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Samstag, den 22. März 1930.

kung nicht erzielt wurde. Wollten wir jetzt bei der weitaus größeren Notlage des Winzerstandes Reichsgelder für Werbe­zwecke flüssig machen, so könnten wir höchstenfalls das gleiche Resultat wie früher erhoffen wir hätten für Augenblicke der Notlage gesteuert, aber eine Dauerwirkung würden wir auch diesmal nicht erzielen. Der größte Optimist aber wird nicht zu behaupten wagen, daß wir uns alle Jahre oder alle zwei Jahre die Ausgabe von Millionenbeträgen für Wein­iverbung allein leisten können. Man mache auf keinen Fall die allgemeine wirtschaftliche Depression für die Winzernot verantwortlich; denn wir dürfen nicht vergessen, daß nur unser guter deutscher Wein unverkäuflich ist, nicht dagegen der griechische, französische, spanische und italienische und daß troz unserer darniederliegenden Wirtschaft über alle Grenzbahn­höfe täglich viele Wagenladungen dieser Auslandsweine zu uns hereinrollen. Daher wird sicherlich auch in wirtschaftlich besse­ren Jahren keine Besserung des Absages für deutsche Weine und sonstige Produkte erhofft werden können, wenn man nicht daran geht, die ,, Auslandssucht" bei uns mit wirksamen Mitteln zu bekämpfen. Und deshalb müssen wir hier bei der Jugend anfangen.

,, Gießener Zettang

einige ausländische Blumen und der ,, deutsche" Geschenkkorb Wie könnte nun ein Geschenkkorb mit deutschen ist fertig. Waren zusammengestellt werden? Da sind zunächst Aepfel und Birnen zu berücksichtigen; dann Nüsse, getrocknete Pflau­men und Zwetschen; deutsche Schokolade; Weine aus den deut­schen Weinbaugebieten; süße Fruchtweine, z. B. Heidelbeer­und Johannisbeerweine, sterilisierter Apfelmost; dann deutsche Fisch- und Gemüsekonserve; Hartwurst; feine Käsesorten, zum Schluß deutscher Weinbrand, eine Flasche Schaumwein( Sekt) der deutsche Geschenkkorb. mit deutschen Treibhausblumen

Einzelne Industrien haben sich die Erkenntnis, daß die frühesten Eindrücke des Kindesalters über das ganze spätere Leben am intensivsten nachwirken, zu Nuze gemacht. So bringt eine große Nähmaschinenfabrik schon seit Jahren eine kleine Kindernähmaschine auf den Markt in der richtigen Er­kenntnis, daß ein Kind, das seinen Puppen jetzt mit der Mi­niaturmaschine Kleidchen näht, später als Hausfrau beim Kaufe einer Driginalmaschine sicherlich gerne zum gleichen Fabrikat greift, das sie früher im kindlichen Spiel benußte. Eine Porzellanfabrik macht das gleiche mit Puppenporzellan­geschirr, sogar die Automobilindustrie durch Fabrikation und Verkauf von Spielautos, die genau den großen Gebrauchs­wagen nachgebildet sind. So hat uns die Industrie, die sich seit langen Jahren mit dem Studium der Werbung befaßt, die Wege gezeigt, die auch unsere Landwirtschaft zu gehen hat.

Der Mitwirkung der Schule wird daher bei der Bekämp­fung unnötiger Einfuhr von Auslandswaren weit größere Be­achtung zu schenken sein, als dies bisher geschah. Man wende nicht ein, diese Art der Werbung fei auf zu lange Sicht Denken wir nur daran, wenn ein kleiner ABC- Schüße mit wichtiger Miene aus der Schule kommt und erklärt: ,, Mutter, der Lehrer hat gesagt, wir sollen nur noch deutsches Obst essen";

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Er präsentiert sich mindestens ebenso schön, wie sein ausländi­scher Vetter und hat den Vorteil, daß eine ganz bedeutende Summe Geldes im Lande bleibt. Dies nur ein kleiner Hin­weis, wie man auf engstem Gebiet für deutsche Waren wer­ben kann, wobei besonders die deutsche Jugend mitzuhelfen beru­fen ist.

wird es da eine Mutter über sich bringen- schon aus erziehe­rischen Gründen die Autorität des Lehrers, welche sich in dem klassischen Ausspruch unserer Kleinen äußert: ,, Der Lehrer hat es gesagt" zu erschüttern! Wenn dann noch den Kindern

Wie im einzelnen die Aufklärung der Kinder auf diesem Gebiete zu erfolgen hat, das ist eine Frage für sich. Zur Zeit beschäftigt man sich im Reichsernährungsministerium mit der Frage der Herausgabe einer sogenannten Ernährungsfibel für die untersten Klassen der Volksschule. Durch Schulgärten, welche von den Kindern selbst gepflanzt werden und nebenbei dem Anschauungsunterricht dienen, kann gezeigt werden, welche Arbeit vom Landmann geleistet werden muß bis es zur Ernte kommt. Kann man dann den Kindern noch Gelegenheit geben, die eigene Ernte unter dem Motto: ,, Kauft deutsches Obst" an die Eltern, Verwandte und Bekannte zu verkaufen, so wird auch hier wieder anschaulich gezeigt, wie wenig im allgemeinen der Landwirt für seine Mühe und Arbeit an Lohn erntet.

In den höheren Volksschulklassen kann man im Hand­arbeitsunterricht für Mädchen, wie für die Knaben kleine Ar­beiten unter Verwendung deutscher Grundprodukte anfertigen lassen. Bei Schulfesten werden dann die besten Arbeiten mit Preisen ausgezeichnet usw. usw.

Nr. 23.

Notsignale an den deutschen Kurgast unterstreicht die elegische Begleitmusik einer lebensschwachen Volkswirtschaft: Jede Woche fracht ein anderes Institut der Kapitalbildung zusammen. Täg­lich klappt in tausend Orten der Hammer des Auktionators auf den Tisch. Täglich werfen Rotationsmaschinen unablässig spal tenlange Botschaften in die Welt: Zwangsversteigerung! Zwangsversteigerung! Ein ganzes Volk seufzt unter einer luftabschnürenden Steuerlast und einer Lebenshaltungs- Teue­rung, die bei der großen Masse keinen Ausgleich durch ange­messenes Einkommen findet.

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Was fehlt mithin der deutschen Wirtschaft? Hebung des Konsums! Denn Steigerung des Geld- und Warenumlaufs Mehrverdienst erhöht die Kaufkraft schafft Verdienst

Eine kürzlich in Heidelberg ins Leben gerufene Arbeitsge­meinschaft zur Förderung deutscher Erzeugnisse hat es sich zur Aufgabe gemacht, in dem oben geschilderten Sinne an die Ar­beit zu gehen und Werbung für deutsche Erzeugnisse( landwirt­schaftliche und industrielle) praktisch zu treiben: In Verbindung mit ,, deutschen Tagen" oder einer ,, deutschen Woche" entfaltet der Einzelhandel unter der Devise: ,, Kauft deutsche Waren, kauft sie am Plage" seine Propaganda; die Frauenvereine aller Richtungen, die Gewerkschaften, die Schulen usw. werden zur Mitarbeit herangezogen und im Anschluß daran Ortsgruppen gebildet, welche für die Zukunft die Werbearbeit für deutsche Wertarbeit zu organisieren haben.

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höhte Kaufkraft bildet Kapital- Rapital aber ist die Grund­lage für Arbeitsbeschaffung, Wohnungsbau und alle sonstigen sozialen Maßnahmen.. Was liegt da näher, als dies: daß jeder Deutsche, der Geld ausgeben kann oder muß, der Ware: Nahrung, Kleidung, Kurmittel, ganz gleich was, beschaffen kann oder muß, sein Geld im eigenen verarmten Lande läßt? Nichts sollte näher liegen!

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Denn unendlich wichtiger, unendlich dringender, unendlich produktiver als schöne Phrasen und leere Stammtischpolitik ist heute mehr als je die Tat. Was wird verlangt? Nun: Keine Anleihe und keine Stiftung. Keine Sammlung und keine Notopfer Nichts weiter als dies:

Gib dein Geld in Deutschland aus.

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Mit jeder Mart, die über die Grenze rollt, entziehst du deinem Vaterlande einen Tropfen Lebensblut. Mit jeder Mark jedoch, die in deinem Lande in Umlauf kommt, hilfst du zugleich den Es ist matten Kreislauf deutscher Volkswirtschaft beleben! dabei ganz gleichgültig, ob diese Mark der Bäcker, der Schneider oder der Gastwirt erhält nur ein deutscher Bäcker, Schneider, Gastwirt muß es sein. Diese Erkenntnis hat wahrhaftig nichts zu tun mit irgend einer Weltanschauung. Es ist, leider, nur die ungeschminkte, ja brutale Erkenntnis einer nationalen Unterlassungssünde, einer wirklichen Sünde wider das Volk". Welch grausamer Irrtum liegt darin, daß man vom Staat erwartet: Steuer­senkung, Börsengeſundung, aktive Handelsbilanz beschaffung, Wohnungsbau, Kriegsopferfürsorge Iterung, Sanierung der Landwirtschaft, Siedlungskultur kehrsverbesserung, Ausbau der Heil- und Kurstätten und vieles, vieles mehr... Und daß man, aller Einsicht sich verschließend, zu Hunderttausenden, Sommer und Winter, Jahr für Jahr: den Umsatz nicht in Deutschland, nein: im Ausland steigern hilft!

Arbeits­Preisregu­

Hier, in dieser Landflucht, hier in dieser ökonomischen Fah­nenflucht liegt die Wurzel des Uebels!

Die Forderung der Stadt ist heute: Jm Lande bleiben! Das

in der Schule eingeprägt wurde: Auf den Weihnachtstisch eines Deutsche! Erholt euch in Deutschland! nationale Opfer heißt: Lasse dein Geld in Deutschland! Größe

deutschen Kindes gehören nur deutsche Waren, an den Tannen­baum nur deutsche Früchte, wird da ein Vater oder die Mut­ten den Wunsch des Kindes nach deutschem Schuhwerk, nach Kleidern aus deutschem Stoff usw. usw. unbeachtet lassen? Schon auf diesem kleinen, eng begrenzten Gebiet, bei den Ge­schenken, wäre schon außerordentlich viel erreicht, wenn man es sich zur Pflicht machte, zu jeglichem Familienfest, sei es zum Geburtstag, zur Trauung, zum Muttertag, zum Weihnachts­feste nur Geschenke deutschen Ursprungs zu geben. Denken wir hier einmal an die sog. ,, Freß oder Geschenkkörbe", die man heute gerne an Weihnachten schenkt. Was für ein Sammel­surium ausländischer Waren wagt man hier unter den im deutschen Wald gewachsenen Tannenbaum zu stellen: auslän= dische Weine( griechische, französische, italienische, spanische); daneben Feigen, Datteln, Ananas, Bananen, Drangen, ge= trocknete Trauben, portugiesische, spanische und norwegische Fischkonserven; holländische Gemüsekonserven; ausländische Käse, italienische Salami; echten Cognac, Chartreuse und Cham­pagner; dann noch Coty- Puder und französische Parfümerien,

Aus dem Dorf Beuern bei Gießen.

( Zeitbetrachtungen, Heimische Erwerbsarten). ( Eigentumsrecht vorbehalten). Von Wilh. Arnold 5. zu Beuern. 1. Fortsetzung.

Von Gustav Sippli- Cuxhaven.

Das soll kein neues Schlagwort sein. Es ist uns, weiß Gott, nicht an neuen Kraftworten gelegen. Desto mehr aber liegt uns an der Aufrüttelung des öffentlichen Gewissens.

Seit Jahr und Tag stöhnt die deutsche Volksgemeinschaft unter dem Drucke der Kriegslasten; seit Jahr und Tag hängt die Kapitalnot wie eine unheilschwangere Wetterwolke über un­serem Lande. Und seit Jahr und Tag trägt der brave deutsche Kurgast sein Geld ins Ausland. Um ja nicht teilzuhaben am wirtschaftlichen Wiedererstarken seines Vaterlandes, von dessen verantwortlichen Führern er aber Wunderdinge nationaler Lei­stungen erwartet.

Die Familien jener Zeit waren kinderreich und manche Eltern mochten wohl die Zeit herbeisehnen, wo die älteren Spröß­linge Kost und Unterhalt selber erwerben, auch ihnen selber eine Stütze werden konnten. Außer den verschiedenen Unter­fünften in der Heimat als Dienstgesinde bei den Bauern, Schä­ferknechte, Eselstreiber bei den Müllern usw. bot sich eine ver­lockende Gelegenheit durch die sogen. Bettelfahrten nach Hol­land, England und anderen Ländern, die von Musikbanden und allerlei sonstigen Kunstbeslissenen unternommen wurden. Hat­tenrod in der Nähe und Niederweisel in der Wetterau waren bekannte Ausgangsorte. Der an letzterem Orte später seßhafte und von Beuern gebürtige Steinmüller war gar bis nach Jeru salem und Australien gekommen. Der Familienbeiname Hol­länder erinnert noch an die Teilnehmer ihres Vorfahren an die­sen Fahrten. Da die Kinder meistens noch im schulpflichtigen Alter waren, sah sich die Schulbehörde veranlaßt, im Jahre 1830 durch einen Erlaß gegen diese Fahrten einzuschreiten.

Die Konferenzen der großen Verkehrs- und Bäderverbände bemühen sich heiß um eine Lösung des schier unmöglichen Pro­blems: ,, Bleibe im Lande und erhole dich redlich". Mediziner und Klimatologen kämpfen mit Schrift und Wort um die allge­meine Anerkennung der deutschen Landschaft, der deutschen Küsten und Inseln als ideale Heil- und Erholungsstätten. Diese

nördlichen Oberhessen. Jm Band 7 von 1908 erzählt uns der leider so früh gestorbene Wilh. Lindenstruth aus Beuern( er ist im Weltkrieg gefallen) von einem mundartlichen Spottge­dicht aus dem Busecker Tal vom Jahre 1725, das den Abschluß des 23jährigen Prozesses behandelt, den die Einwohner des Busecker Tals mit dem Landgrafen führten. Im Band 8 vom Jahre 1909 hat der Verfasser dieses Aufsatzes die Ausführungen Lindenstruths ergänzt.

deutschen Bürgertums war immer und muß heute sein: Zu sei­nem Land, zu seinem Volke stehen! Nicht mit dem Munde mit der Tat! Wer das Ausland bereichert, hat kein Recht, über Verarmung des eigenen Landes zu murren.

Seien wir ehrlich: Sind deutsche Heilquellen, deutsche Kur: mittel weniger gut als andere? Sind ausländische Sprudel und Mineralwässer wirksamer als deutsche: Oder: welche Lei­den und Beschwerden gibt es, die für keine bewährte Heil- und Pflegestätte in Deutschland wäre?

Höhenluft und Waldesodem gibt es der glückhaften Ge­genden nicht bei uns in großer Zahl? Berge und Burgen, Ströme und liebliche Täler liegen in Deutschland in bu.t.er Vielgestalt. Und an den weiten Küsten des Vaterlandes, wie in den deutschen Meeren, reiht sich Seebad an Seebad, wahre Deut­Quellen der Gesundung und seelischen Wiedergeburt! sche: die ihr Arbeit habt und Brot, die ihr durch Fleiß, Streb­samkeit oder durch Schicksalsgunst in der Lage seid, ein Bad, einen Kurort aufzusuchen:

Einen weiteren Hinweis auf die ehemals traurige Lage der Bevölkerung bildet das Bestehen des sogen. Armenvereins zu Beuern, der sich aus den vermöglichen Einwohnern zusammen­setzte, und in besonderen Zeiten der Not regelmäßig Lebensmit­tel an die Armen und Bedürftigen verabreichte. Die Tochter des einstigen Bürgermeisters Belloff, Kathrine verheir. Otto, 1920 im 77. Lebensjahr stehend, sagt, daß die Unterstützung nur in Geld bestanden habe. Kleine runde Täfelchen mit der Auf­schrift Armenverein an den Haustüren kündeten die Mitglieder desselben. Da jeden Montag sogen. Gebtag war und die Gaben verteilt wurden, sollte das Betteln unterbleiben. Zu Altenbuseck wurden noch anfangs der 60er Jahre die Armenpfennige im Pfarrhof verteilt. Infolge der beschränkten Verkehrsmittel und Zufuhrsmöglichkeiten traten bei geringem Ausfall der Ernte öfters Hungersnot und Teuerung auf. Die Preise für die Le­bensmittel stiegen ins ungeheuerliche.( Das Malter Weizen galt einmal, wie der alte Dorfmüller( Joh. Belloff) erzählte, 30 Gulden). Für ihn, wie für die vermöglicheren Bauern, war es wohl kein Schade, aber das geringe Volk litt entsetzlich dar­unter. Für einen Geback Brot mußte die hiesige Familie Dort einmal einen ganzen Acker verkaufen.

Eine schöne Schilderung der Musikantenfahrten hat uns der Altenbusecker Lehrer Nikolai in den Hess. Blättern für Volks­funde im Jahre 1921 gegeben. Da einige der Großenbusecker Musikanten im Nebenberuf Nagelschmiede waren, hieß man diese kurzerhand die ,, Nääler". Schon in den 50er Jahren zogen diese Kapellen in die weite Welt und zwar durch die Armut in der Heimat veranlaßt. Oft aber brachten- die Wanderer nicht das erhoffte Geld, vielmehr statt dessen Pinnen", d. h. Läuse mit und Nikolai erzählt von einem Beuerner Musikanten, der sich zu einer Reise nach England hatte bewegen lassen, weil man ihm gesagt hatte, daß man dort soviel Geld verdienen könne, daß man mit Chaisen fahren könne. Statt dessen hatte er aber bald soviele ,, Pinnen", daß er bei deren Suchen im Straßengra­ben, wenn er eine Laus gefangen hatte, und abknipste, ingrimmig ausrief: ,, Wieder eine Chaise", das habe ihm neben der Ent­täuschung den Spitznamen die Sches" eingebracht. Von den Hess. Blättern für Volkskunde seien noch folgende Hefte erwähnt, die interessante Mitteilungen über unsere nähere Heimat brin gen. Jm Band 4 schreibt Pfarrer Schulte( jetzt zu Großen- Lin­den) über die Spottnamen und Spottverse auf Ortschaften im

Laßt euer Geld in Deutschland!

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Mainweser und der oberhessischen Bahn, der besseren Verdienst in der Nähe bot. Erst nach Abschluß des Krieges von 1870-71, in den sogen. Gründerjahren, entwickelten sich günstigere Ver­hältnisse für die hiesige Arbeiterschaft. Die Steinindustrie nahm einen gewaltigen Aufschwung, indem die Firma Heinjes zu Düsseldorf am roten Holzberg einen großen Betrieb eröff nete. Bald waren 60-70 Mann, darunter natürlich auch An­gehörige der umliegenden Orte, beschäftigt. Der Verdienst war angemessen und auskömmlich. Daß ein Steinhauer gar mehrere Gulden in einem Tag verdienen konnte, erschien damals unge= heuer. Für den einfachen Arbeiter betrug der Taglohn 1 Gul­den 12 Kreuzer. Erwähnung möge hier die Tatsache finden, daß, als kurz nach dem Kriege von 1870-71 Maurer zu Frankfurt arbeiteten und Sonnabends Zehn- und Zwanzigmarkstücke aus Gold mitbrachten, die Leute zusammenliefen und staunten, weil goldene Geldmünzen zu den größten Raritäten gehörten. ,, Alles aber wiederholt sich nur im Leben", sagt der Weise mit Recht; > nn heute, 1930, sind die Goldfüchse noch rarer als selbigmal Bis dahin hatten die alten heimischen Verhältnisse noch bestan den, die die Bevölkerung in Besitzende und Besitzlose unterschie= den. Die Söhne der Bauern, die seither bei ihrer angestamm­ten Beschäftigung blieben, reihten sich nun unter das Arbeiter­volf und gingen ebenfalls nach Verdienst. Daraus hat sich in den folgenden Jahren eine immer stärker werdende Arbeiter­klasse gebildet, die auch größeren Anteil am Bodenbesitz ge­wann. Infolgedessen haben sich die früher größeren bäuerlichen Anwesen in kleinere Besitzstände aufgelöst und ein reiner Bau ernstand ist nur noch in wenigen Familien vertreten.

Eine Ausbesserung der allgemeinen Notlage brachte in den 1840er Jahren der Neubau unserer Kirche und die darauf er­folgende Eröffnung eines Steinbruchbetriebes durch den Mau­rermeister Ph. Sommerlad( 1846). Das Steinhauergewerbe blühte auf, brachte indeß nur geringen Verdienst. Wer hält es heute nicht für ein Märchen, daß ein Geselle, der jetzt bei achtstündiger Arbeitszeit 40-50 Mark verdient, vor 1850 bei einer Arbeitszeit von 12-14 Stunden mit 38 Kreuzer ( 1869: 1 Gulden 6 Kreuzer), d. i. 1-2 Mt., sich begnügen mußte. Natürlich waren diese Löhne auch für jene Zeit sehr dürftig und diese Dürftigkeit der Löhne veranlaßte eine Anzahl junger Leute, auswärts, nach höherem Verdienst sich umzusehen. Diesen fanden sie bei der Erbauung der süddeutschen Bahnen, vor­nehmlich der Schwarzwaldbahn. Später war es der Bau der

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Unter allen Erwerbszweigen, die aus der Not einer frü Heren Zeit in unserem Heimatdorf hervorgegangen sind, hat sich keiner aus bescheidensten Anfängen in kurzer Zeit so ent wickelt und ausgestaltet, wie der Handel mit Töpferwaren. Ihm verdankt noch heute eine ganze Anzahl hiesiger Familien ihren Wohlstand und die Nachkommenschaft erinnert sich wohl kaum noch, daß die Vorfahren ehedem in größter Dürftigkeit gelebt haben, ja betteln gegangen sind. Besonders rasch soll der alte Bürgermeister Kaspar Weimar in der Borngasse zu Reichtum gelangt sein, der freilich unter seinem Sohn und Nachfolger eben­falls rasch wieder zerstäubte. Der gleichfalls aus dürftigsten Verhältnissen hervorgegangene Heinrich Walther in der Hinter gasse, erbaute jedem seinem Kinder eine Hofreite und hinterließ dabei noch ein ansehnliches Bar- und Grundvermögen.

Fortsetzung folgt.

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