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Samstag, den 29. März 1930.

,, Gießener Zettung"

Amöneburg, Marburg und Gießen und weiter nach Wetzlar,| Pfandhaus, wurde allerdings später gefaßt und erhielt acht Braunfels, Dieburg, Büdingen und Gelnhausen.

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Zweite Hauptversammlung der Hessischen Landwirtschafts­tammer. Die Hess. Landwirtschaftskammer hält am Donners­tag, den 3. April, vormittags, in Darmstadt ihre zweite Haupt­versammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen Bericht und Entlastung über das vergangene Jahr und Voranschlag für 1930, der mit 2 249 Mill.( 2,098 Mill. Mark) abschließt.

* Der Bund Deutscher Jugendvereine tagt in Darmstadt. Im bunten Kranz der vielen Tagungen und Veranstaltungen, die während der 600- Jahrfeier der Stadt Darmstadt stattfinden, wird auch die Jugend erscheinen. Der Bund Deutscher Jugendvereine veranstaltet am 1.- 3. August seine Reichstagung in Darmstadt. Die Stunde des Landes im Südwestdeutschen Rundfunk.

Sonntag, den 30. März 1930: Zweihundert Jahre Kartof­feln eine Jubiläums betrachtung" von Reftor Wehrhan- Frank­furt a. M. ,, Warum muß der Landwirt sich gegen Haftpflicht versichern?" Vortrag von Landesrat Bed- Kassel. Stunde des Rhein- Mainischen Verbandes: Die unverzeihliche Lüge, ein serbo- kroatisches Märchen und seine Deutung" von Prof. Dr. Kranz- Frankfurt a. M.

Aus Nah und Fern.

Oberhess. Dorfkirchenvorstehertag.

In Windhausen fand am 24. März ein von der Dorfkirchen­vereinigung für das nördliche Oberhessen veranstalteter Dorf­kirchentag statt. Etwa 300 Auswärtige waren in dem festlich geschmückten Dorf zusammen gekommen. Die Tagung begann vormittags mit einem Gottesdienst, den Oberkirchenrat Wag­ner Gießen in der dichtgefüllten Kirche abhielt. In der Ver­sammlung sprach der Direktor der Inneren Mission in Hessen, Pfarrer Röhricht, über Unsere Aufgabe gegenüber den be­sonderen Gefahren unserer Zeit für die christliche Familie auf dem Dorf". Eine lebhafte Aussprache schloß sich an.

Ein Fahrplanprotest der Handelskammer Friedberg. Butzbach. Am Dienstag hielt die Industrie- und Handels­fammer Friedberg eine Vollversammlung ab, die sich w. a. auch mit dem Fortfall des letzten Halts eines D- 3Zuges in Butzbach beschäftigte. Die Industrie- und Handelskammer nahm eine Entschließung an, in der die Kammer ihrem außerordentlichen Befremden Ausdruck gibt, daß Butzbach mit dem Inkrafttreten des neuen Sommerfahrplanes nicht mehr D- 3ugstation sein soll. Friedberg, 26. März. Gestern nachmittag wurde im Beisein der Stadtverwaltung und einer Reihe geladener Persönlichkeiten die mit einem Kostenaufwand von 50 000 Rmf. erbaute Klär­anlage nach dem OSM.- System ihrem Zweck übergeben.

Schotten. Ein Kind kam dem Ofen zu nahe. Seine Kleider gerieten in Brand und es starb alsbald.

Lauterbach, 28. 3. Von der hiesigen Polizei wurde ein Fa­milienvater verhaftet, der mit seiner 16 Jahre alten Tochter seit längerer Zeit unter Gewaltandrohung strafbaren Umgang hatte und das Mädchen unter ständigen schweren Lebensbe­drohungen stets zu neuen Straftaten drängte. Das der Ver­zweiflung nahe Mädchen gestand schließlich bei Verwandten die Verbrechen seines Vaters, worauf dieser sofort verhaftet wurde. Zwei Tote bei einem Autounglüd.

Bingen, 28. 3. Ein französisches Lastauto fuhr in Wackern­heim gegen einen Gemüsewagen. Auf dem Wagen befanden sich der Händler August Eschborn aus Nieder- Ingelheim und der französische Kantinenwirt. Beide Personen stürzten von dem Fuhrwerk auf die Straße und wurden von dem Lastwagen so schwer verletzt, daß der Tod sofort eintrat.

Frankfurt a. M. Bei der Straßenbahn will man den Ein­heitstarif von 25 Pfennig einführen.

Frankfurt a. M. Ein Geschäft, das die Benutzung von Fahr­rädern probeweise gestattete, fiel bald einem Schwindler zum Op.r. Der Betreffende versette das geliehene Rad auf dem

Monate Gefängnis.

Kassel. Weil er in seinem Gartenhause eine Falschmünzerei unterhielt, wurde ein Klempnermeister zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Homberg. Durch fahrlässige Brandstiftung entstand ein gro­ßer Waldbrand, dem Fichtenbestände zum Opfer fielen.

Fünf Personen von einem Löwen verletzt. Nach der Meldung aus Kitzingen( Unterfranken) ereignete sich im Zirkus Fischer ein schweres Unglück. In der Menagerie brach beim Umsetzen der Türe ein Löwe aus. Bei dem Versuch, ihn wieder einzufangen, wurden fünf Personen von dem Löwen schwer verletzt. Sie wurden sämtlich dem Krankenhaus zugeführt. Zwei Dompteure haben so schwere Bißwunden erhalten, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.

Brandau. Der Benzinbehälter einer hiesigen Tankstelle wurde nachts seines Inhaltes beraubt. Etwa 50 Liter Benzin wurden von unbekannten Tätern gestohlen.

Die Erschließung der Tannhäuserhöhle. Eisenach. Die Erschließungsarbeiten an der Tannhäuser­höhle am Großen Hörselberg bei Eisenach sind so weit gediehen, daß jetzt schon festgestellt werden kann, daß die Höhle als Schaustätte schönster Tropfsteinbildung in nächster Zeit einen Hauptanziehungspunkt für den Fremdenverkehr bilden wird. Tropfsteingruppe, die ursprünglich zwei Meter hoch war, ist jetzt bis zu sieben Meter Höhe erschlossen worden; damit ist die Höhle der höchste versteinerte Wasserfall, den man in Deutschland zu sehen bekommt.

Köln. Wegen Beraubung eines Briefkastens erhielt ein Arbeitsloser Jahre Zuchthaus.

Aachen. Drei Radfahrer, die einem überholenden Auto nicht genügend auswichen, wurden von dem Wagen ergriffen und tot­gefahren.

Zum Tode verurteilt.

Saarbrücken, 28. 3. Das Schwurgericht verurteilte den 27­jährigen Techniker Franz Rudolf Wagner aus Schiffsweiler wegen Mordes in Tateinheit mit qualifiziertem Raube zum Tode.

Gummersbach. In der Heilanstalt Rospetal" brach Feuer aus, das einen Sachschaden von 100 000 Rmf. anrichtete.

Wegen Bestimmungsmensuren vor Gericht. Berlin, 28. 3. Zehn Studenten der Burschenschaft ,, Teuto­nia" wurden heute vom Amtsgerichtrat Burkardt beim Schöffen­gericht Moabit von der Anklage des Zweikampfes mit tötlichen Waffen freigesprochen. Die Studenten hatten Bestimmungsmen­suren ausgefochten.

Ein Arzt auf dem Wege zu einem Patienten umgekommen. Wie aus Ueckermünde gemeldet wird, sollte der Bahnarzt Dr. Görlach in einem vierräderigen Bahnmeisterwagen einen Kranken besuchen. Dr. Görlach wurde jedoch von dem nachfol= genden Personenzug überrascht und sofort getötet.

Ein sozialistischer ,, Muster- Arbeitgeber". ,, Brutaler und rücksichtsloser Egoismus" sind, wenn man sozialistischen Agitatoren glauben soll, mit der Privatwirtschaft untrennbar verbunden. Dagegen soll die sozialisierte Wirt­schaft unter dem Zeichen des reinen Jdealismus stehen, ihre Einführung deshalb alle Auswüchse der bisherigen Wirtschafts­form restlos beseitigen. In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse jedoch manchmal etwas anders. Es wird auch in den sozialistisch­kommunistischen Betrieben gestreift( ausgenommen in Rußland, wo bekanntlich das Streiken gesetzlich verboten ist) und- wer nicht pariert, fliegt. Mit Arbeitsstreitigkeiten zwischen Arbeit­gebern und Arbeitnehmern sozialisierter Betriebe haben sich die Arbeitsgerichte sehr häufig zu befassen. Kennzeichnend für die Arbeitsverhältnisse in diesen Betrieben ist folgender Bericht über eine Verhandlung vor dem Dortmunder Arbeitsgericht, den die ,, Dortmunder Zeitung" veröffentlicht:

Nr. 25.

,, Als ein ,, wirklich soziales Musterunternehmen" entpuppte sich dieser Tage die Vereinigte Bauhütte Bochum, Witten, Dortmund G. m. b. H. Diese Firma, ein der freien Gewerk­schaften nahestehendes Unternehmen, führt die Arbeiten am Neubau des Volkshauses in der 1. Kampstraße aus. Als Baudelegierter fungierte dort der Bauarbeiter H. Dieser wurde, entgegen den tariflichen Bestimmungen und denen des Betriebsrätegesetzes, vor Beendigung der Arbeiten ent­Lassen.

Mit einer am Arbeitsgericht anhängig gemachten Klage verlangte der Entlassene Wiedereinstellung. Da die Rechts­lage zugunsten des Klägers neigte, versuchte der Vorsitzende, einen Vergleich herbeizuführen, ohne allerdings mit dem Widerstand des Bauhüttenvertreters zu rechnen. Es ist nicht bekannt, ob dieser noch mit einem ihm günstigen Ur­teil rechnete; jedenfalls lehnte er jeden Vergleich ab. Der Vorsitzende bemühte sich weit über eine Viertelstunde durch Zureden. Aber alles war umsonst. Der Vorsitzende be­merkte dann, daß er in seiner langjährigen Praxis noch keine so verständnislose und unsoziale Firma kennengelernt habe. Diese Auffassung wurde von dem Arbeitnehmerbei­sitzer, einem Gewerkschaftssekretär der freien Gewerkschaften, durch Kopfnicken bestätigt. Nach abermaligen Bemühungen gelang es dann schließlich, einen Vergleich abzuschließen, demzufolge der Entlassene eine Entschädigung in Höhe von 40 Mark bekommt und außerdem baldmöglichst wieder ein= gestellt werden soll."

Neue Bücher.

250 Jahre Weidmann'sche Buchhandlung. Am 1. April kann das bekannte Verlagshaus für wissenschaftliche Literatur und pädagogisches Schrifttum, zu denen jetzt auch Sport und Funk­wesen getreten sind, die Weidmann'sche Buchhandlung in Ber­lin, SW. 68, auf ein 250jähriges Bestehen zurückblicken.

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Der letzte deutsche Angriff. Reims 1918. Band 34 der vom Reichsarchiv herausgegebenen Schriftenfolge Schlachten des Weltkrieges". Bearbeiter: Archivrat Alfred Stenger. Druck und Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Preis in Halbleinen 5,50 Rmk., Halbleder 8,- Rmk. Die Angriffs­vorbereitungen wurden in der gewohnten Weise betrieben. Von besonderer Wichtigkeit waren hier die Vorarbeiten der Pioniere für den Marneübergang. In den ersten Stunden des 15. Juli setzte das Feuer der deutschen Batterien ein, unmittelbar danach begann bei der 7. Armee bereits das Uebersetzen der Sturm­truppen, 4,50 Uhr vormittags erfolgte an der ganzen Front der Angriff. Aber es zeigte sich sehr bald, daß es dieses Mal nicht gelungen war, den Feind zu überraschen. Die deutsche Führung entschloß sich demgemäß, dem Angriff an der Marne und in der Champagne so bald als möglich den Stoß in Flandern folgen zu lassen. Das Schicksal fügte es, daß es zu dieser neuen Offen­sive, von der die O. H. L. die Kriegsentscheidung erwartete, in­folge des französischen Vorstoßes aus dem Walde von Villers­Cotterêts am 18. Juli nicht mehr kam, die Offensive beiderseits Reims sollte der letzte deutsche Angriff im Weltkriege gewesen sein. Es ist selbstverständlich, daß bei der Darstellung einer mehrtägigen Schlacht dreier Armeen ein Eingehen auf Einzel= heiten unmöglich ist. Statt dessen werden dem Leser hier neben dem eigentlichen Verlauf der Ereignisse die Tätigkeit der mitt­leren und oberen Führung vor und während einer Angriffs= schlacht, sowie das Jneinandergreifen und Zusammenarbeiten der einzelnen Befehlsstellen zur Darstellung gebracht. Im übrigen aber ist auch dieser mit ansprechendem Buchschmuck und guten Karten ausgestattete Band ein Heldenlied des deutschen Front­soldaten. Der überanstrengte, schlecht ernährte, durch Mühen und Entbehrungen von vier Kriegsjahren zermürbte Marne­fämpfer von 1918 hat sich dem von 1914, was aufopfernde Hin= gabe betrifft, durchaus ebenbürtig erwiesen.

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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