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Samstag, den 25. Oftober 1930.

50 cbm/ sec., die dem Rheinbett etwa bleiben sollen, bis auf die Zeiten starken Mittel- und Hochwasserstandes keine Aende­rung darin herbeizuführen vermöchten. Die badische Landwirt­schaft würde damit in der Rheinebene eine dauernde, nicht wieder auszugleichende Schädigung erleiden, die natürlich bei der Rheinkanalisierung nicht eintreten würde.

,, Gießener Zeitung"

Die Grubenkatastrophe bei Aachen.

Bisher 262 Tote geborgen.

Alsdorf. Die Zahl der bisher geborgenen Toten beträgt insgesamt 262; 22 davon sind bei dem Einsturz des Förderturmes und Verwaltungsgebäudes ums Leben gekommen, 6 sind in Krankenhäusern gestorben und 231 wurden tot aus dem Schacht zutage gefördert. Ob noch Bergleute im Schacht sind, läßt sich zur Zeit nicht feststellen, da von 231 aus dem Schacht geförder­ten Toten nur 60 identifiziert sind.

Die Aufbewahrung der Toten.

Das große Sterben am Dienstag hat die Gemeinde Alsdorf ins Mark getroffen. Zahlreichen Familien ist der Ernährer, vielen Eltern der unterstützende Sohn genommen. Hinab und Herauf geht der Förderkorb. Er führt heute tote Körper, für die es kein Erwachen gibt. Sie sind zerstört von dem Gestein, mit dem sie ihr Leben lang kämpften. Sie sind vergiftet von dem Gas, das sich vom Stein befreite. In langen Reihen werden die Toten in einer leeren Halle zwischen frischem Tannengrün auf­gebahrt. Sanitäter halten Totenwacht und erweisen das letzte Werk der Nächstenliebe, indem sie verhüllen, was grausame Ge­walten an menschlichem Leben zerstörten.

Die badische Industrie gelangte nach 1871 schnell zur Ent­wicklung, während das Elsaß damals noch vorwiegend land­wirtschaftlichen Charakter aufwies. War hierdurch eine Aus­gleichmöglichkeit zwischen den beiden Ländern von Natur vor­gezeichnet, so wurde sie auch nicht ausgeschaltet, als Elsaß­Lothringen schnell auf dem Wege der industriellen Entwicklung folgte. Denn während Lothringen und das Saargebiet infolge der reichen Bodenschätze vornehmlich Kohle und Eisen erzeug= ten, war Baden auf die Fertigwarenindustrie eingestellt, die in jenen Gebieten infolge der zwangsläufig sich hier ansammeln-| den Menschenmassen ein natürliches Absatzgebiet fand. Diese Gebiete stellten ein äußerst willkommenes Auslaßventil dar, weil nach Süden die schweizerischen Zollgrenzen, nach Norden infolge des nicht kanalisierten Rheins die teuren Frachten und nach Osten z. T. die Unwegsamkeit des Schwarzwaldes ihre Riegel vorschoben. Durch die neue französische Zollgrenze gegen Elsaß- Lothringen, das Ausscheiden Luxemburgs aus der deutschen Zollgemeinschaft und die Abschneidung des Saar­gebiets sind diese Gebiete, die infolge ihrer günstigen Frachten­lage für die Belieserung der badischen Industrie mit Kohlen, Formeisen und Schienenmaterial eine große Rolle spielten, nicht nur als Lieferanten, sondern auch als Absatzgebiete zum großen Teil der Industrie verloren gegangen.

Die leitenden Ingenieure blicken ernst. Menschliches Leid stürmt auf sie ein, und die wirtschaftlichen Lasten türmen sich. Infolge der abseitigen Verkehrslage des Reviers können nur unter den größten Anstrengungen die Betriebe aufrechterhalten werden.

Nr. 85

Man glaubt nicht, daß noch weitere Tote im unterirdischen Betriebe liegen; dagegen ist es noch immer sehr wahrscheinlich, daß unter den Trümmern des Förderturmes Tote zu finden sind. Man hat daher gerade an dieser Stelle starke Arbeitskolonnen eingesetzt, die mit dem Fortschaffen der Trümmer beschäftigt sind. Die Arbeit geht verhältnismäßig langsam vorwärts, da wegen der zu vermutenden Toten die Geröllmassen sehr vorsichtig hinweggeschafft werden müssen. Zudem müssen die eisernen Trä­ger des Förderturmgerüstes Stück für Stück auseinandengeschweißt werden.

Oberrheinhäfen trotz der billigen Rheinfracht so teuer, daß die französischen Eisenbahnen billiger beförderten und den Rhein­verkehr auf sich zogen.

Die Ausnahmetarife der Reichsbahn zugunsten der deut­schen Seehäfen zum Zweck der Zurückdrängung des Wettbewerbs der französischen Eisenbahnen bewirkten, daß eine Anzahl von Gütern im Bahntransport zwischen Hamburg und Basel sich die billiger stellt, als zwischen Mannheim und Basel. Der Gesamt­umschlegsverkehr Mannheims ist infolge dieser Verhältnisse seit 1913 um 52 v. H. für 1925 zurückgegangen.

Die Reichsbahn in Elsaß- Lothringen und im Saargebiet, die Gruben und die Bauindustrie sind für die Lieferungen an Schwellen, Gruben- und Bauholz in Wegfall gekommen. Die Kistenfabrikation und die Korbwarenindustrie haben% ihres Absatzes eingebüßt, die Möbel-, Zigarren, Baumwoll-, Seiden­Industrien, die Rohwebereien, Garnfärbereien, die Säcke- und Deckenfabrikation, die Metall- und Maschinenindustrie, Industrie der Steine und Erden, die Ziegel- und Pflaster­industrie, die Nähmaschinen-, Fahrrad- und Bürstenindustrie, die Mühlenindustrie, sie alle haben durch die erschwerten Ab­satzverhältnisse Rückschläge erhalten, die sich in einer Vermin­derung des Gesamtabsages bis zu 50 v. H. und darüber aus­drücken.

In gewisser Weise kann vielleicht außer dem Export eine billigere Frachtgestaltung durch die Kanalisierung des Rhein­bettes erfolgreich die Lage der Industrie verbessern, während aber der allein in französischer Hand und unter französischer Zollüberwachung befindliche Rheinseitenkanal von Basel bis Straßburg feiner industriellen Anlage für diese Strecke auf deutschen Boden mehr den Wasseranschluß ermöglichen und eine industrielle Lähmung bedeuten würde.

Infolge der französischen Zollbestimmung, die nur Trans­porten über Antwerpen die gleiche Behandlung wie solchen über französische Häfen gewähren, sind die holländischen See­häfen, der Rheinverkehr und der Umschlagsverkehr in Mann­heim schwer getroffen, da Elsaß- Lothringen für den Empfang von Waren über den Rhein, soweit sie nicht von Antwerpen kommen, in empfindlicher Weise ausgeschaltet ist und Mann­heim früher der Hauptumschlagsplatz für Elsaß- Lothringen

war.

Die deutsche Rheinschiffahrt hat den größten Teil der Transporte von und nach den Häfen Straßburg und Lauter­burg, die ihren Verkehr seit 1913 von 2 auf 5 Mill. Tonnen gesteigert haben, verloren. Infolge des gebrochenen Staffel­tarissystems der Reichsbahn wurden die Transporte nach den

Was wird mit der Arbeitslosenversicherung?

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Die Bevölkerung Alsdorfs ist noch immer in großer Auf­regung, da es bisher nicht möglich war, eine Liste der Toten herauszugeben, bezw. überhaupt die genaue Zahl der bisher noch Vermißten anzugeben. Diese lähmende Ungewißheit wirkt bei den Angehörigen niederschmetternd.

Verbände, Vereine und sonstige Körperschaften leiten über­all Sammlungen ein, um die furchtbare Not in dem Bergmanns­dorf wenigstens etwas lindern zu helfen. Namhafte Beträge sind schon eingegangen.

Die deutsche Rheinflotte, die an Frankreich Schlepper mit einer Gesamtpferdestärke von 32 679 HP, Rheinfähne von ins­gesamt 349 342 t und wertvolle Umschlageinrichtungen hat ab­treten müssen, wozu der Verlust aller Anlagen im Straßburger Safen hinzutrat, ist in ihrem Kahnraum von 50 auf 40 v. 5. zurückgegangen, da Neubauten den Verlust bisher nicht aus­gleichen konnten. Die deutsche Schleppkraft beträgt 54 v. H. gegen 67 v. H. vor dem Kriege gegen einen Zuwachs der fran­zösischen von 7 v. 5. auf 9,5 v. H.

Bestattungsfeier am Sonnabend.

Die Beerdigung der Opfer wird am Sonnabend früh statt­finden. Es werden u. a. der Reichsarbeitsminister, der preußi­sche Handelsminister und der preußische Oberberghauptmann an den Beerdigungsfeierlichkeiten teilnehmen.

fanal als unmöglich angesehen, was ja aber, wie erwähnt, für Frankreich nicht ausschlaggebend ist.

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Schon erheben sich warnende französische Stimmen, den Kanalbau zu unterlassen unter Hinweis auf die Tatsache, daß die Textilindustrie im Lörrach die Ruhrkohle ebenso billig bezieht wie die elektrische Kraft aus den allerdings alten Rheinkraftwerken bei Rheinfelden, daß ein Sinken der Kohlen­preise vielleicht eine sichere Ueberlegenheit der Kohle über zu teuer erzeugte Wasserwerkskraft auch aus neuester Bauart bald erweisen könnte, und daß die Aufnahmefähigkeit für die elek trische Kraft im Elsaß beschränkt sei.

Auch für die Rheinschiffahrt würde eine weitere schwere Benachteiligung erwachsen aus der Ablenkung des Rheinwassers in den Grand canal d'Alsace", dessen Schiffahrt nach dem Gutachten deutscher und niederländischer Fachleute als gefährlich und wirtschaftlich kaum durchführbar anzusehen ist. Beim Ein­treten dieses Falles müßte die Fortführung der Rheinkanali­sierung auch von Basel bis zum Bodensee als zwecklos unter­bleiben. Wenn aber entgegen dieser Sachverständigenansicht die Schiffahrt auf dem Seitenkanal als ungefährlich und wirt­schaftlich günstig sich herausstellen sollte, so würden die Vorteile dovon nur den Franzosen zugutekommen, und Landwirtschaft, Industrie und Rheinschiffahrt würden für Süd- Westdeutschland eine schwere, unwiederbringliche Einbuße erleiden, Rückwirkungen auch weiterhin auf den ganzen Rheinverkehr und das rheinisch- westfälische Industriegebiet ausstrahlen müßte. Eine Großschiffahrt wird fast allgemein für den Seiten­

Die Reform der Arbeitslosenversicherung, wie sie durch die Notverordnung des Reichspräsidenten durchge­führt ist, trägt sicher zur Beseitigung mancher Miß­stände bei und bringt überdies Einsparungen mit sich, die auf 120-140 Millionen Mark im Jahre geschätzt werden. Arbeitslose unter 17 Jahren haben nur noch Anspruch auf Unterſtügung, wenn ihnen kein familien­rechtlicher Unterhaltsanspruch zusteht, die unterstützung der Ehegatten wird verhältnismäßig herabgesetzt, die Dauer der Sperrfristen bei unbegründeter Verweigerung angebotener Arbeit oder unbegründeter Aufgabe des Arbeitsplages wird verlängert. Das alles sind Maß­nahmen, denen man nur zustimmen kann. Aber da sie nicht ausreichen, um das Defizit der Reichsanstalt zu beheben, erhöhte die Notverordnung den Beitragssay einheitlich für das ganze Reich von 3,5 auf 4,5, woraus jährlich bei der bisher angenommenen Ziffer von 1,5 Millionen Hauptunterstützungsempfängern eine Mehr­einnahme von 270 Millionen erwartet wird.

die ihre

Eine klare Beantwortung der zahlreichen noch nicht ent­schiedenen Fragen ohne Voreingenommenheit durch politische und Prestige- Gründe liegt bei der Zukunft. Es ist ein drin gendes Erfordernis für Deutschland, daß sie nach wirtschafts­vernünftigen und den Interessen aller Anlieger dienenden Ge: ſichtspunkten beantwortet werden.

Revolution in Buenos- Aires Buenos- Aires, 24. Oft. Nach hierher gelangten Nachrich ten aus Rio de Janeiro ist der brasilianische Bundespräsident Washington Luis zurückgetreten.

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Buenos- Aires, 24. Oft. Der Rücktritt des Präsidenten wurde veranlaßt durch den Ausbruch der offenen Revolution in Buenos- Aires, das bisher intakt geblieben war. Ungeheure Menschenmassen durchzogen unter Absingen revolutionärer Lieder und unter Niederrufen gegen die Bundesregierung die Haupistadt.

Während bisher Einzelheiten fehlen und noch nicht be­fannt ist, ob es überhaupt zu kämpfen gekommen ist, wird berichtet, daß sich die Hauptstadt innerhalb weniger Stunden vollkommen in die Hand der Revolutionäre befand. In der Hauptstadt herrscht große Aufregung über den plötzlichen Um­sturz. Man erwartet stündlich die Ausrufung der neuen Re­gierung.

Höhe der Unterstüßung in den oberen Klassen zu ver­mindern. Insbesondere die Verkürzung der Unter­stügungsdauer ist um deswillen zu empfehlen, weil hier­durch eine frühere Ueberführung der Erwerbslosen in die Krisenfürsorge stattfindet und weil bekanntlich in dieser die Bedürftigkeitsprüfung besteht, also eine Mög­lichkeit gegeben ist, unberechtigte Ansprüche an die Ver­sicherung bezw. an die Versorgung abzuweisen. Da­neben bleibt die Frage der Versorgung der Saisonar­beitslosigkeit aus der Versicherung weiter ein der Lö­sung zuzuführendes Problem. Abgesehen von diesen grundsäglichen Abänderungsvorschlägen kommt es wie bei jedem Gesetz sehr wesentlich auf seine praktische Durchführung an. Daß dabei nicht an eine kleinliche bürokratische Schikaniererei der Versicherten gedacht ist, von denen ein großer Teil sicher durchaus arbeitswillig ist und selbst unter dem schweren Schicksal der Arbeits­losigkeit am meisten leidet, versteht sich von selbst. Aber es gibt genug Verhältnisse, wo nicht einmal die ver­schärften Bestimmungen der Notverordnung die miß­bräuchliche Anwendung verhindern. Besondere Auf­merksamkeit wird man hier den Jugendlichen zuwenden müssen und wohl auch den doppelverdienenden Ehe­paaren. Die von manchen Seiten propagierte Einfüh­rung von Gefahrenklassen hat zunächst etwas bestechen­des. Eine genaue Durchprüfung ergibt jedoch, daß sich für die besonders bedrohten Gewerbezweige derartig hohe Beiträge ergeben würden, daß sie wenigstens in dem in den Vorschlägen erkennbaren Ausmaß- von den beteiligten Gewerben nicht getragen werden könn­ten, daneben aber auch aller Voraussicht nach erhöhte Lohnansprüche auslösen würden.

Bedauerlicherweise steht heute aber schon fest, daß die durch die Reform zu erzielenden Einsparungen, die Mehreinnahmen durch die Erhöhung der Beiträge ein­schließlich der vom Reiche zur Verfügung gestellten zu­säglichen Mittel nicht ausreichen werden, da man alle diese Maßnahmen auf einen durchschnittlichen Stand von 1,5 Millionen Arbeitslosen zugeschnitten hat. Es ist nicht leicht zu erklären, worin dieser Optimismus der amtlichen Stellen begründet gewesen sein mag: Bereits jetzt rechnet man im kommenden Winter mit einer Zahl bon mindestens 2,5 Millionen Hauptunterstützungs­empfängern. Die Reichsanstalt wird also aller Wahr­scheinlichkeit nach bereits im Monat November erneut vor einem großen Defizit stehen, das von Sachverstän digen für die Wintermonate von November bis März auf 400 Millionen beziffert wird. Von dieser Summe würde das Reich nach den Bestimmungen der Notver­ordnung nur die Hälfte übernehmen, während die an­dere Hälfte von der Reichsanstalt selbst aufzubringen wäre. Die Aussicht, daß die Reichsanstalt dazu durch nochmalige Heraufsehung der Beiträge um etwa 2 bis 2% in die Lage versetzt werden sollte, wirkt gerade­zu bestürzend. Man fragt sich demgegenüber, ob die notwendigen Summen nicht durch andere Mittel, als ausgerechnet die Beitragserhöhung, beschafft werden fönnten. Zunächst bedarf es doch jedenfalls der ein­gehenden Prüfung, ob es nicht sachlich richtig und auch politisch durchführbar ist, die Dauer der Leistung in der Arbeitslosenversicherung herabzusehen und auch die

Lernt an Euren Kindern!

Der Instinkt versagte, und an seine Stelle trat das Schlagwort. Doch mit Schlagwörtern baut man das Leben nicht in der organischen Freiheit auf, zu der es berufen ist. Und das, was uns heute kennzeichnet, in allen Lebenslagen des geistigen und materiellen Seins, ist Unsicherheit. Troydem diese Unsicherheit im wahr­sten Sinne des Wortes auf dieser Erde nicht die ge= ringste Existenzberechtigung hätte, wenn wir es ver­stünden, die ewige, ich möchte sagen die naive Fülle dieses Lebens zu begreifen wie unsere Kinder.

Arbeitnehmers fterium erneu die Beilegung

C3 ist schon lange her, als vor all den Schlagworten über Ehe, Religion und Ernährung für eine zweckmäßi gere Form des Daseins das Wort vom Jahrhundert des Kindes" geprägt wurde. Heute, wo der Mensch un serer Generation inmitten seines Schicksals sich selbst zu ernst nimmt, sollte er sich mit einem demütigen Ein blick zu den Kindern wenden, um zu hören, um zu lernen.

Die inneren und äußeren Nöte unserer Zeit, der Wirrwarr der Meinungen und Anschauungen, wie man ein gerechtes und gesundes Leben führe, haben zum größten Teil den nüchternen Ueberblick über die natür­lichen Qualitäten des gesamten Daseins arg verengt. Wenn man an die abertausend wissenschaftlichen und laienhaften Versuche denkt, die im Laufe der letzten Jahrzehnte die erwachsene Generation gemacht hat, un ihre Arbeitsenergie durch Gesundheit zu erhalten, kommt man zu der betrüblichen Einsicht, daß ihr jeder, aber auch jeder Instinkt verloren gegangen ist. Und daß sie in dieser Ueberrumpelung der Mechanisierung nicht nur den Standpunkt zu sich selbst verloren hat, sondern auch zu all den selbstverständlichen Erfahrungen frü­herer Menschen keine Beziehungen mehr fand.

Tatsache, daß weist, daß auf steht, und die verbreitete

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Wir Eltern müssen auf dem verworrenen Gebiet der Ernährung an unseren großstädtischen Kindern ler nen, wie sie ihre Wünsche nach der Schulbanane oder der Apfelsine genau nach den Jahreszeiten richten und wie sie in instinktiver Selbstsicherheit es immer ver stehen, ihre Diät zu einem ständigen Genuß zu gestal ten. Wo wir, Kinder einer Vergangenheit, resigniert als ,, naschsüchtige Rangen" uns bezeichnen lassen muß ten, steht heute das Kind dieser Zeit als wählende Per sönlichkeit. Und alle Erfahrung zeigt, daß es für sich richtig und entscheidend wählt. Wir haben die Ernäh rung unserer Kinder an ihnen selbst gelernt und für uns selbst lernen müssen.

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Ein Kind hat es nämlich im Instinkt: ,, Was schmect, ist gesund." Es will schwarzes Brot mit Butter essen. Es lechzt nach Obst! Es reißt die gelbe Rühe aus dem Boden, wo sie ihrer habhaft werden kann, und ver zehrt sie mitsamt der Erde. Zur Zitrone steht es ger radezu in einem zärtlichen Verhältnis; um einer Limo nade willen hat schon manches Kind Kopfweh simuliert. Die Höhepunkte findlichen Lebens in meiner Generation waren: in eine grüne Gurke, in eine rote Tomate, in eine gelbe Aprikose oder Apfelsine hineinzubeißen.

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Alle Kinder von einst und jetzt stehen unge fähr dort, wo heute der hygienisch informierte Mensch steht. Wenn man uns Kinder nach unserer Lust hätte essen lassen, so brauchten wir jetzt nicht alle sechs Mo nate zu einer neuen Diät überzugehen, denn wir wüß ten, wie alle besseren Tiere es wissen, welche Nahrung uns gut tut!"

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