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Samstag, den 27. September 1930.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Wenn ein Volk aufgerufen wird, sein Schicksal zu bestim= men und dafür Männer zu wählen, dann verlieren so viele Menschen die Herrschaft über die Gewalten im eigenen Innern. Ungefesselt tobt sich dann der Bruderhaß aus, und der Zorn ballt die Faust, und Menschen werden zu Hyänen. So war das Bild der letzten Wochen in unserem deutschen Vaterlande. Da sah man wieder den einzelnen Menschen, wie er vollgesteckt ist von lebendigen Kräften, die, wenn sie in Unordnung sind, un­gefesselten Dämonen gleichen und Vulkanen, in denen es glüht und brodelt. Sie sind wie Orkane, die losbrechen können und mitreißen, was nicht fest ist und niederreißen und zerstören. Diese Gewalten einzufangen und zu lenken, ihnen zu gebieten, sie niederzuhalten und zu bewachen, das wäre für ein Volk der größere Sieg als der Wahlsieg. Wie groß ist doch der Menschen Geist und der Menschen Macht geworden. Den elektrischen Strom hat der Mensch eingefangen und treibt damit Millionen von Rädern; Flüsse und Meere hat er bezwungen und ist sogar noch Herr der Lüfte geworden. Triumpfe feiert die Technik und über all diese Mächte gebietet der Mensch. Aber noch haben all diese Errungenschaften feine höhere Sittlichkeit gebracht, keine besseven Menschen geschaffen und auch nicht glücklicher gemacht. Erst wenn die Kräfte im Innern dieser Menschen bewältigt und ge­zähmt sind und dieser Sieg mit allen übrigen Menschenleistun= gen sich paaren kann, dann erst kann die Menschheit von einem wahren Fortschritt sagen. So aber liegen alle unsere Wege noch voll von Scherben, die unsere unbehüteten Leidenschaften geschlagen haben. Erst wenn wir die inneren Wasserfluten ein­dämmen, die gespannten Kräfte sammeln und aufsparen und sie unter der Geistesherrschaft in ruhiger Arbeit verwerien, erst wenn wir auch über unsere Leidenschaften herrschen, dann erst dienen wir dem wahren Fortschritt. Wer Herr seiner selbst wird, erobert sich das größte Glück.

Der Sonntagsschreiber.

Zirkus Sarrajani.

,, Gießener Zeitung"

Eröffnungsmarsch, dem sich der Aufmarsch der 37 Nationen, als Gruß an die Stadt, anschließt, ist das Beginnen einer Schau der Völker der Erde und das Zeigen großer Zirkuskunst. Die Kamel- Dressur von P. Myor- Florio reihte sich als erste Tier­dressur an. Dann kamen die wilden Tscherkessen, die ganz her­vorragendes Können an den Tag legten und die Reiterstückchen in den gefährlichsten Lagen zur Schau brachten. Mit einem Massenaufgebot entstanden Bilder aus dem fernen Osten, wo­bei die Zopfkünstler besonders bestaunt wurden. Die hierauf folgenden Pferdedressuren des Herrn E. Schumann waren eine vollendete Kunst, der sich würdig Herr Burkhardt im Sattel seines Braunen anschloß. Kapitän Frohn mit seinen Seelöwen war eine Glanznummer des Programms. Die folgende ,, Wild­West- Schau" konnte ein Film nicht besser bringen, was hier wiedergegeben wurde. Die Löwengruppen- Dressur mit Domp­teur Vargas war etwas, was man bis jetzt kaum an seines­gleichen sand. Eine kurze Pause nur Augenblicke. Als Pot­pourri in den Lüften" zeigten die Luftkünstler- Truppen Marcé und Artonis eine Reihe von schwierigsten Kunststücken. Dann bachte auf einmal alles auf einige Minuten. Die Clowns ,, Dir­nial Kukart& Komp." waren eine, Nummer" für sich. Dann folgte die Glanz- Nummer des Programms Direktor Stoschy= Sarrasani mit seinen Elefanten, derartiges ist in einem Zirkus­Unternehmen in unserer Stadt bis jetzt noch nicht zusehen ge= wesen. Darauf denkt man sich in den fernen Osten- nach Ja­pan versetzt, in der die größte Geschicklichkeit an den Tag ge­legt wurde. Als Abschluß war man im Morgenlande und die Künste vom Feuerschlucker bis zur Schlangentänzerin wurde nicht vergessen in die Märchenstimmung von Tausend und eine Nacht" war man versetzt worden. Dann war es aus mit dem schönen, reichhaltigen Zirkusabend und niemand versäume es diese Schau der Völker sich anzusehen, denn er wird es nicht zu bereuen haben.

Riesig hebt sich auf dem Trieb das Zelt des größten euro­päischen Zirkusunternehmens, das unserer Stadt einen vier­tägigen Besuch abstattet, ab. Welche großzügige Musterorga­nisation hält dieses unter Direktor Stosch- Sarrasani stehende Unternehmen zusammen und welche zirsensischen Leistungen wer­den geboten, neben der Unterhaltung einer großen Tierschau. Tausende aus unserer heimischen und näheren Umgebung waren auf den ehemaligen Militärübungsplatz in den beiden letzten Tagen geeilt, um dem emsigen Getriebe zuzuschauen, wo diese Zeltenstadt entstandt. Sauberkeit herrscht überall, vom klein­sten Wagen bis in die langgestreckten Stallungen. Alle mög­lichen Völker der Erde beherbergt die Front des Wohnwagen­parks. Eigene Werkstätten wie Sattlerei, Schneiderei, Schlosserei, Schmiede usw. sind da, um die auf Transport, Auf­und Abbau und in Vorstellungen entstandenen Schäden schnell wieder auszumerzen. Eine eigene Feuerwehr- und Sanitäts­tolonne wird stets bereit gehalten für die erste Hilfe. Alles in allem bestens aufgezogenes Unternehmen, das in aller Welt Länder hin- und herzieht und das mit seinen Leistungen nur das Beste vom Besten zeigt.

Die Premiere.

Schon eine Weile vor der Eröffnung des Zirkus rennt alles, was schon Karten für die erste Vorstellung hat und noch er­hofft, Autos auf Autos rasen heran und längs des 1900er Spielplatzes am Philosophenwald stehen sie- Stahlroß an Stahlroß, da die anderen Parkgelegenheiten schon nicht mehr frei sind. Die ehemalige argentinische Militärkapelle spielte den

Auf dem Wege zur Ernährungsreform? Wie sehr sich das deutsche Volf mit dem Gedanken einer gesunden Ernährung beschäftigt, kann man allent­halben aus Gesprächen, Vorträgen, eingesandten Ar­tikeln feststellen.

Die Forderung des Tages, die überall herausklingt, ist die Eindämmung des übertriebenen und weit über­schätzten Fleischgenusses. Ein namhafter Ernährungs­forscher, Professor Dr. med. et phil. Georg von Wendt Helsingfors, führt u. a. zu diesem Thema aus:

,, Wegen der immer lauter werdenden Mahnung: geht zu einer mehr vegetarischen Lebensweise über haben so manche den Fleischkonsum beschränkt, starke Gewürze vermieden und Früchte, Beeren und Knollen haben einen Hauptplag auf dem Speisezettel erhalten. Noch nie habe ich von den vielen, mit denen ich in Be­ziehung stand und die diese Veränderung der Nahrungs­wahl durchgeführt haben, etwas anderes als größte Zu­friedenheit gehört, ja, ich habe keinen getroffen, der nicht eine sowohl physisch als psychisch wahrnehmbare Verbesserung der Gesundheit zu verzeichnen hätte. Mehr wie einmal habe ich die Antwort erhalten: erst nach der Diätveränderung wußte ich, daß ich nicht völlig gesund war, welches Gefühl von Freiheit und Erleichte­rung eine normale Kost bedingt."

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Straßensperrung,

mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club E. V.( A. v. D.), Die Provinzialstraße Müde- Laubach zwischen Flensungen und Stockhäuser- Hof wird vom 27. bis 30. September für jeden Verkehr gesperrt.

* Der Beginn der Herbstferien für sämtliche Volks- und höhere Schulen ist auf Anordnung des Landesamts für das Bildungswesen auf Samstag, den 27. September dieses Jahres festgesetzt. Die Ferien nehmen ihren Anfang mit Schluß der letzten Schulstunde und enden am Samstag, den 11. Oktober.

* Die Reichsbahn heizt! Vom 23. September ab hat die Reichsbahn die diesjährige winterliche Heizungsperiode aufge­

Welch neue Perspektiven eröffnen sich hier der deutschen Landwirtschaft. Wird sie sich rechtzeitig um­stellen? Der moderne Kaufmann erblickt als vornehm­stes Mittel zur Steigerung des Absages den ,, Dienst am Kunden". Die Devise des Agrariers muß heißen: Dienst am Volk. In der Erzeugung und dem wohl­organisierten preiswerten Vertrieb von Obst, Gemüse, Brotgetreide, Eiern, Milch, Butter und Käse liegt heute der Schwerpunkt.

Der Schiedsspruch im Ruhrbergbau.

nommen.

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Beginn der Jagd auf Rehe, Fasanen und Hasen. Die Jagd auf Rehe beginnt am 1. Oktober, die Jagd auf Fasanen und Hasen am 16. Oktober.

Nr. 77

Die nächste Gießener Stadtratsiißung.

findet am Dienstag, den 30. September, nachmittags 4 Uh im Stadthaus, Bergstraße, statt. Die Tagesordnung ist fol gende:

* Rundfunk und Obstverwertung. Am Sonntag, den 28. September, spricht im Frankfurter Rundfunk in der Stunde der Landwirtschaft der Geschäftsführer des Hessischen Landesaus­schuß für gärungslose Früchteverwertung, Herr L. Avemarie­Darmstadt über Flüssiges Obst ein neuer Weg zur Förde­rung des Obstverbrauchs in Deutschland". Die Hausfrauen, Landwirte, Obstzüchter usw. werden auf diesen Rundfunkvortrag besonders aufmerksam gemacht.

Es ist für den soeben im Ruhrbergbau gefällten Schiedsspruch, der bekanntlich ohne Angabe irgend eines sachlichen Standpunktes die bestehenden Lohntarife auf 4 Monate verlängert, in hohem Maße charakteristisch, daß er von der gesamten Presse, von links bis rechts, ohne weiteres als ein politischer Spruch gewertet wird. Jm llgemeinen sind, das darf man erfreulicherweise sagen, politische Schiedssprüche bei uns seltener gewor den, als sie es vor einigen Jahren waren. Bis zu einem

Erste Reichsturzschriftgesellschaft Gabelsberger" und Damenabteilung e. V. Heute Samstag in der Stadt Lich" Vereinsabend.

* Vereins- Athletikmeisterschaften. Am kommenden Sonntag beschließt die Sp. Vgg. 1900 die Athletiksaison mit ihren Ver­einsmeisterschaften.

* Gemeindetag. Am Sonntag Nachmittag, ab 2,30 Uhr, be­geht die Petrusgemeinde im Philosophenwald ihren Gemeinde­tag mit einem recht reichhaltigen Programm.

1. Erlaß einer Kraftdroschkenordnung für die Provinzial hauptstadt Gießen.

2. Vergebung von Arbeiten und Lieferung:

a) Beschaffung eines 200 KVA.- Transformators für di Stromversorgung der Firma Scheidhauer& Gießing. b) Uebertragung der Kabel- und Kupferlieferungen das Elektrizitätswerk an das Büro Gießen der Alige meinen Elektrizitätsgesellschaft.

c) Neuerrichtung eines Schalthauses für das Elektrizitäte werk; hier: Beschaffung von Kabeln.

d) Elektrizitätswerk; Beschaffung von Anschlußkabe!. e) Elektrizitätswerk; hier: Beschaffung von Kabel( Verte lungskabel).

f) Beschaffung von Kabelverteilungskästen.

g) Kabelverlegung; hier: Herstellung von Kabelgräben. h) Akkumulatoren- Batterie des Elektrizitätswertes; hier Beschaffung von Kupferschienen.

Gamstag, den

Die Umlag

Die endgültigen die vorläufige Auf je 100 M 1. der Gebäude un

2. des land und

Rpf. für 1929, 3. a) auf je 100 55 Rpf. für b) auf je 100 220 Rpf. für 4. auf je 1 RM.

den Steuerwerte a) bis 7000 R b) über 7000 R

Die Aufrechnu richtenden vorläuf zusehenden Steuer Die Ausschläge der für das Rechn werte. Ueber die hiernach ergebende Jahressteuerschuld Steuerbescheid, der gen Steuern für 1 Die vorläufig weils zum 25. de 1930, Januar und einzelnen Ziele e

i) Verstärkung des Rabelnetzes; hier: Beschaffung von Mittelleiter.

k) Wohnungsbauten in der Schottstraße; hier: Bergebung von Zimmerarbeiten.

1) Neubau von Kleinwohnungen in der Schottstraße; hier: Vergebung der Erd-, Maurer- und Betonarbeiten.

m) Vergebung der inneren und äußeren Verpuzarbeite für die städtischen Wohnungsbauten im Asterweg. n) Ofeneinbauten im Gaswerk.

o) Verstärkung der Gasleitung in der oberen Ludwig straße.

3. Kreditbewilligungen:

a) Beseitigung der alten Hozbrückenpfähle am rechten Lahnufer.

b) Das Gewerbehaus Kirchstraße 16.

4. Ortssagung über das Gebiet zwischen Freiligrath-, Uh land, Friedrich- und Frankfurterstraße, Am Riegelpfal und Aulweg.

5. Gemarkungsgrenzregulierung Gießen- Rödgen.

gewissen Grade ist es sogar verständlich, daß die Re­gierung gerade vor den Wahlen teinen Lohnabbau vornehmen wollte. Aber von einem höheren Gesichts­punkte aus betrachtet wäre es sicherlich flüger gewesen, wenn sie, die sich stets zu der Notwendigkeit eines Preis­abbaues bekannt hat und ihn eben jetzt, bei Vergebung der Aufträge aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm, mit einer Entschiedenheit, die sogar schon zu öffent­licher Kritik Anlaß zu geben scheint, durchzuführen sucht, auch in diesem Augenblick den Mut ihrer eigenen Ueberzeugung gehabt und selbst den Gewerkschaften ge­genüber daran festgehalten hätte, daß uns nur Senkung der Selbstkosten, Abbau der Löhne und der Preise aus unserm wirtschaftlichen Elend herauszuführen vermag. Wie verzweifelt unsere Lage ist, darüber berbreiten die neuesten Berichte des Instituts für Konjunkturforschung jede wünschenswerte Klarheit. Der Bericht weist darauf hin, daß Anzeichen eines nahe bevorstehenden oder be reits vollzogenen Tendenzumschwunges der Konjunktur im Sinne eines beginnenden Wiederanstiegs sich bisher in keinem Lande gezeigt haben. Im Gegenteil hat eine große Anzahl der weltwirtschaftlich wichtigen Länder offenbar den Tiefpunkt der weltwirtschaftlichen Rüd­gangsbewegung noch nicht erreicht. Im übrigen rechnet der Bericht damit, daß beim Reich bis Ende des Rech­nungsjahres ein Defizit von 585 Millionen Mark ent­stehen und daß sich die mit dem Herbst einsetzende sai­sonmäßige Zunahme der Arbeitslosigkeit in voller Höhe auf dem Arbeitsmarkt auswirken wird. Dieses düstere Bild der allgemeinen Lage wird noch durch die beson ders ungünstige Lage unserer Schlüsselindustrien er­gänzt. In der Eisen- und Stahlindustrie ist die Pro­duktion Deutschlands im Verlaufe eines einzigen Jahres um 41%(!) zurückgegangen. Jm Bergbau mußte in­nerhalb der gleichen Zeit die Belegschaft um fast 60 000 Köpfe vermindert werden, trotzdem erreichte die Zahl der Feierschichten im Juli die Riesenhöhe von fast 1,2 Mil­lionen. Die arbeitstägliche Förderung ist von 432 000 Tonnen um die Jahreswende auf 315 000 Tonnen im August zurückgegangen. Wenn gleichwohl die Lagervor­räte mit 8,5 mill. Tonnen im Juli das Siebenfache des borjährigen Bestandes erreicht haben, dann verrät das auch einem Laien unzweideutig die ungeheuren Schwie­rigkeiten mit denen der Ruhrbergbau zu kämpfen hat. Bereits Ende April hieß es in dem Jahresbericht der staatlichen Bergwerks A.-G. Redlinghausen: Das sehr

6. Aenderung der Polizeiverordnung für den Fluglandepl der Provinzialhauptstadt Gießen vom 20. Oktober 1926. 7. Einführung von Mietberechtigungsscheinen.

8. Baugesuch zur Errichtung einer Autohalle des Karl Weith, Wartweg 26.

9. Gesuch des Georg Schilling, Bismarckstraße 6, zur Errich tung einer Autohalle.

10. Gesuche um Erlaubnis zum Schantwirtschaftsbetrieb: a) des Meggermeisters Emil Wilhelm Kimpel zu Gießen um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im Hauje Licherstraße 57( 3ur Stadt Lauterbach") Ueber gang;

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b) der Gießener Studentenhilfe e. V. um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im nen errichteten Studenten haus am Leihgesternerweg. Neuerrichtung 11. Errichtung eines Kohlenschuppens im Städt. Schlachthof. 12. Mitteilungen der Stadtverwaltung.

Die Ladengeschäfte am Sonntag, den 28. Sept. geöffnet.

Auf Grund des§ 105 b der Reichsgewerbeordnung in der Fassung der Verordnung vom 5. Februar 1919 ist für alle Ge schäftszweige des Handelsgewerbes in der Stadt Gießen der Ge werbebetrieb in offenen Verkaufsstellen, die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern am Sonntag, den 28. Sep tember 1930, jeweilig nur entweder in der Zeit von 13 bis 15 Uhr oder von 15 bis 17 Uhr gestattet.

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schnelle Anwachsen der Haldenbestände auf den Zechen und die zahlreichen Feierschichten werden auch zu eine Verringerung der Belegschaft nötigen. Wir sehen den weiteren Verlauf des neuen Jahres mit ernster Besorg­nis entgegen." Die beiden preußischen Bergwerke an der Ruhr, Hibernia und Redlinghausen, konnten in letzten Geschäftsjahr kümmerliche 5 bezw. 6% erwir schaften. Daß sie sich eines besonders guten Kohlenvo tommens und einer tüchtigen Leitung erfreuen, hat Hats delsministir Dr. Schreiber vor etwa 2 Jahren im Land­tag eigens betont. Genau so oder besser noch u günstiger ist die Lage bei dem Durchschnitt der Zechet. Seit Beginn dieses Jahres arbeitet der gesamte Ber werksbetrieb mit stark steigenden Verlusten, mit We Iusten die im wesentlichen aus der Einschränkung dr Förderung und der Umlegung der firen Kosten auf eire verringerte Förderung entstehen und die durch die Ve zinsung und Entwertung der auf eine außerordentlice Höhe( etwa 8 Millionen Tonnen) angeschwollenen Ha denbestände noch vergrößert werden. Wenn die Gewer schaften diesen tatsächlichen Verlusten gegenüber eine Gewinn von 4,50 m. je Tonne herausrechnen vor kurzem waren es übrigens nur 2,70 bis 3,- M. so kann man diese Biffer wohl kaum ernst nehmen. Nah den zuverlässigen Berechnungen der Zeitschrift Da deutsche Volkswirt" stehen den Selbstkosten des Berg baues in Höhe von 16,34 Erlöse in Höhe von 16,40 Mark gegenüber, eine Berechnung übrigens, bei der Amortisation und Verzinsung eher zu niedrig als au hoch angesezt sind. Wenn überhaupt Gewinne erzielt worden sind, so ist das aus der Veredlung der Kohle geschehen: sie sollen nach Angaben der gleichen Stellen je Tonne 1,15 bis 1,45 m. betragen haben. Aber aud diese Gewinne sind durch den erwähnten Rückgang der Förderung bis auf wenige Pfennige aufgezehrt worden, so daß der Bergbau insgesamt ohne Gewinne und zum überwiegenden Teil mit täglich stärkerem Verluste a beitet. Es wird jett, nachdem durch den Schiedssprud für längere Zeit die Möglichkeit ausgeschaltet. ist, die Preise zu senken, nichts anderes übrig bleiben, als dem bisher nach Möglichkeit vermiedenen Mittel der Stillegungen und Entlassungen zu greifen, da das Aus hilfsmittel der Feierschichten sich auf die Dauer als zu fostspielig erweist. Die Bergarbriter werden die zarte Rücksicht auf ihre politische Stimmung teuer genug be zahlen müssen.

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