Mittwoch, den 16. April 1930.
Aus Rah und Fern.
Bad Nauheim. Ein aus der Nervenheilanstalt Köppern entwichener Frankfurter Insasse warf sich oberhalb der Steinfurter Brücke vor einen Güterzug, der ihn zermalmte.
Die Hessische Evang. Vereinigung ( Friedberger Konferenz)
hielt in Frankfurt ihre Frühjahrs- Vorstands- und Gruppensitzung, die gut besucht war, ab. Der Vorsitzende, Professor LampasFriedberg verbreitete sich eingangs über aktuelle kirchenpolitische Fragen, u. a. über die Schiedsgerichtsauseinandersetzung mit dem Staat und den Schulabbau. Hauptverhandlungsgegenstand war der geplante Zusammenschluß der Landeskirchen Hessen- Darmstadt, Hessen- Kassel, Hessen- Nassau, Frankfurt und Waldeck. Eingehende Referate darüber, die das Für und Wider tief begründeten und gegeneinander abwogen, erstatteten Landeskir= chenrat D. Wait- Darmstadt und Univ. Prof. D. Cordier- Gießen. Die in diesem Halbjahr noch zusammentretende Hauptversammlung wird sich hauptsächlich mit der Zusammenschlußfrage be= schäftigen. In den gesamten Verhandlungen kam wieder der feste Wille der Hess. Evang. Vereinigung und ihrer Gruppe im Landeskirchentag zum Ausdruck.
Friedberg( Hess.). Das hiesige Kreisamt hat angeordnet, daß nachdem in Ossenheim ein neuer Fall der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, bis auf weiteres die Viehmärkte im Kreise Friedberg untersagt sind.
Autounglück.
Schwalheim, 15. 4. An der gefährlichen Ecke Frankfurter Straße Chausseehaus- Bahnübergang fuhr ein Auto, in dem sich der württembergische Gutsbesitzer Rau( Platzdorf) mit Frau und Tochter befanden, gegen einen Prellstein der Eisenbahnschranke, da der des Weges Unkundige das Wegweiserzeichen zu spät bemerkt hatte. Der Wagen fiel zur Seite, und Mann und Frau wurden im Führersitz festgeklemmt. Die Frau erlitt schwere innere Verlegungen, denen sie im Bürgerhofpital in. Friedberg erlegen ist. Der Mann kam mit leichteren Verlet= zungen davon, während die Tochter nur Hautabschürfungen erlitt.
Die Wormier Unruhen vor Gericht.
Darmstadt. In seinem Plädoyer in dem Prozeß gegen die wegen der Wormser Januarunruhen als Rädelsführer beteiligten Angeklagten beantragte Oberstaatsanwalt Dr. May folgende Gefängnisstrafen: Gegen den kommunistischen preußischen Landtagsabgeordneten Oskar Müller 1 Jahr 4 Monate, gegen die Wormser Stadträte Haas und Habermehl 9 bezw. 6 Mo nate, gegen Taraschewski 1 Jahr, gegen Wilhelm Wiehler und Lenz je 9 Monate, gegen Zimmermann und Myll je 8 Monate, gegen Behoff, Schneider, Jeck, Fay, Bayersbach und Leinhas je 7 Monate, gegen Gräf 4 Monate, gegen den jugendlichen Kaiser 3 Monate und gegen Neubauer 2 Monate. Die Untersuchungshaft soll jeweils in Anrechnung gebracht werden. Die Angeklagten Fries, Rossi und Bernhard Wiehler sollen freigesprochen werden. Bei der Festsetzung der Strafanträge brachen drei Angeklagte unter Krämpfen zusammen, so daß die Sigung unterbrochen werden mußte. Während der Pause beschimpfte der Angeklagte Fries die anwesenden Polizeibeamten; er erhielt dafür eine sofort anzutretende Ordnungsstrafe von zwei Tagen Haft. Der kommunistische Stadtrat Haas wurde auf eine Stunde aus dem Saal entfernt. Zum Schluß der Ausführungen des Staatsanwalts waren von den 20 Angeklagten nur noch 9 im Saal anwesend. Das Urteil dürfte für Mittwoch zu erwarten sein.
Aus Oberhessen.
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Dem Buche Geschichte des Geschlechtes Thudichum" von Prof. Friedrich Thudichum, das 1893 zu Tübingen bei W. Armbruster erschienen ist, entnehmen wir folgende interessanten Schilderungen. Was die Herkunft des Namens Thudichum anbelangt, so verweist der Verfasser auf einen Aussatz in den„ Frankfurter Nachrichten" vom 11. bis 16. März 1886 über Handwerkernamen, die nach dem Schlossergesellbruderschaftsbuch der Stadt Frankfurt von 1402 bis 1524 den Gesellen gegeben wurden, zum Beispiel Schwingsbeil, Schnitspahn, Seltenfröhlich, Findeisen, Saufaus( Suppes), 1450 steht darin der Name„ Hans du dich umb" von Zell. Georg Thudichum, des Verfassers Vater, war von 1818 ab lange Jahre zu Büdingen als Pfarrer, Gymnasiallehrer und Gymnasialdirektor tätig gewesen und hat eine Geschichte des Gymnasiums und der Stadt Büdingen geschrieben. Täglich wurde in jener Zeit das Vieh zur Weide getrieben. Einmal wöchentlich wurden die Straßen gekehrt. Bloß sprungweise konnte man die Gassen passieren und die Büdinger waren noch stolz auf ihr holperiges Pflaster. 1844 wurde die Chaussee von Büdingen nach Niederwöllstadt gebaut, wo sie Anschluß an die Staatsstraße Gießen- Frankfurt fand, die schon seit den Napoleonischen Kriegen in Benutzung war. Von 1844 ab lief auch täglich ein Postwagen zwischen Gießen und Büdingen und ein armer Lohnfutscher J. Dotter fuhr selbigmal mit einem Personenomnibus täglich von Büdingen nach Frankfurt. Was aber war in dem Kasten nicht alles zusammengepfercht, u. doch bewunderte man dieses ,, moderne" Unternehmen, von dem einmal ein Frankfurter Jude wikig sagte:„ Hawwe die Büdinger awwer e Jdee ( J. D. J. Dotter!). 1846 entdeckte Thudichum im„ Hain" cine Salzquelle. Liebig untersuchte sie und stellte Brom fest. Der Büdinger Volksdichter aber, der Nagelschmied Schunk, feierte die Auffindung des Säuerlings in einem Gedicht. Wie jeder Bürger hielt auch Thudichum Kühe und Schweine. Selbst Serenissimus der Fürst hatte seinen eigenen Schweinehirt und als einmal des Fürsten Säue durcheinander im Schloßhof herumliefen, schwang der Hirt seine ,, Säugeisel"( ein kurzer Stiel mit langem Riemen, der im Sprichwort ,, solang wie eine Säugeisel" heute noch sortlebt) und rief ,, Wartet, ich will euch die Hof= streich aus dem Kopp treiwe".
Gg. Thudichum hatte einst einen Korb bekommen. Die Holde heiratete einen anderen, kam später einmal nach Büdingen und zur Familie Thu. zu Besuch. Als sie weg war, sagte Frau Thudichum zu ihren Kindern, daß diese Frau früher die Flamme des Vaters gewesen sei. Da platte ein Junge mit den Worten
Gießener Zettung
Mainz mangelts nicht mehr an Gelände.
Der Haushaltsausschuß des Reichstags genehmigte den Verkauf des Festungsgürtels von Mainz an die Stadt Mainz. Frankfurt. Die Leiche eines etwa 25 Jahre alten unbefannten Mannes wurde aus dem Main geländet.
Frankfurt a. M. Bei den Regulierungsarbeiten im Main war es dieser Tage notwendig, Felspartien unter den Brücken und dem Eisernen Steg zu entfernen.
Mitteldeutsches Sängerbundesfest.
vom 29. Mai bis 4. Juni in Kassel.
Für die 5 Chororchesterkonzerte, gelegentlich des Mitteldeutschen Sängerbundfestes sowie dem Begrüßungsabend des Gaues Kurhessen- Kassel, wurden eine Anzahl Solisten verpflichtet. Als Orchester wurde verpflichtet die Staatskapelle, die in der 9. Sinfonie von Beethoven eine wesentliche Verstärkung erfährt. Beim Begrüßungsabend wird ein von Kasseler Künſtlern besonders zusammengestelltes Orchester in Stärke von etwa 50 Mann gebildet. Im Festzug werden ungefähr 12 Musikkapellen vertreten sein, die noch durch besondere Kapellen der Einzeigaue vermehrt werden. In dem großen Bierzelt ist die Mitwirkung der Deutschmeister- Kapelle aus Wien vorgesehen. Der Festdirigent der Hauptveranstaltung ist der Bundeschormeister Staatskapellmeister Dr. Robert Laugs.
Köln. Einem Kassenboten wurde am Montagvormittag am Plage der Republick eine Aktentasche mit 10 000 Rmf. entwendet, die dieser an seinem Fahrrad befestigt hatte.
Koblenz. Am 10., 11. und 12. Mai ds. Js. findet in der alten Garnison Koblenz eine große Wiedersehensfeier des ehem. 2. rhein. Feldartillerie- Regiments Nr. 23 und seiner Kriegsformationen statt.
45.Balneologen- Kongreß in Bad Elster.
Der 45. Balneologen- Kongreß fand unter dem Vorsitz von Ministerialdirektor i. R. Wirkt. Geh. Obermedizinalrat Prof. Dr. Dietrich- Berlin vom 8. bis 13. April ds. Js. in Bad Elster statt. Der Kongreß war außerordentlich gut besucht. Es wa ren nicht nur Vertreter der Wissenschaft und Bäderpraxis aus allen Gauen Deutschlands vertreten, sondern auch das Ausland, insbesondere Desterreich, die Tschechoslowakei, Ungarn und die Schweiz hatten Balneologen zum Kongreß entsandt. Die Tagung befaßte sich mit drei Problemen ,, die im Vordergrund des Interesses stehen: mit der Wirkung des Eisens in den Heilquellen, mit der Wirkung der Moorbäder und mit der Krankenernährung in den Kurorten. Die Bedeutung des Eisens in den Heilquellen ist jahrhundertelang bekannt. Die Untersuchungen Der letzten drei Jahre durch den Chemiker Prof. Baudisch über die Wirkung des Eisens in den Heilquellen haben Beranlassung ge geben, die Frage auch vom ärztlichen Standpunkt zu prüfen. Die Untersuchungen ergaben einstimmig, daß das Eisen in den Heilquellen besonders gut zur Geltung kommt und daß die Eisenquellen, auch Stahlquellen genannt, ihren alten Ruf wohl verdienen. Die Morrbäder sind eingehend erforscht worden. Die wissenschaftlichen Arbeiten haben festgestellt, daß ihre Wir-fang dacin liegt, daß fie größere Wärmegrade anwenden lassen und daß die Wärme tief in die Organe und Gewebe des Kör-pers eindringt, sodaß der Ruf der Moorbäder bei rheumatischen Erkrankungen und Folgen von Entzündungen innerer Organe durchaus berechtigt ist. Das dritte Thema behandelte die Kran fenernährung im Kurort. Die Arbeiten der Diätlommission sind nach dem Kriege wieder aufgenommen worden und befas sen sich damit, wissenschaftlich festzustellen, welche Art von Kranfenernährung in den einzelnen Kurorten durchgeführt werden muß. Der nächstjährige Balneologen- Kongreß wird Anfang April 1931 im Bad Ems tagen.
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heraus:„ Gewitter, wenn das unsere Mutter geworden wäre.. 1830 sollten die Bürgermeister des Kreises Büdingen über den Stand de Polizei berichten. Der Bericht des Bürgermeisterss von Bindsachsen lautete: ,, Was aber den Stand der Bolizei Be trifft, so ist solcher Vogel anhier bis jetzt noch nicht bemerkt, worden", und im Cholerajahre 1831 berichtete der Bürgermeister: von Michelan über den Stand der Seuche:„ Hier auf der Michelau herrscht keine Cholerau", worauf der damalige Landrat Hofmann antwortete:„ Wenn der Bürgermeister noch einmal macht solchen Spaß, kriegt er einen Thaler Kna: Ueber das Dörfchen Freienseen lesen wir folgendes: Freienseen, 6 Stunden von Nidda auf windiger Fläche im Vogelsberg gelegen, war seit dem Mittelalter ein freies Reichsdorf unter landgraft. hess: Schutz gewesen. Einst nämlich hatte dort in einer Frühlingsnacht eim römischer Kaiser oder König sein Nachtlager nehmen müssen und da er über das große Geschrei der Frösche und Reulinge nicht schlafen konnte, den Bauern eine Gnade versprochen, wenn sie die vorlauten Bewohner des Nasses zum Schweigen brächten. Diese ließen sich das nicht zweimal sagen, schlugen die ganze Nacht mit Stangen in den Teichen und Seen herum, fodaß Stille wurde und erhielten am Morgen einen kaiserlichen Brief, daß sie keinem Landesherrn unterworfen sein und ein eigenes Siegel mit dem Reichsadler und einem im Wasser schwimmenden Schwan führen durften. Es ist aber immer ein geringes Dorf geblieben, namentlich sein Pfarrhaus mit den alten Wänden und schlechten Fenstern sah( um 1800) nicht sehr kaiserlich aus.
Ein Urgroßvater von Friedrich Thudichum hieß K. F. Mader. Er war 1750 Syndikus der Reichsstadt Friedberg und hatte eine Weckherlin, Tochter des Wirtes, Zum Ochsen" in Stuttgart zur Frau. Mader hatte sich einen Grabstein als überflüssig verbeten ,, denn, wenn ich es im Leben verdient habe, mein Andenken doch fortleben wird", sagte er. Heute aber noch wird Mader genannt. Durch seine Schrift„ Sichere Nachrichten von der Kayserl. und der heil. R. Burg Friedberg und der dazu ge= hörigen Grafschaft und des freien Gerichts zu Kaichen", von welcher Teil 1 u. 2 1766 zu Lauterbach, Teil 3 nach seinem Tod 1774 erschinen ist, hat er sich ein bleibendes Andenken gesichert. Friedrich, Thudichum hat Maders ansehnliche Bibliothek geerbt und sie zu seiner Geschichte des freien Gerichts Kaichen und der Wetterau benutzt.
Maders Enkelin hatte den aus Schlüchtern stammenden Amtmann J. K. Baist und deren Tochter den Georg Thudichum zu Büdingen, Friedrichs Vater geheiratet. Baist lebte von 1770 bis 1864, wurde also 94 Jahre alt. Zuletzt kam er nach Grünberg. In der dortigen Gegend findet sich heute noch der Name Baist. Baist, ein Original, und ein von Grund aus
Wissen Sie schon?
Nr. 30.
daß, wie in jedem Jahre Bad Nauheim während der kommenden Ostertage wieder eine besondere Kurkarte zum Preise von 5 Rmf. ausgibt, die vom 16. bis 24. April oder während der israelitischen Ostertage vom 12. bis 20. April Gültigkeit hat; diese Karten berechtigen zum freien Besuch des Kurhauses und der Konzerte des staatlichen Kurorchesters sowie zur Benukung der Karmittel gegen Entrichtung der hierfür besonders festgesetzten Gebühren.
... daß in Bad Nauheim mit dem Beginn des Frühjahrs alle drei Sprudel für den Badebetrieb wieder herangezogen werden.
.... daß in Bad Nauheim im Rahmen der diesjährigen künstlerischen Veranstaltungen Mitte Juni Deutsche Meisterspiele stattfinden, und zwar am 19. Juni Mozarts ,, Don Juan", am 22. Juni ein Richard- Strauß- Konzert mit der ,, Domestica" und ,, Ein Heldenleben" und am 26. Juni Wagners Meistersinger von Nürnberg".
daß in dem weltberühmten Schloßpark zu Schwetzingen bei Heidelberg auch in diesem Jahre am 29. Mai und 1. Juni Rokoko- Festspiele stattfinden, bei denen über 400 Personen in historisch getreuen Kostümen mitwirken.
daß im Radium- Solbad Kreuznach das Kurhaus und Palasthotel am 17. April eröffnet wird.
beginnt.
daß in Bad Harzburg die Sommerkurseit am 15. Mai .. daß in den Tagen vom 12. bis 16. Juni ds. Js. in Bad Aachen die rheinische Tagung des Deutschen Kolonialver eins stattfindet.
daß in Bad Aachen in der Zeit vom 25. Mai bis 2 Juni vom V. f. L. 05 eine„ Sportwoche" veranstaltet wird; den Höhepunkt der Veranstaltung werden das Internationale Fußballturnier und die Nationalen leichtathletischen Wettkämpfe unter Teilnahme von Vertretern von acht Nationen bilden. daß vom 23. bis 28. Juni im See, Col- und Moor bad Kolberg der Deutsche Aerztetag" stattfindet,
Der neue Präsident des Evangelischen Bundes.. Zum Präsidenten des Evangelischen Bundes als Nachfolger des verstorbenen Geh.- Rats D. Scholz ist der bisherige Ministe rialdir. im preuß Wohlfahrtsministerium Dr. Friedrich Conze gewählt worden.
Ernst von Wolzogen.
Zu seinem 75. Geburtstage am 23. April 1930. Eine stattliche Anzahl Romane des heute Fünfundsiebzigjäh rigen liegt vor, und man darf wohl sagen, den meisten davon wird eint langes Dasein beschieden sein. Man lese die Romane, auf die alle einzugehen der beschränkte Platz verbietet. Will man eine Borstellung von dem Romanschriftsteller von Wol zogen bekommen, so vertiefe man sich einmal in seinen„ KraftMayr", den 1881 herauskam und das nachklaſſiſche Weimar- chard Wagners u. Franz Lißts porträtierte. einer seltenen sprühenden Lebendigkeit und Liebe hat der Dichter es verſtan den, eine plastische, fesselnde Schilderung der großen Musiker und ihrer Umwelt zu geben. Sein vielseitiges Talent zeigte Wolzogen ferner in Romanen mehr satirischen Charakters; ge nannt seien. ,, Das dritte Geschlecht",„ Die Gloria- Hose" und die entzückende. Geschichte von den„ lieben, süßen Mädeln". Ein wertvoller: Beitrag zur Geistesgeschichte des zwanzigsten Jahr hunderts tt den Roman ,, Dex Enzkatzer.
rechtschaffener Mann, war früher zu Wenings Verwalter gewesen. En schimpfte auf das Tragen von Schirmen, die in jener Zeit sich einbüngerten. Vorher tannte man dieses Gerät nicht und es ist verbiingt ,, daß z. B. za Nidda die Frauen, wenn sie im Staatskleid und Sonntags zur Kirche gingen, bei Regenwetter, ein lainenes Lischtuch um Kopf und Oberkörper hingen. Bon Waist tannt, man u. a. noch folgende schriftlichen und münd lichen Aeußerungen; Unsere Saufamilie hat einen Verlust von zwei Springern erfahren, welche an den Folgen der Ruhr im Korustroh verblichen sind. Ferner:„ Der Inspektor ist über den Styg gefahren( Fluß in der Unterwelt) d. h. gestorben“.„ Der Herr Pfauner ist mit dem Eilmagen in die Ewigkeit abgereist!" ,, Die Leute desertieren in der Gegend sehr und gehen zur großen Armee über".„ Wer einen Entwurf ausführen will, sei mäßig and trinke sich nicht zu Tod; so konnte Alexander sein Glück nicht ertragen, Napoleon ging aufs Eis und seine Pläne gingen in Schnee".„ Wenn man alt werden will, muß man täglich eine Flasche Wein trinken und den Atem nicht ausgehen lassen. Bom bekannten Mater Engel aus Londorf auf der Rabenaan ist de alte Baist gemalt worden.
Schließlich sei noch aus dem Buche Fr. Thudichums er wähnt, daß der Arzt Dr. Baumer, Chirurg zu Gießen, während seines Aufenthalts in Nidda ein Manuskript in lateinischer Sprache mit erläuternden Zeichnungen über merkwürdige chirur gische Fälle verfaßt hat. Der Schreiber der vorstehenden Zeilen ist im Leben zufällig einmal Friedrich Thudichum begegnet. Gr fuhr im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts mit einem staita ichen Herrn mit weißem Vollbart und goldenen Brille in einem Eisenbahnabteil allein. Man unterhielt sich über Oberhessens Bergangenheit, wobei der Schreiber zwei heitere Geschichten aus Büdingen erzählte. Der Büdinger Pfarrer Meier habe, mie in alter Zeit üblich, den Weg von Büdingen nach Fried berg öfters zu Fuß zurückgelegt und ein paar große Schaftenstiese! getragen. Einer derselben hätte ihm, einmal derart den Fuß gedrückt, daß er endlich den Stiefel gusziehen mußte, aus dem zu seinem Erstaunen eine Lichtputschere herausgefallen sei. Der Büdinger Direktor Thudichum ferper sei ein gewaltiger Läufer gewesen und habe einmal eine Fußtour von Büdingen nach Mailand unternommen. Als er am ersten Tag durch Geln hausen ging, lud der Thudichum befreundete Apotheker diesen zur Einkehr in fein Haus ein. Thudichum aber hätte mit den Worten abgewehrt„ ich hab teine Zeit, ich will nach Italien". Der alte Herr im Coupee lächelte bei dieser Erzählung und sag te, so schön sie sei, so sei sie doch nicht wahr, denn der Direktor Thudichum wäre sein Vater gewesen, er selbst sei der Professor Friedrich Thudichum zu Büdingen. Dr. G.
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