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Samstag, den 10. Mai 1930.

Aus Nah und Fern.

Lindenstruth( Kreis Gießen). In der Zeit vom 13. bis 19. Mai ds. Js. liegt auf der Bürgermeisterei der Kommissions= beschluß vom 20. Februar 1930, 3iffer 5, und der dazu gefertigte Kostenausschlag der Feldbereinigung in der Gemarkung Linden­struth zur Einsicht offen.

Alsfeld. Die Hessischen Geschichts- und Altertumsvereine tagen am 24. und 25. Mai in Alsfeld.

Büdingen. Unter tatkräftiger Mitwirkung der Fürstin Marie zu Isenburg- Büdingen wurde im Büdinger Schloß ein Museum geschaffen, das am Sonntag eingeweiht und eröffnet wurde.

Darmstadt. Ein Betrüger besuchte mit einem Mädchen eine Wirtschaft, und trank viel, um dann heimlich zu verschwinden. Das Mädchen hatte die Zeche am Bein.

Fünf Grad Kälte im Hochschwarzwald. Freiburg, 9. Mai. Die berüchtigten Eisheiligen haben dem südlichen Schwarzwald nicht nur auf den Höhen, sondern auch in den tieferen Lagen einen sehr empfindlichen Temperatur­rückgang gebracht. Auf dem Feldberg und in den höheren Ge­Grad Kälte seit Mittwoch birgslagen schneit es bei 4 bis nachmittag, sodaß auf dem Feldberg bereits wieder eine ge= schlossene Schneedede von 10 Zentimetern vorhanden ist.

Opfer der Technik.

Bei der AEG. in Oberschöneweide bei Berlin explodierte bei Versuchen ein zwei Meter hoher Isolator, der für eine Del­schalteranlage von 220 000 Volt bestimmt war. Der Werkstatt­meister wurde getötet.

Berliner Lichtspieltheater schließen unter dem Steuerdruck.

In Berlin hat infolge des hohen Steuerdrucks eine Reihe größerer Lichtspieltheater ihre Pforten geschlossen. Es handelt sich u. a. um den Roxy- Palast mit 1100 Sitzplätzen, den Primus­Palast mit 2300 Sitzplägen.

Ein ostpreußisches Rittergut niedergebrannt. Stuhm. Am Donnerstag nachmittag hat ein Riesenbrand das Rittergut Cyguß vollständig vernichtet. Zwei Scheunen, ein Stall und drei Insthäuser wurden ein Raub der Flammen. Strandung eines deutschen Schiffes.

Wie aus Reykjavik berichtet wird, strandete in der Nacht zum Mittwoch der deutsche Trawler ,, März" aus Wesermünde bei dichtem Nebel bei Jsland in der Nähe der Ingolfs- Inseln. Die Besatzung von 13 Mann wurde ans Land gerettet. Das Schiff ist völlig wrad.

Explosionsunglüd in einer amerikanischen Fleischräucherei. St. Joseph( Missouri), 9. Mai. In einer Fleischräucherei der Armour- Compagny ereignete sich eine schwere Explosion, durch die das ganze Gebäude rasch in Flammen gesetzt wurde. Man rechnet mit 15 bis 20 Todesopfern.

Auswanderung aus der Schweiz 1929.

Aus der his wanderten 1929 4608 Personen aus( im Vorjahre 4800) Unter den Hertanftsfantonen steht wieder Zürich an der Spitze Unter den Einschiffungshäfen führt Cher­bourg. es folgen in geringem Abstand Bremen, Genua und Hambars Unter den Zielländern siehen die Vereinigten Staa­ten mit 2291 Auswanderern obenan.

Gefahren der Schwarzarbeit.

Von Elektroobermeister Fr. W. Camps, Kiel.

Wir entnehmen die nachstehenden Ausführun­gen der Schlesischen Hausbesizer- Zeitung". Wir können denselben voll beipflichten und wieder­holen, was wir bereits früher ausführten, daß, abgesehen von den nachstehend angeführten Ge: fahren, billige Schwarzarbeit in der Regel die teuerste Arbeit ist.

Der Ausdruck Schwarzarbeit ist heute fast zum geflügel­ten Wort geworden, wenigstens bei den Handwerkern. Hier gibt es wohl kaum eine Innungsversammlung oder Zusammenkunft. wo das Thema niat mindestens angeschnitten wird, wohl in der klaren Erkenntnis, daß Schwarzarbeit der größte Krebsscha­den des Handwerks ist.

Man beachte

die billigen Sommerpreise!

Fritz Schulz jun. A- G, Leipzig

,, Gießener Zeitung"

Was ist denn nun eigentlich Schwarzarbeit?

Schwarzarbeit wird von sogen. Pfuschern" ausgeführt, d. h. von Leuten, die kein selbständiges Gewerbe betreiben und deshalb keine Berechtigung haben, derartige Arbeiten anzu­nehmen und auszuführen. Es ist natürlich nichts dagegen ein­zuwenden, wenn der Hausbesitzer selbst kleine Reparaturen zur Erhaltung seines Hauses ausführt, um nicht erst größere Schä­den eintreten zu lassen. Selbstverständlich muß er wissen, wie weit er hier wirklich nutzbringend wirken kann. Durch falsche Handhabung sind aber auch hier schon oft größere Schäden ent­standen, die durch rechtzeitige Heranziehung eines Fachmanns hätten vermieden werden können. Anders liegt die Sache aber. wenn ein Auftraggeber einem Gehilfen oder sonstwie nicht selb= ständigen Menschen den Auftrag erteilt, für ihn eine Arbeit auszuführen. Das Gesetz verbietet an sich solche Werkverträge nicht, so daß man sich nicht direkt strafbar macht, aber welche Gefahren in dem Abschluß eines derartigen Vertrages liegen, darüber hat sich sicher noch keiner volle Rechenschaft abgelegt. der da geglaubt hat, durch Schwarzarbeit zu sparen. Es be= stehen in Deutschland bekanntlich umfangreiche soziale Gesetze zum Schutze des Arbeitnehmers, welche vom Arbeitgeber be­achtet werden müssen, will er sich nicht strafbar machen, oder sich mindestens in eine große Gefahr finanziellen Schadens be= geben. In diese Gefahr begibt sich aber zweifellos der Konsu­ment der Schwarzarbeit. Nehmen wir einmal an, ein Weiß­bindergehilfe( von diesen wird die Schwarzarbeit bekanntlich am meisten ausgeübt) wird von einem Konsumenten beauf­tragt, nach Feierabend oder Sonntags eine Arbeit auszufüh­Es passiert nun ein Unfall, was um so leichter möglich ist, da doch der Gehilfe von seiner ordentlichen Tätigkeit bei seinem Meister abgespannt sein muß. Tritt nur vorübergehen­der Schaden ein, vielleicht eine Verletzung durch Sturz von der Leiter, so kann die Sache noch glimpflich abgehen, da die Krankenkasse, die ja der Meister für seinen Gehilfen haben muß, nicht danach fragt, wie und wo ein Krankheitsfall ein­getreten ist.

ren.

Weitaus schlimmer wird aber die Sache, wenn ein derarti­ger Unfall nachhaltige Folgen nach sich zieht und der Ver­unglückte dauernd Invalide wird oder gar den Tod erleidet. Der Arbeitgeber ist hier durch die Berufsgenossenschaft, zu welcher er ja erhebliche Beiträge zahlen muß, geschützt. Die Berufsgenossenschaft wird sich aber bei jedem Unfalle, der nicht im Betrieb des Arbeitgebers resp. bei Ausführung in dessen Auftrage passiert, weigern, irgend einen Ersatz zu leisten. Der betreffende Auftraggeber ist in solchem Falle voll ersatzpflich­tig und kann man sich leicht vorstellen, daß bei Zahlung einer Rente für den Verunglückten resp. im Todesfalle für dessen Familie die Sache recht kostspielig werden kann.

Am gefährlichsten ist es zweifellos, Unberufene an elektri­schen Starkstrom: oder Gasanlagen arbeiten zu lassen. In die­sem Fache besteht wegen der größeren Gefahr für Leben, Ge­sundheit und Eigentum der Konsumenten eine gewisse Ein­schränkung der Gewerbefreiheit insofern, als nur nachweislich ausgebildete Fachleute für diese Arbeiten zugelassen werden. In Schadensfällen wird stets eingehend nachgeforscht, ob hier durch Pfuscher fahrlässig gehandelt wurde. Trifft das zu, so kann nicht nur der Pfuscher mit Gefängnis oder gar Zuchthaus ( je nach der Schwere des Falles) bestraft werden, auch der Auf­Da traggeber kann zum Schadenersatz herangezogen werden. in diesem Falle schon eine geringfügige Unterlassungssünde schwere Folgen nach sich ziehen kann, sollte sich jeder schon vom moralischen Standpunkt aus hüten, dieser unfairen Handlungs­weise Vorschub zu leisten, man möge nur bedenken, daß Schwarz­arbeiter feine Steuern zahlen. Selbst die Gewerkschaften sind sich einig in der Bekämpfung des Pfuschertums, schon aus der Erwägung heraus, den 8- Stunden- Tag nicht dadurch zu einem Zerrbild werden zu lassen, daß nach Feierabend von den Ar­beitnehmern auf eigene Rechnung weitergearbeitet wird.

Neue Bücher.

Achtung, neue Kursbücher!

Seit einigen Jahren ist der 15. Mai der Stichtag für den Fahrplanwechsel. Wer viel reist, hat es sich schon zur Gewohn= heit gemacht, rechtzeitig vor diesem Termin sein neues Kurs­buch zu kaufen oder wenigstens vorauszubestellen, um so allen unbequemen Möglichkeiten, die aus dem sich über Nacht än=

Heizi

Nr. 37.

dernden Zugverkehr für den Reisenden entstehen können, zu entgehen. Die neuen Ausgaben der Storm- Kursbücher werden auch die kleinsten Verschiebungen und Wenderungen in der bis­herigen zuverlässigen genauen Weise registrieren. Die Storm­Kursbücher teilen sich in eine Haupt- und in 6 Teilausgaben. Die große Storm- Reichsausgabe bringt den gesamten deutschen Verkehr, die Binnen- und Küstendampfschiffahrt, die Flugfahr­pläne und alle Reisewege nach dem angrenzenden Ausland und kostet Rmf. 5,-. Die Preise der einzelnen Teilausgaben bewe­gen sich zwischen Rmk. 1,50 und Rmf. 2,50. Ebenso zuverlässig und geschätzt wie die Storm- Kursbücher sind die beiden Hend­schel- Ausgaben und das Lloyd- Kursbuch Hendschels Telegraph ( Preis Rmf. 6,-) erscheint schon, seit es überhaupt ein nennens­wertes Eisenbahnnetz in Deutschland gibt; für das Sommer­halbjahr gelangt der 84. Jahrgang zur Ausgabe. Bei dem Lloyd- Kursbuchy( Preis Rmt. 4,-) ist der Hauptwert auf schnellste und leichte Benutzung gelegt.

Walter Steinthal: Dreyfus. Mit einer Einführung von Gustav Radbruch. Preis 3 M. Desterheld& Co. Verlag, Berlin W 15.- Die heutige Generation hat noch vor wenigen Monaten nichts von der Dreyfus Affäre gewußt. Sie fannte den Namen, aber das war auch alles. Inzwischen ist diese un­geheuere französische Kriminalaffäre der Jahrhundertwende über Nacht wieder aktuell geworden. Die Aehnlichkeit zwischen dem damaligen Frankreich und dem heutigen Deutschland hat ben Fall Dreyfus wieder in Erinnerung gebracht, nachdem ein zeit­gemäßes Bühnenstück auf sie hingewiesen hatte. Das jetzt vor­liegende neue Werk ,, Dreyfus" aus der Feder Walter Stein­thals entwirft in knappen, wirklichkeitsgetreuen Zügen das Ge samtbild der Affäre Dreyfus. Es führt in das Milieu der internationalen Spionage, hinter die Kulissen der Kriegsge= richte, hinter die Mauern der Gefängnisse, in die Kabinette der höchsten und geheimsten Politik.

Von Diamantentauchern erzählt das neue Heft der Woche". Mitunter geschehen ergötzliche Dinge. Lesen Sie das Heft 19.

Die Handschrift der unverstandenen Frau" ist ein hochin­teressanter Aufsatz in der soeben erschienenen Nummer 10 der neuen illustrierten Frauenzeitung Das Heft". Wie immer enthält ,, Das Heft" außerdem reich illustrierte Aufsätze aus al­len Gebieten, die die Frau interessieren.

Die ersten Originalaufnahmen vom Welfenschatz wurden für ,, Hadebeils J. 3." gemacht. In der am Dienstag erscheinenden Nummer 19 ist ein Aufsatz von Dr. Niels v. Holst mit wunder­vollen Aufnahmen enthalten, die in dem Safe eine Schweizer Bank gemacht wurden. Der Welsenschaz, das größte Wert­objekt, das je im Kunsthandel war, wird Mitte Mai für kurze Zeit im Städel- Institut in Frankfurt a. M. ausgestellt, bevor sich ein weiteres Schicksal entscheidet.

Auf Faltbootwanderfahrt! Wie man am besten der Seg­nungen des Wassers im Faltboot teilhaftig werden kann, be­schreibt das soeben im Vobach- Verlage, Berlin und Leipzig, erschienene Einzelheft Nr. 224: Der Faltbootsport, herausgege ben von Oscar Bosselmann. Mit zahlreichen Abbildungen, Literatur- und Kartenverzeichnis. Preis 1,25 M.

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