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Mittwoch, den 9. Juli 1930.

,, Gießener Zeitung"

Turnen. Sport und Spiel. Freies Sportland.

Nun das Rheinland wieder frei ist, der letzte französische Poilu seinen Weg nach dorthin genommen hat, von wo er un­gebeten vor zwölf Jahren kam, landauf, landab die Glocken mit erzener Stimme die frohe Botschaft vom freien Strom verkünden, ist es eine Ehrenpflicht, des deutschen Sports, seinen rheinischen Schwestern und Brüdern ehrfurchtsvollen Gruß und aufrichtig­sten Dank zu entbieten.

Denn sie, die Sportler des besetzten Gebiets, sind es mit in allererster Linie gewesen, die die Leiden und Bedrückungen der Fremdherrschaft zu spüren bekamen. Galten sie doch als die Keimzellen und Mittelpunkte des aktiven und passiven Wider­standes, sah Eroberungsfurchtsamkeit gerade in ihnen die Kraft­zentren der Abwehr.

Mit der Verordnung der Rheinlandkommission vom 16. De­zember 1920 fing es an. Dieser alliierte Ukas sprach zwar ledig­lich von ,, militärischen Dingen", von der Unterweisung im, Waf­fenhandwerk", vom Gebrauch von Kriegswaffen", war aber in seiner Kautschukfassung auf alles und jedes anwendbar, zumal man ihm noch schnell einen Zusatz gegeben hatte, wonach alle Vereine aufgelöst werden konnten ,,, deren Zwecke und Tätigkeit die Sicherheit der Besatzungsarmeen zu berühren scheine". Und es schien" sehr häufig den maßgeblichen Instanzen, daß elf fußballspielende Deutsche die Sicherheit der Besatzungsarmeen" gefährdeten....

Schon allein der Name eines Sportvereins war genügend Anlaß, die Sicherheit eines vieltausendfachen waffenstarrenden Heerlagers ,, berührt" erscheinen zu lassen. So mußte sich der be­fannte Sport- Club Germania- Ludwigshafen auf höhe= ren Befehl in S. C. Ludwigshafen umtaufen, denn die Ger­mania" in seinem Namen erschien ausreichend verdächtig, eines Tages die gesamte Besatzungsarmee mit Mann und Wagen in den Rhein zu werfen..

Bei Nacht und Nebel, mit falschen Pässen und auf Schleich­pfaden, haben sie, unsere rheinischen und unsere noch auf ihre Befreiung wartenden saarländischen Sportbrüder, untereinander den sportlichen Verkehr aufrecht erhalten.

Sie haben sie nicht tot gekriegt, die Sportler des besetzten Gebiets. Nicht mit Ausweisungen und nicht mit Massenauf­lösungen ihrer Vereine. Mit dem Fuß im Gefängnis haben sie ihr Deutschtum hoch und in Ehren gehalten, nicht im Hinterland an geruhsamer Bierbant, sondern in vorderster Front, die eine

Leichtathletik.

Gießener Leichtathleten in Offenbach.

Der Ballspielklub 1899 e. V. in Offenbach weihte am Sonntag eine neue Kampfbahn ein und hatte zu diesem Tage große nationale leichtathletische Wettkämpfe angesetzt, die auch von den Gießener Vereinen besucht wurden. Die Leistungen, besonders der Jugend der VfB. Gießen, sind sehr anerkennens­wert, die Aktiven der SpVgg. 1900 Gießen allerdings konnten sich nicht durchsetzen, nicht etwa, weil die Konkurrenz unüber­windlich war, sondern, die Blau- Weißen waren und famen nie recht in Schwung, mußten dazu noch in einzelnen Konkurrenzen in neuer und geschwächter Aufstellung antreten. Bedauerlich ist, daß Bepperling1900 durch eine böse Fußperlegung wohl für einige Wochen ganz aus dem Rennen geworfen wurde. Ent­täuschen müssen auch die schlechten Leistungen Schäfers- 1900, des Bezirksmeisters im Kugelstoßen, der in Offenbach ganze 11,67 m zustandebrachte und den Diskus nur 33,67 m weit warf. In der Leistungsklasse 2 fonnte Geist mit 24 Sef. den 4. Platz im 200- m- Lauf belegen. Die Ergebnisse:

Jugendklasse A. Kugelstoßen: 1. Frizz( SpV. Wiesbaden) 13,74 Kleinschmidt( Schwimmklub Wiesbaden) 12,54 m; 3. Luh( VfB. Gießen) 12,36 m. Jugendklasse B. 100- m- Lauf: 1. v. Karben( FSV. Frankfurt) 12 Set.; 2. Schäfer( VfB. Gießen) 12,2 Sef.; 3. Stroh( VfB. Gießen) 12,6 Sef. 800- m- Lauf: 1. Holbein( FSV. Frank­furt) 2: 16,8 Min.; 2. Schäfer( VfB. Gießen) 2:17 Min.; 3. Kelber( DJK. Frankfurt) 2: 20,3 Min. Jugendklasse C. Weitsprung: 1. Liebold( Eintracht Frankfurt) 5,10 m; 2. Strobel( Viktoria Rumpenheim) 4,93 m; 3. Happ

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doppelte war: gebildet aus den Besatzungstruppen und den von ihnen verhätschelten Sonderbündlern.

Wenn die Separatistenherrlichkeit ein vorzeitiges Ende nahm, die Schützlinge der welschen Besatzung unschädlich gemacht wurden, ehe sie noch größeres Unheil anrichten konnten, haben gerade die Turner und Sportler ihr unvergängliches Verdienst daran.

Keine deutsche Fußballmeisterschaft könnte z. B. den F. K. Pirmasens mehr ehren, als jenes ihm nach dem blutigen 12. Fe­bruar 1924, der mit dem Separatistenspuk gründlich und end­gültig aufräumte, zugestellte Auflösungsdekret:

,, 1. Es ist nicht richtig, daß nur einzelne isolierte Mit­glieder des FK. Pirmasens sich an politischen Demonstratio­nen beteiligt haben, sondern eine größere Anzahl von Mit­gliedern war daran beteiligt.

2. Vorstandsmitglieder haben versucht und zum Teil mit Erfolg versucht, aus einem Fußballclub eine politische Zen­trale zu gestalten und die Mitglieder zu politischen Aktionen zu verleiten.

Aus diesen Gründen kann dem Ersuchen nicht stattgege­ben werden, denn die französischen Behörden können nicht dulden, daß innerhalb ihrer Kompetenzen Vereine existieren, die andere Ziele verfolgen, als sie in ihren Statuten festge­legt sind. Der FK. Pirmasens wird daher solange gesperrt bleiben, bis die geplante allgemeine, in nächster Zeit er­wartete französische Amnestie erfolgt".

Wahrlich, sie haben ihre Pflicht getan, die rheinischen Sport­ler. Wenn sie auch nie darüber geredet haben. Und vor allem haben sie dieses getan: sie haben ein Beispiel gegeben. Das Beispiel nämlich, daß man sehr wohl ein guter Europäer und dabei doch ein guter Deutscher sein kann.

Wenn gelegentlich gegen Sport eingewandt wird, er sei ,, international", stimmt es. Es stimmt in dem gleichen Maße, wie die Grippe, die Wirtschaft, das Verkehrswesen usw. ebenfalls international sind. Aber daß Sport nicht ,, international" iſt im Sinn jener Hoffnungsvollen, die glauben, Existenzkämpfe der Völker durch papierene Resolutionen unmöglich zu machen, ist nie aufopferungsfreudiger bewiesen, als von den Sportlern des ehemals und noch besetzten Gebietes, denen wir uns heute mit Freude und Dankbarkeit zuneigen.

( VFB. Gießen) 4,31 m. Gemischte Staffel( 2 mal 200 m Jugend A, 2 mal 100 m Jugend B. und 2 mal 50 m Ju­gend C): 1. SpG. Eintracht Frankfurt 1:29 Min.; 2. VfB. Gießen 1: 31,4 Min.; 3. BSC. 99 Offenbach 1:32 Min. Attive. Leistungstlasse 1. 800- m- Lauf: 1. Leunig I( Eintracht Frankfurt) 2: 03,6 Min.; 2. Bepperling( 1900 Gießen) 2: 04,3 Min.; 3. Schilling( 05 Mainz) 2: 04,4 Min. 3000- m- Lauf: 1.Habich( SpV. 98 Darmstadt) 9: 27,7 Min.; 2. Wöll( Vgig. 03 Fechenheim) 9:35 Min.; 3. Heberling( Weklarer SpV.) 9:48 Min. Kugelstoßen: 1. Gies( BSC. 99 Offenbach) 11,97; 2. Schäfer( 1900 Gießen) 11,67; 3. Enders( Eintracht Ffm.) 11,43 m. Distuswerfen: 1. Enders( Eintracht Ffm.) 34,70; 2. Schäfer( 1900 Gießen) 33,67; 3. Edhardt( VFR. Offen­bach 32,65 m. Leistungsklasse 2. 200- m- Lauf: 1. Kurz( BSC. Offenbach) 22,6; 2. Küsters( Preußen Krefeld) 23,4; 3. Schneider( BSC. 99 Offenbach 23,9; 4. Geist( 1900 Gießen) 24 Set. 4 mal 100- m- Staffel: 1. Fußballsportverein Ffm. 46,3 Set.; 2. SpC. Frankfurt 1880 46,6 Set.; 3. 1900 Gießen 47,1 Set. Süddeutschland Tschechoslowakei.

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Der in Ulm zum zweiten Male ausgetragene Leichtathle tit- Länderkampf zwischen den Vertretern Süddeutschlands und der Tschechoslowakei wurde auch diesmal von der Tschechoslowakei gewonnen, die mit 63:59 Punkten die Oberhand behielt. Aller­dings wäre das Ergebnis anders ausgefallen, wenn nicht der Frankfurter Welscher, der im Hürdenlauf als erster eintam, ohne ersichtlichen Grund distanziert worden wäre. Ergebnisse: 100 m: 1. Eldracher( Südd.) 10,8. 200 m: 1. Eldracher( Südd.) 22,4; 2. Megner( Südd.) 22,5. 400 m: 1. Single( Güdd.) 49,4; 2. Bartl( Tschech.) 50,3( tschech. Rekord). 800 m: 1. Dvorski

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Nr. 54.

( Tschech.) 1: 58,9; 2. Paul( Südd.) 1: 59,6. 1500 m: 1. J. Strniste ( Tschech.) 4: 05,3; 2. Drozda( Tschech.) 4: 05,5. 110 m Hürden: 1. Jandera( Tschech.) 15,3; 2. Schönig( Südd.) 15,9. 4 mal 100 m: 1. Süddeutschland 42,7. Hochsprung: 1. Böwing( Südd.) 1,80 m; 2. Stanislav( Tschech.) 1,80 m; 3. Kühmund( Tschech.) 1,80 m. Weitsprung: 1. Hofmann( Tschech.) 6,90 m; 2. Sched ( Südd.) 6,81 m; 3. Vosolsobe( Tschech.) 6,58 m; 4. Bäumle ( Südd.) 6,58 m. Stabhochsprung: 1. Koreis( Tschech.) 3,70 m; 2. Reeg( Südd.). Kugel: 1. Uebler( Südd.) 14,60 m; 2. Schnei der( Südd.) 14,39 m; 3. Douda( Tschech.) 14,28 m. Diskus: 1. Vanrucek( Tschech.) 42,10 m; 2. Schauffele( Südd.) 40,59 m. Speerwerfen: 1. Koberstein( Südd.) 58,20 m; 2. Abel I( Südd.) 54,20 m.

Ungarn besiegt Finnland.

Der in Budapest durchgeführte Leichtathletikländerkampf zwischen Ungarn und Finnland, den die Nordländer ohne Nurmi bestritten, engab den Sieg der Ungarn mit 85:76 Punkten. Es gab verschiedentlich ausgezeichnete Leistungen. So gewann der Finne Purje den Lauf über 1500 m in 3: 57,6, Järvinen das Speerwerfen mit 68,25 Meter.

Länderkampf Italien- Schweiz.

Der geplante Leichtathletik- Länderkampf Jtalien- Schweiz ist nunmehr gesichert und wird am 20. Juli in Basel ausge­tragen.

Sportliches Allerlei.

Rotweiß Frankfurt Reichswehr Gießen 5: 2( 3: 0). Die Gießener Reichswehr gastierte mit ihrer Handballmann­schaft am Sonntag bei Rotweiß Frankfurt und wurde dort nach schönem und fairem Spiele verdient geschlagen. Ausgezeichnet war bei den Gastgebern der linke Flügel, der noch sehr viel für die Zukunft verspricht. Von dieser Seite aus fielen auch alle fünf Treffer. Bei der Pause stand es bereits 3: 0. Nach dem Wechsel hatten die Soldaten eine gute Viertelstunde, in der sie auch zwei Tore aufholten. Frankfurt gewann aber dann seine Ueberlegenheit zurück und stellte durch zwei weitere Treffer das Endergebnis feſt.

Hassia und Hellas" Gießen.

auf der Regatta des Südd. Ruderverbandes.

In Offenbach fand am Samstag und Sonntag die Jubi­läumsregatta des SRV. statt. Die sportlichen Leistungen der Gießener Mannschaften waren recht gut. Die Hellas"-Leute konnten in drei Rennen nach heißen Kämpfen siegreich ab­schneiden und zwar im Leichtgewichts- Schüler- Vierer( 1000 m); im Junior- Einer( A. Schöndorf) und im Senior- Einer( A. Schöndorf). Im Schüler- Vierer wurde die ,, Hellas"-Mannschaft nur drittes Boot. Die Hassia"-Mannschaft im Ermunterungs­Vierer mußte den Offenbacher Germanen den Sieg überlassen. Fußballtampf Schweden Norwegen.

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Im Stockholmer Stadion fand in Anwesenheit von 19 000 Zuschauern bei 30 Grad im Schatten der Fußball- Länder­tamps statt, den die Einheimischen nach ständiger leichter Ueber­legenheit mit 6: 3( 4: 2) zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Die beiderseitigen B- Mannschaften trafen in Sarbsborg( Nor­wegen) zusammen. Auch hier blieb Schweden mit 6: 3( 3: 1) siegreich.

440 000 Mart für drei Stürmer.

Die wieder in die erste Liga aufgestiegene, populäre Lon­doner Mannschaft von Chelsea macht gewaltige Anstrengungen, um sich den wiedergewonnenen Plaz an der Sonne zu sichern.

Nicht genug damit, daß sie sich den berühmten schottischen Mittelstürmer Hugh Gallacher für 10 000 Pfund Sterling faufte, übernahm sie nunmehr auch noch die beiden schottischen Innen­stürmer Wilson und Cheynes zu je 6000 Pfund Sterling, so daß diese drei Spieler des Innensturmes dem Klub insgesamt 440 000 Mart fosten. Chelsea besitzt damit das Innentrio der schottischen Nationalmannschaft.

Ueberfallkommando auf dem Fußballplay.

In einem Freundschaftsspiel in Graz zwischen dem Wiener Athletik- Club und dem Grazer Athletik- Club gab der Wiener Torhüter Hiden, der bekanntlich nach England verpflichtet wurde

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