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Nr. 48.

Mittwoch, de

Mittwoch, den 18. Juni 1930.

,, Gießener Zeitung"

Tagung der Kriegerfameradschaft Hassia"| tigt der hiesige Eisenbahnverein. Das Denkmal soll auf einem

in Alsfeld.

freien Platz des Bahnsteiges 4 Aufstellung finden.

* Personalien. In den Ruhestand tritt am 1. Juli Herr Oberstudienrat Weißgerber von der hiesigen Oberrealschule wegen Erreichung des gesetzlichen Alters.

* Opfer der Lahn. Am Sonntag ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Schneider Ludwig Hölscher in der Lahn am Launs­bacher Steg ertrunken. Die Kleider des jungen Menschen hat man gefunden, von ihm selbst allerdings noch nichts. Am Mon­tag ist wieder ein junger Mann, der Monteur Luch von hier, an der gleichen Stelle ein Opfer der Lahn geworden.

* Einbruch. Auf dem Waldsportplatz des VfB. wurde in das Klubheim eingebrochen. Dem Gauner fielen etwa 20 RM. an Geld und Tabakwaren in die Hände. Bei seiner anstrengen­den Arbeit erholte er sich gleich an Ort und Stelle mit einigen Schoppen Bier.

* Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Prof. Dr. Hummel hält morgen im großen Physiksaal der Univer­sität einen Lichtbildervortrag über eine Reise durch Afrika.

Vom Vogelsberg.

Eine starke Zunahme hat der Fremdenverkehr in diesem Jahre in unserem Heimatgebirge genommen. Die bekannten Ausflugsorte, wie Ortenberg, Schotten, Laubach, Gedern, Her­chenhain, Hartmannshain, Bad Selters, Hochwaldhausen, Hohe= rodskopf u. a. hatten in den letzten Tagen einen guten Besuch. Auch in den Jugendherbergen zu Lauterbach, Gedern, Schotten und Herchenhain herrschte Hochbetrieb.

* Kundgebung für das deutsche Lied. Die Arbeitsgemein­schaft der Gießener Männergesangvereine veranstaltet am 29. Juni vormittags auf dem Landgraf- Philipps- Platz obige Kund­gebung.

600 Jahre Darmstadt.

Aus Anlaß des 600jährigen Bestehens der Stadt Darmstadt, das infolge des durch den Stadtrat wegen erneuter Steuervor­schläge abgelehnten städtischen Voranschlags nicht öffentlich be­gangen wurde, haben der Staatspräsident Dr. H. c. Adelung, sowie Minister Leuschner dem Oberbürgermeister Glückwünsche ausgesprochen.

Einige Vereinigungen haben Festsitzungen veranstaltet. Der Hessische Automobilklub, der Darmstädter Automobilklub, der Deutsche Touringklub und der Starkenburger Automobilklub, alle mit dem Sitz in Darmstadt, haben aus Anlaß des Stadt­jubiläums eine großangelegte Zielfahrt über 1200 bezw. 150 Km. als Mindestzahl mit dem Ziel Darmstadt veranstaltet, an der sich über 400 Fahrer beteiligten, die aus verschiedenen Ge­

* Wiedersehenstag. Am 13. Juli treffen sich im Café Leib bieten Deutschlands herbeigeeilt waren. die ehemaligen Landser" vom J.-R. 116.

In Alsfeld tagten am 17. Juni die Vertreter der Krieger­vereine aus den drei Provinzen in stattlicher Zahl. Voraus ging am Samstag eine Präsidialsizung im Rathaus, eine Kranz­niederlegung an der Gedächtnishalle auf dem Friedhof und ein Begrüßungsabend im großen Saale des Deutschen Hauses". Bei Eröffnung des Verbandstages gedachte der erste Präsident, Generalleutnant v. Didtman aus Darmstadt in herzlicher Gedächtnisrede des am 26. Mai verstorbenen zweiten Präsiden= ten und Gründers der Hassia", Medizinalrat Dr. Vogt- Butz­bach. Im Auftrag des Staatspräsidenten Adelung übermittelte Kreisdirektor Dr. Stammler Wünsche der hessischen Regie­rung; namens der Stadt Alsfeld sprach Bürgermeister Dr. Völ- sing. Der Geschäftsbericht für das Verbandsjahr 1929 zeigte einen günstigen Stand, insgesamt zählt der Verband 765 Krie­gervereine mit annähernd 60 000 Mitgliedern. Im besetzten Gebiet sind die alten Vereine, die im Drange der Verhältnisse ruhten, wieder dem Verband beigetreten. Auch die Jahresrech­nung kann als günstig bezeichnet werden. Die Gesamteinnahmen betrugen 197 150 Mark, darunter Mitgliederbeiträge 84 737 Mt., aus Vorträgen 58 500 Mt.; die Gesamtausgaben waren 188 897 Mk., so daß ein Ueberschuß von 8 252 Mart verblieb. Die Un­terstützungen für Altveteranen wurden um 2000 Mt. erhöht. An die Besprechung des Voranschlags für 1930 schlossen sich die Be­sprechungen der Anträge des Präsidiums. Das Hassia- Ehren­freuz soll fünftig nur in besonders verdienten Fällen ausge­geben werden. Ueber das Versicherungswesen referierte Ober­regierungsrat Lindenstruth, über Kriegsbeschädigtenfür­sorge Lehrer Jhrig- Darmstadt; die Hassia umfaßt etwa 16 000 Kriegsbeschädigte. Major Poh I sprach über Kleinkaliberschie­Ben, er stellte hier eine starke Zunahme fest. Kaufmann Freund­Mainz hielt eine Ansprache über die Entwicklung der Jugend­pflege, der Hessische Kamerad" soll weiter ausgebaut, der Ka­lender soll früher erscheinen, der Hessische Kamerad" hat eine Auflage von 55 000 Exemplaren. Die ausscheidenden Präsidial­mitglieder wurden wiedergewählt. Als 2. Präsident wurde Herr Ober- Regierungsrat Lindenstruth- Darmstadt und als 3. Präsident Herr Freiherr Ludwig Cornelius v. Hey1= Worms gewählt. Den Verbandstag 1931 erhielt Michelstadt.- An die Tagung schloß sich eine Paradeausstellung der Bezirksver­eine am Bahnhof an. Dann fand der Festakt zum 90jährigen Jubiläum des Kriegervereins Alsfeld auf dem Marktplatz statt. Das Musikkorps des 2. Bataillons des Reichswehr- Regiments Nr. 15( Gießen) unter Leitung des Obermusikmeisters Löber fand für seine Mitwirkung begeisterten Anklang.

Lokales.

,, Graf Zeppelin" über der Stadt.

* Der Umbau in der Eisenbahnwerkstätte. Die Umbauarbei­ten an der großen Wagenhalle in der stillgelegten oberhessischen Eisenbahnwerkstätte in eine moderne Turnhalle gehen ihrer Vollendung entgegen. Die Turnhalle umfaßt etwa 600 Qua­dratmeter und ist mit einer geräumigen Bühne, Kegelbahn, Wirtschaftsräumen usw. ausgestattet. Auf dem angrenzenden Gelände werden Tennispläge, eine Aschenbahn und Spielplätze angelegt. Der neugegründete Reichsbahn- Turn- und Sportver­ein Gießen wird hier seine Uebungen abhalten.

*

Flugplag. Zwei Sportflugzeuge halten sich hier 3. 3t. auf, die heute und morgen abend besondere Flüge vorführen werden. Der Flugzeugplatz selbst ermöglichst durch neue Boden­befeuerung ein reibungsloses Landen und Starten.

* Vom Amtsgericht. In Geldstrafen wurden eine Reihe Studenten genommen, die einen sog. Studentenulk" zu ,, gro­bem Unfug" ausarten ließen.

Das Luftschiff Graf Zeppelin", das am Sonntagmorgen zu einer Landungsfahrt nach Münster in Westfalen aufgestiegen war und seinen Heimweg über Kassel und Marburg nahm, flog 10.35 Uhr abends über unsere Stadt, lebhaft bewundert. Die Umrisse des Luftschiffes waren schwerlich zu erkennen und nur durch die erleuchteten Gondeln konnte man sich einiger­maßen die gigantische Größe vorstellen.

Landstuhl. Beim Rundstreckenrennen am Sonntag streifte ein Motorradfahrer einen Baumast und wurde aus der Bahn in die Zuschauermenge geschleudert. Es gab sieben Schwer- und einige Leichtverletzte.

Oppenheim. Die französische Gendarmerie, als Restbestand der Besatzungstruppen, wird am 20. Juni die Stadt verlassen. Wezlar, 17. 6. In einer Sigung der Amtsvertreter des Bürgermeisteramtes Hohensolms wurde die Neubesetzung der Bürgermeisterstelle beraten. Berufsbürgermeister Tischler wird am 1. Oktober pensioniert. Entsprechend einem Beschluß vom Januar dieses Jahres soll die Stelle nicht mehr mit einem Be­rufsbürgermeister besetzt werden, und die Amtsvertreter faßten den einstimmigen Beschluß, Oberstleutnant a. D. v. Loßberg­Wetzlar als Kommissarischen Bürgermeister dem Oberpräsidenten zur Ernennung vorzuschlagen. Oberstleutnant von Loßberg war 1923 von Braunfels nach Wetzlar übergesiedelt und leitet seit mehreren Jahren ehrenamtlich die Beratungsstelle für Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene.

Berichtigung. In der Nummer 47 vom 14. Juni 1930 ist auf der dritten Seite bei der Vorschau über die Marburger Fest­aufführung des Kaufmann von Venedig" ein Fehler unter­laufen. Es muß natürlich ,, Ludwig Wüllner" und nicht Ludwig Müller heißen. Aufmerksame Leser werden das schon beim Lesen des Artikels bemerkt haben.

* Von der Universität. Für das Fach der Pharmakologie wünscht sich an unserer alma mater Dr. med. Eichler zu habi­litieren. Er hält morgen in der kleinen Aula seine öffentliche Probevorlesung über Rauschgifte.

* Ein Eisenbahner- Ehrenmal. Die Errichtung eines Ehren­mals für die gefallenen Eisenbahner des Weltkrieges beabsich­

Das Steingewerbe in Beuern.

Von Wilhelm Arnold V., Beuern. 1. Fortsetzung.

Aus Nah und Fern.

Ober- Widdersheim. Bei der Heuernte ereignete sich Ende letzter Woche hier ein schwerer Unfall. Auf abschüssiger Straße versagte am beladenen Heuwagen die Bremse, der Fahrer K. Eiser 1. kam zu Fall und das Fuhrwerk ging über ihn weg. Beide Beine sind gebrochen. Der Bedauernswerte mußte in die Gieße­ner chirurgische Klinik geschafft werden.

Bad Nauheim. Ein Schadenfeuer vernichtete das Dachge­schoß des Kinderheimes ,, Sonnenblick" in der Burgallee. Die Feuerwehr konnte in mehrstündiger Arbeit eine größere Aus­dehnung des Feuers verhindern. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt.

Weilburg. Der Leiter des Kreiswohlfahrtsamtes des Ober­lahnkreises, Fechner, ist wegen amtlicher Verfehlungen verhaf­tet worden.

Alsfeld. Hier treibt zur Zeit eine raffinierte Einbrecher­bande ihr Unwesen. Die Aufspürung derselben ist jetzt von der Landeskriminalstelle Gießen übernommen.

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Montabaur. Die Stadt Montabaur feiert vom 21. bis 23. Juni ihr tausendjähriges Bestehen.

Neustadt b. Marburg. Ein blutiger Zwischenfall ereignete sich hier auf der Kirmesfeier. Ein Neustädter Bursche Völker hatte einem anderen Burschen, der aus Alsfeld stammen soll, ein Glas Bier umgeschüttet. Als er die Aufforderung, ein an­deres Glas Bier zu bestellen, ablehnte, forderte der Alsfelder den Neustädter auf, ihm zu folgen. Unmittelbar beim Festplat gab der Alsfelder auf Völker drei Revolverschüsse ab, von denen zwei trafen. Der Schwerverletzte wurde in die Marburger Kli­nik überführt, der Alsfelder wurde verhaftet.

Gelnhausen. Opfer eines Blizes. Bei den Gewittern Ende voriger Woche tötete ein Blitz in Kempferbrunn eine 54jährige Frau, einen 12jährigen Jungen und 26 Schafe.

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Heidelberg. Aus einer hiesigen Klinik sprang eine aus Berlin stammende Laborantin aus dem Femster und verletzte sich so schwer, daß sie starb.

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Augsburg. Als Auftakt der Konfessionsfeier fand die feier­liche Eröffnung der Reformationsausstellung statt, die in den Fürstenzimmern des Rathauses untergebracht ist.

Verdienst im allgemeinen mehr zur Verwilderung der Sitten, als zur Hebung des Wohlstandes und Veredlung von Sitte und Moral beitrug. Was den Gang des Geschäftes betrifft, so war derselbe, gleich von Anfang an, kein günstiger, und der in die obwaltenden Verhältnisse des Werkes Eingeweihte konnte die Unhaltbarkeit desselben schon zeitig genug voraussehen. Die Verwaltung war eine wenig musterhafte und wurde auch durch die von Düsseldorf heraufgeschickten Leute( Schachtmeister Lehr, Bauführer Bröel u. a.) nicht aufgebessert, da dieselben durch Als bei ihre technische Unkenntnis wieder viel verdarben. weiterem Vordringen in das Gebirge, wie gewöhnlich, die Er­giebigkeit nachließ, machte man westlich der alten Brüche einen neuen Einschnitt, der große Summen verschlang, aber fast voll­ständig versagte. Nach ungefähr dreijährigem Betrieb mußte das so glänzend begonnene Unternehmen eingestellt werden. Nach einer Aeußerung des Herrn Heinjes, des Hauptes der Ge­sellschaft, er habe 30 000 Thaler ins Hessenland geschleppt, müs­sen die Einbußen derselben nicht geringe gewesen sein. Geschäfts­

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23. 3,509 Speerwerfen: 59,50 Me Distuswerjen 44,97 Me Hochsprung: 3. und 4.

lich, das Glück haftete sich auch dort an seine Fersen. Etwas östlicher von der Stelle, wo die Alten gewesen waren, auf billig erworbenem Gemeindegelände, harrte ein prachtvolles Gestein der Ausbeutung, das auch, indem es nahezu zu Tage trat, äußerst leicht zu gewinnen war. Die natürlichen Verhältnisse lagen hier viel günstiger, als am roten Holzberge, und Sommerlad hätte sicher wieder ein glänzendes Geschäft haben können, wenn er sich jetzt auf gediegenere Unterlagen gestellt und sich nach der Decke gestreckt hätte. So war die Dauer seines Betriebes auch hier nicht sehr lange und bald sah er sich wieder zum Verkauf genötigt. Diesmal war es ein gewisser Fuhr aus Homberg an der Ohm gebürtig, mit welchem er um den Kaufpreis von 3600 Mark einig wurde. Damit trat Sommerlad aus dem gewerb­lichen Leben heraus.

K. Sommerlad hat besonders gediegene Stücke zu Denk­mälern verarbeitet. Man fand solche bis zu 4 Meter Länge vor, die meist zu Torpfeilern und Brunnentrögen hergerichtet wurden. Auch Teile des ehemaligen Bürgermstr. Weimarischen Anwesens waren aus jener Masse erbaut. Da aber die Ge­winnung des brauchbaren Steines mit dem weiteren Vordrin­gen in das Gebirge immer schwieriger wurde, so fehlte es dem von Haus aus wenig bemittelten Unternehmer an dem erfor= derlichen Betriebsgeld. Er sah sich nach einem besser ausgerüste ten Käufer um und fand einen solchen in der Düsseldorfer Bau­gesellschaft J. Heinjes. Die Bedingungen waren günstig. Der Kaufpreis betrug 5000 Gulden. Sommerlad wurde mit der Leitung des Geschäfts betraut und erhielt monatlich 70 Gulden Gehalt nebst Vergütung aller Auslagen. Wenn man hinzu- liche Krache waren damals an der Tagesordnung. Es waren rechnet, daß Sommerlad auch noch mehrere Söhne hatte, die ebenfalls einen schönen Lohn verdienten, so muß man sagen, der Mann war wirklich damals ein Liebling der Götter, zumal er nebst Gemahlin und Kinder sich auch der besten Gesundheit erfreute. Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten.

die sogen. Gründerjahre, die Zeit nach dem großen Kriege, in sen hatte. Für die Arbeiterbevölkerung Beuerns brachte das der sich der französische Milliardensegen ins Land ergos­Unternehmen der Düsseldorfer Gesellschaft eine schätzenswerte Ausbesserung des Lohnes, der Geschäftswelt erhöhten Verkehr, selbst mancher Bauersmann erzielte durch den Verkauf von Län­dereien im Bereich des Werkes hübsche Einnahmen.

Spätere Ausbeutungsversuche auf dem Gelände der Gesell­schaft, wie der von Jünger- Reiskirchen und Fuhr- Beuern, waren gänzlich erfolglos.

Im März 1873 begann eine rege Tätigkeit an der südlichen Abdachung des roten Holzberges sich zu entfalten und ein Un­ternehmen wurde ins Werk gesetzt, wie man bis dahin noch nichts derartiges hier gesehen hatte. Bald waren an 50 Mann beschäftigt, zum größten Teil aus Beuern selbst, aber auch aus den umliegenden Orten, sogar von der Rabenau. Bis dahin fand sich in unserer Gegend noch fast eine rein bäuerliche Be­völkerung vor, aber wer nun einigermaßen zu Hause abkommen konnte, eilte in den Steinbruch, um hohen Lohn zu verdienen. Der alte Bauernstolz, der mit einer gewissen Geringschätzung auf die Steinbrecher herabsah, brach sich plötzlich und man heimste den schönen Taglohn von 1 fl. bis 1 fl. 12 Kr.( 1,70 bis 2,36 Mt.) gern ein. Besonders hoch kamen die Steinhauergesellen, welche auf Stüd arbeiteten; sie verdienten 2 bis 3 oder mehr Gulden den Tag. Der alte Sommerlad sagt in seinen Aufzeichnungen, daß er damals den durchschnittlichen Arbeitslohn um ein Dritte! erhöhen mußte. Indeß spielte der Trunk und verschwenderisches Treiben, besonders unter den jugendlichen Leuten in jener Zeit noch( oder sagen wir richtiger, wie immer, unter solchen Um­ständen, D. Red.) eine bedeutende Rolle, so daß der reichliche

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Fuhr hatte mit seinem Bruder unter dem Bauführer Seit an der Kirche zu Ulrichstein gearbeitet, zu welchem Bau die Roh­steine vom Kahlenberge bei Londorf geliefert wurden. Später richtete Seitz selber einen Steinbruch an der Westseite des ge­nannten Berges ein, mit dessen Leitung die beiden Brüder be­traut wurden. Da man gewaltige Felsen hier vorfand( Stücke von 24 bis 36 Fuß die längsten Maße, die je aufgeschlossen wurden), erweiterte der Betrieb sich immer mehr und wurden bis auf 100 Mann beschäftigt. Den Höhepunkt erreichte das Geschäft in den 70er Jahren( 1873), als die neuen Hafenan­lagen am Gartenfeld zu Mainz ausgeführt wurden. Da aber die beiden Brüder später nicht mehr gut miteinander auskom men konnten, trennten sie sich im Jahre 1878, und es kam nun zu dem bereits gemeldeten Kaufe des Sommerlad'schen Bruche am Ziegelberg oder in der Lorsbach bei Beuern. Da die daselb befindliche Bude in dem Kaufvertrag nicht aufgeführt war, ent stand Streit darüber und Fuhr mußte noch 150 Mark weiter bezahlen. Die Familie des Fuhr wollte den Kauf wieder rüd gängig machen und bot Sommerlad 500 Mt. Abfindungssumme, worauf derselbe jedoch nicht einging. Das Geschäft entwickelte sich zwar gut. Wie erwähnt, wurde ein schöner, dichter Stein am Ziegelberg gewonnen, aber der alte Fuhr war nicht der Mann zu einer gediegenen Weiterführung des Betriebes. Erst sein Sohn( Johannes) hat das Geschäft, wenn auch mit den größ­ten Schwierigkeiten, durch Fleiß und Umsicht in die Höhe ge bracht. Im Laufe der Zeit kaufte er zu dem beschränkten Som­merlad'schen Gelände noch die angrenzenden Grundstücke, darun­ter die nach dem Ort hin gelegenen Brüche von Belling und Joh. Sommerlad hinzu. Diese waren an der Stelle, wo die Alten ihre Steine zum Kirchenbau gewonnen hatten, entstanden. Fortsetzung folgt.

Die schönen Tage am roten Holzberge, bezw. in den gesell­schaftlichen Brüchen, waren vorbei. Nicht minder als die Ar­beiter empfanden es auch die Vorgesetzten und Leiter, insbe sondere Herr K. Sommerlad selbsts. Aber man kam nicht aus der Fassung. Jetzt gehen wir an den Ziegelberg", sagte der damals noch recht rüstige und lebenslustige Mann, und tatsäch­

5 Zwischen Heinjes und Sommerlad spielte sich noch ein 7- jähriger Prozeß ab. Bei der Beilegung desselben soll Ersterer Sommerlad auf die Schultern geklopft und gesagt haben:, Hät­ten wir noch einmal die 70er Jahre!"

Die ehemaligen Heinjes'schein Steinbrüche sind seitdem_in verschiedene Hände übergegangen. Sie sind mit 25 Morgen Ge­lände und vielen hundert Kubikmetern Felsen nur ein wandern­des Wechselobjekt, Im Jahre 1917 sah sich die Gemeinde geno­tigt, wegen rüdständiger Steuern die Grasnuzung zu pfänden. Seit Abschaffung der Schafe hat sich das Gelände größtenteils in einen parfähnlichen Urwald verwandelt.

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