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Mittwoch, den 9. Juli 1930.

seine Abschiedsvorstellung. Beim Stande von 4: 3( 3: 1) für Graz wurde das Spiel kurz vor Schluß abgebrochen, da Hiden auf Grund einer Meinungsverschiedenheit über eine Entscheidung des Schiedsrichters kurzerhand den Ball ergriff und mit seiner Mannschaft unter Protest den Plaz verließ. Die Zuschauer be= gannen über das unsportliche Verhalten der Gäste zu lärmen, so daß schließlich das Ueberfallkommando den Platz räumen mußte.

Boezelen im Endlauf geschlagen.

Die Hoffnungen auf einen deutschen Sieg bei der Henley­Regatta auf der Themse haben sich nicht erfüllt, denn Boezelen, der seine drei Vorrennen überlegen gewonnen hatte, wurde im Entscheidungslauf von dem Kanadier J. S. Guest- Toronto ge­schlagen.

Großer Preis von Kurhessen.

Der in dieser Saison mehr und mehr nach vorn gekommene westdeutsche Straßenfahrer Neckar aus Westig reihte seinen Er­folgen jetzt einen neuen an. Er gewann den über 150 Km. führenden Großen Preis von Kurhessen mit Start und Ziel in Rassel in 3:48:00 nach prächtigem Endspurt gegen den Magde­burger Bauer und die Frankfurter Löber, Hobein, Rogh und Göttmann.

Goldenes Rad vom Rhein.

Das auf der Radrennbahn in Bonn in drei Läufen über 20, 30 und 50 Kilometer ausgetragene Dauerrennen um das Goldene Rad vom Rhein sah im Gesamtklassement Thollem­beef als Sieger vor Krewer, der zwar den 50- Km.- Lauf gewann, in den beiden anderen von Thollembeek gewonnenen Läufen aber Defekt hatte. Ergebnis:

Goldenes Rad vom Rhein, 1. Lauf, 20 Km.: 1. Thollembeek 17:08; 2. Dederichs 300 m; 3. Christmann 650 m. 2. Lauf, 30 Km. 1. Thollembeek 25: 10,2; 2. Dederichs 810 m; 3. Krewer 900 m. 3. Lauf, 50 Km.: 1. Krewer 42:20; 2. Thollembeek 3. Dederichs 1480 m. Gesamt: 1. Thollembeek m.; 2. Krewer 97,780 Km.; 3. Dederichs 97,410 Km.;

780 m; 99,220

Schmeling erhält Ruhe verordnet.

Vorläufig kein Kampf mit Sharkey.

Schon die letzten Meldungen aus Newyork ließen es zweifel­haft erscheinen, daß der Revanchefampf Schmeling- Sharfen noch in diesem Herbst zustandekommen würde. Diese Annahme fand jetzt ihre Bestätigung. Bald nach seiner Ankunft in Ber­lin ließ sich Schmeling vom Vertrauensarzt des Verbandes Deutscher Faustkämpfer, Professor Dr. Bäzner, untersuchen, und dieser stellte den Riß einer Ader als Folge des Sharkeyschen Tiefschlages fest. Laut Attest, das dem VDF. zugestellt werden wird, sind Schmeling 2 bis 3 Monate Ruhe verordnet worden, und so ist auf keinen Fall daran zu denken, daß die Revanche, wie geplant, am 25. September zustandekommt.

Wahrscheinlich wird Schmeling seinen Weltmeistertitel erst im Januar oder im Februar in Miami verteidigen.

Der Schwimm- Länderkampf Deutschland gegen Frankreich tam gestern in Zeit zur Durchführung. Zum ersten Male ge­lang es den Deutschen, ihren Gegner in beiden Wettbewerben zu schlagen und so einen seinen Ländersieg herauszuholen.

,, Gießener Zeitung"

Leistungsfähige Sportjugend.

Wunderkinder sind auch im Sport selten. Immerhin hat England den siebzehnjährigen Wunderboyer Nipper Pat Daly, in Norwegen darf man Sonja Henie und bei uns Helene Mayer zu den Ausnahmerscheinungen rechnen; aus Amerika werden häufig sensationelle Leistungen neuer Talente gemeldet. Ein breiter Ansturm der Sportjugend hat in allen Nationen eingesetzt, und das ist gut so.

Nicht zufällig finden wir in den Kurzstrecken überraschend viele Vertreter der jüngeren Generation. Später mag sich wohl die Kraft stärker entwickelt haben, aber niemals ist die Konzentrationsfähigkeit so unbedingt vorhanden. Hier gilt es ja nicht lange Ueberlegungen, sondern es heißt, sich unbeschwert in den Kampf zu stürzen und alles aus dem Körper heraus­zuholen, was in ihm steckt. So wurde der Kanadier Williams Olympischer Doppelmeister im 100 und 200- m- Lauf; auch der amerikanische Sprintermeister Tolan, den man als zur Zeit schnellsten Läufer der Welt ansieht, zählt erst 20 Lenze. Ebenso alt sind die deutschen Refordhalter im 100- m- Lauf, Gelius, Mün­chen, und der Ueberraschungssieger in der Breslauer Meister­schaft 1929, Geerling- Chemnitz. Dem gleichen Jahrgang ge= hört der bekannte Sprinter Jonath- Hannover an, während un­ser wohl bester Kurzstreckler Eldracher- Frankfurt 1907 geboren ist. Sie haben heute die alte Sprintergarde, von denen Houben ( 1898), Metzger( 1902), Schlößke, Wege( 1904), Borchmeyer, Corts, Körnig, Lammers, Salz( 1905) genannt seien, klar über­flügelt.

Auch im Schwimmsport schoben sich zahlreiche junge Kräfte an die Spitze. Bald- Göppingen, jüngst Ueberraschungssieger in der deutschen 200- m- Freistilmeisterschaft, ist mit 18 Jahren sicher­lich der jüngste deutsche Meister. Sein späterer Bezwinger, Schrader- Hildesheim, hat das 20. Lebensjahr noch nicht vollen­det, ebenso die Olympiasiegerin im Brustschwimmen, Hilde Schrader- Magdeburg, und ihre Rivalin, die deutsche Meisterin Lotte Mühe- Hildesheim. Reni Erkens- Oberhausen, die 1926 erstmalig deutsche Meisterin im Freistil wurde und sämtliche deutschen Rekorde von 100 bis 400 m hält, sowie die Turm­springmeisterin Borges- Düsseldorf sind knapp über diese Grenze hinaus.

Langstrecken erfordern viel Routine und eine Ausdauer, deren erst der vollentwickelte Körper gewachsen ist; so erscheint die Liste hier spärlicher besetzt. Immerhin lief Kohn- Charlot­tenburg 1927 schon als Zwanzigjähriger mit 15: 03,2 einen deut­schen Rekord über 5000 m, der erst bei den letzten Meister­schaften um wenige Sekunden verbessert wurde. Der deutsche 10 000- m- Meister 1929, Kraft- Baußen, ist 21 Jahre alt, und beim Marathonlauf der Deutschen Turnerschaft lief gar der 19jährige Sehr- Dülken als Zweiter ein. Vor Ueberanstrengung ist hier freilich zu warnen, und es zählt weiter zu den Seltenheiten, wenn jemand in der schwierigen Uebung des Zehnkampfes so ausgezeichnete Leistungen wie der mitteldeutsche Meister Sie­vert- Halle mit 19 Jahren vollbringt.

In den Mannschaftssports ist ein Zug nach Verjüngung nicht zu verkennen; selbst bei den kleinsten Fußballvereinen macht sich das bemerkbar. Der Einsatz jugendlicher Spieler ist wohl geeignet, einen frischen Geist in die Mannschaft zu Harder

Aus der Geschichte des dtsch. Fußballmeisters. bringen. Obschon sich große Talente lange behaupten

Der Berliner Fußball- Club Hertha wurde 1892 gegründet und trat zwei Jahre später dem Berliner Fußball- Verband" bei. Schon im Jahre 1894 nahm Hertha an den Meisterschaftsspielen der ersten Berliner Klasse teil und ein Jahr später besetzte sie hinter Viktoria 89 den zweiten Tabellenplatz. 1906 errang Hertha die Berliner Meisterschaft, wurde aber in den Spielen um die deutsche Meisterschaft in der Vorschlußrunde vom VfB. Leipzig knapp mit 3: 2 aus dem Rennen geworfen. In dieser Glanzzeit waren der internationale Verteidiger Hirth, Zarges, die Gebrüder Hase und Voigt die Stützen der Mannschaft. Die Berliner Kriegsmeisterschaft gewann Hertha in den Jahren 1915, 1916 und 1918. In den Nachkriegsjahren spielte Hertha 92 zunächst eine bescheidene Rolle im Berliner Fußball. Der imposante Ausschwung setzte mit der im Jahre 1925 erfolgten Vereinigung mit dem Berliner Sport- Club ein. Sechsmal, in ununterbrochener Reihenfolge, erkämpfte sich von nun an den Berliner Meistertitel und setzte dieser Erfolgserie durch den ersten Sieg in der deutschen Meisterschaft am Sonntag in Düsseldorf die Krone auf.

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ist heute 37 Jahre alt!- ward der Weg für junge Spieler nie so leicht gemacht wie jetzt; der repräsentative westdeutsche Hüter Buchloh- Speldorf ist ein Oberprimaner! Wenig bekannt sein dürfte, daß der ausgezeichnete Mittelläufer der deutschen Län­derelf, Leinberger- Fürth, ferner Hornauer und Schmidt vom 1. FC. Nürnberg zum Jahrgang 1908 zählen, dem auch Gunst­Hannover als jüngstes Mitglied unserer Weltmeistermannschaft im Wasserball angehört. Das Fußballgenie Hofmann- Dresden ist zwei Jahre früher in Meerane geboren.

Daß die Weltmeisterin im Florettfechten, Hele te Mayer­Offenbach, ihren 19. Geburtstag gerade vollendet hat, darf wohl als bekannt vorausgesetzt werden. Auffällig ist aber, in welchem Maße sich der Nachwuchs bei den Boxern durchsetzt. Unsere guten Leute haben natürlich schon frühzeitig gekämpft, doch ist es eine ganz ausgezeichnete Leistung, wenn Dübbers- Köln mit 17 Jahren deutscher Bantammeister und zwei Jahre später Europameister im Federgewicht wurde. 19 Jahre war Dalchow­Berlin, der ebenfalls dem Jahrgang 1908 entstammt, als er die deutsche und europäische Meisterschaft im Bantam errang, wäh­

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Nr. 54.

rend es sein Landsmann Pistulka in Amsterdam als 23jähriger zur Europameisterschaft im Schwergewicht brachte. Alle diese Kämpfer sind heute mit anderen Namen von Klang, wie Mül­ler- Köln, Schulze- Magdeburg, in das Berufslager abgewandert, wo sie eine gute Rolle spielen. Max Schmeling, der den deut­schen Boxsport in Amerika zu ungeahnten Erfolgen führte, ist mit 25 Jahren hier ebenfalls zu erwähnen, wie denn Bogen überhaupt ein ein Sport der Jugend ist, da später das Herz zumeist fehlt. Hinzuzufügen ist, daß der deutsche Schwergewichts­meister der Amateure für 1929, Neusel- Bochum, 19 Jahre zählt..

Namen kommen und vergehen am Sporthimmel. Außer wenigen großen Talenten haben alle hart an sich arbeiten müs= sen, ehe ihnen der Aufstieg gelang. Erst, wer sich im Verein mit einer natürlichen Begabung einem entsagungsvollen Trai­ning auf die Dauer hingibt, wird seinen Namen in den An­nalen der Sportgeschichte eintragen können.

Sportglossen.

Von Dr. med. Worringen.

Mancher Kulturmensch verlangt von seinem Körper, daß er sich aus geruhigem Leben heraus plötzlich gesteigerten An­strengungen ohne weiteres anpaßt und wundert sich nachher über Schäden, die durch den Sport an seinem Körper enistanden find.

Wir Kulturmenschen bedürfen zu jeder Art von Sport einer planmäßigen Vorbereitung, einer systematische gesteigerten Ge­wöhnung, damit alle Organe sich in ihrer Kraft der geforder= ten Maximalleistung entsprechend umgestalten können. Wird die sportliche Vorbereitung gut geleitet unter Be­rücksichtigung der Ergebnisse moderner Sportmedizin, werden nur als gesund festgestellte und vollerwachsene Personen zuge= lassen, so ist eine Schädigung durch den Sport so gut wie aus­geschlossen.

Wenn einem gesunden Jugendlichen die volle Krafthergabe schädlich sein sollte, so wäre es traurig um die Zukunft unserer menschlichen Rasse bestellt. Es muß für jeden Menschen die edelste Aufgabe sein, die ihm von der Natur verliehenen förper­lichen Eigenschaften bis zu ihrer höchsten Vollkommenheit aus­zubilden.-

Wenn wir Aerzte Höchstleistungen fordern, so denken wir vor allem an das Höchstmaß, das die Natur dem einzelnen be= stimmt hat. Gerade wir Aerzte wissen, daß es nur wenigen möglich ist, außergewöhnliche Leistungen zu erzielen und daß nur eine dünne Scheidewand die Höchstleistung von einem letz­ten Sichausgeben trennt.

Durch die Erregung des sympathischen Nervensystems wer­den auch noch andere Stoffe ins Blut geliefert, und es ist mög= lich, daß diese Stoffe in entsprechender Weise auch seelische Eigen schaften( Mut, Willen und Tatkraft) zu Höchstleistungen stei­gern können.

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