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Nr. Samstag, den 22. November 1930.

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Lokales.

Sonntagsgedanken.

Am Himmel droben löscht eine unsichtbare, allmächtige Hand Stern um Stern aus und führt die Sonn' aus ihrem Zelt". Die Nacht weicht dem Morgen, der einen neuen Tag der Welt verkündet. Jm frühen Sonnenglanz erglüht der Bergwald und über das Wiesental huschen die letzten Schleier der Nacht. Echö­- es ist ja Sonntag, ner wie sonst geht die Sonne auf Vom Tal herauf fünden es die Sonntagmorgen! Glocken und das Kirchlein auf dem Berg läutet es mit: Sonn­tag ist's. Noch ist es früh am Morgen. Heilige Sonn­tagsstille liegt über den Straßen und Gassen. Komm, laß uns heute noch einmal wandern, ehe der Winter tommt und seinen weißen Teppich über die Erde breitet. So wie die Sonne leuch= tet, so hell soll es in unseren Herzen heute sein und nicht an Rot und Sorgen wollen wir heute denken. Nur an das, war wir sehen. Denn auch der Herbst ist ein Blatt aus dem großen Bilderbuch, das uns Menschen der Herrgott gegeben hat. Und darum wollen wir auch an ihn denken. Unser Weg führt uns ja durch den Tannenwald hinauf zu dem Kirchlein oben am Berg. Auch im Herbst wandelt die Allmacht über die Erde.

Heilige Sonntagsstille liegt über dem Tannenwald. Durch die Kronen schaut Gottes Sonne. Und der, dem sie bis ins Herz hinein leuchtet, fühlt auch hier, gleich wie im hohen Dome, die Nähe dieser Allmacht.

,, Der liebe Gott geht durch den Wald." Wie schön sagt das doch der Dichter:

,, Die Quelle, die ihn kommen hört, Hört ihr Gemurmel auf sogleich, Auf daß sie nicht die Andacht stört, So groß, so weit im Waldbereich.

Die Bäume denken, nun laßt uns senken, Vor'm lieben Herrgott das Gezweig."

,, Die Vöglein, wenn sie aufgewacht, Sie ahnen auch den Herrn alsbald, Und schütteln rasch den Schlaf der Nacht Sich aus den Augen mit Gewalt. Und singen leise, ringsum im Kreise: Der liebe Gott geht durch der Wald." Der Sonntagsschreiber.

Hochwasser.

Erhebliche

Infolge der anhaltenden Regenfälle ist die Lahn und die Wiesed seit gestern früh sehr stark gestiegen und haben Wiesen und Gärten in weitem Umfange überschwemmt. Wassermengen kommen vom Westerwald und Vogelsberg. Aber auch die anderen Täler unserer näheren Umgebung, wie das Wetter- und Ohmtal, gleichen großen Seengebieten.

Kündigungen in der Tabatindustrie.

Einer ganzen Reihe von kaufmännischen und technischen An­gestellten der oberhessischen Zigarrenfabriken wurde im Hinblick auf die mit Sicherheit zu erwartenden vernichtenden Folgen der neuen Tabakzollvorlage der Reichsregierung zum 31. Dezember dieses Jahres gekündigt. Unter den betroffenen Angestellten befinden sich Leute, die schon seit vielen Jahren in den Be­trieben tätig sind. Die Inhaber der Zigarrenfabriken rechnen damit, daß unmittelbar nach Weihnachten die Betriebe infolge starten Konsumrüdgangs und angesichts der Fertigfabrikatvor­räte auf eine ganze Reihe von Monaten völlig zum Erliegen kommen werden und auch die ganze Belegschaft entlassen wer­den muß.

* Wandergewerbescheine und Legitimationskarten für 1931. Wandergewerbescheine und Legitimationsfarten gelten jeweils nur bis 31. Dezember. Zu Beginn des neuen Jahres häufen sich meistens auch die Anträge derart, daß sich die Ausfertigung der neuen Ausweise verzögert. Es erscheint daher unerläßlich, schon jetzt die Anträge auf Neuerteilung der Scheine zu stellen. Nur bei rechtzeitiger Antragstellung kann Gewähr dafür über­nommen werden, daß die Scheine bei Gebrauch zur Verfügung stehen.

* Handelskammer- Ersazwahlen. Gewählt wurden im Wahl­bezirk Gießen Stadt: Bankdirektor Grießbauer, Kaufmann No­wad, Fabrikant Poppe und Dr. Gail; Gießen- Land: Kaufmann­Rühl- Großen- Bused; Alsfeld: Kaufmann Zimm und Lauter­bach: Kaufmann Wenzel.

* Stadttheater. Morgen gelangt als Fremdenvorstellung zur Erinnerung an den vor 125 Jahren verstorbenen Friedrich v. Schiller dessen Trauerspiel ,, Kabale und Liebe" zur Auf­führung.

helm, des späteren Kaisers Friedrich 3., lesen wir über den Ueberfall bei Chatillon folgenden Eintrag: Garibaldianer, man sagt, von Riciotti angeführt, überfielen den Train des 10. Armee- Korps bei Chatillon sur Seine und brachten uns Ver­luste bei. Leider hat dabei Major von Alvensleben vom Regi­ment du Corps, Führer eines Reserve- Kavallerie- Regiments, sein Leben eingebüßt. Gewiß werden wir, je länger dieser heil­lose Krieg dauert, desto mehr empfindliche Nadelstiche dieser Art empfangen, was freilich niemand überraschen kann, da in> folge der Gambetta'schen Aufrufe sich das ganze Land gegen uns in Waffen erhebt und im Guerillatriege übt. Dadurch werden wir wieder genötigt, zu Vergeltungsmaßregeln zu greifen, die zu Grausamkeiten führen, obgleich solche unserem Volkscharaf­ter durchaus zuwider sind. Es ist trostlos, daß der Krieg diese Gestalt annimmt, und trotz aller unserer Erfolge noch kein Ende abzusehen ist."

Riciotti Garibaldi zog nach dem Ueberfall in Montbard ein wie ein römischer Triumphator. Eine dicht gedrängte Volks­menge empfing die Sieger mit jubelnden zurufen. Die Na­tional- Garde und die Feuerwehr bildeten Spalier. Eine Schai weißgekleideter Ehrenjungfrauen überreichte Garibaldi eine Fahne und der Vorbeimarsch der ,, Brigade" vollzog sich unter einem Blumenregen.

Der rasch und kühn geführte Handstreich wuchs im Volks­mund zu einer unerhörten Heldentat und entflammte alle Ge­müter. Das Franktireur- Wesen entfaltete in jenen Gegenden eine erstaunliche Kraft und Tätigkeit. Die deutschen Etappen. truppen und selbst Teile der Feldarmee hatten noch lange zu leiden unter den Nachwirkungen des Ueberfalls von Chatillon.

Leider läßt sich nicht leugnen, daß der Wach- und Siche­rungsdienst seitens des Detachements alles andere als vorbild­lich war. Am Abend des 18. Novembers wurde eine Husaren­Patrouille gegen Montbard, von woher man den Anmarsch Ga ribaldis erwartete, entsandt. Der Unteroffizier meldete sich mit seiner Patrouille um halb zwölf Uhr nachts zurück und gab an, daß er eine Meile weit vor geritten sei, aber nichts vom Feinde gemerkt habe. Die Meldung war falsch; es hat sich herausgestellt, daß der Unteroffizier, mit seinen Leuten nicht all­zuweit von der Stadt abgesessen war und in einem Bauernhause

,, Gießener Zeitung"

* Von der Straßenbahn. Morgen, zum Totensonntag, ver­kehrt die grüne Linie schon ab 10 Uhr vormittags bis zum Neuen Friedhof.

* Feierstunde. Morgen abend findet in der Stadtkirche ein Kirchenkonzert statt, das bei ganz ausgezeichneter Solistenbe­setzung vom Kirchengesangverein und Orchesterverein durchge­führt wird.

* Gedenkfeier. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen hält morgen nach­mittag auf dem Ehrenfriedhof eine Gedenkfeier.

* Bildungsverband der deutschen Buchdrucker. Jm Gewerbe­vereinshaus findet heute abend ein interessanter Vortrag statt mit dem Thema: die kleinschreibung als zeitproblem".

* Evangelischer Frauenverein. Die Evang. Frauenvereine Oberhessens halten Dienstagabend eine Versammlung im Café Leib ab. Pfarrer Probst- Frankfurt wird über Die Sünde der Gleichgültigkeit" sprechen.

* Goethe- Bund. Am kommenden Montag wird der bekannte Dichter Josef Ponten aus seinen Werken vorlesen. Der Vor­tragsabend findet in der neuen Aula statt.

* Oberhessischer Kunstverein. Die Weihnachtsausstellung ,, Künstlerhilfe" wird am Sonntag, dem 30. November 1930, er= öffnet. Die Ausstellung befindet sich im Ausstellungsraum des Kunstvereins, im Turmhaus am Brandplatz.

* Verein ehem. 116er. Am Samstag, den 22. November, abends 8.15 Uhr, findet im Postkeller" die Herbst- Generalver­sammlung statt.

* Baukunst- Ausstellung. Bis zum 23. November ist im großen Saale des Einhorn", am Kirchplatz, eine recht int essante Baukunst- Ausstellung.

* Weihnachtsbäume. Die Händler sind bereits auf der Suche nach Weihnachtsbäumen begriffen. In den Waldungen des Vogelsbergs, Westerwaldes und Taunus sind bereits größere Posten abgeschlossen. Für Weihnachtsbäume erster Klasse, über 3 Meter groß, ist die Taxe 1,60 Mark je Baum, für die 2. Klasse, über 2 Meter große Bäume, 1 Mark, für die 3. Klasse, über 1-2 Meter große Bäume, 0,60 Mark und für die 4. Klasse, Bäume bis zu einem Meter groß, 0,30 Mark. Die nicht uner­heblichen Hauerlöhne, Fuhr- und Eisenbahntransportkosten tre­ten noch hinzu.

* Feuchte Kleidung ist schädlich. Sie kann, wenn nicht rechtzeitig Abhilfe geschaffen wird, zu bedenklichen Erkrankun­gen führen. Das gilt namentlich auch für nasse Strümpfe. Schon Feuchtigkeitsmengen von annähernd 100 Gramm genü­gen, um dem Menschen Krankheiten zu bringen. Behält man gar vielleicht Stunden hindurch feuchte Kleidungsstücke am Leibe, dann braucht man kaum noch nach der Ursache zu fra­gen, wenn man unter Umständen schon ganz plötzlich von einer Krankheit befallen wird. Die kommenden Wochen und Mo­nate machen größte Vorsicht also zur ganz besonderen Pflicht.

* Aufgehobene Straßensperre.( Mitgeteilt vom Oberh. Auto­mobil- Club E. V.[ A. v. D.], Gießen.) Die Straßensperrung Altenburg- Brauerschwend im Zuge der Provinzialstraße Als= feld- Fulda ist ab 19. November 1930 aufgehoben..

Arbeitsgerichtstermine für reisende Kaufleute.

Gemäß einem Antrage des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands hat der Preuß. Justizminister in einem Erlaß vom 22. 8. 1930( I 1447) die Arbeitsgerichtsbehörden darauf hinge­wiesen, daß Termine in Sachen, an denen reisende Kaufleute beteiligt sind, tunlichst auf einen Montag oder Sonnabend ge= legt werden, damit die reisenden Kaufleute ihre Reise so ein­richten können, daß ihnen die Wahrnehmung des Termins ohne allzu große Opfer möglich ist. In ähnlichem Sinne haben sich auf die Eingabe die Justizministerien in Bayern, Sachsen, Mecklenburg- Schwerin, Baden, Thüringen und Hessen ge=

äußert.

Weihnachtsbitte der Nieder- Ramstädter Anstalten für Epileptische und Krüppel.

Am 17. Oktober 1900 ist die Anstalt für Epileptische in Nieder- Ramstadt eröffnet worden. Auf ein 30jähriges Bestehen darf sie also in diesem Jahr zurückblicken. 30 Jahre mit viel

Ohne

es sich bei Speise und Trank hatte wohl sein lassen. Die Feld­wache schenkte sich ebenfalls einen Teil des Dienstes Zweifel war den Leuten auch früher eingeprägt worden, daß Ueberfälle vorzugsweise im Morgengrauen ausgeführt werden. Ausdrücklich war der Feldwache noch anbefohlen, erst am hellen Morgen wieder einzurücken; sie kehrten aber schon bei völliger Dunkelheit in die Stadt zurüd. Von 5 Uhr Morgens an stan den an den Stadtausgängen nur noch die einfachen Posten der Innenwache. Unvorsichtigerweise war die Infanterie in der ganzen Stadt herum verteilt und bei den Bürgern einquartiert, zum Teil einzeln. Die Offiziere waren ebenfalls zum Teil ein­zeln untergebracht, zum Teil tamen sie in das Hotel de la Cote d'Or, den ansehnlichsten Gasthof der Stadt.

Der Kommandant der Schwadron, Rittmeister d'Hauteville, benahm sich etwas vorsichtiger. Auch für seine Reiter waren Er rückte jedoch nicht eher Einzelquartiere gemacht worden. ein, als bis einige größere Unterkunftsräume, im nördlichen Teile der Stadt, bereit waren; etwa 50 Husaren mit ihren Pferden kamen in einen Wagenschuppen am Westausgange der Stadt. Eine Abteilung von etwa 20 Mann unter dem Wacht­meister Timroth wurde in einem Stalle nahe dem Plate Mar­mont untergebracht. Der Rittmeister d'Hauteville hatte sein In der Nähe der großen Quartier im südlichen Stadtteil. Stallung wohnte kein Offizier. Der Major von Alvensleben vom Regiment der Gardes du Corps, der dem Husaren- Regi­ment als zweiter Stabsoffizier zugeteilt war, hatte sein Quar­tier im südlichen Stadtteil, derkommandant nahm seine Woh­nung im Schlosse am Nordende der Stadt.

Der im Morgengrauen durchgeführte Ueberfall gelang voll­fommen. Das Detachement des Obersten Letigau wurde übel zugerichtet. 70 Offiziere, 164 Mann und 76 Pferde fielen in die Hand der Franzosen, 3 Offiziere und 22 Mann waren tot oder verwundet.

Am schlimmsten tam die Kavallerie weg. Die Husaren im großen Stalle wurden vollständig überrascht. Ihre Schildwache hatte sich pflichtwidrig ebenfalls in den warmen Stall begeben und war allem Anschein nach eingeschlafen. So merkten denn die übel behüteten Reiter erst etwas von den Franzosen, als diese die Torflügel aufrissen und in den Stall hinein feuerten.

Nr. 93

Jammer und Elend, aber auch viel Hilfe, Liebe und Segen liegen hinter ihr. Stets waren die Weihnachtsfeste für ihre Schützlinge Höhepunkte ihres pflege und liebebedürftigen Da jeins. Ihnen diese Festtage so freundlich wie möglich zu ge­stalten, war uns jedesmal ein rechtes Anliegen. Das es uns gelungen ist, danken wir vor allem der warmherzigen und opfer­willigen Anteilnahme der zahlreichen Freunde unserer Pflege= befohlenen aus allen Teilen des Landes, auf die wir noch immer haben zählen dürfen. Noch niemals ist die Weihnachtsbitte der Nieder- Ramstädter Anstalten ungehört verhallt, sondern noch in jedem Jahr haben zahlreiche, nicht selten von von einem warm­herzigen Wort begleitete Liebeszeichen in mancherlei Gestalt es uns ermöglicht, reich besetzte Gabentische herzurichten und die zahlreichen Weihnachtswünsche der großen und kleinen Anstalts= linder weitgehend zu befriedigen. Diese freundliche, nunmehr 30jährige Erfahrung gibt uns die Freudigkeit, auch jetzt wieder dankbar und zuversichtlich die gleiche Bitte ausgehen zu lassen: Helft uns den Weihnachtstisch decken für die hessischen Fall­süchtigen und Krüppel der Nieder- Ramstädter Anstalten! Ver­gessen wir über all den gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Notständen, die auf unserer Zeit lasten, nicht das Elend, das in der Stille hinter Anstaltsmauern sein Dasein fristet, und nicht über den neuen Nöten einer modernen Zeit das alte Krankheits­elend, das immer da war und immer auf die brüderliche Hilfe angewiesen bleibt. Für jede, auch die kleinste Gabe, sind wir dankbar, und wir bitten, sie auf unser Postschecktonto( Frank­furt- M., Nr. 4992, Nieder- Ramstädter Anstalten) einzuzahlen oder zu überweisen. Mit herzlichen Weihnachtsgrüßen Pfarrer Schneider, Direktor.

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Aus Nah und Fern.

Alsfeld. Alsfeld baut eine Kläranlage, nachdem in den letzten fünf Jahren die Kanalisation etappenweise durchgeführt worden ist. Da der Besitzer des zur Kläranlage nötigen Ge­ländes, Freiherr von Dörnberg, mit dem Angebot von 20 Pig. pro Quadratmeter Wiesenland nicht einverstanden ist, so be­schloß der Gemeinderat, Antrag auf Enteignung des Geländes zu stellen.

Darmstadt. Das hessische Gewerbemuseum in Darmstadt wird ab Ende dieses Jehres aufgelöst und dem Landesmuseum resp. der Bücherei angeschlossen.

Darmstadt, 21. November. Das Darmstädter Defizit von 400 000 RM. durch Sammlung freiwilliger Spenden der Bevöl ferung zu decken, beantragten die Nationalsozialisten, doch der Stadtrat lehnte ab. Für Winterbeihilfe wurden 150 000 Mark zur Verfügung gestellt.

Wegen Beleidigung des Ministers Leuschner

zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Darmstadt. Der nationalsozialistische Stadtverordnete Abt hatte sich vor dem hiesigen Bezirksschöffengericht wegen Belei­digung des hessischen Innenministers Leuschner zu verantworten. Wegen der Beleidigung des Ministers beantragte der Staats­anwalt eine Gefängnisstrafe von vier Wochen. Das Gericht er­fannte auf 14 Tage. Der Angeklagte trägt die Kosten des Ver­fahrens. Der Verteidiger kündigte Berufung an. Der erste nationalsozialistische Bürgermeister in Hessen. Bei der am letzten Sonntag in Gau- Odernheim stattgefun­denen Bürgermeisterwahl wurde bei einer 97prozentigen Wahl­

Wer nichts vom Kleinen Herder weiß, hat oftmals Grund zu klagen,

denn ohne Kleinen Herder kommt man in verzwickte Lagen. Doch wer den Kleinen Herder kennt, braucht niemals zu verzagen, denn wem der Kleine Herder hilft, der kann so manches wagen. Wer einen Kleinen Herder hat, den schrecken keine Fragen: Der Kleine Herder weiß Bescheid und wird ihm alles sagen. Den Kleinen Herder sollte man mit sich nach Hause tragen, weil man den Kleinen Herder braucht an Sonn- und Wochentagen. Der Kleine Herder ist ein Lexikon in einem Bande: das vollkom­menste und brauchbarste. Über 50000 Artikel. 4000 Bilder und Karten. Gründlich. Praktisch. Handlich. Jedermann verständlich. 30 Mark. Teilzahlungen. Prospekt umsonst in allen Buchhandlungen oder beim Herder Verlag in Freiburg im Breisgau

An Widerstand war nicht zu denken, denn die Husaren hatten wohl Karabiner, aber feine Patronen, die dazu gepaßt hätten. Troh mehrfacher Anforderung waren passende Karabiner- Pa­tronen nicht geliefert worden. Das Gehöft des Wachtmeisters Timroth tam besser weg; die Leute waren teilweise schon wach, als die Franzosen zu feuern begannen. Der Wachtmeister ließ daher die Tore verrammeln und wartete ab, bis sich die Fran­zosen verzogen hatten. Dann ritt er mit seinen Husaren hinter die Vorstadt Courcelles zurüd. Nach einer Weile langte der Rittmeister d'Hauteville mit einem Leutnant der Schwadron und einem Trupp Infanteristen am nämlichen Orte an. Sie hatten sich aus dem südlichen Stadtteil nach verschiedenen Jrr­gängen hierher gerettet und waren noch sehr bewegt von einem Vorfall, der sich eben vor ihren Augen zugetragen hatte. Der Major von Alvensleben, wie erzählt, ebenfalls im südlichen Stadtteil einquartiert, doch fand er den Ausgang auf die Straße schon von Franttireurs besetzt. Sein Quartiergeber hatte ihn darauf mit eigener Lebensgefahr durch eine Gartentür hinaus gelassen. Er hatte das Freie gewonnen und der Rittmeister und sein Leutnant sahen ihn in südlicher Richtung davonreiten; sein Garde du Corps- Helm mit dem silbernen Adler leuchtete weithin. Sie wintten ihm mit ihren Taschentüchern; er be merkte es und machte tehrt. In diesem Augenblid aber traf ihn eine Kugel eines Franttireurs und er stürzte vom Rosse.

Rittmeister d'Hauteville blieb nun auf der erwähnten Höhe, bis das Schießen in der Stadt aufgehört hatte. Dann führte er seine wenigen Reiter auf die Straße nach Chaumont, hinter die Vorstadt Courcelles zurüd. Inzwischen räumte auch Riciotti die Stadt, die Gefangenen und die erbeuteten Pferde hatte er bereits vorausgefandi. Sein Verlust betrug nur 6 Tote und 10 Verwundete.

Bereits am Nachmittage wurde Chatillon von Oberst Lett­gau, der 300 Mann Verstärkungen erhalten hatte, wieder voll­ständig besetzt. Jnjolge der Nachricht, daß seitens des Gegners eine Wiederholung des Angriffs mit stärkeren Kräften vorbe­reitet werde, ging Oberst Lettgau am nächsten Tage nach Chat­teau Vilain zurüd. Hier traf am 21. November General von Kraaz auf seinem Marsche nach der Loire ein, und ließ die Abteilung wieder mit nach Chatillon vorrüden. Dr. Ludw. Roth.