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Mittwoch, den 25. Juni 1930.

Eich. Ein Paddelboot, das mit einem Paar aus Darm­stadt besetzt war, kippte um. Der Herr konnte sich retten, die Dame rief um Hilfe. Straßenwärter Rösch aus Eich rettete sie vom Tode des Ertrinkens. Als Dank erhielt er eine 3i­garette!

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Ingelheim. In der Nacht zum Donnerstag überfuhr ein 3- Zug an dem beschrankten Bahnübergang zwischen Gau- Al­gesheim und Ingelheim ein Lastauto. Zwei Beifahrer wurden so schwer verletzt, daß sie wenige Stunden später starben. Der Chauffeur kam mit leichten Verletzungen davon. Der Schran­fenwärter wurde verhaftet.

Lampertheim. Gastwirt Gölz fuhr mit einem leichten Wagen heim. Das Pferd scheute vor einem nicht abgeblendeten Auto und warf den Wagen um. Der Gastwirt erlitt schwere innere Verletzungen. Fast zur gleichen Stunde verunglückte seine Schwester tödlich bei einer Autofahrt, die sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn unternahm. Die Frau erlitt einen tödlichen Schädelbruch; auch die beiden anderen Insassen wurden schwer verletzt.

Dieburg. Heute und morgen findet in Dieburg die 48. Hauptversammlung des Odenwaldklubs statt. Neben Erledi­gung der geschäftlichen Angelegenheiten sind gesellige Veran­staltungen, ein Festzug usw. vorgesehen.

Kürzung der Beamtengehälter im Bejagungsgebiet. Mainz. Die Verordnungen über die Neuregelung der Be amtengehälter für die Beamten des besetzten Gebiets sollen schon ab 1. Juli in Kraft treten.

Offenbach a. M. Das hessische Gesamtministerium hat burch Verordnung vom 21. Juni die gesetzliche Miete in der Stadt Offenbach auf 124 Prozent der Friedensmiete festgesetzt, und zwar mit rückwirkender Kraft vom 1. April d. J. ab.

Worms. Ein Oberpostschaffner wurde wegen Ber ubung von Auslandsbriefen zu einem Jahr Zuchthaus und 150 Mart Geldstrafe verurteilt.

Fulda. Die diesjährige deutsche Bischofskonferenz finde: vom 5. bis 7. August in Fulda statt.

Herborn. An ihrem 40. Geburtstag wurde Frau Gum­bert, Mutter von fünf Kindern, vom Blitz erschlagen

Kassel. Ein Arbeiter, der nach dem Genuß von Erdbeeren Bier getrunken hat, erkrankte unter schweren Vergiftungs­erscheinungen.

24. Deutscher Luftfahrertag in Kassel.

Der 24. Deutsche Luftfahrer- und Flieger- Wiedersehenstag in Kassel war von über dreihundert ehemaligen deutschen Kampf­fliegern und zahlreichen Vertretern der Jugend- und Segelflug­bewegung, des Motorfluges und des Freiballonsports besucht. Staatsminister a. D. Dominicus- Berlin hob hervor, daß man auf dem besten Wege sei, den Verband volkstümlich zu gestalten. Er zähle jetzt über 48 000 Mitglieder und verfüge über 90 Mo­torflugzeuge, 700 Gleit- und Segelflugzeuge und 61 Freiballone. Reichspräsident von Hindenburg entbot dem Luftfahrertag seine besten Grüße, die mit stürmischem Beifall aufgenommen wurden.

Nur für

Gießener Zeitung

Frankfurt a. M. Am Maintais überfuhr ein Lastkraftwa-! gen ein Motorrad. Dabei wurde der Motorradführer überfah­ren. Er erlitt einen Schädelbruch, an dessen Folgen er kurz darauf verstarb.

Berlin. Generalleutnant 3. D. Ludwig v. Wildenbruch, der Pruder des Dichters Ernst v. Wildenbruch, ist, 84jährig, seinen schweren Verletzungen, die er sich bei einem Straßenbahnunfall zugezogen hatte, erlegen.

Lübeck. Der Oberstaatsanwalt beim Lübecker Landgericht hat auf Grund des vorliegenden Untersuchungsmaterials in der Calmette- Angelegenheit gegen die Professoren Dende und Klotz, gegen Dr. Altstaedt, sowie gegen die Laboratoriums­schwester des Professors Deyde wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung die Voruntersuchung beantragt.

Nojjavischer Bauernicg 1930.

Am Vorabend der Räumungsfeier, am 28. Juni, beginnt in Frankfurt- Höchst- Unierliederbach der diesjährige Nassauische Bauerntag. Die Teilnehmerzahl wird in die Zehntausende ge­hen. Aus allen Teilen Hessens und Hessen- Nassaus werden die Angehörigen der Bauernschaft zu dieser Tagung, die bis Mon­tag daneri. erscheinen.

Schmeling tommt heim

Mar Schmeling der heute mit der Bremen" nach Deutsch­Land zurückfährt und am 4. Juli in Bremerhaven eintrifft, he­absichtigt, im August wieder nach, Amerika zu kommen, um für seinen Revancherampf gegen Sharkey zu trainieren. Dieser Revanchekampf soll Ende September in Newyork stattfinden.

Gegen üblen Mundgeruch, nach längerer Mundruhe und nach dem Rauchen benutze man zum Desodorieren und Aromatisieren des Atems eine Spülung mit dem herrlich erfrischenden Chlorodont- Mundwasser. Flasche 1.- Mt.

Vernunft.

Unter der Schlagzeile Vernunft" veröffentlicht die Leip­ziger Abendpost" einen Artikel, den wir wörtlich wiedergeben:

Die Vernunft sieht so aus: In Hannover( Linden) wird ein Grundbesitzer seine erst im Jahre 1910 erbaute schloßartige Villa niederreißen und an ihrer Stelle ein neues Wohnhaus für sich und seine Familie setzen. Grund: die Hauszinssteuer.

Die hier mitgeteilte Meldung hört sich zwar unvernünftig an, ist aber verbürgt und die letzte Konsequenz der neuzeitlichen Steuergesetzgebung. Es verlohnt sich, um den Irrwahn der Hauszinssteuergesetzgebung in ihrem wesentlichen Kern kennen­zulernen, dieses Beispiel näher zu beleuchten.

Dieser Mann hat, wie alle älteren Besitzer, kein Barver­mögen mehr, sondern nur Grundbesitz, vor allem unbebautes Land. Da die Pachten für diese Ländereien nicht so viel auf­

Nr. 50.

bringen, daß er die auf seinem großen Einfamilienhause ruhende Hauszinssteuer davon bezahlen kann, wird er das Haus ab­brechen, nachdem es nur 19 Jahre seinem Zweck gedient hat. Die Rechnung ist aber diese: Will der Mann sein Haus halten, so müßte er von Zeit zu Zeit von seinem Grundbesitz, wie er es auch bisher getan, einen Teil veräußern. Verkauft er aber auf einmal soviel Grundbesitz, wie er in den kommenden acht Jahren an den Steuerfisfus losgeworden wäre, kann er sich für etwa 40 000 Mark auf seinem schuldenfreien Grund und Boden ein neues, hauszinssteuerfreies Haus bauen. Im neunten Jahre wohnte er somit wieder, wie früher, zinsfrei in seinem Hause. Wohlgemerkt, er könnte sich das neue Haus auf seinem weit­läufigen Grundstück an einer anderen Stelle bauen. Um aber den geschilderten Vorteil zu erhalten, muß er das alte Haus wegreißen, denn für den Hauszinssteuerbetrag bekommt er kei­nen neuen Mieter.

Im allgemeinen sagt man gern, die Hausbesitzer seien von drei Vierteln ihrer Schulden befreit worden. Das ist bekannt­lich nicht ganz richtig, der Gläubiger hat nur seinen Platz ge: wechselt, das Reich zieht die Zinsen ein. Und was sagt die Vernunft?

Da kenne ich nun wieder einen Mann, der hat in einem Vorort ein kleines Haus mit einem etwas größeren Garten. Das alles hat einmal 45 000 Mark gekostet, und darauf ruhten einstmals 24 000 Mark Hypothekenschulden, heute sind es nur 6000 Mark Aufwertungshypothek. Er zahlt gegenwärtig 840 Mark Steuern und 300 Mark Zinsen. Gewiß, er wohnt nicht teuer, aber er will ebenso bequem und dabei noch billiger woh­nen. Was tat er da?

Seine Vernunft war die: Er fand einen Käufer und zu dem sagte er:

Ich verkaufe dir mein Grundstück zu 45 000 Mark. Ich schreibe dir aber die 18 000 Mark, die ich angeblich durch die Inflation von meinen Schulden losgeworden bin, ab, du übernimmst ferner die 6000 Mark Aufwertungshypothek und zahlst mir nur 21 000 Mark heraus"

Sie wurden handelseinig. Der Verkäufer aber ging hin und mietete sich für die Zinsen der erhaltenen Kaufsumme eine Wohnung für 1680 Mark. Er wohnte fortan umsonst, während er in seinem eigenen Hause 1140 Mark aufbringen mußte und war zufrieden. Finden Sie nicht, daß sich wirklich die Vernunft zum Verstande verhält wie das Kochbuch zur Pastete?"

Die Ausführungen in dem Leipziger Blatt stellen einen weiteren Beitrag für die Unmöglichkeit der Aufrechterhaltung der Hauszinssteuer dar. Zweifellos wird die hohe Hauszins­steuer noch manches Haus neröden. Sie bildet auch insofern eine Gefahr, als viele Eigentümer auf dem Lande und in kleinen Städten sich danach sehnen, daß ihnen der rote Hahn aufs Dach gesetzt wird; der Erfolg wäre einfach großartig, sie erhalten nach dem Brande von der Versicherung die Wiederaufbausumme, bauen ein neues, schönes Haus und sind von der drückenden Hauszinssteuer befreit.

Verantwortlich: J. V.: G. Burgeleit, Gießen.

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