Nr. 37.
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Samstag, den 10. Mai 1930.
Lokales.
Mutter.
3um Muttertag.
Mutter!
Du Liebe!
Nachdruck verboten.
Wieviel Güte erwiesest Du uns Aus selbstlosem Herzen heraus, Ohn' Unterschied
Und unerschöpflich Wußten wir Dank
Für all die opferfrohe Liebe? Nahmen sie hin Wie täglich Brot.
Und Du,
Immer sätest Du aus,
Nicht bedacht einer Ernte
In die Scheuern Deines Alters,
Nur für uns!
Hab Dank, Mutter,
Für alle Liebe,
Für alle freudige Gabe,
Alle Sorge und Müh,
Entsprungen aus fürsorglichem Herzen, Unserer Freuden Anteil, Unseren Kummers Mit- Leid. Mußt nun bergen die Ernte,
Liebe und Freude in Fülle,
Aus Deiner Kinder Herzen,
In die Deine Saat Du gesenkt.. So segne Dich Gott!
Otto Köppe.
* Muttertag. Von Jahr zu Jahr wächst die Bedeutung dieses ,, Feiertages". In richtiger Erkenntnis, daß uns das Familienleben und in diesem die Mutter, das Höchste geschenkt hat, und immer noch schenkt, ist es wirklich zu begrüßen, daß ein Tag im Jahr der gehört,.... die stets an uns denkt Mutter. Morgen laßt Mutterhände keine Arbeit schaffen einmal umsorgt sie, wie sie sonst euch.
*
-
der
* Die unfreundliche Witterung bereitet uns auf die kommenden drei Eisheiligen vor. Im Sommerkleid schafft der Mensch Kohlen in die Wohnungen, um zu heizen, die verpackten Ueberschuhe werden wieder hervorgeholt. Für die Hustenmittelfabriken blüht der Weizen. Und all das wegen der drei Eisheiligen. Der Gartenbesitzer ist diese Tage über sehr unruhig, er fürchtet für Obst und Gemüse hoffentlich gehts gnädig ab. Im übrigen denken wir fest daran, es ist Mai, der Flieder blüht und dann wirds uns schon wohlig werden. * Eine neue Telephonnummer hat die Provinzialdirektion erhalten. Sie ist in Zukunft unter der Sammelnummer 3147 an= zurufen.
-
* Luftpostverkehr 1930. Vom 1. Mai ab ist Gießen an den unmittelbaren Luftpostverkehr wieder angeschlossen worden. Mit dem um 8,20 Uhr hier ankommenden( Richtung Frankfurt- M) und um 8,30 Uhr hier abgehenden( Richtung Hannover) sowie mit dem um 18,25 Uhr hier ankommenden( Richtung Hannover) und um 18,35 Uhr( Richtung Frankfurt- M.) hier abgehenden Flugzeugen werden Luftpostsendungen( gewöhnliche und eingeschriebene Briefe, Postanweisungen und Pakete mit der Bezeichnung ,, Luftpost") weiterbefördert. Schlußzeiten 1. für die Luftpostsendungen in nördlicher Richtung( Hannover usw.): a) für gewöhnliche Briefe spätestens 8,20 Uhr der Posthilfsstelle Flughafen spätestens 7,30 Uhr beim Postamt, b) für die übrigen Sendungen spätestens 7,20 Uhr beim Postamt 1, 2. für die Luftpostsendungen in südlicher Richtung( Frankfurt- M.): a) für gewöhnliche Briefe spätestens 18,25 Uhr bei der Post
Der Frankfurter Friedensvertrag als Gegensatz zum Kriegsdiktat.
Zum 10. Mai als Erinnerungstag. Von Dr. Karl Klein Buchschlag.
=
Der 10. Mai ist der Jahrestag des Frankfurter Friedens. An diesem Tage vor beinahe 60 Jahren wurde der endgültige Frieden zur Beendigung des deutsch- französischen Krieges von 1870-71 zu Frankfurt a. M. geschlossen. Seine kennzeichnenden Merkmale müssen an diesem Erinnerungstage wieder einmal hervorgehoben werden, um den Unterschied gegenüber einem 47 Jahre nachher erfolgten sogenannten Friedensvertrag zu zeigen, um darzutun, daß der Friedensvertrag, der zu Beendigung eines für Deutschland siegreichen Krieges erfolgte, ein wirklicher Vertrag zur Herstellung des Friedens war, während der andere darauf ausging, den Kriegszustand gegen das unterlegene Deutschland möglichst zu verlängern.
Der Frankfurter Friedensvertrag war kein Diktat, sondern das Vertragsergebnis nach langen gegenseitigen Verhandlun gen. Frankreich wurde nicht ein einseitig festgelegter Entwurf zur Annahme unter der Drohung der Fortsetzung des Krieges für den Fall der Ablehnung vorgelegt. Frankreich war vollgültiger und in feiner Weise beschränkter Verhandlungspartner. Die Verhandlungen waren teine Form, sind nicht nur zum Scheine erfolgt, sondern haben sich auf Monate erstreckt. Von den deutschen Forderungen gelang es den französischen Unterhändlern, manches, so den Verzicht auf die Festung Belfort herunterzuhandeln.
Die Bedingungen des Friedensvertrages waren durchaus feine drückenden und es wurden keinerlei dauernde Bedrückungen Frankreich auferlegt. Von Frankreich wurde nur die Rückgabe deutscher Länder, des Elsaßes und eines Teiles des früheren deutschen Herzogtums Lothringen verlangt und erreicht. Lothringen war erst 1735 an Frankreich abgetreten worden. Hinsichtlich des Elsaßes wurde der Raub wieder gut gemacht, den Frankreich nach Erlangung des Sundgaues im Westfälischen Frieden 1648 unter Ludwig XIV. durch die berüchtigte Reunionskammern und die Wegnahme Straßburgs mitten im Frieden vorgenommen hatte. Nie vorher hatte eines dieser Länder zu Frankreich gehört. Der Elsaß war ein Teil des Herzogtums Schwaben gewesen. Die Rückgabe deutscher Lande war eine notwendige und selbstverständliche Wiedergutmachung vorherigen Unrechts.
Dem damals schon so reichen Frankreich wurde nicht eine jährliche Tributzahlung von Milliarden auf Generationen hinaus auferlegt, sondern nur die einmalige Bezahlung einer Summe von 4 Milliarden Mark. Dieser Betrag entspricht 2 durch
Gießener Zettung
hilfsstelle Flughafen, spätestens 17,35 Uhr beim Postamt 1, b) für die übrigen Sendungen spätestens 17,25 Uhr beim Post
amt 1.
* Fundsachen im Monat April 1930. Das Verzeichnis über die im Monat April 1930 gefundenen bezw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf- Philipps- Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb 2 Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen.
* Die alten deutschen Goldstücke haben wieder den vollen Wert wie in Vorkriegszeiten, worüber in Geschäftskreisen noch vielfach Unklarheit herrscht.
* Ein Möbelhändler als reisender Einbrecher. Die Täter, die in der Nacht vom 29. auf 30. 4. in dem Kolonialwarengeschäft Maternus einen Einbruch verübten und etwa 14 Mille Zigaretten und ca. 200,- Rmt. Bargeld entwendeten, wurden gestern( 8. 5. 1930) auf Veranlassung der hiesigen Kriminalpolizei in Köln festgenommen. Dank der Aufmerksamkeit eines jungen Mannes von hier, der in der Tatnacht in der Nähe des Tatortes einen unbeleuchteten Personenkraftwagen stehen sah, dessen Erkennungszeichen er sich merkte, konnte die Spur nach den Tätern aufgenommen werden. Nach der Festnahme leugneten die Einbrecher zunächst. Als sie sich aber durch eine Plüschdecke, die sie als Padmaterial für die Zigaretten mit entwendeten, überführt sahen, gaben sie den Einbruch zu. Die Zigaretten sind angeblich restlos abgesetzt. Den Einbruch zum Nachteil Richter stellen die Täter noch in Abrede. Es ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß sie auch diesen Einbruch begangen haben. Der Personenkraftwagen, der von Zeugen in dieser Tatnacht gesehen wurde, ist der Beschreibung nach derselbe, wie derjenige, den die Diebe beim Einbruch Maternus benutzten. Auch bei einem großen Zigarrendiebstahl in Marburg wurde ein Personenkraftwagen in der Nähe des Tatortes gesehen. Als Täter kommt der Möbelhändler Karl Rüger, geb. am 8. 5. 1896 zu Ober- Zella, in Köln wohnhaft, und ein Angestellter von ihm in Frage, die zusammen die nächtli= chen Diebesfahrten unternahmen.
*
Fahrraddiebstähle. Wegen Fahrraddiebstahls wurden 2 Brüder von hier festgenommen. Es sind ihnen bereits einwandfrei drei Fahrraddiebstähle nachgewiesen. Nach den bisherigen Ermittelungen ist anzunehmen, daß die beiden noch für weitere Diebstähle in Frage kommen.
* Einbruchsdiebstähle. In der Nacht zum 6. wurde in dem Bootshause„ Hellas" und in der Nacht zum 8. 5. 30 in dem Studentenheim im Burggraben je ein Einbruchsdiebstahl ausgeführt. Die Täter hatten es vorwiegend auf Lebensmittel abgesehen.
* Die Kaminfegerbezirke. In den Kehrbezirken der Stadt sind folgende Aenderungen eingetreten, als folgende Straßen bezw. Häuser zu dem Kehrbezirk des Schornsteinfegermeisters Keil, hier, Kaiserallee 11, zugeteilt worden sind: An der Johanneskirche Nr. 3, 4, 5 und 6, die Johanneskirche, das Stadttheater, die Johannesstraße, Café Ernst- Ludwig, die Diezstraße, Ostanlage Nr. 12, 14 und 16, die Marburgerstraße, Bückingstraße und der Wieseckerweg.
* Stadttheater. Morgen abend hält der bekannte Vortragskünstler Schlotthauer im Stadttheater einen einmaligen lustigen Vortragsabend ab.
* Dr. Alfred Bock im Rundfunk. Am Sonntag, den 25. Mai 1930, hält in der Stunde des Rhein- Mainischen Verbandes im Südwestdeutschen Rundfunk Frankfurt Dr. Alfred Bock, unser Heimatdichter, einen Vortrag aus eigenen Dichtungen.
* Erfolge eines Gießener Tänzerpaares. Auf dem internationalen Tanztournier in Mannhein um den großen Preis von Baden konnten Herr Ewald Bäulke und Frau den zweiten Platz belegen.
.*
Zeuge gesucht. Am 26. 4. 30, nachmittags 5% Uhr, wurde an der Kreuzung Ludwig- Bismardstraße ein älterer Mann von
schnittlichen Jahresraten unserer nach 12 Jahren noch bestehenden Versklavungstribute auf 60 Jahre, nachdem wir schon vorher rund 50 Milliarden geleistet hatten. Frankreich hat damals die Summe von 4 Milliarden in 2 Jahren abtragen können, ohne irgend welche Folgen davon zu verspüren. Die einzige Dauerbestimmung des Frankfurter Friedens war der Handelsvertrag mit gegenseitiger Meistbegünstigung, was für das damals im Verhältnis zu Deutschland industriereiche Frankreich günstig war.
Von Frankreich hat man keine sonstige bedrückende Bedingung, keine ehrperletzende oder das Nationalgefühl beleidigende Zumutung verlangt wie die angeblichen Kriegsverbrecher, die man gerichtlich aburteilen wollte. Der Franzosenkaiser befand sich in ehrenvoller deutscher Kriegsgefangenschaft, die nach dem Krieg ihr Ende nahm, auf einem ihm zum Aufenthalt zugewiesenen Schloß. Frankreich ist in diesem Friedensvertrag durchaus glimpflich behandelt worden, obwohl es Deutschland vorher 250 Jahre lang in immer wieder aufeinander folgenden Kriegen aufs schwerste heimgesucht hatte, wobei nur an die Zerstörung der Pfalz und Heidelbergs durch absichtlich angelegte Brände gedacht zu werden braucht.
Dabei war Frankreich im Krieg von 1870 der friegsschuldige Teil. Alle Franzosen waren Kriegsverbrecher. Alle hatten den Krieg gewollt. Für das Kriegsverbrechen Frankreichs wurde feine Strafe auferlegt. Frankreich hatte den Krieg leichtfertig vom Zaun gebrochen. Mit dem Moment der Schlacht bei Königgräß, welche die Franzosen Sadowa benennen, erscholl von 1866 ab in Frankreich immer und immer wieder der Ruf: ,, Rache für Sadowa". Die Franzosen wollten Rache dafür nehmen, daß Deutschland es gewagt hatte, zur teilweisen Einigung im Norddeutschen Bund und gleichzeitigen Schutz- und Truzbündnissen mit den süddeutschen Staaten zu schreiten. Die fortschreitende Einigung wollt es verhindern, und durch einen Krieg wieder zerstören, damit Deutschland nicht erstarke und französischen Eroberungsgelüsten nicht einen Damm entgegenseze. Die Fran zosen wollten das linke Rheinufer wegnehmen. Rache für Sadowa erscholl, weil sie im Jahre 1866 nach einer Besiegung Preußens durch die Desterreicher gehofft hatten, diese Eroberung mit leichter Mühe machen zu fönnen. Wie im französischen Parlament die Kriegserklärung beschlossen wurde, war nur eine fleine Opposition unter dem französischen Geschichtsschreiber Thiers dagegen, aber nicht, weil sie den Krieg nicht wollte, sondern weil sie den Kriegsgrund als schlecht gewählt ansah. Gerade diese Opposition hatte am stärksten nach dem Krieg verlangt, wollte aber eine günstigere Gelegenheit dazu gewählt haben, bei der sich Frankreich nicht so offensichtlich ins Unrecht setzte. Für Deutschland war es ein reiner Verteidigungskrieg. Der Kriegsgrund war bei den Haaren herbeigezogen. Ein Prinz von Hohenzollern- Sigmaringen war zum König von Spanien gewählt worden. Das sollte das Machtgefühl Frankreichs beleidigen. Der hohenzollernsche Prinz hatte auf die spanische
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einem Radfahrer angefahren, sodaß er zu Fall kam und sich Verletzungen zuzog. Der Radfahrer fuhr unerkannt davon, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Passanten, die den Vorfall beobachtet und Angaben zur Feststellung des Schuldigen machen können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalabteilung, Zimmer 64, mitzuteilen.
* Wer ist Eigentümer. Bei der Kriminalpolizei ist ein Boschdynamo eines Fahrrades sicher gestellt. Der Gabelhalter ist repariert. Wer Eigentumsrechte geltend machen kann, wird gebeten, bei der Kriminalabteilung, Zimmer 24, vorzusprechen. * Jubiläum. 25 Jahre im Dienste des hiesigen städtischen Gas- und Wasserwerks ist dieser Tage der Installateur Neuweiler von hier gewesen.
* Reichsbahnjubilar. Der Lokomotivführer P. Liebau vollendete am letzten Mittwoch sein 40. Dienstjahr bei der Reichs= bahn. Der Reichspräsident, der Reichsbahngeneraldirektor und viele andere Dienststellen, Verbände und Kollegen gratulierten.
* Abschwimmen. Der Gießener Schwimmverein hält heute abend im Volksbad sein diesjähriges Abschwimmen ab.
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Schupo und Schwein. Gestern abend gegen 10 Uhr fuhr ein mit Schweinen beladenes Lastauto durch die Südanlage. Was passiert. Eins von diesen Borstentieren hatte gemerkt, daß die hintere Verschlußwand nicht dicht" war, es ,, bricht aus", ohne daß der Autofahrer es bemerkte und markiert mit munterem Grunzen einen nachtstörenden Spaziergänger auf der Südanlage. Das war Grund, daß die Polizei einschreiten mußte. Und so kam es, daß man gestern abend wohl das noch nicht dagewesene Schauspiel erlebte, daß ein Schupobeamter ein wirkliches Schwein zur Polizeiwache„, abführen" mußte. Natürlich war hierbei ein zahlreiches Publikum mit allerlei spaßhaften Bemerkungen getreuer Begleiter.
Eltern, laßt Eure Kinder wandern!
Wenn sich mit jedem neuen Frühjahr die alte Mutter Erde zu neuem Leben rüstet, und wir Großen in uns jenen Trieb spüren, daß wir am liebsten alles hinter uns ließen und das Ränzlein schnürten zu froher Fahrt in Gottes schöne Welt, steht wohl auch in so manchem Kinderauge der heiße Wunsch, auch heute mit den Kameraden hinausziehen zu dürfen. Ja, viele sind es schon, die sich da am Sonnabend und in den Ferien immer zu froher Fahrt rüsten können. Doch noch mehr sind es gewiß, die von allzu ängstlicher elterlicher Liebe behütet, nie zu solchen Freuden kommen werden.
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Eltern, laßt Eure Kinder wandern! Es sind allerorten erfahrene Führer zu treffen, die sich der Aufgabe und Verantwortung gegenüber der ihnen anvertrauten Jugend voll bewußt sind. Die Jungens und Mädels sind dort gewiß oftmals resser aufgehoben, als wenn sie so manche Stunde an schönen Sonntagen sich selbst oder fremden Leuten überlassen sind. Sie lernen sich einfügen in das Gemeinschaftsleben der Gruppe, fernen Freud und Leid der Kameraden teilen und werden einer schlichten, anspruchslosen Lebensweise zugeführt. Ihr Körper wird gestählt in Luft und Sonne, und begeistert werden sie immer wieder heimkommen und es Euch in der Woche mit doppeltem Fleiß und Liebe danken.
Darum laßt sie hinaus aus dem Dunstkreis der Menschenmassen und Großstädte, die den Menschen unfrei machen und die Seele töten. Laßt sie wandern durch die ewig schöne Gottesnatur, über Berg und Tal unseres schönen deutschen Landes, vom taufrischen Morgen in den glutbegossenen Abend hinein. Laßt Seele und Körper trinken von dem Ueberfluß der Sonnenstrahlen. Laßt Eure Kinder Höhenmenschen werden.
,, Von allen Freuden dieser Welt, Die uns ein Gott gegeben,
Das Wandern uns das Herz erhält! Ja„ Wandern" das heißt ,, leben"! Ruth Teschner.
Königskrone verzichtet, damit ein Kriegsgrund daraus nicht entstehen könne. Der Fall war also beseitigt. Trotzdem hatte man nachträglich doch einen Kriegsgrund daraus gemacht, weil der nachmalige Kaiser Wilhelm I. sich zu einer demütigenden Erklärung nicht herabließ. Es trat offensichtlich hervor, daß man unter allen Umständen einen Krieg haben und über Deutschland herfallen wollte.
Wie hätte umgekehrt Frankreich gegenüber Deutschland gehandelt, wenn es ganz Deutschland erobert, wenn es alleiniger und vollständiger Sieger gewesen wäre, wenn alle festen Plätze und die Hauptstadt in seinen Besiz gelangt, wenn kein Heer mehr vorhanden gewesen, wenn alle Armeen in Kriegsgefangenschaft geraten wären, oder wie die letzte unter Bourbaki in neutrales Land hätte übertreten müssen. Wie hätte Frankreich bei vollständiger Besetzung Deutschlands das deutsche Volk bis aufs äußerste ausgesogen. Ein Beispiel davon hat Preußen erfahren müssen, das von 1806-1813 von Frankreich unter Napoleon I. völlig ausgeraubt wurde. Wie hätte Frankreich die wirkliche und unbestrittene Kriegsschuld gegen uns ausgebeutet. Wie hätte Frankreich, wenn es alleiniger Sieger gewesen wäre, uns dauernd unterworfen gehalten, wie hätte es daraus sofort eine Ueberherrschaft über Europa daraus gemacht und uns wie unter Napoleon I. noch gezwungen, diese Herrschaft durch unsere Mithilfe zu stützen.
Troy des außergewöhnlich milden Friedensvertrages erscholl aber das Rachegeschrei in Frankreich darnach nur noch in verstärktem Maße. Immer wieder suchten sich die Franzosen gegen die maßvollen Bedingungen aufzulehnen. Mit großen Mitteln betrieben sie in Elsaß- Lothringen eine heimliche Propaganda gegen Deutschland. Im Friedensvertrag war feinerlei Beschränkung der Souveränität Frankreichs erfolgt. Es stand darnach in voller Gleichberechtigung Deutschland gegenüber und hat von derselben ausreichend Gebrauch gemacht. Keine RüUmgekehrt stungsbeschränkung wurde Frankreich auferlegt. Ueber 40 fonnte es sofort mit seinen Rüstungen beginnen. Jahre hat es sie in stärkstem Maße unter Duldung von seiten Deutschlands fortsetzen können. Es hat die allgemeine Wehrpfliat eingeführt und sie völlig bis zum legten Mann ausgeschöpft, indem es sogar die in der fämpfenden Truppe nicht Verwendungsfähigen zum Hilfsdienst heranzog. Seine Rüstun gen hat es derartig betrieben, daß es dafür die damals größte Staatsschuld von über 30 Milliarden Mark anwachsen ließ.
Die Erinnerung an das gemäßigte und milde Verfahren und Verhalten Deutschlands muß gerade jetzt wieder in uns wachgerufen werden, wo uns neue Bedrüdungen auf endlose Zeiten auferlegt wurden, wo die nach 12 Jahren Besayung zu räumenden Lande einer ewigen feindlichen Kontrolle noch unterworfen bleiben sollen. Immer haben wir uns Frankreich gegenüber in der Abwehr befunden und die Notwendigkeit der Wehr gegen französische Uebergriffe wird immer weiter bestehen bleiben.


