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Mittwoch, den 18. Juni 1930.

,, Gießener Zettung"

Nr. 48.

Hertha BSC. Berlin- 1. 1. FC. Nürnberg 6: 3( 3: 3) in Leipzig.| Leistungssteigerung und Höchstleistung. Holstein- Kiel- Dresdner EC. 2: 0 Dresdner EC. 2: 0( 0: 0) in Duisburg.

Die Vorschlußrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft| ins Schwanken geriet. Die stärkste Stelle war noch Lindner, gehört der Vergangenheit an. In beiden Spielen brachte sie unerwartete Ergebnisse und noch unerwartetere Sieger. In Leipzig hatte der 1. FC. Nürnberg mit 3: 6 gegen den Berliner Meister Hertha BSC. das Nachsehen, nachdem die Seiten mit 3: 3 gewechselt worden waren, während in Duisburg der mittel­deutsche Verbandsmeister DSC. gegen Holstein Kiel, die Ueber­raschungself in der diesjährigen Sechzehner- Runde, mit 0: 2 den Kürzeren zog nach torlosem Wechsel. Die Wenn und Aber, Warum und Wie müssen nunmehr verstummen, wo Tatsachen reden. Und diese Tatsachen melden Hertha BSC. und Holstein Kiel als Sieger und gleichzeitig als Gegner des am kommenden Sonntag stattfindenden Schlußspiels. Wenn mit den beiden zweifellos überraschenden Ergebnissen etwas versöhnen kann, so ist es das, daß sich nunmehr im letzten Gang um die deutsche Fußballmeisterschaft wiederum zwei Verbandsmeister gegen­übertreten- was der inneren Struktur des sportlichen Ge­dankens zweifellos am meisten entspricht.

Hertha BSC.

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Holstein Kiel in Düsseldorf.

Die Entscheidung um die Deutsche Fußballmeisterschaft ist nach dem Düsseldorfer Rheinstadion anberaumt worden. Die Endspielgegner Hertha- BSC. und Holstein Kiel gehen unter Leitung des Essener Schiedsrichters Guyenz um 17 Uhr in den großen Kampf, der am 22. Juni stattfindet.

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Hertha BSC. Berlin 1. FC. Nürnberg 6: 3( 3: 3) in Leipzig.

Ein typischer Meisterschaftskampf. Der Club geht mit 2: 0 in Führung, verfällt aber der Zermürbung. Ein schlechter schlechter Schiedsrichter. 30 000 Zuschauer.

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Ein großer, einwandfreier Triumph Herthas! Dabei sah es anfangs so düster aus um ihr Schicksal. Denn ihre Elf hatte einen schlechten Start. Nervosität hemmte Körper und Geiſt. In der Verteidigung fesselte Wilhelm, die Läufer spielten mise­rabel ab und mußten, von den Nürnbergern oft arg bedrängt, der eigenen Sturmfront jede Gefolgschaft versagen. Bedenk­lich stand es um ihren Sturm. Keine Führung, keine Klar­heit, dafür Starrheit, Hast und mangelhaftes Stellungsspiel. So geriet Hertha BSC. nach 24 Minuten in einen schier hoff­nungslosen 0: 2- Rückstand!

Dann aber zeigte sich die glänzende geistige und körperliche Elastizität der Berliner. Fast schlagartig war der Kontakt da, bewirkt vor allem zunächst durch einen bravourösen Elan und Siegeswillen. Der Sturm wurde plötzlich zur Fanfare. In mächtigem, auf engem Raume konzentriertem Vorstoße wurde der erste Gegentreffer erzielt und wenige Minuten später sogar der Ausgleich.

Kalb litt unter der Hitze und dem Tempo. Eine Verletzung warf ihn immer mehr zurück. Zwar hatte man zunächst den Eindruck, als könne Kalb zwar spielen, aber nicht die Zähne zusammenbeißen, als er jedoch in der zweiten Halbzeit auf Lintsaußen ging und dort bald nur noch wie ein schwer ver­wundeter Stier umhertaumelte, erkannte man, daß er tatsäch­lich am Rande seiner Kraft war. Schließlich tat er das einzig richtige und trat eine Viertelstunde vor Schluß ab. Ohne die­sen Rückenhalt einer stabilen Läuferreihe war natürlich auch der Nürnberger Sturm ein Wrack geworden. Schmitt, der junge Mittelstürmer, war noch der beste aller Nürnberg. Hornauer befand sich noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Reinmann acerte oft unnötig. Der Rest wurde ebenfalls im­mer mehr zum Schweigen verurteilt. So zerbrach der Club an der größeren Ausdauer und der jugendlicheren Kampfesweise Herthas. Sie hatte ihre Besten in Gehlhaar, Völker, Leusch­ner und Kirsei. Der berühmte rechte Flügel Sobek- Ruch ent­täuschte in der ersten Halbzeit. Nach der Pause leistete er mehr, ohne jedoch überragend zu sein.

Von jetzt ab kamen die Berliner in volle Fahrt! Die Kombinationen wurden sauber, im Tempo und in der Man­nigfaltigkeit schneller und reicher. Und als gar ein Elfmeter Ruchs die 3: 2- Führung brachte, begann sichtlich, wenn auch langsam, die Herrschaft der Sobeckelf. Und seltsam, jetzt zeigte sich's, daß

das Gefüge des Altmeisters brüchig

und spröde geworden ist. Die Elastizität der Jugend fehlt. Popp und Kugler verloren ihre anfängliche Sicherheit, zumal vor ihnen die Deckungsfront Lindner, Kalb, Fuchs allmählich

Sportliches Allerlei.

Meisterschaft von Deutschland.

Endlauf am 3. August 1930 im Berliner Stadion. Im Einvernehmen mit dem Verband Deutscher Radrenn­bahnen und der Deutschen Rennfahrer- Vereinigung hat der Sportausschuß des Bundes Deutscher Radfahrer beschlossen, die Berufsfahrermeisterschaft von Deutschland

über die kurze Strede nach Punktwertung

austragen zu lassen.

Der Kampf war hart und wurde erbittert durchgeführt. Die schlimmste Entartung waren einige Hohnrufe roher Fanatiker zu dem verletzten Kalb und die Drohungen gegen den Schieds­richter Manger- Düsseldorf, denn der Düsseldorfer war dem Kampfe nicht gewachsen.

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Holstein Kiel- Dresdener SC. 2: 0( 0: 0) in Duisburg.

Mit der Ausführung jeder Sportart ist fast naturnotwendig ein ständiges Streben nach Formverbesserung verbunden. Das Training gibt die Gelegenheit, den Körper so vorzubereiten, daß er leistungsfähiger wird. Es geschieht dies gleichsam aus sich selbst heraus durch Gewöhnung an sportliche Arbeit. Hierdurch befähigt, vermag der Körper immer mehr herzugeben, so daß wir also einen physiologischen Vorgang vor uns haben. Aber nur wenn eine allgemeine Durchbildung vorangegangen ist, sind die rechten Vorbedingungen zu einer weiteren Leistungssteige­rung gegeben. Das ist namentlich beim Training der Jugend zu beachten.

Wenn man schon mit recht gemischten Gefühlen vom Stand­punkt der Dresdner die Begnung mit Holstein Kiel deshalb an­sah, weil die Mannschaft Pfingsten in Schalke nicht die Lei­stungen zeigte, die von einem mitteldeutschen Meister hätten erwartet werden können, so wurden die Siegesaussichten noch geringer durch die Ersazeinstellungen. Wesentlich war vor allem der Ausfall von Schlösser im Sturm. Die Läuferreihe hatte anscheinend zu sehr die Weisung erhalten, sich auf die Lahmlegung der Holsteiner Stürmeraktionen zu verlegen. Die erste Halbzeit zeigte das deutlich mit dem Erfolge, daß der Sturm immer allein Angriffe einleiten mußte. Hoffmann, der sich um die Verbindung zwischen Sturm und Läuferreihe be­mühte, fehlte dann naturgemäß, wenn im Strafraum der Kie­ler ein Scharfschütze gebraucht wurde. Die lichten Momente, die Köhler hatte und wenn er diese hatte, wurde es immer recht brenzlich im Strafraum der Kieler genügten nicht, um die Läuferreihe und die Verteidigung der Kieler unter erhöhtem Druck zu halten.

Durch diesen Beschluß soll nicht nur ein Wunsch deutscher Radsportfreunde, sondern auch die Forderung der Rennfahrer auf Vermehrung der Fliegerrennen erfüllt werden. Die erste Folge dieses Beschlusses ist eine Verständigung der Rennfahrer­Vereinigung mit dem Verband Deutscher Radrennbahnen ge> wesen hinsichtlich des Beschlusses der Rennfahrer auf Veran staltung von mindestens zwei Fliegerrennen an Dauerfahrer­tagen.

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Ganz anders dagegen war das gesamte Mann­schaftsgefüge der Kieler.

Die Steigerung der Leistungen muß durch fachgemäß aus­gebildete, in ihrer Urteilskraft ausgereifte Leiter und durch sportärztliche Berater unterstützt werden, wenn sie erfolgreich sein und zu Höchstleistungen hinführen soll. Hierbei zeigt uns die Beobachtung, daß veranlagte Sportleute nur eine gewisse Zeit auf ihrer eigentlichen Höchstform zu halten sind. Praktisch scheint das oft nicht genug beachtet zu werden, denn es ist durch­aus nicht selten, daß man gerade bei den Besten ein Ueber­training mit all seinen Erscheinungen und der Verminderung der Leistung findet.

Der Sturm ist bekannt, daß er durch seine Schnelligkeit und auch das technische Vermögen Ludwigs und Ritters den Gegen­spielern recht schwierige Aufgaben bereitet. Weiter war Voß auf dem rechten Flügel derart beweglich, daß er Herzog, der übrigens ganz beachtenswerte Abwehrarbeit leistete, immer wieder durchgehen konnte. Auf dem linken Flügel ist Esser bei weitem nicht mehr der einst so gefürchtete schnelle Stürmer. Was aber für die nützlichen Stürmerleistungen mit ausschlag­gebend war, ist den Kieler Läufern zuzuschreiben. In der ersten Halbzeit war es besonders Ohm, der immer wieder nützliche Vorlagen zum Sturm gab, während Baasch und Lübke neben erfolgreichem Abwehrspiel sich auch an dem Aufbau der Sturm­angriffe beteiligten.

Bei der Erziehung zu Höchstleistungen spricht von vorn­herein die Individualität des Sportmannes ein gewichtiges Wort. Die einen verbessern langsam, dafür aber stetig ihre Form und bleiben dann auch eine ziemliche Zeit auf derselben Höhe. Andere hinwiederum machen mehr sprungweise Fort­schritte, sind dann jedoch in ihren Leistungen unbeständig und wechselnd. Was die Art des anzuwendenden Trainings bei ihnen anlangt, so treten uns hier gewisse Verschiedenheiten ent­gegen; man muß sich also vor jeder Schematisierung hüten. Ob wir ein langsames, systematisch und allmählich sich steigerndes Training anwenden wollen oder aber, ob wir bei einzelnen, die es ganz gut ohne jede Schädigung vertragen, mehr ein größeres Maß von Leistungssteigerung durch in forciertes Training er­reichen wollen, hängt ganz von der individuellen Verschieden­heit des Betreffenden ab, die uns hierbei unbedingt durch strenge Selbsbeobachtung unterstützen müssen. Es sind hier gewisser= maßen verschiedene Typen von Sportleuten zu finden, wo auch dem sportlichen Temperament ein Einfluß einzuräumen ist. Bis zu einem gewissen Grad haben sogar Temperatur und Witte­rungseinflüsse und manches andere mitzusprechen. Die Anwär­ter auf Höchstleistungen treten uns eben mehr oder weniger: als sensible" Naturen" entgegen, deren Eigenart beim Trai­ning unbedingt berücksichtigt werden muß.

Auf den ersten Aufruf zur Austragung von Vorläufen zur Fliegermeisterschaft haben sich vierzehn Bahnen gemeldet. Da feine Bahn einen Fliegerlauf allein veranstalten, sondern die­sen Lauf mit einem Rahmenprogramm umgeben wird, darf mit rund fünfzig Fliegerrennen bis zum 3. August, dem Tage des letzten Meisterschaftslaufes gerechnet werden.

Zur Teilnahme an den Meisterschaftsläufen ist jeder deut­sche Rennfahrer berechtigt. Bedingungslos meldende Fahrer müssen auf jeden Fall zugelassen werden.

Die Meisterschaft der Dauerfahrer soll wie im vergangenen Jahr für alle Fahrer offen im Deutschen Stadion in Vorläufen und Endlauf zum Austrag gebracht werden.

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Wanderfahrt des Landesverband Hessen im BDR. nach Weilburg.

Nach dem herrlich gelegenen Lahnstädtchen findet am Sonn­tag, den 22. Juni, eine Wanderfahrt statt. Die Fahrer treffen bis 11 Uhr in Weilburg ein, am Schloßplatz ist Einzeichnung. Um 3 Uhr Abmarsch nach dem ,, Kurhotel Webersberg", daselbst Konzert und Tanz.

Die Frage des Zeitpunktes der Höchstleistungen für den Trainierenden ist in der Praxis generell nicht lösbar. Je nach der Veranlagung und sportlichen Fähigkeit muß der Trainings plan verschieden gestaltet werden.

Wenn man sich bemüht, an Hand von gut geführten Trai­ningslisten, die aber nicht nur nach der Stoppuhr aufgestellt werden dürfen, mehr Einblick in den Stand und die Fortschritte in der Leistungsfähigkeit des einzelnen zu gewinnen, so fann man wenigstens versuchen, nach längerer Beobachtung gewisse Fingerzeige für den etwaigen Zeitpunkt der Höchstform zu ge winnen. Jm allgemeinen darf man wohl behaupten, daß jeder veranlagte Sportsmann in bezug auf die Höchstleistung ein Stu­dium für sich erfordert, zu dessen rechter Beurteilung viel Arbeits­freude und großer Arbeitswille beiderseits gehören. Der Sport­treibende selbst wie der technische Leiter müssen sich darum die Hand zu gemeinsamer Arbeit reichen, um dem schwierigen, viel­umstrittenen Problem der Höchstleistung näher zu kommen. Wie wir einerseits rein körperlich die Anwärter auf Höchstleistungen in ihrem sportlichen Training auf ein bestimmtes Ziel einstellen müssen, so bedarf es gleichzeitig auch der Unterstützung ihrer seelischen Fähigkeiten und Veranlagungen. Als eigentliche Triebfeder muß natürlich ein unbeugsamer Wille zur Erreich ung eines einmal gefaßten Zieles hinzukommen, er muy fich steigern bis zu stärksten Energie, die dann den Sieg und den Reford erzwingt. Wenn sich so die eigentliche Persönlichkeit ( im sportlichen Sinn) und eine Festigkeit des sportlichen Cha­rafters herausgebildet haben, die um jeden Preis das Letzte aus sich herauszugeben vermögen, so werden Sportsleute heran­gebildet, die wirklich imstande sind, Höchstleistungen zu voll= bringen.

Sportglossen.

Sport aus Gesundheitsrücksichten ist für manche Leute etwas Abscheuliches. Die meisten Menschen treiben Sport, weil es ihnen Spaß macht und sie treiben ihn auch dann, wenn sie wis= sen, daß er sie körperlich ruinieren wird.

Höchstleistungen im Sport sind notwendig, weil sie zur Nachahmung anspornen und das allgemeine sportliche Können fördern und steigern. Nur die Auswüchse eines einseitigen Sports sind zu verwerfen.

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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