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Mittwoch, den 26. März 1930.

lichen Hand Einnahmen zu verschaffen, mit deren Hilfe sie Mil­liardenaufträge im Jahre vergibt. Darin aber liegt der Unter­schied in der jetzigen Bedeutung des Baumarktes für die übrige Wirtschaft gegenüber derjenigen in der Vorkriegszeit. Wäh­rend damals sein Gedeihen mit einer guten Allgemeinkonjunktur, von der es dahingestellt bleibt, ob sie Ursache oder Folge davon gewesen ist, einhergegangen ist, erfolgt es heute auf Kosten der übrigen Wirtschaft oder wichtiger Teile von ihr.

Daß dies aber so ist, liegt fast ausschließlich daran, daß der heutige Baumarkt weit weniger vom Privatkapital wie von der öffentlichen Hand befruchtet wird, die auf die wirtschaftliche Lage, insbesondere die Zinsentwicklung keine Rücksicht genom­men und dadurch den Baukostenindeg auf über 180 Prozent ge= steigert hat, während der Lebenshaltungsindex kaum 155 Prozent beträgt. Eine private Bauwirtschaft hätte dieser Entwicklung sicherlich nicht tatenlos zugesehen, sondern ihre Bautätigkeit ein­geschränkt, um Kapital anzusammeln, bis der Zinsfuß sich da­durch gesenkt hätte. So wie er heute ist, kann aber der Pri­vatkapitalist keinen Reiz darin finden, Häuser zu bauen, da deren Rentabilität nicht sicher ist, zumal die Löhne im Baugewerbe durch die Ausschaltung des privaten Unternehmertums über­höht sind und nach deren unvermeidlichen Abbau mit niedrigen Baukosten zu rechnen ist.(? D. Red.)

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Die heutige Bauwirtschaft hat also in eine Sackgasse ge= führt, weil unsere Wirtschaftspolitik nicht hat erkennen wol­len, wie Dr. Gustav Stolper sagt, daß ,, Lohn, Soziallast, Zins und Steuer eine unauflösbare Einheit bilden, in der ein Ele­ment sich vermindern muß, wenn ein anderes sich vergrößert." Es ist eben in der Volkswirtschaft wie beim Kriegsschiffbau, wo jeder neue Typ immer nur ein anderer Kompromiß zwischen Panzerung, Bestückung und Geschwindigkeit sein kann. Daß man dies mißachtet und eine Wirtschafts-, insbesondere eine Lohn- und Sozialpolitik getrieben hat, die die anderen Daten der Wirtschaft, vor allem die Einnahmen, nicht in Betracht gezogen hat, ist schuld an dem bestehenden Kapitalmangel, an der Krise der öffentlichen Kassen und damit an der in wachsen­der Arbeitslosigkeit zum Ausdruck kommenden Massennot.

Daß sie kommen würde, haben die Kundigen vorausge= sehen und voraussehen können, ebenso daß die Bauwirtschaft davon keine Ausnahme bilden würde. Ja, man kann sogar sagen, daß sie mit einem besonders starken Rückschlag hat rech­nen müssen, weil sie sich durch die Bautätigkeit der öffentlichen Hand einer künstlich auf Kosten der übrigen Wirtschaft empor­geschraubten Konjunktur erfreut.

Daß dieser Rückschlag bei den Bauarbeitern eine so starke Arbeitslosigkeit hervorgerufen hat, ist eine höchst unerwünschte Erscheinung, die jedoch vom deutschen Volke als grausame Strafe für die verfehlte Finanzpolitik seiner berufenen Führer hinge nommen werden muß, weil es kein anderes Mittel dagegen gibt, wie eine Abkehr von der bisherigen Wirtschaftspolitik, die in der Erfüllung folgender Forderungen zum Ausdruck kommen muß:

,, Gießener Zeltang"

Lokales.

Gartenbau und Volkswirtschaft.

Deutsche, eßt deutsches Obst und Gemüse!

Auf der kürzlich stattgehabten Jahresversammlung des Landesverbands Berlin- Brandenburg im Reichsverband des deutschen Gartenbaues e. V. hielt Herr R. Sievert einen Vortrag über das Thema: Der deutsche Gartenbau in der Wirtschaftspolitik der Gegenwart", der auch über den engeren Berufsstand hinaus in allen Bevölkerungskreisen weiteste Be­achtung verdient, zumal er die Schicksalsverbundenheit aller Berufsgruppen klar in den Vordergrund stellt. Das bedeutet um so mehr, als hier nicht die Ansicht eines Privatmannes, son­dern die des Vertreters einer großen Berufsorganisation zum Ausdruck kam. Der Referent stellte zu Beginn seines Vortrages fest, daß es nicht allein genüge, die Produktion zu steigern, son­dern daß es auch darauf ankäme, kaufkräftige Abnehmer zu haben. Er führte dann weiter aus, daß der deutsche Gartenbau

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seinen Aufschwung in der Hauptsache der Bevölkerungszunahme und der glänzenden industriellen Entwicklung in der Vorkriegs­zeit verdanke. Heute sei diese Industrie zum großen Teil vom Weltmarkt verdrängt und in der Hauptsache auf den Absatz ihrer Erzeugnisse auf dem Binnenmarkt angewiesen und damit auch auf den Landbau im weitesten Sinne. Wir Deutschen sollten uns aber noch zu den jungen Völkern rechnen, die heutige Not­lage nicht stumpf hinnehmen, sondern mit allen Mitteln ge­meinsam am Wiederaufbau unserer Kraft und Wirtschaft ar­beiten. Der Gartenbau werde in seiner wirtschaftlichen Be­deutung oft unterschätzt, und doch habe er in unserm übervöl­ferten Land eine große Bedeutung, da im Vergleich zur Land­wirtschaft auf gleicher Fläche sechsmal mehr Menschen sich er­nähren könnten. Nach den letzten Erhebungen seien im Garten­bau 206 000 Menschen tätig, davon sind 50 000 selbständig und 36 000 Angehörige. Wenig bekannt sei auch in der Oeffentlich­keit der Wert der deutschen Obst- und Gemüseerzeugung. Es betrage dieser rund 1300 Millionen und der Wert der Blumen­und Pflanzenproduktion 700 Millionen, zusammen also etwa 2 Milliarden Reichsmark, was ungefähr den Wert der gesam­ten deutschen Kohlenförderung ausmacht.

Zunächst muß sich die öffentliche Hand allmählich vom Baumarkt, soweit er dem schärfer kalkulierenden und daher bil­liger arbeitenden Privatkapital zukommt, zurückziehen und zwar auch auf die Gefahr hin, daß dieses den Zeitpunkt, sich hier zu betätigen, noch nicht gekommen sieht. Um seine Herbei­führung zu beschleunigen, sind gesetzliche Bestimmungen zu tref­fen, die den deutschen Kapitalisten, die ihre Gelder, um sie nicht der uferlosen Ausgabenwirtschaft der Parteien auszuliefern, ins Ausland verbracht haben, deren Rückführung ermöglicht. Abgesehen davon, muß ihnen aber auch ein Anreiz gegeben wer­den und zwar durch eine zu einer wirklichen Steuersenkung füh­rende und eine geordnete Finanzwirtschaft verbürgende Finanz­reform, die endlich die schon längst in Aussicht gestellte Sen­kung der Realsteuern, besonders in den Gemeinden bringt. Die Höhe dieser Ausgaben ist nämlich nicht zum wenigsten daran schuld, daß sich das Privatkapital so stark vom Grundstücks- und Baumarkt fernhält. Zu dieser Haltung trägt auch viel der Umstand bei, daß immer wieder durch die Presse Meldungen gehen, wonach im Reichstag und in den Landtagen zur Durch­führung der sogenannten Bodenreform Geseze in Vorbereitung sein sollen, die auf eine entschädigungslose Enteignung von Bau­land hinauslaufen.

Aus dem Dorf Beuern bei Gießen.

( Zeitbetrachtungen, Heimische Erwerbsarten).

( Eigentumsrecht vorbehalten).

Von Wilh. Arnold 5. zu Beuern. 2. Fortsetzung.

In

Auch in der deutschen Handelsbilanz wird die große Be­deutung des Gartenbaues sichtbar. Im Jahre 1928 betrug die Einfuhr fremder Gartenbauerzeugnisse allein 650 Mill. Reichs­mark. Im Jahre 1929 sei sie noch höher. Bei der gewaltigen Be­lastung Deutschlands sei es klar, daß diese Zahlen mit aller Macht herabgedrückt werden müßten. Darum sei es nötig, den deutschen Gartenbau in Zukunft mehr vor der ausländischen Einfuhr zu sichern. Dazu gehören aber in erster Linie mit, daß auch der deutsche Verbraucher bei Händlern immer und immer wieder heimische Erzeugnisse den ausländischen vorziehe. Nur so unterstütze er am besten die deutsche Volkswirtschaft und sich selbst.

Beschwerlich und mühevoll ist der Anfang gewesen. geringen Mengen holte man im nahen Marburg, das dort seit alter Zeit gefertigte Töpfergeschirr und setzte es daheim und in den Nachbarorten ab. Waren es vorerst nur einzelne Per­sonen, insbesondere Frauen, die damit ihren Unterhalt erwar­ben, so befaßten sich bald ganze Familien mit dem Vertrieb und dehnten denselben immer weiter aus. Mit Pferd und Wagen fuhr man jetzt hinaus und unternahm, für die damalige Zeit recht beträchtliche Reisen. So ist der alte Kaspar Ranft bis nach Königsberg, Danzig und Memel, auch nach Schleswig­Holstein usw. gekommen. Die Waren wurden in Sachsen her­gestellt und immer nachgeschoben. Später bildete der Westen Deutschlands das hauptsächlichste Absatzgebiet. Köln, Aachen, Trier, Wesel und Emmerich wurden besucht, aber auch Straß­burg und die süddeutschen Städte wie Mannheim, Ludwigs­Hafen, ferner Luxemburg usw. Außer der Familie Ranft waren es noch die Familien Weimar, Walther, Becker und Wagner, die regen Anteil an dem stetig emporblühenden Handel nahmen. Man staunt, daß die Leute das südliche Frankreich durchzogen und Lyon und gar Marseille erreicht haben.

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* Tagungen. Am nächsten Samstag hält der Provinzial­verband Oberhessen des Vereins hessischer Justizamtmänner hier seine diesjährige Provinzialversammlung ab. Ferner wird der Hessische Kaffeehausbesitzerverband am 2. April hier seinen dies­jährigen Verbandstag abhalten.

Der letzte der Geschirrhändler, der draußen seine Waren nach alter Weise mit Pferd und Wagen umherfuhr und auf Messen und Märkten in den größeren Städten, aber auch auf dem platten Lande zum Verkauf brachte, war der aus Großen­Bused stammende Joh. Pfeiffer. Es war im Anfang der 1870er Jahre. Während der Beschießung von Straßburg wurden seine dort gelagerten Warenbestände der Zerstörung preisgegeben.

Gegenwärtig ist der einst so blühende Töpferhandel sehr

* Ein neues Kreistagsmitglied. An Stelle des verstorbenen Mitglieds des Kreistages, Landwirt Heinrich Schön von Lollar tritt Fabrikant Herrmann Schieferstein von Lich.

Nr. 24.

übt und Lebensmittel, wie Eier, eingemachte Früchte pp. ge= stohlen. Am Sonntagabend in der Zeit zwischen 20 und 20% Uhr wurden in der Büding- und Marburgerstraße drei Ein­brüche in Parterrewohnungen verübt. Nur in einem Falle fonnten die Täter etwa 50 Rmt. Bargeld entwenden. In den beiden anderen Fällen wurden sie gestört. In der Nacht vom 25. zum 26. 3. 1930 wurde in das Lager und den Verkaufsraum eines Zigarrengeschäftes in der Frankfurterstraße eingebrochen und außer etwas Wechselgeld etwa 40 Mill Zigaretten nachste­hender Marken entwendet: Ova, Overstolz, Ravenklau, Löwen­brüd, Kurmark, Gildenring, Senussi, Mercedes und Eckstein. Außerdem eine große Anzahl Holzpfeifen.

* Betrunken und verletzt. In einer hiesigen Wirtschaft sah man sich in einer der letzten Nächte veranlaßt, einen älteren Schlosser, der dort gezecht hatte, an die frische Luft zu befördern. Der Mann wurde mit allzu großer Wucht auf das Pflaster ge= setzt. Mit erheblichen Verlegungen kam der Unglückliche dann in die Chirurgische Klinik.

* Sichergestellt. Wem gehört die Autouhr. Eine Autouhr mit schwarzem Zifferblatt, die angeblich von einem Personen­auto, das vor dem Café Ernst Ludwig aufgestellt war, gestohlen wurde, ist hier sichergestellt. Derjenige, der Eigentumsrechte geltend machen kann, wird ersucht bei der Kriminalabteilung vorzusprechen.

* Einbrüche. In der Nacht zum Samstag wurde in einem Hause in der Georg- Philipp- Gailstraße ein Kellereinbruch ver­

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* Festnahmen. Festgenommen wurde der Landwirt Wilhelm Liermann aus Köslin, der sich als Danziger Burschenschaftler in hiesigen Studentenkreisen ausgab und Geldbeträge erschwin­delte. Lierman ist auch in ähnlicher Weise angeblich in Mün­ster t. W. und Marburg aufgetreten. Er kam in Untersuchungs­haft. Heute vormittag wurden drei jugendliche Personen festgenommen, die in der Fürsorgeanstalt Warburg entwichen sind. Zwei der Ausreißer haben in Marburg zum schnelleren Wegkommen Fahrräder entwendet. Sie wurden dem Amtsge­richt zugeführt. Wegen Diebstahls wurde ein Arbeiter aus Trohe, der Arbeiter Peter Seul aus Oberbeisig auf Grund eines Ausschreibens und zwei aus dem Westendheim bei Frank­furt entwichene Fürsorgezöglinge festgenommen.

zurückgegangen und es sind nur noch wenige Familien, die sich damit befassen. Erwähnenswert ist, daß eine derselben, die Fa­milie Arnold, trotz der Ungunst der Zeiten und großer Schwie­rigkeiten ihren Betrieb mit Erfolg über die Grenze, in die Schweiz hinein, ausgedehnt hat und Basel, Zürich, Luzern usw. besuchte.

* Viehmarkt. Auf dem Rindermarkt am Dienstag standen 1087 Stüd Groß- und Jungvieh sowie 212 Kälber zum Verkauf. Nach anfangs lebhaftem, später aber abflauenden Handel ver­blieb Ueberstand.

* Probefahrt der Kreismotorsprite. Die für komenden Frei­tag geplante Probefahrt findet bereits am morgigen Donners­tag statt.

* Aus dem Stadttheater. Als 25. Mittwoch- Abonnements: vorstellung kommt die Komödie ,, Die Sache, die sich Liebe nennt", a drei Akten, von Edwin Burke zur Aufführung Anfang 8 Uhr.

* Lichtbildervortrag über den Schnelldampfer Bremen. Der Kaufmännische und Ortsgewerbeverein bringt als 6. Vortrag eine Wanderung durch den Schnelldampfer Bremen am Sams­tag, den 29. März, abends 8 Uhr, in der neuen Aula.

* Volkskonzert. Die Volkshochschule veranstaltet als 4. Volkskunstabend am Donnerstag, den 27. März, abends 8 Uhr, in der Aula der Universität ein Volkskonzert.

* Goethebund. Am Donnerstag, den 27. März, abends 8 Uhr, hält Herr Prof. Dr. Viätor im Kunstwissenschaftlichen In­stitut einen dramaturgischen Vortrag über Georg Büchner.

* Aus dem Gerichtssaal. Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich der 21 Jahre alte Dienstknecht Kurt Mädel, zuletzt in Nidda in Stellung, wegen Mordversuches zu verantworten. Mädel hatte mit einer Dienstmagd ein Liebesverhältnis, das nicht ohne Folgen blieb. Da er keine Lust hatte, Vater zu spie­Ien, wollte er sich des Mädchens entledigen. Er lud es eines Abends zu einem Spaziergang ein, und als sie am Ufer der Nidda entlang gingen, stieß er plötzlich das Mädchen in den Fluß. Dem Mädchen war es gelungen, sich an einem überhän­genden Zweig festzuhalten, und es wurde von Bewohnern einer nahen Mühle aus dem eisig talten Wasser herausgezogen. Die Verhandlung ergab, daß der Angeklagte eine harte Jugend ge= habt hat. Sein Vater war Trinker und eine kleine Schwester wurde ermordet. Bisher hatte sich aber der Angeklagte gut geführt, weshalb der Staatsanwalt die Anklage auf Mordver= such fallen ließ und nur Jahre Gefängnis wegen versuchten Totschlags beantragte. Das Gericht schloß sich diesem Antrage an. Wie in anderen Städten, so hat man auch hier oft über Unfug an den Feuermeldern zu klagen. In der Nacht zum 15. Dezember gelang es der Polizei, einen solchen Unfugstifter in der Person eines jungen stellenlosen Kaufmanes auf frischer Tat zu erwischen und festzunehmen. Er hatte sich vor dem hie­sigen Amtsgericht zu verantworten, das mit Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit des Vergehens die exemplarische Strafe von einem Monat Gefängnis aussprach. Hoffentlich lassen sich andere unermüdliche Nachtschwärmer dieses Urteil zur Warnung dienen.

Zu den mancherlei Schätzen, die die heimatliche Erde Beu­erns birgt, gehört auch die Braunkohle. Bis jetzt hat aber deren Ausbeute nur vorübergehend in geringem Maße Arbeits­und Verdienstgelegenheit für die heimische Bevölkerung ver­schafft. Schon in den 1850er und 60er Jahren versuchte man das Vorkommen der Kohle und ihre Bauwürdigkeit an ver­schiedenen Stellen der Gemarkung festzustellen. Da das Wasser im Tale unüberwindliche Schwierigkeiten bei der Schürfung bot, begab man sich auf höhere Stellen. Noch heute heißt eine Stelle auf der Platte ,, beim Berghäuschen", wo man, durch die Basaltlavamassen hindurch, sich den Weg in die Tiefe bahnen wollte. Vielleicht ist die Sache dort auch etwas langweilig geworden, auch scheint die Betriebsweise unter dem damaligen Steiger ziemlich nachlässig und locker gewesen zu sein. Man vertrieb sich die Zeit mit Schnapstrinken und Kartenspiel, bis in einer Nacht das Häuschen in Brand geriet und die Herrlich­feit ein Ende hatte. Auch spätere Unternehmungen durch den Weißbindermeister Petri in Gießen führten trotz umfangreicher Schürfungen zu keinem Ergebnis. Erschlossen wurde das Koh­lenlager im Pfarrwäldchen und in der Michelbach, woselbst man aber sehr mit dem Wasser zu kämpfen hatte. Erst unseren Tagen ( 1920) wird es vorbehalten sein, ob an cinen lohnenden Abbau der Braunkohle in unserer Gemarkung gedacht werden kann. Eine Frankfurter Gesellschaft hat es unternommen, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln unser Kohlenfeld aufzuschließen. Die allgemeine Brennstoffnot unserer Zeit kann wohl als günstig in Betracht gezogen werden. Günstig sollen auch die Feststellun­( gen durch die Wünschelrute oder ein ähnliches Werkzeug ge=

wesen sein.( Leider haben sich die Erwartungen nicht erfüllt. Anmerk. der Red.). Nach der Ueberlieferung wurde die Braun­tohle beim Ausgraben von Brunnen entdeckt. Als solche wurden vornehmlich genannt der im Keller oder vielmehr im Brenn­hause des Jost Belloff( später Stein und Haberkorn) und der Lindenbrunnen bei der Schule.

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Merkwürdiger ist, wie man dem Vorkommen von Mangan­erzen in der Appenspeck auf die Spur gekommen ist. Ein hiesiger Einwohner, Sommerlad, gewöhnlich der alte Holländer genannt, fand einſt in genanntem Gemarkungsteil ein Gesteinsstück, das thm durch seine Schwere und sein Aussehen auffiel. Seine bei: den Jungen waren Musikanten, die auf den Kirchweihen umher aufspielten. Sie zeigten das Fundstück einem mitwirkenden Bergmann, der sofort den Wert desselben erkannte und mit der Lahntalhüttengesellschaft in Gießen in Beziehung trat. selbe stellte durch umfassende Vorarbeiten die Abbauwürdigkeit und Güte des Erzes fest und der Betrieb wurde eröffnet, der regen Verkehr und reichlichen Verdienst brachte. Wahrscheinlich hatte der Bergmann ein gutes Geschäft gemacht und der sonst sehr spekulativ gerichtete alte Holländer hatte das Nachsehen, er soll im ganzen 50 Rmt. erhalten haben. Die Verhüttung der Erze erfolgte auf der Margarethenhütte zu Gießen. Die reich lichen Verdienstgelegenheiten in jenen Zeiten verlockten leider besonders die jugendlichen Arbeiter zur Völlerei und Liederlich feit. Es war die Zeit der Gründerjahre. Industrielle Unter­nehmungen wuchsen wie Pilze aus der Erde, um nach kurzer Zeit wieder zu verkrachen. Wie das erwähnte Steinbruchsunter­nehmen der Düsseldorfer Firma Heinjes am roten Holzberg, so war auch der Betrieb der Grube Edelstein" in der Appenspec nicht von sehr langer Dauer. Das Vorkommen des sonst sehr vorzüglichen Erzes wurde immer spärlicher, andere Ursachen kamen hinzu und nach etwa dreijährigem Bestehen wurde die Förderung eingestellt.

( Fortsetzung folgt.)

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