Nr. 92
Mittwoch, den 19. November 1930.
Zur Unfallgefahr im Bergbau und anderen Gewerbebetrieben.
Es wird uns geschrieben:
Ein schweres Geschick hat das deutsche Volk, insbesondere den deutschen Bergbau, betroffen. Zwei Grubenunglücke von solchem Ausmaß, in so kurzer Aufeinanderfolge, noch dazu in zwei nahe zusammenliegenden Revieren, ist ein Ereignis, wie es bisher noch in keinem Land der Welt vorgekommen ist. Zu all der wirtschaftlichen Not nun auch diese furchtbaren Schicksalsschläge mit dem Verlust so vieler kostbarer Menschenleben.
,, Gießener Zeitung"
Kartoffelrekordernte 1930.
Rückblick und Ausblick!
Von Landwirtschaftslehrer Dr. P. Lieb. Reichsernährungsminister Dr. Schiele stellte gelegentlich der sog. Kartoffelkonferenz, die unter seiner Leitung im Oktober ds. Js. in Berlin stattfand, fest, daß die diesjährige Kartoffelernte auf 45 Millionen Tonnen geschätzt werden kann, d. i. 15% mehr als im Vorjahre. Seit den Kriegs- und Nachkriegsjahren tamen wir nicht mehr auf diese Zahl. Der Grund für das Ergebnis dieser Rekordernte liegt in erster Linie in der für das Wachstum der Kartoffel günstigen feuchtwarmen Witterung der zweiten Sommerhälfte. Ein weiterer, m. E. ebenso wichtiger Grund, der in der Tagespresse noch wenig Erörterung fand, ist die starke Kalidüngung, welche die deutsche Landwirtschaft in richtiger Kenntnis der Sache, dieser Hackfrucht in immer gesteigertem Maße zugute kommen ließ. Dabei sei aber ausdrücklich betont, daß der Verlauf der Witterung während der Vegetations= periode als sogen. Vegetationsfaktor diesem Ernährungsfaktor gleichzustellen ist.
Die Grubenumglücke im Aachener und Saarbrückener Revier haben naturgemäß die Aufmerksamkeit in der Oeffentlichkeit in erhöhtem Maße auf die Gefährlichkeit der bergmännischen Arbeit gelenkt. Unter dem Eindruck dieser traurigen Ereignisse ist es verständlich, daß die Auffassung, der bergmännische Beruf sei weitaus der gefährlichste aller Berufe, vorherrscht. In dieser Hinsicht dürfte eine Aufstellung interessieren, die Dr. Ing. e. h. G. A. Meyer, der als Führer der deutschen Rettungstruppe bei dem Grubenunglück von Corrières und durch seine allgemeinen Verdienste um die Ausgestaltung des Grubenrettungswesens bekannt geworden ist, vor einiger Zeit in dem amtlichen Organ der Reichsknappschaft und der Knappschaftsberufsgenossenschaft„ Der Kompaß“ veröffentlicht hat. Aus dieser Ausstellung, in der die in den Jahren 1913, 1924, 1925 und 1926 entschädigten Unfälle und die tödlichen Unfälle aufgeführt sind, ergibt sich, daß von 8 Spitzenzahlen eine- die tödlichen Unfälle im Jahre 1926 auf das Konto der Knappschaftsberufsgenossenschaft entfällt. Der gefährlichste Beruf war in Bezug auf die entschädigten Unfälle im Jahre 1913 die BG. gewerbsmäßiger Fahrzeughaltung mit 17,37 Unfällen auf 1000 Vollarbeiter berechnet, im Jahre 1924 wieder die BG. gewerbsmäßiger Fahrzeughaltung mit 10,87( auf 1000 Vollarbeiter berechnet), 1925 die Tiefbau- BG. mit 14,49 und 1926 wieder die Tiefbau- BG. mit 15,02. Jnbezug auf tödliche Unfälle war der gefährlichste Beruf 1913 die Westd. Binnenschiffahrts- BG. mit 3,61( auf 1000 Vollarbeiter berechnet), 1924 die See- BG. mit 1,95, 1925 die Westd. Binnenschiffahrts- BG. mit 2,31, 1926 die Knappschafts- BG. mit 1,96. Es steht jedenfalls fest, so fügt der Verfasser hinzu, daß, so wenig die Gefährlichkeit des Bergbaus angezweifelt und verkleinert werden soll, es doch eine Reihe von Industrien mit ähnlichen gefährlichen Betrieben gibt, die der Oeffentlichkeit nicht so bekannt sind.
Viel Kopfzerbrechen macht uns Landwirte nun die Unterbringung dieses reichen Kartoffelsegens. Durch das Ueberangebot von Kartoffeln auf dem Kartoffelmarkte sind die Preise zurzeit stark gedrückt. Wünschenswert wäre eine stärkere industrielle Verwertung der Kartoffel. Dabei kommen folgende Jndustriezweige in Frage:
1. Stärkefabrikation,
2. Herstellung von Kartoffelfloden,
3. Verarbeitung der Kartoffel auf andere Lebensmittel, wie Sago, Mondamin usw.,
4. Spiritusverarbeitung.
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sind." Und ein anderer Staatsmann Großbritanniens, A. Cham berlain, sprach das Wort: ,, Wenn wir morgen die Gier nach berauschenden Getränken zerstören könnten, würden wir bald sehen, daß unsere Steuern um Millionen herabgesetzt werden könnten." Im japanischen Reichstag erklärte fürzlich bei der Beratung eines Gesezentwurfes über die Erhöhung der Altersgrenze für den Ausschank alkoholischer Getränke von 21 Jahren auf 25 Jahre der dortige Finanzminister, der Regierung liege nicht, die Staatseinnahmen dadurch zu erhöhen, daß die Jugend durch Alkohol verseucht werde. Die Bewahrung der Jugend vor der Alkoholgefahr sei wichtiger als die Rücksicht auf die Alkoholsteuer. Eine angesehene schweizer Zeitschrift schreibt zu der eingangs erwähnten Einstellung der maßgebenden Finanzbehörden: Welch furzsichtiger Landessädelmeister! Hof= fentlich sehen wir nie einen solchen volkswirtschaftlichen Stümper an der Spitze unserer Eidgenossenschaft!"
In der breiten landwirtschaftlichen Praxis kommt neben dem Saatgutbedarf und der Verwendung der Kartoffel für Speisezwecke in Frage eine weitgehendste Verfütterung dieser Frucht und zwar nicht nur, wie meist üblich, an Schweine, sondern auch an Pferde( Vorsicht!) und Rindvich. Bei der Schweinemast ist der sogenannten Schnellmast der Vorzug zu geben. Für Schweine mit gutdurchwachsenem Fleisch und einem Lebendgewicht von 80-100 Kg. werden immer noch die besten Preise erzielt. Diese Tatsache muß sich jeder Schweinehalter und |-züchter stets vor Augen halten.
Zutreffende Vergleiche der Zahlen der Unfallstatistik mit denen der übrigen Bergbau treibenden Länder sind nicht ohne weiteres möglich. Zu berücksichtigen ist die große Verschiedenheit der statistischen Grundlagen in den einzelnen Ländern, die Verschiedenheit der Belegschaft. 3. B. ist bei Berechnung auf je 1000 Mann der Belegschaft der große Unterschied in der Zahl der verfahrenen Schichten zu beachten, da die Leute bei geringerer Schichtenzahl auch kürzere Zeit der Gefahr ausgesetzt sind. Im Jahre 1922 betrug z. B. die Schichtenzahl in Preußen 302, in den Vereinigten Staaten dagegen nur 144. Dr. Jüngst, Essen, hat vor einiger Zeit die Unfallziffer im amerikanischen Bergban( auf 1000 beschäftigte Arbeiter) auf 300 Arbeitstage berech= net. Danach ergibt sich, daß die Menschenverluste im amerikanischen Bergbau doppelt so hoch sind als bei uns. Während Preußen 1922 auf 1000 beschäftigte Personen, auf 300 Arbeitstage umgerechnet, 2,21 Todesfälle aufweist, beträgt diese Ziffer in den Vereinigten Staaten im gleichen Jahr 4,39. Das gleiche Verhältnis weisen auch die voraufgegangenen Jahre auf.
Größer noch als die Unfallgefahr im amerikanischen Bergbau ist nach einer Darstellung des russischen Bergarbeiterverbandes, die fürzlich die Bergarbeiter- Zeitung veröffentlicht hat, die Unfallgefahr im russischen Bergbau. Danach verlangt in Rußland jede Million Pud geförderter Kohle dreimal mehr Opfer Menschenleben als im amerikanischen Bergbau. Die Zahl der Unfälle im Donezbecken, im Ural und in Sibirien werden von keinem anderen Land übertroffen.
Im englischen Bergbau ist die Unfallgefahr infolge günstigerer Gebirgs und allgemeiner geologischer Verhältnisse geringer als im deutschen Bergbau.
Geblendet von der diesjährigen reichen Kartoffelernte wäre es aber vom Landwirt volks- und privatwirtschaftlich verkehrt, seine Hand in den Schoß zu legen. Er muß schon heute an gewisse Vorarbeiten für die Ernte des kommenden Jahres denken. Die Kartoffel ist ein Kalifresser. Kartoffelrekordernten entziehen dem Boden viel Kali, dies muß dem Boden wieder zurüdgegeben werden, damit die nachfolgende Halmfrucht nicht Mangel an diesem Nährstoff leidet( Gefahr der Getreidelagerung). Felder, die im kommenden Jahre mit Kartoffel bestellt werden sollen, dünge man bereits schon im Spätherbst mit Kali. Leichten Böden gibt man je Hektar 6-12 Doppelzentner Kainit, schweren Böden 1½- 3 Doppelzentner 40er Kalidüngesalz.
Jm größten deutschen Bergbaubezirk, im Ruhrbezirk, ist die Zahl der Unfälle in den letzten Jahren nicht unerheblich zurückDie Statistik der tödlichen Unfälle im Oberberggegangen. amtsbezirk Dortmund zeigt nach Mitteilung des Oberbergamts folgendes Bild: Vierteljahresdurchschnitt 1901-1910 tödlicher Unfälle insgesamt 165( auf 1000 Beschäftigte 0,573); Vierteljahresdurchschnitt 1925-1929 202( 0,569); erstes Vierteljahr 166( 0,503); zweites Vierteljahr 1930= 128( 0,443).
1930
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Rückgang des Trinkbranntweinabjakes.
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,, Weltkrieg droht auf Deutschem Boden", von General Lu= dendorff. Preis 90 Pfg. Ludendorffs Volkswarte- Verlag, München, Karlstraße 10. Die Tatsache ist bekannt, daß von einem neuen Kriege viel gesprochen und geschrieben und von manchen auch erhofft wird. In einer Schrift von 96 Seiten mit 4 Textskizzen und 1 Kartenbeilage legt uns der Generalquartiermeister des Weltkriegs 1914-18 die ungeheuer bedrohliche Lage des entwaffneten Deutschen Reiches, umgeben von in Waffen starrenden Nachbarn, dar. Ludendorff weist nach, wie eine Bündnispolitik des Deutschen Reiches mit Italien( England Rußland) den drohenden Weltkrieg und damit den Krieg aus deutschem Boden Tatsache werden läßt. Im ersten Teil der Schrift behandelt er die politischen Macht- und angestrebien Bündnissysteme, im zweiten Teil den Verlauf des drohenden Krieges selbst. Deutschland ist Schlachtfeld, Volk und Heimat werden vernichtet. Niemals dürfte wohl eine Schrift von solcher Bedeutung für das Schicksal unseres Volkes geschrieben sein. Es handelt sich nicht um eine Sensation, sondern um einen ernsten Warnruf an die Deutschen.
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Nach dem soeben von der Reichsmonopolverwaltung veröffentlichten Ausweis über das letzte Vierteljahr ihres Geschäftsjahres 1929/30 ist der Trinkbranntweinverbrauch von 886 000 Hektoliter im Vorjahr auf 495 000 Hektoliter in diesem Geschäftsjahr, also um 40 v. H. zurückgegangen. Es wird daran die bedauernde Bemerkung geknüpft, daß die kürzlich vorgenommene Erhöhung der Branntweinsteuer diesen Rückgang verschuldet habe, der auf die Reichsfinanzen ungünstig wirke. Wie so ganz anders dachte da der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV., als er erklärte:„ Ich würde es für den größten Segen meiner Regierung ansehen, wenn während derselben die Branntweinsteuer auf Null herabsänke." Der Staatssekretär des Reichsschahamtes, Kühn, sagte im Reichstag bei der Beratung über die Spiritussteuer am 2. Dezember 1913:„ Bei der Branntweinsteuer ist ein Rückgang zu verzeichnen. Das ist zwar als Passivum im Reichshaushalt zu buchen, aber als ein Aktivum für unsere Volfswohlfahrt." Der große englische Staatsmann Gladstone sagte seinerzeit zu einer Abordnung von Bauern, die wegen angeblich zu hoher Malzsteuern vorstellig wurde und auf die mit dem Rückgang des Bierverbrauchs verbundene Steuereinnahme hinwies:„ Meine Herren, Sie müssen sich nicht wegen unserer Steuereinnahme beunruhigen. Die Frage des Steuertrags darf nie notwendigen Reformen im Wege stehen. Mit einer nüchternen Bevölkerung, die ihren Verdienst nicht verschleudert, weiß ich immer, woher die Steuern zu bekommen
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