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Mittwoch, den 24. Dezember 1930.

Lokales.

Stille Nacht-

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heilige Nacht.

Ueber Stadt und Land, Fluv und Wald breitete sich segnend die heilige Nacht. Und von Kirchen und Domen läuten feierlich ernst die Weihnachtsglocken. In den Heimstätten der Menschen strahlen die Lichterbäume und glückliche Kinder singen das Lied von der gnadenbringenden Weihnachtszeit. Stille Nacht heilige Nacht.

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Kein Tag und keine Nacht im Jahre weiß von diesem heili­gen Frieden, als nur diese Nacht. Wer könnte da glauben, daß es gestern noch seindliche Brüder gab und daß morgen wieder der Kain den Abel erschlägt? Wer könnte glauben, daß dieser Weihnachtsfriede vielleicht morgen schon dem Unfrieden der Völker wieder weichen muß?-

Wahrlich, diese Weihnachten gibt Anlaß genug zu bitteren Betrachtungen. Fast wie Trotz gegen die rauhe Wirklichkeit klingt es aus den Weihnachtsliedern von Friede, Freude und Selig­feit. Oder ist es ein letztes Mahnen an diese Welt zurückzukehren zur Vernunft? Sollen wirklich alle Früchte einer tausend­jährigen Kultur schwinden wie Eis unter der Sonne? Kann es für unser deutsches Volk auch wieder einmal eine Weihnach ten geben wie in alter Zeit?

Dringt ganz hinein in jene stille, heilige Nacht und schöpft aus ihrer Weihe und ihrem Segen für die kommenden Tage. Die frohe Botschaft, die einst die Engel Gottes über die Fluren Bethlehems der ganzen Welt verkündeten, hörten nur die, deren Herzen sich sehnten nach Menschlichkeit, Gottesliebe und einer Menschheit mit gutem Willen. Und die sie hörten, denen gab diese Himmelsbotschaft Frieden mitten im Kampf der Welt, als ein Wunder über allen Wundern.

Dort, wo die Lichterbäume heute strahlen und man Weih­nachtslieder singt, da sollen wieder deutsche Heimstätten eines besseren Volkes werden, in der nicht der böse, sondern der gute Wille daheim iſt. Löscht die Kerzen aus, wo dieser gute Wille fehlt!

Unter dem Weihnachtsbaum ist schon manches inniges Band geschlungen worden und mancher Mensch, dem der Glaube und die Hoffnung geschwunden waren, hat sich durch fremde Liebe wieder aufgerichtet. Macht die Fenster auf und hört das feier­liche Läuten der Weihnachtsglocken! Tröstet und stärket euch unter dem deutschen Lichterbaum; segne Weihnacht auch den ärmsten Herd und bringe Frieden wieder unter die Menschen!- Im stillen Glück werdet ihr dann empfinden, die Weihe und den Segen dieser heiligen Nacht. Der Sonntagsschreiber.

*

Nebel.

Wie eine Haube liegt er über der Stadt. Grau, ins Bräun­liche hinüberspielend. Feuchtigkeit fällt, wenn sie die Haut be­rührt, sticht sie wie mit kleinen, spitzen Nadeln. Nur die nächste Nähe läßt sich sehen. Menschen, die schwarz und gespenstisch auftauchen. Wagen, die bleiche Lichter vorhalten wie leuchtende Fühler. Lampen schimmern wie stumpfe Lampions. Der Nebel erstirbt im Getöse der Straßen. Er tötet das Leben. Glaubst du nicht, in einer Totenstadt zu gehen?! Langsamer rückt alles heran, behutsamer, gedämpft und still. Draußen, vor der Stadt, hörst du das leis gewordene Keuchen der Lokomotiven. Sie schreien mit ihren Pfeifen wie verlassene, wunde, sehnsüchtige Tiere. Sie betten in das Grau eine schwarze Rauchfahne. Sie sinkt langsam auf die schwarze, nackte Erde. Ueber den toten

,, Gießener Zeitung"

Aeckern wallt der Nebel und webt und webt. In den Furchen hocken die Heren aus ,, Macbeth" und brauen das Unheil der Welt. Ein Rabe flattert, böse krächzend, auf einen Baum, der klagend seine Aeste zum Himmel reckt.

Von der Bezirkssparkasse.

Vor einigen Tagen fand unter dem Vorsitz des Direktors Za cheis die diesjährige Mitgliederversammlung der Bezirks­sparkasse Gießen statt. Aus dem Geschäftsbericht ist zu erwäh­nen, daß im Jahre 1929 die Entwicklung der Sparkasse als durchaus günstig zu bezeichnen ist. Die Spareinlagen weisen gegen das Vorjahr wiederum eine Zunahme von 2 457 000 RM. auf, sie sind von rund 9 385 000 RM. auf 11 842 000 RM. ge= stiegen. Im Kontokorrentverkehr erfuhren die Debitoren eine Zunahme von 89 263 RM. Der Umsatz im Sparverkehr betrug rund 11 000 000 RM., der Umsatz im Giro-( Kto.- Korr.-) Verkehr betrug im Berichtsjahr in 158 333 Posten 55 752 498 RM. Gegen das Vorjahr war also eine Steigerung von über 10 Millionen RM. zu verzeichnen. Der Gesamtumsatz betrug 147 385 939 RM, erhöhte sich also gegen das Vorjahr um 29 182 821 RM. Die Bilanzsumme stieg von 12 097 996 RM. auf 14 280 316 RM., sie hat sich somit gegen das Vorjahr um 2 182 350 RM. erhöht. Die Rechnung schließt mit einem Rechnungsrest von 343 633 RM. Die Ausleihungen im Hypothekengeschäft erfuhren eine Zunahme von über 1 400 000 RM., sie betrugen Ende 1929 4 146 000 RM., während die Darlehen an Gemeinden und öffent­liche Körperschaften um 1 Million RM, gestiegen sind. Der Reingewinn betrug nach allen Abschreibungen 100 516 RM. Die Versammlung beschloß, entsprechend einem Vorschlag des Vorstandes und Aufsichtsrates, aus dem Reingewinn einem Fonds für eine anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Sparkasse zu errichtende Stiftung 30 000 RM. zu wohltätigen Zwecken zu überweisen und den Rest der Rücklage zuzuführen. Genehmigt wurden ferner der Voranschlag über die Verwal­tungskosten für 1931, sowie die vorliegenden Aufwertungsrech­nungen für 1924-28 und 1929. Durch Verfügung des Herrn Mi­nisters des Innern ist der endgültige Aufwertungssatz für die bei der hiesigen Sparkasse eingelegten alten Spareinlagen auf 21,6 Prozent des Goldmarkwertes festgesetzt worden.

* Weihnachtsverkehr beim Zollamt. Die Amtsräume des Hauptzollamtes sind am ersten Feiertage, vorm. von 10-11 Uhr, zur Abfertigung von aus dem Ausland eingegangenen Weih­nachtspostpaketen geöffnet.

* Neue Zwanzigmarkscheine. Die Reichsbank hat neue No­ten im Werte von 20 Reichsmark in den Verkehr gebracht; spä­ter folgen weitere Noten im Betrage von 10, 50, 100 und 1000 Reichsmark. Die 20- Mark- Note trägt auf der Vorderseite das Bildnis Werner von Siemens, auf der Rückseite den stilisierten Kopf eines Arbeiters.

* Von der Universität. Es habilitierten sich in der Theo­logischen Fakultät: Pfarrer Lic. Dr. phil. Paul Schütz; in der Medizinischen Fakultät Oberarzt Dr. Walter Rauh, Oberarzt Dr. Heinrich Roßenbeck, Oberarzt Dr. Werner Schopper.

* ,, Hindenburghaus". Der aus Mitteln des Reiches, des hessischen Staates, der hessischen evangelischen Landeskirche, der Provinz Oberhessen, der hessischen Kreise, der Stadt und der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft sowie zahlreicher Privatpersonen und industrieller Unternehmungen mit einen Kostenaufwand von rund 500 000 Mark geschaffene Bau des neuen Studentenhauses ist seiner Bestimmung übergeben worden.

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Gerüchte um die Kreisneneinteilung in Hessen. Darmstadt. Zu einer von Schotten ausgehenden Meldung, daß die Absicht, drei hessische Kreise aufzulösen, fallen gelassen worden sei, erläßt der hessische Innenminister folgendes klassi­sche Dementi: ,, Ueber die Auflösung hessischer Kreise waren Er­wägungen der Regierung im Gange, die bis jetzt in keiner Weise zum Abschluß gekommen sind. Wenn in der Oeffentlich­keit Namen einzelner Kreisämter genannt wurden, die angeb­lid; aufgelöst werden sollten, so konnte es sich daher nur um Vermutungen handeln. Ebenso kann es nur eine Ver­mutung, sein, wenn jetzt das Gerücht geht, daß die Absicht der Aushebung von Kreisämtern fallen gelassen worden sei."

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Altenkirchen. Bei Holzarbeiten im Wahlroder Gemeinde­wald wurde der Landwirt Ehlden aus Wahlrode von einem um­stürzenden Baum getötet.

Vom historischen Palais zum Geschäftshaus. Kassel, 23. 12. Das v. Griesheimsche Palais in de: oberen Königstraße 41 mit in die Decken und Wände eingelassenen Originalgemälden von Nahl wurde am Dienstagmittag auf dem Amtsgericht zu Kassel im Zwangsversteigerungsverfahren an ein Kasseler Konsortium für 466 000 Mark versteigert. Das Konsortium beabsichtigt dieses unter Denkmalsschutz stehende historische Gebäude zu modernen Geschäftsläden umzubauen und außerdem den 5854 Quadratmeter großen Garten in der Haupt­verkehrsstraße auszuwerten. Das Palais hatte vor dem Kriege eine Schätzungstage von 1,6 Millionen Mark.

Bad Reichenhalt. Sonntagnacht wurde eines der größten bayrischen Sägewerfe, das im Stadtteil St. Zeno gelegene Unter­nehmen Frizer mit sämtlichen Maschinen und Inventar ein Raub der Flammen. Der Schaden beträgt schätzungsweise eine Million Reichsmark.

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