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Nr. 34.

Mittwoch, d

Mittwoch, den 30. April 1930.

Lokales.

Es brennt der Wald!

Nur noch kurze Zeit und des Voltes Scharen ziehen wie­der in der Wälder Dome ein. Die Schönheit und Ruhe des Waldes hat noch jede Generation erfaßt. Der Wald ist der Jungbrunnen für das Volk, seine köstlichen Gaben erwecken neues Leben.

Darum: Achtet und schont den Wald!

Der größte Feind des Waldes ist das Feuer. Jetzt, im Frühjahr, ist der Waldboden in der Regel pulverdürr. Das welke Waldgras und das ausgetrocknete Unterholz bieten gün­stige Gelegenheit für rasche Entzündung. Ein Funke kann ge­nügen, um den Wald in ein Feuermeer zu verwandeln. In rasender Geschwindigkeit lecken die Flammen an Strauch und Stamm, alles versengend, alles vernichtend. Darum hütet den Funken! Das Rauchen von Zigarren, Zigaretten, aus offenen Tabakspfeifen usw. ist im Walde zu unterlassen. Abfallende Asche oder Funken können, besonders bei Wind, unermeßlichen Schaden anrichten. Glimmende Streichhölzer oder Stummel dürfen nicht gedankenlos weggeworfen werden, sondern sind mit dem Fuße sorgfältig auszutreten und zu ersticken. Ganz verwerflich ist das Anmachen von Feuer im Walde. Solches Unterfangen heißt das Schicksal herausfordern. Die Feuer­bereitung in Waldgründen ist daher grundsätzlich verboten und wird empfindlich geahndet. Dieses Verbot muß von jedermann restlos befolgt werden. Hier kann keine Ausnahme gemacht Sofern Biwaks usw. ein Lagerfeuer benötigen, so werden. fann hierzu nur freies, ungefährliches Feld oder eine außer­halb des Gefahrengebietes liegende Kiesgrube, niemals aber der Wald ausersehen sein. Diese Mahnung ist insbesondere an unsere Jugend und Wandervögel gerichtet. Wo es zum Waldbrand tommt, lösche man durch Ausstreuen, Ausschlagen mit Zweigen, Aufwerfen von Sand usw. Niemals feige davon­Laufen und die brennende Stelle ihrem Schicksal überlassen! Nimmt der Waldbrand größeren Umfang an, dann muß im nächsten Forsthaus oder Dorf Alarm geschlagen werden. Rad­ler oder Autler haben sich in den Dienst der Sache zu stellen. Eile tut in solchen Fällen not.

Jedes Jahr gehen viele tausende Hektar herrlichsten Wal­des durch leichtsinnige Brandstiftung zu Grunde. Das ist un­erträglich, denn der deutsche Wald ist für unser Volk und un­sere Wirtschaft eine der wichtigsten Geldquellen. Folglich ist es bübisch, den Wald durch fahrlässige Handlungen zu schädi­gen. Hier erziehe einer den anderen! Es gilt, riesige Werte zu retten und unser Volksvermögen vor großem Schaden zu bewahren. Darum: Verhütet Waldbrände!

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* Biernachsteuer. Durch die Erhöhung der Biersteuer ab 1. Mai ds. Js. unterliegt Bier, das sich an diesem Tage außer= halb der Erzeugungsstätte im Besitze von Bierhändlern oder Wirten usw. befindet, der Nachsteuer. Biervorräte über 2 hr Find bis zum 6. Mai bei der zuständigen Zollstelle zur Nachsteuer anzumelden.

,, Gießener Zettang

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Kriegsbeschädigte. Alle deutschen hiruverbetten Krieger mit Kopfschuß werden gebeten, ihre Adresse an die Geschäfts­stelle des Hirnverletztenheims Frankfurt a. M., Gärtnerweg 50, zu senden.

ab werden nur noch die um 13.06 Uhr in Hochelheim und die um 19 Uhr in Gießen beginnenden Fahrten über Groß- und Klein- Rechtenbach geführt. Außerdem fährt die werktäglich verkehrende erste Kraftpost nach Gießen fünftig bereits um * An die hessische Lehrerschaft und Schuljugend! Die Hes­6 Uhr statt wie bisher 6.40 Uhr- in Hochelheim ab. * Goldenes Jubiläum. Herr Kreisfeuerwehrinspektorsische Wanderausstellung für Gesundheitspflege und soziale Für­sorge hat in Verbindung mit dem Ministerium für Kultus Didoré kann morgen auf eine 50jährige Zugehörigkeit zur und Bildungswesen einen Schülerzeichenwettbewerb ausgeschrie­Freiwilligen Feuerwehr zurückblicken. Der Siebzigjährige ver­ben zur Erlangung von Entwürfen für ein Diplom. An die­sieht seinen verantwortungsvollen Dienst als Kreisfeuerwehr­sem Wettbewerb fönnen sich alle Schüler und Schülerinnen der inspektor bereits seit 13 Jahren und hat es verstanden, das hessischen Schulen beteiligen. Der Schlußtermin für die Ein­Feuerlöschwesen des Kreises Gießen in ständiger, Arbeit zu reichung ist auf den 1. Juni 1930 festgelegt. Nähere Bedingun­modernisieren und schlagkräftig zu gestalten. Wir sind sicher, gen für diesen Wettbewerb werden von Direktoren der Höhe, daß morgen diesem Pionier der Nächstenliebe" aus allen Krei­ren- und Fachschulen, sowie von den Kreis- und Stadtschul­sen unserer Stadt, des Landkreises und darüber hinaus aus ämtern ausgehändigt oder man wende sich direkt an die Hes­ganz Hessen mancher ehrende Glückwunsch übermittelt werden. sische Wanderausstellung für Gesundheitspflege und soziale Für­wird. sorge, Darmstadt, Stiftsstraße 45.

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* Freigrenze bei der staatlichen Grundsteuer. Nach dem Ausführungsgesetz zum Finanzausgleich ist auf Antrag eine Befreiung von der staatlichen Grundsteuer möglich, wenn das Grundvermögen nach dem gemeinen Vorkriegswert den Be­trag von 3000 Rmt. nicht übersteigt.

Unter dieser * Die Fortbildungsschulpflicht in Hessen. Ueberschrift läuft z. 3t. durch die Tageszeitungen eine Notiz, nach der ,, das Kultusministerium jetzt durch eine Ausführungs­bestimmung zum hessischen Volksschulgesetz die Fortbildungs­schulpflicht generell geregelt" habe. Die Meldung entspricht nicht den Tatsachen. Abgesehen davon, daß die Fortbildungs­schulpflicht bereits im Jahre 1922 durch das Volksschulgesetz und die dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen geregelt worden ist, enthält die erwähnte Mitteilung eine Unrichtig= keit, die geeignet ist, Verwirrung anzurichten. Die Besucher einer Lehranstalt mit Vollunterricht, die nach dem zehnten Schuljahre die Anstalt verlassen, sind nicht, wie behauptet wird, noch ein Jahr zum Besuche der Berufsschule( Fortbildungsschule) wie bisher verpflichtet, sie sind vielmehr auch weiterhin vom Besuche der Fortbildungsschule oder Berufsschule befreit.

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* Feuerschuhwoche. Anläßlich der Feuerschuhwoche traten am Montag abend um 8 Uhr die beiden Freiw. Feuerwehren, die Städt. und Gail'sche, mit der Berufsfeuerwehr und der Sa­nitätskolonne vom Roten Kreuz unter Mitnahme all ihrer Ge­Von dort räte und Fahrzeuge auf dem Oswaldsgarien an.

aus zogen die Wehren unter Pfeifen- und Trommelflang durch die Stadt. Die zahlreichen und teilweise modernsten Feuer­löschgeräte überzeugten die Bürgerschaft davon, daß unsere ver­antwortlichen Organe dem Feuerschatz die gebührende Aufmerk­samkeit zukommen lassen..

* Die Städt. Feuerwehr wurde in der Zeit vom 1. Apri 1929 bis 1. April 1930 in 156 Fällen zur Hilfe gerufen und zwar bei 10 Kellerbränden, 5 Zimmerbränden, 1 Dachstuhl= brand, 9 Kaminbrände, 23 sonstige Brände, 1 Wald- und Ra­senbrand, 1 Großfeuer, 3 auswärtige Brände. 47 mal wurde die Wache zu anderweitiger Hilfe herangezogen, unnötig und aus Unfug wurde die Wache 56 mal alarmiert.

* Muttertag. Wie in den Vorjahren wird auch in die= sem Jahre wieder ein Muttertag abgehalten werden und zwar am 11. Mai.

* Das erste Gewitter. Den ersten Blitz und Donner dieses Jahres bescherte uns ein heftiges Gewitter am letzten Sonn

* Vertretertag des Hessischen Landgemeindetags findet im Lauterbach am Mittwoch, den 28. Mai statt.

* Achtung! Achtung! Das Polizeiamt weist auf folgendes hin: Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit werden, wie all­jährlich, Blumenstöde und Blumenkästen auf die äußeren Fen­Nach ſterbänke aufgestellt, ohne diese gehörig zu befestigende tagnachmittag. Irgendwelchen Schaden hat es nicht angerichtet. § 366 3iff. 8 des Reichsstrafgesetzbuches und nach Art. 292 des Hess. Pol.- Strafgesetzbuches ist derjenige strafbar, der an einer öffentlichen Straße oder Wasserstraße oder nach Orten hinaus, wo Menschen zu verkehren pflegen, Sachen, durch deren Um Stürzen oder Herabfallen jemand beschädigt werden kann, ohne gehörige Befestigung aufstellt oder aufhängt. Die Polizei­beamten sind angewiesen, Zuwiderhandlungen zur Anzeige zu bringen.

* Straßensperre. Am 28. April hai das städtische Gas­und Wasserwerk in der Rodheimerstraße mit der Verlegung der Wasserleitung nach Heuchelheim begonnen. Es muß hierbei die Schützenstraße und Krofdorferstraße durchquert werden. Eine Sperrung der genannten Straßen ist nicht zu umgehen. Vom 28. April 1930 ab auf etwa 4 Tage ist für Fahrzeuge aller Art die Schützenstraße und nach Beendigung der Arbeiten in der Schützenstraße die Krofdorferstraße gesperrt. Während der Sper> rung der Krofdorferstraße erfolgt Umleitung durch die Schützen­Straße.

* Protestversammlung des Mittelstandes. Die Ortsgruppe Gießen der Wirtschaftspartei ladet alle Kreise des Mittelstandes zu einer öffentlichen Protestversammlung auf heute abend, 8% Uhr, in das Café Leib. Es spricht R.-A. Dr. Rhode( M. d. L.) aus Frankfurt über: Steuerbelastung und Existenzkampf des deutschen Mittelstandes".

* Schluß der Stadttheater- Saison. Das Stadttheater schließt Heute abend mit einer Wiederholung der Operette In der Johannisnacht"( als Gast Auguste Prasch- Grevenberg) die Abonnementsvorstellungen der Saison 1929-30 ab.

* Von der Universität. Die Medizinische Fakultät der Uni­versität veranstaltet vom 6. Otober bis einschließlich 11. Oktober einen allgemeinen Fortbildungskurs mit seminaristischen Uebun­gen und praktischen Demonstrationen für praktische Aerzte. Bor tragende sind die klinischen Fachvertreter sowie die Fachvertreter für Physiologie und physiologische Chemie. Anfragen und An * Autobusverkehr Gießen- Hochelheim. Auf der Kraftpost­linie Gießen Hochelheim( Kreis Wetzlar) tritt der Sommers| meldungen sind an Prof. Georg Herzog, Pathologisches Institut, zu richten. fahrplan bereits am 1. Mai in Kraft. Vom genannten Tage

Unser Hauptmann.

In unserer schnellebigen Zeit, die so arm an Idealen ist und Taten hoher Seelengröße, ist es doppelte Pflicht, das aus großer Zeit miterlebte unserer Nachwelt zu überliefern.

Wir hatten in unserer Kompagnie einen Hauptmann, einen Mann von solch seltenem Pflichtgefühl und Pflichttreue, wie ich ihn bis dahin noch nicht hatte kennen gelernt.

Es war um die Augusttage des Jahres 1914. die Tage der Mobilmachung, als ich seiner Kompagnie zugeteilt wurde. Mit inniger Wärme und Anteilnahme empfing er die ihm zuge­teilten Leute im Bewußtsein ihr Führer in dem Auftakt der beginnenden Ereignisse zu sein.

Während der aufreibenden Zeit, vom Empfang der Aus= rüstungsgegenstände und Waffen, bis zum ersten Appell hatten wir wenig mit ihm zu tun. Schon da zeigte die Fürsorge, mit der er sich jedem Einzelnen widmete, jein ausgeprägtes Ver­antwortungsgefühl, das ihm innewohnte. Tatsächlich bis zum letzten Hosenknopf fümmerte er sich um jede Einzelheit in sei­ner Kompagnie.

Anderntags nahm er nochmals seine Kompagnie zusammen und rückte zum Gefechtsererzieren nach dem Exerzierplay, u. er­mahnte im Anschluß nochmals auf Pflicht und Gewissen und auf die Ehre der bevorstehenden großen Aufgabe und die ruhmreiche Tradition des Truppenteils. Dann nahm er Unter­offiziere und Gruppenführer zusammen und hielt folgende kurze Ansprache, deren Worte mir heute noch im Gedächtnis sind. In seiner kurzen, präzisen Art erklärte er: Sie sind Führer Ihrer Leute, und was das heißt, das liegt im Worte, und wenn Sie Ihre Leute falsch oder irre führen, dann sind Sie Irreführer. Dus fönnen Sie vor Gott und Ihrem Gewissen nicht verantwor=

ten."

Das waren Worte zur Pflichterfüllung für jeden Unter­führer, die tiefen Eindruck machten und mir heute noch in Er­innerung sind.

Als wir zum Ausmarsch fertig abends im Kasernenhofe standen, als Fahnenkompagnie, da riti er vor die Front und hielt wiederum eine seiner markanten und kernigen Ansprachen, und auch hiervon sind mir die Worte heute noch in Erinnerung,

* Vom Frankfurter Rundfunt. In der Stunde der Ar­beit" sprechen am Samstag, 10. Mai, Dr. Heinrich, Scharp und Herr de Kort über das außerordentlich wichtige Thema der Stellung des Arbeiters zur Zeitung.

denn im Begeisterungsrausch der Mobilmachung hatten viele ausrückenden Truppenformationen sich mit Blumen als Ab­schiedsgaben der Zivilbevölkerung geschmückt.

In seiner treffenden Art erklärte er:

Gedächtnisfeier zu Schillers 125. Todestag im Rundfunt.

Am 9. Mai begeht Deutschland als offizielle Feier das Ge­denken an Schillers Todestag. Es versteht sich von selbst, daß des Dichters schwäbische Heimat, repräsentiert durch den, Schil­ler- Verein", für diesen Tag eine besondere Veranstaltung fest­gesetzt hat, an der auch die Rundfunkhörer teilnehmen. Am Tage darauf bringt Stuttgart eine Dramatisierung aus Wal­ter v. Molos Schiller- Roman", zwei Tage vorher Frankfurt den Vortrag zweier Dichtungen von Schiller durch einen der besten deutschen Sprecher, Otto Bernstein.

Ich verbiete hiermit in meiner Kompagnie, daß sich ir­gend einer mit Blumen schmückt oder sonst etwas irgend welcher Art. Bis jetzt haben wir noch keine Lorbeeren er­rungen, wenn wir siegreich nach Hause kehren, dann könnt Ihr Euch schmücken."

Das machte auf jeden tiefen Eindruck und leuchtete jedem ein. Der Mann, der dies sprach, wußte was er wollte.

Aus Nah und Fern.

Bom Blizz getroffen.

Lang- Göns( Kr. Gießen). Beim Aufenthalt mit seinem Fuhrwerk auf dem Felde während eines schweren Gewitters wurde der Landwirt Otto Wagner von hier vom Blitz getrof­fen. Der bedauernswerte Mann lag längere Zeit bewußtlos neben seinem Fuhrwerk auf dem Felde, bis man ihn auffand und nach Hause brachte. Er mußte in die Gießener Klinik über­führt werden, da ihm beide Arme gelähmt sind.

Als wir nach langer Bahnfahrt auf einer kleinen Station vor Trier, in Konz, ausgeladen waren, ließ er seine Kompagnie auf der Straße scharf rechts herantreten. Sein erstes Kom­mandowort war: Patronentaschen auf! Laden und sichern!" ,, So, Leute," sagte er, jetzt wirds ernst."

Jeder wurde sich des Ernstes der Lage bewußt und ein Schatten dieses Ernstes legte sich auf alle Gesichter.

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Tagung der Post- und Telegraphenbeamten. Butzbach. Am 3. und 4. Mai findet in Butzbach( Hessen), Hotel Deutsches Haus", der Bezirkstag des Reichsverbandes Deutscher Post- und Telegraphenbeamten, Bezirksverein Darm­stadt, statt. Annähernd 100 Vertreter aus ganz Hessen sowie Gäste aus Berlin, Kassel, Koblenz, Frankfurt, Karlsruhe, Stuttgart, Saargebiet, Würzburg usw. werden an der Tagung teilnehmen.

Unser

Friedberg, 28. April. Gestern fuhr in einer Kurve bei Jl= Benstadt der Motorradfahrer Grimm aus Groß- Karben gegen einen Baum. Der junge Mann erlitt bei dem Amprall so schwere Verletzungen, daß er im hiesigen Krankenhaus bald nach seiner Einlieferung verstarb. Ein Mitfahrer fam mit leichteren Verlegungen davon.

Midda. Die diesjährige Religionslehrerfonferenz. des De­fanats Nidda findet am Donnerstag, den 8. Mai, dahier statt. In der Konferenz spricht Herr Schulrat D. Eberhard- Berlin über Gegenwartsaufgaben des evangelischen Religionsunter sichts."

Als wir am 22. August um die Mittagszeit angriffsbereit in einem Birkenwäldchen bei Anlon- Messain standen, zum Empfang unserer ersten Feuertaufe, da war auch unser Haupt­mann vor seiner Kompagnie. Wir standen gedeckt gegen feind­liche Sicht, und die Kugeln schlugen in allen Eden schon ein. Die Kompagnie in Zugkolonne, der erste Zug vorn. Hauptmann befahl mit ruhiger Stimme dem Zugführer des 1. Zuges: Herr Leutnant Werle, greifen Sie an." Darauf der Zugführer: Der erste Zug mit 20 Schritt Zwischenraum in der Richtung geradeaus schwärmen!" Das Ausschwärmen ging nun nicht in der Weise vonstatten, wie es unser Hauptmann wünschte, denn das Herunterbringen der Gewehre von den Schultern war nicht gar so sauber, und schon im Auseinander­stieben rief er dem Zugführer zu: Nehmen Sie ihre Leute nochmals zusammen!" Als der Zug wiederum angetreten war, redete er folgendes an seine Leute: Nein, nein, Leute, das machen wir denn doch nicht, wenn das Kommando ,, Schwärmen!" kommt, greift mir gefälligst jeder scharf in die Knarre herein!"

Als neuerdings der Zug ausschwärmte und es zu seiner Zufriedenheit geschah, rief er seinen Leuten nach: So Leute will ich's sehen, jetzt in Gottes Namen!"

Der Voranschlag des Kreises Schotten für 1930. Schotten. Der Kreisdirektor des Kreises Schotten hat den Mitgliedern des Schottener Kreistags in den letzten Tagen den Voranschlag des Kreises Schotten für 1930 zugehen lassen. Der Voranschlag schließt mit 259 590,26 Rmf. gegen 228 295,74 Rmt. im Vorjahre ab.

Wimpfen. In Anwesenheit des Hessischen Innenministers fand am Sonntag die Einweihung des Neuen Kurhauses in Verbindung mit der Jahrhundertfeier Wimpfens als Solbad statt. Bei dieser Gelegenheit teilte Innenmin. Leuschner mit, daß in einer Kabinettsizung einstimmig beschlossen wurde, einem ent sprechenden Antrag stattzugeben, wonach Wimpfen von heute ab den Namen ,, Bad Wimpfen" führen werde.

Mancher Fernstehende, der hiervon nichts versteht, wird sagen, das sind Mätzchen, unnötiges Aufsspielsetzen von Men schenleben.

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Wer die Dinge tiefer sieht und mit Augen des Kenners, ist anderer Meinung.

Das machte einen tiefen Eindruck auf die Kompagnie. Jeder Einzelne sagte sich: Der hat die Ruhe. Der ist wahrhaf tiger Führer und dem vertrauen wir uns an.

Als wir nach schnellem Siegeslaufe am Rhein- Marne Kanal anlangten, fing der Krieg erst an, hart auf hart zu wer Den.

Es war am 7. September 1914. Die Division lag in Feuergefecht vor Sermeize. Der erste Zug unserer Kompagnie lag in Reserve, bei uns unser Hauptmann, mehrere hunder Meter hinter der Feuerlinie, ohne Deckung, nur gegen Sich im Walde. Da kam der Divisionsbefehl: 2 Uhr 5 Min. trit die Division zum Sturme an. Der Reservezug greift an un nimmt im Vorgehen die vorderen Linien mit auf. Ein Hall zug Leibkompagnie bleibt als Fahnenwache zur Bedeckung de Fahnen."

Unser Bataillonskommandeur, unser unvergeßlicher Majo Schwitz, gab seinerseits den Zusatzbefehl für die ihm unter stellte Kompagnie: Herr Hauptmann, Sie bleiben bei de Fahnen." Durch den großen Führerausfall wollte er offenba dedurch unnötigen Ausfall verhindern, denn dieselbe Kompagni hat bis zum 4. Oftober 1914 8 Kompagnieführer verbraucht. Da baute sich unser Hauptmann, in seiner kurzen militär schen Art, mit der Hand am Helme, vor seinem Bataillons- Kom mandeur auf, und so sehe ich ihn heute noch stehen, und ga ihm folgende Antwort: Nein, Herr Major, ich gehe mit meine Kompagnie!" Ein Mann, der nie gewohnt war, als Solda gegen gegebenen Befehl zu handeln, hier tat er es zum erstenmal Und er ging mit seiner Kompagnie und war mitten unte uns. 300 Meter weiter ereilte ihn der Tod- bei seiner Kom pagnie.

So starb unser Hauptmann, der Hauptmann po Derzen, der Chef und Führer der 8 Kompagnie des Leib Garde- Regiments Nr. 115!

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