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Mittwoch, den 28. Mai 1930.

1900 Gießen 1. Jgd.

Frankfurter Sportverein 1. Jgd. 0: 4( 0: 2).

Mit der Verpflichtung dieses Gegners, der vor dem Länder spiel Jtalien Deutschland im Frankfurter Stadion Zehntau­sende durch sein prachtvolles Spiel begeisterte, hatten die hiesigen Blau- Weißen sich vor eine unüberwindliche Aufgabe gestellt. Aber mit dem Gegner wächst das Können. In der ersten Halbzeit er­reichten die 1900er durch ihren kolossalen Eifer, daß das Spiel wenigstens offen blieb, wenn die Gäste sonst auch in allem an­deren besser waren. Nach der Pause wurde die Ueberlegenheit der Mainstädter aber drückend. 1900s pielbeinige Verteidigung leistete sich dazu noch ein Eigentor. Das Ergebnis hätte dem Spielverlauf nach nur 3: 1 für Frankfurt zu lauten brauchen. Sportfest in Appenrod( Kr. Alsfeld).

In Appenrod kämpften letzten Sonntag 12 Mannschaften um den Sieg in drei Klassen. Nach fairen, durchweg spannenden Spielen qualifizierten sich als Sieger:

A- Klasse: 1. Schweinsberg; 2. Niederofleiden; B- Klasse: 1. Niedergemünden; 2. Ehringshausen( Kr. Alsf.) C- Klasse: 1. Niederofleiden 2.; 2. Ohmes.

Das Fest wurde mit einem kleinen Ball mit vorheriger Sie­gerverkündigung abgeschlossen.

f.

Weglar- Weilburger Brief.

Das Privat- Spielprogramm war am letzten Maisonntage recht rege. Die Ligamannschaft des Sportclubs Niedergirmes spielte in Betzdorf Ein schnelles, faires Spiel sah die Platz­besitzer am Ende mit 4: 3 als knappen Gewinner. Niedergirmes 2. Jgd. erzielte gegen Oberbiels 1. Jgd. ein Unentschieden 1: 1. Der VfB. Azlar spielte mit einer kombinierten Mannschaft gegen die zweite von BC. Nauborn. Ein faires torreiches Tref= fen, 8: 4 für Aßlar. In der ersten Hälfte hielten sich die Nau­borner recht tapfer, mußten aber nach der Pause das routinierte Können der Aßlarer mit einigen Toren anerkennen. Halbzeit 3: 2 f. A. Aẞlars 1. Jgd. war bei guter Laune und gewann mit 3: 1 Toren über ihren Nachbar, Niedergirmes 1. Jgd. Ehrings­hausens Ligisten waren in Großen- Bused. Die Stürmerreihe der Plazzbesitzer zeigten das bessere Schußvermögen. 3: 2 wurde Großen- Bused Sieger. Ehringshausens 2. spielte gegen eine tombinierte Mannschaft des Weylarer Sportvereins in Wetzlar und verlor 3: 2. Bissenberg weilte zum Rückspiel in Steinberg. Auch diesmal trennten sich beide Gegner unentschieden. Vor­spiel in Bissenberg 3: 3. Diesmal 1: 1. Burgsolms Stürmerreihe spielte am Sonntag mit der nötigen Schnelligkeit und Ent­schlossenheit. Der Erfolg war ein hoher 6: 1- Sieg über Bis­kirchen. Dahlheim- Wetzlar spielte mit neun Mann gegen Oberbiel. Der B.- Meister entschied die Partie mit 4: 0 Toren zu seinen Gunsten. Oberbiels 2. holte sich in Schwalbach mit 3: 2 Toren den Sieg. Jn Niederbiel trafen sich die beiden Nach­barn Oberdorf Niederbiel. Die bessere Stürmerreihe gewann das Spiel. 7: 1 für Oberndorf.

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Um die DFB.- Meisterschaft. Zweite Meisterschaftsrunde in Köln, Nürnberg, Dresden, Berlin. Der Spielausschuß des DFB. hat nunmehr die Zusammen­setzung der Gegner und die Festsetzung der Spielorte für die am 1. Juni 1930 stattfindende erste Zwischenrunde zur deutschen Meisterschaft vorgenommen. Von den acht Mannschaften, die sich in der Vorrunde am 19. Mai durchzusetzen wußten, spielen die Vereine aus Köln, Dresden und Nürnberg diesesmal vor heimischem Publikum, während die Meister von Süd-, West­und Norddeutschland nach Nürnberg und Berlin fahren müssen und dort zum Kampf anzutreten haben. Der Spielplan wurde wie folgt aufgestellt:

In Köin: Spielvereinigung Sülz In Nürnberg: 1. FC. Nürnberg In Dresden: Dresdner Sportclub

In Berlin: Eintracht Frankfurt

Hertha BSC. Berlin. Schalke 04. Spielvereinigung Fürth. Holstein Kiel.

Gejekliche Regelung der Trichinenschau in Hessen.

Der Inhalt der Regierungsvorlage.

Der Innenminister hat dem Landtag einen Gesetzentwurf zugeleitet, durch den auch in Hessen die Trichinenschau gesetzlich geregelt werden soll. Während in anderen Ländern, beispiels weise in Preußen und Sachsen die Trichinenschau schon lange

Union

Gießener Zeitung

( Preußen seit 1902) einheitlich gehandhabt wird, war sie in Hessen bisher den örtlichen Behörden überlassen. Außer den großen Städten schrieben für die gewerblichen Schlachtungen einzelne Kreise, oder aber, wo diese sich nicht dazu entschließen konnten, auch kleinere Städte und Landgemeinden die Trichi­nenschau teils obligatorisch, teils fakultativ vor. So bestehen in Hessen jetzt schon annähernd 30 Polizeiverordnungen, die die Trichinenschau örtlich regeln und die ungefähr die Hälfte aller gewerblichen Schweineschlachtungen erfassen. Neuerdings lau­fen weitere Anträge auf Einführung der örtlichen Trichinen­schau. Nicht zuletzt sind diese Bestrebungen auf die beteiligten Gewerbefreise selbst zurückzuführen, die große Schwierigkeiten beim Absatz ihres Fleisches und ihrer Fleischwaren nach nichthes= sischen Gebieten haben, in denen die Trichinenschau eingeführt ist, die aber die Art der Trichinenschau wie sie in Hessen durch Polizeiverordnung geregelt ist, vielfach nicht als genügend an­

erkennen.

Aus den wirtschaftlichen und den gesundheitlichen Gründen wird deshalb eine für das ganze Land einheitliche Regelung der Trichinenschau durch dieses Gesetz angestrebt. Die verhältnis­mäßig seltenen Fälle der Feststellung von Trichinen bei Schlacht­tieren dürfen über die außerordentlich große Gefahr im Einzel­fall für die gesamte Bevölkerung nicht hinwegtäuschen, da durch den Genuß des Fleisches eines einzigen mit Trichinen behafteten Tieres erfahrungsgemäß Hunderte von Menschen an Trichinosis erfranken können, mit einem sehr hohen Prozentsatz von Todes= fällen.

Das Gesetz sieht die amtliche Untersuchung auf Trichi­nen nicht nur für Schweine, sondern für alle Tiere, vor, deren Fleisch zum Genuß für Menschen verwendet werden soll, und die als Zwischenträger der Trichinose beim Menschen in Betracht tommen können. Trichinenepidemien, wie sie erst in neuester Zeit, besonders in dem Stuttgarter Fall bekannt geworden sind, der einer großen Anzahl von Menschen das Leben gekostet hat, machen es notwendig, den Kreis derjenigen Tiere, die der Tri­chinenschau unterliegen, möglichst weit zu halten. Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft sind als solche Tiere zu be­zeichnen: Wildschweine, Hunde, Katzen, Bären, Füchse, Dächse, Marder, Iltisse und Igel, sowie auch das Flußpferd. Da die Erkenntnisse der Wissenschaft sich aber im Laufe der Zeit ändern können, soll die Bezeichnung dieser Tiere nicht durch das Gesetz, sondern durch die Bekanntmachung des Innenministers erfol­gen. Diese Bekanntmachung wird der Bevölkerung, soweit die Tiere überhaupt für den menschlichen Genuß in Frage fom­men, als Warnung dienen können.

Auch das nach Hessen eingeführte Frisch- oder zubereitete Fleisch dieser Tiere soll nach dem Gesezentwurf künftig der Trichinenschau unterliegen, sofern es zum Genuß für Menschen bestimmt und nicht bereits amtlich auf Trichinen untersucht worden ist. Die Höhe der Gebühren für die Durchführung der Trichinenschau soll auf das ganze Land einheitlich festgesetzt wer­den. Die Durchführung soll in engster Anlehnung an die Fleisch­beschauorganisation erfolgen, da gerade die in Hessen hierüber bestehenden Vorschriften sich besonders bewährt haben.

Es

ist beabsichtigt, in Bezirken mit gehäuften Untersuchungen nach Möglichkeit Kriegsbeschädigte mit der Trichinenschau zu beauf­tragen. Im allgemeinen wird die Trichinenschau von den be­reits vorhandenen Fleischbeschauern übernommen werden. Es ist voraussichtlich damit zu rechnen, daß das Gefeh nach Verab­schiedung durch den Landtag am 1. Oktober 1930 in Kraft treten kann.

Deutschland verbraucht zu wenig Drucksachen. Obwohl die Leistungsfähigkeit des deutschen Druckgewerbes in technischer und künstlerischer Beziehung kaum von einem anderen Land übertroffen wird, ist der Verbrauch an Druck­sachen, gemessen an der Einwohnerzahl Deutschlands, geringer als der in England, Frankreich, den nordischen Ländern und vor allen Dingen in Amerika. Es gibt in Deutschland immer noch viel zu viel Geschäftsleute, die den Werbewert der Drud sache unterschätzen; auch bezüglich des Geschmacks fehlt es noch weit. An der Beschaffenheit einer Werbedrucksache kann der Empfänger die wirtschaftliche Tüchtigkeit, den Geschmack und die Leistungsfähigkeit des Versenders erkennen. Es ist nicht im­mer richtig, wenn behauptet wird, daß das gesprochene Wort

Heízí

Kein Rauch, kein Ruß, keine Schlacken

Nr. 42.

mehr Erfolg hat als das gedruckte. Das gesprochene Wort ver­fliegt, das gedruckte bleibt. Die nachhaltige Wirkung einer ge­schickt aufgemachten, geschmackvoll ausgestatteten Reklame ist unbestreitbar. Von diesen wirtschaftlichen Förderungsmitteln, wird in Deutschland zu wenig Gebrauch gemacht. Vor allen Dingen ist der deutsche Handwerker der Drucksachenreklame noch viel zu wenig näher gekommen. Auch die Drucksachen für den täglichen Gebrauch Briefbogen, Umschläge, Karten den vom Handwerk vielfach noch für entbehrlich gehalten. Man begnügt sich mit den primitivsten Mitteln und vergißt ganz, daß heute ein Geschäft ohne diese Dinge keine Bedeutung er halten kann.

Neue Bücher.

wer­

Was die Amerikaner über ihren Geheimkrieg gegen uns sagen. Es ist interessant, zu wissen, was unsere Feinde über den Krieg denken und wie sie die Kriegsmaschine hinter den Ku­lissen im geheimen aufgezogen haben. Geradezu vernichtend ist für uns Deutsche aber die Erkenntnis, daß unsere Feinde, als ihnen die Unbesiegbarkeit der deutschen Armee klar wurde, plan­mäßig auf die deutsche Revolution hingearbeitet haben. Die Amerikaner erklären ganz offen, daß die deutsche Revolution, auf die ein großer Teil des deutschen Volkes doch so furchtbar stolz ist, ein wohlvorbereitetes Werk des Auslandes war. Unter dem obigen Titel ist im Verlag Died& Co., Stuttgart, aus der Feder eines amerikanischen Nachrichtenoffiziers ein Buch er­schienen, das dem deutschen Volke bitterste Wahrheiten sagt. Als das Ziel, die deutsche Revolution, erreicht war, langweilten sich die amerikanischen Geheimagenten und haben, wie sie selbst sagten, eigentlich nur zum Spaß auch einmal in Luxemburg ein bischen Revolution gemacht. Gibt es eine größere Verhöhnung für das deutsche Volk, als wenn diese erfahrenen Revolutions­macher erklären, das schwierigste bei allen Revolutionen sei im­mer, dem souveränen Volke beizubringen, warum es eigentlich eine Revolution mache. Noch im letzten Monat müsse man die Führer immer noch wie die A- B- C- Schüßen abhören, ob sie die Gründe zu ihrer Unzufriedenheit auch noch im Gedächtnis hät= ten. Mit 14 Punkten allein ließ sich die Sache ohne weiteres nicht machen. So bedauerlich manche Erkenntnis für uns Deut­sche ist, so wichtig ist es doch, ein solches Buch zu lesen. Das Buch kann nur empfohlen werden.

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