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Mittwoch, den 26. November 1930.

Aus Nah und Fern.

Großen- Linden. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde der Erhebung einer Gemeinde- Biersteuer zugestimmt.

Stockheim( Kr. Büdingen). Der hiesige Gemeinderat hat beschlossen, eine neue Straße zu bauen, um die hier zahlreichen Arbeitslosen zu beschäftigen.

Vilbel. In der vergangenen Nacht wurde im Amtsgerichts­gebäude von Einbrechern der große eiserne Geldschrank mit Schweißapparaten gesprengt und dann seines Inhaltes beraubt. Es wurden namentlich größere Mengen dort niedergelegter

Wertpapiere, dann Stempelmarken und große Posten hessischer

Gerichtskostenmarken gestohlen.

Rüsselsheim. Am Totensonntag wurde hier ein Ehrenmal zum Gedächtnis der im Weltkriege Gefallenen feierlich enthüllt. Geh.- Rat Dr. h. c. Wilhelm v. Opel, der zusammen mit seinem Bruder Frizz Opel die Errichtung des Mals ermöglicht hat, leitete die Enthüllung mit einer Ansprache ein.

Nieder- Olm. Hier wurde am Sonntag abend ein gjähriges Mädchen von einem Personenauto erfaßt und überfahren; bei seiner Einlieferung in das Krankenhaus war jedoch bereits der Tod des schwerverletzten Kindes eingetreten.

Herborn. Orkanartige Stürme tobten in kurzen Unter­brechungen im Westerwald und richteten großen Schaden an.

Frankfurt a. M. Bei Station Langen- Seelbold fuhr ein Zug in eine Schafherde; 25 Tiere wurden getötet.

Raubüberfall in Kassel.

Kassel. Ein frecher Raubüberfall wurde am Dienstagnach­mittag in dem Hause der Kasseler Kreditbank in der Spohr­straße verübt. Ein Kasseler Bauunternehmer hatte sich 8000 Mt. Lohngelder in kleinen Scheinen von der Kreditanſtalt geben lassen und das Geld in seine Aktentasche gesteckt. Diesen Vor­gang muß ein junger Mann beobachtet haben, der dem Bau­unternehmer unauffällig aus dem Schalterraum der Bank folgte, ihn im Hausflur der Bank niederschlug und dem Bewußlojen das Geld raubte. Die Kriminalpolizei hat bisher noch keine Spur von dem Täter.

Goslar. In der Nacht zum Montag drangen unbekannte Diebe in die Räume der Goslarer Stationskasse ein. Sie er­brachen die Kasse und raubten den Barbetrag von über 400 Mt.

Unfall beim Bau einer Förderbrücke. Lauchhammer, 25. 11. Jn Kleinleipisch sind bei der Montage einer Förderbrücke durch die Mitteldeutschen Stahlwerke infolge des Abstürzens eines Brüdenteiles sieben Monteure tödlich ver­unglückt, sechs Arbeiter wurden schwer verletzt.

Auf die Speicher geflüchtet.

Köln, 25. November. In Köln ist noch ein ganz geringes Ansteigen des Wassers zu verzeichnen. Die größte Gefahr dürfte jedoch vorüber sein. Immerhin sind durch das Hochwasser große Strecken der Userstraßen unter Wasser gesetzt. Die Altstadt stand zum Teil straßenweit unter Wasser. Die Bewohner hatten sich auf die Speicher geflüchtet und Kartoffeln, Brennmaterialien und Lebensmittel auf die Speicher geschafft.

Verwegene Raubüberfälle in Rumänien. Bukarest, 25. Nov. In den letzten Tagen fanden wieder einige verwegene Raubüberfälle statt. Bei Falticeni wurden neun Automobile und elf andere Wagen von Banditen abge= fangen und die Insassen ausgeraubt. Bei Targoviste plünder­ten Straßenräuber eine lange Wagenkolonne aus.

Zehn Tote bei einer Grubenexplosion. Johannesburg, 25. Nov. Bei einer Grubenexplosion im südlichen Randgebiet von Transvaal wurden ein Europäer und neun Eingeborene getötet und drei Eingeborene schwer verletzt.

Newyork, 25. November. Der frühere österreichische Erz­herzog Leopold, der wegen des Verkaufs des berühmten Diaman­tenhalsbandes der Erzherzogin Maria Theresia der Unterschla­gung und Untreue beschuldigt war, wurde von einem Newyorker Schwurgericht freigesprochen.

Gegen den Betrieb nach Feierabend. Nachdem in jüngster Vergangenheit Baden und Bayern sich in erfreulicher Weise gegen das Leberhandnehmen der Schwarzarbeit gewandt haben, ist nunmehr auch der Hessischen Handwerkskammer Darmstadt gelungen, nachstehenden Erlaß des Hessischen Ministers für Arbeit und Wirtschaft vom 18. September ds. Js., betreffend Bekämpfung der Schwarz arbeit, an die Hessischen Kreisämter zu erreichen: ,, Trotz des Runderlasses des Landes- Arbeits- und Wirt­

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schaftsamtes vom 8. November 1921 zu Nr. L. A. u. W. 16378 lassen die Klagen über die zunehmende Schwarzarbeit nicht nach. Mit Recht wehrt sich das geordnete, den steuer­lichen Verpflichtungen genügende Gewerbe, insbesondere das Handwerk gegen die schwere Schädigung, die ihm durch den mit ungleichen und oft gesetzwidrigen Mitteln geführten Wett­bewerb der Schwarzarbeit fortdauernd bereitet wird. Diesem Mißstand muß mit allen zu Gebote stehenden Mitteln ent­gegengetreten und alle bekannt werdenden Fälle von Schwarz­arbeit sorgfältig darauf geprüft werden, ob nicht Merkmale anzeigepflichtiger gewerbsmäßiger Nebenarbeit vorliegen. Co­fern begründeter Verdacht der Verletzung der Anzeigepflicht besteht, ist die strafrechtliche Verfolgung einzuleiten, sowie dafür Sorge zu tragen, daß die Unternehmer solcher Neben­Es gewerbe ihren steuerlichen Verpflichtungen nachkommen. mag sein, daß das behördliche Vorgehen bis jetzt deshalb zu keinem erheblichen Erfolg geführt hat, weil die beteiligten örtlichen Polizei- und Steuerbehörden vielfach auf die Schwarz­arbeiterbetriebe nicht aufmerksam werden. Es ist daher er­forderlich, daß sich Maßnahmen nicht nur auf die Verfolgung der den Behörden bekannt gewordenen Fälle der Verlegung der Anzeigepflicht beschränken, sondern sich auf die Ausfindig­machung der Schwarzarbeiterbetriebe überhaupt erstrecken. Hierzu empfiehlt sich, insbesondere für die Ortspolizeibehörde eine fortgesetzte enge Fühlungnahme und ein planmäßiges Zusammenarbeiten mit den beteiligten örtlichen Gewerbekreisen, denen die Schwarzarbeitsbetriebe am ehesten bekannt sind und die zweifelsohne in der Lage und bereit sind, den Behörden das Material in die Hand zu geben, auf dessen Grundlage ein Einschreiten möglich ist.

Soweit aber der Anzeigepflicht(§ 14 GD.) von Per­sonen, die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden, genügt wird, sollten diese von den Bürgermeistereien auf die wirtschaftlichen Nachteile der Schwarzarbeit für die Allgemeinheit hingewiesen werden, geht doch durch diese Schwarz- oder Ueberarbeit auch in ganz erheblichem Umfange Arbeits- und Verdienstgelegenheit für zahlreiche Arbeitslose verloren. Ich empfehle, die Bürger meistereien hierauf hinzuweisen und sie zu beauftragen, keines­falls Gewerbescheine mit dem Zusaß für den Betrieb nach Feierabend" oder als Nebenarbeit" auszustellen, um jeden Anschein zu vermeiden, als ob behördlicherseits gegen diese Art In Vertretung Arbeit nichts eingewendet werde. gez. Dr. Karcher."

Es bleibt nur zu hoffen. daß nunmehr auch die Länder, die bislang keine Schritte gegen die Nebenarbeit unternehmen, diesem Beispiel folgen. Je größer die Arbeitslosigkeit, um so größer leider auch die Beeinträchtigung des selbständigen Hand­werks durch Uebernahme von Schwarzarbeit, die noch nie im gesamten Handwerk so drückend empfunden werden mußte, wie gerade im Zeitpunkt der gegenwärtigen Wirtschaftskrisis.

Schnellmast von Schweinen

mit eingesäuerten Kartoffeln.

Von Landwirtschaftslehrer und Tierzuchtinsp. Dr. P. Lieb. Ein kluger Mann verehrt das Schwein, Er denkt an dessen Zweck.

Von außen ist es ja nicht sein,

Doch drinnen sitt der Speck.

Kein anderer als der große deutsche Dichter und Philosoph Wilhelm Busch hat unter dem Titel: Innerer Wert" diese Zei­len geschrieben. Das Schwein, seine Schinken, seine Braten und Würste waren zu allen Zeiten beliebt.

So sehr die Schweineaufzucht und-mast lohnend für den Landwirt in den letzten zwei Jahren war, so sehr viel Kopfver= brechen macht sie ihm heute. Wir haben gegenwärtig ein Ueber­angebot von Schweinen, nach den neuesten Zählungen sind es bereits über 25 Millionen. Dabei sinken die Schweinepreise Schweinepreis­von Woche zu Woche in erschreckendem Maße tatastrophe 1931!

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Es heißt jetzt, Nerven bewahren und endlich handeln! Das Fettschwein von mehr als 100 Kg. Gewicht muß rasch vom Markte verschwinden, nur das Fleischschwein von 80-100 Kg. kann die drogende Katastrophe abwenden.

Durch das Ueberangebot von Kartoffeln auf dem Kartoffel­markte weisen diese 3. Zt. einen recht geringen Preis auf, der oft unter den Gestehungskosten liegt. Der Landwirt als Er­zeuger ist deshalb mehr oder weniger gezwungen, seine Kar­toffeln zu verfüttern und zwar vornehmlich an Schweine. Um größeren Verlusten an Kartoffelmasse, sei es durch Schwund, ( Veraimung) oder Faulen, vorzubeugen, müssen die Kartoffeln igetrocknet oder eingesäuert werden. Für den Landwirt selbst Jeder hessische Bürger kauft hessische Krüppelfürsorgelose Ziehung 3. Dezember 1930 5086 Geldgewinne und 1 Prämie

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kommt besonders lettere Maßnahme in Betracht. Die Kartof­feln werden zweckmäßig nicht täglich, sondern gleich in größeren Mengen gewaschen, gedämpft und eingesäuert. Am besten be­währt haben sich wasserundurchlässige Gruben( 2 mal 2 Meter: Grundfläche bei 2,5 Meter Höhe) aus Beton oder Mauerwerk.. Bei Verwendung von Erdgruben verringern sich zwar die Kosten, aber es entstehen Verluste an organischer Substanz bis zu 15%.

Die Aufstellung der Schweine zur Mast erfolgt mit ca. 20 Kg. Anfangsgewicht, Endgewicht ca. 80-100 Kg. in etwa 18 Wochen. Bei dieser Kartoffelmast erhalten die Tiere Kar­toffeln bis zur vollen Sättigung, außerdem von Beginn bis Ende der Mast je Tier und Tag:

½ kg. Schweinemischfutter der Deutschen Landwirtschafts­gesellschaft,

½ kg. Getreideschrot( z. B. reines Roggen- oder reines Gerstenschrot oder ½ Roggen, ½ Gerstenschrot oder ½ Gersten, ½ Maisschrot).

Zur Erzeugung von 90 Kg. Lebendgewicht werden erfah­rungsgemäß verbraucht:

ca. 70 Kg. Getreideschrot, 70 Kg. Schweinemischfutter der D. L. G. und 800 Kg. Kartoffeln.

Durch diese, nach dem Rezept von Prof. Dr. Lehmann erprobten Schweineschnellmast, kann die Schweinehaltung auch bei sinkenden Preise mit Hilfe eingesäuerter Kartoffeln doch noch rentabel gestaltet werden, wenn die Kartoffelerträge hoch sind, eine Tatsache, die durch einwandfreies Saatgut und vor allem durch systematische Düngung insbesondere mit Stic stoss zum Allgemeingut unserer ostdeutschen Landwirtschaft wer­den muß.

Neue Bücher.

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,, Die Psychologie des Schenkens" heißt ein in Anbetracht des nahen Weihnachtsfestes recht zeitgemäßer interessanter Ar­tikel in der soeben erschienenen neuen Nummer der, Eleganten Welt", der mehr gibt als nur einige Anregungen für Weih­nachtsgeschenke.

Ein ,, Klondyke" in Mitteldeutschland. Man beabsichtigt, den Goldbergbau am Eisenberg bei Korbach( Waldeck) wieder auf= zunehmen. Die Glanzzeit des Goldbergbaues war um 1559, er ist aber durch den 30jährigen Krieg vollkommen in Vergessenheit geraten. Lesen Sie den Aufsatz darüber in der Woche" in Heft 48.

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