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Nr. 33.

Gamstag,

Samstag, den 26. April 1930.

chenaufteilung ergebenden Beschränkungen des Eigentums in allen Fällen eine angemessene Entschädigung gewährt wird. Neben Vorschriften über die Planung enthält der Entwurf auch Bestimmungen über ein

Umlegungsverfahren,

das in der Regel nur für unbebaute Grundstücke in Anwen­dung kommen wird. Flächen, für die ein Nutzungs- oder Bebau­ungsplan festgelegt ist, können nach näherer Vorschrift der Lan­desgesetze durch Zusammenlegung und Abgrenzung der Grund­stücke( Umlegung) neu eingestellt werden, wenn die zweckmäßige Bebauung der Fläche durch Lage, Gestalt oder Flächeninhalt der Grundstücke außerordentlich sehr erschwert wird. Die Umlegung und Grenzberichtigung kann auch bei vorwiegend überbauten Flächen im Falle des Vorliegens eines dringenden öffentlichen Bedürfnisses, insbesondere für Besserung der Wohnverhältnisse in gesundheitlicher Hinsicht, zur Trennung von Wohn- und In­dustriegebieten und zur Schaffung neuer oder Aenderung bc= stehender Verkehrswege erfolgen, sofern dies nicht zweckmäßiger durch Enteignung der in Betracht kommenden Grundstücke vor­genommen werden kann. Der Entwurf schreibt jedoch ausdrück­lich vor, daß das Umlegungsverfahren nach Möglichkeit auf die nichtüberbauten Grundstücke zu beschränken ist. Als nichtüber­baut gilt aber ein Grundstück auch dann, wenn es mit Bau­werken von geringerem Wert, wie Schuppen, besetzt ist.

In welchem Maße auch der Referentenentwurf des Reichs­arbeitsministeriums bodenreformerischen Wünschen zu entspre= chen sucht, beweistt die Bestimmung über Anliegerleistungen, wonach der Grundstückseigentümer, wenn erforderlich,

bis zu 40 Prozent des Grundstücks ohne Entschädigung für die Anlage einer Straße oder eines Plages abtreten soll. Darüber hinaus soll er noch zu den Anliegerkosten in voller Höhe herangezogen werden können.

Schluß folgt.

,, Gießener Zettang"

Lokales.

Eine interessante Entscheidung über die Beleuchtung des Fahrrades.

Bekanntlichy muß jedes Fahrrad bei Dunkelheit oder starkem Nebel mit einer hellbrennenden Laterne versehen sein, welche den Lichtschein nach vorne auf die Fahrbahn wirft. Viele Rad­fahrer tragen nun eine Laterne oder bringen sie an ihren Klei­dern an, anstatt das Fahrrad selbst damit auszurüsten.

Wie das Thür. Oberlandesgericht jetzt entschieden hat, ge= nügt es nicht, wenn die Laterne getragen wird, sondern die Laterne muß am Rade angebracht sein. Da vorgeschrieben sei, daß die Laterne den Lichtschein nach vorn auf die Fahrbahn wer­fen muß, genüge es nicht, wenn der Radfahrer selbst die La­terne trage, da ja beim Umwenden oder Absteigen nicht die Gewähr dafür besteht, daß die Latern den Lichtschein nach vorne auf die Fahrbahn werfe.

Probeabstimmung über die Prohibition. Newyork. Die Abstimmung über die Prohibition, die von der Zeitschrift ,, Lisserary Digest" veranstaltet wird, hat bis zum Endes der siebenten Abstimmungswoche folgendes Ergebnis gezeitigt: 1507 314 Stimmen oder 40,67 Prozent für die Auf­hebung, 1 105 683 oder 29,84 Prozent für die Abänderung und 1 092 745 oder 29,49 Prozent für die Beibehaltung und Ver­schärfung der Prohibition. Nur in drei Staaten, nämlich Kan­sas, Arkansas und Wyoming sind die Trockenen" in der Mehr­heit.

479 000 Dollar für einen Siz an der Newyorker Börse. Newyork, 25. 4. Ein Sitz an der Newyorker Wertpapier­börse hat gestern zum Preise von 479 000 Dollar den Inhaber gewechselt

Es kann daher allen Radfahrern nur dringend empfohlen werden, ihr Fahrrad mit einer guten Laterne auszurüſten, da­mit sie allen derartigen Schwierigkeiten aus dem Wege gehen.

* Ernennung. Dr. jur. honoris causa Otto Liebmann, ein geborener Mainzer, wurde anläßlich seines 65. Geburts­tages von der philosophischen Fakultät der Hessischen Landes­universität zum Dr. rer. pol. honoris causa ernannt.

Verhaftung der Rebellen von Chittagong? Rangoon, 25. 4. Im Zusammenhang mit den Unruhen in Chittagong, wo Rebellen die Munitionsdepots in Brand setzten und mehrere Personen erschossen, sind hier 18 Verhaftungen vor­genommen worden.

*

Sachbeschädigung. Verschiedene Schaufensterscheiben wur­den in letzter Zeit dadurch beschädigt, daß sie mit scharfen Ge­genständen angeschnitten worden sind.

* Versteigerung von Fundgegenständen. Am Freitag, den 2. Mai 1930, 14 Uhr, werden auf dem Polizeiamt, Landgraf­Philipps- Platz 1, beim Polizeiamt abgelieferte und noch nicht ab­geholte Fundgegenstände öffentlich gegen Barzahlung verstei­gert.

* Der 1. Mai und die Schule. In sämtlichen Schulen des Volksstaates ist den Schülern und Schülerinnen, deren Eltern bei den Lehrern darum nachsuchen, am 1. Mai schulfrei zu geben, ebenso für diesen Tag um Urlaub nachsuchenden Lehr­personen.

Beginn des neuen Schuljahrs. In sämtlichen öffentlichen Schulen Hessens beginnt das neue Schuljahr am nächsten Mon­tag mit den Klassenversetzungen und der Aufnahme der schul­pflichtigen Kinder. Der Vollunterricht nimmt am nächsten Dienstag seinen Anfang.

* Vorsicht mit dem Gebrauch von Benzin. Ein Lehrling probierte mit einem Benzinfeuerzeug, ob das einige Zeit vorher in einem Kanalabflußschacht geschüttete Benzin noch brennen würde. Es handelte sich um etwa ½ Liter Benzin, das, da es verunreinigt war, in den etwa 3 Meter tiefen Schacht gegossen und zur Sicherheit noch zweimal mit Wasser nachgespült worden war. Das noch vorhandene Benzin entzündete sich aber trotzdem, wodurch der Lehrling im Gesicht nicht unerheblich verbrannt wurde.

* Dienststunden des Polizeiamts. Dienststunden des Poli­zeiamts für den Publikumsverkehr ab 1. Mai ds. Js. sind von Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags und von 15 bis 17 Uhr nachmittags. Samstags von bis 12 Uhr mittags. Für Samstag- Nachmittags ist in der Zeit von 16% bis 17 Uhr ein Eildienst eingeführt, bei dem aber nur Anträge, die unauf­schiebbar sind, erledigt werden können.

* Der Hessische Geschichtsverein tagt in Schlüchtern zu sei­ner Hauptversammlung am 29. und 31. August.

* Aus der Deutschen Turnerschaft. Das Kreisjugendtreffen der D. T. vom Mittelrheinkreis findet am 24. Mai in dem schönen Weilburg statt. Es wird mit einer tausendköpfigen Jugend, Knaben und Mädchen, gerechnet.

* Diebstähle. Entwendet wurden, in der Nacht zum 6. ds. Mts. aus einem im Schiffenbergertal gelegenen Aufenthalts­raum einer Gärtnerei ein Dreiröhren- Radioapparat mit Laut­sprecher,( der Lautsprecher war vieredig mit gelbem Stoffbezug), in der Nacht zum 15. ds. Mts. aus einem am Heegstrauch( Schif­fenbergertal) gelegenen Gartenhaus, das gewaltsam geöffnet wurde, eine braune Herrenstrickweste. Personen, die zu den vor­genannten Straftaten über die Täterschaft Angaben machen können, werden gebeten, bei der Kriminalpolizei, Zimmer 24, vorzusprechen. Von den Geschädigten ist eine Belohnung ausge= setzt.

* Ein Maitäferflugjahr ist 1930 wahrscheinlich. Es ist des­halb für die Vernichtung der Käfer zu Beginn der Flugzeit vor der Eierablage zu sorgen.

* Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Der Vorsitzende der Darmstäder Ortsgruppe, Reftor German, sprach in Alsfeld, Lampertheim und in unserer Stadt über die Aufgaben, die sich der genannte Bund gestellt sowie über die Arbeiten, die er seither in den fremden Ländern geleistet hat. Die Ausführungen wurden durch Lichtbilder unterstützt. Der Redner, sowie der Geschäftsführer des Landesverbandes Hessen, Verwaltungsinspektor Heist- Darmstadt, gab anschließend noch eingehend Auskunft in Kriegsgräberangelegenheiten.

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* Reichspräsident von Hindenburg- Ehrenmünze( 1925­1930). Fünf Jahre hat der Reichspräsident von Hindenburg in treuer Pflichterfüllung sein Amt verwaltet. Sein Leitmotiv: ,, Das Vaterland über alles" ist Wegweiser seines Handelns ge­blieben. Zu Ehren des Mannes, der sein Volk in den harten Jahren des großen Krieges führte, der es in den bitteren Tagen des Rückmarsches in die Heimat zurückbrachte, und es auch in seiner Not und im Ringen um den Wiederaufbau nicht ver­lassen hat, wird in der Staatlichen Münze Berlin eine Gedenk­münze nach dem Entwurf des Bildhauers Oskar Gloeckler ge­prägt. Während die Vorderseite das gutgelungene Profilbild­nis des Reichspräsidenten zeigt, trägt die Rückseite eine sym­bolische Darstellung der Treue zum deutschen Vaterland( Eiche mit Hindenburgschild) und die Umschriftung: Das Vaterland über alles 26. April 1925. Die Preise der Medaille sind wie folgt festgesetzt: in Fünfmarkstückgröße in Bronze Rmt. 3,-, in Silber 900 f. Rmt. 6,-, Gold 900 f. Rmt. 100,-, in 3wan­zigmarkstückgröße 18 far. Gold Rmf. 25,-. Der Versand er­folgt durch die Zentralwerbeſtelle Deutscher Gedenkmünzen, Ber­lin NW 7, Unter den Linden 39.

schnapsbrennerei. Und immer wieder hörte man die Begrün­dung: ,, Das habe wir von dene Deutsche gelernt".

Eindrücke von einem kurzen Besuch im Elſaß.| anlagen verwendet worden. So ist eine allerdings höchſt anſehn: und fänden reißenden Abſaz. Das gleiche gelte für die Frucht­

So nahe der alten lieben Heimat, konnte ich mir den sehnsuchtsvollen Wunsch nicht versagen, ihr einen Besuch ab­zustatten. Voraus sei gesagt, daß die Erlangung der Einreise­erlaubnis weder Mühe noch nennenswerte Kosten verursacht.

Man gibt( oder für Auswärtige sendet ein) seinen Paß

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liche neue Stadtfront entstanden. Es sei das Werk eines un­terdessen verstorbenen sénateurs Lazar Weiler. Dieser sei, so erzählte man mir, als blutarmer Judenjunge in Schlettstadt von Almosen aufgewachsen, habe dann in Frankreich Ingenieur­fach studiert und sei durch eine Erfindung auf dem Gebiete des Telephons zu unermeßlichem Reichtum gekommen. Nach 1918

im Verkehrsbüro von Wertheim, Berlin, Leipzigerstraße, ab und kann ihn schon nach zwei Tagen mit dem geforderten Visum für Frankreich( nicht Elsaß) gegen Entrichtung von 2 Rmk. Gebühren wieder abholen. Diese einfache Methode ist dem umständlichen Weg über Behörden unbedingt vorzuziehen. Die Aufenthaltserlaubnis gilt für einen Monat. Von Freiburg aus geht ein passender Zug 6,40 Uhr vormittags, ab, aber nur bis Alt- Breisach. Nach Neubreisach ist französischer Pendel­verkehr, jedoch mit ganz schlechten Anschlüssen eingerichtet. Es empfiehlt sich daher, um nicht viel Zeit einzubüßen, über die Rheinbrücke zu gehen und zur Weiterfahrt in der auf fran­zösischer Seite gelegenen Wirtschaft Vonarb( alter 5. Garde­Regimenter) einen Kraftwagen zu nehmen, den dieser Mann gegen billige Tage bereit hält. Bei der Gepäckkontrolle durch den Douanier hatte ich keinerlei Schwierigkeiten. So fuhr ich bereits 8,30 Uhr im P.K.W. durch Neubreisach, in dem viel französische Infanterie zu sehen war, und über Wolfganzen durch den Kastenwald, Sundhofen, F. H. Neuland, Darbühl über den Hohlandsbergwall zum Bahnhof Colmar, wo ich bald nach 9 Uhr eintraf. Die städtischen gärtnerischen Anlagen waren, noch immer von dem bekannten Gartendirektor Ehlinger gepflegt, wundervoll. Im allgemeinen hat das Straßenbild, insbesondere am Bahnhof und in dem großen gegenüberliegenden stark von Franzosen besuchten Hotel, auch im Kopfhaus, einen sehr französischen Charakter angenommen. Die französischen Käppis und die französische Straßenreinigung geben den neuen Ton an. Die Kasernen sind zum größten Teil unbelegt und sollen später die abgezogenen Besagungstruppen aufnehmen. Im Kasinogarten in der Winzenheimerstraße( ehemals Jäger 4 und 10, dann Regiment 171) reichen die Zierbäume mit ihren Kronen bis in den 2. Stock der Kaserne hinauf, diese ganz verdeckend. Alle Anlagen dieser Art, die wir früher so sorg­sam hüteten, lassen jetzt jegliche Pflege vermissen. In auffal­lend gutem Zustand befinden sich die Eisenbahnabteile, nicht nur auf der Hauptstrecke, sondern auch auf Nebenstrecken wie der Markircher Bahn.

Der ehemalige Schießstand der 1. Kompagnie am Gießen ist einer Schlettstädter Schüßengilde zu regelmäßigen Schießübun­gen mit gelieferten Dienstgewehren( Leiter Vizefeldwebel Des­

fonet der 1. Komp.) überlassen. Ich erhielt bereitwilligst Er­

laubnis, den Stand zu betreten. Auch die Jägerwache hatte Die Akazien auf den Wällen nichts dagegen einzuwenden.

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sind derart in die Höhe geschossen, daß man von weitem meint, einen ausgedehnten Hochwald vor sich zu haben. Kein Sonnen­strahl kann mehr die Baummassen durchbrechen, und nun erst recht sind die Stände die Heimat von ungemessenen Schnaken­flügen geworden, die in der Luft summten wie schwärmende Bienen. Die Stände selbst sind kaum wiederzuerkennen. Nur einige kümmerliche Buchsbaumstauden zeugen schwächlich von der Liebe und Sorgfalt, mit der wir ehedem unsere Stände gepflegt haben.

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In der Bevölkerung habe ich sehr freundliche Aufnahme gefunden und bin nur langsam durch die Straßen vorgedrungen, da ich immer wieder angesprochen wurde. Von ganz alten Leu­ten, welche die 80 überschritten haben, suchte ich unter anderen auf den alten Buckel, ehemals Hohkönigsburg- Hotel, unsere lang­jährige Wildhändlerin Kenck und den Fabrikanten Aimé Bo­bériett. Von regelmäßigen Vermietern an aktive und Reserve­Offiziere haben mir Frau Immhoff nebst Töchtern und Fräu­lein Fanny Doutre am Grünen Markt 3 allen Bekannten beste Grüße aufgetragen.

nach Schlettstadt zurückgekehrt, habe er dort alles, was nur möglich war, aufgekauft, unter anderem auch unseren Exerzier plaz. Lazar scheint sich also auch noch auf mancherlei anderes verstanden zu haben als nur das Ingenieurfach, und der Ruhm, den ihm seine Schlettstädter Mitbürger als Geschäftsmann zollten und welchen Lohn sie ihm für die Ewigkeit nachwünsch­ten, hörte sich drastisch an. Auf dem Ererzierplatz waren von ihm zunächst Golf- und Sportpläße angelegt, auch dazu gehörige Häuser errichtet. Auf meine bezügliche Frage, wo denn nun die Garnison exerziere, wurde mir gesagt, daß ihr hierfür der Platz vor der Kaserne und die Landstraßen schlechthin genügten. Außerdem ginge sie für 2-3 Monate auf die großen Truppen­übungspläge. Das Offizierkorps sete sich fast ausschließlich aus ehemaligen Unteroffizieren zusammen. Sie seien fast alle verheiratet und hätten je Familie 2-3 Zimmer in der Kaserne zugewiesen erhalten. Durch Konsum- und Kantineneinrichtun­gen würde ihnen die Lebenshaltung wesentlich erleichtert. In der Stadt sähe man sie und auch die Mannschaften sehr wenig. Infolgedessen klagten auch die Geschäftsleute durchgehend über schlechten Geschäftsgang. Im Gegensatz hierzu hat sich die Lage der Beamten, Pensionäre, Rentiers, besonders jedoch der Gärtner, Landwirte, Rebleute und Handwerker sichtlich gehoben. Mit scheinbar sehr günstig gewährten Staatszuschüssen hat sich eine rege Bautätigkeit entfaltet. Längs des Kestenholz- Kanals, hinter der Kaserne, ist eine ansehnliche neue Straße( rue de la pair) mit sehr hübschen Villen entstanden, auch der anschließende ausgedehnte ,, Sand" ist eine zusammenhängende schöne Villen­vorstadt geworden. Auf dem bereits angekauften Gartengrund: stück Caspar am Scherweiler Weg werden die Franziskaner, die jetzt mein ehemaliges Haus bewohnen, wie mir der Supérieur mitteilte, alsbald mit dem Bau einer Franziskaner- Kirche be­ginnen. Die früher ganz unansehnlichen Reb- und Feldstücke gegen Kestenholz und Scherweiler hin sind in Gärtnereien mo­dernster Art umgewandelt und gar nicht wieder zu erkennen. Ueberall ist künstliche Berieselung eingerichtet und dadurch die Fruchtbarkeit und Ergiebigkeit des Bodens wesentlich gehoben. Man sagte mir, daß ein zweiter Wasserturm projektiert sei, um auf diesem Wege fortzuschreiten. Bei dieser Pflege hing in diesem Jahre an der Rebe ein glänzender Herbst. Schlett­stadt hat sich zur ersten Gartenstadt des Elsaß aufgeschwungen u. führt jetzt seine Erzeugnisse in Kraftwagen nach allen großen Städten und bis tief hinein nach Frankreich aus. Der Auf­schwung sei allerdings auch dem Umstande zu verdanken, daß Landwirte, Gärtner pp. fast keine Steuer zu entrichten brauchen. Auch die Weinbauern und Weinsticher waren sehr zufrieden. Ihre Weißweine fehlten wegen ihrer guten Blume in keinem besseren Restaurant Frankreichs auf der Weinkarte

In der kleinen Stadt Schlettstadt hat sich das Aussehen sehr wenig geändert und jedermann spricht deutsch. Aller­dings hat sich der gärtnerische Stadtschmuck, besonders um den Wasserturm herum, am Gymnasium und um das neue Leh­rerinnen- Seminar wesentlich gehoben. Gegen das Mühlbächle hin ist eine geschlossene, höchst unschöne Radfahrerbahn entstan­den, daneben liegen Schrebergärten. An der Nordfront sind das Haus, in dem Exzellenz von Uechtriz wohnte, und die hin­ten nach dem Stadtinnern zu gelegenen Bauerngehöfte abge­rissen, hierdurch die alten monumentalen Patrizierhäuser freige legt und die freigewordenen Flächen zu sehr hübschen Blumen­

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Besonders kam es mir auch darauf an, festzustellen, wie sich die jagdlichen Verhältnisse gestaltet hätten. Aus den Jagd­pachtergebnissen im letzten Jahre( 1928) war mir bereits be kannt, daß, abgesehen von den meisten Gebirgsjagden, ganz er hebliche Pachtsummen zum Teil erheblich höher als bei uns, jest erlegt werden. Tatsächlich geschieht für Erhaltung und Hebung des Wildstandes aus Jägerkreisen mit Unterstützung der Behörden fortlaufend erhebliches. Hierher gehört zunächst, daß die Elsässer für sich, abgesondert von Frankreich, die Bei­behaltung der deutschen Jagdgeseze durchgedrückt haben. Dies wiederum scheint bei den übrigen französischen Jägern Schule gemacht zu haben, denn es hat sich, vom Elsaß ausgehend, eine Jägervereinigung Fédération gebildet, welche den All­gemeinen Deutschen Jagdschutzverein zum getreuen Muster hat, und die in enger Fühlung mit dem Landwirtschaftsministerium steht. Diese Fédération ist über das ganze Land in Jagd­Regionen eingeteilt. Elsaß- Lothringen bildet die 7. Region. Diese und die 4. Region( ganz Nordfrankreich) also die wild­reichsten Striche des Landes, haben unlängst der Generalver sammlung folgende Anträge zur Annahme und Verwirklichung bei der Regierung unterbreitet:

-

1. daß Wilddieberei künftig als Diebstahl behandelt und be straft werden soll; ф пас

2. daß Unfall- und Haftpflichtversicherung der Jäger obliga­torisch wird, und daß der Jagdschein das Lichtbild des Inhabers aufweisen muß;

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