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Samstag, den 11. Januar 1929.

Mißbilligung der Vereinigten Staaten, die an diesem Tage, was nicht zufällig war, ihren Truppen am Rhein den Befehl zum Rückzug aus Europa erteilten. Das Ruhrgebiet wird fortab militärisch beherrscht, die Mission, die der Reihe nach als industrielle, wirischaftliche, technische oder als solche von Ingenieuren bezeichnet war, ist das geworden, für das sie jeder von Anfang an hielt. Und mit Recht schreibt Allen, der Oberstkommandierende der amerikanischen Truppen in Koblenz, in seinen Tagebuchaufzeichnungen: Die jetzt im Gange befind­liche Bewegung schafft unversöhnliche Feindschaft. Die Prärie ist in Brand gesteckt worden, und jetzt fegt auch schon der Wind des Hasses darüber hin... Leiden der Unschuldigen, der Ge­borenen und der Ungeborenen werden folgen."

Bemerkenswerte Feststellungen

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über die Lohnhöhe in England und Deutschland. Genf, 9. Jan. Dr. Ernst Jüngst- Essen, stimmführendes Mitglied für das deutsche Unternehmertum, weist darauf hin, daß der Wert des vom Internationalen Arbeitsamt in seiner Zeitschrift ,, Internationale Rundschau der Arbeit veröffentlich­ten Aussages ,, Löhne und Arbeitsdauer im Steinkohlenbergbau im Jahre 1927" in außerordentlich hohem Maße durch das späte Erscheinen beeinträchtigt sei. Inzwischen sei der vom Arbeits­amt für 1927 errechnete Unterschied von 2,20 M( Gesamtschicht­verdienst in Großbritannien 10,63 M gegen 8,43 M im Ruhr­gebiet) zum größten Teil verschwunden. Der Gesamtschichtver­dienst ohne Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung des britischen Bergarbeiters betrage im 3. Viertel 1929 9,78 M, an der Ruhr 9,53 M. Das bedeute eine Verschiebung des vom Arbeitsamt festgestellten Verhältnisses von 100( Großbritan= nien): 79,3( Ruhr) auf 100: 97,4. Wenn man die Arbeitgeber­beiträge zur Sozialversicherung einschließe, ergebe sich im 3. Viertel 1929 an der Ruhr ein Schichtverdienst von 10,77 M gegen 10,29 M im britischen Kohlenbergbau, mithin eine Bes= serstellung des Ruhrbergmanns um 48 Pfg. Wenn man be­rücksichtige, daß im Gegensatz zum Ruhrbergbau in der für England berücksichtigten Lohnsumme auch die Gehälter des weit überwiegenden Teiles der technischen Grubenbeamten ent= halten sind, so wird der Schichtverdienst des Ruhrbergmanns noch um weitere 20 Pfg. höher. Der Jahresverdienst einschließ= lich der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung stelle sich im britischen Bergbau für 1928 auf 2547 M gegenüber einem Jahresverdienst im Ruhrbergbau von 2753 M. Für 1929 be= trage der Jahresverdienst schätzungsweise in Großbritannien 2605 M, an der Ruhr 2904 M. Der Mehrverdienst des Ruhr­bergarbeiters betrage mithin rund 300 M, bei Einbeziehung der technischen Grubenbeamten, wie es in England geschehen, rd. 360 M. Unberücksichtigt ist hierbei, daß der Lebenshaltungs­index in Deutschland um 53% Prozent höher sei als im Frie­den, während in England die Steigerung 64 Prozent beträgt.

Provinzialverwaltung und Vereine für Radfahrwege.

In vorbildlicher Weise arbeitet die Brandenburgische Pro­vinzialverwaltung gemeinsam mit den in der Provinz vorhan­denen Vereinen für Radfahrwege am Ausbau eines zusammen­hängenden Radfahrwegenetzes.

Am 17. Dezember 1929 waren alle Vereine der Provinz zu einer Aussprache geladen. Hier wurde bekannt gegeben, daß

Der Stammtisch.

Eine Humoreste aus Gießen. 2. Fortsetzung.

Jetzt hab' ich aber bei Gott nicht gewußt, was ich denken sollt'! Denn das ist mir in meiner Unschuld natürlich nicht ein­gefallen, daß der Fechner und alle die andern sogenannten guten Freunde vom Stammtisch ein abgefartetes Spiel mit mir trie­ben, und daß auch der Bremer, der alte Saufbold, mit im Ein­verständnis war.

,, Das wird ein prächtiges Fest werden!" unterbrach der Tageblatt- Redakteur mein starres Erstaunen. Ich glaube, Herr Doctor, da muß man sich unter allen Umständen beteiligen. Le= bendige Bilder wollen sie stellen... Die letzte Nummer soll allein 17 Personen, sechs Herren und elf Damen umfassen! Ja, aber Sie hören ja gar nicht, was haben Sie nur, bester Herr Doktor?"

,, Lieber Freund", sag' ich und fass' ihn beim Arme und schau ihm dabei mit einem wahrhaft durchbohrenden Blid in's Gesicht - ,, wollen Sie die Gefälligkeit haben und mir jetzt endlich mal auseinandersetzen, was das zu bedeuten hat, daß mich sogar die Lausbuben auf der Gasse als Herrn Doktor Erdmann begrüßen, und daß jetzt zuletzt hier der Bremer, die alte Volleule, mir einem Kouvert zwischen die Finger spielt, auf welchem die Adresse des Doktor Erdmann zu lesen steht? Ich bitte Sie, evklären Sie mir das einmal, wenn's Ihnen sonst angenehm ist!" Der Tageblatt- Redakteur macht ein Gesicht wie ein neuge­borener Säugling, so unschuldig, so dumm, weiß Gott, im ersten Augenblid war ich förmlich verblüfft und hab' gemeint, er verstünde mich nicht. Dann hat er seine Bierbaßstimme zum weichsten Flötenton aufgeschraubt und hat mir zugeraunt:

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,, Sagen Sie mal Herr Doktor, haben Sie vielleicht auf Ihrer chirurgischen Klinik ein Jubiläum gefeiert? Oder sind Sie irgendwo zu Mittag gewesen, und haben tiefer in's Glas geschaut, als die norma bibendi gestattet? Oder und hier­bei hat er ein wenig die Brauen zusammengezogen- ,, wollen Sie sich revanchieren, weil ich Sie das letzte Mal mit Ihrem schlechten Piquet- Spiel aufzog? Denn sonst wüßte ich in der Tat nicht, was sie veranlassen könnte, sich in so ostensibler Weise perpetuirlich darüber zu wundern, daß das Wasser vom Berg herunterfließt und nicht aufwärts."

,, Darüber wund're ich mich durchaus nicht," sag' ich iro­nisch. Im Gegenteil... Nur die Narrenspossen mit dem Doktor Erdmann möcht' ich mir schönstens verbeten haben."

,, Ach," sagt er ,,, lassen Sie mich in Frieden! Ich bin nicht dafür da, daß Sie Ihren Katzenjammer an mir austoben. Wahr­scheinlich haben Sie wieder mit Ihrem Professor Krawall ge= habt und wünschen sich so auf billige Weise schadlos zu halten."

,, Das möcht' ich von Ihnen glauben," geb' ich höhnisch zur Antwort. Ihr Verleger wird Ihnen wohl wieder ein Fest­

Gießener Zeitung

zur Zeit 10 Radfahrwege an Provinzialstraßen im Bau, zum Teil sogar schon fertig sind. Insbesondere werden hiervon be= rührt die Hauptstraßen: Berlin- Magdeburg, Berlin- Hamburg, Berlin- Halle, Berlin- Dresden. Folgende Richtlinien wurden vereinbart:

Alle Vereine für Radfahrwege reichen umgehend ihre Vorschläge ein, deren Durchführung in den nächsten Jahren erwünscht ist. Von den Gegenden, aus denen keine Vor­schläge einlaufen, wird angenommen, daß Radfahrwege dort nicht erforderlich sind. Grundsätzlich werden alle Provinzial­straßen bei Um- und Neubau mit Radfahrwegen versehen, jedoch scheitert die schnelle Durchführung am Mangel der Mittel. Wenn überall in der Provinz die Radfahrer den Vereinen für Radfahrwege beitreten, dann läßt sich aller­dings durch schnelle Schaffung der Radfahrwege Leben und Gesundheit der Radfahrer in tausenden Fällen schützen. Je­der einsichtige Radfahrer sollte es für seine Ehrenpflicht hal­ten, sein Rad mit einem Jahresring, dem Kennzeichen der Mitgliedschaft im Verein für Radfahrwege, auszurüsten. Die Ringe sind bei jedem einsichtigen Fahrradhändler für 1, Rmf. zu haben. Dieser geringe Betrag bedeutet eine erstklassige Kapitalanlage, denn durch Bau besonderer Rad­fahrwege werden nicht nur Schäden an Leben und Gesund­heit, sondern auch am Rade selbst verhütet.

Die vorbildliche Zusammenarbeit der Provinzialverwaltung Brandenburg mit den Vereinen für Radfahrwege muß dankbar anerkannt werden und verdient Nachahmung auch in allen üb­rigen Teilen des Reiches.

Zur Neueinteilung der Kreise.

Durch den scharfen Widerspruch, mit dem sich der Schottener Kreistag gegen eine etwa geplante Aufhebung des Kreises Schotten gewandt hat, ist das allgemeine Interesse erneut auf die Aenderung der Kreiseinteilung in Hessen gelenkt worden.

Wie wir hören, wird diese Frage an zuständiger Stelle be­reits seit längerem erörtert und es ist erklärlich, daß jetzt ange­sichts der dringenden allgemeinen Sparmaßnahmen auch hier zur Entlastung der Steuerzahler alles geschieht, was im Bereiche des Möglichen gelegen ist. Nach Meinung von sachkundiger Seite soll allerdings die mit der Aufhebung von Kreisämtern verbun­dene finanzielle Erleichterung nicht so hoch sein, wie zum Teií in der Bevölkerung geglaubt wird. Dem Vernehmen nach be­schäftigen sich die jetzigen Erwägungen mit der Absicht einer we­sentlichen Verminderung der Kreise. Nach den Forderungen des Sparkommissars Sämisch sollen bekanntlich von den jetzt vor­handenen 18 Kreisen insgesamt 7 abgebaut werden. Bis zum Abschluß der Erörterungen dürfte allerdings wohl noch einige Zeit vergehen, insbesondere dürfte die endgültige Feststellung große Schwierigkeiten machen, in welchen Kreisen der einzelnen Provinzen die größte Erleichterung für die Verwaltung erzielt wird. Für Rheinhessen wird das günstigste Ergebnis in der Aufteilung der Kreise Oppenheim und Bingen erwartet.

Zusammentritt der evangelischen Kirchenregierung. Die Kirchenregierung der Evangelischen Landeskirche trat am 9. Januar 1930 zum ersten Male im neuen Jahre zusammen. Als Vertreter für den verstorbenen Landeskirchenrat Bernbed

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gedicht vom alten Knorr aufgehängt haben, oder sonst was Gut's, was Sie nicht zurückweisen konnten. Aber ich sag's Jhnen nody­mals, ich find' keinen Witz dabei. Dem Bremer aber wenn's fein Versehen ist dem Bremer will ich's bei der nächsten Ge­Legenheit stecken! So' n alter Esel! Jst Großvater und läßt sich zu solchen Albernheiten und Studentenstreichen herbei! Ich hab's ja gesehen, wie Sie der alten Volleul gewinkt und ge blinzelt haben."

Das ist nun nicht wahr gewesen, denn der Bremer war, wie ich später erfahren habe, schon am Tage vorher instruiert; aber ich habe gedacht: du klopfft einmal auf den Busch, und ver­rätst so, daß du Scharfsinn und Geist besigest. Es hat jedoch dem Fechner ganz und gar keinen Eindruck gemacht; er hat einfach die Achseln gezuckt und gesagt:

,, Nun, ich sehe schon, Herr Doktor, bei Ihnen ist heute Hop­fen und Malz verloren. Meinetwegen geben Sie sich für des Teufels Großmutter aus, mir soll's Wurst sein!"

Jch brumm' etwas vor mich hin, lache ein paarmal, und dann gehn wir stillschweigend nebeneinander her.

Mit einemmal bleibt der Tageblatt- Redakteur stehen, gudt an der Bel- Etage eines großen Hauses hinauf und spricht:

,, Warten Sie mal," sagt er ,,, ich seh', unser Freund der Korsetten- Wöhler, steht noch am Pult. Der könnt's doch auch aufsteden und braucht nicht immer der Letzte zu sein. Ich werd' ihm pfeifen, vielleicht kommt er gleich mit."

Und somit pfeift er unsern Stammpfiff, zweimal lang ge­zogen, und dann die Terz und Burz ab. Der Korsetten- Wöhler hat erst nichts gehört; wie aber mein Fechner zum zweitenmal pfeift, hebt der Korsetten- Wöhler den Kopf, und beim dritten­mal tritt er an's Fenster, macht's auf und ruft herunter

,, Ach, Sie sind's, meine Herren! Verziehen Sie gefälligst nur zwei Minuten, ich hab' da nur noch den Schluß eines wich­tigen Briefs zu erledigen, dann fomm' ich mit."

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So hat er uns zugerufen, und dann hat er sich an sein Pult gestellt und noch ein paar Zeilen geschrieben, und den Brief touvertiert und feinem Kommis gegeben, und dann hat's nicht lange gedauert, da ist er mit seinen langen Beinen die Treppe heruntergestelzt und hat uns beide Hände auf einmal entgegengestreckt.

,, Go!" hat er gesprochen ,,, hier bin ich, und jetzt auf nach Sevilla! Ich hab' einen Durst, einen Durst, sag' ich Ihnen...! Ob wohl der Zahn- Wolf heut' tommen wird, und der gute Kehr­bach? Ich hab' nämlich einen Zauber in petto, einen köstlichen

Ult.

,, Verzeihen Sie!" fag' ich, und trete absichtlich so recht in das grelle Licht einer Gaslaterne. Der gute Kehrbach ist hier, und möcht' Ihnen sagen, daß er sich aus dem, guten', das manche Leute zu seinem Namen sehen, nicht sonderlich viel macht; denn ber, gute' heißt hier ungefähr so viel wie der dumme' oder der , einfältige'. Es ist mir ganz lieb, daß ich jetzt einmal durch Ihr merkwürdiges Versehen zu hören kriege, wer denn eigentlich

Nr. 3.

war Pfarrer Ausfeld Gießen erschienen. Zu Beginn sprach Prälat D. Dr. Diehl Worte der Begrüßung und gedachte des schweren Verlustes, der die Kirchenregierung durch den Heim­gang ihres Mitgliedes, des Landeskirchenrats Bernbeck, betrof­fen hat. Nach Hinweis auf die schwierige Zeit, in der wir leben, und die Lage der Landeskirche, deutete er die wichtigsten Aufgaben an, die das neue Jahr der Kirchenregierung stellen würde. Gegenstand der Beratung und Beschlußfassung waren alsdann: Neubesetzung von Pfarrstellen und die Vorarbeiten für den Entwurf eines Gesetzes zur Förderung und Wahrung der kirchlichen Ordnung. Am Nachmittag trat die erweiterte Kir­chenregierung zusammen, die seinerzeit von dem Landeskirchen­tag eigens für die Auseinandersetzung mit dem Staate gebildet worden war. Der vom Landtag angenommene Schiedsvertrag zur Frage der Staatsleistungen an die Kirche wurde hierbei erörtert und Beschlüsse wegen weiterer Behandlung der Angele= genheit gefaßt.

12 Millionen in allen Reichstassen. Berlin, 9. 1. Nach Mitteilung des Reichsfinanzministeriums stellte sich die Kassenlage des Reiches am 30. November 1929 wie folgt: Kassensollbestand 1639 Millionen. Verwendet wur den 1267 Millionen. Der Kassenbestand bei der Reichshaupt­kasse und der Außenkassen betrug also 12 Millionen.

Sport und Sonntag.

Um dem Sonntag seinen Charakter als Feiertag zu wahren, vor allem, um den Gottesdienst vor unliebsamen Störungen zu schützen, wird schon seit langem wenigstens eine Freihaltung der gottesdienstlichen Stunden von sportlichen Veranstaltungen er­strebt und gegenwärtig von den betreffenden Instanzen eifrig durch beraten. Zwischen Sportverbänden und kirchlichen Stellen wurden in mehreren Ländern Vereinbarungen getroffen, denen folgende Richtlinien zugrunde gelegt wurden:

1. Grundsätzlich soll durch die Vereinbarung eine bessere Heiligung des Sonntags und der anerkannten Feiertage be­wirft werden.

2. Die gottesdienstlichen Einrichtungen sind vor Störungen zu bewahren, daher beginnen Veranstaltungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen nicht vor 11,30 Uhr. Sportpläge und an­dere Sportstätten gelten nicht als öffentliche Pläge in diesem Sinne, d. h. also auf Sportpläzen dürfen mit Ausnahme der in Punkt 4 genannten Tage Spiele und Sportfeste auch während der Kirchzeit stattfinden.

3. Startplätze und Stafettenwechsel sind, wenn es möglich ist, nicht in einem Umkreis von 3 bis 500 Metern von Gottesdien­ſten zu errichten.

4. Die ersten Tage der drei großen Feste, ferner gewisse be­sonders hervorgehobene Feiertage( Karfreitag, Bußtag, Fron­leichnam) bleiben vormittags frei von jeder sportlichen Veran­staltung, während gegen Veranstaltungen am Nachmittag nichts einzuwenden ist. Dagegen soll der ganze Totensonntag sport­frei bleiben.

5. Bei großen Veranstaltungen, die den ganzen Tag oder mehrere Tage beanspruchen, soll eine vorherige Fühlungnahme zwischen Sport und kirchlichen Behörden stattfinden. Bei Strei­tigkeiten soll ein Schiedsgericht eingesetzt werden.

derjenige ist, der immer so sonderbare Prädicate gegen mich ausheckt. Ich bin kein guter Kehrbach, Herr Wöhler, wenigstens nicht mit dieser Betonung!"

Immer zu Spaß aufgelegt!" sagt der Wöhler und lacht mich hell an. Weiß Gott, Herr Doktor, wenn wir Sie nicht hätten

,, Was?" fall' ich ihm in die Rede ,,, sind Sie denn auch des Teufels?"

Wie ich das rufe, macht der Korsetten- Wöhler in ellen­langes Gesicht und wirft dem Tageblatt- Redakteur einen ganz verwunderten Blick zu. Der aber nimmt ihn beiseite und flü­stert ihm zu aber so, daß ich jede Silbe verstehen konnte

,, Lassen Sie ihn, lieber Wöhler. Der ist heut' rein wie ausgewechselt. Das soll ein Witz sein, daß er sich für den Kehr­bach ausgibt, aber das ist einer von den Witzen, zu denen man , Wit' schreiben muß, sonst meint man, es wär' eine Dummheit. Wissen Sie, auf so was darf man einfach nicht reagieren. Gin paarmal schon hab' ich ihn gebeten, er möchte aufhören, aber er tut's nicht. Kommen Sie! Wenn wir ihn ruhig schwagen lassen, das ärgert ihn, dann wird er's schon müde werden."

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So hat der Fechner geflüstert. Mir aber ist's bei dem scheinbaren Ernst ganz heiß geworden, und ich habe so im stillen gedacht: Jetzt möchtest du doch eigentlich wissen, wo die Sache hinaus will. Hast du dich denn wirklich so folossal verändert, daß die Leute dich nicht mehr kennen? Oder hat sich die ganze Menschheit verschworen, dich zum Narren zu halten? Wenn ich nur einen Spiegel hätte... Aber nein, es ist ja der veritabelste Blödsinn

Erst verspürte ich Lust, die beiden Herren nochmals coram zu nehmen. Dann aber dachte ich: Was willst du dich echauf­fieren? Sobald wir zum Vater Lotz in die Kneipe kommen, wird sich's ja wohl herausstellen, was die alberne Geschichte be­deuten soll.

Nach fünf Minuten treten wir in die Wirtsstube. Da sitzen denn auch richtig schon so ein Stücker sechs von unsern Bekannten am Stammtisch. Der Ass. Winkler und der Zahnarzt Wolf sind auch dabei. Der Assessor hebt g'rade sein Biertöpf chen, und trinkt einem von den anderen Herren in studentischer Manier zu.

Im Anfang hat niemand so recht Notiz von uns genommen, bis wir unsere Ueberzieher und Hüte an die Nägel gehängt hat­ten. Dann auf einmal hat der Zahn- Wolf gesagt:

,, Aha, späte kommt Ihr, doch Ihr kommt! Nehmen Sie Plak, meine Herren! Fechner, der große Rohrsessel ist noch un besetzt; Sie brauchen Ihrer Korpulenz keinen Zwang anzutun! Korsetten- Wöhler, Sie kommen zu mir, ich hab' Ihnen allerlei mitzuteilen, was Sie folossal amüsieren wird! Notabene, Sie auch, Herr Doktor, es betrifft unsern guten Rehrbach, der heute leider verhindert ist!"

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Fortsetzung folgt.

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