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Samstag, den 12. April 1930.

Marburger Festspiele 1930.

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Nach den in diesen Tagen zum Abschluß gelangten Vor­verhandlungen werden im Sommer 1930 Aufführungen von Goethes ,, Götz von Berlichingen", Hugo von Hofmannsthals Jedermann" und Shakespeares ,, Kaufmann von Venedig" in festspielmäßiger Ausstattung und Besetzung vorbereitet. bei wird erstmalig der von uralten Mauern und schönen alten Fachwerkhäusern umrahmte Platz vor der Lutherischen Pfarr­firche in Marburg für den Festspielgedanken gewonnen. Auf ihm soll Hofmannsthals religiöses Mysterienspiel ,, Jedermann" inszeniert werden.

Marburg. In der 2. Sizung wurde der Haushaltsvoran­schlag für 1930 angenommen. Der neue Etat, der in Einnahme und Ausgabe mit 4 253 000 Rmf. abschließt, bringt eine Er: höhung der Grundsteuer um 25 Prozent, was einer Erhöhung der Mieten um 1 Prozent entspricht. Von einer Erhöhung der Gewerbesteuer mußte abgesehen werden. Der genehmigte Etat übersteigt den Voranschlag für 1929 um 247 000 Rmt.

Marburg. Jm hiesigen 300 wurden von einem Wärter zwei lebende Marder gestohlen.

Frankfurt a. M. Der Durchschnittsjahresverbrauch Milch beträgt hier 74 Millionen Liter.

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Voruntersuchung wegen der Ermordung des Oberwachtmeisters Kern.

Frankfurt a. M. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ist nun die Voruntersuchung wegen der Ermordung des Oberwacht­meisters Kern gegen Herbert Schulle und Hoyer eingeleitet worden. Der gleichfalls in Haft befindliche Landwirt Otto Georg aus Scheuerfeld wird sich wegen Begünstigung verant­worten müssen. Die ersten Vernehmungen der drei Angeklagten durch den Untersuchungsrichter fanden bereits statt, doch haben sie nichts Neues gebracht.

Vom Schnellzug getötet.

Steinau, 11. April. Freitagnachmittag 3,45 Uhr wurde zwischen den Stationen Steinau und Schlüchtern der Bahnar­beiter Konrad Feller aus Schlüchtern von dem vorbeifahren­den Schnellzug D 86 Hamburg- Frankfurt- Mannheim über­fahren und getötet.

Umbau der Nassauer Eisenbahnbrücke.

Nassau( Lahn). Nachdem bereits eine Anzahl von Lahn­brücken verstärkt worden ist, wurde jetzt auch mit dem Umbau der hiesigen Eisenbahnbrücke begonnen. Leider werden dabei die schönen gotischen Brückenportale dem Abbruch zum Opfer fallen. Diese Tore sind in ihrem Baustil dem gegenüberliegen= den Frhr. v. Stein- Denkmal angepaẞt gewesen.

Wiesbaden. In dem Rheingauer Städtchen Erbach er­wischte das 1½jährige Töchterchen der Eheleute Rohrmann eine Arzneiflasche und trank sie aus. Das Kind starb bald danach. 70 887,90 Rmt.: 6 Pfennig.

Kassel. In der am Donnerstagmittag in Kassel abgehal­tenen Gläubigerversammlung im Konkurse über das Vermögen des tödlich verunglückten Elektrotechnikers Willi Michel, Jn= haber einer elektrotechnischen Handlung mit Werkstätte, teilte der Konkursverwalter mit, daß den Kontursforderungen von 70 887,90 Rmt. nur 6 Pfg. Konkursmasse gegenüberstehen, da alle Werte verpfändet oder über und über vorbelastet seien.

Kassel, 11. 4. Der Haushaltsvoranschlag der Stadt Kassel für 1930 wurde am Freitagabend vom Haushaltsausschuß der städtischen Körperschaften angenommen. Er schließt mit 43

,, Gießener Zeitung"

amtes, gegen den wegen eines Dienststrafvergehens das Diszi­plinarverfahren eingeleitet worden war, hat nach weiteren Fest­stellungen Amtsgelder in Höhe von 57 500 Mark unterschlagen. Explosion eines Glühofens im Rheinland. Solingen. In der Aluminium- und Metallgießerei von Adolf Rautenbach in Mangenberg ereignete sich im Gebäude der Mischereiabteilung vor Beginn der Morgenschicht eine schwere Explosion eines elektrischen Glühofen. Hierbei wurde das Dach der großen Halle vollständig abgedeckt und die Wände des Ge­bäudes umgelegt. Auf der anderen Straßen wurden an den Ge­bäuden einer Firma sämtliche Fensterscheiben zertrümmert, zum Teil auch die Mauern beschädigt und andere Gebäude in der Nachbarschaft in Mitleidenschaft gezogen. Der Luftdruck war so start, daß auch in der weiten Umgebung viele Fenster­scheiben zersprangen. Glücklicherweise ereignete sich das Unglück zu einer Zeit, wo die Belegschaft noch nicht erschienen war. Nur vier Personen befanden sich im Mischgebäude. Davon wur­den zwei leicht verletzt.

Ganghofers Witwe gestorben. München. Die Witwe des bayerischen Volksdichters Lud­wig Ganghofer, Katinka Ganghofer, ist hier am Dienstag im Alter von 71 Jahren gestorben.

Den eigenen Sohn erstochen. München. In Mitterfels bei Straubing hat der sechzig Jahre alte Hausbesitzer Reilhofer seinen 24jährigen Sohn er­stochen. Die Ursache liegt in einer dem Vater nicht ge= nehmen Heirat, die der Sohn eingehen wollte.

Eine Stiftung der Deutschen Studentenschaft. Berlin. Die Deutsche Studentenschaft" hat eine, Lange­mard- Siftung" ins Leben gerufen, die deutschen Studenten das Studium im Ausland ermöglichen soll.

Der Zug nach Berlin.

Wieder hat ein großer Verband dem Zwange der wirtschaft­lichen und politischen Verhältnisse folgend, seine Zentrale nach der Reichshauptstadt verlegt. Das Verbandsbüro des Verban­des reisender Kaufleute Deutschlands, das sich seit 1885 in Leip­zig befand, siedelte am 1. April ds. Js. nach Berlin über, wo der Verband ein neues, für seine Zwecke besonders geeignetes Grundstück in der Ritterstraße erworben hat.

Landsberg. Der Etat für 1930 wurde abgelehnt. Die Re­gierung wird zur Zwangsetatisierung schreiten müssen.

Entgleisung eines französischen Militärtransportzuges. Paris, 11. April. Auf dem Bahnhof Laisser, der auf der Strecke Besancon Montbélliard liegt, ist heute ein vollbesetzter Militärtansportzug entgleist. Nach den eingegangenen Nach­richten sind sechs Soldaten getötet und achtunddreißig verletzt worden.

Autobus vom Schnellzug zermalmt.

Newyork, 11. 4. Heute wurde ein vollbesetzter Landautobus an einem Bahnübergang im Staate Neu- Mexiko von einem Postschnellzug erfaßt und sörmlich zermalmt. Das Unglück for­derte 22 Tote und viele Schwerverlette. In mos

Der Etat der Stadt Marburg genehmigt. Deutsches U- Boot schmuggelt.

In Süd- Kalifornien sind große Mengen geschmuggelten Alkohols festgestellt worden, die mit Hilfe eines ehemaligen deutschen Unterseebootes an Land gebracht wurden. Die In­haber des deutschen U- Bootes sind Schnapsbarone aus Van­couver( Kanada) und Mexiko. Das Boot ist allerdings nur

Millionen Rmt. gegen 36 Millionen in Einnahmen und Aus: Beiboot eines Alkoholdampfers, der weit draußen im Ozean

gaben ab und enthält eine Erhöhung der Grund- und Gebäude­steuer um 50 Prozent auf 425 Prozent und der Zuschläge zu den Gewerbekapitalsteuergrundbeträgen um 100 Prozent auf 1600

Prozent.

Unterschlagungen im Hannoverschen Landeskirchenamt. Hannover.

Der Oberinspektor Lücke des Landeskirchen­

Man beachte

die billigen Sommerpreise!

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hält. Trotz schärfster Beobachtung gelang es bisher nicht, das U- Boot zu überraschen n oder unschädlich zu machen.

Rindvieh muß dran glauben.

Das Begräbnis der Königin Judith von Abessinien wurde mit großem Pomp begangen. 50 000 Stüd Rindvieh wurden zu Ehren der Toten geopfert.

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Die Ueberfüllung des ärztlichen Berufs.

Nr. 29.

Der Reichsausschuß für Aerzte und Krankenkassen hat in seiner letzten Sigung einen Beschluß gefaßt dahingehend, daß wegen der Ueberfüllung des ärztlichen Berufsstandes vor dem Medizinstudium gewarnt werden soll. Nach einer Statistit, die auf Grund von Fragebogen bearbeitet worden ist, warten nicht weniger als 900 Aerzte schon länger als 10 Jahre auf die Zu= lassung zur Kassenpraxis bei den reichsgesetzlichen Krankenkas­sen. Zu diesen kommen noch hinzu Aerzte, die in den Jahren 1920 und später approbiert worden sind und deren Zahl nach den vorläufigen Ergebnissen der Statistik mehr als 3000 beträgt. In den Krankenanstalten befinden sich dazu noch etwa 7500 As­sistenzärzte. Nach den Richtlinien des Reichsausschusses soll die Zahl der Kassenärzte etwa 22 000 betragen. Bereits tätig sind aber fast 30 000. Jährlich sterben etwa 6-700 Kassenärzie, durch den Bevölkerungszuwachs werden etwa 300 weitere Aerzte ge­braucht. Der Bedarf beträgt also noch nicht einmal 1000 jähr­lich. Sollte sich also die Zahl der Medizinstudierenden, die jetzt schon wieder eine Gesamtziffer von über 15 000 erreicht hat, im nächsten Semester noch vermehren, dann steuern diese jungen Leute mit Sicherheit in ein großes wirtschaftliches Elend. Warnung selbst lautet:

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,, Der engere Reichsausschuß für Aerzte und Krankenkassen hat in seiner Sigung vom 11. März 1930 die Ueberfüllung des ärztlichen Berufs und den Zudrang zum ärztlichen Studium beraten. Schon jetzt sind Tausende von Aerzten seit Jahren nicht zur Kassenpraxis zugelassen. Dreieinhalb Tausend Neustudierende haben 1929 das medizinische Stu­dium begonnen. Der engere Reichsausschuß warnt ein­dringlichst die jetzt zu den Universitäten übergehende Ju­gend, das Studium der Medizin zu ergreifen, da nur ein jährlicher Höchstbedarf von 700-800 Aerzten vorliegt und wegen der schon jetzt vorhandenen Ueberfüllung des Berufes eine langjährige Sperre der Zulassung zur kassenärztlichen Folge sein muß."

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Hadebeils J. 3. Verschmelzung der bekannten Hacke­beils Illustrierten der J. 3. hat der Allgemeinheit Nuzen gebracht. Aus den beiden Blättern ist die Hackebeils J. 3. ent­standen, die Dienstags erscheint. Sie hat nicht nur die gro= ßen Auflagen, sondern auch die bekannten Vorzüge der beiden Zeitschriften übernommen. Der Verlag versendet auf Wunsch Probehefte kostenlos. Man wende sich an die Hackebeil A.-G., Berlin SW. 48, Wilhelmstraße 118.

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