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Samstag, den 22. März 1930.

Weg zur reinen Freude und zum schönsten Frieden. Kein Er­folg im Beruf, kein Lohn für die Arbeit, keine andere Freude kann uns so froh machen, als wenn wir den Weg gehen, den dieser beste Freund uns weist. Man mag sich freuen im Ball­saal oder im Theater, im Kreise von frohen Zechern oder drau­Ben in Gottes schöner Welt wenn dein Gewissen nicht eins mit dir ist in der Freude, dann ist alle Freude ein Strohfeuer, hell und aufflackernd und dann jäh niederbrennend zu schwarzer Kohle. Es gibt eben nur ein Glück und einen Frieden die Ruhe des Gewissen. Der Sonntagsschreiber.

* Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke: Orts­durchfahrt Bobenhausen II ist wieder aufgehoben.

* Von der Landesuniversität. Auf den neuzuerrichtenden Lehrstuhl für Orthopädie wurde der Oberarzt an der Ortho­pädischen Klinik in München Professor Dr. Peter Pizzen beru fen. Er wird dem Rufe zum 1. April Folge leisten.

* Eisenbahnnachrichten. Der Bahnhofsoberschaffner Wilh. Schaum vom hiesigen Bahnhof konnte dieser Tage das Jubiläum seiner 40jährigen Dienstzeit feiern. Reichspräsident und Reichs­bahnverwaltung ließen ihre Glückwünsche aussprechen,

* 200 Junglehrer und Junglehrerinnen sind vom hessischen Kultusministerium benachrichtigt worden, daß sie mit Beginn der Osterferien aus dem Schuldienste abberufen sind und kein Recht auf Weiterbezug der seitherigen Besoldung hätten.

* Erhöhte Kosten für Fernsprechanschlüsse. Die Kosten für die Herstellung und Veränderung poſteigener und teilnehmer­eigener Fernsprecheinrichtungen werden am 1. April erhöht. Der Unkostenzuschlag zu den Selbstkosten für die Apparate und das Telegraphenbauzeug wird von 15 auf 25 Prozent gesteigert.

* Diebstähle. Aus einem Gartenhaus wurden vier Paar Möventauben( blau- schwarz- rotbraun) mit zwei Jungen, aus einer Gärtnerei in der Schwarzlach sieben Strohmatten 1,50X2,00 Meter, sechsmal gebunden, und fünf eiserne Mistbeetfenster, 1,12 Meter breit, 1,42 Meter lang, aus einem Personenkraft­wagen, der auf einem unverschlossenen Hofe aufgestellt war, ein schwarzer Frackmantel mit Samtfragen, eine graue Reisedecke ( Woilach), eine Plüschreisedecke, eine braune Nappaledermütze mit weißem Krimmerfutter und eine hellgraue Patschkappe und von einem Personenkraftwagen ein vernickelter, mit zwei Flü­gel versehener Opel Thermostat entwendet. Sachdienliche Mit­teilungen an die Kriminalabteilung, Zimmer 27, erbeten.

* Schwere Urkundenfälschung. In einem Ermittlungsver­fahren gegen Unbekannt wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugs in Höhe von 40 000 Rmt. zum Nachteil des Reichs, werden diejenigen Personen ersucht, die in der Zeit bis zum 21. 11. 1929 vüdwärts, die nachstehend aufgeführten Tausendmark­scheine in Besitz genommen haben, der Kriminalabteilung Gie ßen Nachricht zu geben. Es kommen in Frage die Scheine: A 0092216, A 0098494, A 0122942-46, 0135032-35, A 0148156, A 0148158, A 0151362-63, A 0151371, A 0198214, A 0221802, A 0350031, A 0350315, A 0355529, 03770716-20, A 0380102, A 0389724-34. Eine Beschlagnahme der Scheine tommt bestimmt nicht in Frage.

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Stadttheater. Der Spielplan sieht für morgen als Frem­denvorstellung Die heilige Flamme" vor. Am Dienstag wird ,, Der letzte Lord" wiederholt.

Gießener Zeitung

* Im Goethe- Bund wird statt des erkrankten Dichters Her­mann Stehr der bekannte Th. Däubler aus eigenen Werken vor­tragen.

* Das Hessische Garde- Dragoner- Regiment Nr. 23 wurde am 6. April 1790 gegründet. Seit der Gründung sind sonach am 6. April 1930 140 Jahre verflossen. Diesen Tag wollen die ehe­maligen Garde- Dragoner in Form einer Wiedersehensfeier, ver­bunden mit einer Gefallenenehrung am Denkmal in Darmstadt begehen.

* Zwei Ostersingwochen in Hessen. Singwoche in Hohen­solms( Kreis Wetzlar). vom 11. bis 17. April 1930. Singwoche in Loshausen( Schwalm) vom 11. bis 17. April 1930. Näheres teilt die Geschäftsstelle des Finkensteiner Bundes e. V. Kassel­Wilhelmshöhe, Rasenallee 7, mit.

* Auf dem Frühjahrspferdemarkt, der von schönstem Früh­lingswetter begünstigt war und infolgedessen einen sehr starken Besuch der Landbevölkerung Oberhessens und des Lahntales aufwies, standen 280 Pferde und 23 Fohlen zum Verkauf. Bei gutem Besuch des Marktes blieb jedoch das Geschäft ruhig. Jm­merhin entwickelte sich annehmbare Kauftätigkeit. Man be= zahlte für leichtere Pferde 500 bis 800 Mark, für mittelschwere Für 600-900 Mart und für schwere 1200 bis 1300 Mark. Schlachtpferde wurden verhältnismäßig hohe Preise bewilligt.

Aus Nah und Fern.

Jahreshauptversammlung des hess. Fürsorgeverbandes.

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In Frankfurt a. M. fand am 17. ds. Mts. unter starker Beteiligung der Vertreter der hessischen städtischen, staatlichen und freien Fürsorge die Jahreshauptversammlung des Evang. Fürsorgeverbandes statt. Auch das Ministerium und das Lan­deskirchenamt hatten Vertreter entsandt. In seiner Begrün­Bungsansprache gedachte der stellvertretende Vorsitzende, Herr Dekan Mahr Eppelsheim, zunächst des früheren langjährigen Vorsitzenden der Tagungen, des nunmehrigen Ehrenvorsitzenden, Herrn Dekan Röschens. Dann galt sein Gruß dem neugewähl­ten Vorsitzenden, Herrn Pfarrer Grein- Arheilgen, der dann auch die weiteren Verhandlungen leitete. In dem ausführ­lichen Tätigkeitsbericht des Landesgeschäftsführers, Herrn Lan­desjugendpfarrer Lic. v. d. Au, wurde ein klarer Ueberblick über die im Berichtsjahr geleistete Arbeit gegeben. Jm Mit­telpunkt der Tagung stand der zweistündige Vortrag Dr. Wittheben s. Aus seinem Vortrag ,,, Vorbeugende Fürsorge für geistig anormale Jugendliche", gingen deutlich die Erfolge hervor, die in der vorbeugenden Fürsorge für jugendliche Schwachsinnige mit Hilfe der Kapillarmikroskopie erzielt wer­den. Seine klaren, auch dem Laien verständlichen Ausführun gen wurden wesentlich durch Lichtbilder ergänzt.

Butzbach. Jm Landzuchthaus wurde eine Trauung voll­zogen. Nach der Trauung mußte der Gefangene wieder in die Zelle und die junge Gattin die Anstalt verlassen.

Bad Nauheim. Bis zum 20. März betrug der Gesamtbesuch 2487 Gäste, darunter 121 Ausländer; anwesend waren am 20. März 978 Gäste.

Schotten. Die Schottener Stadtverwaltung legte dem Schottener Gemeinderat jetzt den Voranschlag des städtischen

Nr. 23.

Haushalts für 1930 vor. Der Etat schließt in Einnahme und Ausgabe mit je rund 200 000 Mark ab. Zur Deckung der Aus­gaben ist es notwendig, neben den sonstigen Einnahmemöglich keiten noch Umlagen in Höhe von 62 000 Mark zu erheben.

Schotten. Das Meisterschafts- Motorradrennen ,, Rund um Schotten" findet Sonntag, den 27. Juni statt.

Groß- Gerau. Jm Gerauer Land ist eine große Masern= epidemie ausgebrochen. In der Kreisstadt sowohl wie in ver= schiedenen Nachbarorten liegen Hunderte von Kindern auf dem Krankenlager. Viele von ihnen haben Lungenentzündung hin­zubekommen.

Darmstadt. Am 21. März waren es 45 Jahre, daß Staats­präsident a. D. Karl Ulrich dem Hessischen Landtag als Ab­geordneter angehört.

Darmstadt. Ein schweres Motorradunglück ereignete sich auf der Straße nach Eberstadt. Mit 90 Kilometer- Tempo sauſte ein Motorradfahrer auf ein mit Baumstämmen beladenes Fuhr­werk. Fahrer Koch war sofort tot und der Beifahrer Walter starb ebenfalls bald nach dem Unglück.

Offenbach a. M. Wegen Arbeitslosigkeit versuchte sich ein 20jähriger zu erhängen. Er konnte noch einmal gerettet werden. Ein neuer Polizeidirektor in Worms. Worms. Das Disziplinarurteil des Provinzialausschusses für Rheinhessen gegen den bisherigen Polizeidirektor Klapp= roth hat nunmehr auch zu einer Veränderung in der Leitung des Polizeiamtes geführt. Entsprechend dem Urteil wurde Klapproth von der Führung der Dienstgeschäfte enthoben. An seiner Stelle ist Polizeirat Marschmeyer( bisher Polizei­amt Offenbach) mit der Versehung der Amtsgeschäfte des Po­lizeidirektor beauftragt worden.

Frankfurt. Das Arbeitsamt baut in der Nähe des Zoos ein neues Verwaltungsgebäude.

Frankfurt a. M. Nach fast zweijähriger Abwesenheit ist Geheimrat Leo Frobenius vom Frankfurter Institut für ful­turelle Morphologie wieder nach Frankfurt zurückgekehrt.

Marburg. Ein zweijähriges Kind war aus dem Fenster gefallen und hätte sich zu Tode gestürzt, wenn es sich nicht gei­| stesgegenwärtig an den Dachziegeln festgehalten und geschrieen hätte wodurch man aufmerksam wurde und die Rettung schnell vollzog.

Geschäftliches.

Mercedes- Benz beim Genfer Automobil- Salon.

Auf dem am 21. März eröffneten Automobilsalon in Genf, der sich in den letzten Jahren einer ständig wachsenden deut­schen Beteiligung erfreuen konnte, ist die deutsche Weltmarke Mercedes- Benz wieder mit einer erlesenen Auswahl ihrer neue= sten Modelle vertreten, dem neuen Typ Mannheim", einem - Liter- Wagen von 14/70 PS.- Leistung, der als viersiziges Cabriolet gezeigt wird, dem Achtzylinder Typ Nürburg, der den internationalen Ruf genießt, einer der besten und elegan­testen Achtzylinder- Wagen des Automobilmarktes zu sein. Aus dem von Mercedes- Benz besonders gepflegten Fabrikations­Gebiet des preiswerten Gebrauchswagens von höchster Quali­tät und Leistung zeigt der Mercedes- Benz- Stand den bewährten Typ ,, Stuttgart 260".

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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Am Dienstag, den 18, März, entschlief sanft im 75. Lebensjahre meine liebe, herzensgute, treu besorgte Mutter

Frau Luise Keller, geb. Seeger

Witwe des Direktors der höheren Mädchenschule zu Mainz Dr. Jakob Keller.

Im Namen der Hinterbliebenen: Dr. Karl Keller, Oberbürgermeister.

Die Einäscherung fand auf Wunsch der Entschlafenen in aller Stille statt. Ich bitte, von Beileidsbesuchen abzusehen.

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