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Samstag, den 29. November 1930.

bau schrittweise erfolgen in dem Maße, wie die Mittel der Hanszinssteuer nicht mehr für den Wohnungsbau verwendet

werden.

Zum Schlusse ihrer Eingabe erheben die baugewerblichen Verbände die Forderung, die Finanzierung des Wohnungsbaues unbedingt sicherzustellen und den Abbau hinsichtlich der Bereit­stellung öffentlicher Mittel langsamer vorzunehmen. Eine Be­reitstellung von einem geringeren Betrage an Hauszinssteuer­mitteln für die Senkung der Realsteuern auf einem gesunden Baumarkt wird zweifellos volkswirtschaftlich richtiger sein als eine Senkung um 400 Millionen bei einer dann sicher zu er­wartenden Zerrüttung des Baumarktes.

,, Gießener Zeitung"

genossen. Die Schrift bringt neben einem geschichtlichen, geo­graphischen und wirtschaftlichen Teil einen klaren Ueberblick über die politischen Verhältnisse an der Saar, wie sie in Ver­sailles festgelegt worden sind. Das deutsche Volk muß sich darüber klar sein, daß wir das Saargebiet nur dann restlos zurückerhalten werden, wenn es sich geschlossen für seine ver­traglich festgelegte Rückgabe einsetzt, deshalb muß jeder wissen, was im und um das Saargebiet vorgeht.

Gebäudesteuererhöhung mit Realsteuersenkung. Unter den Gesetzentwürfen, die helfen sollen, den hessischen Staatsvoranschlag 1931 ohne Fehlbetrag abzuschließen, ist jener, der eine Annäherung der hessischen Gebäudesteuer an die der kutiert worden. Nun wurde er dem Finanzausschuß für die Freitagsitzung zugeleitet.

26-27 Milliarden deutsche Auslandsschulden. Nachbarländer vorsieht, gerüchtweise bereits bekannt und dis­

Berlin, 28. Nov. Die gegenwärtige Höhe der deutschen furzfristigen Auslandsverschuldung ist nach Berechnung des Statistischen Reichsamts auf mindestens 10,8 bis 11,8 Milliar= den RM. zu schätzen. Für Ende September 1930 ist die kurz= fristige Auslandsverschuldung der gesamten deutschen Banken mit rund 8,3 Milliarden RM. anzunehmen. Der Umlauf an langfristigen Auslandsobligationen( langfristige Auslands= verschuldung) belief sich am 30. September 1930 auf 8520 Mil­lionen RM.

Für die ausländischen Anlagen in Deutschland Ende Sep­tember 1930 kann man nach Schätzungen des Statistischen Reichsamts etwa folgende Beträge annehmen:

Kurzfristige deutsche Verschuldung 10,8 bis 11,8 Milliar­den RM.

Langfristige deutsche Verschuldung 9,3 Milliarden RM. Ausländische Anlagen in Beteiligung und Filialen 4,0 Milliarden RM.

Ausländische Anlagen in Grundstücken 2,0 Milliarden RM., insgesamt also 26, 1 bis 27, 1 Milliarden RM.

Dr. Luther über das Reparationsproblem.

In der Hauptausschußsizung des Reichsverbandes der Deut­schen Industrie am Mittwoch nahmen führende Männer der Wirtschaft und Politik zu den schwebenden Finanz- und Wirt­schaftsfragen Stellung. Im Mittelpunkt der Aussprache stand die Ausführung des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther über unsere Währung und den Youngplan. Er machte vor allem auf die gefährliche Rückwirkung der Goldaufwertung auf die Höhe der Reparationen aufmerksam. Die wachsende Einsicht in die weltwirtschaftlichen Gefahren der jetzigen Reparationsregelung müsse zu einer Aenderung des Planes führen.

Nicht die Saar vergessen.

Die letzte Rede des französischen Ministerpräsidenten Tar­dieu vor der Kammer beseitigt jeden Zweifel darüber, daß die offizielle französische Politik sich unter einer deutsch- franzö= sischen Verständigung ganz etwas anderes denkt, als die deut­sche Politik. Unter Verständigung versteht man dort neue deut­sche Opfer. Das hat sich schon bei den deutsch- französischen Saarverhandlungen gezeigt, Die deshalb scheiterten, wett Deutschland nicht weit genug entgegengekommen ist, nachdem es schon weit über die Grenze des Vertretbaren hinausgegan­gen war. Aber Tardieu, der eigentliche Verfasser des Saar­statuts, verlangte in Versailles die Grenze von 1814, also neben Lothringen das Saargebiet; er erstrebt sie heute noch. Wir haben von ihm keine ,, Verständigung zu erwarten; seine Rede vom 14. November ist deutlich.

Darüber muß man sich in Deutschland klar sein. Man muß aber auch wissen, um was es in der Saarfrage geht. Das legt eine soeben vom Bund der Saar- Vereine in Berlin SW 11 herausgegebene Schrift für jeden verständlich auseinander. helft die Unter der Mahnung: Deutsch die Saar immerdar deutsche Saar befreien", wendet sie sich an alle deutschen Volks­

Dorfgericht.

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Gab es noch ein Dorfgericht, durfte der Schulze Gericht üben? Niemand fragte es. Das Dorf war erschüttert, als der Bote den Leuten die Ladung zum Gericht übermittelte.

Am Pfingstsonntag war die Kirche so voll wie selten. Pfar­rer Neubert predigte vom Pfingstgeist, den er als Geist der Wahrheit, des Rechtes und der Liebe erwies. Die Predigt glu­tete unmittelbar aus seinem guten Herzen herauf und packte. Eine starte Spannung lag über den Leuten... Immer wieder gingen ihre Augen zum Schulzen hinüber. Wie saß der Mann da!

Den hohen Amtsstab mit dem silbernen Knopfe zwischen den Händen, saß er lauschend vornübergeneigt. Kein Muskel zuckte in seinem Gesicht, kaum daß sich dann und wann eine sei­ner buschigen Augenbrauen bewegte. Hager, eisern und schnee­Schneeweiß! Und hatte noch von acht Tagen weiß saß er. Schneeweiß! dunkle Haare gehabt! So schwer hatten den Mann die Ge­schehnisse mitgenommen.

Würdig, festen Schrittes, den Amtsstab hart aussehend, ging Schulze Silge den anderen voran zum Anger, trat unter die Linde und stieß den Stab in die Erde. Er hatte den Boden in der Nacht mit einem Stichel mehr als einen Meter tief auf lockern lassen. Dahinein stieß er den Stab, tiefer, immer tiefer. Er legte sich zuletzt mit seinem Körper darauf, trat dann zurück, strich sich das Haar aus dem Gesicht und blickte in die Runde. ,, Wir halten Dorfgericht. Arnolt Weise tritt vor als Kläger der Altgemeinde. Wer ist der Kläger der Neugemeinde? Er trete vor!"

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Was sieht er vor?

Preußen hat, um den Fehlbetrag in seinem Haushaltsplan für 1930 zu beseitigen, seine Steuer vom Gebäudebesitz in die sem Jahre um 24 Rpfg. auf 48 Rpfg. von 100 RM. Steuerwert der Gebäude erhöht. Hessen ist in der Grundsteuerbelastung ( auch in der Gesamtbelastung durch Landes- und Gemeinde­steuer!) bisher bei weitem hinter der Durchschnittsbelastung des Reiches und auch Preußen geblieben. Der Grundsteuersatz be­trägt in Hessen bis jetzt nur 12 Rpf. Die Regierung hat unter dem Druck der weiteren Verschlechterung der Finanzen sich zu einer Erhöhung entschlossen, und zwar auf 36 Rpf.

Welches Bild ergibt sich nun für die gesamte Gebäudesteuer­belastung, einscht. also auch der städtischen Steuer?

Sie beträgt bisher um aus den Vergleichsmöglichkeiten preußischer Städte nur eine preußische Nachbargemeinde her­auszugreifen in Frankfurt 102 Rpf., in Mainz dagegen 85,6, in Offenbach 82, in Darmstadt 58,1 und in Gießen 111,4 Rpf. Bei Annahme des neuen Gebäudesteuergesetzes wird sie in Mainz 109,6, in Offenbach 106, in Darmstadt 82 und in Gießen 135,45 Rpf. betragen.

Das Reich schreibt die vorgesehene Senkung der Realsteuern allen Ländern gleichmäßig vor, und zwar ohne Rücksicht auf die in den einzelnen Ländern verschiedene Höhe der Steuersätze. Ein­zelne Länder haben ihre Steuersätze seit Jahren künstlich nieder­gehalten und dafür die Entstehung von Fehlbeträgen in Kauf genommen. Deswegen hat auch die Reichsregierung sich nicht der Ansicht verschlossen, daß die gleichmäßige Realsteuersenkung im Jahre 1931 nur dann nicht gegen die einfachsten Grundsätze der Gerechtigkeit verstößt, wenn diesen Ländern vorher die Mög­lichkeit gegeben wird, ihre Sätze den tatsächlichen Verhältnissen und den Steuersätzen der übrigen Länder anzupassen.

Gewerbesteuer und Grundsteuer sollen der durch Reichsgesetz in Aussicht genommenen Kürzung unterliegen. Für das Rech­nungsjahr 1931 wird sich diese Kürzung auch auf die Gebäude­steuer und den neuen Zuschlag erstrecken.

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Südanlage 21.

Väter im Jahre 1731 ausgemacht und beschlossen haben." Schulze Silge reichte dem Bauern, der neben ihm im Ringe stand ein altes, gelbgewordenes Aftenstück. Der las die Kaufurkunde mit allen Unterschriften vor. Manche Namen lebten noch heute im Dorfe. ,, Weise dem Kläger die Unterschrift des Amtmanns! Hast du sie gesehen?"- ,, Ja."- ,, Erkennst du die Urkunde als wahr und echt an?"

,, Ja." Lotter hob sich in den Schultern. Schulze, und ihr anderen von der Altgemeinde, ihr wißt, daß wir arme Leute sind, die es sich sauer werden lassen und doch ein kümmerliches Leben führen müssen. Uns trieb nicht Uebermut, euch verkürzen zu wollen. Es mag sein, daß es dieser oder jener anders meinte, ich will sagen, daß auch ich es anders gemeint habe, daß ich mich nicht nur in meinem Recht zurückgesetzt meinte, sondern es mir wider Recht und Billigkeit zu gehen schien, daß gerade den Armen das nicht werden sollte, was für jeden von ihnen viel, für euch Bauern wenig bedeutet. An dem, was ich sagte, hätte auch das Dorfgericht nichts geändert, stündest du nicht da. Schulze Silge. Du bist in drei Tagen weiß geworden, so nahe geht es dir. Und du stehst nicht da, uns unrecht zu geben, son­dern euer Recht zu wahren. Das gibt der Sache ein anderes Gesicht."

Da glühten des Schulzen Augen. Ziehst du den Antrag der Neumärker zurück?"- ,, Ja."

,, Gib ihn mir her, Nachbar Weise. Leute, der Streit ist aus. Ihr erkennt unser Recht an. Nun sollt ihr uns billig finden. Altgemeinde, ich fordere von euch: Die Neugemeinde hat von heute an zwei Sitze im Gemeinderat. Jedes Haus er­hält die Hälfte des Holzes, das wir erhalten. Wer Bauholz braucht, hat einen Antrag zu stellen, über den wir nachbarlich beraten werden. Das alles biete ich euch Neumärkern aus Billigkeit. Der Wald bleibt Eigentum der Altgemeinde nach ihrem Recht. Wer von euch Bauern ist dawider? Niemand? Gut. Wer von euch Neumärkern ist nicht zufrieden? Ihr seid einverstanden? Dann soll es niedergeschrieben werden als ein friedliches Uebereinkommen für alle Zeiten. Diesen Stab habe ich in die Erde getrieben mit dem Gelöbnis vor Gott, ihn nicht eher wieder in die Hand zu nehmen, als bis dem Rechte Genüge

Lotter trat vor.- ,, Wes ist, das du klagst, Lotter?" Ich klage, daß uns die Altgemeinde unser Recht nicht gibt." ,, Was forderst du als euer Recht?" ,, Den gleichen Teil am Gemeindewald, den die Altgemeinde hat."- ,, Womit be­weisest du euer Recht an dem Walde?" Ich kann es nicht beweisen, aber was euch recht ist, das ist uns billig."- ,, Billig­feit und Recht sind zweierlei. Billigkeit kann einsetzen, wo das Recht nicht ist. Recht ist zu fordern. Billigkeit ist ein Geschent. Weißt du, woher der Wald der Altgemeinde stammt?"- Ich habe davon vernommen. Schwarz auf weiß hab ich es nicht ge­sehen."- ,, Gibst du zu, daß Recht Recht bleiben muß, daß Recht| geschehen ist. Zieht ihn heraus; beide, Weise und Lotter." unwandelbar ist?" Ja. Arnold Weise, lies, was unsere

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Den Stab in der Hand, richtete sich Silge hoch auf. Wir

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Nr. 95

Gamstag, den

Erster Adventsonntag. Es beginnt wieder die Weihnachtszeit und die alten Lieder erklingen wieder von der Sehnsucht nach dem Erlöser der Welt. Es ist ein feines Gin­gen und Klingen um diese Wochen der Vorweihnacht, um diese stille heimliche 3eit. Jns tiefste Innere dringt die Weihe die­ser Tage und findet einen heiligen Widerklang. O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit.

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Wo Not ist, da hat die Liebe ein weites Arbeitsfeld. Wir brauchen heute nicht weit zu gehen, um es zu finden. Die Not ist groß in unserem Vaterland und das Vaterland ist arm. Da muß helfen nicht nur der Reiche, sondern überhaupt jeder, der noch zwei Röcke har. Schau doch nur hinüber zu deinen Nachbarn, und du fin­dest schon einen Suchenden nach Brot. Frage ihn aber auch, warum er hungert. Und oft wirst du die Antwort hören, daß er nicht Brot will, sondern Arbeit. Weil er Kinder hat, die leben wollen, weil er sich der Ruhe schämt, wenn andere sich plagen. In endlosen Zügen ziehen die langen grauen Tage an diesen Menschen ohne Arbeit vorüber. Weihnachten ist das Fest der Liebe. Auch Kinder sind in den Stuben dieser Arbeits­losen, die auch sich freuen möchten auf die liebe Weihnachtszeit. Aber sie haben ja vielfach kaum mehr ein Brot und können in ihrer bittersten Armut sich nicht freuen auf den heiligen, stillen Abend, an dem doch jedes Kinderherz sich freuen sollte. Wie schwer mag es doch sein für jene Kinder, wenn sie vom Nachbar­haus den strahlenden Lichterbaum durch die Fenster leuchten sehen und den Jubel der Nachbarkinder hören.

Hab ein Herz, das Mitleid fühlt! Mache dieses Weih­nachten 1930 wirklich zu einem Fest der Liebe in unserem deut­schen Vaterlande, damit auch aus jeder Hütte das Symbol der deutschen Weihnacht leuchte. Wohl tragen wir alle schwer; aber trotzdem fönnten wir manchem noch einen Teil seiner Last abnehmen. Wer so die Tage des Advents erfaßt, hört an ihnen schon die Glocken flingen, die der Christnacht selige Bot­schaft der Liebe und des Friedens verkünden. Aus tausend und abertausend Kinderherzen werden dann die lieben Weihnachts­ieder selig gesungen werden können und jene stille Nacht wird dann überall auch sein eine heilige Nacht.

Der Sonntagsschreiber.

Der Kreis Gießen zur Preissenfungsaktion. Der Kreisausschuß hat sich in seiner Sigung vom 22. No­vember 1930 mit der Durchführung der von der Reichsregierung eingeleiteten und von der hessischen Regierung stärkstens unter­stützten Preissenkungsaktion befaßt. Der Kreisausschuß ist ein­mütig zu der Ueberzeugung gekommen, daß es im Interesse der Gesundung der deutschen Volkswirtschaft liegt, wenn alle Maß­nahmen ergriffen werden, die zu einer Besserung der wirt­schaftlichen und sozialen Lage zu dienen geeignet erscheinen. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen ist der Ueberzeugung, daß infolge einer vielfach übersetzten Zwischenhandelsspanne Preisherabsetzungen auf den verschiedensten Gebieten des täg­lichen Bedarfs durchaus möglich erscheinen. Der Kreisausschuß richtet an alle in Frage kommenden Berufsstände, insbesondere an Bäcker und Metzger die dringliche Mahnung, bei den be­vorstehenden Verhandlungen auf Preissentung zu berücksichtigen, daß eine Herabsetzung der heutigen Preise im Interesse der gesamten Volkswirtschaft und jedes einzelnen Volksgenossen liegt. Die drohende Herabsetzung von Löhnen und Gehältern darf nicht zu einer Senkung des Realeinkommens der breiten Volksschichten führen. Der Vorgang, der sich im Kreise Gießen auf dem Gebiete des Milchpreises ereignet hat, liefert den Be­weis dafür, daß in Zeiten der Not mit einer wesentlich ge­ringeren Verdienstspanne auszukommen ist. Die Preissenkung darf sich nach Auffassung des Kreisausschusses aber nicht allein auf Lebensmittel beschränken, sondern sie muß sich auch aus­wirken auf Preise anderer Bedarfsartikel, insbesondere auf Kohle. Der Kreisausschuß ersucht das Kreisamt Gießen im Benehmen mit dem Herrn Oberbürgermeister der Stadt Gießen, sofort Verhandlungen mit den maßgeblichen Kreisen der Ge­schäftswelt auf zunehmen, für die Verbraucherschaft auch fühl bave Preissenkung herbeizuführen.

haben die Gemeinde vor Streit und schweren Opfern, die nie mand genutzt hätten, bewahrt. Gott lasse Hochstein immer Männer finden, die das vermögen. Das Dorfgericht ist aus." ( Abdruck ausdem neuen Bauernroman von Gustav Schröer: Der Herrgott und ein Mann. Geb. 5 RM. Verlag C. Bertels mann in Gütersloh. Erhältlich in jeder Buchhandlung.)

Feuer­

Feueres brennt!

75 Proz. aller Brände sind nachweislich durch Unvorsichtig keit und Leichtsinn, durch spielende Kinder oder sonstwie ver meidbare Zufälle entstanden. Die Möglichkeit, durch größere Sorgfalt einen erheblichen Teil der durchschnittlich Jahr um Jahr auftretenden Brände zu vermeiden, hat ein unfreiwilli ges, großzügiges Experiment in der Inflationszeit geliefert. Denn damals, als Sachwerte alles und Geld nichts wert war, ist die Zahl der Brände erheblich gesunken. Diese überraschende Tatsache kann nur auf die in jenen Notzeiten erheblich ge steigerte Sorgfalt und Aufmerksamkeit zurückgeführt werden.

Wir befinden uns wieder in einer drängenden Notzeit unseres wirtschaftlichen Lebens und müssen alle Kräfte an spannen, um überflüssige Ausgaben zu vermeiden. Obendrein ist die Verhütung von schweren Unglücksfällen, oft mit töd­lichem Ausgang, und von Gesundheitsschädigungen selbstver­ständliche Menschenpflicht!

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Darum dürften die vom Verband der Deutschen Berufs genossenschaften neuerdings herausgegebenen Plakate, die vor dem Rauchen an besonders gefährdeten Stellen und vor dem leichtsinnigen Hantieren mit offenem Licht eindringlich warnen, in weiten Kreisen willkommen sein. Wenn diese Plakate an Stelle der bisher üblichen, meist wenig auffälligen und fast immer übersehenen Schrifttafeln selbst mit Hinweisen auf polizeiliche Verbote und Strafen treten, ergibt sich aus dem mehrfarbigen Bild drohender Flammen ein Appell an das eigene Verantwortungsbewußtsein, der zweifellos wirksamer ist als das nüchterne Verbot. Wenn nicht nur in den gewerb lichen und landwirtschaftlichen Betrieben, sondern auch in allen öffentlichen Gebäuden und Privathäusern, besonders in Kellern und Bodenräumen diese Plakate an gut sichtbarer Stelle als auffallende Warner ihren Platz finden, dürfte zweifellos wenig stens ein Teil der jetzt so oft leichtsinnig verursachten Brände vermieden werden.

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