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Mittwoch, den 19. Februar 1930.

Lokales.

Keine Umstände machen!

Es ist die Jahreszeit, da man zuweilen seine Freunde des Abends zu sich bittet. Zwar sind die Zeiten eigentlich nicht da­nach. Man kann es sich kaum mehr leisten. Indessen will man doch einmal wieder ein wenig persönliche Anregung haben, Erinnerungen austauschen, wohl auch Pläne besprechen. Denn Pläne, Gott sei Dank, macht man immer noch.

Die Hausfrau strengt sich zu solchen Gelegenheiten beson­ders an. Zwar ist man von pompöser Bewirtung längst ab­gekommen, aber irgend einen leiblichen Genuß möchte man seinen Gästen doch bieten. Dabei aber wird man uniform. Als man das letzte Mal eingeladen war, gab es Rehrücken und das vorletzte Mal wurde einem Kalbsnierenbraten aufgetischt. Also setzt man den Gästen wieder Kalbsnierenbraten vor.

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Nicht so, liebe Freunde! Es gibt Junggesellen Jung­gesellen lädt man ja besonders gerne ein, die keinen Kalbs­nierenbraten mehr sehen können. Es geht ihnen wie jenem berühmten französischen Kardinal mit seinen Rebhühnern. Jmmer Rebhühner!" rief er aus, denn es wurde ihm nichts anderes serviert. Immer Kalbsnierenbraten ist auch sehr schlimm.

Und dabei hat doch jede Familie ihre Spezial- Rezepte, ihre Spezial- Gerichte, durch Generationen überliefert. Wir erinnern uns und dabei läuft uns das Wasser im Munde zusammen des unnachahmlichen Mohnkuchens unserer Großmutter. Der Nudelsuppe unserer Mutter. Es müssen also gar keine aus­gefallenen Sachen" sein. Natürlich sind ,, Schweinsknochen" oder ,, Schlesisches Himmelreich" nicht für jedermann ein Genuß, zu so etwas gehört ein sehr robuster Magen. Aber jedenfalls be­reitet man mit einem Haus- Spezialgericht viel mehr Freude als mit einem Allerweltsmenü, das sich ewig wiederholt.

Uebrigens läßt sich auch Kalbsnierenbraten auf eine beson­ders aparte Art zubereiten und garnieren. Es braucht auch dabei nicht zu heißen: immer Kalbsnierenbraten.

* Personalie. Der Pfarrassistent K. Schlaudraff- Gießen wurde als Pfarrer nach Steinbach a. T. versetzt.

* Unglücksfall. Das jährige Kind einer hiesigen Fa­milie wurde Sonntag mit schweren Brandwunden in die Chi­rurgische Klinik eingeliefert. Dasselbe hatte sich in einem un bewachten Augenblick Arme und Beine mit kochendem Wasser schwer verbrüht.

* Vom Schöffengericht. In der letzten Sizung wurden u. a. auch zwei junge Leute wegen schwerer Urkundenfälschung zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Die beiden hatten in einer Sammelliste Eintragungen verfälscht, um andere Personen zur Hergabe größerer Spenden zu veranlassen. Weiter wurde ein Arbeitsloser zu drei Monaten Gefängnis wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde und Betruges im Rückfall bestraft. Der Angeklagte hatte, um sich von der vom Wohlfahrtsamt verlang­ten Pflichtarbeit zu drücken, die hierfür erforderliche Arbeits­quittung selbst ausgestellt.

* Auslandsdeutscher Sängerbesuch. Wie in der Hauptver­fammlung der Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Ausland mitgeteilt wurde, wird der Czernowiger Männerge­sangverein in Czernowitz( Bukowina) im Sommer dieses Jah­res eine Konzertreise durch Hessen unternehmen. Das Aus­Landsdeutschtum der Bukowina gehört zu dem besonderen Be­treuungsgebiet des hessischen Landesverbandes des Vereins für das Deutschtum im Ausland.

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Kirchenkonzert. Am kommenden Montag hält der Gie­Bener Konzertverein in der Stadtkirche sein 8. Konzert dieser Saison ab. Unter Leitung von Dr. Temesvary wird das Re­quiem" für Soli, Chor, Orchester und Orgel von Mozart unter Mitwirkung bedeutender Solisten zum Vortrag kommen.

* Bom Stadttheater. Heute wird letztmalig die Operette ,, Gräfin Mariza" gespielt. Freitag wird Shakespeares Wie es Euch gefällt" wiederholt. Sonntag um ½27 Uhr beginnt als Fremdenvorstellung ,, Die andere Seite". In Vorbereitung sind der Schwant ,, Weekend im Paradies" und ein Gastspiel von Auguste Prasch- Grevenberg in ,, Die Heilige Flamme"

Die Zahnzwischenräume als Sitz übelriechender Speisereste reinigt man zweckmäßig mit der eigens dafür konstruierten Chlo­rodont- Zahnbürste mit gezahntem Borstenschnitt in zwei Härte­graden von höchster Qualität 1 Rmt., Kinderbürste 60 Pfg. Nur echt in hygienischer blau- weiß- grüner Originalpackung.

Deutscher Seidenbau.

Von Architekt Martini- Probsteierhagen.

Die Grundlage von Staat und Gesellschaft bildet die Wirt­schaft. Deshalb muß es immer die vornehmste Aufgabe eines Bolles sein, seine Gesamtproduktion möglichst zu erhöhen. Deutschland sollte in erster Linie seine natürlichen Hilfsquellen restlos ausnuten und unter anderem auch der Entwicklung des deutschen Seidenbaues erhöhte Aufmerksamkeit schenken, um wei­ten Volkskreisen in Stadt und Land lohnende und sichere Er­werbsquellen zu schaffen, denn nur durch Arbeit und Verdienst­möglichkeiten tann der Wohlstand und die Hebung der Lebens­haltung des deutschen Volkes wieder erreicht werden. So gewiß, wie im Auslande der Seidenbau sehr wesentlich zum Wohlstande der Völker beiträgt, so sicher wird dies auch in Deutschland der Fall sein, denn in tausenden heimischen Züchtungen gedeiht der Seidenbau seit Jahren schon ganz prächtig. Ueberall in der Welt wird der Seidenbau mit allen Kräften gefördert, die Auf­zuchten werden staatlich betrieben, Italien hat einen besonderen Staatspräsidenten für den Seidenbau, in Ungarn sorgen die Staatlichen Seidenbau- Inspektorate für Verwaltung und Auf­flärung, die schon an die Kinder in der Schule kleine Seiden­raupen fostenlos verteilen, um bereits bei der Jugend Verständ nis, Lust und Liebe für diese Verdienstmöglichkeit zu weden, die sicher von viel größerer volkswirtschaftlicher Bedeutung ist, wie man wohl im allgemeinen annimmt. Vereinnahmt doch Italien z. B., das in der Hauptsache nur in einem Teile von Oberitalien Seidenbau treibt, und infolge des Siroffosturmes nur eine ein= zige Zucht im ganzen Jahre durchführen kann, etwa eine Mil­liarde Goldmart für die Ausfuhr von Seide. Da man aber in Deutschland infolge des gemäßigten Klimas, je nach Laubvorrat, beliebig viel Zuchten von Mai bis September machen kann,

Gießener Zeitung

Aus Rah und Fern.

Nidda. An der am Sonntag stattgefundenen Bürgermei­sterwahl wurden von 1520 Wahlberechtigten insgesamt 1303 gültige Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf den Beige­ordneten Rullmann 649, den Bürgermeistereigehilfen Zeitz 457 und den Oberstadtsekretär Emrich 193 Stimmen. Es findet Stichwahl zwischen dem Beigeordneten Rullmann und dem Bür­germeistereigehilfen Zeit statt, da Rullmann an der absoluten Mehrheit noch drei Stimmen fehlten.

Büdingen. Das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit können am 20. d. M. im Kreisorte Altwiedermus, die Eheleute Landwirt Albert Knickel, Kriegsteilnehmer von 1870-71, und Frau Margarete geb. Reichert bei bester körperlicher und gei­stiger Verfassung begehen.

Darmstadt. Hier soll eine zweistöckige Groß- Garage in der Rheinstraße errichtet werden. Eine blinde Dame wurde von einem Auto erfaßt, zur Seite geschleudert und verletzt.

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Hundert Jahre Darmstädter Kunst. Darmstadt. Anläßlich der Jahrhundertfeier der Stadt Darmstadt wird der Kunstverein der Stadt Darmstadt eine retrospektive Ausstellung veranstalten, bei der Gemälde Darm­städter Maler von 1730-1830 cus öffentlichem und privatem Besitz gezeigt werden sollen. Besitzer von Kunstwerken der be­zeichneten Periode, die gesonnen sind, ihren Besitz über einige Sommermonate zur Verfügung zu stellen, werden gebeten, sich mit Herrn Grafen von Hardenberg, im Schloß, in Verbindung zu setzen.

Notlandung eines Wasserflugzeuges auf dem Rhein.

Bingen. Montag mittag 12,30 Uhr ging das Wasserflug­zeug D 1785 der Dornier- Superwal- Werke gegenüber der Bin­gener Festhalle auf dem Rhein nieder. Das Flugzeug, das 20 Personen zu fassen vermag, wurde an einer Hafenfurche ver­anbert.

Belohnung für die Auffindung

des vermißten Frankfurter Professors Drexel. Frankfurt a. M. Für die Auffindung des seit zehn Tagen verschwundenen Direktors des Frankfurter Archäologischen In­stitutes, Professor Drexel, hat die römisch- germanische Kom­mission nunmehr auch eine Belohnung von tausend Reichsmark ausgesetzt.

Frankfurt a. M. Die Frankfurter Gasgesellschaft beruft auf den 15. März eine außerordentliche Generalversammlung ein, auf deren Tagesordnung als einziger Punkt Wahlen zum Aufsichtsrat stehen.

Vorsicht mit der Hupe!

Es gibt Strafbefehle.

Frankfurt. Gegen die des Nachts besonders lästige Huperei der Motorfahrzeuge hat der Lärmabwehr- Verein auf Veran­lassung der Hotels und der sich über diesen Lärm beschweren den Fremden den Herrn Polizeipräsidenten um Abhilfe gebeten. Der Polizeipräsident hat geantwortet, daß die Straßendienst­beamten erneut angewiesen wurden, auf die Mißstände beson­ders zu achten und unnachsichtlich einzuschreiten.

Außerdem dürfte es interessieren, daß vor einiger Zeit das Frankfurter Amtsgericht unter dem Aktenzeichen 34 C, 1395/29 einen Strafbefehl gegen den Chauffeur B. nach§ 19 Abs. 1 und der Verordnung über den Kraftzeugverkehr vom 16. März 1928 in Verbindung mit§ 21 des Kraftfahrzeuggesezes erlas­sen hat, weil der Chauffeur mit seiner Hupe ein langanhaltendes, die Straßenpassanten belästigendes Hupensignal von einer Dauer von etwa 10-12 Setunden abgegeben hat. Der Strafbefehl ist rechtskräftig geworden. Er wurde nach Anhörung der Betei­ligten erlassen. Der den Strafbefehl erlassende Richter hat sich demnach der Ansicht des Kammergerichts angeschlossen, das in einer Entscheidung vom 6. Mai 1929, Aktenzeichen 3 S 233/29, ebenfalls das unnötige, belastende Hupen verurteilt.

Bluttat in Höchft.

Frankfurt a. M., 18. 2. Der Kaufmann Hermann Mary war gegen 28 Uhr in der Saalburgstraße angelangt. Während er sein Fahrrad in den Keller stellte, hörte er seinen Namen ru­fen. Als Marx sich im Flur nach dem Rufer umfah, schlug dieser auf ihn ein. Der Täter hatte ein Messer, brachte damit Mary

sollte man doch endlich vom Auslande lernen und sich den Sei­denbau gründlicher zunuze machen, zum mindesten sollte man aber erwarten, daß alle Ausführungen von Laien unterbleiben, die keinerlei praktische Erfahrungen besitzen. Der deutsche Sei­denbau ist ein rein handwerksmäßiger Beruf, auch als Neben­erwerb lohnend, der seinen Mann ernährt und natürlicherweise gewinnbringender, leichter und sicherer sein muß wie z. B. Ge= flügelzucht und jede andere Kleintierzucht, weil man niemals von der Witterung abhängig ist, die Maulbeere nur einmal zu pflanzen braucht und dann etwa hundert Jahre lang umsonst ernten kann, ohne eine Mißernte zu erleben, denn Laub wächst immer. Selbst der letzte Winter hat dem Seidenbau nichts ge= schadet, der bekanntlich der Geflügelzucht usw. ungeheuren Scha­den zugefügt hat.

Die Entwicklung des Seidenbaues kommt überall ganz von selbst, wenn genügend Maulbeerblätter vorhanden sind, das hat der ungarische Staat längst erkannt, der deshalb die An­pflanzung, Pflege und Erhaltung einer unermeßlichen Menge Maulbeersträucher für eine patriotische Pflicht hält, und der seit Jahrzehnten schon die Gemeinden zur Anpflanzung von Maul­beeren gesetzlich verpflichtet, die vom Staate gezogen und fosten­los geliefert werden. So hat dort der Staat dem Volke durch den Seidenbau leichte, einträgliche Arbeit und große Verdienst­möglichkeiten geschaffen. Genau so könnte es auch in Deutsch­land in ganz kurzer Zeit sein, wenn man nur aus dem einzigen praktischen Beispiele dieses benachbarten Staates seine Lehre ziehen würde. Da dies in Deutschland aber noch nicht der Fall ist, so muß jeder, der Seidenbau treiben will, da die ganze Sache eine reine Futterfrage ist, sich Maulbeerheden durch Pflanzen oder für wenig Geld aus Samen selbst schaffen.

Die Maulbeere ist ein Wildling, wird in Heden gepflanzt, wächst auf jedem Boden sehr schnell, so daß zuerst nur ein wenig

Nr. 14.

Mittwoch, de

acht, zum Tei. schwere Stiche bei. Als der Ueberfallene hilfe­rufend zusammenstürzte, ergriff der Täter die Flucht und er fam Er wurde von den Teberfallenen als der 28jährige Johannes Streicher erkannt, der Marx noch etwa 30 Mark schuldet..

Bad Soden am Taunus ist auch im Winter geöffnet. Die Mittelstandskuren finden regen Zuspruch. Diese Einrichtung wurde geschaffen, um dem wirtschaftlich geschwächten deutschen Mittelstand einen Kur- und Heilaufenthalt durch Einräumung eines billigen Pauschalpreises zu ermöglichen.

Heidelberg. Vom Heidelberger Schöffengericht wurde am Samstag der Student Wilhelm Wenzel aus Dortmund zu sechs Monaten Festungshaft verurteilt. Er hat bei einer Be­stimmungsmensur im Dezember seinem Gegner einen Hieb bei­gebracht. Acht Tage nach der Mensur starb der Verletzte. Die Wunde war durch sein Verschulden infiziert worden.

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Eine Flugzeugfabrit abgebrannt. Paris, 18. 2. In Meudon brannte heute Nacht eine Flugzeugfabrik ab. Der Schaden beträgt 5 Millionen. 140 Ar­beiter werden dadurch brotlos.

11 Opfer der Donau.

Bukarest. Bei Calarasi kenterte auf der Donau eine zu schwer beladene Fähre. Von den Insassen konnte sich nur der Bootsführer retten. Die elf Fahrgäste, meist Bauern aus der Umgegend, ertranten.

Die feindlichen Gefttrinker.

Wie die Alten sungen

Man schreibt uns:

In der politischen Propaganda der Linksparteien spielt der Sekt eine große Rolle. Den Sozialisten war es von je her ein beliebtes Hetmittel, den politischen Gegner, den Geistlichen, den Industriellen oder Agrarier bei festlichen Gelagen mit ei­nem Glas Seft in der Hand darzustellen. Köstlich ist es nun, zu beobachten, wie heute die Kommunisten sich bemühen, mit demselben Kampfmittel gegen den verhaßten sozialistischen Bru­der zu hetzen.

Im kommunistischen Ruhrecho" war dieser Tage eine Ab­bildung Zörgiebels, des Berliner Polizeipräsidenten ,,, beim Settsaufen zu sehen. Seht diese Verkommenheit und Prasserei der Sozialdemokraten", rufen die anscheinend entrüsteten Kom­munisten.

Die Kommunisten scheinen indes selbst einem guten Tropfen feineswegs abhold zu sein, wie ein Bochumer Blatt unterm 7. Februar ds. Js. zu melden weiß; es schreibt:

,, Die politische Polizei hat inzwischen festgestellt, daß an den Settgelagen, die in den Billen von Glienice veranstal= tet wurden, auch noch( außer den Mördern Wessels. Die Red.) zahlreiche andere prominente fommunistische Partet­angehörige teilgenommen haben".

Es ist ja etwas peinlich, wenn man denselben Fehler, den man gestern seinem politischen Gegner vongeworfen hat, zwei Tage später selbst begeht. Aber wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen. Wir erinnern uns dieser Ge­legenheit ähnlicher sozialdemokratischer Hezereien aus der Vorkriegszeit, z. B. einer gehässigen Abbildung der ,, bür­gerlichen Protzen und Pfaffen beim Gelage" im Vor­wärts" vom 9. Juni 1913. Einige Monate später schreibt derselbe ,, Vorwärts" in seiner Weihnachtsnummer: ,, Wir hassen niemand, weil er die Genüsse und Güter des Da­seins nicht entbehrt".

Kann man es den Kommunisten, Severings ,, politischen Kin­dern" verübeln, daß sie die Fehler ihrer Väter nachmachen? Wohl kaum. Aber die Sozialdemokraten haben kein Recht, über die kommunistische Art empört zu sein. Denn es sind dieselben Gehässigkeiten, mit denen sie seinerzeit die Bürgerlichen an­pöbelten und auch, wenn es ihnen gerade in den politischen Kram paßt, heute noch anpöbeln. Auch auf die Kommunisten und So zialisten paßt sehr gut ein Vers von Heinrich Heine, der da sang:

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, Ich kenne auch die Verfasser;

Ich weiß, sie trinken heimlich Wein Und predigen öffentlich Wasser!"

Geduld erforderlich ist, um sich und den Kindern zeitlebens eine sichere Existenz zu schaffen. Eine Ueberproduktion kommt nicht in Frage, denn die fleißigen Seidenraupen werden niemals soviel Seide liefern können, wie in der Welt gebraucht wird, und deshalb ist auch der Absatz der Kokons gesichert. Ueber die Zucht selbst eingehend zu berichten, würde an dieser Stelle zu weit führen, hierzu stehe ich allen Interessenten stets gern und uneigennützig zu Diensten, auch stehen meine Zuchten in Proba steierhagen zur Besichtigung und Ausbildung zur Verfügung, da­mit sich jeder ein eigenes Urteil bilden und praktische Kenntnisse verschaffen kann.

Die schulärztliche Fürsorge

hat sich nach den Mitteilungen des preußischen Wohlfahrts ministers Dr. Hirtsiefer gut weiterentwidelt. Von rund Mil­lionen Schulkindern der Mittel- und Volksschulen find mur 480 000 Schulkinder schulärztlich noch nicht versorgt. 358 haupt­amtliche und 2462 nebenamtliche, zusammen 2820 Schulärzte, find a. 3t. mit der Schulgesundheitspflege beschäftigt.

Auch die Schulzahnpflege, bei der 1029 Zahnärzte und 469 Zahntechniker mitwirken, ist weiter ausgebaut worden. Von rund 38,9 Millionen Einwohnern besitzen jetzt 20,8 Millionen Einwohner für ihre Schulkinder zahnärztliche Versorgung. Für die Schulkinder von 2,4 Millionen Einwohnern ist die Schulzahnpflege im Jahre 1928 neu eingeführt, 12 neue Schule zahnkliniken sind eingerichtet worden. Ihre Gesamtzahl beträgt 8. 3t. 151. Zum Ausbau der Schulzahnpflege sind vom Wohl fahrtsministerium namhafte Beihilfen gewährt worden. Meh­rere Kreise haben bereits nach dem Vorbilde des Landkreises Bonn fahrbare Schulzahnkliniken, die in Kraftwagen nach Art der Omnibusse untergebracht sind, eingerichtet. Eine Reihe wet­terer Kreise ist im Begriff, dasselbe zu tun.

1710

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