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Mittwoch, den 10. September 1930.

Aus Nah und Fern.

Bermutshain. Der letzte Erstürmer des Schlosses Cham­bord ist der Altveteran Polizeidiener Nikolaus Franz zu Ber­mutshain, der seinen 90. Geburtstag feiern konnte. Der Jubi­lar hat unter dem hessischen Hauptmann Kattrein an der Er­stürmung des Schlosses Chambord teilgenommen; 48 Jahre versah er das Amt eines Polizeidieners von Bermutshain.

Alsfeld. In einer außerordentlichen Sigung beschloß der Kreistag des Kreises Alsfeld die Uebernahme einer Bürgschaft in Höhe von 40 000 Mark für die von einem Privatunterneh­mer in der Gemarkung des Dorfes Hopfgarten durchgeführte Erbauung einer Kadaververwertungsanstalt für den Kreis.

Darmstadt, 9. 9. Durch Verfügung des hessischen Innen­ministeriums wurde der Polizeiwachtmeister Wilhelm Hall­stein von der 2. Bereitschaft in Darmstadt wegen Zugehörigkeit zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei mit sofor tiger Wirkung seines Dienstes enthoben und das Verfahren auf Dienstentlassung gegen ihn eingeleitet. Hallstein gehört seit 1925 der hessischen Schuhpolizei an.

Fünf Personen verlegt.

Herborn. Ein schweres Autounglück ereignete sich am

Gießener Zeitung"

Propaganda in oder an seinem eigenen Hause gefallen lassen muß.

Darum wurden die Mieter verurteilt, die angebrachten Trans­parente und die Fahne zu entfernen und sich in Zukunft der­artige Demonstrationen zu enthalten.

*

Bad Orb. An Stelle der üblichen Pauschal- und Mittel­standskuren hat Bad Orb im Spessart für die Nachsaison eine wesentliche Ermäßigung der Kurkosten eintreten lassen.

Diamond flagt auf Schadenersag.

Bremen. 9. Sept. Der ausgewiesene amerikanische Unter­weltkönig Jack Diamond hat dem preußischen Polizeifiskus eine Schadenersatzklage gestellt. Durch einen Berliner Rechts­anwalt verlangt er sowohl die Kosten für die Hin- und Rück­reise von Amerika nach Deutschland als auch Schmerzensgeld für seine Inhaftierung sowie Schadenersatz für schwere Kredit­schädigung.

Athen, 9. Sept. Im Hafen von Piräus, der Athener Ha­fenstadt, ist ein Großfeuer ausgebrochen, dem zahlreiche Schiffe bereits zum Opfer gefallen sind. Der Sachschaden geht in die Millionen.

Dienstagmorgen auf der Rother Landstraße in einer scharfen Hajjia- Meiſterſchaftsschießen in Gießen

Kurve kurz vor Herborn. Der Autoomnibus eines Privatunter­nehmers in Straßebersbach, der mit fünf Arbeitern besetzt war, geriet infolge des schlüpfrigen Bodens von der Fahrbahn ab und stieß mit aller Wucht gegen einen Baum. Sämtliche Per­sonen wurden verletzt.

Zwei Schwerverlette.

Haiger. In der Nähe von Fellerdilln kam es zu einem Zusammenstoß zwischen zwei Motorradfahrern. Beide erlitten schwere innere und äußere Verletzungen und mußten ins Kran­kenhaus nach Haiger gebracht werden.

Dienstentlassung eines nationalsozialistischen Schupobeamten.

Frankfurt a. M., 9. Sept. Zollschmuggel ist man bei der Mitropa auf die Spur gekommen. Der Leiter der Frankfurter Abteilung wurde zu 21 000 Mark Geldstrafe und 3 Monaten Gefängnis verurteilt.

Messe für gebrauchte Kraftfahrzeuge.

Frankfurt a. M. Durch die schlechie Wirtschaftslage wird mancher Interessent gezwungen, an Stelle eines neuen Wagens einen gebrauchten oder gefahrenen Wagen zu kaufen. Die Sektion Groß- Hessen des Reichsverbandes des Kraftfahrzeug­handels und Gewerbes veranstaltet eine Verkaufsmesse für ge­brauchte Kraftfahrzeuge vom 13. bis 17. September auf dem Messegelände. Der Taywert ist an jedem Wagen angebracht und ergibt sich aus Beschaffenheit von Maschine, Karosserie, Zubehör und Marktgängigkeit des Fahrzeuges.

Bad Soden am Taunus. Es werden hier wie schon in den vergangenen Jahren auch in den kommenden kurstillen Monaten ab 15. September 1930 bis 15. Mai 1931 verbilligte Pauschal­furen geboten.

Pädagogischer Kongreß.

Wiesbaden. Der vom Deutschen Ausschuß für Erziehung und Unterricht vom 5.- 7. Oktober 1930 in Wiesbaden peran­staltete Pädagogische Kongreß wird eine lebhafte Aussprache führender Persönlichkeiten aus allen Lagern über die mit den Plänen nach Schaffung eines Reichsvolkschulgesetzes zusammen­hängenden Probleme bringen. Anmeldungen sind bis späte­stens 25. September zu richten an die Magistrat- Schulverwal­

tung, Wiesbaden, Taunusstraße 3.

Was sich der Hauseigentümer

nicht gefallen zu lassen braucht.

Kassel, 9. Sept. Das hiesige Amtsgericht fällte heute ein interessantes Urteil, das für Hausbesitzer wie auch für Mie­ter von weitgehender Bedeutung ist. Das Haus Altmarkt 1 in Kassel gilt seit langen Jahren als das rote Haus" in der Alt­stadt. Seine Bewohner sind überwiegend Mitglieder der Kom­munistischen Partei. Für den Wahlkampf hatte man im ,, ro­ten Haus" eifrig gerüstet. Das dreistöckige Gebäude wurde an den Fassaden mit grell leuchtenden Transparenten behängt und außerdem mit einer roten Fahne geziert. Diese Art der Wahl­propaganda ging dem Hauswirt, der Stadt Kassel, sehr gegen den Strich, so daß sie, nachdem eine gütliche Verständigung nicht zu erzielen war, das Amtsgericht anrief. Dort wurde nun darüber verhandelt, wie weit das Recht des Mieters auf die Benutzung des Hauses zu politischen Zwecken eigentlich gehe. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt.

daß sich kein Hausbesizer eine gegen ihn gerichtete politische

Fritz Schulz jun. A- G, Leipzig

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am 7. September 1930.

Schon am Sonnabend hatte sich eine ganze Anzahl der beteiligten auswärtigen Schüßen eingefunden, die dankenswerter Weise kostenlos von dem Gießener Verein untergebracht wurden. Am Abend fand im Schüßenhaus ein sehr gut besuchtes gemütliches Beisammensein stati. Die Gießener hatten zur Unterhaltung auch für Musik gesorgt. Nach herzlichen Begrüßungsworten seitens des Vorsitzenden der Gießener Schießabteilung, Kamerad Albin Klein, und solchen des stellv. Vorsitzenden des Krieger- Vereins Gießen, Kamerad Schiffnie, sprach der Verbandsschießleiter Major a. D. Pohl über den beabsichtigten Verlauf des Schies­sens und verloste die Reihenfolge der Schützen. Dann gab er an die anwesenden Schützen die Bezirksmeisterschaftsmedaillen aus. Er bat dann noch alle Anwesenden dafür zu sorgen, daß das nicht aus den Augen verloren würde, daß die Hassia den Schieß­sport in erster Linie deshalb betreibe, um die Jugend zu ge­winnen. Kamerad Schneider- Offenbach sprach beherzigenswerte Worte, die mit einem Hoch auf unser Vaterland endigten, worauf das Deutschlandlied gesungen wurde. Kamerad v. Rieffel- Offen= bach gab verschiedene Anregungen und ermahnte die Schützen nicht den Mut zu verlieren, auch wenn es mal nicht nach Wunsch gehe. Kamerad Klein gedachte dann noch unsers allverehrten Herrn Med. Rat Dr. Vogt, zu dessen Gedächtnis das Lied vom ,, Kameraden" erflang. Das Zusammensein konnte nicht lange Die siegreichen Mannschaften der Alt- und Jungschützen erhielten den Wanderpreis der Allianz bezw. der Hassia, sowie die silbernen Meisterschaftsmedaillen.

Die zweitbeste Altschützenmannschaft Offenbach die von Herrn Hübner- Darmstadt gestiftete Ehrenscheibe. Die Einzelmeister be­tamen ebenfalls die silberne Meisterschaftsmedaille, außerdem die 6 besten Einzelschützen der Alters- und Jugendklasse wertvolle und schöne Preise, darunter 2 Ehrenplaketten, die S. Kgl. Hoheit der Großherzog gestiftet hatte, dann ein prachtvolles Buch der Allianz", ein wunderschönes silb. Zigarettenetui der Zürich und zwei schöne Preise des Vereins Gießen. Die Gesamtergebnisse waren folgende: 1. Mannschaftsschießen:

a) Altschüzen:

2. Offenbach

1. Gießen

3. Höckersdorf

b) Jungschützen:

571 R.

1. Offenbach

503 R.

508

"

2. Fürth i. Odw.

492

"

474

3. Steinfurth

380

"

"

3. Anton, Offenbach

144, 140,

2. Einzelergebnisse:

a) Altschützen:

1. Schilling, Gießen 157 R. 4. Weiß, Butzbach

2. Hainbach, Gießen

150 ,,

5. Georg, Gießen b) Jungschützen:

139",

140 ,,

1. Kilian, Fürth- O. 142 R. 3. Hartmann, Offenb. 2. Klein, Fürth- D. 141 ,, 4. Zilch. Offenbach M. 130 Neben dem Hassia- Meisterschaftsschießen, das bekanntlich von dem Verbandsschießleiter, Kamerad Major Pohl- Büdingen, vorbereitet war, hatte die Kleinkaliberschießabteilung des KV. Gießen in selten großzügiger Weise noch ein Preisschießen und als neue Art ein Vergleichsschießen mit angesetzt, dessen Haupt­Schießtag auch der Sonntag( 7. Sept.) war. Gleich nach 8 Uhr entwickelte sich ein strammes Schießen auf den dafür vorgese­henen 9 Ständen( auf weiteren 3 Ständen wurde die Hassia­Meisterschaft ausgeschossen), so daß mitunter die Schützen warten mußien. Die rege Beteiligung war begreiflich, denn unter den mehr als 100 Preisen, die zusammen weit über 2 000,- Mark Wert hatten, befanden sich viele sehr schöne und viele sehr wertvolle Gegenstände. Ohne Pause wurde bis 3 Uhr geschossen. Als nach einstündiger Berechnung die Resultate bekannt waren, konnten folgende

verkündet werden:

Breis- Ergebnisse

1. Ehrenscheibe Kyffhäuser", 3 Sauß, der beste Treffer gilt: 1. Heinrich Moog, Kr.-V. Gießen

2. Wilhelm Hainbach, Kr.-V. Gießen

3. Willi Georg, Kr.-V. Gießen.

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4. Georg Schilling, Kr.-V. Gießen

5. Heinrich Appel, Kr.-V. Gießen.

Nr. 72.

2223

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II. Ehrenscheibe" Hassia", 3 Schuß, der beste Treffer gilt: 1. Franz Anton, Vet.- u. Mil.-V. Hassia Offenbach 24 Ringe 2. Georg Schilling, Kr.-V. Gießen

3. Willi Georg, Kr.-V. Gießen

III. Festscheibe ,, Offenbach", 3 Schuß, der beste Treffer gilt: 1. Gg. Hartmann, Vet.- u. M.-V. Hassia Offenbach

2. Willi Georg, Kr.-V. Gießen

3. Jos. Anton, Vet.- u. Mil.-V. Hassia Offenbach

4. Georg Schilling, Kr.-V. Gießen.

24 24"

24 Ringe

24

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24

"

23

IV. Festscheibe ,, Gießen", 3 Schuß, der beste Treffer gilt:

1. Willi Georg, Kr.-B. Gießen

2. Bindewald, Kr.-V. Stumpertenrod

3. Gg. Gümblein, Kr.-V. Gießen. 4. Georg Schilling, Kr.-V. Gießen.

24 Ringe

24 24

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V. Festscheibe Sess. Kamerad", 3 Schuß, der beste Treffer gilt:

1. Heinrich Mook, Kr.-V. Gießen

2. Heinrich Appel, Kr.-V. Gießen 3. Georg Schilling, Kr.-V. Gießen 4. Willi Georg, Kr.-V. Gießen 5. Kretschmer, Kr.-V. Gießen.

24 Ringe

24

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24

Nicht minder lebhaft war das Schießen auf die Meister­scheibe, auf die Puntischeibe und auf die Scheibe Festmünze. Die sehr schöne Festmünze zeigt auf der einen Seite die architektonisch interessante Schmalfront der alten Zeughaus­faserne zu Gießen und auf der anderen Seite über dem Text das Gießener Stadtwappen und das Hassia- Wappen.- Aehn= lich dem Hassia- Meisterschaftsschießen wickelte sich das

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1. deutsche Vergleichsschießen

ab, für das ein Ausscheidungsschießen vorher in vielen aus­wärtigen Vereinen( auch Nichthassiavereine nahmen daran teil) stattgefunden haite. Hier in Gießen trafen sich am 7. September nun die Schüßengruppen( je 4 Mann), die sich um den dafür ausgesetzten Wanderpreis ein sehr schönes Banner stritten. Um rechtzeitig fertig zu werden, mußte dafür allein auf 2 Ständen geschossen werden. Gegen 4 Uhr flog die letzte Rugel hinaus und eine halbe Stunde später konnte auch dafür im Anschluß an die große Preisverteilung für die Ehren- und Festscheiben, das

Ergebnis des 1. deutschen Vergleichschießens mitverkündet werden. Es war ein scharfes und interessantes Wettschießen auf diese besondere Scheibe ,, Deutschland", das den Beweis erbracht hat, daß hierbei auch Landvereine sehr gut mit geübten Stadtvereinen in den Wettkampf eintreten können. Es erzielten auf je 19 Schüsse:

559 Ringe Kl.- Kal.- Schießabtlg. des Kr.-V. Gießen 1. Preis: 1 Vereinsbanner( Wanderpreis),

550 Ringe Kr.-V. Steinbach 6. Gießen 2. Preis: 1 schöne Fah­nenschleife

498 Ringe Kr.-B. Leihgestern 3. Preis: 1 schöne Fahnenschleife, 409 Ringe Kr.-V. Bermuthshain 4. Preis: 4 silberne Hassia­Becher,

403 Ringe Ri- Kal.- Schießabtig. des Kr.-V. Gießen 5. Preis: 1 silberner Becher,

363 Ringe Reichsbahn- T. u. Sp.-V. Gießen 6. Preis: 1 sil­berner Becher, 323 Ringe Kr.-V. Leihgestern 7. Preis: 1 silberner Becher.

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