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Mittwoch, den 15. Mai 1930.

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,, Gießener Zeitung"

Beim Spiel der Ligaklasse mußte nach 90 Minuten Spielzeit auf Wunsch der beiden Vereine das Los entscheiden. Die Pokalspiele wurden sehr zufriedenstellend geleitet von den Schiedsrichtern Müller- Frohnhausen, Schmidt- Burg und Thielmann- Hörbach. Die Leichtathletik- Konkurrenzen waren

1900 Gießen Liga bach 1. BC. Frankfurt- Oberrad 4: 0. Nach dem Versagen der Einheimischen gegen Rüsselsheim traute man der Mannschaft diesen eindeutigen Erfolg eigent­lich nicht zu. In der Mannschaft war wieder etwas umgestellt worden. Balser spielte endlich mal an dem Platz, wo er von Rechtswegen schon immer hingehört in der Verteidigung. Jm Tor wirkte nach langer Pause erstmalig wieder Brambach, der seine Arbeit tadellos machte.

Der Regen hörte nicht auf, so daß aus dem Fußball bald ein Wasserball wurde. Trotzdem können die Einheimischen das Spiel überlegen und siegreich gestalten.

Lollar 1.

Odershausen 2. 2: 4( 0: 2). Odershausen stellt eine flinke, technisch gut durchgebildete Elf. Erst nachdem dieselbe durch zwei billige Erfolge in Füh­rung liegt, erwacht Lollar und bringt das Heiligtum Oders­hausens öfters in Gefahr. Jedoch vergißt der Sturm das Schie­ßen und läßt alle günstigen Gelegenheiten unausgenutzt vorüber­gehen. Odershausen kommt zu seinem 3. Treffer, bevor Lollar ein Tor aufholen kann. Nochmals schlägt Odershausen den Schlußmann Lollars, dann stellt der Mittelläufer der Einheimi­schen durch einen prachtvoll getretenen Strafstoß das Endresultat her. Ein schönes faires Spiel. Schiri Hilberg leitete gut. Grünberg 1. Dreihausen 1. 0: 4 abgebr.

Grünberg 2. Dreihausen 2. 0: 3.

Den Reigen eröffneten die 2. Mannschaften. Der Regen hatte am Samstag und Sonntag morgen den Sportplatz sehr aufgeweicht, sodaß ein reguläres Spiel nicht aufkam. Als die ersten Mannschaften das Feld betraten, machte der Himmel ein sehr trübes Gesicht und so dauerte es nicht lange, bis wieder strömender Regen niederging. Kurz nach Seitenwechsel war ein Weiterspielen unmöglich; der Unparteiische, Herr Naumann­Laubach pfiff ab, denn die Gesundheit der Mannschaften stand auf dem Spiel.

Die Jugendmannschaften mußten auf ihre Freunde, in einem echt sportlichen Kampfe die Kräfte zu messen, verzichten, da der Wettergott keine Einsicht hatte.

Eine Kritik erübrigt sich. An Leistungen war durch die Be­gleitumstände auf beiden Seiten nichts zu sehen, obwohl die Gäste bei beiden Spielen die Torschützen waren.

Oberndorf 1.

Oberndorf 2.

Tiefenbach 1. 2: 4( 2: 0) Tiefenbach 2. 3: 3( 0: 2)

Tiefenbach weilte am Sonntag mit zwei Mannschaften zu den fälligen Rückspielen in Oberndorf. Die Vorspiele konnte Tiefenbach auf eigenem Plazze gewinnen( 8: 1; 4: 0). Trotz des vorhergegangenen und während der Spiele niedergehenden Re­gens waren doch ca. 200 Zuschauer auf dem schönen, am Wal­desrand gelegenen Sportplatze erschienen. Die Spiele litten sehr unter dem aufgeweichten Boden. Die beiden ersten Mannschaften betraten zuerst den Rasen und gingen gleich mächtig ins Zeug, besonders Oberndorf, das mit neuen Man­nen auf eigenem Platze nicht verlieren wollte. Bis zur Halb­zeit gelang es ihm auch. Dann kam durch Platzwechsel Tiefen­bach auf und konnte fast die ganze zweite Halbzeit für sich buchen. Bei Tiefenbach konnte besonders die Verteidigung ge= fallen, Oberndorf hat im Sturm gute Kräfte, besonders in dem Mittelstürmer. Das Spiel der zweiten Mannschaften ging 3: 3 aus. Tiefenbach trat mit 3 Mann Ersatz an und konnte sich gegen den stärkeren Gegner gut halten. -sch.

Flensungen- Müde 1. Jgd. Großen- Bused 1. Jgd. 2: 2.

Als ersten Gegner im WSV. hatte die 1. Jugend von Flen: sungen- Müde die gleiche von Gr.- Buseck zu Gast. Die Gäste traten mit Ersatz an und mußten sich gegen den Neuling sehr anstrengen. Fl.-M. spielte sehr eifrig, ging in Führung, mußte sich aber den Ausgleich der spielerfahrenen Gr.- Busecker ge= fallen lassen. Die Flens.- M. Jugend begannn so mit einem recht guten Start.

Sportfest in Hörbach.

Das am Sonntag stattgefundene Sportfest hat unter der überaus schlechten Witterung sehr gelitten, war aber trotzdem sehr gut besucht. Der Sportverein beging gleichzeitig sein 10 jähriges Stiftungsfest. 12 Mannschaften nahmen an den Po­falspielen teil und gingen als Sieger hervor: in der B.- KI.: 1. Offenbach 2, 2. Langenaubach 1; in der A.- KI.: 1. Merkenbach 1, 2. Ballersbach) 1; in der Liga- KI.: 1. Burg 1, 2. Langenau=

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auch von den beiden Gießener Vereinen VfB. und 1900 beschickt und sah als Sieger: im 100- Meter- Lauf: 1. Linsemann- 1900, 2. Jakob- VfB.; im 800- Meter- Lauf: 1. Büttner- VfB., 2. Gla­gow 1900; im Kugelstoßen: 1. Mohl- VFB., 2. Jakob- VfB., 3. Peters 1900, 4. Koch- 1900.

Weltmeisterschaften der Studenten

vom 1. bis 10. August 1930 in Darmstadt. Das Sekretariat des finnischen National- Studentenverban­des teilt mit, daß Finnland beabsichtige, sobald gewisse finan­zielle Vorsätze erfüllt seien, mit einer Mannschaft zu kommen, die sich zusammensetzt aus: 8 bis 10 Leichtathleten, 2 bis 4 Schwimmern und 1 bis 2 Fechtern.

Der bekannte Fußballschiedsrichter Dr. Bauwens, Köln, hat sich bereit erklärt, einen Teil der Fußballspiele als Schieds­richter zu leiten.

Die Deutschlandfahrer berühren unsere engere Heimat. Die 8. Etappe am 20. Mai: Frankfurt- Gießen- Bielefeld.

Die Deutschlandrundfahrt übertrifft alle Erwartungen. Sie ist ein großer sportlicher Erfolg. Ueberall in Städten und auf Dörfern begleitet das Interesse des Publikums die Gigan­ten der Landstraße. Die achte Etappe wird am 20. Mai in Frankfurt a. M. gestartet und es geht nach Vilbel, Friedberg, Gießen, Marburg, Corbach, Arolsen, Paderborn und schließlich nach 262 Kilometer langer Fahrt das Ziel Bielefeld. 2513 Kilometer mißt die ganze Deutschlandrundfahrt mit ihren 10 Etappen.

Aus Nah und Fern.

Meiches. Nun ist endlich ein lange ersehntes Ziel erreicht. Bei der altehrwürdigen Totenkirche bei Meiches ist auch unseren gefallenen Kameraden ein würdiges Denkmal errichtet. Ver­einter Opferwille von Krieger- Verein und Gemeinde stellte die Mittel hierzu bereit. Obwohl in der Hauptsache einheimisches Material verarbeitet wurde, sind die Unkosten doch beträchtlich. Das Denkmal ist ein mächtiger Quader, der auf der uralten Friedhofsmauer reitet, diese gleichsam unterbricht und wie eine erhobene Hand zum stillen Gedächtnis mahnt, zum Gedenken der 14 Kriegskameraden aus dem am Fuße des Berges sich brei­tenden Vogelsbergdörfchens. Der Sockel des Ehrenmals ist aus roh- behauenen Basalt- Lungsteinen aufgeschichtet; der obere Teil ist mit Granitplatten umkleidet, die die Namen der Ge= fallenen sowie sonstige Beschriftung zeigen. Sonntag, den 18. ds. Mts. soll das Denkmal geweiht werden. Bei gutem Wetter darf wohl aus näherer und weiterer Umgebung eine recht zahl= reiche Teilnahme erwartet werden, zumal auch sonstige Feiern bei der einzigartigen Meichefer Totenkirche gut besucht werden. Beigeordnetenwahl in Michelstadt.

Michelstadt. Bei der am Sontag stattgefundenen Wahl des Beigeordneten erhielt bei einer Wahlbeteiligung von 94 Pro­zent der bürgerliche Kandidat Nord 1376 Stimmen, der sozial­demokratische Kandidat Geist 798 Stimmen, der Kommunist Weber 119 Stimmen. Bei der letzten Gemeinderatswahl er­hielten die Sozialdemokraten 954 Stimmen, die beiden bürger­lichen Listen 813 Stimmen und die Kommunisten 193 Stimmen. Raubmord um eine Reichsmart.

Frankfurt a. M., 13. Mai. Von einer furchtbaren Bluttat wird aus Offenbach; a. M. berichtet. Dort erschien gestern abend auf einem Polizeirevier ein Handwerksbursche, der eine etwa 15 Zentimeter lange Stichwunde im Unterleib hatte. Die Verlet= zung war so schwer, daß die Eingeweide heraustraten. Der Mann konnte noch mit Mühe seine Angaben machen und brach dann bewußtlos zusammen. Er wurde sofort in ein Kranken­haus gebracht. Der Verletzte machte folgende Bekundung: In der Herberge zur Heimat in Frankfurt a. M. lernte er einen anderen Wanderburschen, einen 30 Jahre alten Fritz Kuhn, kennen. Zusammen wanderten sie am Main entlang nach Of= fenbach zu. Kurz vor der Stadt gerieten sie in Streit, weil Kuhn wußte, daß der andere noch eine Mark besaß. Als er deren Herausgabe verweigerte, zog Kuhn sein Messer und stach es seinem Begleiter in den Leib. Dann beraubte er ihn und flüchtete nach Frankfurt zu. Der Gestochene schleppte sich noch bis zur Wache.

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Zum Wandern.

Nun ist die Zeit des Wanderns und Streifens hinaus in die Schönheiten unserer deutschen Heimat gekommen. Die Rud säcke werden gepadt mit allerlei Dingen, die man nötig zu haben glaubt und kein Mensch denkt dabei an die Mitnahme gei­stiger Nahrung. Oder doch? Oja: es gibt genug Wanderer, die es niemals versäumen, auch auf die Wanderung ihre Hei­matsportzeitung, ein Buch oder andere Schriften mitzunehmen. Und das ist recht; denn nirgendwo tann man besinnlicher und andächtiger lesen als in der Einsamkeit des Waldes oder an abgelegener Berglehne. Dann soll man aber auch auf der Wanderung Lesestoff mitnehmen, der einem von Land und Leu­ten berichtet, die man aufsucht, das zumal, wenn man ,, Neu­Land" erwandert. Ja, es ist eine bekannte Tatsache, daß nur der den wahren Genuß am Wandern hat, der vorbereitet eine Wanderung antritt. Aber auch über Bekanntes liest man wohl gern nach, um das Erschaute und Erlebte zu vertiefen, und es gibt erfreulicherweise genug solcher Wander- und Heimatbücher, geschaffen als Ergänzung zu den trockenen Reiseführern. Als eine besonders wertvolle Sammlung seien die Brandstätters Heimatbücher deutscher Landschaften" empfohlen. Sie enthalten neben Originalbeiträgen Erlesenes über deutsche Landschaft, deren Geschichte, Volkskunde, Sittengeschichte, Literatur, berich ten also von dem, was unsere Klassiker Goethe und Schiller bis zu den Dichtern der Gegenwart wie Löns, Friedrich Lienhard, Ricarda Huch, Wilhelm von Scholz über die Landschaft zu sagen haben. Es sind in dieser Sammlung bereits 30 große Bände und vier kleine erschienen, die alle größeren Landschafts­gebieten des Deutschen Reiches und die angrenzenden deutsch­sprachigen Gebiete behandeln. Sie sind mit zahlreichen Feder­zeichnungen und zumeist mit sorgfältig, zum Teil farbig wieder gegebenen graphischen Blättern und Gemälden ausgestattet. Man kann der Sammlung nur die weiteste Verbreitung wün­schen. Die Titel der einzelnen Bände sind: Pommerland Die Nordmark Die Nordseeinseln Unsere märkische Hei­mat Berlin Niedersachsen Harz und Kyffhäuser

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