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Samstag, den 18. Januar 1930.
dann ein sicherer Vergleich zwischen der Wirtschaftlichkeit privater und öffentlicher Unternehmungen möglich wird. Soweit Unternehmungen der öffentlichen Hand überhaupt berechtigt sind, müssen sie grundsäglich in privatwirtschaftlicher Form betrieben werden."
Diese Darlegungen können wir nur unterschreiben.. Der Internationale Haus- und Grundbesitzerkongreß 1929 in Berlin ist zu dem gleichen Ergebnis gekommen wie die Internatio nale Handelskammer auf ihrer Amsterdamer Tagung. Das Fiasto der öffentlichen Bautätigkeit geht daraus hervor, daß fie in zehn Jahren nicht imstande war, wieder einen geordneten Marki zu schaffen. Die Bevorzugung der gemeinnügigen" Wohnungsgesellschaften auf dem Gebiete von Steuern und Kredit pfeifen die Spazen von den Dächern. Der alte, solide Haus- und Grundbesitz wird vom Staate gezwungen, den Wohnungssozialismus zu finanzieren.
Die Denkschrift stellt dann weiter fest( S. 21): ,, Ein Gebiet, auf dem sich der Eingriff des Staates in die private Wirtschaft besonders fühlbar gemacht hat, ist die Wohnangswirtschaft.
Die behördliche Regelung des Wohnungswesens hat mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß die staatliche Zwangswirtschaft auf die Dauer keine zweckmäßige Lösung wirtschaftlicher Probleme darstellen kann und daß, wenn vielleicht auch in der Kriegs- und Nachkriegszeit das Eingreifen des Staates auf diesem Gebiet unvermeidbar war, der Abbau der damaligen Maßnahmen nunmehr schnellstens erfolgen muß.
-
von
Wohnungsmangelgesetz, Reichsmietengesetz und das Gesetz über Mieterschutz und Mieteinigungsämter bestehen einigen Lockerungsmaßnahmen abgesehen nach wie vor fort.
bedauerlicherweise
Die Wohnungszwangswirtschaft und die Art der Vergebung der öffentlichen Mittel im Zusammenhang mit der Begünstigung gemeinwirtschaftlicher Bestrebungen haben die Kapitalbildung tark gehemmt und setzen diese Richtung fort. Die in den Jahren seit der Stabilisierung für den Wohnungsbau verwandten 6,6 Milliarden Rmt. öffentliche Mittel, die in Form von lang= jährigen, niedrig verzinslichen Hypotheken gegeben worden sind, sind naturgemäß start entwertet worden.
Gleichzeitig bedeutet die Aufrechterhaltung der Wohnungszwangswirtschaft eine zunehmende Entwer tung des im alten Hausbejiz angelegten Kapitals. Die gerade hier in Erscheinung tretende Aushöhlung des Eigentumsbegriffs nimmt dem Hausbesiger die Möglichkeit, sich vermehrten Lasten anzupassen.
Wir wiederholen deshalb die Forderungen, die der Reichsverband gemeinsam mit den übrigen Spitzenverbänden im Fe bruar 1927 auf beschleunigten Abbau der Wohnungszwangs= wirtschaft gestellt hatte:
a) Sofortige Beseitigung des Wohnungsmangelgesetzes und damit der Zwangswirtschaft der Wohnungen und der gewerblichen Räume durch die Wohnungsämter;
b) Abbau des Eingriffes in das freie Vertragsrecht der Barteien;
c) beschleunigte Angleichung der Mieten der alten Räume an die der neuen Räume;
d) Bau zweckmäßiger, den Bedürfnissen der großen Masse entsprechender, gesundheitlich einwandfreier Häuser; Umgestaltung von Bauordnungen, die dem entgegenstehen;
e) Gewährung von Zinszuschüssen an Stelle der Hergabe von Kapital, soweit überhaupt Zuschüsse aus allgemeinen Mitteln notwendig sind.
Fortsetzung folgt.
Mein Glaube.*)
Ich glaube an ein einiges Deutsches Reich, An ein Reich, dem ewige Treue eingeboren, Ich glaube an ein einiges Deutsches Reich, An ein Reich, wohl einmal besiegt, doch nie verloren.
An ein Reich, wohl einmal geworfen aus stolzer Bahn, Als es von hundert Feinden überlistet
An ein Reich, wohl einmal ergriffen von irrem Wahn, Und das in Knechtschaft nun sein Dasein fristet,
An ein Reich, das aber doch soviel gesunde Kraft, Daß es auch nach den schwersten Kämpfen und SchicksalsschläSich alle die Gifte, die Krankheit und Fieber erregen,[ gen, Immer wieder vom Halse schafft.
Ich glaube an ein einiges Deutsches Volk, An ein Volk mit reiner Liebe in tiefem Gemüte,
Ich glaube an ein einiges Deutsches Volk An ein Volk von edler Körper- und Geistesblüte, An ein Volk, das soviel Männer hervorgebracht, Die verantwortungsfroh mit Gott und der Welt gerungen An ein Volk, das soviel große Gedanken gedacht, An ein Volk, das soviel zaubrische Lieder gesungen, Ein Volk, das morgen, wenn die Krankheit vorbei, Wenn die fremden Gifte, die es befallen, sich lösen, Wieder sein wird, wie es gestern gewesen: Stark und edel, stolz und frei!
Der Dezember und die eiden Napoleone.
Den ,, Dezember- Mann" nannten seine Zeitgenossen den britten Napoleon, in dessen Aufstieg der Monat Dezember eine so seltsame Rolle gespielt hat.. Als Verschwörer, als Mitglied der„ Carbonari" hatte Napoleon der Dritte seine Laufbahn 1831 in der Romagna begonnen, um sie als„ Mauver Badinguet" fortzusetzen und auf Sedans blutgedüngtem Boden zu enden. Geboren war der Neffe des Korsen am 20. April 1808 als Sohn des ,, Königs von Holland", Ludwig Bonaparte und der Hortensia Beauharnais, Stieftochter Napoleons des Ersten.
Der„ Neffe des Oheims" hatte die Gymnasien in Genf und Augsburg besucht, war, wie der Korse, Artillerie- Offizier ge= worden, und zwar zunächst in der Schweizer Armee. Um Konjlikte zu vermeiden, schied er aus dem Schweizer Heere aus und nahm seinen Wohnsitz in Baden- Baden. Er hegte und pflegte
*) Dieses Gedicht ist der Gedicht sammlung„ Wächter der Schwelle" von Bogislaw v. Selchow, die im N. G. Elwert- Verlag zu Marburg erschienen ist,( Preis 3,- Rmf.) ent=
nommen.
durch seine Getreuen in Frankreich die napoleonische Tradition
Gießener Zeitung
Lokales.
Sonntagsgedanken.
Nun höre ich eben die Kirchengloden läuten. Da zieht 50 ganz heimlich und leise Heimatsstimmung ins Herz. läuten die Goden daheim am Sonntag. Und tausend schone Erinnerungen steigen mit dem Klang herauf. Den Menschenkindern in der Großstadt wird die Brust enge und das Auge trübe, weil sie nicht mehr Licht und Luft und Sonne atmen in der freien Natur, und weil sie die Augen nicht mehr im frischen Quell des Waldes baden und am saftigen Grün erquiden. Und da gibt es einen Tag in der Woche, der heißt Sonntag, und der könnte alle trüben Wochentage vergessen machen und auch noch einen Strahl auf den kommenden Alltag werfen. Der Sonntag in der Stadt! Da gehen sie in dumpfe Stuben und verpaffen Rauch, oder sie veranstalten ein Schieben und Biegen und Gliederverrenken sie nennen es Tanz! Sie haben das Wandern nicht mehr nötig, die Großstadtkinder, sie gehen ins Kino und Land und Wald und Strom, sie sehen es ja auf der grellen Leinwand. Und dann der Montag, der Alltag? Da denken sie alle:„ Das Leben hätte nur zweck, wenn die leidige Arbeit nicht wäre".
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Anders, ganz anders dort, wo der graue Stein das Menschenleben nicht beengt. Da gehen am Sonntag die Herzen auf, Friede und frohe Erwartung ziehen hinein. Die Welt sieht anders aus, als an gewöhnlichen Tagen. Am frühen Morgen der Kirchgang! Der macht Sonntagsmenschen! Dann aber hinaus in Feld und Flur, in die frische Luft! Die Fenster da draußen blinken heller, der Bach glänzt kristallener und die Vögel haben ihre Sonntagskantate wohl einstudiert. Im Winter lockt die Eisbahn zu purzelndem Vergnügen. Wonne zu leben, Luft und Sonne zu trinken in vollen Zügen. Ein Strom geht durch die Glieder. Das ist die neue Kraft. Und wenn man heimkommt, braucht man nicht die Farbe von Wangen und Lippen zu waschen, denn die Schminke, mit denen die Natur ihre Kinder schminkt, ist echt und kommt von innen. Und am Montag! O, weite, flare Welt. Ein Drängen und Kräfte sprühen im Innern! Willkommen ihr Pflichten, willkommen du Arbeit und Trozz! Trotz allem Hemmnis zum Ziel! Trozz der bösen Welt.
Die Glocken sie läuten nicht mehr. Aber es zittert noch etwas nach, lange, ganz ferne. Es ist das Sehnen nach dem letzten großen Kirchgang dem ewigen Sonntag.
Der Sonntagsschreiber.
* Straßensperrung. Die Provinzialstraßen HeuchelheimAzbach und Heuchelheim- Kinzenbach sind vom 27. Januar für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Rodheim.
* Erstattung von Lohnsteuer. Anträge auf Erstattung von Lohnsteuer für 1929 müssen in der Zeit bis spätestens 31. März 1930 bei dem Finanzamt gestellt werden, in dessen Bezirk der Arbeitnehmer am 10. Oktober 1929 seinen Wohnsitz gehabt hat.
* Als Beisiger der Prüfungskommission für das Konditorgewerbe wurde für den verstorbenen Herrn Hettler Herr Leopold Huber- Gießen bestellt.
* Ueber die Aussichten im Volksschullehrerberufe teilt das Ministerium mit, daß in den nächsten Jahren voraussichtlich eine Verschlechterung eintreten wird, sodaß die Aufnahme in dem Pädagogischen Institute vom Sommersemester 1930 nur noch in beschränktem Maße erfolgt.
* Zeugen gesucht. Am 13. Januar, vormittags gegen 11 Uhr, wurde ein in der Südanlage in Höhe des Wetterhäuschens aufgestellter Personenkraftwagen durch Anfahren stark beschädigt. Personen, die Zeuge des Vorfalles waren, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei, Zimmer 64, mitzuteilen.
; und den Cäsaren- Kult. Am 30. Oftober 1836 unternahm er den mißglückten Putsch in Straßburg, dessen Artillerie unter Oberst Vaudray er gewonnen hatte. Verhaftet und begnadigt, ging er nach Amerika, später nach Arenberg am Bodensee, dann nach London. Von dort entwidelte er sein Programm, die Jdées Napoléonniennes". Ein neuer Versuch folgte; er landete am 5. August 1840 in Boulogne und ritt in die Stadt, gekleidet wie der erste Napoleon; ein abgerichteter Adler schwebte über ihm, der Ruf„ vive l'empereur" ertönte. Der ,, Abenteurer von Boulogne" wurde mit lebenslänglicher Haft bestraft, die er mit seinem Mitverschwörer, Dr. Conneau, seinem späteren Leibarzt, in der Zitadelle der Festung Ham verbüßte. Nach fünfjähriger Haft entfloh er, als„ Maurer Badinguet" verkleidet, nach England.
Am 24. Februar 1848 hatte nach dreitägigem Straßenkampf die Revolution in Paris gesiegt, das Königtum der Orléans war gestürzt. Vorsichtig und flug blieb Napoleon in England, um seine Zeit abzuwarten. Als auch in England, besonders in London, Unruhen drohten, meldete sich Napoleon auf den Aufruf des Oberkommandierenden, des greisen Siegers von Waterloo, des Herzogs von Wellington, wie viele angesehene Edelleute und Bürger, in die Garde der„ Special- Constabler", die aus 20 000 Männern bestand. Es ist ein eigenartiges Spiel des Schicksals, daß damals, landflüchtig, in London auch der Prinz von Preußen, unser späterer Kaiser Wilhelm I., weilte.
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Aber Napoleons Stunde tam! Von seinen treuen Anhängern wurde er in die Kammer gewählt, doch verzichtete er porerst flugerweise auf den Eintritt; er erklärte:„ Mein Name ist ein Symbol der Ordnung, der Nationalität und des RuhSollte wirklich das französische Volk gesonnen sein, mir Pflichten aufzuerlegen, so werde ich sie zu erfüllen wissen." Am 10. Dezember 1848 erhielt Napoleon bei der Präsidentenwahl von 7 200 000 Stimmen nicht weniger als 6 Millionen, sechsmal mehr als sein Nebenbuhler Cavaignac. Am 20. Dezember 1848 leistete er den Schwur:„ Jm Angesicht Gottes und der französischen Nation will ich der einen, unteilbaren Republik treu bleiben und alle Pflichten erfüllen, welche die Verfassung einem Sohne der Republik auferlegt."
Dieser Eid ist für die Folge von dem dritten Napoleon in eigenartiger Weise erfüllt worden. Durch schlaue Nachgiebigfeit nach allen Seiten, wußte er noch drei Jahre zu verbergen, daß die Republik in ihm den gefährlichsten Feind habe. Wieder in einer Dezembernacht, in der zum 2. Dezember 1851, erfolgte der Staatsstreich: die Gegner Napoleons: Cavaignac, Thiers und andere, wurden verhaftet. Der Widerstand der Straße brach im Kartätschenfeuer zusammen. Am 20. Dezem= ber 1851 wurde ihm die Präsidenten- Würde auf 10 Jahre übertragen. Mit der ihm eigenen diplomatischen Gewandtheit feſtigte er seine Stellung. Am 9. Oftober 1852 fonnte er es wagen, bei einem Bankett der Handelskammer in Bordeaux die Worte
Nr. 5
Herrenlose Fahrräder. Bei dem Polizeiamt sind nach stehende Fahrräder sichergestellt: Herrenrad Marke„, Görice" Nr. 732060, Herrenrad Marke„ Panther" Nr. 484325, Herrenrad Marke unbekannt, Nr. 8146, schwarzer Rahmen, solche Felgen und gewöhnliche Lentstange, Herrenrad( Geschäftsrad), Marke ,, Saalburg" Nr. unbekannt, schwarzer Rahmen und solche Felgen, an der Vordergabel Gepädträger, Herrenrad Marke„ ,, Torpedo" oder„ Tornado", Nr. 245165. Personen, die glauben, Eigentumsrechte geltend machen zu können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei, Zimmer 66, zu melden.
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Diebstähle. In den letzten Wochen wurden an einem städtischen Neubau im verlängerten Asterweg( Schwarzlach) 15 Meier neue Regenabflußrohre aus Zinkblech, die schon an der Häuserfront befesttigt waren, entwendet. Die einzelnen entwendeten Rohrlängen betragen zwei, drei und vier Meter und haben einen Durchmesser von 10 Zentimeter.
* Der Bau des Studentenheimes ist in gutem Fortschreiten begriffen. Die zurzeit im Gange befindliche Sammlung bei den öffentlichen Körperschaften hat bisher schon über 15 000 Merbracht. Die Evangelische Landeskirche hat die Verzinsung und Amortisation eines Kapitals von 30 000 M übernommen, wofür og han nu a
fur zwolf Theologie- Studenten überlassen werden. Auch der Bischof von Mainz hat jur den gemeinnuzigen Bau eine Geldspende vermittelt und dabei sein warmtes Interesse sur den Fortgang dieses Unternehmens ausgedrückt. Weiter ist zurzeit eine Sammlung der Gießener Dozentenschaft im Gange. Demnächst soll eine gleiche Attion auch bei allen früheren Gießener Studenten unternommen werden. Mit der Einweihung des neuen Heims ist im tommenden Herbst zu rechnen. * Vom Schöffengericht. Vor dem hiesigen Erweiterten Schöffengericht hatte sich Mittwoch ein Lohnbuchhalter eines hiesigen großen Industrieunternehmens wegen Unterschlagung von Lohngeldern zu verantworten. Er hatte der Firma im Verlauf einer Reihe von Monaten durch allerlei Manipulatio= nen rund 19 000 Mart veruntreut. Das Gericht schickte ihn dafür auf sieben Monate ins Gefängnis.
* Oberhessisches Schwurgericht. Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen hält am 21. und 22. Januar seine ersten diesjährigen Sitzungen ab. Am 21. Januar wird gegen Josef Bösl von Griedel wegen Körperverlegung mit Todesfolge verhandelt; die Anklage vertritt Staatsanwalt Schneider, Verteidiger ist Rechtsanwalt Elsoffer. Am 22. Januar kommt die Anklage gegen Hans Mayer von Gießen wegen Meineides zur Verhandlung; die Anklage vertritt Staatsanwalt Fischer, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Engisch.
* Ein öffentlicher Vortrag des Jungdeutschen Orden( e. V.), findet am Freitag, den 24. Januar, abends 8 Uhr, im Café Leib statt. Der Leiter der staatswissenschaftlichen Abteilung des Ordensamtes, Dr. Reinhard Höhn aus Jena spricht über: „ Parlament und Jungdeutscher Orden".
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zu sprechen: L'empire c'est la paix."( Das Kaiserreich ist der Friede), die der„ Kladderadatsch" am 7. November 1852 prophetisch umformte: L'empire c'est l'épée"( das Kaiserreich ist das Schwert). An diesem 7. November 1852 erklärte der Sewat die Wiederbestellung des Kaisertums für den Willen der Nation und gab damit dem Präsidenten der Republik die Handhabe, jenen Eid vom 20. Dezember 1848 so auszulegen, ,, wie er ihn aufgefaßt hatte". Der Prinz- Präsident nahm die angetragene Würde unter dem Namen„ Napoleon III." an, da er in seinem Dekret vom 7. November 1852 den Sohn Napoleons I. und der Erzherzogin Marie- Louise von Desterreich, den in jungen Jahren so tragisch dahingeschiedenen Herzog von Reichstadt, Napoleon II. genannt hatte; alles in Voraussicht der Dinge, die da kommen sollten.
Am alten Glücks- und Siegestage der Bonaparte, dem Erinnerungstage an die Dreikaiserschlacht bei Austerlitz( 2. Dezember 1805) wurde er als„ Napoleon III.", von Gottes Gnaden und dem Willen der Nation zum Kaiser der Fronzosen proklamiert. Der vielgewandte Politiker verstand es, sich zum ,, Schiedsrichter Europas" aufzuwerfen, bis er an dem eisernen Grafen", an Bismards Politik, seinen Meister fand. Auf Sedans Fluren brach am 2. September 1870 sein stolzes Kaiserreich zusammen. Er selbst starb 65 Jahre alt am 9. Ja nuar 1873 zu Chiselhurst in England; sein unglüdlicher Sohn ,, Lulu", Louis, von seinen Anhängern Napoleon IV. genannt, fiel als Offizier der englischen Armee am 1. Juni 1875 im Kampf gegen die Zulus.
Auch im Leben des ersten Napoleon hat der Dezember eine Rolle gespielt. Wir wissen, daß am 10. Dezember 1797 bei Napoleon I. gelegentlich eines Festes des Direktoriums der„ Königs- Gedanke" hervorgetreten ist. Am 13. Dezember 1799 wurde ohne Zustimmung des Volkes die neue Verfassung angenommen, wonach die Entscheidung des„ Ersten Konsuls" genügte. Am 1. Dezember 1804 erlies Napoleon jenes Dekret über seine Thronbesteigung an den Senat:„ Meine Nachkommen werden diesen Thron lange besitzen. Im Felde werden sie die ersten Soldaten des Heeres sein und ihr Leben für die Verteidigung des Vaterlandes opfern." Um seiner neuen Krone den Nimbus der Tradition zu geben, ließ er sich am 2. Dezember 1804 unter Aufbietung der größten Pracht in Notre Dame" zu Paris durch Papst Pius VII. frönen und trönte dann seine Gemahlin Josephine als Kaiserin. So war der Cäsarentraum verwirklicht. Ein Jahr später am 2. Dezember 1805 festigte er aufs neue seine Herrschaft in der„ Drei- KaiserSchlacht" bei Austerlit; die Sonne von Austerlit sah seinen glänzendsten Sieg. Für beide Bonaparte wurde unter den Monaten jeweils der Dezember von rätselhafter Bedeutung, ein geheimnisvoller, symbolischer Fall( Sonnenwende), für den zuerst das Volf einen Blid bewies. Beide Bonaparte waren „ Dezember- Beute". Dr. Ludwig Roth.


