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Nr. 3.

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Gamstag, den 11. Januar 1929.

Lokales.

* Ernannt wurden: der Polizeihauptwachtmeister Hans Velde am hiesigen Polizeiamt zum Kriminalhauptwachtmei­ster Der Gendarmeriehauptwachtmeister auf Probe Ludwig Kirchner in Romrod zum Gendarmeriehauptwachtmeister.

* Fundsachen im Monat Dezember 1929. Das Verzeichnis über die im Monat Dezember 1929 gefundenen bezw. abgelie­ferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf- Philipps- Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb 2 Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen.

* Die Behandlung der Zugtiere im Winter. An alle Be­fizer von Zugtieren und Leiter von Fuhrwerken richtet das Kreisamt die dringende Mahnung, bei Kälte und Straßenglätte ernstlich darauf Bedacht zu nehmen, daß die Zugtiere vor den nachteiligen Einflüssen der Witterung nach Möglichkeit geschützt werden, daß namentlich: 1. die Zugtiere niemals länger als unbedingt erforderlich und niemals unbedeckt im Freien stehen gelassen werden; 2. das Zaumzeug im Stall aufbewahrt oder anderenfalls vor dem Anlegen die Kandare Gebißstange erwärmt wird, und 3. die Hufeisen der Pferde zum Schutze gegen das Ausgleiten gehörig geschärft oder mit Stollen versehen sind.

* Erleichterung für blinde Kriegsteilnehmer auf der Reichs: bahn. Nach den neuesten Verfügungen kann ein Kriegsblinder seinen Führerhund gebührenfrei mit ins Abteil nehmen.

* Feueralarm. Heute nachmittag um 3 Uhr werden probe­weise die Feuerwehralarmsirenen in Tätigkeit gesetzt. Beun­ruhigung ist also überflüssig.

* Geflügelcholera. In dem Hühnerbestand des Theo Bieker in Gießen, Neustadt 55, ist die Geflügelcholera ausgebrochen. Gehöftsperre ist angeordnet.

* Das Ueberspringen von Klassen in den höheren Schulen. Auf Anregung des Hessischen Landesamts für das Bildungs­wesen wird seit 1926 in den höheren Schulen dem bis dahin nur selten geübten Ueberspringen von Klassen erhöhte Aufmerk­samkeit zugewendet. Als Springer" fönnen nur solche Schü­ler in Frage kommen, die durch außergewöhnliche Begabung und Leistungsfähigkeit eine so rasche Entwicklung nehmen, daß für sie ein Verbleiben im Altersverbande unzweckmäßig und als ein Hemmnis erscheint. Die Entscheidung über das Springen eines Schülers hat der Klassenlehrrat, doch ist auch schriftliches Einverständnis der Erziehungsberechtigten erforderlich. Ueber die beim Ueberspringen von Klassen gesammelten Erfah­rungen ist erstmals im letzten Sommer berichtet worden. Nach den Berichten hat sich das Springen durchaus bewährt; die Springer haben sich in den neuen Klassen rasch eingewöhnt und zählen durchweg auch hier zu den besseren Schülern. Seit der Anregung der Schulbehörde im Herbst 1926 haben bis Ostern 1929 18 Schüler springen dürfen. In 9 Fällen hat das Springen während des Schuljahres stattgefunden, in 9 zu Ostern.

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* ,, Auslandsdeutschtum und Schule". Den Eingansvortrag zu obigem Kursus, der am 15. und 16. Januar in der Univer­sitätsaula stattfindet, hält nicht, wie in der letzten Ausgabe gemeldet, Prof. Dr. König- Gießen, sondern Staatsminister a. D. Dr. Boelit

* Aus dem Stadttheater. Morgen abend geht als Premiére die Operette ,, Gräfin Marizza" über die Bretter. Dienstag wird die dramatische Legende Tobias Wunderlich" und Mitt­woch Ridleys ,, Der Geisterzug" wiederholt.

* Oberhessischer Kunstverein. Im Turmhaus am Brand­platz findet vom 12. Januar bis 9. Februar eine Ausstellung von Delgemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Holzschnitten der Künstler Determann- Weimar, Bender- Herborn, Herzog­Stuttgart und Adermann München statt.

* DHV. Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband hält heute abend im ,, Bayerischen Hof" seine Jahreshauptver­Jammlung ab.

,, Gießener Zeitung"

* Lichtspielhaus. Am Sonntag morgen findet eine Kultur­film- Vorstellung aus dem afrikanischen Busch statt, zu der auch Jugendliche Zutritt haben.

* 18 668 unbestellbare Briefsendungen. Bei der Oberpost­direktion in Darmstadt mußten im Jahre 1929 8 372 Briefe und 10 296 Postkarten sowie zahlreiche Drucksachen, die infolge unge= nügender Anschrift weder dem Empfänger ausgehändigt noch an den Absender zurückgegeben werden konnten, vernichtet werden. Hierdurch mögen für die Beteiligten wohl Unannehmlichkeiten mancherlei Art entstanden sein.

* Vorsicht vor Teepilz und Pilztee. Die Verwendung des indischen Teepilzes hat in manchen Gegenden lebhaften Anhang gefunden. Es ist aber schon mehrfach von ärztlicher Seite davor gewarnt worden. Gerät doch der Pilztee bald in Gärung und erreicht leicht einen nicht unverfänglichen Alkoholgehalt. Auch sonst erscheint er bedenklich. Ein praktischer Arzt teilt mit, er habe als Kassenarzt 70-80 Fälle von Teepilzvergiftung, als Darmbluten, Magenleiden usw. erlebt. Er müsse daher dieses Getränk als gemeinschädlich verurteilen, da es vielfach zu spät ( nach vorgeschrittener Gährung) getrunken werde. Sch.

* Karneval 1930. Trotz schlechter Zeiten, troh Steuerdruck und trotz all der größeren und kleineren Sorgen, die während eines ganzen Jahres die Menschlein ihres Lebens nicht recht froh werden lassen, sehnt sich jeder einzelne einmal einen Augen­blick herbei, in dem er aufatmen kann, in dem er alle Trübsal hinter sich werfen und sich wieder einmal auf sich selbst besinnen kann. Und dazu gibt so recht die kommende Faschingszeit die lang ersehnte Gelegenheit. Niemand soll es sich kopfhängerisch versagen, Leib und Seele in harmlos- fröhlichem Humor, in lachender Heiterkeit wieder gesund zu baden.

Aus Nah und Fern.

Hungen. Die Gewerkschaft Friedrich in Trais- Horloff hat sämtlichen Angestellten und Arbeitern gekündigt.

Bad Nauheim. Der Rechtsanwalt Dr. Friedrich Knöpfel in Darmstadt wurde zum Notar mit dem Amtssit in Bad Nau= heim als Nachfolger des verstorbenen Notars Arthur Stahl, mit Wirkung vom 15. Januar 1930 ernannt.

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Bürgerlicher Zusammenschluß auch in Friedberg. Friedberg. Dem Beispiel anderer Städte folgend, hat sich auch im neugewählten Friedberger Stadtrat eine Arbeitsge= meinde der Mitte gebildet. Diese Arbeitsgemeinschaft besteht aus den Fraktionen der Demokraten, der Deutschen Volkspartei, des Zentrums, sowie einigen Stadträten, die auf der unpoliti­schen Liste standen.

Unfall im Schwelkraftwerk Wölfersheim. Friedberg. Bei einer Kohlenstaubexplosion im Wölfers­heimer Schwelkraftwerk erlitten mehrere Personen Brandwun­den. Ein Arbeiter mußte in das hiesige Bürgerhospital einge­liefert werden.

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Schotten. Ein früherer Chauffeur hat der Bürgermeisterei in Ulfa und mehreren Lieferfirmen eine wenig angenehme Ueberraschung bereitet. Die Bürgermeisterei in Ulfa erhielt nämlich eines Tages zwei Schreibmaschinen, einen Grammophon und ein Harmonium zugeschickt, die laut Bestellschein von dem Bürgermeister bei zwei auswärtigen Firmen bestellt sein sollten. Der Bürgermeister wußte aber von diesem Geschäft nicht das geringste, und als nachgeforscht wurde, ergab sich, daß ein frü­herer Chauffeur, der mit den Verhältnissen in Ulfa vertraut ist und ohne Stellung war, sich als Provisionsreisender betätigt und die Bestellscheine gefälscht hatte, um sich die Provision zu verschaffen, die er denn auch beim Vorzeigen der Bestellscheine prompt empfing. Der Provisionsschwindler konnte festgenom­

men werden.

Nr. 3.

Produktionsvereinfachung Adam Opel A.-G., Rüsselsheim. Rüsselsheim. Nach der Inventuraufnahme ist der Betrieb der Adam Opel A.-G. in allen Abteilungen soeben mit 7000 Mann Belegschaft wieder aufgenommen worden. Nach Infor­mationen des Fwd. sieht das Produktionsprogramm im Auto­mobilbau eine Reduzierung der Typenherstellung vor. Statt bisher fünf Typen werden künftig nur in verschiedenen verbes= serten Ausführungen zwei Typen und zwar der 4/20 PS und der 8/40 PS fabriziert. Die Tagesproduktion in Wagen beläuft sich vorerst auf etwa 100 Wagen. Das Produktionsprogramm für 1930 soll den Händlern am 30. Januar in Frankfurt a. M. vorgelegt werden. Die Produktion in der Fahrrad- Abteilung ist gleichfalls aufgenommen mit vorerst einer Tagesherstellung von 300 bis 400 Stüd.

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Ein Lastkraftwagen vom Zuge überfahren. Mainz. Bei Kettenbach im Taunus wurde gestern abend in­folge des Nebels ein Tanklastkraftwagen der Firma Rhenania Ossac von hier beim Passieren eines schrankenlosen Bahnüber: ganges von einem Personenzug erfaßt und vollständig zertrüm= mert. Der Chauffeur des Lastwagens und ein 24jähriger Kauf­mann wurden durch den Anprall mehrere Meter weit ins Feld geschleudert. Der Chauffeur kam mit leichten Verletzungen, während der Kaufmann mit schweren Verletzungen nach dem Krankenhaus nach Mainz gebracht wurde.

Ungültige Gemeinderatswahl in Ober- Ingelheim. Bingen. Der Kreisausschuß erklärte die Gemeinderatswahl in Ober- Ingelheim für ungültig. Das Wahlergebnis des Kreis­tages bleibt dadurch unberührt.

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Opfer der Politit.

Alzen. Der Kaufmann Richard Kahn aus Alzey, der vor einigen Tagen mit dem Nat.- Soz. Rebhan wegen politischer Meinungsverschiedenheiten in Streit geriet und in dessen Ver­lauf einen Schuß erhielt, ist seinen Verletzungen im Kranken­haus erlegen.

Falschmünzerwertstätte im Taunus.

Wiesbaden, 9. 1. Die Herstellerwerkstätte der falschen Hun­derimarkscheine, die der inzwischen verhaftete Gemeinde rechner Hoffmann von Gemmerich in Limburg, Nassau usw. veraus­gabt hatte, ist in einer kleinen Mühle bei Becheln im Taunus entdeckt und ausgehoben worden.

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Blutige Rache eines Polizeiwachtmeisters!

Kassel, 10. Januar. Im Dezember 1927 wurde in Nieder­möllrich der Oberlandjäger Wille von dem Schmied Heinrich Claus erschossen und der Täter Claus im Anschluß daran bei dem Versuche, ihn zu verhaften, durch Beamte der Kasseler Schutzpolizei, die mit einem Panzerauto nach Niedermöllrich ge­fahren waren, weil Claus seiner Verhaftung heftigen Wider­stand entgegensetzte, und jeden zu erschießen drohte, der sich dem Hause näherte, durch Handgranaten getötet. Der Sohn des er: schossenen Wilhelm Wille, der bei der Schutzpolizei in Frank­furt a. M. als Polizeiwachtmeister eingetreten ist, hat sich schon seit langem mit dem Gedanken getragen, daß er für den Tod seines Vaters Rache nehmen müsse. Am Donnerstag, um 21,30 Uhr, ist er in der Wohnung des Vaters des getöteten Heinrich Claus, des Anstreichermeisters Johann Claus in Niedermöll­rich, erschienen. Als der Johannes Claus in der Tür erschie nen war, zog Wilhelm Wille seinen Dienstrevolver aus der Tasche und gab mit den Worten: Wir rechnen jetzt ab!"

zwei Schüsse auf Johann Claus ab, an deren Folgen die­

ser im Krankenhaus. in Friglar gestorben ist. Sogleich nach der Tat hat sich Wille dem zuständigen Land­jäger gestellt. Der Oberstaatsanwalt hat gegen Wille, der ge­ständig und bereits in das Kasseler Gerichtsgefängnis eingelie= fert worden ist, die Voruntersuchung wegen Mordes beantragt.

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Jahre Arbeit und Erfolge

liegen heute hinter uns. Immer war es in dieser Zeit für uns als die ältesten Automobil­werke der Welt selbstverständliche Tradition, führend zu sein in der Entwicklung des Kraft­fahrzeugs, nicht nur in der Erzielung höchster Qualität, sondern auch in der immer günstigeren Gestaltung des Verhältnisses zwischen Wert und Preis.

Unser Typenprogramm. für das Jahr 1930 steht auf der vollen Höhe aller erprobten technischen Errungenschaften. Der wirtschaftliche geschmeidige Viersitzer Typ ,, Stuttgart" von 6 800.- RM. an, der sechssitzige mittelstarke Gebrauchs­wagen von höchster Zuverlässigkeit Typ ,, Mannheim", der kraftvolle schöne Achtzylinder Typ ,, Nürburg" von letztem Fahrkomfort, die Kompressormodelle als Hochleistungswagen von internationalem Format, sie alle sind das Ergebnis der umfassenden Erfahrungen aus viereinhalb Jahrzehnten, letzte Stufe technischer Entwicklung, höchster Wert zu günstigstem Preis. Wenn Sie vor der Wahl Ihres Wagens stehen, so versäumen Sie nicht, unsere Modelle zu prüfen. Wir wollen Ihnen beweisen, daß es keine höhere Wertbezeichnung für ein Automobil geben kann als die Marke MERCEDES- BENZ

DAIMLER- BENZ A.-G. verkaufsstelle: GIESSEN, Bahnhofstr. 90-92

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Fernruf Nr. 4121.