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Nr. 22.

Mittwoch, den 19. März 1930.

Meisterschaften des Jahres 1930 am 2. und 3. August im Grune­waldstadion zu Berlin gemeinsam durchzuführen.

Auch bezüglich der übrigen Sportarten gehen die Bestre­bungen dahin, daß es in Zukunft für jede Uebung nur noch einen deutschen Meister gibt.

S. D. G.!

Deutsche Sport- und Turnverein, denkt an unsere Jugend! Helft ihr durch eure Erziehungsarbeit, die schon so Vieles und Großes erreicht hat, weil sie aus vaterländischer Gesinnung un­eigennützig geleistet worden ist und weiter geleistet wird, dazu, daß sie heranwächst zu gesunden, kräftigen und arbeitsfrohen Menschen. In eure Hand ist eine große Verantwortung gelegt, zeigt euch ihr gewachsen. Liest man die Ziffern, die jetzt bei der neuen Bestandserhebung der Deutschen Turnerschaft vom 1. Januar 1930 nach und nach aus allen Teilen des deutschen Landes bekannt werden, sorgsam durch, dann ergibt sich als gleichmäßige Erscheinung, daß überall die Zahl der Jugendlichen und noch mehr der Knaben und Mädchen, die den Vereinen zu­der an strömen, nachgelassen hat, daß der Mitgliederstand nur aufrecht­und für sich eine erfreuliche Zunahme ausweist erhalten wird durch eine Zunahme der Erwachsenen. Das heißt mit anderen Worten, daß sich der Mitgliederbestand immer mehr zu gunsten der älteren Jahresklassen verschiebt, eine für unsere Zukunft zweifellos nicht unbedenkliche Tatsache.

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Die Erklärung für diese bedauernswerte Erscheinung liegt sehr nahe. Die Kriegsjahrgänge rücken jetzt ins Entwicklungs­alter, sie werden sehr bald in das Wirtschaftsleben eintreten und dort eine bestimmende Rolle spielen. Nicht nur ihre er= heblich geringere Zahl, sondern auch ihre körperliche und seelische Beschaffenheit sind ausschlaggebend. Man hat kürzlich eine Be­rechnung über die Entwicklung der jugendlichen Bevölkerung aufgestellt, wie sie sich voraussichtlich in den kommenden Jahren ergeben wird. Nach dieser Aufstellung vollendeten 1928 noch 1241 000 Jugendliche das 15. Lebensjahr, 1929 waren 1 226 000, 1930 dagegen nur noch 937 000. Und dann wird diese Ziffer ganz gewaltig sinken, nämlich 1931 auf 699 000, 1932 auf 624 000, 1933 auf 627 000.

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Diese Zahlen sind geradezu erschreckend, sie werden es noch mehr sein, wenn man nicht nur die stark herabgeminderte Zahl, sondern den Gesundheitszustand dieser Jugendlichen betrachtet. Da muß es höchste Pflicht sein, aus jedem dieser Kriegsjugend­lichen einen vollwertigen Menschen zu schaffen. Ihre Erziehung ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Sportvereine. Die besten Jugendlehrer müssen in den Jugendabteilungen einge­setzt werden, die wertvollsten Kräfte des Vereins sind gerade gut genug, sich dieser für die Zukunft unseres Volkes so wich tigen Arbeit zu unterziehen.

Aus Nah und Fern.

Friedberg. Zwei Diebe drangen nachts in das Bürger­hospital ein und stahlen 25-30 Pfund Fleisch und Wurstwaren. Die Täter konnten ermittelt und festgenommen werden.

Nieder- Mörlen. Ein hiesiger 35jähriger Einwohner wird seit Freitag vermißt. Er fuhr an diesem Tage nach Frankfurt, um dort Geld für sich abzuheben, und ist noch nicht wieder zu­rückgekehrt.

Hirzenhain. Infolge der ungünstigen Wirtschaftslage und veranlaßt durch das Ausbleiben von Aufträgen, sieht sich die Direktion der Buderus'schen Eisenwerke in Hirzenhain gezwun­gen, vom 1. April ab Kurzarbeit in sämtlichen Abteilungen des Werks einzuführen.

Auerbach.( Qualvoller Tod eines Kindes.) Das 2jährige Kind einer in der Bachgasse wohnenden Familie war in einem

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Eiserne Hochzeit und 92. Geburtstag. Wimpfen a. N. Das seltene Fest der eisernen Hochzeit( 65­jährige Ehe) konnte das Ehepaar Schlossermeister Speer be= gehen. Der Jubilar hat außerdem im November vorigen Jah­res seinen 92. Geburtstag feiern können, seine Frau ist 89 Jahre alt. Beide befinden sich noch bei recht guter Gesundheit.

Stadt- Theater und Kreisabbau.

Mainz. Die Deputation für die städtischen Theater- und Musikangelegenheiten beriet in ihrer letzten Sizung über die Weiterführung des Theaters. Nach eingehender Beratung hat sich die Deputation für die achtmonatige Spielzeit bei Aufrecht­erhaltung der drei Spielgattungen entschieden. Es soll in der Spielzeit 1930-31 die Selbständigkeit des Theaters, wenn auch mit Einschränkung, erhalten bleiben. Aus der Mitte der Depu­tation wurde ein Antrag angenommen, sofort bei der hessischen Regierung und dem Landtag einen größeren Staatszuschuß für das Mainzer Theater zu beantragen.

Die von Mainz für das Theater vom hessischen Staat gefor= derte Summe beträgt 200 000 Mart.

Hierzu schreibt die ,, Landskrone" in Oppenheim:

,, 200 000 Mt. vom Staat? 116 000 Mt. einsparen mit der Aufhebung von 7 Kreisen und ihren sämtlichen Ver­waltungseinrichtungen, der Einwohnerschaft das Recht der freien Selbstverwaltung nehmen, sieben Kreisstädte bis zum Weißbluten knebeln und das aus dem flachen Land heraus­gepreßte Geld einem Theater in den Rachen werfen! Darüber darf das letzte Wort noch nicht gesprochen sein."

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Wetzlar. Am 1. April feiert die Stadt die 750. Wiederkehr ihrer Erhebung zur Freien Reichsstadt.

Marienberg( Westerwald). Die Freiw. Feuerwehr begeht in diesem Jahre am 14. bis 16. Juni die Feier ihres 50jährigen Bestehens, verbunden mit Bannerweihe.

Prof. Drexel als Leiche gefunden. Frankfurt a. M. Am Sonntag wurde der seit Anfang Fe­bruar ds. Js. vermißte Direktor des Archäologischen Instituts, Prof. Drerel, bei Höchst aus dem Main geländet.

Frankfurt a. M. Der Frankfurter Magistrat hat sich da­mit einverstanden erklärt, daß zur Vorbereitung und Durchfüh­rung der Sängerveranstaltung eine gemischte Kommission von je fünf Mitgliedern des Magistrats sowie der Stadtverordneten­versammlung eingesetzt wird. In den Etat 1930 werden als erster Betrag für das Sängerfest 50 000 Mark eingestellt.

Frankfurt a. M.„ Verantwortung im Ingenieurberuf". Hierzu sprechen die Herren Dr. Jng. Schäfer und Staatsanwalt­schaftsrat Dr. jur. Knögel am Mittwoch, den 19. März 1930, 20 Uhr, in der Frankfurter Kunstgewerbeschule, Neue Mainzer straße 47.

Fulda. Bei der diesjährigen Abiturienten- Entlassungs­feier wurde der Studienrat Ernst Bagon während seiner Rede von einem Schlaganfall betroffen, dem er kurze Zeit danach erlag. Der Verstorbene stand im 49. Lebensjahr.

Ein Erwerbsloser als Jagdpächter?

Kassel. Bei der Verpachtung der Gemeindejagd in Alters­bach( Kreis Schmalkalden), 840 Morgen groß, auf die Dauer von neun Jahren, erhielt als Höchstbietender der seit drei Jah= ren erwerbslose Schlosser und Hauptunterstützungsempfänger August Henkel aus Steinbach- Hallenberg( Bezirk Kassel) mit einem jährlichen Pachtpreis von 299 Reichsmark den Zu­schlag. Zu dem Pachtpreis hinzu kommen jährlich noch 29,40

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Eine Verlobte erhält den Hauptgewinn. Kassel. Eine junge Kontoristin, die sich zu Weihnachten verlobt hatte, kaufte sich einige Tage nach ihrer Verlobung für 50 Pfg. ein Lotterielos der Passauer Dombau- Geldlotterie. Heute wurde dem jungen Mädchen von dem Kasseler Kollekteur mitgeteilt, daß es auf seine Nummer 104 903 den Hauptgewinn von 10 000 Rmf. gewonnen habe.

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Lutherische Pastoren im Sowjet- Gefängnis.

Berlin. Wie in protestantisch- kirchlichen Kreisen verlautet, schmachten, nach neuen Meldungen aus, Sowjetrußland, dreizehn lutherische Pastoren in Gefängnissen. Eine Reihe weiterer ist auf den Wunsch ihrer Gemeinde von Haus entwichen. Die Pa­storen werden nach monatelanger Haft bei 30 Grad Frost in die Wälder Sibiriens verschickt. In Leningrad stehen zahlreiche Mitglieder der evangelischen Gemeinde unter Anklage„ revo­lutionsfeindlicher Gesinnung". Die Hälfte befindet sich in Haft, während die auf freiem Fuß belassenen sich unterschriftlich ver­pflichten mußten, die Stadt nicht zu verlassen. Unter den An­geklagten sind fünf Pastoren. Die administrative Verurteilung steht in Kürze bevor. Von einem ordentlichen Gerichtsverfahren hat man ausdrücklich abgesehen.

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