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Nr.7

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Samstag, den 20. September 1930.

Bensheim a. d. B. Das Winzerfest findet vom 20. bis 23. September hier statt.

Herborn, 19. 9. Jn Werdorf spielte das dreijährige Töch­terchen der Familie Otto Schneider in der elterlichen Küche und stieß dabei einen Eimer mit kochendem Wasser um. Das Rind wurde so schwer verbrüht, daß es starb.

Montabaur. Ein bei seinen Schwestern hier in Ruhestand lebender früherer Lehrer, Peter Schupp, fonnte dieser Tage seinen 104. Geburtstag, noch verhältmäßig rüstig, begehen. Verfahren gegen Vorstands: und Aufsichtsratsmitglieder der Nassau a. d. Lahn. Am 27., 28. und 29. September findet wieder der weitbekannte Nassauer Michelsmarkt statt.

von

Limburg a. d. L. An der Eisenbahnstrecke Limburg- Alten­firchen wurde ein Lieferkraftwagen, als er die Gleise an einem nicht geschlossenen Straßenübergang überfahren wollte, einem Personenzug erfaßt. Der Wagen wurde eine Strede mit­geschleift und dann zertrümmert. Ein siebenjähriger Knabe wurde sofort getötet, seine Mutter und der Wagenführer schwer verletzt.

Frontfurt a. M. Der seit dem 26. August vermißte Direktor des staatlichen chemischen Untersuchungsamtes in Frankfurt, Dr. Heinrich Willike, ist noch nicht aufgefunden worden. Er trat am 22. August seine Urlaubsreise nach Tirol an und gab bis zum 26. August ständig Nachricht an seine Angehörigen und Freunde. Die letzte Nachricht stammt aus Zürich.

Selbsthilfe der Arbeit

Frankfurt a. M. Gegen Vorstands und Aufsichtsratsmit­glieder der ,, Selbsthilfe der Arbeit ist wegen Ronkursver­brechen, Betrug und Unterschlagung ein Verfahren eingeleitet worden. Die ,, Selbsthilfe der Arbeit" hatte in etwa achtzig Städten Vertretungen und Niederlassungen gegründet. Sie hatte Bausparverträge über rund sechsundfünfzig Millionen Reichsmart abgeschlossen und suchte sich, als antikapitalistisch", ihre Kunden unter der breiten Masse der Handwerker, Beamten und Arbeiter aus. In Mannheim von einem Dr. Ernst Hunkel begründet, siedelte die ,, Selbsthilfe" bald nach Frankfurt a. M. über. Schon die 1927 getätigten ersten Darlehnsgeschäfte waren angeblich nicht ganz einwandfrei. Die ,, lokalen Bausparkassen"

Hans Stosch- Sarrafani erzählt...

Von Dr. Fr. W. Schröter.

Nun, ich will vorweg sagen: Ich war nicht etwa dar­auf gefaßt, einen Zirkusbetrieb zu finden, wie man ihn aus seiner Jugendzeit zu sehen gewohnt war, als ich in die Zeltstadt eintrat, wo ins Heimatstädtchen zum Jahr­markt einige schief in den Federn hängende Wagen, von struppigen Pferden gezogen, hereinrumpelten, sich auf einem freien Platz aufstellten, wo vor zerrissenen und dürftig geflicktem Zelt laut schreiend die Schaustellungen angepriesen wurden, wo der" Neger auftrat, dem schon wir Kinder ansahen, daß er aus der Nähe stammte und nur gefärbt war. Nein, diesen Maßstab wird auch schon feiner anzulegen wagen, wenn er Sarrasani nur von weitem gesehen hat, mit seinem Wagenpark von bald 200 Lastautos, die sämtlich in den schmucken sächsischen grün- weißen Farben gestrichen sind, die in stolzen Gold­lettern den Namen Sarrasani tragen.

Und der Neger, der mir bei Sarrasani am Eingang begegnete, der ist auch echt. Und echt, wie die schwarze Farbe dieses Wüstensohnes, ist bei Sarrasani alles. Der Direktor und Besizer ist ein Deutscher, einer, der sich in deutscher Weise aus kleinsten Anfängen hochgearbeitet hat, und der sein Unternehmen nach wie vor in deutscher Gründlichkeit und Sauberkeit führt, auch jetzt, wo es zu beachtlicher Größe angewachsen ist. Mit solchem Unter­nehmen wie dieser sächsische Zirkus, wie er sich mit Stolz nennt, können wir auch im Auslande Staat machen".

und sauber wie der Anstrich der riesigen, in ge­nauem Plane aufgestellten Wagenburg ist auch das In­nere der Zelte. Wer da denkt, daß in den Ställen nur für die Zeit der Führungen, für die Besucher der Vor­stellungen saubergemacht wird, der irrt sich. Hier ist immer

Sauberteit an der Tagesordnung.

Ein Genuß ist es, die blanken Stallgassen zu sehen, wo taum ein Hälmchen der Streu überhängt, wo Bahnen aus Sägespänen die Feuchtigkeit aufsaugen und den Tieren, die in langen Zeltstallreihen aufgestellt sind, einen behaglichen trockenen und warmen Stall zu ver­schaffen.

Und kommt man weiter, in die Manege, dann findet man dort dieselbe peinliche Sauberkeit wie bei den Vorstellungen. Es wird hier ständig gearbeitet, wie überhaupt das Zirkusleben nicht etwa ein Leben des wohligen Nichtstuns ist, sondern ein Leben angestrengter, wenn auch interessanter Arbeit.

Da ist bei Tage im ganzen 3irtus taum ein Fleck­chen, wo nicht rege Tätigkeit herrscht. Im Reiter= gang schallen uns greuliche Mißtöne entgegen. Die musikalischen Clowns, die Abend für Abend Heiter­teitsstürme erzeugen, und die hier im nüchternen Zivil­anzug, frierend im Reitergang stehen, üben an einer neuen Nummer. Was es ist, das wird nicht verraten. Weiter hinten im Reitergang treffen wir auf die Chi­nesen. Fleißig üben sie Saltomortale und ähnliche Dinge, einmal, viele Male, immer wieder, damit die Truppe Neues bieten kann, damit die übungen dann bei der Vorstellung so mühelos aussehen.

Und in der Manege selbst wird auch fleißig gearbeitet. Da läßt man die Zebras im Kreise laufen. Scheue Gesellen sind sie, die gar schwer zu dressieren sind. Vor­an ein Zebramischling, ohne den man die fleine Schar faum halten könnte. Und taum haben sie die Manege verlassen, da trotten die grauen Kolosse herein, Sarra­fanis Stolz: feine Elefanten. Nicht die ganz großen sind es, nicht die, die der Direktor selbst vorführt, sondern die Lehrlinge", 13 an der Zahl. Einmal, zweimal laufen sie im leichten Trab um die Manege herum, dann läßt man die drei kleinsten zur Seite, denn sie sind noch nicht für die Anstrengung der Dressur geeignet. Die fleine Maud, ein süßer Kerl, wenn sie auch eine fleine Dickhäuterin ist, ist ein Ausbund von Ausgelassenheit. Niemand will ste vorbeilassen, hilft sich mit Rüssel und der ganzen Gewichtigkeit ihres nach Elefantenmaßstab noch winzigen Körpers. Und während sie sich die Beit mit Streichen vertreibt, arbeiten die älteren Artgenossen in der Manege, werden hier vom bewährten Dompteur

,, Gießener Zeitung"

blühten bis vor wenigen Wochen an etwa achtzig deutschen Plätzen auf. Man kämpfte gegen Reichsbank und Währung, führte im Sommer 1928 Freigelder unter der Bezeichnung Wara" ein. Die heutigen Verbindlichkeiten der Selbsthilfe" betragen rund 1,5 Millionen RM, denen Vermögenswerte kaum gegenüberstehen. Die gegen eine Anzahl Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder eingeleitete Untersuchung erstreckt sich auf den genannten Dr. Ernst Hunkel, den Aufsichtsratsvorsitzenden Bender, den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Scharfe, den Bankvorsteher Schuhmacher und den Geschäftsleiter der ,, 3wedsparkasse", Dr. Biel.

Kassel. Der Hotelbesitzerverband von Hessen und Waldeck e. V., Sitz Kassel, hält seine diesjährige Jahreshauptversamm­lung am 26. September in Kassel ab.

Köln. In der Friedenskirche in Köln- Mülheim wurden nachts von Dieben 719 Orgelpfeifen von der Orgel abmontiert und mitgenommen.

Gastod dreier Geschwister.

Duisburg, 19. Sept. Am Freitagmorgen wurden in einem Hause in der Wallstraße zwei Schwestern im Alter von 56 und 57 Jahren und deren 59jähriger Bruder in der gemeinsamen Wohnung durch Gas vergiftet aufgefunden. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche. blieben erfolglos Wirtschaftliche Not soll die drei Geschwister in den Tod getrieben haben. 120 000 Mark unterschlagen.

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Hemmerden( Kr. Grevensbroich), Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft beim Landgericht München- Gladbach= Rheydt wurde der frühere Gemeindevorsteher und Beigeordnete Theodor Knauff von hier festgenommen. Er hatte seit zwei Jahren bei Bierbrauereien in Düsseldorf, Aachen und Gladbach­Rheydt, für die er Gelder einzukassieren hatte, 120 000 Mark veruntreut.

Der deutsche Pfarrertag

fand vom 9.- 11. September in Danzig statt. Weit über 100 Vertreter der ev. Pfarrvereine waren anwesend. Sie hatten Gelegenheit, die wirtschaftlichen, politischen und kirchlichen Ver­hältnisse Danzigs eingehend kennen zu lernen und gewannen einen tiefen Eindruck von der Not des abgetretenen deutschen

in mühsamer Arbeit fertiggemacht". Mühsam ist die Arbeit; nach Sarrajanis eigener Angabe braucht ein Elefant bis zum letzten Schliff, d. h. bis er auf den beiden Vorderbeinen stehen kann, den Kopf nach unten, ein volles Jahr.

Und weiter wandern wir durch die Zeltstadt. Man hört nicht auf zu staunen. Eigentlich ist alles so selbstver ständlich in unserer Zeit der Technif, selbstverständlich auch, daß ein derartiges Riesenunternehmen in allen Hilfs­mitteln auf sich selbst gestellt sein muß, wenn es sich in un­wirtlichen Gegenden fortbewegt. Und doch bewundert man immer wieder die

Reichhaltigkeit der Hilfsmittel,

ihre zweckmäßige Unterbringung auf denkbar fleinstem Raum, leicht beweglich. Da sind die Wohnwagen, praftisch und sauber. Viele von ihnen haben Anschluß an die

Wasserleitung. an Lichtleitung, einige sogar an die Dampfleitung. Da sind die Werkstätten für alles, was nur vorkommt, sogar eine Damenschneiderei ist vorhanden, werden doch die vielen Kostüme in eigener fliegender Werkstätte an­gefertigt( auch die für die 60 hübschen Tanzgirls!), da ist eine vielbeschäftigte Sattlerei und eine Schlosserei und was noch alles zu diesem kleinen wandernden Ge­meinwesen gehört. An alles ist ge­dacht nach bestimmtem und einheit­lichem Plan.

Einheitlicher Plan, ein ein­heitlicher Wille ist es, der einem hier so imponierend ent­gegentritt. Und derselbe Wille tritt einem entgegen, wenn man zu der Seele dieses Unternehmens, zu Hans Stosch- Sarrajani, selbst tommt. Vielbeschäftigt ist dieser Mensch, selbst ein Vorbild der Arbeitsfreudigkeit für seine zahlreichen Angestellten, und doch bringt er die Zeit auf, den Freun­den des Zirkusses selbst zu erzählen. Und man hört ihm gern zu in seinem Wohnwagen, wenn er mit seiner ein wenig rauhen Stimme, die uns von der Vorstellung her vertraut ist, erzählt.

Als junger Kerl ist Hans Stosch seinen Eltern im Posenschen davongelaufen, mit ganzen 50 Pfennigen in der Tasche, ist unter der Zeltwand hindurchgefrochen in einen Zirkus, wo ihn der Stallmeister am andern Morgen fand und ihn behielt. Ein großer Tierfreund war der neue Stallbursche, und so tam er bald weiter im Zirkus, wurde Bereiter und verdiente recht gut. Nicht ohne Ehr­furcht betrachtete ich einen zerfeßten Vertrag, wonach Hans Stosch im Jahre 1898 beim 3irfus Pasis in Madrid 2000 Peseten monatlich verdiente, eine hübsche Stange Geld.

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Und von diesem Geld sparte er sich eisern, kaufte sich Tiere, einen Hund und einen Affen, später kamen mehr dazu, er ging als gesuchter Schweinchenclown"( aus Pietätsgründen werden darum heute noch im Zirkus Schweine gehalten) und kam so weit, daß er zu Anfang des Jahrhunderts an die Errichtung eines eigenen 3ir­tusses denten konnte. Auf einer Auktion taufte er sich sieben Pferde; einen Affen, einen Ziegenbock und ver schiedenes Kleingetier besaß er schon. Mit einem Stell­macher in Radebeul bei Dresden baute er sich einige Wagen, und der Zirkus war fertig. Oftern 1902 sollte die Eröffnungsvorstellung in Meißen stattfinden, und ehe man noch anfing, warf ein Orkan die ganze Geschichte um. Unverdrossen baute Sarrasani wieder auf, spielte und wanderte durch ganz Sachsen. In Böhmen ging es ihm schlecht. Die Tschechen hezten gegen den Besuch des deutschen Zirkusses, die Gläubiger aber waren umsichtige Leute und halfen dem Unternehmen nach Oberschlesien, wo es bald gute Erfolge hatte und sogar alle Schulden abzahlen konnte.

Nr. 75.

Gebietes und von dem wirtschaftlichen Ringen der um ihre Eri­

stenz kämpfenden freien Stadt Danzig. Man gelobte Treue um Treue. Ein Vortrag von Professor Dr. Koch- Wien behan­delte das Ostproblem. Der Breslauer Generalsuperintendent D. Dr. Schian sprach über Die Wahrung der evangelischen Belange in der Oeffentlichkeit". Er stellte als Richtlinie auf, daß der Pfarrer nie Parteimann sein dürfe, unbeschadet seiner Pflicht zur politischen Stellungnahme, sondern daß er stets mit Nachdruck und Besonnenheit Vertreter des Evangeliums sein

Neue Bücher.

Der Hunger tommt. Ein Mahnruf von Prof. Dr. Ernst Horneffer. 46. S. R. Voigtländers Verlag, Leipzig C 1. Preis 1, Rmf.( Ab 10 Stüd 90 Pfennig, ab 25 Stüd 80 Pfennig). Der bekannte Gießener Philosoph, der als Spitzen­kandidat für den Wahlkreis Hessen von der Reichspartei des deutschen Mittelstandes( Wirtschaftspartei) für den Reichstag aufgestellt wurde, legt in dieser Schrift sein politisches Glau­bensbekenntnis ab. Er zeigt den Weg der deutschen Wirtschaft und des deutschen Volkes unter der zehnjährigen Herrschaft des Sozialismus, denselben Weg, den wettlaufend mit der Sozial­demokratie die großen bürgerlichen Parteien mehr oder weniger mitgegangen sind und der zu dem Abgrund führte, vor dem die deutsche Wirtschaft jetzt steht. Die Schrift ist schärfste Kampfansage dem Sozialismus und Absage an die bisherige Politik der bürgerlichen Parteien. Horneffer beweist, daß die berufsständische Gliederung des deutschen Volkes( neben einer Arbeiterpartei eine Bauernpartei oder Landvolkpartei und eine städtische Bürgerpartei) im Zuge der Entwicklung liegt und allein imstande ist, die Kräfte zur Bekämpfung und Nieder­kämpfung des Sozialismus zu gewinnen und die freie Wirt­schaft zurüdzuerobern.

,, Gesprächs- und Redetechnik von Paul Wallfisch- Roulin ( 300 Regeln der Kunst, geschäftlich, privat und öffentlich wirk sam zu sprechen) erschienen im Verlag für Wirtschaft und Ver­fehr, Stuttgart, Pfizerstraße 20 und Wien I, Seßgasse 7.( 400 S.

So hat dieser umsichtige, energische Mann sein Unter­nehmen, das heute zu einem der größten der Welt zählt, durch alle Fährnisse hindurchgesteuert, durch den Krieg und auch durch die bald noch schlimmere Inflationszeit.

Voll neuer Ideen steckt der bewegliche Zirkusmotor, dessen Arbeit früh 10 Uhr beginnt und spät in der Nacht erst endet. Ernst liegt ihm die Sorge am Herzen um die Zukunft seines Werkes. Er glaubt fest an die

Lebensfähigkeit des deutschen Zirkusses. Erkennt man ihm heute schon behördlich an, daß seine Darbietungen fünstlerisch hochstehend sind, so ist das dem strebsamen Manne noch nicht genug. Und man fann es ihm nicht verdenfen: die starre Vergnügungs­steuer mit ihren acht Prozent wird vom Unternehmen, gleich, ob es mit Gewinn oder mit Verlust arbeitet, ver­langt. Dabei ist die kulturpolitische Wichtigkeit des Zir­fusses anerkannt. Er ist bildend für weite Kreise, ver­mittelt bei seinem unermüdlichen Wanderleben an unend­lich vielen Stellen wertvollen Anschauungsunter­richt von fremden Ländern, in Tieren und Menschen. Nicht zuletzt erzieht der Zirkus die Menschen zum Tier­freund, vor allem die Jugend.

Und auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht hat ein der­artiges Zirkusunternehmen eine erhebliche Bedeutung. Nicht allein dem jeweiligen Aufenthaltsorte fließen erheb­liche Einnahmen zu, verbraucht der Zirkus vieles selbst, außerdem übt er eine große Zugkraft aus auf die weitere Umgebung. Und jeder Fremdenzustrom wirft befruchtend auf das Geschäftsleben einer Stadt. Aber auch die Industrie hat reichliche Beschäftigung. die Maschinen­industrie bekommt eigene und interessante Aufgaben ge­stellt, hat doch bald die kleine bewegliche Zeltstadt eigene Licht- und Kraftanlagen, Anlagen für Dampf usw. Guten Absatz findet die deutsche Lastautoindustrie. Und was nicht zuletzt wichtig ist. diese Erzeugnisse werden in aller Herren Ländern angepriesen durch ihre Bewährung, zumal Sarrasani es sich zum Grundsaz gemacht hat, nur deutsche Erzeugnisse zu verwenden.

Unter all diesen Gesichtspunkten wünscht man auf­richtig, daß auch die deutschen Behörden sich mit der Frage beschäftigen, wie dem deutschen Zirkus zu helfen ist, wieweit man ihn von Lasten und Abgaben freihalten muß, damit er seiner fulturpolitischen Aufgabe gerecht werden kann. Und da wir Deutschen am liebsten immer auf das Ausland gucken, will ich zum Schluß dieser Inappen und bei weitem nicht erschöpfenden Wiedergabe der Unterredung mit Hans Stosch- Sarrasani ein lehr­reiches Erlebnis, das er in Buenos Aires hatte, an­fügen, wo selbst ein Mann wie Sarrasani verblüfft wurde. Nach seiner Ankunft in Südamerika machte er, wie man das in Deutschland nun einmal so gelernt hat, seinen An­trittsbesuch bei den Behörden. Beim Präsidenten der Republik. dem durchaus nicht übermäßig deutschfreund­lichen Dr. Alvear, der während des Krieges Botschafter in Paris gewesen war, wird er aufgefordert, sich der Sitte des Landes entsprechend etwas zu wünschen. Sarrasani ist sprachlos. Nochmals aufgefordert, äußert er zaghaft und bescheiden den Wunsch nach einem besseren Platz für seinen Zirkus, weil das Gelände außerhalb der Stadt nicht sonderlich günstig war.

Noch sprachloser war der Direktor, als der Präsident rasch eine Starte tommen läßt und ihm die öffentlichen Pläge von Buenos Aires zur Verfügung stellt. Der Direktor wagt faum zu wählen und noch weniger zu fragen, was denn die Sache fostet( weil man das in Deutschland bei Verhandlungen mit Behörden so gewöhnt ist!)- dar­auf die liebenswürdige Antwort des Intendanten" der Stadt, des Dr. Noel: Das foste nichts. Im Gegenteil, man hat Sarrasani noch die Steuern erlassen. Und so wurde das Auftreten in Südamerika zu einem großen Erfolg nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die deutsche Sache. Denn der Zirtus spricht besonders in jenen Landstrichen dem Volf in die Seele und das ist die beste Werbung für uns.

Und wenn Sarrasani in nächster Zeit ins Ausland geht, weil er, wie er nicht ohne Bitterfeit sagt. in Deutsch­land an der Steuer zugrunde gehen müßte, dann wünscht man aufrichtig, daß man auch bei uns Mittel und Wege findet, dieses wertvolle Stulturgut der deutschen Heimat zu erhalten.