Samstag, den 24. Mai 1930.
zu einem recht ansehnlichen Keiler mit Respekt einflößenden Hauern entwidelt. Es ist interessant, die sonst so scheuen nt, die Tiere aus nächster Nähe beobachten zu können.
Beim Winken aus dem Zuge schwer verunglückt. Hirschhorn, 22. Mai. Als in der Nähe von Hirschhorn der 25 Jahre alte Rheinschiffer Weyrauch aus Eberbach vom Zuge aus einem Bekannten zuwinkte, wurde ihm durch einen vorbeifahrenden Schnellzug( aus Würzburg) der eine Arm, und zwar leider der rechte, vom Ellenbogen ab weggerissen und auf das Gleis geworfen. Die Braut des Verunglückten war Zeuge des gräßlichen Geschehnisses.
Deutscher Aerztetag in Kolberg.
Alljährlich in der letzten Juniwoche versammeln sich die ärztlichen Spitzenverbände zu einer Jahrestagung und zwar in diesem Jahr im Ostseebad Kolberg. Zunächst wird sich der|
Der Mißbrauch der Krankenkaffen. Wenn das deutsche Volk jett, zum ersten Male nach dem Zusammenbruch, entschlossen den Versuch unternimmt, sein Haus in Ordnung zu bringen, so darf dabei natürlich eine gründliche Reform unserer Sozialbersicherung nicht fehlen, die unseren Haushalt mit ständig steigenden Ausgaben belastet und durch die übermäßige Ausdehnung des von ihr erfaßten Personenkreises wie durch Anreizung zu allerhand im System liegenden Mißbräuchen die Arbeitsmoral der Nation untergräbt. Das gilt neben der Arbeitslosenversicherung, die im letzten Jahre ja die öffentliche Aufmerksamkeit besonders intensiv beschäftigt hat, vor allem von der Krankenversicherung. Die von Kranfenkasser und Versicherungsbehörden veröffentlichten Statistiken über das Ergebnis von ärztlichen Nachuntersuchungen frankgeschriebener Arbeitnehmer sprechen in dieser Hinsicht eine überaus deutliche Sprache. So wurden, wie die Denkschrift deutscher Arbeitgeberberbände über die Reform der Sozialversicherung mitteilt, bei einer Krankenkasse in Mitteldeutschland 4319 Patienten zur Nachuntersuchung bestellt. Von diesen meldeten sich nach angeordneter Nachuntersuchung vorher 1116 Patienten arbeitsfähig; 986 Patienten wurden bei der Untersuchung arbeitsfähig befunden; 238 Patienten erschienen überhaupt nicht zur Nachuntersuchung und nur 1348 Patienten wurden als arbeitsunfähig erklärt, 102 zur Krankenhausbehandlung, 529 zu Erholungskuren vorgeschlagen. Von den 4319 zur Nachuntersuchung bestellten Personen, die sämtlich als arbeitsunfähig geschrieben waren und Krankengeld bezogen, verblieb also bei der Nachuntersuchung nur der geringere Teil, nämlich 1979 Patienten arbeitsunfähig, bei dem größeren Teil wurde festgestellt, daß er zu Unrecht die Leistungen der Krankenkasse bezogen hat. In einer westdeutschen Krankenkasse haben sich von insgesamt 609 zur vertrauensärztlichen Nachuntersuchung vorgeschlagenen Patienten nicht weniger als 242 sofort gesund gemeldet oder auf Erscheinen überhaupt verzichtet; 174 sind vom Arzt erwerbsfähig befunden worden, 31 wurden zur Beobachtung dem Krankenhaus überwiesen und nur 154 oder 35% der Vorgeladenen waren wirklich arbeitsunfähig, d. h. sie bezogen zu Recht die Leistungen der Kasse. Aehnlich sind die Ergebnisse des Landesverbandes braunschweigischer Kranfenfassen Hier wurden von den Vorgeladenen nur 35% als arbeitsunfähig erkannt.
Es liegt
im Interesse des deutschen Volkes und gerade im Interesse der deutschen Sozialversicherung selbst, daß diese Zustände mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft werden, umsomehr als auch das Ausland be
,, Gießener Zeitung"
Hartmannbund, die wirtschaftliche Organisation der Deutschen Aerzteschaft, mit der bevorstehenden Gesezesnovelle zur Reichsversicherungsordnung befassen. Arbeitgeber, Krankenkassen und andere Interessenten haben schon ihre Wünsche geäußert. Nunmehr werden auch die Aerzte, die unentbehrlichen Mitarbeiter der deutschen Sozialversicherung, dazu Stellung nehmen. Sodann wird sich der Deutsche Aerztevereinsbund, die allgemeine Standesorganisation mit den Fragen der medizinischen Ausbildung und der Abänderung der ärztlichen Prüfungsordnung beschäftigen. Die leitende Absicht dabei ist, wie man den tüchtigen Allgemeinarzt mit einer guten Ausbildung auf allen Gebieten schaffen kann, ohne dieses Ziel durch eine zu eingehende Spezialisierung schon während des Studiums zu gefährden. Des weiteren wird die Frage der öffentlichen Gesundheitsfürsorge erörtert werden.
ginnt, diese Borgänge mit der Wachsamkeit zu beobachten, zu der schließlich ein Gläubiger seinem Schuldner gegenüber eine gewisse Berechtigung hat. Insbesondere beschäftigt sich die medizinische Fachpresse Frankreichs zurzeit sehr lebhaft mit der Nüglichkeit oder Schädlichkeit der obligatorischen Krankenversicherung unter Hinweis auf deutsche Beispiele. Der frühere Doyen der medizinischen Fakultät der Universität Straßburg, Dr. Weiß, äußert sich hierzu ausführlich im Pariser Temps Nr. 24949 und weist unter Anführung zahlreicher Beispiele und städtischer Erhebungen auf die Mißbräuche hin, die nach ihm zugegangenen Berichten in Deutschland bei den Krankenkassen vielfach getrieben würden. Er kommt dabei zu folgenden Schlußbemerfungen: Ich habe die Wahrnehmung gemacht, daß viele Personen, die in der Oeffentlichkeit für die Kranfenfassen eintreten, sich in Privatgesprächen viel zurückhaltender äußern und freimütig zugestehen, daß die Krankenkassen wohl das stärkste Antriebsmittel zur Unehrlichkeit darstellen, das man je ersonnen." Wenn das Wissell'sche Wort von der Weltgeltung deutscher Sozialpolitik" wirklich Wahrheit werden soll, so muß hier Abhilfe geschafft werden.
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Der Apfel als Heilmittel.
In der Krankenküche und in der Kinderernährung hat sich der Apfel einen angesehenen Plaz erobert. Seine vielfache Verwendungsmöglichkeit und leichte Verdaulichkeit, vor allem aber der erfrischende appetitanregende Geschmack machen ihn zum unentbehrlichen Bestandteil jeder neuzeitlichen Diät. Sein Vitamingehalt, seine Mineralstoffe ergänzen die unzulänglichen Mehlund Kartoffelspeisen glücklich. Vor allem sind Aepfel durch den großen Gehalt an Arsen und Phosphor besonders bei Bleichsucht und Blutarmut sehr zu emp= fehlen. Infolge seines Phosphorgehaltes wirkt der Apfel anregend auf das Hirn. Daher sollen Kopfarbeiter bei eintretender Ermüdung solche Früchte zu sich nehmen. Sie enthalten in der Tat Aufbausalze. Auch den Gichtikern kann ein reichlicher Genuß von Aepfeln ge= raten werden, da der Saft infolge seines Basengehaltes den Abtransport von Harnsäure begünstigt und die Ablagerung verhindert. Heute schaltet man ganze Apfelkompottage in den Diätplan zahlreicher Stoffwechselfrankheiten ein. So hat Jagie, Wien, mit wöchentlich 2-3 Kompottagen bei Nierenentzündung, Wassersucht und Herzinsuffizienz sehr schöne Erfolge erzielt. Er läßt 1,5 Kilogramm Aepfel roh und geschält gewogen in üblicher Weise als Kompott zubereiten und mit soviel Zucker süßen, wie der Patient, ohne Widerwillen
Polflug 1931 unter neuer Führung.
Nr. 41.
In Oslo teilte der Berliner Professor Georg Wegener, der an der Beisetzungsfeier für Fridtjof Nansen teilnahm, Pressevertretern mit, daß der Polflug des Luftschiffes„ Graf Zeppelin", der für das nächste Jahr vorgesehen ist, nunmehr statt von Fridtjof Nansen von Kapitän Sverdrup geleitet werden solle.
Ein Mekkadampfer in Flammen.
Paris. Jm Roten Meer geriet der französische MekkaPilgerdampfer, Asia" in Brand und verbrannte vollkommen, trotzdem auf drahtlose Hilferufe eine Reihe von anderen Schiffen zur Hilfe herbeigeeilt sind. 500 türkische und asiatische Mekka- Pilger werden vermißt.
Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.
gegen den Genuß zu bekommen, vertragen kann. An den übrigen Tagen kann die Kost liberaler sein.
Einzelne Mahlzeiten, durch Aepfel ersetzt, oder auch ein wöchentlicher Apfeltag in den Diätplan des Fettleibigen eingeschaltet, können wirkungsvoll die Entfettungstur unterstüßen. Anstelle der früher so beliebten und rigorosen Hungerkuren kann ohne Bedenken der Apfel, roh und ungesüßt, in unbeschränktem Maße gestattet werden. Er füllt und sättigt und befriedigt den Geschmackssinn, ohne kalorisch in die Wagschale zu fallen. Sein Zellulosegehalt wirkt der bei Mehl-, Milch-, Eier- und Fleischgerichten leicht eintretenden Darmträgheit wirkungsvoll entgegen. Vielfach ist die Ansicht verbreitet, daß das Kerngehäuse nicht mitgegessen wer= den dürfe. Das ist aber irrig; denn gerade die im Kerngehäuse enthaltene Kieselsäure dient zum Aufbau der Haare und Zähne und erhöht, wie neuere Untersuchungen lehren, die Widerstandsfähigkeit der Gewebe, besonders der Lunge.
Wir können unseren Zähnen keine größere Wohltat erweisen, als daß wir möglichst viel und möglichst regelmäßig Aepfel essen. Beim Kauen werden die genannten Fruchtsäuren frei und gelangen in die tiefsten und verborgensten Spalten der Zähne, wohin auch die beste Zahnbürste nicht kommt. Durch dieses Eindringen der Fruchtsäuren in die kleinsten Lücken und Zwischenräume werden die Zähne von den Fäulniserregern, welche die Zahnkrankheiten verursachen, gründlich gereinigt, während gleichzeitig das Fleisch der Früchte wie eine Zahnbürste wirkt, indem es die klebrigen Stoffe, welche an den Zähnen bei Mehlnahrung und Süßigfeiten haften bleiben und durch Gärung und Säurebildung den Zahnschmelzerstören, hinweggescheuert. Die aus alter Erfahrung hervorgegangene Sitte und Gewohnheit, nach den Mahlzeiten Aepfel zu essen, ist daher vom physiologischen Standpunit aus als richtig und zweckmäßig zu bezeichnen. Die in dem Apfel, wie überhaupt in den Früchten vorhandenen Nährsalze bieten dem Organismus die Stoffe, die für den Aufbau der Zähne notwendig sind. Südländische Naturvölker, die in der Hauptsache von Obst und Früchten leben, haben durchweg vorzügliche Zähne; Zahnstein Fäule und Hohlwerden der Zähne und andere Zahnkrankheiten der Kulturvölker sind bei ihnen so gut wie unbekannt.
Aus allen diesen Gründen ist auch der Apfel, den wir das ganze Jahr hindurch in seinen verschiedenen Sorten zur Verfügung haben, eine ausgezeichnete Zugabe zu dem Frühstück unserer Schulkinder. Er ist ein bewährtes Mittel gegen alle förperlichen Anstedungsgefahren, wie schon das aus Amerika bekannte Sprichwort sagt:„ Der tägliche Apfel verscheucht den Arzt."
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