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Samstag, den 20. September 1930.

großen Anzahl von Krankentassen. Die Stuttgarter Allgemeine Ortskrankenkasse und die besondere Ortskrankenkasse der Han­delsgewerbe geben z. B. bekannt, daß durch die Beschlüsse der Kassenausschüsse vom 23. August 1930 die Beiträge mit Wirkung vom 1. September 1930 ab wie folgt gesenkt werden: bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse von seither 7,2% auf künftig 6% des Grundlohnes; bei der besonderen Ortskrankenkasse des Han­delsgewerbes usw. von 5,7% auf 5% des Grundlohnes. Sie er­mäßigen sich: 1. Für Versicherte, die einen Rechtsanspruch auf Weiterzahlung des Arbeitsentgeltes im Falle der Krankheit für mehr als 2 Wochen und keinen Anspruch auf Krankengeld haben, bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse auf 5,5% des Grundlohnes, bei der besonderen Ortsfrankenkasse des Handels­gewerbes usw. auf 4,5% des Grundlohnes. 2. Für Versicherte, die einen Rechtsanspruch auf Weiterbezahlung des Arbeitsentgel­tes im Falle der Krankheit für mehr als 4 Wochen und keinen Anspruch auf Krankengeld haben, bei der Allgem. Ortskran­fenkasse auf 5% des Grundlohnes, bei der besond. Ortskran­kenkasse des Handelsgewerbes usw. auf 3,75% des Grundlohnes.

Diese Beschlüsse bedeuten, daß die Allgemeine Ortskranken­tasse Stuttgart generell den Beitragssatz von 7,2% ds Grund­Tohnes auf 6%, also um 1,2% senkt. Die besondere Ortskranken­kasse der Handelsgewerbe von 5,7% des Grundlohnes auf 5%, also um 0,7% herabsetzt. Für die Versicherten, die einen Rechts­anspruch auf Weiterzahlung von Arbeitsentgelt im Falle der Krankheit für mehr als 4 Wochen haben, ermäßigt sich der Bei­tragssatz von bisher 7,2% auf 5% des Grundlohnes, bezw. bei der besonderen Ortskrankenkasse für das Handelsgewerbe von 5,7% auf 3,75% des Grundlohnes. Das bedeutet im ersten Falle eine Ermäßigung der bisherigen Krankenkassenbeiträge um fast ½ 32,72%, im zweiten Falle um 29,23%. Der einzelne Ver­sicherte kann es sich ausrechnen, welche Beitragsentlastung er dadurch erfährt. Demgegenüber ist das Gezeter der Sozialdemo traten über die Gebühr für den Krankenschein usw. nichts als agitatorischer Mißbrauch der versicherten Arbeitnehmer für so­zialistische Parteizwede.

Daß daneben die Sozialdemokratie noch heult über die Er­höhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung ist direkte Jrre­führung der Arbeiterschaft. Die Sozialdemokratie hat bekanntlich selbst am stärksten die Erhöhung der Beiträge für die Arbeits­losenversicherung gefordert.

Millionenunterschlagung bei der Heidelberger Wohnungsbau- G. m. b. S.

Heidelberg, 19. Sept. Große Unregelmäßigkeiten wurden bei der vor wenigen Jahren in Heidelberg gegründeten Woh­nungsbau- GmbH. festgestellt. Der Direktor und Geschäftsführer Paul Müller, ein gebürtiger Schweizer, soll verschwunden sein und mit ihm ein Betrag, der in die Millionen gehen soll. Der Verlust trifft in erster Linie katholische Ordensschwestern in der Pfalz, die Baugelder für ein geplantes Krankenhaus her­gegeben hatten. Sollte die Gesellschaft infolge der Unterschla= gung zusammenbrechen, so würden auch zahlreiche kleinere Heidelberger Geschäftsleute geschädigt sein.

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Flugzeugunglüd in Stuttgart.

Stuttgart. Auf dem Flugplatz Stuttgart- Böblingen stießen am Donnerstagnachmittag bei einer Flugzeugvorführung zwei Flugzeuge zusammen und stürzten ab. Die vier Insassen waren auf der Stelle tot.

Steuersperre über München.

München. Die Mehrheit des Münchner Stadtrates hat sich geweigert, den Betrag von 5,8 Mill. RM. als Beitrag der Stadtgemeinde zu den Kosten der Polizeidirektion in den Ge­meindehaushalt einzustellen. Am Dienstag hat die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde dem Stadtrat in einem Schreiben mitgeteilt, daß diese Beschlüsse aufgehoben werden, und daß die Einstellung der Summe in den Gemeindehaushalt angeordnet werde. Um dieser Verfügung Nachdruck zu verleihen, hat der bayrische Staat die Auszahlung der Steuermittel an die Stadt München gesperrt, und zwar in der Höhe der benötigten 6 Mill. RM. Der Stadtrat beschloß, eine Entscheidung des Ver­waltungsgerichtshofes herbeizuführen.

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Verfolgung der deutschen Sprache in Südsteiermart.

Wien. Nach einer dieser Tage erlassenen Verordnung des jugoslawischen Unterrichtsministeriums wird am Marburger Stadtgymnasium die deutsche Sprache in der ersten und zweiten Klasse nicht mehr unterrichtet werden.

Gießener Zeitung"

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Die Ernte ist eingefahren. Die Hungernden, deren es noch viele in unserem armen Vaterlande gibt, kommen und klopfen an den vollen Scheunen. Aber der Bauer ist selbst arm ge= worden und kann nicht mehr helfen. Das Wenige, das er noch hat, reicht kaum für ihn und seine Familie. Armut in den Städten, Armut auf dem Lande. Und daneben steht in einem furchtbaren Gegensaß das Prassertum und kümmert sich nicht weiter um die bittenden Hände, die sich nach ihm ausstrecken. Ja, die Armut in den Städten!

Man sieht sie mit hohlen Wangen, trübe blickenden Augen, in abgetragenen Gewändern. Man sieht sie, aber man hört sie nicht. Man hört sie nicht, denn diese Armen dulden still. Sie murren nicht, sie klagen nicht, sie halten keine geräusch­vollen Versammlungen ab, überschütten nicht das Parlament mit Petitionen.

Stilles Heldentum! Ja, wahrhaftig! Das ist Heldentum! Aber solches Heldentum ist Verbrechen derjenigen, die noch an vollen Tischen sitzen. Daß in Deutschland gerade die Veteranen der Arbeit hungern und betteln gehen, ja sogar den Tod suchen, ist ein unschöner Flecken auf Germanias Schilde. Das sind bittere Sonntagsgedanken. Wenn aber die Wahrheit so erschütternd schreit, wie hier, dann soll sie gerade am Sonntag gehört werden, damit in Not und Herzeleid ein wenig wirkliche Sonne hineinscheinen möchte. Es darf nicht sein, daß in unserer Mitte, unter einem Volke von Christen, daß vor unseren Augen unsere Väter und unsere Mütter, unsere Brüder und Schwestern hungern und verkommen. Wir alle, die wir uns noch sättigen dürfen, sind verantwortlich für sie. Laßt uns helfen und noch helfen betteln gehen für die Armen unseres Volkes! Geben soll, wer geben kann. Blättert heute zum Sonntag in dem Buche der ewigen Wahrheit und über­seht nicht die Stelle, wo es heißt: Wer zwei Röcke hat, gebe dem, der keinen hat, und wer Brot hat, tue desgleichen." Und beim Geben fehle nicht das Beste, das ist das Herz. Die volle freudige Hingabe, die nichts anderes sieht als die Not und nichts anderes kennt als den heiligen Drang, wirklich zu helfen mit der ganzen Hingabe der Kraft. Die Not will nicht allein unser Almosen, sondern sie will uns. Lasset uns geben, die wir empfangen möchten, vor allem gerne, schnell und ohne Zaudern. Der Sonntagsschreiber.

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Eßt deutsches Obit.

In der Obstzeit will jeder, der es sich irgend leisten kann, Obst auf seinem Tisch sehen. Kaum werden die ersten Pflau­men" ,,, die ersten Weintrauben" und was es sonst noch sein mag, angeboten, so werden sie gekauft, ohne daß der Käufer fragt, von wo sie kommen. Und doch wäre diese Frage sehr wichtig. Sie müßte sogar ausschlaggebend für den Kauf sein. Denn das Obst, das aus dem Auslande bezogen wird, bedeutet Abfluß deutschen Geldes ins Ausland, und dieses Geld ist für die innerdeutsche Wirtschaft schlechthin verloren. Bei ausgesprochenen, in Deutsch­land nicht zu züchtenden und für Deutschland unentbehrlichen Südfrüchten wie Zitronen und Apfelsinen muß man freilich die­sem volkswirtschaftlich recht unangnehmen Umstand eben wegen der Unentbehrlichkeit der Früchte mit in den Kauf nehmen. Um so sorgfältiger aber sollte jede Hausfrau darauf achten, solche Obstsorten, die in Deutschland in einwandfreier Güte geerntet werden können, und geerntet werden, nur zu kaufen, wenn sie nachweislich deutscher Herkunft sind. Außer der Erhaltung deut­scher Geldmittel für die innerdeutsche Wirtschaft hat das überdies den besonderen Vorteil, daß das deutsche Obst ausgereifter und darum für den Körperhaushalt wertvoller ist als ausländisches. Denn ausländisches Obst muß, um auf die erforderlich weiten Strecken versandfähig zu sein, unausgereift geerntet werden und crhält nur durch Lagern eine spätere Notreife, die es eben ver­zehrbar macht. Es ist dadurch trotz des höheren Preises an Güte und Wohlgeschmack und auch an Bekömmlichkeit dem deutschen, auf der Pflanze gereiftem Obst unzweifelhaft unterlegen. Darum kauft deutsches Obst!

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* Sonntagsrückfahrkarten im Schnellzug. Die Benutzung von Schnellzügen mit Sonntagsrückfahrkarten wird erleichtert. Bisher mußte mindestens der Schnellzugszuschlag der Zone 2 bezahlt werden. Diese Einschränkung wurde versuchsweise mit Wirkung vom 13. ds. Monats an außer Kraft gesetzt. Bei Ent­fernungen bis 75 Kilometer braucht mithin fünftig nur der Zu schlag der Zone 1 gelöst zu werden.

* Personenstands- und Betriebsaufnahme 1930. Auf An­ordnung des Reichsfinanzministers ist die Personenstands- und Betriebsaufnahme auf Grund der Ausführungsbestimmungen zum Einkommensteuer- und Körperschaftssteuergesetz nach dem Stand vom 10. Oktober 1930 durchzuführen.

* Ein Auto- Straßenhilfsdienst ist vom Hessischen Landes­verein vom Roten Kreuz eingerichtet worden. In ganz Hessen

Nr. 75.

werden vom Roten Kreuz gegenwärtig 61 Unfallhilfsstellen und 102 Unfallmeldestellen bedient.

* Herbst- Pferdemarkt. Der am Mittwoch abgehaltene Gies­sener Herbst- Pferdemarkt litt sehr unter dem schlechten Wetter und war die Besucherzahl wesentlich niedriger als die früheren Märkte. Aufgetrieben waren 213 Pferde und 23 Fohlen.

* Aus dem Stadttheater. Ernannt wurde für die Winter­spielzeit zum Oberspielleiter Herr Bäuerle und zum ersten Spielleiter Herr Fassot.

* Aus der Lukasgemeinde. Auf der Liebigshöhe" veran staltet am morgigen Sonntag nachmittag die Lukasgemeinde einen Familientag, dessen Programm einige genußreiche Stun­den versprechen.

* Obstversteigerung. Am kommenden Montag soll die dies: jährige Obsternte der Stadt, beginnend um 8,15 Uhr, von den Bäumen an der Kläranlage öffentlich versteigert werden.

* Der erste ,, Wäldchestag". Jm Lärchenwäldchen feiern die Bürger von Plattenhausen, Friedensstraße und Am Kugelberg am Sonntag und Montag ihre Kirmes.

* Auch kleine Wunden beachten! Immer wieder hört man, daß Menschen gestorben sind, weil sie eine kleine Wunde nicht beachteten. Viel häufiger, als man das im allgemeinen an­nimmt, kommt dann Blutvergiftung hinzu, die zumeist, wenn sie zu spät bemerkt wird, den Verlust eines Gliedes oder gar den Tod zur Folge hat. Gefährlicher ist es noch, wenn Wundstarr­frampf eintritt.

Steuerkalender für September 1930*) Reich.

* mitgeteilt von der Südwestdeutschen Revisions- und Treuhand­Vereinigung( Weiß& Co., Kom.- Ges.) Frankfurt a. M. 25. September: 3. Ziel der( vorläufigen) Kommunalsteuern ( Grund-, Gewerbe- und Sondergebäudesteuer für Gemeinde, Kreis und Provinz) It. Bescheid. Meist 8-10 Tage Schon­frist.

Straßensperrung,

mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club E. V.( A. v. D.), Die Provinzialstraße ,, Gießen- Daubringen" vom Abzweig der Straße Gießen- Lollar bis Daubringen wird vom 18. Sept. 1930 für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Lollar und Großen- Buseck.

Aus Nah und Fern.

Rödgen( Kr. Gießen). Der Gemeindevoranschlag für das Rechnungsjahr 1930 liegt bis zum 22. September auf der hie­sigen Bürgermeisterei zur Einsicht offen.

Laubach( Oberhessen). Der hiesige Vorschußverein, der etwa 200 Mitglieder, meist kleine Gewerbetreibende und Landwirte aus Laubach und Umgebung, zählt, ist durch unvorsichtige Hin­gabe von Darlehen durch seinen Rechner schwer geschädigt wor den. Nach dem bisherigen Ergebnis der Revision steht ein Fehl­betrag von 236 000 Mt. fest, für den die Mitglieder der Genos­senschaft einzustehen haben.

Schotten. In seiner am Mittwoch abgehaltenen Sitzung er­klärte der Kreisausschuß des Kreises Schotten, die Bürger­meisterwahl in Ulrichstein, die vor kurzem stattfand, für un­gültig.

Herchenhain. Auf der Herchenhainer Höhe veranstaltet heute und morgen der hiesige Segelflug- Ausschuß einen Gleit- und Segelflugwettbewerb, zu dem 12 Maschinen gemeldet sind.

Lampertheim. Dem Totengräber Moos wurde dieser Tage das 29. Kind geboren. Aus erster Ehe waren 16 Kinder her: vorgegangen, aus der zweiten Ehe 13, davon drei Zwillings paare. Von den Kindern leben 14.

Ausstellung ,, Technit im Heim". Darmstadt. Aufklärung und Unterrichtung weitester Kreise über die Notwendigkeit und die Möglichkeit einer Bessergestal tung des Haushalts durch technische Hilfsmittel, Hebung der Le­benshaltung und Förderung der kulturellen Weiterentwicklung durch diese Verbesserung des Haushalts das ist in wenigen Worten das Programm der vom 21. September bis 19. Oktober in der Darmstädter Festhalle stattfindenden Ausstellung ,, Technik im Heim". Diese wird vom Verein deutscher Ingenieure und in Verbindung mit dem Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit, der Reichssorschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen dem Reichsverband deutscher Hausfrauenvereine und weiteren führenden Organisationen veranstaltet. Die Aus: stellung ist eine Lehrschau, die in planmäßiger Gliederung alle Gebiete der hauswirtschaftlichen Technik erfaßt.

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Was eine Witwe nötig hat:

nicht nur das Geld für das Begräbnis und den Friedhof; auch Geld zum Nötigsten für sich und ihre Kinder( auch die Pension oder Rente ist oft selbst für das Nötigste unzureichend); und häufig noch Geld um alte Schulden zu begleichen( z. B. für Abzahlungskäufe)!

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- ein Unfall- Auch Dich kann's eines Tages plötzlich treffen eine tückische Krankheit. Hast Du für diesen Fall gesorgt- durch eine Lebensversicherung? Schon eine kleine Summe wird die Deinen doch wenigstens vor dem Schlimmsten bewahren.

Vorsorge schützt vor Sorge!

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