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Nr. 13.

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Gießener Zeitung

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rück­sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

43. Jahrg.

Politische Rundschau.

( Gießener Tageblatt)

Die für Mittwoch anberaumte Vollsigung des Reichstages ift verschoben worden, da die Ausschüsse bis dahin mit ihren Beratungen nicht zu Ende gelangen.

Die vereinigten Reichstagsausschüsse für auswärtige An­gelegenheiten und für den Haushalt segten am Dienstag die vertrauliche Aussprache über den Youngplan fort.

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Der deutsche Botschafter von Hoesch hatte eine Unterredung mit Briand, in der die schwebenden politischen Fragen durchge­[ prochen wurden.

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Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen über eine Regelung der Roggenausfuhr sind am 16. Februar abge= schlossen worden.

Die anläßlich der Opel- Unruhen festgenommenen Rädels= führer wurden nach ihrer am Montag erfolgten Freilassung auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft abermals verhaftet.

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Der Zusammenbruch der Bayerischen Eisenbahner- Bank zieht auch andere Organisationen in Mitleidenschaft. So teilt die Bayerische Bausparkasse mit, daß die Zahlungseinstellung der Bayerischen Eisenbahner- Bank auch ihr Verluste bringen dürfte. Die voraussichtlichen Verluste der Bausparkasse dürften sich jedoch in erträglichen Grenzen halten.

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In der Angelegenheit der Abfindung des Schwarzburger Fürstenhauses hat das Schiedsgericht unter Vorsitz des Staats­setretärs Zweigert im Reichsinnenministerium einen Spruch gefällt, nach dem die Rente der Fürstin- Witwe, die nach dem Vertrag von 1919 jährlich 110 000 Mart betrug, 55 Prozent auf­gewertet wird.

Während Frankreichs Marineminister Lengues und der Ka­binettschef Tardieu am Montag nach London abreisen, wird Briand erst am Dienstag nach London zurückkehren.

Die Ausstellung der britischen Industrie wurde Montag gleichzeitig in London und Birmingham veröffentlicht. Mehr als 200 000 Einladungen sind nach allen Teilen der Welt ge= schickt worden.

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen. Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschecktonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Mittwoch, den 19. Februar 1930

Die Polizei hebt die Zentrale der Kommunisten aus.

Ueberraschende Aktion der Berliner Polizei gegen das Karl­Liebknecht- Haus. Die Aufmarschpläne der Kommunisten beschlagnahmt.

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Durch Beschluß des 4. Strassenats des Reichsgerichts vom 5. Februar 1930 in der Ermittlungssache gegen Unbekannt wegen Hochverrats ist die Durchsuchung des Karl- Liebknecht- Hauses in Berlin, insbesondere die Abteilung Vervielfältigung" ange­ordnet worden. Es handelt sich um die Zersetzungsschrift ,, Was müssen wir Polizeibeamte jetzt tun? Polizeibeamte als Opfer des Youngplanes" und um Material, aus dem sich ergibt, daß diese Schrift in dem genannten Gebäude hergestellt worden ist. Die Durchsuchung hat am Dienstag vormittag um 10,30 Uhr begonnen.

Die Polizei arbeitete nach einem groß angelegten Aufmarsch­plan. Punkt 10,30 Uhr näherten sich aus allen Anfahrtsstraßen zum Bülowplay etwa zwanzig Ueberfallwagen der Schutzpolizei.

In wenigen Sekunden war das ganze Karl- Liebknecht- Haus in weitem Umkreise vollständig abgeriegelt. Kurz darauf stürm­ten von allen Seiten über hundert Kriminalbeamte der politi­schen Polizei heran. Allen in dem Karl- Liebknecht- Haus An­wesenden war das Verlassen des Hauses während der Durch­suchung verboten. Die Telephonzentrale wurde sofort besetzt.

Bei dem plötzlichen Erscheinen der Polizei entstand überall im Hause eine unbeschreibliche Bestürzung.

Die Angestellten der KPD.- Zentrale suchten in aller Hast wich­tige Schriftstücke zu vernichten.

Da die Beamten aber fast gleichzeitig in allen Räumen erschienen, wurde das vereitelt. Auf den Korridoren des Ver­lagshauses türmten sich große Mengen beschlagnahmten Ma­terials, darunter die verbotenen Zersetzungsschriften. Die Beleg­schaft der ,, Roten Fahne" suchte sich zunächst den Anordnungen der Polizei zu widersetzen, wurde aber durch inzwischen herbei­gerufene Verstärkungen schnell zur Ruhe gebracht.

Die Ueberraschung bei der KPD.- Zentrale war so groß, daß die Aktion großen Erfolg gehabt hat. Das in großen Mengen beschlagnahmte Material ist für das gefährliche Treiben der KPD. außerordentlich belastend. Man fand nicht nur staatsgefährdendes, kommunistisches Propagandamate­rial, sondern auch Aufmarschpläne der Kommunisten, aus denen flar hervorgeht, daß die Partei sehr bald zu einem großen Schlage ausholen wollte.

Unter dem beschlagnahmten Material befinden sich zahl­reiche Beweisstücke für die weitere Fortführung des Rot- Front­

Die Schwierigkeiten in den Beratungen über die Finanz fämpfer- Bundes. Weiter geht daraus hervor, daß die Kommu­

fragen dauern fort.

Am Montag wurden die Beratungen über die Sanierung der Reichsfinanzen auf der ganzen Linie fortgesetzt. Die für 12 Uhr mittags vorgesehene Besprechung der Sozialpolitiker der Regierungsparteien mit dem Reichsfinanzminister mußte aller­dings verschoben werden, weil der Bundesausschuß des Allge­meinen Gewerkschaftsbundes zu einer Sitzung zusammengetreten war, an der auch die sozialdemokratischen Unterhändler teilneh­men mußten. Dagegen traten um 17 Uhr die Finanzsachver ständigen und Fraktionsvorsitzenden der Regierungsparteien mit dem Reichsfinanzminister zusammen. Es handelt sich nach wie

vor um

die Frage der Erwerbslosenversicherung, über die man sich nicht einigen kann.

Es taucht daher jetzt aufs neue wieder der ursprüngliche Ge­danke einer Gefahrengemeinschaft der großen Sozialversicherun= gen untereinander auf, aber man ist noch weit entfernt von einer Verständigung.

Das Zentrum hält an der Forderung der Verständigung über die Sanierungsfrage vor der dritten Lesung der Younggeseze unverändert fest.

So droht unter Umständen der Verabschiedung des Youngplanes eine Verzögerung.

Kabinettssigung über den Haushaltplan. Am Spätnachmittag des Montag trat auch das Kabinett zu einer Sigung zusammen, um zu den Haushaltsfragen Stellung zu nehmen.

Die Young Ausschüsse hinter verschlossenen

Türen.

In der gemeinsamen Sitzung des Auswärtigen und des Haushaltsausschusses des Reichstages wurden am Montag die Beratungen über den Youngplan beim zweiten Punkt des Fra­gentomplexes, Moratorium und Schutzklausel, fortgesetzt. Gegen die Stimmen der Deutschnationalen und Kommunisten wurde vom Ausschuß volle Vertraulichkeit für die Verhandlungen am Montag beschlossen.

nisten ganz Berlin mit einem Neg von Stoßtrupps überzogen haben.

Die Biersteuer.

( Neueste Nachrichten)

Anzeigenpreise: die 30 mm breite Petitzeile auswärts 24 Pfg., lokal 12 Pfg., die 90 mm breite Reflame- Petitzeile 96 Pfg. Platz­vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholung Rabatt. Für Vollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung.

Berlin, 18. 2. In den Besprechungen mit den Finanzmini­stern der Länder war der Gedanke aufgetaucht, die Biersteuer statt um 50, auf 75 v. 5. zu erhöhen. Das Mehraufkommen von 25 v. H. soll den Ländern zur Sanierung ihrer Finanzen über­wiesen werden.

Auflösung der Reichsbahndirektion Würzburg.

Berlin, 18. 2. Die Gruppenverwaltung Bayern der Deut­jchen Reichsbahngesellschaft wird dem Wunsche des Verwaltungs­rates der Reichsbahn folgen und ab 1. April die Reichsbahn­direktion auflösen. Der größte Teil dieser Direktion wird von der Reichsbahndirektion Nürnberg übernommen.

Beleihung der Kommunalanleihen durch die Reichsbank.

Seit sechs Jahren warten die Kommunen und Kommunal­verbände darauf, daß die Benachteiligung wieder aufgehoben wird, welche die Aberkennung der Reichsbank- Lombardfähigkeit ihrer Schuldverschreibungen und derjenigen ihrer Kreditinsti­tute enthielt. Der Reichsrat hat sich bei der Beratung der Gesetze zum Haager Abkommen( Bankgesetz) im Gegensahe zur Reichsregierung zugunsten der Kommunen ausgesprochen. Auch der Deutsche Landkreistag ist beim Reichstage für die Lombard­fähigkeit eingetreten, da diese für den Kredit der deutschen Landkreise, ihrer Sparkassen und der Sparkassenorganisation nicht zu entbehren sei, ohne daß dem Reiche ein Schaden hieraus erwachsen könne.

Sensationelle Feststellungen

Nummer 14

Die Stelleneinsparungen in Hessen.

Eine Zuschrift des Lehrervereins an die Presse befaßt sich mit der Wirkung des Abbaues von 205 Lehrerstellen und be­nutzt dabei aus der hessischen Landesstatistik errechnete Zahlen, die den Ergebnissen der Reichsschulstatistik gegenübergestellt wer den. Dazu ist zu bemerken, daß Vergleiche mit anderen Län­dern von der Klassenstärke aus nur sehr ungenau gezogen wer­den können, da in fast jedem Lande unter Klasse" etwas an deres verstanden wird. Der einzig mögliche objektive Vergleichs­maßstab ist die Zahl der Schüler, die durchschnittlich auf einen Lehrer entfällt. Dieser Maßstab wird deshalb auch bei der Reichsschulstatistik zugrunde gelegt.

in der Dollarfälscheraffäre. Warschau. Wie der Kurjer Czerwony" erfährt, hai die Warschauer Untersuchungsbehörde eine Ueberprüfung sämtlicher Dollardepositen angeordnet, die anläßlich der bei den Mitglie= dern des kommunistischen Zentralfomitees vorgenommenen Haus­suchung beschlagnahmt worden waren. Die Ueberprüfung hat das sensationelle Ergebnis gehabt, daß sämtliche in den Depots liegenden Dollarnoten sich als gefälscht erwiesen haben.

Wenn weiterhin gefragt wird, ob es im hessischen Staats­voranschlag eine Position gibt, an der auch nur im entferntesten ähnliche Abstriche vorgenommen worden seien wie im Volks­schulwesen, so kann hier auf das Forstwesen verwiesen werden. Das hessische Forstwesen hatte vor dem Krieg 114 Akademiker. Diese Zahl ist jetzt so sehr verringert, daß für 1930 nur noch 71 Amtsvorstandsstellen vorgesehen sind, davon 7 bezw. 9 Jnhaber­stellen. Die ursprüngliche Zahl von 10 Oberförstern ist jetzt auf 7 reduziert. Die Einsparung bei den Försterstellen ergibt sich aus folgender Zahlenreihe: im Jahre 1911: 582, 1929: 396, 1930: 353 Stellen. Was bedeutet das? Nach Durchführung des Ab­bauplanes werden die Stellen von 24 Amtsvorständen einge­gangen sein, was eine Verminderung des Standes vom Jahre 1911 um 28 Prozent darstellt und noch hinter dem Stand vom Jahre 1879 um 12,7 Prozent zurückbleibt! Dies, obwohl sich in dieser Zeit die Betriebsfläche um rund 15 000 Hektar das heißt nach früheren Begriffen um fast 6 Oberförstereien ver= größert und der Geschäftsumfang erheblich zugenommen hat.

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Bei dem Lehrerpersonal der höheren Schulen sind infolge der allgemeinen Sparmaßnahmen folgende Aenderungen vorge: sehen: Abgesetzt sind 44 Stellen. Hierunter sind Stellen, für die bisher die Kosten ganz von der Gemeinde zu tragen waren. Neben den abgesetzten Stellen fällt für 8 Stellen an höheren Bürgerschulen der Staatszuschuß weg. Insgesamt wer­den also eingespart für den Staat 48½, für die Gemeinden Stellen, zusammen 52 Stellen. Dabei ist es noch fraglich, wie­weit die bisher von den Gemeinden voll unterhaltenen Stellen von dieser künftig beibehalten werden. Für das höhere Schul­wesen sind im Staatsvoranschlag für 1930 insgesamt 1054 Stel­len vorgesehen gegen 1098 in 1929. Von den in 1930 vorgesehe= nen Stellen sind 1003½ Stellen staatliche Stellen, d. h. Staat und Gemeinden tragen für sie anteilmäßig die Kosten; 50% Stellen fallen voll den Gemeinden zur Last. Zum Vergleich sei noch darauf verwiesen, daß in 1924 vor dem Beginn des Ab­baues vorhanden waren 1157 staatliche und 17 gemeindliche, zusammen 1174 Stellen.

Zum Schluß sei, um das Bild der bedeutenderen Stellen­einsparungen in Hessen zu vervollständigen, noch kurz die Ver­ringerung der Polizeibeamten- Stellen erwähnt. Hier ist im Sofortprogramm die Einspannung von etwa 200 Stellen vor: gesehen, nachdem bisher schon etwa 350 Stellen eingespart wor­den sind.

Dr. Köster.

Belgrad, 18. 2. Der deutsche Gesandte in Belgrad, Dr. Adolf Köster, ist Dienstagabend 19,20 Uhr an den Folgen einer Blinddarmoperation verstorben.

Die Regierung Tardieu gestürzt. Paris, 18. 2. Die Regierung Tardieu ist Montag gestürzt worden. Anläßlich der Debatte über das Finanzgesetz blieb sie, als Finanzminister Chéron wieder einmal die Vertrauensfrage stellte, mit 286 gegen 281, also mit fünf Stimmen, in der Minorität.

Die Ausstellung Der Mensch durch Feuer vernichtet.

Dortmund. Am Dienstag in den frühen Morgenstunden brach in der anatomisch- hygienischen Ausstellung Der Mensch" auf bisher unbekannte Weise ein Brand aus, der in kurzer Zeit die Ausstellungshalle mit vielen hunderten Modellen und Präparaten vollständig vernichtete. Der Schaden ist unberechen bar und dürfte sich auf viele Hunderttausende von Mark belau­fen. Die Ausstellung, die im Frühjahr nach Amerika überge­führt werden sollte, stellt das Lebenswert des bekannten Mün­chener Universitätsplastikers Emil Eduard Hammer dar. Der Brand breitete sich mit solcher Geschwindigkeit aus, daß nichts mehr gerettet werden konnte.

10 Prozent der oberschlesischen Hüttenbelegschaft gekündigt.

Gleiwig. Der Oberschlesische Berg- und Hüttenmännische Verein gibt bekannt, daß seit Beginn des Jahres im oberschle­sischen Bergbau 235 000 Feierschichten eingelegt wurden. Etwa 6 000 Arbeitern, also rund 10 Prozent der Belegschaft, mußte gekündigt werden. Der Haldenbestand ist auf über eine halbe Million Tonnen gestiegen.