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Nr. 81

Samstag, den 11. Oktober 1930.

Aus Nah und Fern.

Ein Mainzer Prozeß mit 100 Zeugen. Mainz. Die 155 Seiten umfassende Anklage gegen den Di­rektor Hofmann von der hiesigen Getreide- Kreditbank ist jetzt zugestellt worden. Zu der Verhandlung werden außer den Sachverständigen über 100 Zeugen geladen. Die Anklage lautet auf Betrug, Verletzung des Depot- und Börsengesetzes, Ver­letzung der Bestimmungen der Konkursordnung. Die Verhand­lung dürfte im Monat Dezember vor dem hiesigen Erweiterten Bezirksschöffengericht stattfinden.

400 Jahre Reformation.

Herborn. Anläßlich der 400- Jahrfeier der Reformation in den ehemals nassauisch- oranischen Landen ist in den Städten Herborn, Dillenburg und Siegen eine Reihe bedeutsamer Ver­anstaltungen geplant. Die Hauptfeier wird in Siegen vor sich gehen, und zwar am 30. Oktober. Am gleichen Tage findet auch in Herborn eine Feier statt. Weitere Feiern finden am 31. Of: tober statt.

Fulda, 10. 10. Am unbeschrankten Straßenübergang Jlbes­hausen- Grebenhain, an der Strecke Lauterbach Stadheim, wurde ein Auto aus Fulda von einem Personenzug überfahren und zertrümmert. Der Wagenlenker erlitt nur leichte Ver­letzungen. Der Personenzug konnte nach 18 Minuten Verspä­tung seine Fahrt fortsetzen.

Frankfurt a. M. Der Bürgerausschuß perlangt von der Ortskrankenkasse Herabsetzung der hohen Beiträge.

Hanau. Am 11. Oktober feiert das hiesige Konservatorium für Musik sein 25jähriges Jubiläum.

Wiesbaden. Die Stadt bewilligte allen Schwerkriegsbe­schädigten Freifahrscheine auf den Straßenbahnen.

Auch der Rhein steigt.

Neuwied, 10. Okt. Durch das Steigen des Rheins um 1,40 Meter seit gestern früh ist das Gelände zwischen der noch nicht fertigen Deichmauer und dem alten Rheinbett vollkommen unter Wasser gesetzt worden. In Jrlich bei Neuwied ist die rechts­rheinische Fahrstraße auf einer Strecke von mehreren hundert Metern bereits überschwemmt, so daß der Kraftwagenverkehr zum Teil stillgelegt werden mußte.

,, Gießener Zeitung"

4 Tage, 17 Stunden, 18 Minuten, hat jedoch den Rekord der ,, Europa" noch nicht geschlagen.

35. Generalversammlung

des Verbandes Deutscher Nordseebäder e. V. Der Verband Deutscher Nordseebäder e. V. begeht am 7. und 8. November ds. Js. seine 35. Generalversammlung in Hamburg. Die Tagesordnung sieht eine Reihe von Vorträgen auf heil­klimatischen und wissenschaftlichen Gebieten vor.

Koblenz, 10. Okt. Jn Koblenz betrug der Wasserstand heute früh 5,86 Meter bei einem ständigen Steigen von 3 Zentimeter. Man rechnet mit einem weiteren Steigen bis zu etwa 6,20 Me­ter. Für das Rheingebiet kann vorerst von einem Katastrophen­hochwasser keine Rede sein. Die erste Einschränkung ist zu er­warten, wenn der Wasserstand in Mainz die 2,75- Meter- Linie überschreitet. Heute früh um 6 Uhr hatte Mainz einen Wasser­stand von 2,72 Meter. Die Mosel hatte heute nacht ihren Höchststand mit 6,12 Meter bei Trier erreicht.

Koblenz. Am Stahlhelmtag hat die Reichsbahn hier 240 000 Fahrkarten verausgabt.

12 000 Kilo Arzneien beschlagnahmt.

Eine Angestellten- Krankenkasse sentt Beiträge! Der Gewerkschaftsbund der Angestellten teilt mit, daß seine Krankenkasse, die Deutsche Angestellten- Krankenkasse, als erste Auswirkung der Leistungseinschränkungen durch die Notverord­nung ihre Mitgliederbeiträge ab 1. November 1930 ermäßigen wird. Eine weitere Anpassung von Beiträgen und Leistungen an die veränderten Verhältnisse in der Krankenversicherung bleibt der bereits einberufenen außerordentlichen Hauptver­sammlung vorbehalten.

80 Menschen verbrannt.

New York, 10. 10. Wie die in Meriko- Stadt erscheinende Zeitung Prensa" meldet, haben mexikanische Banditen in der Stadt San Carlos im Staate Tabasco eine katholische Kirche während der Frühmesse in Brand gesteckt. Die Banditen ver­barrikadierten sämtliche Eingänge und schossen alle Männer, Frauen und Kinder, die durch die Fenster ins Freie zu flüchten versuchten, nieder. Insgesamt sind 80 Menschen dabei in den Flammen umgekommen oder unter den Kugeln der Banditen gefallen.

Wachsende Holzhäuser.

Es ist ein langgehegter Wunsch vieler Gartenbesitzer, an den Kosten zu sparen, die der Zaun in seiner Herstellung und Unterhaltung verursacht, denn nur zu schnell kommen Fäulnis und Rost, um ihre zerstörende Wirkung auszuüben, denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand", und so ent= stehen immer neue Kosten, Weshalb wendet man sich denn da nicht an die Natur, die doch wie man im Obstgarten und im Walde sieht große Massen von Holz bildet, ohne sie dort verfaulen zu lassen.

Die Kölner Kriminalpolizei hat etwa 12000 Kilo Arznei­mittel beschlagnahmt, die eine Godesberger Firma vor ungefähr zehn Jahren von der amerikanischen Besatzung gekauft hat. Es handelt sich dabei um Medizinen aller Art, die hauptsächlich in Ampullen verpackt sind. Mehrere Versuche, diese Arzneimittel abzustoßen, waren fehlgeschlagen. Neuerdings bestanden Aus­sichten, durch einen Kölner Vermittler das Lager in das Aus­land zu verkaufen. Dabei entstanden jedoch Differenzen, und jetzt hat die Kriminalpolizei die gesamte Menge einstweilen beschlagnahmt. Die Arzneien sollen durch Fachleute auf ihre Güte untersucht werden, da die Vermutung naheliegt, daß be­stimmte Mittel infolge der langen und zum Teil unsachgemäßen Lagerung verdorben sind und zum Handel nicht mehr zugelassen werden dürfen.

Dreistündige Verspätung eines D- Zuges Berlin- Köln.

Hamm( Westf.), 10. Oktober. Heute früh gegen 5.30 Uhr entgleisten im Bahnhof Bönen bei Unna die beiden letzten Wagen des D- 3uges 6 Berlin- Köln. Personen wurden nicht verletzt. Der D- 3ug erlitt eine Verspätung von etwa drei Stunden.

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in Zeitungspapier zu packen, jedoch ist das eine umständliche Arbeit, auch nimmt das Obst leicht einen Petroleumgeschmac ( von der Druckerschwärze) an. Einfacher und hygienischer ist die Lagerung in Torfmull, einem Material, das in Deutsche land leicht zu beschaffen und billig ist und durch seine fäulnis­widrige Wirkung auch längere Zeit das Obst vor dem Ver­derben schützt.

Die Technik ist denkbar einfach: Man bedeckt den Boden einer geräumigen Kiste mit weichem Moostorfmull, der keine erdigen Bestandteile enthalten darf, und legt die einzelnen Früchte so hinein, daß sie sich nicht berühren. In die Zwischen­

Er

Bezugspre

Redaktionsfchlaß

räume steckt man Torfmull, womit man die ganze Lage zirka fendung nicht v

3 cm hoch bedeckt. Darauf wieder eine Lage Obst und so weiter, Beschaffenheit und weich ist, damit keine Druckbeschädigungen bis die Kiste voll ist. Wichtig ist, daß der Torfmull von guter vorkommen können. Diesen Anforderungen entspricht der auch in fleineren Quantitäten erhältliche Moostorfmull. Sollte wirklich eine Frucht nachträglich faulen, so bietet die hervor­ragende aufsaugende und fäulniswidrige Wirkung dieses Materials die Gewähr, daß keine andere Frucht angesteckt wird. Eine Wasserabgabe nach außen und damit das Schrumpfen des Obstes wird verhindert, ebenso schützt die wollige Moostorf mullpadung vor dem Erfrieren, so daß die Raumtemperatur, die übrigens nie über 6° C steigen soll, ruhig auch einige Grad vorübergehend unter Null betragen darf.

Nehme man also die Natur zum Baumeister und man wird wachsende Holzzäune für so geringes Geld erhalten, wie es bei feiner anderen Zaunart möglich ist. Diese Möglichkeit wird durch ein modernes Naturbau- Verfahren gegeben. Danach ent­stehen wachsende Holzräume, indem man die Stämme junger Bäumchen so zum Zusammenwachsen bringt, daß sie mehr oder weniger große Maschen bilden. Das Zusammenwachsen der jungen Stämmchen erfolgt mit Hilfe eines patentierten Ver­fahrens, das keinerlei Schwierigkeiten verursacht, oder Fach­kenntnisse erfordert. Nähere Auskunft darüber erteilt der Na­turbau- Ingenieur Wiechula in Berlin- Friedenau, Rembrandt­straße 1, kostenlos. So ist heute jeder in der Lage sich auf bil­ligstem Wege sein Grundstück einzäunen zu können. Eine solche Einzäunung hat vor allen andern den Vorteil, daß sie immer stärker wird, während alle andern immer schwächer werden. Das kommt daher, daß die zusammengewachsenen Stämme in derselben Weise dicker werden wie andere Baumstämme und damit werden die anfangs gebildeten Maschen immer kleiner und der Zaun immer dicker.

Weiterer Ausbau des Kyffhäuser- Denkmals. Bad Frankenhausen. Auf einer Tagung der Kriegerver­eine wurde bekanntgegeben, daß der Kyffhäuserbund an eine Verschönerung der Kuppelhalle des Kyffhäuserdenkmals heran­gehen will. Es ist geplant, ein Mal der Hoffnung in der Ge­stalt einer Siegfriedfigur, die das zerbrochene Schwert neu schmiedet, aufzustellen.

100 Jahre Walhalla.

In diesem Monat sind hundert Jahre vergangen, seitdem unweit von Regensburg der Grundstein zu der Walhalla, dem weiß leuchtenden Tempel im Stile des Parthenons gelegt worden ist.

Die ,, Bremen" bricht eigenen Rekord.

Die Bremen hat ihren früheren Atlantikrekord um sechs Minuten unterboten. Sie brauchte zur Ozeanüberquerung

Wir machen schon heute darauf aufmerksam, daß ab 1. Januar 1931 allen Schuldnern, die mit der Zahlung ihrer Zinsen für Hypothek- und sonstige Darlehen über 4 Wochen vom Fälligkeits­tage ab im Rückstande sind, ein um 2% erhöhter Zinssatz für die abgelaufene Zinsperiode berechnet wird.

Bezirkssparkasse Gießen

Die überraschend lange Haltbarkeit, das herrliche Aussehen und der absolut frische Geschmack so gelagerter Früchte ent­schädigt den Obstfreund weitaus für die geringe Mühe und Koſten.

Der wachsende Holzzaun ist nicht etwa mit einer Hecke zu vergleichen, die ja im wesentlichen nur aus einem Gewirr kleiner Zweige zusammengesetzt ist, während der wachsende Holzzaun die Eigenschaften einer dicken Holzwand bekommt, die an beiden Seiten mit wasserdichter und wetterfester Rinde organisch überzogen ist, und dadurch gegen Fäulnis geschützt wird.

Neue Bücher.

43. Jah Veli

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Das Memelland ist jetzt in aller Munde, da die politischen Verhältnisse dieses Landes vollständig eigenartig sind. Es ist daher zu begrüßen, daß der stellvertr. Vorsitzende des Reichs­deutschen Memellandbundes, Dr. Felix Borchardt, eine Son­derschrift, Das politische Schicksal des deutschen Memellandes in den ersten 10 Jahren nach Versailles" als Sonderdruck aus dem 3. Band des Werkes ,, 10 Jahre Versailles" erscheinen läßt. Die Schrift ist beim Memellandverlag, Berlin- Nowawes, Lessing­straße 40, zum Preise von 1,- RM. erhältlich.

Die Billigkeit des wachsenden Holzzaunes ergibt sich also daraus, daß die Natur den eigentlichen Rohstoff an Ort und Stelle erzeugt und ihn gleich in der Weise verarbeitet, daß die Holzfasern überkreuz wachsen und damit die feste Struktur er­halten, die man in der modernen Baufunst nur noch beim Sperrholz findet.

Vorteilhafte Obstaufbewahrung.

Von Landwirtschaftslehrer Dr. P. Lieb.

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Die kosmischen Ursachen des Wetters von Dr. Karl Wait. 95 S. mit 28 Abbildungen. R. Voigtländers Verlag, Leipzig C 1. M. 3,-. Dr. Waitz, dessen Ausführungen Seite für Seite den Fachmeteorologen verraten, zeigt an Hand zahl­reicher praktischer Beispiele, leichtverständlicher Berechnungen, Beobachtungen usw., daß wir ohne kosmischen Wasserzufluß nicht auskommen können. Er weist die Quellen des ständigen Wasserzuflusses nach. Die auffallenden anormalen Wette erscheinungen gerade der letzten Jahre geben besonders Ver­anlassung, sich über die kosmische Beeinflussung der Erde und des Wetters auf der Erde zu unterrichten.

Die Obsternte ist in diesem Jahre in vielen Teilen Deutsch­lands so spärlich ausgefallen, daß es von höchster Wichtigkeit ist, das Wenige was da ist, nach Möglichkeit durch sachgemäße Ausbewahrung vor dem Verderben zu schützen. Welche Sorten sich besonders eignen, weiß der Obstzüchter selbst am besten, jedoch werden in der Art der Aufbewahrung noch vielfach große Fehler gemacht.

Die Grundzüge der Welteislehre

von Otto Ebelt, 32 S. mit 19 Abbildungen. R. Voigtländers Verlag, Leip zig C 1. Ungeb. M.-, 75. Die vorliegende kleine Schrift aus der Feder eines Technikers ist eine klare und knappgefaßte Ein­führung in die Gedankenwelt Hörbigers, für jedermann ver­ständlich geschrieben, und zu empfehlen.

Wichtig ist vor allem die sorgfältige Auswahl der einzelnen Früchte, denn die Arbeit der Frischhaltung lohnt sich nur bei einwandfreier Ware. Man lagere das sorgfältig verlesene Obst zunächst 3-5 Wochen an trockenem Ort ausgebreitet. Hat es genügend ausgedunstet, so geht man an die eigentliche Auf­bewahrung. Es wird vielfach empfohlen, jede Frucht einzeln

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Schöne Farben und Former wird sich jede Frau mit Freu­den zuwenden. Solche brachten von jeher die Vobachschen Hand­arbeitshefte, in deren Reihe wiederum einige Neuerscheinungen zu verzeichnen sind. Heft 144: Stoffmalerei für Kleid und Seim"( M. 1.30), in dem alle Techniken zur Nacharbeit vor­geführt werden. Heft 145 bringt Buchstaben und Monogram­me"( 95 Pf.). Jede Frau kennt die Wichtigkeit des Zeichnens ihrer Wäsche. Hest 146: Kunststriden", Schmuckdecken, Kissen u. a. aus Seide( 95 Pf.). Man nehme Garn Nr. 150 oder Nr. 100 und lasse daraus die herrlichen Filigrandeckchen entstehen. Heft 147: Alles aus Schwanen- Gitterflausch"( 95 Pf.) zeigt die vielseitige Verwendung dieses der Norddeutschen Woll­tämmerei( NWK) geschützten Wollstoffes. Die Hefte liefer jede Buchhandlung.

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,, Weiblichkeit ein Kulturproblem" lautet der Titel eines sehr interessanten Artikels, den Das Heft", die illustrierte Zeit­schrift der Frau, in der soeben erschienenen Nummer öffentlicht.

Hessenland". Von der Monatsschrift für Landes- und Volkskunde, Kunst und Literatur Hessens( Verlag N. G. Elwert, Marburg a. d. L.) ist jetzt das Heft 10 erschienen, das wieder gut illustriert und geeignet ist, der Zeitschrift unserer hessischen Heimat neue Freunde zu gewinnen.

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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