Samstag, den 21. Juni 1930.
Die Sudetendeutschen.
Es ist immer und immer wieder notwendig, das denkende Ausland auf die eigentümliche Lage, in welcher sich die Sudetendeutschen befinden, aufmerksam zu machen, umso mehr, als sie es verdienen, als stärkste Minderheit der Tschechoslowafei schon zufolge ihrer Kultur, ihre Beachtung zu finden,
Es sei kurz an die Reihe von Gesetzen erinnert, die alle darauf ausgingen, die Deutschen zu einem Volke zweiten Ranges herabzudrücken, und so wurden 490 000 Hektar deutscher Grundbesitz beschlagnahmt, 922 deutsche Schulen gesperrt und 34 000 deutsche Beamte entlassen, bis 1. Januar 1930 20 034 Personen wegen politischer Vergehen eingesperrt.
Diese Zahlen sprechen Bände. Sie zeigen auch, daß der ganze innerpolitische Kampf innerhalb des Staates eigentlich nur ein Kampf der slawischen mit der deutschen Kultur um deren Gleichberechtigung ist. Beweis noch das Sprachengesetz, das den Deutschen im Verkehr mit Aemtern das Recht auf die Benutzung der Muttersprache nur dort gibt, wo sie 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Als im Jahre 1925 eine Parlamentsdämmerung einsetzte und aus innen- wie außenpolitischen Gründen das bisherige System der Regierung zusammenbrach, blieb den Tschechen nichts anderes übrig, als sich eine Mehrheit zu suchen, mit schönen Gesten sich Parteien zu ködern, um sich behaupten zu können.
Alle bisherigen Oppositionsparteien haben es satt, und mit ihnen die tschechischen Agrarier, eine fortgesetzte Hassardpolitik mitzumachen. Man schrieb Neuwahlen aus und räumte sogar den vielgehaßten Deutschen zwei Ministersessel ein. Die psychopathia politica des jungen tschechischen Nationalsmus hatte einen argen Hieb ekommen, zu dem nicht wenig die seit 1925 zielbewußte Außenpolitik Deutschlands und eine gewisse Jolierung Frankreichs beitrug. Trotz des Eintrittes aber, die die deutsche christlichsoziale Partei als erste und die deutschen Agrarier als zweite Partei mit je einem Minister vollzog, hat sich inbezug auf die Kulturautonomie der Deutschen bisher nichts zum Besseren gewendet. Und es ist bis jetzt auch noch nichts zu erwarten, obwohl man einiges schon versuchte.
Die Verschiedenheit der deutschen und der slawischen Kultur ist denn doch zu groß, als daß eine Angleichung des deutschen an den slawischen Kulturkreis so bald erfolgen könnte. Oft ruft z. B. die deutsche Pestalozzigesellschaft mit dem Sitze in Prag anständige Menschen beider Lager auf, um über die kulturelle Pazifizierung des Staates zu beraten. Sie glauben, wenn erst der eine von der unerschöpflichen Lebenskraft des andern ehrlich überzeugt scheint, und in der Zwecklosigkeit eines solchen aufreibenden Kampfes eine Vergeudung bester Kräfte erblickt, dann wäre der Tag da...
Dr. Oskar Sternheim, Reichenberg i. Böhmen.
Gelbe Raucherzähne.„ Ich benute seit Jahren die ChlorodontBahnpaste und bin mit der Verwendung derselben sehr zufrieden. Trotzdem ich ein Kettenraucher bin, sind meine 3ähne stets blendend weiß Auch fehlt mir tein einziger 3ahn, sodaß ich behaupte aur ,, Chlorodont" erhält meine 3ähne gesund." H. Grunenberg, München. Chlorodont: 3ahnpaste 60 Pf. und 1 Mt., 3ahnbürsten, Mundwasser ! Mt. bei höchster Qualität. In allen Chlorodont- Berkaufsstellen zu haben.
Das Steingewerbe in Beuern.
Von Wilhelm Arnold V., Beuern.
2. Fortsetzung.
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Ich selbst hatte mit einem hiesigen Maurer( Jak. Stein) vorher, allerdings wenig gründliche Nachforschungen daselbst angestellt. Wären wir nur ein wenig tiefer gegangen, so würden wir einen prachtvollen Felsen entdeckt haben, und ich hätte zeitlebens meinen Bedarf an Werksteinen dort habe decken können, jedoch es hat wohl nicht sollen sein. Statt dessen kam ein gewisser Grieb von Norded auf der Rabenau daher und hob das Nest aus. Von demselben erwarb den Bruch K. Belling von Geilshausen. An das Justizgebäude nach Kassel sind damals recht schöne, roh zubereitete Blöcke gekommen. Belling erbaute auch das neue Pfarrhaus zu Beuern. Auch der vorerwähnte Joh. Sommerlad siedelte sich noch am Ziegelberg neben Belling an. Die Betriebe waren aber beide von nicht langer Dauer. Die und gingen Alten hatten eben doch das Beste herausgeholt nun, wie gemeldet, in den Besitz des Joh. Fuhr über. Destlich, dicht an dem Bruche des letzteren, hatte noch ein anderer hiesiger Einwohner, der Steinhauer Wilhelm Hahn in der Borngasse, begonnen, die Steinschätze des Ziegelberges zu heben. Es war ein einzigartiger Mann, von ungemeiner Zähigkeit und Ausdauer, dabei, trotz aller Schwierigkeiten und Mühsale, immer zufrieden, leidlich und unvergleichlich fernig und wißig im Ausdruck. Im übrigen hatte sein Unternehmen das gleiche Schicksal aller Betriebe am Ziegelberg. Am Rande desselben ließen sich durchweg prachtvolle, gut spaltende Säulen, nicht zu schwer gewinnen, bergeinwärts aber versagte der Fels immer mehr. So blieb auch dem jungen Fuhr nach Verlauf mehrerer Jahre nichts anderes übrig, als seinen Betrieb in der Lorsbach einzustellen und anderswo sein Glück weiter zu versuchen. Die Lorsbach, ein uralter, durch Ausschwemmung( Erosion) des lockeren Basalttuffs entstandener Graben, scheidet den Ziegelberg vom Wannberge und dem damit zusammenhängenden ro= ten Holzberge. Eigentlich sind diese drei sog. Berge nur die vorspringenden Ränder einer Hochebene, die sich etwa 75 Meter über der Meeresfläche erhebt und mit dem nahen Gebirge, dem Vogelsberge, zusammenhängt. Die Entstehung des Steinbruchsgewerbes am roten Holzberge ist bereits im wesentlichen geschildert worden. Aber auch der Wannberg war bereits( 1875) in Angriff genommen worden und zwar durch den Gasthaus besitzer und Fuhrunternehmer Stein, aus Rödgen gebürtig. Schon lange bevor Nietzsche den Uebermenschen entdeckte, gab es solche. Stein gehörte wenigstens zu einer Abart derselben, die sich nie genug tun und Maß halten können. Er stürzte sich in alle Unternehmungen, in denen er sich meistens nur neue Verluste zuzog und gefiel sich nur im höchsten Durcheinander. Dabei war er beispiellos fleißig und von staunenswertem Mute, förperlicher Kraft und Ausdauer. Zum Neubau einer Scheuer nebst Stallungen erwarb er Grundstücke am Wannberg, darunter von der Familie Kehr den nach ihnen benannten Keulersberg. Die Felswände waren jedoch von großer Geschlossenheit
,, Gießener Zeitung"
Lokales.
Sonntagsgedanken.
Nicht der ist der Aermste, der Hab und Gut verloren hat und an dessen Tische hartes Brot gegessen wird, arm, wirklich arm nur ist, wer seinen Herrgott verloren hat. Um so reicher der, der ihn wieder findet. Da liegt im Hinterhaus einer Vorstadtstraße ein Menschenkind auf armseligem Lager. Die Armut ist an alle Wände gezeichnet und starrt aus allen Winkeln der alten Kammer. Und da ſtöhnt gottverlassen ein bettelarmer Mensch und wartet auf sein Ende. Stark und trotzig kämpfte er immer mit dem Leben, lachte über Gott und seine Hilfe, lachte über die Menschen, die an ihn glaubten und meinte, dieses Leben mit eigener Kraft meistern zu können. Und nun ist der Kampf aus. Besiegt liegt der Gottlose auf dem Boden. Kein Mensch wischt ihm den Todesschweiß von der Stirne, nimmt ihm seine Hand, tröstet ihn; kein Mensch ist da von all den vielen Freunden, die sonst um ihn waren. Da plötzlich wird die Erinnerung wach an längst vergangene Zeiten. Auch er, der Müde und Besiegte, hatte einmal einen guten Freund, zu dem ihn die Mutter beten lernte. Sonnig war es damals noch in seiner Seele, froh der Tag und ruhig die Nacht. Und da kamen Freunde und führten ihn unrechte Wege, auf denen man immer weiter weg kam von dem wahren Freund, zu dem ihn einst die Mutter führen wollte. Aber je weiter er diesen Weg ging, desto dunkler wurde er, desto freudloser der Tag und desto wüster die Nacht. Da erinnerte er sich dieses Freundes. Jetzt, da er einen ganzen Lebensweg ohne ihn gegangen war, schämte er sich fast, nach ihm zu rufen. Aber er ruft doch. Eine Stunde später sitt ein Geistlicher neben seinem Lager und hat seine müde Hand in der seinen. Und in bitteren Tränen bekennt der einst so trotzige Mensch seine Sündenschuld. Und der, dem er einst fluchte, den er aus seinem Herzen wies, neigt sich über sein Lager und spricht von der Vergebung der Sünden. Durch das Fenster strahlt die Sonne. Licht ist es noch in seiner Seele geworden, ehe der Abend kam. Der Sonntagsschreiber.
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Vortrag über öffentliche Bausparkassen.
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Für Mittwochabend hatte die Baugenossenschaft 1894 und die Bezirkssparkasse zu einem öffentlichen Vortrag in den Saal des ehemaligen Einhorn- Hotel eingeladen. Die Versammlung leitete Beigeordneter Dr. Hamm. Den Hauptvortrag hielt Regierungsrat Dr. Pabst Frankfurt. Er legte zunächst dar, wie die Beschaffung der zur Errichtung von Wohnhäusern und besonders von Eigenheimen nötigen Geldmittel einem Bauinteressenten meist Schwierigkeit macht, und wie das individuelle Sparen des unbedingt erforderlichen Eigenkapitals durch den einzelnen diesen auf jeden Fall erst nach vielen Jahren zum Ziel bringt, während durch kollektives Bausparen, d. h. durch Zusammenfassen der Bauspargelder vieler einzelner, schon bald und laufend größere Kapitalien entstehen, die ermöglichen, die überwiegende Mehrzahl der geplanten Bauten viel früher auszuführen als bei einem individuellen Bausparen. Er erwähnte, welche weite Verbreitung dieses System seit vielen Jahren in England, Amerika und Australien gefunden habe, und daß die starke Verbreitung des Eigenheims in diesen Ländern zu einem großen Teil dem Wirken der dortigen kollektiven Bausparkassen zu verdanken sei. In Deutschland habe erst die Wohnungs- und Kapitalnot der Nachkriegszeit kommen müssen, um hier den gleichen Weg einzuschlagen, dem sich jetzt neben
und äußerst schwer zu erbrechen, der gewonnene Stein zwar dicht, aber meistens überhart zum Bearbeiten, so daß das ganze Unternehmen von Anfang an wenig lohnend war. Dazu kam, daß Stein selbst von der Sache nichts verstand und die Leitung fremden Leuten anvertrauen mußte. Ich selbst habe in Jahren 1876 und 1877 daselbst gearbeitet, auch Werksteine zu unserem Scheunenbau zugerichtet. Der wirtschaftliche Zusammenbruch aber rückte für Stein immer näher herbei, besonders, nachdem die erwähnte Bauerei große Summen verschlungen hatte. Als auch seine Frau plötzlich dahinstarb, war kein Halt mehr; er selbst fam aus seinem bisher bewiesenen, unerschütterlichen Gleichmute heraus, und die Gläubiger drangen auf ihre Forderungen. Ich selbst habe damals 130 Mark Arbeitslohn eingebüßt, einer meiner Mitarbeiter( K, Feußer) sogar 320 Mt. Der Steinbruch wurde von dem hiesigen Gastwirt und Maurermeister Wagner ersteigert und auch noch einige Jahre, zumeist für Rechnung des Bauunternehmers Winn zu Gießen betrieben.
Ganz nahe daran, nach den Sommerlad'schen Steinbrüchen am roten Holzberge hin, war die Stelle, wo der mehrfach erwähnte Fuhr, nachdem die Brüche am Ziegelberg ausgebeutet waren, nun einsetzte. Der schon genannte Schwager des alten Sommerlads, Christoph Keil, hatte hier auf einem Grundstück Spuren von brauchbarem Gestein entdeckt. Unterhalb desselben begann Fuhr mit einem Einschnitt. Die Felsbildung, die sich hier darbot, war eine absonderliche und merkwürdige. Es fanden sich zuerst kleine, runde Auswürflinge vor, die aber immer ansehnlicher wurden und an Ausdehnung gewannen. Sie waren von lockerer, schaliger Masse umgeben, der Kern war gesund, wie man in der Steinhauersprache sagt. So wenig das Unternehmen auch anfangs versprach, so lohnend entwickelte es sich später. Als man eine Strecke weit vorgegangen war, zeigten sich die Lavamassen von einer mächtigen Lehmschicht bedeckt, die in den Urzeiten in einer Vertiefung hier angeschwemmt wor den sein muß.( Aehnliches war auch am roten Holzberge in dem erwähnten neuen Einschnitt der Düsseldorfer Gesellschaft zu bemerken.) Dem Unternehmer stellte sich im weiteren Verlauf der Fahrweg über den Wannberg als Hindernis entgegen, das aber durch eine Unterführung beseitigt wurde. Um das Gelände vorher erst ausbeuten zu können, wurde ein Abkommen mit der Gemeinde getroffen, nachdem Fuhr 100 Mk. Entschädigung an dieselbe zahlen mußte und gedachten Weg weiter aufwärts zu verlegen hatte. Im ganzen hat sich der Fuhr'sche Bruch unter der Wann als lohnend bewährt, wenn auch die Gewinnungsverhältnisse bergeinwärts immer schwieriger werden. Nicht nur, daß die Höhe des Berges immer mehr anwächst und die Felswände geschlossen und schwer brechbar werden, auch das Gestein zeigt sich bisweilen in seiner Zusammensetzung mehr unganz und deshalb wenig brauchbar. Doch ist die Masse an und für sich viel schöner, härter und dichter geworden, als die Blöcke am Fuße des Berges zeigten. Manche Stücke sind seither sogar zu Denkmälern verwandt worden und reichen ziemlich an ausgewählte Blöcke vom Ziegelberg heran. Fuhr hat sich als ein tüchtiger, willensstarker und tatkräftiger Geschäftsmann bewährt und es ist gewiß anzuerkennen, daß er, der nebst
Nr. 49.
zahlreichen privaten Bausparorganisationen auch die öffentlichen Sparkassen widmeten. In ganz Deutschland errichteten sie länder- und provinzweise öffentliche Bausparkassen, und zwar in Angliederung an vorhandene öffentliche Bankanstalten, damit die Schaffung eines neuen Verwaltungsapparates vermieden und dem Bausparer durch die Mithaftung der öffentlichen Bankanstalt und ihrer Gewährsverbände eine ganz besondere Sicherheit geboten werde. Für den Volksstaat Hessen ist diese öffentliche Bausparkasse der Landeskommunalbank- Girozentrale in Darmstadt angegliedert, für welche wiederum fast alle hessischen Städte und Gemeinden die Kreise und Provinzen sowie 34 öffentliche Sparkassen haften, so daß dem Bausparer die denkbar größte Sicherheit gewährleistet ist. Den Unterbau der Organisationen aber bilden überall die öffentlichen Sparkassen, welche die Interessenten beraten, und durch die der ganze Zahlungsverkehr geht. Durch sie werden die Bausparer auch erste Hypotheken erhalten können, so daß sie meist nur einen Teil ihrer Baukosten durch die Oeffentliche Bausparkasse finanzieren zu lassen brauchen, die dann als Sicherheit nur eine zweite Hypothek( bis zu 80 Prozent) verlangt, die sie aus den eingezahlten Bauspargeldern als unfündbares Tilgungsdarlehen und zu 4 Prozent gewährt. Redner schilderte an Hand von Beispielen den Abschluß und den Verlauf eines Bausparvertrages und insbesondere das von privaten Organisationen abweichende Zuteilungsverfahren und betonte zum Schchluß, daß mit dem Bausparvertrag ein Lebensversicherungsschutz verbunden sei mit der Wirkung, daß, wenn ein Bausparer nach Zuteilung der Vertragssumme stirbt, seine Erben die ganze Summe zu freier Verfügung erhielten und falls dem Bausparer die Vertragssumme schon ausgezahlt war, von allen weiteren Abzahlungen frei seien.
Eine rege Aussprache, in der vor allem Dr. Hamm noch eine Reihe wichtiger Punkte anführte und der Vortragende manche Anfrage noch erschöpfend beantwortete, schloß den interessanten Vortrag.
* Neue Beitragsmarken der Angestelltenversicherung. Nach einer Bekanntmachung des Reichspostministers werden bekanntlich vom 1. Juli 1930 an neue Beitragsmarken der Angestelltenversicherung ausgegeben. Der Vertrieb der alten Marken wird ab 30. Juni eingestellt. Von dem Zeitpunkt an dürfen die noch in den Händen der Bevölkerung befindlichen alten Marken zur Die Post Beitragsentrichtung nicht mehr verwandt werden. anstalten tauschen bis einschließlich 30. September 1930 die alten Marken gegen neue Beitragsmarken gebührenfrei um.
* Vorsicht bei Versendung von Lebensmitteln. Die Post klagt darüber, daß jezt häufig Päckchen mit Gegenständen aufgeliefert werden, die unter dem Einfluß der Wärme leicht verderben oder Flüssigkeiten absetzen, wodurch auch andere Sendungen beschmutzt werden. Für die Absender können daraus leicht Weiterungen und Ersagverbindlichkeiten entstehen. Die Post ist auch berechtigt, derartige Sendungen von der Beförderung auszuschließen. Es empfiehlt sich daher, solche Gegenstände, wie Früchte, Beeren, Butter und andere leicht schmelzende Fette, in der heißen Jahreszeit in Päckchen nicht zu ver
seiner Frau, einer Tochter des verstorbenen Bürgermeisters Ranft dahier, wenig vermögend war, sich durch mitunter recht schwierige Verhältnisse so emporgearbeitet hat, daß er jetzt im Besitz zweier Hofreiten und eines nicht unbedeutenden Geländes ist. Auch mit Sitz und Stimme im Gemeinderat hat ihn das Vertrauen eines Teils seiner Mitbürger beehrt.
Nachdem die Ränder und Abhänge des roten Holzherges, des Ziegel- und Wannberges fast überall untersucht worden waren und wo es sich lohnte, auch ausgebeutet wurden, war noch eine Stelle an dem rechten Gehänge der Lorsbach unberührt geblieben. Es war die Strecke von dem Stein-, bezw. Wagnerschen Steinbruche unter der Wann aufwärts nach dem Schweiging hin. Es war ein Neffe des alten Sommerlad, der hier von der Gemeinde einige Quadratruten Land zu billigem Preise |( à 2,50 Mk.) erwarb, um in einem darüberherziehenden, seine Familie gehörigen Grundstücke, brechen zu können. Wie an derwärts, so hatte man auch hier an entblößten Orten hin und wieder einen Brocken aufgefunden, nach dem man auf eine reiche Ausbeute unter der Oberfläche schloß. Indessen mangelte es gleich von vornherein an der Ergiebigkeit des Felsens, und der junge, auch nicht besonders vermögende Unternehmer sah sich nach einiger Zeit schon genötigt, den Betrieb einzustellen. Nichts: destoweniger aber vermutete man etwas mehr abwärts, schon früher reiche Steinschätze unter der Erde. Die äußeren Formen des steilen Gehänges, zerstreut hervorlugende Tagsteine, spra chen dafür. Auch sonst war die Lage günstig, Fahrt, Abschutt, alles wie gewünscht, hätte man nur mit dem Erdspiegel der Alten einmal hineinschauen können. Es war im Jahre 1893, als die Gesellschaft hessischer Steinbrüche mit dem Sitz in Marburg, den Entschluß faßte, in Beuern festen Fuß zu fassen. Zur Anlage eines Steinbruches wurde ihr nun fragliches Gelände in der Lorsbach empfohlen und der Steinhauer Phil. Damm( weiblicherseits mit dem alten Sommerlad verwandt) und ich mit dem Ankauf und Erwerb desselben betraut. Es gelang uns nach vie ler Mühe und Anstrengung, die erforderliche Länderei zusam menzubringen. Die Quadratrute wurde zum Teil mit 15 m bezahlt; vorzugsweise kam die Gemeinde mit 936 Mt., da hiesige Besitzer in Betracht: Peter Volk mit 1000, Wilh. S mit 600 und Phil. Keil mit 300 Mt. Das Haupt der Gesell schaft war der Regierungsbaumeister Sardemann in Marburg angeblich ein sehr reicher Mann, der sich auch bei einem Besuch hier sehr fein zeigte und uns, falls die Sache günstig aussiele, gute Belohnung in Aussicht stellte. Ich habe aber, beiläufig gesagt, nie etwas erhalten, während Damm noch einen schönen Verdienst als Betriebsleiter hatte. Gleichvon vornherein wat der Geschäftsführer der Gesellschaft, Herr Dominick, in den Vor dergrund getreten. Es ist bekannt, daß manche Gesellschafter immer gern jemand haben, der für sie die Kastanien aus dem Feuer holt. Durch Geldvorschüsse und sonstige Bedingunge ( einseitige Verträge) haben sie diese kleinen Unternehmer ode Mitteilhaber immer in ihrer Gewalt, sich selbst wissen sie abe vor Verlusten zu schützen, da sie sich auf das Rechnen verstehen und alle Geschäftsvorteile kennen.
Fortsetzung folgt.
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