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Samstag, den 13. Dezember 1930.

vorgesehene Zuschlagshöhe ist aber äußerst gering und wird daher in der Praxis bedeutungslos sein, wenn auch, was beabsichtigt ist, eine Aenderung der Verrechnungsmethoden bei der Veran­lagung eintritt.

Neuerdings wird verlangt, die Filialsteuer nicht mehr auf der unzulänglichen Basis der Gewerbesteuer zu erheben, sondern reichsgeseßlich als Zuschlag zur Umsatzsteuer auszugestalten, da man sich hiervon eine viel größere und nachhaltigere Wirkung, besonders z. B. auf Einheitspreisgeschäfte und ähnliche verspricht.

Auch in dem Streit der politischen Parteien wird diese Frage in der allernächsten Zeit eine besondere Rolle spielen, da eine wirkliche Aenderung der bestehenden Verhältnisse nur durch den Reichstag möglich ist.

,, Gießener Zeitung"

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Es ist eigenartig: auch die, die in dieser falten Welt teine Wärme mehr spüren und selbst die, denen das Weihnachtswunder von Bethlehem nur mehr als ein Märchen erscheinen will, können doch nicht ungerührt an dem schönsten aller Christenfeste vorüber­gehen. Und wie ein Heimweh nach einem reinen Glück kommt es über sie. Nirgends finden sie es wieder, weil sie ihren Blick nach unten senken und nicht nach oben richten.

Wieder läuten Adventglocken durch den kalten Wintermor­gen. Sie künden das Nahen des Weihnachtsfestes. Alle Jahre neu verkündet es der Menschheit, wenn auch viele es nicht mehr

Weitere Lockerung der Zwangswirtschaft hören wollen: Friede den Menschen auf Erden!"

in... Frankfurt a. M.

Wie die Magistrats pressestelle der Stadt Frankfurt laut ,, Frankfurter Zeitung" mitteilt, hat der Regierungspräsident in Wiesbaden auf Antrag des Magistrats die Freigrenze für die Zwangsbewirtschaftung von Wohnungen in Frankfurt a. M. auf 1000 RM. volle Jahresfriedensmiete herabgesetzt, während sonst in Preußen die oberste Grenze bei 1400 RM. liegt. Ueber diese Wohnungen hat also in Zukunft das Wohnungsamt in Frankfurt a. M. nicht mehr zu verfügen, sie können frei ver­mietet werden.

In Frankfurt a. M. wird allgemein von der nackten Frie­densmiete ausgegangen, das heißt von der vereinbarten Miet­summe, die am 1. Juli 1914 tatsächlich an den Vermieter ge= zahlt wurde. Will man errechnen, welche nackte Friedensmiete einer vollen Friedensmiete von 1000 RM. entspricht, so müssen von der vollen Friedensmiete( 1000 RM.) alle ortsüblichen und alle vertraglich üblichen Zuschläge und Nebenleistungen des Mieters abgezogen werden. Dabei tommf man im Normalfall bei Wohnungen ohne Zentralheizung auf etwa 880 RM. naďte Friedensmiete, bei Wohnungen mit Zentralheizung auf etwa 730 RM. nackte Friedensmiete. Alle Wohnungen, deren nackte Friedensmiete am 1. Juli 1914 mindestens so hoch war, wie die beiden genannten Beträge( 880 bezw. 730 RM.), sind also ab 1. Dezember nicht mehr zwangsbewirtschaftet.

Soweit ist man mit dem Abbau der Wohnungszwangs­wirtschaft in unserer Nachbarstadt Frankfurt a. M. Und in Hessen? Da weigert sich der Minister, überhaupt etwas zur Lockerung der Zwangswirtschaft zu tun. Er wartet daß ihm das Reich zuvorkommt, damit er seine Hände in Unschuld waschen kann. Auf diese Weise macht man sich das Regieren leicht.

Die Tätigkeit der hessischen Regierung beschränkt sich, so­weit der Hausbesitz in Frage kommt, auf steuerliche Leistungen; der Hausbesitz muß die Mittel liefern, um den Regierungs­apparat in Gang zu halten.

Wie lange noch?

Wie notwendig hätte es doch diese Welt, auf diese Him­melsbotschaft zu hören. Krante Seelen warten überall auf Hei­lung Niedergebeugte möchten sich aufrichten, Friedlose sehnen sich nach Friede, eine ganze Welt ruft: Friede den Menschen auf Erden".

Das ist die Himmelsbotschaft von Bethlehem. Und wenn sie auch 2000 Jahre alt ist, sollte gerade die Erde von heute und besonders wir in unserem Vaterlande auf sie hören. Denn alle Welt könnte wieder froh werden, wenn dieser Friedensge­sang himmlischer Sänger hineindringen würde in die tiefste Nacht und in die endlosen Schatten der Gegenwart. Und auch dorthin, wo man das Weinen und alles Elend unserer Tage nicht mehr hören will. Erst wenn die himmlische Botschaft von dem Frieden den Menschen auf Erden wieder hineindringt in alle Menschenherzen und Bruderhaß und Rachsucht tötet, wenn wieder wahre Weihnachtsstimmung über diese Erde kommt, dann erst und keine Stunde früher wird diese Erde und unser Vaterland wieder gesunden. Der Sonntagsschreiber.

Sammelleidenschaft und Voltsbelehrung. Längst hat sich die deutsche Industrie gewöhnt, durch belehrende Bilderreihen, die als Werbemittel Zigaretten, Scho­koladen usw. beigegeben werden, die Sammelleidenschaft in den Dienst der allgemeinen Wißbegier zu stellen. Nun hat eine Zigarettenfabrik es unternommen, Verkehrserziehung mit dem Ziele besserer Verkehrsunfallverhütung zu treiben, indem sie eine Werbebilderreihe herausgibt, auf der die verschiedenen Verkehrszeichen, ihr Zweck und ihre Wirkung dargestellt und er­läutert werden. Der hier beschrittene Weg sollte weiter ver­folgt werden. Es würde sich nicht nur für die Werbetätigkeit der herausgebenden Firma lohnen, wenn planmäßig möglichst viel Gebiete der hygienischen Volkbelehrung in Werbebilder­reihen dargestellt würden.

Kurs Ost.

Von U.- Bootmatrose A. Unterleitner.

Wochen vor Weihnachten.

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Nr. 99

Höhe der Syndikatspreise fast bei allen Kohlensorten zu ermähi­gen. Die Preise ermäßigen sich weiter durch Mengen- und Bar­rabatte und bei Sonderabmachungen mit Verbraucherorgani­sationen. Bei Fettnuß I und II stellen sich die Preise in Säden. frei Keller auf 2,26 RM. gegen seither 2,35 RM., bei Anthrazit­Eiformbriketts auf 2,35 RM. gegen seither 2,45 RM. Bei Braun­fohlenbriketts betragen die Preise 1,80 RM. gegenüber 1,85 RM. seither.

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Warnung vor Störung des Rundfunks. Rundfunkemp­fangsanlagen werden in steigendem Maße durch Störungen be­einträchtigt, die von anderen elektrischen Geräten, z. B. Föhnen, Haarschneidemaschinen, Heizkissen usw. und ganz besonders von ( Hochfrequenzheilgeräten)

Hochfrequenzbestrahlungsapparaten

Camstag, de

Straßen Automobil- Clu Benftrede Gru aufgehoben. zwischen Kilome jeglichen Verkeh Eisenbah

ausgehen. Sämtliche Besitzer derartiger Geräte werden ersucht, diese mit Störschutz zu versehen oder sie nur außerhalb der fest­gesetzten Hauptrundfunksendezeiten zu benutzen. Hochfrequenz­bestrahlungsapparate dürfen nur dann betrieben werden, wenn sie das VDE.- Zeichen zum Nachweis der Störfreiheit tragen. Hauptsendezeiten für den Südwestdeutschen Rundfunkt sind die Zeiten von 12-14.30 und von 16-23 Uhr.

Man spricht vom Advent. Ankunft des Christkindes. Neu­es Kirchenjahr. Vielen nachdenklichen Menschen ist es in den letzten Jahren zumute gewesen, als ob gerade jetzt eine gewal­iige Krise, ein schweres Gericht über die Erdenmenschheit herein­breche. Man steht, nicht nur wirtschaftlich, unter einem ge­wissen schweren Drud. Alles erscheint so unsicher. Man fürchtet, daß die Zeiten noch schwerer, noch drangsalsvoller werden kön­nen. Aber die vorweihnachtliche Freude möchte doch nicht ganz ausgeschaltet werden. Es ist die Vorfreude der Kinder. Zwar ist ihnen der Weihnachtsbaum am heiligen Abend an sich nichts Neues mehr. Denn bei allen möglichen großen und kleineren Veranstaltungen, Ausstellungen, Schaufensterauslagen usw. ha­ben sie ihn bereits gesehen. Aber es ist doch etwas besonderes, wenn zu Hause unter dem Lichterbaum beschert wird. Die Vor­freude hat ihren tiefsten und schönsten Sinn, wenn sie von dem Geiste der Güte, der Liebe getragen ist, also wenn sich groß und klein freut, einem anderen etwas Freude bereiten zu dürfen. Und man möge in diesem Zusammenhange an das ernste zeitge­mäße Wort ,, Nothilfe" denken! Das freudige Schenken, mit Taft und ohne großes Trara geübt, kann da manchen Lichtblick Die bringen, mancher bitteren Stimmung wehren alten lieben Weihnachtslieder werden jetzt wieder lebendig. Sie sind unverwüstlich. Helle Kinderstimmen singen sie trotz dem grauen Alltag.

An Steuerbord nähern wir uns einem dunkeln Streifen. Wir gehen näher unter Land. Von weither vermeint man dumpfes Rollen und Grollen wie von schweren Geschüßen zu vernehmen. Oder täuscht die Phantasie? Der dunkle Streifen an Steuerbord hat sich in einen lieblichen Waldstreifen verwan­delt mit vorgelagerten weißen Sandflächen und anschließenden sonnigen Grasteppichen. Einige halbzerfallene Bauern- oder Fischerhütten liegen herum, echt russischen Stil zeigend.

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Da stoppt plötzlich unser Boot ab. Wie aus dem Wasser gestiegen, liegen vielleicht 1000 Meter vor uns drei kleinere Fahrzeuge. Ein weißer, durchsichtiger Rauch verrät Delfeue= rung. Feindliche Minensuchboote oder harmlose Fischdampfer? Die drei haben kleine Fahrt und sind im Auslaufen be­griffen. Auf unser Flaggensignale Sofort stoppen!" legen sie anscheinend kein Gewicht. Erst ein Schuß vor den Bug des Führerbootes macht die Russen wach. Von Stoppen aber ist teine Rede, im Gegenteil, sie wollen auf höchste Fahrt gehn und plötzlich blitt es beim Führerboot auf. Die winzige Rauchwolke läßt auf kleines Kaliber schließen. Der Einschlag liegt kurz links vor uns. Wir drehen ab, gehn auf größere En fernung und eröffnen aus dem Hedgeschutz ein wütendes Feuer. Schon die vierte Granate sitzt. Noch eine fünfte und drüben brennt es auf dem vordersten Schiff. Die beiden andern Boote schießen nicht. Sie sind scheinbar unbewaffnet. Nun setzen unsere beiden Geschütze fest ein. Bei der dritten Salve fliegen Feßen und Trümmer in der Luft umher. Eine Minute später ist der Plaz des Führerbootes leer, und nunmehr herum­schwimmende Schiffsteile zeigen ein schauriges Seemannsgrab an. Die Liste der russischen Hilfskriegsschiffe ist um eine,.- Bootfalle" ärmer.

Sentung der Kohlenpreise.

* Von der Getränkesteuer befreit sind Getränke, die der Wirt und seine Angestellten unentgeltlich einnehmen, ferner Fleischbrühe, auch ,, Kaffeekochen" ist steuerfrei, d. H. wenn nur kochendes Wasser und Kaffee getrennt abgegeben werden.

Verein im Ver

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lung ab. Spielvere im Café Leib se lojung ab.

* Erweiterung des Fahrplans der Kraftpostlinie Gießen­Launsbach Wißmar- Krofdorf- Gießen. Mit Wirkung vom Sonntag, dem 14. Dezember ab wird auf der Kraftpostlinie Gießen Launsbach- Wißmar- Krofdorf eine neue nur Sonn­tags verkehrende Kraftpost mit folgenden Fahrzeiten versuchs­weise eingerichtet: Ab Gießen Bhf. 16.20, Gießen Neustädter Tor 16.24, Abzweig Krofdorf 16.30, Launsbach 16.36, Wißmar 16.46, an Krofdorf 16.55. In Krosdorf besteht Anschluß an eine um 17 Uhr nach Gießen abfahrende Kraftpost, so daß den Be­wohnern von Launsbach und Wißmar eine weitere Fahrgelegen­heit von und nach Gießen gegeben ist. Die um 22.40 von Gie­Ben Bahnhof nach Krofdorf verkehrende Kraftpost wird an Sonntagen über Launsbach und Wißmar geleitet, wenn sich zur Mitfahrt nach diesen beiden Orten mindestens zehn Personen melden.

Im Auftrag des Herrn Ministers für Arbeit und Wirtschaft haben am 11. ds. Mts. mit den Vertretern des Kohlenhandels Besprechungen wegen Herabsetzung der Kohlenpreise stattgefun­den. Die Kohlenhändlervereinigung hat sich bereit erklärt, die seither bestehenden Preise ab 1. Dezember 1930 mindestens in

Die beiden andern Russen haben unterdessen gestoppt und zeigen Flaggensignale. Wir drehen vorsichtig darauf zu und stoppen bei etwa 500 Meter Abstand. Auf unser Signal kom­men bald darauf die beiden Kapitäne der Russen boote zu uns an Bord und bringen ihre Schiffspapiere mit. Ergebnis: Fisch­dampfer, beide unbewaffnet, unter Bewachung und Führung eines russischen ,, King Stephan"! Die beiden Russen in Zivil müssen als Gefangene an Bord bleiben. Sie erhalten Zigar­ren, die sie dankend annehmen.

heizer und ich entern an Bord. Die wenigen Mann der Be­satzungen stehen ängstlich herum. Nach kurzer Verständigung heißt unser Führer die Leute in die Boote gehen und an Land rudern. Schnell werden nun unserseits die Sprengpatronen angeschlagen, die Flutventile geöffnet und zwei Schiffe gehen bald darauf mit Krach und Getöse ihrem Führer in die Tiefe nach.

Der Kommandant befiehlt: Boot klar machen, Leutnant W. und vier Freiwillige tlarhalten, Sprengpatronen ins Boot!" Natürlich bin ich dabei. Wir legen uns wie die Teufel in die Riemen und ,, nudsen" nach Herzenslust. Daß uns nicht viel geschehen kann, dafür wachen unsere Rohre schon. Als wir nun näher an die beiden Dunkelgrauen kommen, stußen wir doch etwas, da alles so still ist. Wir legen am nächsten der an­einander festgemachten Boote an; der Offizier, ein Torpedo­

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* 224er.

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* Schöffengericht. Wegen fahrlässiger Tötung wurde ein junger Mann aus der Wetterau mit 200 RM. Geldstrafe ver­urteilt. Derselbe hat einem Bekannten eine Schußwaffe aus­gehändigt, mit welcher derselbe aus Unvorsichtigkeit einen da­beistehenden Dritten tötete. Ein junger Dieb im Rückfall tam glücklich mit Jahren Gefängnis davon. Wegen schwe rer Urkundenfälschung( Wechselfälschung) wurde ein Arbeiter unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Woche Ge­fängnis verurteilt.

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* Ernennungen. Oberamtsrichter Dr. Weissenbach beim Amtsgericht in Pfeddersheim wurde mit dem Titel Amtsgerichts­direktor nach Bad Nauheim versetzt.

* Pensioniert. Mit Wirkung vom 1. April 1931 scheidet Justizsekretär Fr. Stotz aus dem Dienst aus.

* Kundgebung. Am Samstag, den 13. Dezember 1930, abends 8.30 Uhr, spricht in der Turnhalle am Oswaldsgarten der 2. Bundesführer des Stahlhelm, Oberstleutnant a. D. Duesterberg, in einer Stahlhelm- Rundgebung.

* Aus dem Stadttheater. Am Samstag nachmittag, An­fang 15.30 Uhr, gelangt das Weihnachtsmärchen ,, Goldmarie und Pechmarie" von Aloys Prasch unter der Leitung von Karl Vold zur erstmaligen Aufführung.

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* Stadttheater. Als Fremdenvorstellung kommt Sonntag nachmittag die Jazz- Operette ,, Meine Schwester und ich" zur Wiederholung. Spielleitung: Dr. Prasch; musikalische Leitung: Fr. Cujé; Tänze: E. Bäulke.

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27 Jahre alt, die Reifeprüf Frankfurt Rea einer Arbeit tungsbeschlü

soweit es nur irgend möglich ist, jedes deutsche Kriegergrab zu erfassen. Wenn er auch nicht überall, wo Hilfe not täte, mit eigenen Mitteln eingreifen kann, da die Zahl seiner Mitglieder im Verhältnis zu der Größe und dem Umfang seiner Arbeit 1.och viel zu gering ist, so läßt er sich doch ständig über den Zu­stand der Kriegergräber unterrichten. Auch in Palästina über­wacht er die deutschen Ehrenstätten, von denen eine in Nazareth liegs. oftmals kommen deutsche Pilger in diese Stadt, wie we­nige denken aber daran, daß sich dort noch ein Plätzchen be findet, das gerade von uns Deutschen aufgesucht werden sollte: der deutsche Heldenfriedhof. Wenn man von Nazareth die ge­wöhnliche Pilgerstraße über Kana nach Toberias und an den Sce Genezareth geht, liegt dort, wo der Weg in seiner scharfen Biegung Nazareth verläßt, der Heldenfriedhof, von dem man die ganze Stadt überschauen kann. Nur wenige Minuten muß inan bergan steigen, dann steht man vor einem großen eisernen Tor, das in eine mächtige Mauer aus gelbem Sandstein ein­gefügt ist. Treten wir ein, finden wir links die Gräber der barmherzigen Brüder, rechts gegenüber ein Massengrab and weiter hinaus auf einem erhöhten rechteckigen Platz, dessen Hinterwand rch bearbeitete Felsblöcke bilden, liegen die Einzel gräber, fahle Hügel, mit Propellern und Kreuzen gekennzeichnet. Cypressen, Pinien und Lebensbäume, die von den barmherzigen Brüdern aus dem nebenanliegenden Kloster gepflanzt wurden, geben der ganzen Anlage ein eigenartig schönes Aussehen. Die Gräber selbst aber sind tahl und harren noch der endgültigen Gestaltung. Vorläufig fann wenig für sie getan werden, da die englische Gräberfommission in Jaffa, der die Pflege der Gräber obliegt, beabsichtigt, sie mit Steinen zu versehen. Die Verhandlungen währen schon mehrere Jahre. Da die Steine in England angefertigt werden sollen, verzögert sich jedoch ihre Ausstellung. In letzter Zeit ist der Friedhof durch Hinzubet tungen Gefallener, die in Feldgräbern und bei Djenin gelegen haben, erweitert. In Djenin selbst besinden sich nun teine Kriegergräber mehr, jedoch ist dort das seinerzeit von den deut schen Truppen gesetzie Denkmal stehen geblieben und wird mit Beginn des nächsten Jahres aus Mitteln, die der Ring der deut schen Flieger zusammengebracht hat, vom Volksbund gründlich instandgesetzt und mit einem Eisengitter umgeben. In Nazareth bemühen sich mit rührender Sorgfalt und in stetem Kampf mit der großen Hitze und dem sehr fühlbaren Mangel an Wasser die barmherzigen Brüder um die Erhaltung des deutschen Helden friedhofes. Aber auch hier muß manches geschehen, um diese Ehrenstätte ein würdiges Aussehen zu sichern. Das Tor rostet, die Einfassungsmauer hat Risse bekommen, da sie von oben richt abgedeckt ist und der Regen in die Fugen eindringt. Die Fertigstellung muß aber bald geschehen, da die Felsen keinen genügenden Schuh bieten und das dazwischen liegende Erdreich immer noch abrutscht. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräber fürsorge, der die Patenschaft vergibt, ist zu näheren Auskünften jederzeit gern bereit.

Daß wir nun auf der Rückfahrt 100 Meter vor den Augen unserer Kameraden ein drollig aussehendes, aber doch sehr ge= fährliches Bad nehmen sollten, daran hatten wir allerdings nicht gedacht. Und das tam so. Dem Vordermann meines Ne­benmannes schnitt der Riemen unter. Beim Hochholen des= selben bekam mein Kamerad einen heftigen Stoß in den Rücken, so daß er unwillkürlich auffuhr, ausrutschte und auf das Doll­boot fiel. Unser Führer wollte gegenstemmen, und plumps! wir schwammen, das Boot war weg. Ein paar Schreie durch Mark und Bein, ein Schlagen und Prusten ich will schwim­men. trotz des schweren Lederzeugs, da hängt sich etwas an mid. Herrgott im Himmel! Ich will zustoßen, doch wie in einem Schraubstock wird der rechte Arm festgehalten. Den Kameraden mit dem Kopf über Wasser bringend, treten wir beide wie wahnsinnig in der salzigen Flut. Namenlos ist das Erschrecken, als sich auch von der linten Seite noch einer an mich hängt. Einige Sekunden, die uns eine Ewigkeit scheinen, tau­chen wir unier Wasser. Doch nur treten, treten! Alles feucht in mir. Einer reißt mir das Zeug auf. Ich will ihn wegstoßen, doch er hängt. Erschütternd sehe ich sein angstverzerrtes Gesicht und greif ihn wieder fester. Fast schwinden mir die Sinne. Ich denke an Gott, Mutter und heule fast vor Anstrengung. Ich will nicht mehr gehen da was war denn nun? werde ich mit einem Male hochgehoben, und eine Sekunde später sitze ich in Grätsche auf dem gefenterten Jollenrücken. Links und rechts hängen halb bewußtlos und halb ertrunken noch beide Kameraden an meinen bleiernen Armen. Wie von weither höre ich noch ein paar Stimmen und dann war wohl Schlafenzeit. Beim Wiedererwachen auf unserm Boot rochen wir hübsch schön nach steifem Grog und anderntags waren wir fünf außer einem floßigen Schnupfen wieder ,, All rigth!" ( Entnommen dem bei der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart erschienenen Buch Wir leben noch! Deutsche Seehelden im U.- Bootkampf".)

Deutsche Soldatengräber in Nazareth.

Viele wissen nicht, daß in dem Land, das allen Christen heilig ist, ebenfalls deutsche Krieger zur letzten Ruhe gebettet wurden. Wenn auch ihre Zahl gegenüber den Hunderttausenden in Frankreich, Belgien und Polen gering ist, so ist doch keine Gräberstätte zu klein, daß sie nicht mit deutscher Liebe und Treue umhegt werde. Deshalb hat der Volksbund das Netz seiner Vertrauensleute über fast die ganze Erde gespannt, um,

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