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Mittwoch, den 25. Juni 1930.

jetzt mächtig zusammen und kann auch den Kampf offen ge­stalten. Einige Chancen auf beiden Seiten bleiben durch die gute Arbeit der Torhüter erfolglos. Endlich, in der dreiund­zwanzigsten Minute kann Sobek den Ball zum ersten Mal ins Kieler Tor jagen. Nicht lange dauert es, bis Berlin auch den Ausgleich erzielt. Schon drei Minuten später köpft Ruch einen vom Holstein- Hüter zu kurz abgewehrten Ball zum Aus­gleichstor ein.

Das Spiel steht jetzt auf sportlich hoher Stufe. Die Angriffe wechseln hüben und drüben. Wieder kann Holstein in der neunundzwanzigsten Minute durch Widmaier in Führung gehen, aber schon zwei Minuten später stellt Kirsei die Partie auf 3: 3.

Mit diesem Resultat werden die Seiten gewechselt. Das Edenverhältnis stand bis dahin 5: 0 für Hertha. Nach der Pause machte sich allmählich eine kleine Ueberlegenheit Herthas bemerkbar, zumal Holstein durch das Tempo der ersten Halbzeit scheinbar ermüdet ist. Die Angriffe Berlins leiden aber an Ueberkombination, und erst in der achtundsechzigsten Minute ist es Lehmann, der das Ergebnis auf 4: 3 stellt.

Holstein verlor dann aber in der 77. Minute seinen Mittel­stürmer Ludwig, der auf eine allzu harte Entscheidung des Schiedsrichters hin den Platz verlassen mußte.

Trotzdem Holstein mit 10 Mann weiterspielt, kann es so fort nach Ludwigs Austritt im Anschluß an einen Durchbruch von Ritter das Ausgleichstor erzielen. 4: 4.

Man glaubt schon an eine Verlängerung, als schließlich in der 86. Minute Ruch einen Flachschuß anbrin­gen kann, den der Kieler Torhüter nicht mehr erwischt. Dieses Tor sollte das Siegestor sein, denn bis zum Schluß bleibt es trotz verzweifelter Angriffe der Holsteinmannschaft bei dem Ergebnis 5: 4 für Hertha.

Kritik.

,, Gießener Zettung"

45 000 Menschen brauchen es durchaus nicht besser zu wissen, als ein Einziger. Zumal dieser eine, nämlich der Guyenz aus Essen, ein anerkannter Meister seines schiedsrichterlichen Faches ist. Aber in diesem Fall irrte er, hatte die Masse recht, als sie gegen ihren Landsmann Stellung nahm. Denn in einem Schlußkampf um die Deutsche Meisterschaft wirft man einen Spieler nicht auf dem Höhepunkt des Geschehens nur des­halb hinaus, weil er durch Kopfschütteln und Hände winken seine abweichende, berechtigt abweichende Mei­nung über eine einzelne Entscheidung des Unparteiischen zum Ausdruck bringt.

Hertha hatte den Sieg verdient. In der ersten Halbzeit konnte das Spiel des Berliner Meisters allerdings noch nicht gefallen. Die Berliner mußten sich erst an das Spiel der Kieler gewöhnen, sie fanden sich in dieser Spielphase schlecht zusammen und boten durchweg nur Einzelleistungen. Die bes­sere Gesamtleistung lag in dieser Halbzeit bei den Norddeut­schen. Nach der Pause änderte sich das Bild. Berlin gewann zusehens an Zusammenhang und System. Im gleichen Maße wuchs auch die Ueberlegenheit der Berliner. Ganz hervorra­gend schaffte Sobeck. Bei Holstein war der Wille zum Sieg da, aber die Kräfte reichten nicht. Durch Eiser und Einsatz aller körperlichen Vorteile wurde lange Zeit das Ergebnis günstig gehalten, als aber die Kräfte nachließen, war die tapfere Mannschaft dem Gegner nicht mehr gewachsen. Im übrigen wa­ren bei Holstein alle Mannschaftsteile gleich gut. Besondere Erwähnung verdient das Spiel des Angriffsführers Ludwig.

Die Herausstellung.

45 000 Zuschauer hatten gesehen, daß bei dem Zusammen­stoß zwischen dem Berliner Mittelläufer und dem Kieler Mittel stürmer- man beachte bitte die Spielposten der bei­den Beteiligten!- ein Strasstoß gegen Berlin und nicht umgekehrt am Plate war. Was auch denen einleuchtet, die nicht dabei waren, aber aus der Erfahrung und der Logik heraus wissen, daß der vorrückende Mittelstürmer nicht das mindeste Interesse hat, den Mittelläufer des Gegners zu foulen, wohl aber dieser, und besonders dann, wenn er Gefahr im Anzuge wittert.

Vorweg: Niemand wird den Berlinern den Erfolg miß­gönnen, den sie sich in einem harten Gefecht gegen den Verein des unvergessenen und unvergeßlichen Blaschke aus Kiel ehrlich erkämpfte. Im Gegenteil: jeder wahre Sportfreund wird es begrüßen, daß eine Mannschaft mit so viel seelischem Stehver­mögen, wie es die Blau- Weißen von der Spree seit 1926 auf­brachten, endlich beim fünften Male ihren sauer verdienten Lohn ernten durfte.

Nr. 50.

schlecht viel seltener vor, als früher. Am schlimmsten ist es noch mit der Form des Schuhwerks bestelt; hier müßte durch die Einführung niedriger Absätze und einer dem Fuße anges paßten Form noch Wandel geschaffen werden.

Trostlos dagegen steht es um die Männerkleidung. Hier kann man eigentlich nur von Uniformen reden, die keiner­lei Eigenart auftommen lassen und die gleiche unzweckmäßige Anhäufung von Stoffmassen für jede Jahreszeit, für frohe | Unterhaltung wie für ernste Arbeit, vorschreiben. Die Klei­dung eines Mannes ist um das Vielfache schwerer, als das= jenige der Frau; die Beine sind bis zu den Füßen hinunter förmlich wattiert, Hals und Brust in enge Stärkepanzer einge­zwängt das ist das starke, abgehärtete Geschlecht!

Schiedsrichter Guyenz jedoch entschied gegen Augenschein und alle Wahrscheinlichkeit. Den Kieler Strafstoß bekam Berlin zugesprochen. Begreiflich, daß der Leidtragende des zum Straf­stoß führenden Zusammenpralls, eben der Kieler Ludwig, an= derer Meinung als der Unparteiische war. Denn schließlich wird er es ja am besten gewußt haben, ob seine Schienbeine oder die des Gegners schmerzten.

Alles schön und alles gut. Aber ein Wermutstropfen ist leider doch in den Sektkelch gefallen. Und ein ziemlich großer sogar. Gemixt von dem Schiedsrichter Guyenz aus Essen, der 20 Minuten von Schluß, als Holstein verzweifelt um neuerlichen Gleichstand kämpfte, den Mittelstürmer der Kieler, den blonden Ludwig, des Feldes verwies.

Begreiflich, daß er seiner abweichenden Meinung durch Gesten Ausdruck verlieh, wohlgemerkt, begreiflich, wenn auch nicht entschuldbar. Denn der Spieler hat in erster, zwei­ter und dritter Linie und dann noch ein paarmal den Mund zu halten. Hermetisch verschlossen zu halten. Er soll spie­len und nicht reden.

Wenn 45 000 Menschen wie ein Mann johlen und pfeifen, mehr als 40 000 wirklich neutrale Söhne und Töchter vom sonnigen Rhein mit einem Schlage für das Blau- Weiß- Rot aus dem dunklen Norden Partei ergreifen, taktmäßig im Chor bis zum Schluß ,, Auf, auf, Ihr Kieler!" rufen und brüllen, das ist ein Faktum, das man nicht mit einer Handbewegung als unerheblich gegenüber der schiedsrichterlichen Tatsachenentschei­dung hinwegschieben darf.

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25. Ruder- Regatta in Gießen.

Der idyllisch gelegene, an Tradition reiche Ruderplatz Gie­Ben feiert am Samstag, den 28., und Sonntag, den 29. Juni, sein Silberjubiläum als Regattaplatz. Die an diesen Tagen stattfindende 25. Ruder- Regatta wird in 26 Rennen 441 Ruderer und Steuerleute in 84 Booten am Start sehen, die aus 18 Ver­einen stammen. Neben Wetzlar, Limburg, Bad Ems sind Mann­schaften aus Frankfurt a. M., Offenbach a. M., Hanau, Godes­berg, Köln, Beuei, Cochem und Kassel vertreten.

Kleider machen Leute.

Wir müssen zu einer abwechslungsreichen Kleidung kommen; Form, Farbe und Stoff des Gewandes soll dem Zwecke entspre­chen, zu dem es getragen wird. Ein Handarbeiter muß anders angezogen sein, als der Büchermensch; der Sommer verlangt Wärmeschutz, der Winter Kälteschutz von unserer Klei­dung. Die Arbeitstracht sei ernst und zweckmäßig, die Festtracht heiter und farbig. Der Mann sollte zeigen können, daß auch er ein Bein besitzt und nicht zwei Ofenröhren; er bedarf keines­wegs eines Stehkragens als Halsabschluß, um seine Würde nach außen kund zu geben, vielmehr sollte sich die Männerwelt für ihre Kleidung den Spruch des Reichsausschusses für hygie> nische Volksbelehrung" zu eigen machen: Warum denn Rod und hohen Kragen, statt Blusenhemd und Strohhut tragen?"

Von Dr. V. Hähnlein Dresden. ,, Kleider machen Leute", so denken die Menschen, sparen sich das Geld für eine standesgemäße moderne" Kleidung am Munde ab, zwängen sich in die unbequemsten Marterinstrumente und glauben damit hervorragend praktisch gehandelt zu haben. Viel vernünftiger wäre es, sie sagten sich: Kleider machen Menschen", d. h. in seelischer Beziehung läßt eine einfache, zweckmäßige Kleidung auf einen selbständigen, energischen Cha­rakter schließen, und in körperlicher Hinsicht gestattet eine der­artige Gewandung ein gesundes, unbehindertes, Ausleben aller Kräfte.

Glücklicherweise hat die Damenmode der letzten Jahre neben der Schönheit auch in einigermaßen ausreichender Weise den gesundheitlichen Wert der Kleidung berücksichtigt. Das Korsett, der steife Halskragen, die langen Aermel, die allzu weiten Röcke gehören hoffentlich auf Nimmerwiedersehen der Vergangenheit an. Farbe und Stoffarten gestatten heute der Frau einen vernünftigen Wechsel zwischen Sommer- und Win­Die Beine werden durch ter, Haus- und Straßenkleidern.

Das Trachtenfest in Schlik.

Schlik, 23. 6. Schlitz, das alte, romantische Städtchen der Burgen, des Schlitzer Leinen, des guten Bieres, der vorzüg­lichen Seifen und der schönen Fachwerkbauten erlebte mit dem Trachtenfest am Sonntag einen Tag der innigsten Bindung zwischen Stadt und Land, zwischen Volkstum und Volkstrach­ten, wie sie seit Jahren bereits im alten Schlitzerland besteht. Das alte Städtchen hatte Festschmud angelegt. Jeder Eisen­bahnzug brachte Scharen von Festbesuchern und Trachten­tragenden. Das wohl von 10 000 Personen aus nah und fern besuchte Fest hatte seinen Glanzpunkt in dem großen Trachten­festzug, in dem nahezu 50 Einzelgruppen die prächtigen Far­ben der guten alten Landbekleidung in mannigfaltigem Wechsel vor Augen führten. Nach Schluß des Zuges hielt Dr. Nie­poth eine Ansprache und bezeichnete den wohlgelungenen Tag als ein großes Zeichen der Verbundenheit von Schlitz, des Schlitzer Landes mit der Rhön, dem Vogelsberg und der Schwalm. Wer die Volkstracht ehre, ehre auch das Volkstum und die Heimatscholle. Der Schlitzer Reiterverein bot sodann wohleglungene Reitervorführungen. Trachtengruppen aus den 16 Dörfern des Schlitzer Landes führten Hochzeits- und Volks: tänze vor, und der weitere Nachmittag gehörte einem unge­bundenen, fröhlichen Volksfest, während der Festabend die Schlitzer Burg im Zauber der Beleuchtung erscheinen ließ.

meist hauchdünne Strümpfe und luftdurchlässige Schlüpfer, der Oberkörper durch den offenen Halsausschnitt dem frischen Luft­strom ausgesetzt. Eine solche Mode kann vom Standpunkt des Arztes nur unterstützt werden. Es ist nicht richtig, daß die Damen heute im allgemeinen zu leicht bekleidet gehen, denn die Gewohnheit hat sie gegen den Witterungswechsel abgehärtet und Erkältungskrankheiten kommen daher beim weiblichen Ge>

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