ordnungsgemäß in den Behälter brachte. Diese Arbeit auszuführen, wurde von dem Arbeiter trotz mehrmaliger Aufforderung des Werkmeisters abge­Tehnt mit dem Bemerken, das gehöre nicht zu seinen Obliegen­heiten.

Wer erinnert sich nicht noch mit einer stillen Heiterkeit an die Gewaltakte im Düsseldorfer kommunistischen Beuvagbetrieb im Frühjahr des Jahres, die die gesamte Buchdruckerschaft Düs­seldorfs gegen den Terror in diesem kommunistischen Muster­betrieb" aufbrachten. Zwei Maschinenseher, die in der Nacht zum Montag noch gearbeitet hatten und am Rosenmontag mit­tags eine Stunde zu spät kamen, wurden trotz sofortiger Ent­schuldigung fristlos entlassen, und wenige Stunden später war bereits Ersatz aus Solingen da. Die fristlose Entlassung wurde zwar am nächsten Tage unter dem Druck der ungeheuer erreg­ten Kollegenschaft in eine ordnungsmäßige Kündigung umge­wandelt; aber der ganze Groll der Buchdrucker kam in einer Versammlung zum Ausdruck, wo klargestellt wurde, daß gerade die gewerkschaftlich besten Kollegen am meisten unter dem kom= munistischen Pascha regiment zu leiden hatten und wo dem kom­munistischen Faktor Krüger vorgeworfen wurde, daß gerade er, der für den Siebenstundentag überall agitierte, täglich 12 bis 14 Stunden im tommunistischen Betrieb tätig sei.

Da nach den Bestimmungen der Tarifverträge im Grunde auch andere Arbeiten ausgeführt werden müssen, als die, für welche der Arbeiter eingestellt ist, und darüber hinaus die aus­zuführende Arbeit innerhalb des Bereiches des Arbeitsplatzes lag, kündigte der Werkmeister dem Arbeiter ordnungsmäßig we­gen Arbeitsverweigerung. Die Kündigungsfrist wurde von dem Arbeiter nicht eingehalten und er verlangte seine Papiere.

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Es ist ein großer wirtschaftlicher Fehler, wenn der deutsche Landwirt immer noch vielfach der Meinung ist, daß sich der Ver­braucher in der Stadt nach ihm richten muß, d. h. diejenigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die ihm der Bauer anbietet, auch kaufen soll. Der Produzent hat sich stets nach dem Konsumenten zu richten, schließlich regeln ,, Angebot und Nachfrage die Preise!" Jetzt vor der Herbstsaat ist es ein Gebot der Stunde, daß der Landwirt zur Selſtbhilfe" schreitet, den Roggenanbau ein­schränkt, denn sonst hat er auch im kommenden Jahr wieder mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen. Wie wir sehen, fehlt es an Weizen und diesen zu beschaffen, ist Aufgabe des Landwirts! Der Weizen muß in der Fruchtfolge öfters wiederkehren, vor allem aber muß man schwere" Böden und die sogenannten ,, Mittelböden", also sandige Lehm- und lehmige Sandböden, mehr zum Weizenbau heranziehen, wobei aber betont werden muß, daß die sogenannten Roggenböden selbst für diese Getreide­art beibehalten werden müssen. Wichtig dabei ist, daß beim Weizenbau der Boden im Untergrund feine wasserundurchlässige Schicht hat, vor allem aber Kalk". Schweren untätigen Böden gebe man Branntkalk( 4-5 dz je ¼ ha), dadurch werden sie frümeliger, es entsteht die Bodengare, der Boden wird lockerer und erwärmt sich dann durch die gesteigerte Luftzufuhr leichter. Für leichte Böden verwendet man Kalkmergel oder gemahlenen Rafstein( 5-6 dz je ¼ ha). Wo wir es mit Bodensäure zu tun haben, empfiehlt sich ein Ausstreuen des Kalkes auf die Stop­peln, leicht unterschälen und dann tief pflügen.

Die dem Arbeitsamt vorzulegende Arbeitsbescheinigung wurde ordnungsmäßig mit dem Entlassungsgrund ,, wegen Ar­beitsverweigerung entlassen" ausgefüllt. Nachdem die Arbeits­bescheinigung schon bei der Krankenkasse vorgelegen hatte, also schon den Charakter einer Urkunde trug, kam der Arbeiter zur Werksleitung und forderte eine neue Bescheinigung, weil er auf Grund dieser Bescheinigung keine Erwerbslosenunterstützung er­hielt. Es wurde demselben jedoch klar gemacht, daß eine Befug­nis der Werksleitung hierzu nicht zustehe und daß die Erfüllung des Wunsches Urkundenfälschung bedeuten würde. Man stellte ihm jedoch anheim, sich bei dem Werkmeister zu entschuldigen und die Arbeit wieder aufzunehmen. Dieses aber lehnte der Arbeiter mit dem Bemerken ab, er habe keine Interesse daran, weiterzuar­beiten, er wünsche nur eine andere Bescheinigung, damit er Erwerbslosenunterstützung erhalte.

Denken wir weiter an die kommunistische Bergische Ar­beiterstimme" in Solingen, wo es zu einem scharfen Konflikt der dortigen Buchdrucker mit der Geschäftsleitung fam. Man sucht, wie es in einer Erklärung der Solinger Buchdrucker hieß, die Mitglieder der Organisation durch schikanöseste Maßnahmen zum äußersten zu treiben... Nirgendwo in Rheinland und Westfalen ist ein solches Monstrum von Arbeitskontrolle ein­geführt... Aeltere Kollegen sucht man aus dem Betrieb aus: zumerzen und durch jüngere K. P. D. fromme Parteigänger zu ersetzen...

Als die Ausstellung einer neuen Bescheinigung wiederholt verweigert wurde, drohte derselbe mit dem Arbeitsgericht und brachte auch entsprechend Klage ein. In der Klagebegründung betonte er seibst, daß er sich geweigert habe, die ihm aufgetra­gene Arbeit auszuführen.

Bei der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht wurde auf Ver­anlassung des Richters ein Vergleich geschlossen, nach welchem dem Arbeiter eine entsprechende Bescheinigung ausgestellt wird und derselbe nunmehr in den Genuß der Erwerbslosenunter­stützung gelangt.

Die beste Vorfrucht zu Weizen ist Klee oder Luzerne, dann folgen Rüben, Erbsenmenge und Frühkartoffel. Direkte Stall­düngung vermeide man, gebe diesen der Vorfrucht. Weizen ist sehr dankbar für Kunstdüngergaben. ,, Dünn säen, stark düngen!" Klee, Luzerne und Erbsenmenge als Vorfrucht benötigen im Herbst keinen Stickstoff, im zeitigen Frühjahre gebe man eine Kaliphosphatdüngung, am besten in Form von Nitrophoska ( 50-60 Pjund je ¼ ha). Haben wir Rüben oder Kartoffel als Vorfrucht, gebe man von diesen Dünger( 40-50 Pfund) im Herbst zur Saat, 50-60 Pfund im zeitigen Frühjahr als Kopf­düngung. Weizen ist sehr dankbar für Hacken oder Eggen im Frühjahr. Auf besseren Böden haben sich die Dickkopfweizen gut bewährt, für leichtere Böden und Böden in rauhen Lagen Krafft's Siegerländer und Criewener 104, in Zweifelsfällen mache man einen Anbauversuch!

Besonders traß erscheint dieser Fall dadurch, daß ein Ar­beiter, der an sich eine nicht unbeträchtliche Invalidenrente be­zieht, nunmehr auf völlig unberechtigte Art und Weise für ein halbes Jahr in den Genuß der Erwerbslosenunterstützung kommt und darüber hinaus evtl. für ein weiteres halbes Jahr die Kri­

Auch die Streifvorgänge im Essener Ruhrecho- Verlage lie­gen noch nicht so lange zurück, daß man sich ihrer nicht mehr erinnern müßte. Es sollten damals die Lohn- und Arbeits­verhältnisse im Essener Peuvag- Verlag wesentlich verschlechtert werden; man scheute sich nicht, das Ruhrecho" durch Streit­brecher herstellen zu lassen und man versuchte sogar, eine freie| senunterstützung erhält.

Hausfrauen an die Front!

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Bann auch heute noch zu genau denselben Preisen Schuh­waren kaufen wie vor dem Kriege. Aber während vor dem Kriege acht Gruppen mit je zwei Weiten genügten, muß der Schuhwarenhändler heute 13 Gruppen mit je drei Weiten zur Verfügung halten. Diese übermäßigen Ansprüche des Publikums sind ohne Frage mit Schuld daran, daß dem Schuhwarenhandel durch übermäßig große Lagerhaltung die Existenz erschwert und eine so besonders starke Kapitalanspannung aufgenötigt wird.

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der weiß, daß es Liebe fich Liebe zu mehr wir geben, d

Wenn ein Me hinein vom Sonne durchdringen laffe Menidhen entgegen gegnen. Güte und herzen hell und h glüdende eines wortes gefühlt ha Sader und Zwiej würde das Leben

Zwangsetat für Wiesbaden. Wiesbaden. Wiesbaden bekommt einen Zwangsetat. Im Bezirksausschuß der kommunalen Aufsichtsbehörden wurde be= schlossen, die Grundvermögenssteuer auf 420 Prozent zu erhöhen, die Gewerbesteuer auf 600 Prozent festzusetzen und eine Million Reichsmart Einsparungen vorzunehmen. Wiesbaden hat als Bad bereits wieder einen Aufschwung genommen; hingegen machen sich die Folgen der langen Besetzung für die Stadtver= waltung erst jetzt bemerkbar. Wiesbaden hat durch die Besetzung seine besten Steuerzahler verloren. Duzende vornehm eingerich­teter Villen stehen unbewohnt und werden zum Verkauf ange= boten.

Hier liegen in der Tat wohl die wichtigsten Hem­mungen einer weiteren Entwicklung des Preisabbaues. Nichts mehr ist bei uns wie früher, als wir noch ein reiches Volk waren, auf einfache und sachliche Zwed­mäßigkeit abgestellt, sondern wir huldigen, mäßigen Hochzüchtung der Qualitätsdifferenzierung, die in Wirk­lichkeit unverantwortlich ist. Die blendende Eleganz der Schaufenster von heute, die den Komfort der Vorkriegs­zeit tausendfach übertrifft, die luxuriöse innere Aus­stattung auch der Geschäfte, die Artikel des täglichen Bedarfs verkaufen, die pompösen, künstlerisch bemalten Packungen etwa der Schokoladen und Pralinen- das alles sind die Dinge, die einen wirklichen Preisabbau verhindern, denn natürlich muß der Kunde all diesen überflüssigen Lurus der äußeren Aufmachung mitbe­zahlen. Solange wir nicht zu den einfachen Gewohn­heiten der Friedenszeit zurückkehren, wird an einen Preisabbau, der eine wirklich fühlbare Entlastung der Bevölkerung darstellt, kaum zu denken sein.

So unwahrscheinlich es klingt der Preisabbau, der ohne Frage im Gange ist, den wir, erstaunt und verwundert, vor uns sehen, findet in seiner weiteren Entwicklung ein ernstes Hindernis, über das sich wohl die wenigsten klar sind. Das Hindernis besteht darin, daß wir uns selber viel zu wenig für ihn interessieren, daß wir ihm lau und gleichgültig gegenüberstehen und unsererseits kaum etwas dazu tun, um ihn zu fördern. Auf der soeben abgehaltenen Tagung des Einzelhandels in Düsseldorf ist diese Tatsache von berufener Seite, nämlich von den Vertretern des Einzelhandels, mit al­len Einzelheiten in sehr interessanter Weise beleuchtet worden. Schon vor der Düsseldorfer Tagung hatte der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandels, Dr. Tiburtius, in einem allgemein beachteten Artikel in der Kölnischen Zeitung darauf hingewiesen, daß die Eigenart der Kal­fulationsmethode des Einzelhandels, seine Preise nach der Kaufkraft des legten Verbrauchers zu orientieren, in ihren praktisch- sozialen Auswirkungen gehemmt wer­den durch die eben erwähnte Eigenart der Kundschaft, die nicht mehr mit der gleichen Empfindlichkeit auf Preisnachlässe reagiert wie früher, sondern vor allem Gewicht auf Bequemlichkeit des Einkaufs, Eleganz der Ausstattung, Verpackung, Sendung ins Haus und ähn­liche, jeder Kostensenkung überaus hinderliche Dinge legt. Niemand will mehr eine halbe Stunde Wegs zu­rücklegen, um in einem entfernteren Laden billiger zu faufen: er wünscht, den Laden um die Ecke zu haben. Das führt natürlich dazu, daß überall Läden entstehen, die ihres geringeren Umsages halber mit erhöhten Kosten arbeiten müssen, es führt weiter dazu, daß die Ladeninhaber ganz unverhältnismäßig hohe Summen für Ausstattung, Beleuchtung, Dekoration, Miete usw. abgeben müssen. Auf der Tagung selbst unterstrich Dr. Tiburtius diese sehr bemerkenswerten Feststellungen nochmals und ihm schlossen sich die Vertreter der Le­bensmittel und der Schuhwarenbranche an, die aus ihren Erfahrungen heraus genau das gleiche bekundeten. In der Lebensmittelbranche sind die Waren zweiter Sorte, die vor dem Kriege den Markt beherrschten, völ­lig außer Gebrauch gekommen, das gleiche gilt von der Schuhwarenbranche. Vor dem Kriege waren die Schuh­warenartikel auf zweckmäßigkeit abgestellte Bedarfs­artikel heute werden diese Waren aber als nicht mehr zeitgemäß abgelehnt. Wer keine höheren Ansprüche auf Qualität und Aufmachung stellt als vor dem Kriege,

bare Lasten auferlegt und dadurch die Preise steigert, der Preisabbau nun tatsächlich durchgeführt werden tann.

Einiges über Rohkost.

Die moderne Zeit mit ihrem rasenden Tempo, die umstürzlerisch noch gestern gültige Werte heute zum alten Eisen legt, hat auch vor der Ernährung nicht halt gemacht. Die Entdeckung der Vitamine und Mineral stoffe, kurz der Lebensstoffe, die jede vollwertige Nah­rung enthalten muß, ist neuesten Datums. Der Umstand, daß diese Lebensstoffe vornehmlich in Gemüsen und Früchten vorkommen und durch Kochen teilweise zer­stört werden, hat täglich wachsende Kreise dazu bewogen, ihre Nahrung vollkommen auf den Genuß roher pflanz licher Nahrung einzustellen.

Der deutschen Hausfrau ist hier eine Aufgabe von ausschlaggebender Bedeutung zugewiesen. An ihr, die im wesentlichen die Verwalterin des deutschen Volks­einkommens ist, wird es in erster Linie liegen, diesen Lurusbedürfnissen der heutigen Generation gegenüber bremsend zu wirken. Die deutsche Hausfrau ist von Hause aus sparsam und genau: sie hat in den furcht­baren Zeiten des Krieges und der Inflation an Tapfer­keit, Geduld und Ausdauer Außerordentliches geleistet, und heute kann sie es mehr als je. Manche Voraus­setzungen sind für die Gesundung unserer Volkswirt­schaft und die Verbilligung unserer Lebenshaltung tat­sächlich schon gegeben, insbesondere der verbilligte Bezug einzelner Rohstoffe und Senkungen des Zinsfußes: die Hauptsache Einschränkung öffentlicher- Ausgaben und Herabsetzung der Steuern steht freilich noch aus, aber in letter Linie hängt doch alles davon ab, daß der Be­darf wieder richtig reguliert und nach Abbau des fal­schen Lurusgepränges, das dem Einzelhandel untrag­

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Es besteht wohl kein Zweifel, daß unsere rasch em porblühende Lebensmittelindustrie mit der Konservie rung und Sterilisierung von Nahrungsmitteln aller Art über das nüzliche Ziel hinausgeschossen ist. Die Neaktion mußte folgen. Ob aber das scharfe Gegenteil, nur Rohkost auf pflanzlicher Basis, das Richtige ist, muß in Frage gestellt werden. Vorteile der Rohkost sind nach Prof. Friedberger das bessere Kauen, die Er haltung der Mineralstoffe der Nahrung in ihrer ur sprünglichen Form, Entbehrlichkeit des Kochsalzes und Wegfallen der Notwendigkeit zum Trinken beim Essen, Erhaltung der Vitamine, Erreichung des Sättigung gefühls mit kleineren Mengen als bei der gekochten Nah­rung, Seltenheit der Verstopfung.

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Als unbedingter Nachteil ist der geringe Eiweiß­und Fettgehalt des Rohkostspeisezettels anzusprechen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kann infolgedessen die Behauptung aufgestellt werdeners schöpfende Versuche liegen nicht vor- daß reine Roh­fost zur Unterernährung und damit zu schweren Schäs den des Organismus führen muß. Es steht außer Zweis fel, daß in der Rohkost ein guter Kern stedt. Es ist kein Geheimnis mehr, daß Rohkostkuren mit Erfolg bei gewissen Krankheitszuständen angewandt werden. Wenn auch mit Sicherheit feststeht, daß frisches Obst und frisches Gemüse ohne Schädigungen für den Orga nismus nicht in der täglichen Nahrung fehlen dürfen, so empfiehlt sich doch für die reine Haushaltpraris reine Rohkost nicht. Brot und Butter, Milch, Käse und Eier, als Träger von Fett und besonders von Eiweiß, müssen zum mindesten den Rohkostküchenzettel vervollständigen.

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