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Samstag, den 12. April 1930.
,, Gießener Zeitung
Kein Zweifel, es ist Frühling. Der Asbest birst, neue Schie-| mon Petrefeeff wurde wegen Bedrohung und Bannbruchs nen decken die Erde, neue Kabel werden in sie versenkt und es festgenommen. erblühen neue Steuern. Wenn die Veilchen fehlen, so tut es auch ein Steuerbukett. Es duftet nicht und kann kein Uebelsein erzeugen.
Osterpaketverkehr. Zur Vermeidung von Anhäufungen und Verzögerungen ist es zweckmäßig, die Osterpakete und-pädchen möglichst frühzeitig aufzuliefern, sie gut zu verpacken, die Aufschrift haltbar anzubringen und den Bestimmungsort, soweit notwendig unter näherer Bezeichnung seiner Lage, besonders groß und kräftig niederzuschreiben.
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* Achtung! Falschgeld! Falsche Reichsbanknoten über 20 Reichsmart der Ausgabe vom 11. 10. 24 sind in den Verkehr ge= tommen und an dem unsauberen Gesamteindruck leicht zu erkenAuch wird erneut auf die falsche Reichsbanknote über 10 Reichsmart der Ausgabe vom 11. 10. 24 hingewiesen, bei der das männliche Bildnis mit den großen runden Augen und der in der Zeichnung verunglückten Nase als Fälschung leicht zu ertennen ist. Für sachdienliche Mitteilungen seitens des Publifums hat die Reichsbank eine Belohnung ausgesetzt.
* Evangelisches Landesjugendpfarramt. Die Diensträume des Kirchl. Landes- Jugend- Amis( Ev. Landes- Jugend- Pfarramt) für Hessen befinden sich vom 10. 4. an Darmstadt, Nedarstraße 141( Fernruf 4710).
* Gebührenerleichterung für Arbeitslose. Seither waren für Leumundszeugnisse je 1,50 Rmt., für Beglaubigungen von Abschriften je 50 Pfg. und für amtsärztliche Zeugnisse je 5 Rmt. zu entrichten. Laut Verfügung vom 17. März 1930 hat der hes= fische Innenminister Leumundszeugnisse und Zeugnisabschriften für Arbeitslose zur Erlangung von Arbeitsstellen für stempelfrei erklärt. Gebühren für amtsärztliche Untersuchungen fönnen bei nachgewiesener Bedürftigkeit der Zahlungspflichtigen erlassen oder ermäßigt werden.
* Hessischer Hauptverein der Gustav- Adolf- Stiftung. Der Hess. Hauptverein der Gustav- Adolf- Stiftung, der nun schon fast 100 Jahre sein segensvolles Wert der Betreuung neuentstehender evangelischer Gemeinden im In- und Ausland betreibt, beabsichtigt, seine diesjährige Hauptversammlung vom 6. bis 8. Juli in Lauterbach abzuhalten.
* Probealarm. Heute um 3 Uhr werden die Feuersirenen heulen. Es handelt sich um eine Probe, so daß zu Beunruhigungen keine Veranlassung vorliegt.
* Stadttheater. Am morgigen Sonntag dem hessischen Buß- und Bettag wird zum 12. Male Sheriffs ,, Die andere Seite" und zwar als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen vorgeführt.
* Eine ehrenvolle Ernennung. Für den ersten internatio nalen Kongreß für psychische Hygiene, vom 5. bis 10 Mai 1930, in Washington( U. S. A.) hat die deutsche Reichsregierung den Begründer der psychischen Hygiene, Geheimrat Prof Dr. Som= mer, Direktor der hiesigen psychiatrischen Klinik und 1. Vorsitzenden des Deutschen Verbandes für psychische Hygiene, zum Führer der deutschen Delegation ernannt. Geheimrat Sommer gehört schon seit Jahren dem vorbereitenden Komitee an und ist Ehren- Vizepräsident des Weltkongresses. Ferner sind von der Reichsregierung als Vertreter des 2. Vorsitzenden des Deutschen Verbandes Dr. D. W. Weygandt, Direktor der Psychiatrischen Klinik an der Universität Hamburg und der Geschäftsführer Obermedizinalrat im badischen Staatsministerium, Dr. Roeser, Illenau- Achern, bestimmt worden.
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Echwerer Unglückfall. Auf dem hiesigen Bahnhof ereignete sich gestern ein schwerer Unglückfall. Nach dem Verlassen des D- Zuges nach Kassel wurde auf der entgegengesetzten Bahnsteigseite ein bewußtloser Passagier aufgefunden, in dem ein hiesiger Arz erkannt wurde. Er war von einer Feier aus Darmstadt zu= rückgekehrt und ist wahrscheinlich auf bisher noch unaufgeklärte Weise aus dem Zuge gefallen.
* Festnahmen. Der Finanzbeamte Adam Besand aus Marburg wurde am 7. 4. 30 hier wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung festgenommen und in das Gerichtsgefängnis in Marburg eingeliefert. Der russische Staatsangehörige Si
* Diebstähle. Aus einem Garten in der Nähe der Bootshäuser der Rudergesellschaft und aus einem Garten im Heegstrauch( Nizzagrund) wurden einige Rosenhochstämmchen, von einem Hause Hause der Frankfurterstraße ein Sarotti- Automat und von einem Messestand ein Karton mit 18 furzen bunten Damenschirmen entwendet. Personen, die sachdienliche Angaben über das Diebesgut und die Täter machen können, werden gebeten, der Kriminalabteilung Nachricht zu geben.
* Einbruchsdiebstahl. In der Nacht vom 8. auf den 9. April wurde bei einem Bädermeister in der Marburgerstraße ein Einbruch verübt. Die Täter drangen durch ein offenstehendes Kellerfenster in das Gebäude, öffneten mit einem Stemm= eisen die vorgefundenen verschlossenen Türen und entwendeten außer etwas Kleingeld und Brötchen, eine Taschenuhr, einen Füllfederhalter und einen neuen Rock zu einem Konfirmandenanzug. Als Täter wurden am 9. 4. 30 im Bahnhof die Arbeiter Willi Heß und Konrad Rech aus Hanau ermittelt und festgenommen. Das Diebesgut wurde noch in ihrem Besitz vorgefunden. Beide sind bereits wegen Einbruchsdiebstahl bestraft. Sie tamen in Untersuchungshaft.
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Gestörte Einbrecher. Ein Unbekannter versuchte in der Nacht zum 5. 4. 30 in ein Geschäft im Seltersweg einzudringen. An einem nach dem Hofe führenden Fenster hatte der Täter bereits eine Scheibe angeschnitten. Er wurde von Hausbewohnern durch Zuruf gestört und ging unerkannt flüchtig. Des= gleichen versuchte ein Täter in der Nacht zum 9. 4. 30 in der Ludwigstraße in ein Hühnerhaus einzubrechen. Auch dieser wurde gestört und konnte unerkannt entkommen.
* Das Schöffengericht verhandelte gegen den Milchhändler Gabriel Mortaigne von hier, einen geborenen Franzosen, der während des Krieges als Gefangener nach Deutschland getommen und dann hier geblieben war, wegen gewerbsmäßigen Wilderns, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Vergehens gegen das Waffengesetz. Dem Angeklagten wurde eine Reihe umfangreicher Wilddiebereien zur Last gelegt. Nach eingehender Beweisaufnahme, die die Schuld des Angeklagten ergab, erfannte das Gericht gegen Mortaigne auf 1% Jahr Gefängnis. Der Antrag der Verteidigung, den Angeklagten aus der Haft zu entlassen, wurde abgelehnt.
* Amtsgericht. Ein angetrunkener Kraftwagenführer beleidigte einen Schupobeamten vor Zeugen in verleumderischer Wegen Weise. Er wurde mit 60 Mt. Geldstrafe bestraft. Diebstahl wurde ein bisher noch unbescholtener Mann zu 125 Mt. Geldstrafe verurteilt. Auch hier war der Delikt in der Trunkenheit passiert.
* 6. D. A. und Berufswahl. Der GDA. hat die Eltern und ihre jetzt in die kaufmännische Lehre tretenden Kinder zu einem heiteren Elternabend für heute ins„ Hopfeld" geladen. Geschäftsführer Mad wird über die Berufswahl sprechen.
* Vereinsversammlungen: Der Verein f. Bewegungsspiele hält heute im Vereinshaus seine Jahreshauptversammlung ab. Zu Versammlungen treffen sich heute abend weiter: Der Tennis- Club bei P. Gaub, die 224er im Restaurant„ Zum Andres", der Kavallerieverein im„ Hessischen Hof", die ehem. 116er im„ Postkeller", der Eisenbahn- Fahrbeamtenverein in der ,, Stadt Wetzlar".
Aus Nah und Fern.
Schwerer Unglüdfall.
Grünberg. Bei Schachtarbeiten in dem Bergwerk der Gewerkschaft Luise in Weickardshain wurde der Bergmann Otto Melchior in einem etwa 12 Meter tiefen Schacht von einem herabsausenden Förderbehälter mit Erde auf den Kopf getroffen und von dem schweren Behälter zu Boden geschlagen. Hierbei erlitt der Mann schwere innere Verlegungen, an denen er im Krankenhaus zu Laubach sehr ernst darniederliegt.
Laubach. Die Familie der Grafen von Solms- Laubach ist. nach dem vor einigen Tagen Graf Friedrich Ernst zu SolmsLaubach gestorben war, von einem neuen Todesfall heimgesucht
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worden. In Groß- Krausche bei Bunzlau verschied die Gräfin Elisabeth, die im Jahre 1862 in Laubach geboren wurde, und die älteste Schester des Grafen Friedrich Ernst und des im Jahre 1904 verstorbenen Grafen Otto zu Solms- Laubach war. Die Heimgegangene war verheiratet mit dem Prinzen Heinrich XXV. Reuß j. L., der ihr schon vor längerer Zeit im Tode vorausgegangen war.
Bad Nauheim. Zum ersten Male hält die Internationale Union of Ballroom Dancing ihre internationale Tanzwoche außerhalb Nizzas ab und hat dafür das Weltkurbad Nauheim auserwählt. Zur Austragung kommen die Welt- Meisterschaf ten für Amateure und Professionals. Es ist das erste Mal, daß die Internationale Union ihre Tagung in Deutschland abhält.
Friedberg. Wegen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche im Kreisgebiet wurde durch das Kreisamt der Friedberger und der Butzbacher Schweinemarkt bis auf weiteres verboten.
Neue Eisenbahnbrüde im oberen Niddatal. Assenheim. Der Umbau der in den Jahren 1880-82 erbauten Talbrücke bei Assenheim, mit der die Eisenbahnlinie Friedberg- Hanau das obere Niddatal überschreitet, ist jetzt vollendet. Da die Strecke Friedberg- Hanau eine besondere Bedeutung für den Massengüterverkehr zwischen dem Ruhrgebiet und BayernDesterreich besitzt und deshalb auch für den Großgüterwagenverfehr in Aussicht genommen ist, mußte der Umbau vorgenommen werden.
Schotten. Die Gefallenenehrung durch ein Heldenbuch ist hier in Aussicht genommen. Für jeden Gefallenen wird in dem Buche ein besonderes Ehrenblatt eingerichtet und ausgefüllt. Das Heldenbuch wird von der Bürgerschaft zusammengestellt und dann der Stadtverwaltung übergeben werden.
Absturz vom Baugerüst.
Lauterbach. Bei einem Wohnhausneubau löste sich in etwa 9 Meter Höhe das Baugerüst, sodaß die beiden darauf befindli chen Leute, der Spenglermeister Gölz und sein Lehrling, zwei Stockwerk tief abstürzten. Der Spenglermeister erlitt schwere Verletzungen, während der Lehrling wie durch ein Wunder nahezu völlig unversehrt davonfam.
Lauterbach. Der Hessische Hauptverein der Gustav- AdolfStiftung, der nun schon fast 100 Jahre sein segensvolles Werk der Betreuung der neuentstehender evangelischer Gemeinden im In- und Ausland betreibt, beabsichtigt seine diesjährige Haupt> versammlung vom 6.- 8. Juli in Lauterbach( Oberhessen) ab zuhalten.
Offenbach a. M. An Stelle des verstorbenen Geheimrats, Prof. Dr. Kittler von der Technischen Hochschule zu Darmstadt wurde Prof. Hugo Eberhardt zum Vorstandsrat des Deutschen Museums in München ernannt.
Darmstadt. Die große Notlage der Kaufmannsgehilfen, insbesondere der älteren Angestellten, hat den hessischen Minister für Arbeit und Wirtschaft veranlaßt, sämtliche Ministerien zu bitten, auf die unterstellten Behörden einzuwirken, daß bei Einstellung von Hilfskräften auf die wirtschaftliche und soziale Lage der Einzustellenden gebührend Rücksicht zu nehmen ist. Im gleichen Sinne hat das Innenministerium die Provinzialdirektionen und die Kreisämter angewiesen, dafür zu sorgen, daß auch die Gemeinden, Kreise und Provinzen den berechtig= ten Forderungen der älteren Angestellten Rechnung tragen. Darmstadt. Der Mittelrheinische Verband evangelischer Arbeitervereine wird am 13. und 14. September 1930 in Darmstadt seinen 40. Verbandstag abhalten. Mit dem Verbandstag wird zugleich die Feier des 40jährigen Jubiläums des Evangelischen Arbeitervereins Darmstadt verbunden werden.
Oppenheim. Der Oppenheimer Küfertag soll am 22. Juni stattfinden.
Alzey, 11. April. Auf dem Kreisamt tam man Unterschlagungen von Stempelgeldern auf die Spur.
Krofdorf. Hier ist es zwischen der Freiwilligen Feuerwehr und der Polizei wegen einer polizeilichen Maßnahme anläßlich eines Familienabends der Feuerwehr zu einem Konflikt gekommen. Da eine Verständigung bisher nicht zu erreichen war, hat die Feuerwehr nunmehr beschlossen, alle Uebungen der Wehr so lange einzustellen, bis der Konflikt mit der Polizei beseitigt ist.
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