Mittwoch, den 29. Oftober 1930.
Lofales.
Kapitalbildung in der Hauswirtschaft.
Weltspartaggedanken.
Die Kapitalbildung in der Volkswirtschaft vollzieht sich zu einem ansehnlichen Teil in einer meist wenig beachteten Sphäre, nämlich im privaten Haushalt, im Bereich der Hausfrau. Die Hausfrau hat nicht nur für das Wohl ihrer Familie zu sorgen, sondern ihr kommt auch im allgemeinen Wirtschaftsleben eine viel größere Bedeutung zu, als man gewöhnlich annimmt. Sie ist die Verwalterin des Wirtschaftsgeldes und damit eines erheblichen Teiles unseres Volkseinkommens. Man nimmt an, daß in Deutschland durch die Hände der 11 Millionen Hausfrauen jährlich nicht weniger als etwa 16 Milliarden Reichsmark laufen. Damit bestimmt sie aber auch wesentlich Richtung und Art des Verbrauchs. Es bleibt ein großes Verdienst der Hausfrau, daß in den letzten Jahren unter dem Druck der wirtschaftlichen Not der Gedanke des planmäßigen und rationellen Verbrauchs mehr und mehr Fuß gefaßt hat. Damit hat sich die Hausfrau mit Erfolg in die Front derer gestellt, die für vernünftiges Wirtschaften und den Spargedanken eintreten.
Es
gibt immer noch Leute, die zwischen Sparen und Verbrauchen einen Gegensatz sehen wollen. Nichts ist falscher als diese Vorstellung. Der Spargedanke ist eine wertvolle Stütze und selbstverständliche Ergänzung des rechtverstandenen Verbrauchs. Schließlich ist Sparen im Grunde genommen ja auch nur eine Art des Verbrauchs, denn das nicht aufgezehrte Einkommen wird planmäßig für fünftigen Verbrauch in Notfällen, im Alter oder für andere Ziele rechtzeitig sichergestellt. Trotz oder gerade wegen der schlechten Zeiten hat der Spargedanke in den letzten Jahren bei uns immer tiefer Wurzel gefaßt, wie der erfreulich schnelle Aufbau des kleinen Sparkapitals beweist. Wer glauben sollte, es tomme auf das Verhalten des Einzelnen in solchen Fragen wie der Kapitalbildung nicht an, dem sei gesagt, daß die Milliardenziffern des Sparkapitals allein die Sparkassen verwalten über 10 Milliarden Reichsmark sich aus unzähligen kleinen Beträgen zusammensetzen. Das Beispiel der Hauswirtschaft lehrt, daß es nicht so sehr in erster Linie auf die Menge und die Zahl ankommt, als auf die richtige Einstellung des Menschen zum Wirtschaften überhaupt. Der Weltspartag will auf diese lebenswichtigen Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Haushalt hinweisen.
Brunnenturen im Hause.
Das Bedürfnis, die natürlichen Mineralwässer auch fern von der Quelle an beliebigen Orten zu trinken, hat dazu geführt, diese Wässer zu versenden. Aus dem Ergebnis wissenschaftlicher Forschungen geht einwandfrei hervor, daß die geeigneten natürlichen Heilwässer unter Einhaltung gewisser Vorschriften beim Versand ihre Wirksamkeit nicht verlieren. Die Möglichkeit, Hausfuren mit natürlichen Heilquellen zur Anwendung bringen zu können, ist unter den heutigen schweren Zeitverhältnissen um so wichtiger, als es vielen nicht vergönnt ist, eine Kur im Badeort selbst zu gebrauchen, bezw. sie lange genug durch führen zu können. Hauskuren mit natürlichen Heilquellen und Quellprodukten sind von besonderer Bedeutung zu Zeiten, in denen Badekuren nur in beschränktem Umfange zur Durchführung gelangen können, z. B. im Winter, in Fällen, in denen sich häusliche Vor- oder Nachkuren erforderlich machen, bei Kranken, die bettlägerig oder beruflich behindert auf eine häusliche Kur angewiesen sind. In diesen Fällen leisten die Heilquellen vielfach überraschende Erfolge. So ist bei einer im Abklingen be= findlichen Nierenentzündung nichts empfehlenswerter, um den Heilungsvorgang zu beschleunigen, als eine Trinkkur mit einem geeigneten Mineralwasser. Beim Gebrauch dieser Heilwässer steigt nicht nur die Harnabsonderung an, sondern es wird gleichzeitig infolge entzündungshemmender und reizmildernder Eigenschaften ein günstiger Einfluß auf den Heilungsvorgang ausgeübt. Eine derartige Mineralstofftherapie in Form einer Trinkkur findet eine Parallele in der Diättherapie bei Nierenfranken mit Neigung zur Wassersucht. Selbstverständlich ist es notwendig, die Handhabung der Trinkkur, wie Dosierung, Einteilung der Portionen, Temperatur des Brunnens, diätische Verhaltungsmaßregeln der Eigenart des Brunnens und den am Orte seines Ursprungs üblichen Vorschriften nach Möglichkeit anzupassen, wobei die Ueberwachung der Hauskur durch den Arzt nicht unterlassen werden soll.
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,, Gießener Zeitung"
Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen- Stadt. Die Krankenkasse hat ihre Versicherungsbeiträge von 7 auf 6,5 Prozent herabgesetzt.
* Vom Stadthaus. Die öffentliche Ziehung der Auslosungsrechte zu den Ablösungsanleihen der Stadt für die Jahre 1926 bis 1930 findet am Freitag, den 31. Oktober 1930, nachmittags 3 Uhr, im Zimmer 6 des Stadthauses statt.
* Auszahlung von Frankreichguthaben ehem. Kriegsge: fangener. Einer Mitteilung der Reichsvereinigung ehem. Kriegsgefangener zufolge werden auf Grund einer Entscheidung des Reichsfinanzministers die seit einigen Jahren in den Händen des Reichsfinanzministeriums befindlichen Guthaben ehemaliger Kriegsgefangener aus französischer Kriegsgefangenschaft nunmehr zur Auszahlung gelangen.
* Konzert Am Freitag, den 31. Oftober, abends 8 Uhr, findet in der Johanniskirche zum Besten der neuerbauten Krippe unter Mitwirkung der gesamten Kapelle des 1. Batls. des 15. Inf. Regts. ein Konzert statt.
* Aus dem Stadttheater. Zum ersten Male wird heute abend als 5. Mittwochs- Abonnements- Vorstellung das Schauspiel von Wolfgang Grezz ,, Neidhardt von Gneisenau" gegeben.
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* Berichtigung. Die Postwertzeichen- Verkaufsstelle befindet sich nicht in der Friedrichstraße 2, sondern in der Friedensstraße 2.
* Schafflers Wettervorhersage für November 1930. Zu Beginn des Monates herbstlich fühles, im allgemeinen meist trockenes Wetter, Morgennebel und Nachtfröste zu gewärtigen. Um die Mitte des Monats veränderlich, windig. Um den 20. erneut Verschlechterung, stürmisch, regnerisch, ab 25. Frost und Schneefall wahrscheinlich.
* Aufgehobene Straßensperrung.( Mitgeteilt vom OberHessischen Automobil- Club E. V.[ A. v. D.] Gießen.) Die Sperre auf der Provinzialstraße Pohlgöns- Niederkleen( bis zur Landesgrenze) ist wieder aufgehoben.
Straßensperrungen,
mitgeteilt vom Oberhessischen Automobilclub E. V.( A. v. D.)
Wegen Ausführung von Kanalisationsarbeiten wird die Ortsdurchfahrt Grünberg im Zuge der Straße Gießen- Alsfeld vom 29. Oktober ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Göbelnrod- Beltershain- Lehnheim.
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Bevorzugung von Inlandswaren.
In Italien besteht eine Regierungsordnung, bei allen öffentlichen Ausschreibungen die inländischen Angebote zu bevorzugen, auch wenn sie im Preise die ausländischen übersteigen.
In Dänemark wurden die Arbeiten an neuen Elektrisierungsanlagen im ehemals deutschen Nordschleswig nicht an die billigeren deutschen Anbieter, sondern an die teureren dänischen vergeben.
Und in Deutschland? Hier kennt man zwar ein solches Vorgehen noch nicht, aber der„ Deutsche Wirtschaftsverein e. V." ( Mannheim, M 1, 1) wirkt bereits in dieser Richtung als einzige Verbraucherorganisation zum„ Schutz der deutschen Arbeit" durch Propagierung des Grundsatzes„ Kauft deutsche Ware!".
Aus Nah und Fern.
Ortenbergs ,, Kalter Markt".
Ortenberg. Der Pferdemarkt war etwas schwächer beschickt als im vorigen Jahre, doch entwickelte sich bei annehmbaren Preisen und einem Auftrieb von etwa 600 Tieren ein gutes Geschäft. Der Rindviehmarkt sah schäzungsweise 500 Tiere in sehr gutem, meist heimischen Material aufgetrieben. Der Handel war bei guten Preisen rege, es war faum ein Ueberstand zu verzeichnen. An Borstentieren waren auch gegen 800 angetrie
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ben und wurden bei lebhafter Nachfrage gut abgesetzt. Der Krammarkt dauert noch bis Mittwoch, während am Donnerstag die Ziehung der bekannten Marktlotterie stattfindet.
Gedern. Das Fürstlich Stolberg- Wernigerode- Schloß steht zum Verkauf und mit ihm auch die nicht unbeträchtlichen in der Nähe gelegenen landwirtschaftlichen Besitzungen und Höfe. Jahresversammlung der Inneren Mission.
Am Sonntag und Montag dieser Woche hielt der Hessische Landesverein für Innere Mission und der Landesverband der Inneren Mission in Hessen in Michelstadt und Erbach seine
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Bezugspre
diesjährige Jahresversammlung. Die Nachmittagsversammlung Medallionsschluß fand in Stockheim statt; der Geschäftsführer des Evangelischen hendung nicht
Siedlungsdienstes in Bielefeld, Herr Dr. Schulz, hielt einen Vortrag über„ Die Deutsche Ortssiedlung als nationale und
Montagmorgen fand eine öffentliche Versammlung in Michel stadt statt. In der Nachmittagsversammlung wurden im An schluß an einen weiteren Vortrag von Dr. Schulz praktische Fra gen des Ev. Siedlungsdienstes erörtert. Im Anschluß daran faßte die Versammlung den Beschluß, in Verbindung mit dem Hessischen Landesverein für Innere Mission in Darmstadt eine Beratungsstelle für Siedlungswillige einzurichten.
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11. Deutsches Sängerbundesfest 1932. Der Sängerbund Nassau, Sitz Wiesbaden, hat beschlossen Musikdirektor Dr. phil. Rudolf Werner- Frankfurt a. M. mit pahlung für No der Leitung des vom Sängerbund Nassau als Einleitung der offiziellen Festordnung des 11. DSB.- Festes in Frankfurt a. M. lagen des Finan im Jahre 1932 zu veranstaltenden Begrüßungskonzertes zu be über die Osthilf auftragen. Das Konzert findet am 21. Juli 1932 in der neuen Snährungsmin Sängerhalle auf dem Festgelände statt und wird von etwa
16 000 Sängern ausgeführt werden.
Neue Bücher.
Die 27 deutschen Parteien 1930 und ihre Ziele, von Dr. Johs. Saß. Verlag R. Himmelheber& Co., Hamburg 11. Preis 50 Pfig. Die politischen Wogen gehen hoch. Die Par teien haben das Schicksal Deutschlands, das Schicksal jedes Ein zelnen in der Hand. Was wollen die Parteien, was bestimmt ihr Handeln? Antwort gibt diese Broschüre, die auf Grund authentischen Materials eine Uebersicht über die Programme der einzelnen Parteien bietet.
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,, Gefahren der Kapitalflucht". Nur in ganz wenigen Fällen dürfte man sich darüber klar sein, daß Kapitalien, besonders wenn sie in nervösen Zeiten ins Ausland gebracht werden, dort grö Beren Gefahren ausgesetzt sind. Dieser Forderung unserer Zeit tommt eine Broschüre nach, die soeben von dem Bankhaus Carl Loeser- Berlin W. 8, herausgebracht wurde. Hand wirtschaftlicher und finanzpolitischer Ereignisse in den von der Kapitalflucht bevorzugten Ländern, wie der Schweiz, Stan dinavien, Holland, wird dargelegt, daß das Kapital im Aus lande, genau so wie in Deutschland, großen Wertschwankungen und auch Wertminderungen ausgesetzt sein kann, und daß lek ten Endes derjenige privatwirtschaftlich und volkswirtschaftlich am richtigsten handelt, der dem eigenen Lande das Kapital beläßt.
Kaufmännische Angestellte. Jedem Kaufmannsgehilfen wird durch die„ Handelshochschule" die Möglichkeit geboten, ein hochschulmäßiges berufliches Studium durchzuführen. Nur eine wissenschaftliche Ausbildung ermöglicht es dem Einzelnen, den ganzen Komplex der Wirtschaft zu überblicken. Das Werk to stet 3 RM. im Monat. Zuletzt sind die Lieferungen 82-85 er schienen. Wenn Sie an den Industrieverlag Spaeth& Linde, Berlin W. 10, Genthinerstraße 42, für Porto 30 Pfg. einsenden, bekommen Sie den Prospekt„, Cr. 3" und eine interessante Probelektion vollständig kostenlos und unverbindlich.
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Der Ozeanflieger v. Gronau über F. P. I. Der Bezwinger des Ozeans äußert sich im neuen Heft, Nr. 44, der„ Woche" dem Plan einer künstlichen Ozean- Lande- Insel, der in dem „ Woche"-Roman„ F. P. I antwortet nicht" behandelt wird.
Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.
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