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Samstag, den 23. August 1930.

borgene ungedroschene Ernte teils durch Feuer, teils durch Wasser völlig vernichtet worden. Der Feuerwehr gelang es, die Wohnhäuser der Nachbarschaft vor den Flammen zu schützen.

* Vom Schöffengericht. Ein Reichsbahnbetriebsassistent in Bad Nauheim hatte bedeutende Geldbeträge in Friedberg in Empfang genommen, die zur Auszahlung an Darlehensnehmer des Eisenbahn- Spar- und Vorschußvereins in Frankfurt bestimmt waren. Diese Gelder hat er aber nicht ihrer Bestimmung zu­geführt, sondern sie für sich verwendet. Deshalb stand er jetzt als Angeklagter wegen Unterschlagung vor dem Schöffengericht, das ihn in Anbetracht des starken Vertrauensbruchs auf sechs Monate ins Gefängnis schickte.

* Morgen Nachmittag findet auf der Liebigshöhe ein Ehrensingen der Gauvereine des Sängergaues Gießen Stadt und Land im hessischen Sängerbund statt.

* Der Lehrernachwuchs in Hessen. Die Zahl der Lehrer­studenten beträgt im Sommersemester 1930 insgesamt 385, da= runter 92 weiblich Studierende. Das Pädagogische Institut in Darmstadt zählt 199, das in Mainz 186 Besucher. Von den Studierenden sind 314 Hessen, 71 Nichthessen. Nach dem Be­fenntnis sind es 299 evangelische, 150 katholische, 4 freireli­giöse und 2 israelitische Studierende. Ihre Vorbildung erhiel­ten auf dem Gymnasium 21, der Oberrealschule 195, der Aufbau­schule 62, auf Studienanstalten 57 Besucher.

* Parkende Autos brauchen von jetzt ab im ganzen Deut­schen Reich keine eigene Beleuchtung mehr, wenn sie in der Nähe einer zuverlässigen fremden Lichtquelle stehen und das hintere Kennzeichen auf 15 Meter Entfernung noch deutlich sichtbar ist. * Die nächste landwirtschaftliche Lehrlingsprüfung findet im Oktober in Darmstadt statt. Anmeldungen bis 15. September.

Gießener Zeitung"

Darmstadt. Das Polizeiamt Darmstadt hat Versammlungen und Kundgebungen unter freiem Himmel, ebenso Umzüge, Aus­züge, Durchmärsche und jedes Marschieren in geschlossenen Grup­pen in der Stadt Darmstadt von 8 Uhr abends ab bis> Ahr früh wegen Gefahr für die öffentliche Sicherheit verboten.

Rüsselsheim. Wie uns mitgeteilt wird, hat sich bei der Adam Opel A.-G. der Absatz so günstig entwickelt, daß das vorgesehene Fabrikationsprogramm erweitert werden mußte. Die Werke be­schäftigen zur Zeit 6169 Arbeiter und Angestellte. Die Gerüchte über die bevorstehende Entlassungen von 1000 oder gar 2000 Ar­beitern entbehren angesichts der günstigen Entwicklung jeder Grundlage.

* Preisherabsetzung für Konserven. Am 20. August fand im Schutzverband der deutschen Konservenindustrie die Nachkalkula­tion für Bohnen sowie für die noch zu erledigenden Früchte und Gemüse statt. Neue Preise sind nunmehr für 1930 verabschiedet. Wie auch bereits bei Konserven und Erbsen, so ergaben sich be= sonders infolge der niedrigeren Rohwarenpreise für die Boh­nen gleichfalls Einsparungsmöglichkeiten. Des ferneren konnten bei den Gemüsen die Preise für Karotten, Spinat, Kohlrabi und Sellerie gesenkt werden, während auch Früchte, Aprikosen, Edel­pfirsiche, Reineclauden, Birnen und Preißelbeeren im Preise ermäßigt wurden.

Aus Nah und Fern.

Gau Algesheim. Weil er Separatist gewesen sein soll, wur­den einem Kaufmann schon zum wiederholten Male 150 Wein­stöde abgeschnitten.

Frankfurt a. M. Die Hellerhof A.-G. wird demnächst zur Be­kämpfung der Arbeitslosigkeit mit der Errichtung von 400 Neu­wohnungen beginnen.

Aus dem Niddetal. Im Anschluß an das Bergen der letzten Hafergarben hat in Wochenmitte die Grummeternte eingesetzt. Sie liefert erwartungsgemäß einen reichen Ertrag. Infolge­dessen ist der Heupreis stark gesunken. Man zahlt jetzt nur noch 2 Mark pro Zentner. In Fachkreisen rechnet man mit einem weiteren Sinken des Preises. Trotzdem finden Verkäufe statt. Der Plazmangel zwingt zur Abgabe. Es ist schwer, den Vieh­stand zu vergrößern. Rinder und Kühe stehen infolge der starken Nachfrage hoch im Preise, und das zum Ankauf nötige Betriebs­kapital ist kaum vorhanden.

Kassel. Wie das Nachrichtenamt bekannt gibt, wird das Luftschiff Graf Zeppelin" Kassel am Mittwoch, dem 3. Sep­tember, besuchen. Es ist je eine Landung am Vormittag und am Nachmittag vorgesehen.

Bad Nauheim. Der amerikanische Zeitungsverleger Ran­dolph Hearst ist hier mit einem Stab seiner Mitarbeiter zu kur­zem Kuraufenthalt eingetroffen.

Kassel. Durch einen Zufall ist man im Betriebe des städti­schen Flußbades finanziellen Unregelmäßigkeiten auf die Spur gekommen, als deren Urheber der Leiter des Bades, der sozial­demokratische Stadtverordnete Jean Collet, ermittelt wurde. Collet ist sogleich fristlos aus dem Dienst der Stadt entlassen worden und mußte auch sein Stadverordnetenmandat nieder­legen.

Aschaffenburg. In Groß- Ostheim sind am Freitag früh durch ein Großfeuer die Werkstätten und Hallen des Zimmermeisters Peter Anselm Kapraum eingeäschert worden. Die Feuerwehr konnte nur die Sicherung der Wohnräume übernehmen.

Aisfeld. In dem Orte Groß- Felda wurde gestern die Schürze eines neun Jahre alten Mädchens, das sich am Herd zu schaffen machte, von Flammen ergriffen, die sich so rasch ausbreiteten, daß die Kleidung des Kindes im Nu lichterloh brannte. Das be= dauernswerte Mädchen lief brennend im Hause und Hofe herum, bis einige Nachbarsleute aufmerksam wurden und die Flammen erstickten. Jedoch war das Kind am ganzen Körper schwer ver­brannt. In sehr ernstem Zustande mußte es dem hiesigen Kran­fenhaus zugeführt werden.

Nr. 67.

teten Regen, haben sich neben dem Grünland auch die Hack­früchte so leidlich erholt. Dabei läßt sich, wie bei ähnlichen Trdenperioden früherer Jahre, immer wieder die Beobachtung machen, daß gut ernährte Pflanzen eine Zeit großer Dürre nicht nur leichter überstehen als schlecht ernährte, sondern sich dann auch wieder rascher erholen. Diese Tatsache findet ihre Erklärung in dem weit verzweigteren Wurzelsystem der Pflanze und in den angesammelten Reservenährstoffen der ober- und unterirdischen Organe. Solche Beobachtungen der diesjährigen Witterung muß sich der vorwärtsstrebende Landwirt für die Ernte des kommen­den Jahres zu Nutze machen.

Rom. Calabrien und die Provinz Cantazare sind in der letzten Nacht von einem leichten Erdbeben heimgesucht worden. In dem vom Erdbeben betroffenen Ortschaften bemächtigte sich der Bevölkerung eine Panik, alles stürzte aus den Häusern her­aus auf die Straßen und verbrachte die Nacht im Freien. Todes= opfer sind nicht zu beklagen, da die Erdstöße keinerlei Schäden verursachten.

Vilbel. Dem Gastwirt A., der für die Tage des Vilbeler Marktes die Bayerische Bierhalle auf dem Festplatz gemietet hatte, wurden auf bis jetzt noch unaufgeklärter Weise 1000 Mark aus der Kasse entwendet.

Darmstadt. Die Darmstädter Herbstmesse fällt dieses Jahr in die Zeit vom 28. September bis 7. Oktober; sie wird auf dem Merdsplay am Hallenschwimmbad stattfinden. Die Plätze für die Verkaufsmesse werden am 1. September öffentlich meiſt­bietend versteigert.

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Sofort

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Die Zeiten, so zu wirtschaften, wie es Vater und Großvater in der ,, guten alten Zeit" gemacht haben, sind vorbei. Der Land­wirt von ,, heute" muß wirtschaftlich und rationell arbeiten, sonst tommt er nie und nimmer auf einen grünen Zweig. nach dem Abernten wird er das Land leicht schälen Zentimeter tief genügen nach der alten Bauernregel: ,, Der Pflung soll am Erntewagen hängen." Das kann sogar noch ge­schehen, solange das Getreide noch in Hocken steht. Man fährt mit dem Schälpflug, Kultivator oder Grubber durch die Reihen, um das Land aufzureißen.. Der Zweck dieser Verrichtung ist ohne weiteres klar. Jm Boden haben sich haarfeine Kanälchen gebildet, durch die Wasser an die Oberfläche steigen kann, um hier natürlich zu verdunsten. Die trodene Krume wirft wie ein Fließpapier, das immer wieder Feuchtigkeit von den unteren Schichten nach oben saugt, sodaß der Boden tief austrocknen muß. Durch das Lockern aber werden diese seinen Haarröhrchen zerstört. Das Wasser kann nicht mehr aufsteigen und jetzt ,, iso­liert" die obere Schicht das Darunterliegende. Das durch den Regen in den gelockerten Boden eindringende Wasser wird auch dann viel leichier festgehalten. Diese Regelung des Wasserhaus­haltes ist für das Keimen und die erste Wachstumsperiode der Herbstsaat von großer Wichtigkeit.

Französisches Flugzeugmanöver über deutschem Gebiet. Kehl. Wie nunmehr bestätigt wird, wurde am Mittwoch ein französisches Flugzeuggeschwader, bestehend aus sechs Flug­zeugen, beobachtet, das über der Stadt Kehl seine Uebungen abhielt und dann weiter in Richtung Appenweier badisches Ge­biet überflog.

Ein Gesetz für die Dienstboten.

Seit längerer Zeit schon ist der Entwurf eines ,, Gesetzes über die Beschäftigung im Haushalt" ausgearbeitet und er ist jetzt vom Reichsarbeitsminister nach Zustimmung des Reichs­rates dem Reichstag vorgelegt worden.

Unter den Gefeßentwurf fallen alle Arbeitnehmer, die im Haushalt mit hauswirtschaftlichen Arbeiten oder persönlichen Diensten gegen Entgelt oder zum Zwecke der Berufsausbildung beschäftigt werden. Es fallen also darunter Dienstboten, Köche usw. Nach dem Gesetzentwurf können an Sonn- und Festtagen nur laufende Arbeiten verlangt werden. Der Urlaub muß in den beiden ersten Jahren, wenn das Arbeitsverhältnis ununter­brochen 9 Monate gedauert hat, mindestens 1 Woche, in den folgenden Jahren mindestens 2 Wochen betragen.

Der Gesezentwurf enthält außerdem andere ausführliche Bestimmungen über den Inhalt des Dienstvertrages.

Schwierig wird es sein, festzustellen, wer unter das Gesetz fällt, weil viele Dienstboten usw. nur teilweise mit Haushal tungsarbeiten beschäftigt sind.

Winke für die Herbstbestellung.

Von Landw.- Lehrer Dr. P. Lieb.

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Bom Standpunkt der Fruchtfolge aus wäre eine Bestellung des Wintergetreides nach Hackfrucht meistens das Richtige. Da diese aber das Feld sehr spät räumt, ist dies nicht immer durch­führ bar, besonders in Gegenden mit rauhen Lagen. Soweit nicht umgebrochene Kleeschläge oder Felder, auf denen Frühkartoffeln standen, für die Wintersaat in Frage kommen, folgt meist Win­tergetreide auf Sommerfrucht. Der daher etwas beraubte Boden muß bezüglich der Nährstoffe aufgefrischt werden. Bei Böden, die im Vorjahre reichlich mit Stallmist gedüngt wurden, genügt cine leichte Stidstoffgabe von 40 bis 60 Pfund Kalfsalpeter pro Morgen bei der Bestellung gegeben. Böden jedoch, die auch Rali- und Phosphorsäure- bedürftig erscheinen, gebe man Nitro­phoska III; auf leichten Böden, besonders in klimatisch ungün­stiger Lage mit frühen Wintern, 50 bis 80 Pfund pro Morgen, während die viel kräftigeren Böden Mittel- und West- Deutsch­lands die insgesamt zugedachte Düngermenge, bereits im Herbst gegeben, am besten verwerten. Diese Maßnahme der Herbst­düngung ist unerläßlich, damit das Getreide genügend gekräftigt in den Winter kommt.

Des Landwirtes schönste aber auch arbeitsreichste Zeit ,, die Ernte" hat begonnen. Der größte Teil der Halmfrüchte ist be= reits unter Dach und Fach. Durch den, wenn auch etwas verspä­

für Familien, Vereine und Behörden wie

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Reichsfinanzmin Berlin, an der G Selampfung der A Bitlichaft stehen.

Die durch den D30 errichtete Ditit In einer Sigun rach fig Reichsjuj ranenminifterium g Reichsarbeitsmi Fijgen Arbeitsmini prechung über die September nach Lo beantwortet.

Der Roggen verlangt bekannterweise einen gesetzten Boden, d. h. Die Saat sollte je nach der Schwere des Bodens erst 2 bis 3 Wochen nach dem Tiefpflügen eingedrillt werden, sonst besteht leicht Gefahr des Auswinterns. Daß das Saatgut nach jeder Hinsicht einwandfrei sein muß, ist selbstverständlich; denn ,, wie die Saat, so die Ernte."

Neue Bücher.

Grod erzählt sein Leben! Grod hat die Sommerpause dazu benutzt, die Erinnerungen seines in tausend Berufen hart ge= sottenen Lebens lebendig zu machen und den Tasten seiner Schreibmaschine anzuvertrauen ,,, wie er wurde": wie er Uhr­macher war, Aufwäscher, Erzieher, Ausgeher, Kindermädchen, Klavierstimmer, Reisender, Tausendkünstler und Hansdampf in allen Berufen und wie er, Grock, die Sensation aller Erdteile wurde. Es wäre schwer, einen Biographen für ihn zu finden, wenn er nicht selber die Niederschrift seines Lebens in die Hand genommen hätte. Keine Apotheke wird ein besseres Mittel gegen Trübsal verschreiben können als diese, jetzt in der ,, Münchner Illustrierten" erscheinende Lebensgeschichte Grods, erzählt vont Grock!

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