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Mittwoch, den 20. August 1930.

Handball.

Handball- Pokalwoche der Sp. Vg. 1900 Gießen.

Bataillon Gießen 1900 Gießen

Polizei Buzzbach

Bolizei Buzzbach

Volizei Buzzbach

-

-

12: 3

T.-V. 46 Gießen

4: 2

-

M. T. V. Gießen Bataillon Gießen

4: 2

4: 4

-

Wie die gesamte Jubiläumswoche, so nahm auch das Hand­ball- Turnier einen guten Verlauf. Der Abschluß hatte allerdings einen etwas furiosen Anstrich insofern, als der Sieger durch Beschluß und nicht auf dem Spielfeld festgestellt werden mußte. Der Leidtragende allerdings nicht durch anderer Schuld dabei waren die Butzbacher, die angeblich wegen dringend not­wendiger Abreise und auch wegen Dunkelheit( letzteres konnte mit Recht bestritten werden) nicht in Spielverlängerung ein­willigten. Es muß jedoch gesagt werden, daß in der Bataillons= mannschaft der Pokal an eine in jeder Beziehung würdige Elf fiel. Nun zu den einzelnen Treffen:

Die 1900er hatten mit ihrer jungen nur allzu jungen Mannschaft am Verfassungstag einen schlechten Start und muß­ten gegen die mit großer Frische spielenden Soldaten mit 12: 3 ( 6: 2) die Segel streichen. Die Plazmannschaft war schwach im Abspiel, aber manchmal noch schwächer im Zerstören. Da der Hüter auch eine kaum genügende Leistung zeigte, war das Dutzend bei Abpfiff voll.

Der Turnverein 1846 Gießen stand am Dienstag abend der als spielstark bekannten Polizei Butzbach gegenüber. Es zeigte sich jedoch bald, daß die Ordnungshüter viel von ihrer Gefähr­lichkeit eingebüßt hatten, und wenn die Turner manchmal nicht so eigensinnig gespielt und anfängerhaft geworfen hätten, wäre leicht eine Ueberraschung dagewesen. Beide Mannschaften hat­ten allerdings mehrere Ersahleute einstellen müssen.

Am Donnerstag mußten sich die Polizisten erneut vorstellen und mit dem Männerturnverein Gießen die Klingen kreuzen. Das Spiel litt sehr unter dem glatten und mit Wasserlachen be­deckten Boden und war ein Kampf der Frei- und Strafstöße zu nenner. Die Polizei war in der zweiten Spielhälfte wieder stark gefährdet, verteidigte aber geschickt genug, um den gleich zu Spielanfang errungenen Vorsprung zu halten.

Ein Handballspiel, wie man es sich wünscht, lieferten sich die Schlußspielkontrahenten, Bataillon Gießen und Polizei Buh­bach. Wechselvolle Situationen, schneller, energischer, jedoch fairer Kampf, mit auf guter Stufe stehenden Leistungen waren die Kennzeichen dieses Treffens. Der Torvorsprung, den sich die mit dem Wind spielenden Soldaten bis Halbzeit( 3: 1) ver­schafft hatten, reichte nicht hin, um den Sieg sicherzustellen, denn Butzbach zeigte nachher die bessere Leistung und mußte notwen­digerweise aufholen."

Lokales.

Stadtverordnetensitung.

Der Oberbürgermeister ladet zu einer Sigung des Stadt­rates auf heute, Mittwoch, den 20. August 1930, 16 Uhr( 4 Uhr), in das Stadthaus, Bergstraße, Sigungssaal, mit folgender Tagesordnung ein:

1. Voranschlag der Stadt Gießen und der städtischen Neben­kassen für das Rj. 1930.

Es liegen folgende Anträge des Finanzausschusses vor: 1. Antrag. Der Zuschuß zur Wohlfahrtspflege( VIII,) wird statt auf 843 000 RM. auf 863 000 RM. festgesetzt. Mehr­ausgabe: 20 000 RM.

2. Der Reservefonds( IX. 5) wird statt auf 70 593,05 RM. auf 100 000 RM. festgesetzt. Mehrausgabe: 29 406,95 RM. 3. Antrag. Der Stadtratsbeschluß vom 20. Mai 1930, wonach die Grundsteuer von Gebäuden unter der Bedingung er­höht wird, daß die gesetzliche Miete von 120 Prozent auf 122 Prozent der Friedensmiete erhöht wird, wird aufge­hoben. Wenigereinnahme: 100 000 RM.

4. Antrag. Der nach den Anträgen 1-3 sich ergebende Fehl­betrag von 149 409,95 RM. wird wie folgt gedeckt: a) Die Steuer vom Gewerbeertrag wird statt auf 220 auf 230 Rpfg. je 100 RM. Steuerwert festgesetzt. Mehr­einnahme: 8700 RM.

b) Die Grundsteuer von bebauten Grundstücken und Bau­plägen wird ſtatt auf 25 auf 27 Rpfg. je 100 RM. Steuerwert festgesetzt. Mehreinnahme: 22 000 RM.

,, Gießener Zeitung"

6. Die Kosten der Wasserversorgung der Gemeinde Lindenstruth. 7. Vertrag über die Wasserversorgung der Gemeinde Heuchel­heim.

8. Errichtung von städtischen Kleinwohnungen in der ver­längerten Schottstraße.

9. Uebernahme von Bürgschaften.

10. Nachtrag zum Ortsbaustatut der Stadt Gießen( Verbot der Errichtung von Anlagen nach§ 16 der Gewerbeordnung im Arbeitsviertel der Landesuniversität).

11. Beitritt der Stadt Gießen zum Regionalplanungsverband. 12. Baugesuche.

13. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 14. Krediterweiterungen.

15. Notstandsarbeiten für Erwerbs! ose des Wohlfahrtsamts. 16. Mitteilungen der Stadtverwaltung.

*

é Der Ortsgewerbeverein protestiert. Der Ortsgewerbe­verein protestiert öffentlich gegen eine weitere Erhöhung der Realsteuern, die zur Deckung des städtischen Defizits von der Stadtverwaltung geplant ist.

c) Die Grundsteuer vom land- und forstwirtschaftlich ge= nuzten Grundstücken wird wie bisher auf 35 Rpfg. je 100 RM. Steuerwert festgesetzt.

* Ins Manöver. Am Montag ist unser Bataillon zu den diesjährigen Uebungen auf dem Truppenübungsplatz Döberitz verladen worden. Vom 13 bis 19. September nimmt das Bataillon an den großen Rahmenübungen im Raume Main­gebiet- Thüringer Wald teil. Es wird am 20. September in den Standort zurückkehren.

d) Der Betriebsüberschuß des Elektrizitätswerkes wird statt auf 310 000 auf 338 000 RM. festgesetzt. Mehr­einnahme: 28 000 RM.

e) Der Betriebsüberschuß des Gaswerks wird statt auf 235 000 auf 240 000 RM. festgesetzt. Mehreinnahme: 5000 RM.

* Verkehrsunfall. Am Montag gegen 6 Uhr nachmittags wurde auf der Ostanlage ein sieben Jahre altes Mädchen beim Ueberqueren des Fahrdammes von einem Lastwagen überfahren. Das bedauernswerte Kind ist in der chirurgischen Klinik seinen schweren Verlegungen erlegen.

f) Der Betriebsüberschuß des Wasserwerks wird statt auf 150 000 auf 157 706,95 RM. festgesetzt. Mehreinnahme: 7706,95 RM.

* Brandinspektor a. D. Faber dekoriert. Der langjährige Führer und Ehrenkommandant der Gießener Freiw. Feuerwehr wurde Montag abend vor der Hauptübung auf dem Oswalds­garten mit dem Hess. Feuerwehr- Ehrenkreuz ausgezeichnet.

g) Auf Grund der Verordnung des Herrn Reichspräsiden­ten vom 26. Juli 1930 wird die Bürgersteuer nach Maß­des Hessischen gabe der Ausführungsbestimmungen Staates erhoben. Einnahme: 78 000 RM.

5. Antrag. Die Voranschläge der städtischen Nebenkassen wer­den entsprechend geändert.

* Der Anfang der Hühnerjagd in Hessen ist auf den 25. August festgesetzt.

2. Antrag des Finanzausschusses, betr. Akkumulatoren- Batterie für die Telephonanlage im Stadthaus Bergstraße.

* Wahlversammlungen. Heute abend reden Bäckermeister Drewitz- Berlin und Prof. Dr. Horneffer- Gießen im Café Leib über ,, Die Krise der deutschen Parteien". Veranstal­ter ist die hiesige Gruppe der Wirtschaftspartei.- Morgen abend hält die nationalsozialistische Arbeiterpartei in der Turn­halle am Oswaldsgarten eine öffentliche Versammlung ab, auf der Prof. Dr. Werner sprechen wird.

3. Erlaß einer Polizeiverordnung betr. die Einrichtung und den Betrieb des Nuzviehmarktes in Gießen.

4. Gesuche um Erlaubnis um Schantwirtschaftsbetrieb.

5. Vertrag über die Wasserversorgung der Gemeinde Linden­struth.

Wir suchen in allen Dörfern

Nr. 66.

Aus Nah und Fern.

Langd.

Beim Dreschen stürzte der 62jährige Landwirt Seum rüdlings vom Dreschwagen und zog sich schwere Ver= letzungen der Wirbelsäule zu.

Bad Nauheim. Die Mitteldeutschen Skivereine tagen hier am 6. und 7. September.

Lauterbach. Der Postneubau ist zu etwa 150 000 Mark veranschlagt. Die Entscheidung über den baldigen Beginn der Bauarbeiten liegt bei der obersten Postbehörde in Berlin. Die Stadtverwaltung hat einen Bauplaz im Bahnhofsviertel an der Straßenzweigung nach Angersbach zur Verfügung gestellt.

Büdingen. Bei der Sonntag vorgenommenen Wahl eines Beigeordneten für die Stadt Büdingen erhielt der Kandidat der bürgerlichen Parteien, Steuerinspektor Emil Diemer, 1009, sein von der SPD. aufgestellten Gegenkandidat, Metzgermeister Theodor Oberheim, 370 Stimmen. Mithin ist Diemer gewählt. Die Wahlbeteiligung dürfte auf 80 Prozent zu schähen sein. Rudlos. Hier wurde ein Verbrecher, entsprungen aus dem Zuchthaus zu Diez an der Lahn, festgenommen.

* 50 Rps. für jede ärztliche Verordnung! Die umfangreiche Notverordnung der Reichsregierung vom 26. Juli hat auch eine Aenderung der Bestimmungen der Krankenversicherung gebracht. Trotz aller Warnungen der Apotheker und Aerzte u. a. schreibt die Verordnung vor, daß fortan jedes Mitglied einer Orts-, Land-, Jnnungs-, Betriebs- oder Ersagkrankenkasse bei der Ent­nahme von Arznei- und Heilmitteln aus der Apotheke oder einer anderen Stelle 0,50 RM für jedes ärztliche Verordnungsblatt zu zahlen hat. Ob nur eins oder mehrere Arzneimittel auf einem Rezeptblatt verordnet sind, ist gleichgültig. Es ist stets, von noch festzusetzend. Ausnahmen abgesehen ½ RM an die abgebende Stelle zu entrichten. Beträgt der Wert der verordneten Arznei weniger als 0,50 RM, so hat der Versicherte nur diesen Betrag zu bezah­len. Die Apotheken, die diese für die Mehrzahl der Versicherten insbesondere bei längerer Krankheit nur schwer aufzubringende Gebühr einziehen, sind hierzu durch das Gesetz gezwungen, da die Kvankenkasse ihnen für jedes Verordnungsblatt 0,50 RM von der Rechnung fürzt. Die Apotheken haben gemeinsam mit anderen Kreisen die Reichsregierung, insbesondere das Reichsarbeits­ministerium davon zu überzeugen versucht, daß eine Arznei­fostenbeteiligung in dieser Höhe eine große Härte für die Kran ken, die hohe Beiträge für die Krankenversicherung zahlen, bedeu­tet. Man hat trotzdem die Gebühr eingeführt, weil man glaubte, auf diese Weise durch weitere Belastung der Versicherten in der Krankenversicherung sparen zu müssen.

Der Gartenbaulandesverband Hessen- Darmstadt tagt am 31. August und 1. September in Darmstadt.

*

Marburg. Diebe erbeuteten bei einem Einbruch in dem be­kannten, Wirtshaus an der Lahn" Zigarren, Zigaretten und Schokolade. Es handelt sich bei den Dieben um zwei auslän= dische Arbeiter.

Marburg. Sonntag gelang es, einen schon lange gesuchten Mann namens Matthias Kreutz festzunehmen, der im Ver­dachte steht, im Jahre 1922 in Corbach einen Mord begangen zu haben.

* Denkmalsweihe und 2. Regimentsappell des Husaren- Re­giments König Wilhelm I.( 1. Rhein.) Nr. 7. Bonn. Der Vor­sitzende des Königshusarenbundes, Major Freiherr von Stein bring allen ehemaligen Kameraden zur Kenntnis, daß der 2. Regiments appell om 21. September 1930 in Bonn stattfinden wird, nicht wie ursprünglich geplant am 14. September. Zugleich wird neben dem altehrwürdigen Münster zu Bonn auf dem Mar­tinplatz ein den Traditionen des alten stolzen Regiments ent sprechendes monumentales Denkmal errichtet und feierlich ein­geweiht werden. Zu dieser Feier werden alle ehemaligen Königs­husaren und die Angehörigen der Gefallenen eingeladen. Adres­senangabe zwecks weiterer Benachrichtigung an die Geschäftsstelle für den Regimentsappell Husaren 7, Bonn, Rittershausstr. 7.

Bierter Deutscher Bismarc- Tag.

Marburg. Ein neues Serum gegen Typhus wurde beim Institut für experimentelle Theraphie von Dr. Groß hergestellt. Frohnhausen. Ihr Kind erstickt hat eine Mutter, indem sie es zu fest einwickelte. Die Tat wurde in einem Anfall geistiger Umnachiung ausgeführt.

Frankfurt a. M. Jm Fremdenverkehr ist gegenüber dem Vorjahre ein Rückgang zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr wurden 80 893 Fremde gezählt, während in diesem Jahre nur 75 923 Fremde unsere Stadt besuchten.

Wie uns der ,, Verein zur Errichtung eines Bismard- Natio= nal- Denkmals, E. V.", Köln, Marzellenstraße 11, mitteilt, hat ein vom Vorstand eingesetzter Ausschuß zur Vorbereitung des vierten Deutschen Bismard- Tages einmütig beschlossen, die für den 20. und 21. September d. J. in Bingen am Rhein in Aus­sicht genommene Tagung aus politischen und wirtschaftlichen Gründen bis zum Frühjahr nächsten Jahres zu verschieben.

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Wiesbaden. Hier ist der 100 000. Kurgast eingetroffen, der durch Ueberreichung einer Befreiungstasse geehrt wurde.

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