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Nr. 46/47.

Samstag, den 14. Juni 1930.

daß auf der letzten Sitzung der Hafraba( Verein zur Vor­bereitung der Autostraße Hansastädte- Frankfurt- Basel) in Baden- Baden beschlossen wurde, als nächsten Tagungsort Bad Homburg zu wählen? Die Homburger Hafraba- Tagung ist vom 27. bis 29. Juni festgesetzt worden.

.. daß das Staatliche Kurtheater Bad Kissingen vom 14. bis 21. Juni eine Festspielwoche zur Feier seines 25jährigen Bestehens veranstaltet.

... daß Ende Juni das 10. Baden- Badener Autoturnier in internationaler Aufmachung mit Blumentorso und Blumen­schlacht stattfindet.

... daß Bad Ems am 22. Juni seine 50. Ruderregaita ab­hält; die sportlichen Höhepunkte sind der 1. Achter um den Wanderpreis des Deutschen Ruderverbandes, der 1. Vierer um den Kaiserpreis, den Wilhelm I. stiftete, und der 1. Einer um den Hindenburg- Pokal.

... daß im Herbst dieses Jahres, in der Zeit vom 24. August bis 13. September, die Deutsche Vereinigung für staatswis senschaftliche Fortbildung ihren wissenschaftlichen Lehrgang für höhere Justiz- und Verwaltungsbeamte in Bad Pyrmont abhält.

Das 1000. Jubiläumsfestspiel der Ekkehard- Spiele.

Am 23. Juli werden die Ekkehard- Spiele im deutschen Na­tionaltheater unter Leitung ihres Führers, des Oberleutnant a. D. Gerhard Roßbach, zum 1000. Male vor ihre Zuhörer tre­ten.'

Vom Deutschen Gee- Verein.

Der Deutsche See- Verein( früher Deutscher Flotten- Verein) hielt in Bremen seine diesjährige Tagung ab. Der Präsident des Vereins, Staatssekretär a. D. von Lindequist, gab in seiner Begrüßungsansprache ein Bild der Wiederaufbauarbeit Deutsch­lands und bedauerte die Ablehnung der ersten Baurate für das Panzerschiff B. Von der Versammlung wurde einstimmig fol­gende Entschließung angenommen:

Gießener Zeitung

Kleider machen Leute.

Von Dr. V. Hähnlein Dresden. ,, Kleider machen Leute", so denken die Menschen, sparen sich das Geld für eine standesgemäße moderne" Kleidung am Munde ab, zwängen sich in die unbequemsten Marterinstrumente und glauben damit hervorragend praktisch gehandelt zu haben. Viel vernünftiger wäre es, sie sagten sich: Kleider machen Menschen", d. h. in seelischer Beziehung läßt eine einfache, zweckmäßige Kleidung auf einen selbständigen, energischen Cha­rakter schließen, und in körperlicher Hinsicht gestattet eine der= artige Gewandung ein gesundes, unbehindertes, Ausleben aller Kräfte.

,, Tief davon durchdrungen, daß die im Diktat von Ver­sailles zugestandenen Panzerschiffe, Kreuzer, Zerstörer und Torpedoboote nur das Allermindeste darstellen, was Deutsch­land zur Verteidigung seiner langgestreckten Küsten und des vom Reich abgetrennten Ostpreußen, sowie zur Ver­bindung mit unseren Auslandsdeutschen und zur Stärkung des deutschen Ansehens über See benötigt, fordert der Deut­sche See- Verein, daß die geringen gegebenen Wehrmöglich­teiten voll ausgeschöpft und die fehlenden Ersatzbauten, ins­besondere die der Panzerschiffe, nach einem festen Plan be= schleunigt bewilligt und ausgeführt werden.

Eine weitere Forderung an den Reichstag kam in folgen­der Entschließung zum Ausdruck:

Glücklicherweise hat die Damenmode der letzten Jahre neben der Schönheit auch in einigermaßen ausreichender Weise den gesundheitlichen Wert der Kleidung berücksichtigt. Das Korsett, der steife Halskragen, die langen Aermel, die allzu weiten Röcke gehören hoffentlich auf Nimmerwiedersehen der Bergangenheit an. Vergangenheit an. Farbe und Stoffarten gestatten heute der Frau einen vernünftigen Wechsel zwischen Sommer- und Win­ter, Haus- und Straßenkleidern. Die Beine werden durch meist hauchdünne Strümpfe und luftdurchlässige Schlüpfer, der Oberkörper durch den offenen Halsausschnitt dem frischen Luft­strom ausgesetzt. Eine solche Mode kann vom Standpunkt des Arztes nur unterstützt werden. Es ist nicht richtig, daß die Damen heute im allgemeinen zu leicht bekleidet gehen, denn die Gewohnheit hat sie gegen den Witterungswechsel abgehärtet und Erkältungskrankheiten kommen daher beim weiblichen Ge­schlecht viel seltener vor, als früher. Am schlimmsten ist es noch mit der Form des Schuhwerks bestelt; hier müßte durch die Einführung niedriger Absätze und einer dem Fuße ange> paßten Form noch Wandel geschaffen werden.

,, Mit Bedawern hört der Deutsche See- Verein, daß die im Haushaltungsvoranschlag eingesetzte Summe für die Deutsche Seewarte in den Vorberatungen des Haushaltsaus­schusses des Reichstages gestrichen worden ist. Wenn die in freiwilliger, treu geleisteter Arbeit deutscher Schiffsoffi­ziere in den meteorologischen Schiffstagebüchern zusammen­getragenen Beobachtungen jetzt nach neueren Gesichtspunk­ten wissenschaftlich ausgewertet werden sollen, um neben der Sicherung der deutschen Seeschiffahrt und des ihr an­vertrauten Lebens auf See auch der kommenden überseeischen deutschen Luftfahrt wertvolle Hilfe für die Navigation zu schaffen, dann sollte das Reich trotz der finanziellen Be­drängnis die dafür erforderlichen Mittel nicht versagen. Der Deutsche See- Verein erwartet daher vom Deutschen Reichstag, daß die erforderlichen Mittel in den Haushalt wieder eingestellt werden".

Das Verständnis für deutsche Seegeltung und deutschen Wehrwillen muß in unser ganzes Volk dringen, daher sollte jeder Deutsche, der auf dem Standpunkt steht, daß Deutschland Sleegeltung braucht, sich dem Deutschen See- Verein, Berlin W 10, Matthäikirchstraße 13, als Mitglied anschließen.

Vortrag

am Mittwoch, den 18. Juni 1930, abends 8 Uhr in Gießen,

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Trostlos dagegen steht es um die Männerkleidung. Hier kann man eigentlich nur von Uniformen reden, die keiner­lei Eigenart aufkommen lassen und die gleiche unzweckmäßige Anhäufung von Stoffmassen für jede Jahreszeit, für frohe Unterhaltung wie für ernste Arbeit, vorschreiben. Die Klei­dung eines Mannes ist um das Vielfache schwerer, als das­jenige der Frau; die Beine sind bis zu den Füßen hinunter förmlich wattiert, Hals und Brust in enge Stärkepanzer einge­zwängt das ist das starke, abgehärtete Geschlecht!

Neue Bücher.

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Die Psychoanalyse, von Ernst v. Aster. Volksverband der Bücherfreunde, Berlin- Charlottenburg 2. Trotz der Po­pularität des Wortes ,, Psychoanalyse" hat der Laie von dieser jüngsten unter den Wissenschaften heute meist noch einen recht wenig vorstellbaren Begriff. Das Erscheinen des vorliegenden Werkes wird dazu beitragen, den Mangel an positiver Kennt nis um das weite und so bedeutungsvolle Arbeitsgebiet der Psychoanalyse wesentlich zu beheben. Der bekannte Philosoph entwickelt darin zunächst an Beispielen aus der Praxis die Stellung, die die Psychoanalyse im wissenschaftlich- praktischen Betriebe der Gegenwart einnimmt. Nicht nur von der ärztlichen Seite der Psychoanalyse als Therapie der Neurose ist in diesem hochinteressanten Buche die Rede, sondern von der Bedeutung der Psychoanalyse für unsere Auffassung vom seelischen Leben und von der seelischen Natur des Menschen. Sowohl in der Zustimmung wie in der Kritik entfaltet der Autor eine groß­artige und eindringliche Anschauung vom Verlauf der Geschichte der menschlichen Kultur und hebt wesentliche Gesichtspunkte der Kulturphilosophie heraus.

Wir müssen zu einer abwechslungsreichen Kleidung kommen; Form, Farbe und Stoff des Gewandes soll dem Zwecke entspre­chen, zu dem es getragen wird. Ein Handarbeiter muß anders angezogen sein, als der Büchermensch; der Sommer verlangt Wärmeschutz, der Winter Kälteschutz von unserer Klei­dung. Die Arbeitstracht sei ernst und zweckmäßig, die Festtracht heiter und farbig. Der Mann sollte zeigen können, daß auch er ein Bein besitzt und nicht zwei Ofenröhren; er bedarf keines­wegs eines Stehkragens als Halsabschluß, um seine Würde nach außen kund zu geben, vielmehr sollte sich die Männerwelt für ihre Kleidung den Spruch des Reichsausschusses für hygie> nische Volksbelehrung" zu eigen machen: Warum denn Rod und hohen Kragen, statt Blusenhemd und Strohhut tragen?"

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