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Samstag, den 5. April 1930.

Kinderzahl und Lebenshaltung.

Welchen Einfluß hat die Kinderzahl auf die Ausgaben­gestaltung eines Arbeiterhaushaltes? Ueber diese Frage ver­öffentlicht die ,, Wirtschaft und Statistit" interessante Feststel­lungen. Diese beziehen sich auf 218 fast durchweg in Groß­städten befindliche Arbeiterhaushaltungen mit einem Jahres­einkommen von 3000 bis 3600 Rmt. Unter diesen haben die meisten Haushaltung( 778) zwei Kinder, dann folgen 59 Haus­haltungen mit einem Kind. Nach den Haushaltungen mit 3 Kindern( 35) halten sich solche mit vier bis sechs Kindern und ohne Kinder( je 23) die Waage. Unter den kinderlosen Haushaltungen steht Süddeutschland an der Spitze, die meisten Kinder( 3 bis 6) haben die Haushaltungen in Westdeutschland. In kinderlosen Haushaltungen werden für Nahrungsmittel jährlich 1051 Rmt. und für sonstige Lebensbedürfnisse 1975 Rmt. ausgegeben, oder umgerechnet auf eine Vollperson: 634 bezw. Haushaltungen von vier bis fünf Kindern da­

1037 Rmt. In die Nahrungsmittel 1561 oder 354 Rmk

gegen entfallen

für die Einzelperson, auf sonstige Lebensbedürfnisse 1569 oder 470 Rmk. auf die Vollperson umgerechnet. D. h.: mit der Fa­miliengröße erhöhen sich die Kosten für Ernährung, während diejenige für die sonstigen Lebensbedürfnisse zurückgehen. Un­tersucht man die Art der verbrauchten Lebensmittel, so ergibt sich, daß der Verbrauch je Vollperson bei Butter, Eiern, Fleisch und Fleischwaren, Fisch, Obst, Gemüse, Weißbrot und Weizen­fleingebäd mit wachsender Kinderzahl zurückgeht, daß dagegen der Verbrauch an Schmalz und Margarine, Roggen-, Grau-, Misch und Schwarzbrot, sowie Kartoffeln mit der Kinderzahl zunimmt. Mit anderen Worten: mit Wachsen der Kinderzahl tritt eine Minderung in der Qualität der Ernährung ein. Die durchschnittlichen Aufwendungen für alkoholische Getränke gehen von 97 Rmt. in den Haushaltungen ohne Kinder auf 62 Rmt. in den Haushaltungen von 4 bis 6 Kindern zurüď. Ebenso erfahren die Ausgaben für Vergnügen" und andere gesellige Anlässe, sowie Steuern, mit zunehmender Kinderzahl einen ausgesprochenen Rückgang. Dagegen steigen die Aus­gaben für Bildung( auch Schulbedarf) von 47 Rmt. in den Fa­milien ohne Kinder auf 65 und 73 Rmt. in den Familien mit ein und zwei Kindern.

Geheimrat Stimming zum Ehrendoktor ernannt. Geheimrat J. C, Stimming, der Vorsitzende des Vorstandes des Norddeutschen Lloyds, ist von der Universität der Stadt Erlangen die Würde eines Doktor h. c. verliehen worden. In der Begründung heißt es, daß dieser Titel einem Manne ver liehen worden sei, der unter die Klugen, Starken und Tüchti­gen zu zählen ist, denen es durch die Tat gelang, eine neue Handelsflotte zu schaffen, die der alten nicht nur gleicht, son­dern wesentlich überlegen ist und die das Ansehen des deutschen Boltes bei den anderen Nationen wieder herstellte."

Preußischer Feuerwehrtag.

Der Preußische Landes- Feuerwehr- Verband wird nach 47­jährigem Bestehen zum ersten Male einen Verbandstag abhal ten. Es werden zu dieser Tagung, die in Münster stattfinden wird, 30 000 bis 40 000 freiwillige Feuerwehrleute erwartet. Die Tagung findet vom 15. bis 17. August statt.

Flugzeugkatastrophe.

London. Montag morgen ist das deutsche Postflugzeug 1649 in der Nähe von Limpsfield Common in der Grafschaft Su­rey( England) zerschellt und verbrannt. Die beiden Insassen, nämlich der Pilot Hessel und der Mechaniker Gonnert, warden sofort getötet. Das Flugzeug war in den regelmäßiger Post­dienst zwischen England und Deutschland eingestellt. Es han= delt sich um eine Junkersmaschine desselben Typs, den Hermann Köhl bei seinem Fluge nach Amerika benutzte.

Das schnellste Schiff.

Rom. Das auf der Schiffswerft von Ancona gebaute Kund­schafterschiff, Nicola Da Recco" hat mit einer Geschwindigkeit von 41,504 Meilen( 77 Km. in der Stunde) den Schnelligkeits­reford gebrochen.

Friß von Unruh.

Alter Tradition der Offiziersfamilie entsprechend, trat Fritz von Unruh nach Absolvierung der Kadettenschule in Plön bei der Kavallerie seine militärische Laufbahn an. Seiten ernst faßte er seinen Beruf auf. Nicht gedankenlose Hingabe an die Tradition, nicht die landläufigen Phrasen von den hohen Auf­gaben des Offiziersberufs genügten ihm. Wie keine andere schien ihm gerade die Kriegerkaste wirklich berufen, dem Ge danken des Friedens zu dienen. Bereits 1911 bekennt er unter dem Titel ,, Ein Weg":" Tradition zwingt ihn, dem Vaterlande zu dienen als Offizier... Glutwellen, die sich bäumen gegen die Erkenntnis, daß sie dienen, um die Erfüllung ihres sehn= lichsten Wunsches zu vermeiden: den Krieg..." Hier aber türmt sich dem jungen Vorwärtsstrebenden ein schier unüber­windliches Hindernis auf. Das Feuer der Jugend vermag nicht durchzubrechen durch die Schlacken, die jahrhundertelange Tradition angesammelt und ihm die Lust nimmt. Der Konflikt zwischen dem von außen diktierien unerbittlichen Pflichtgefühl und dem eigenen denkenden Jch fut sich auf. Die Lösung dieses Konflikts fand Unruh in der schöpferischen Betätigung. Er er­kannte seine Berufung zum Dichter und gestaltete in seinem ersten Drama ,, Offiziere" den tragischen Zwiespalt zwischen Krie­gerberuf und und Menschentum. Wie kein zweiter seit Kleists ,, Prinz vom Homburg" wies der Dichter in seinem nächsten Werk Prinz Louis Ferdinand"*) diesen Widerstreit an einem historischen Stoffe auf. Der Boden war vorbereitet für eine Wandlung, und die Früchte, deren Keime im Kadettenkorps und in der Militärzeit aufsproßten, begannen zu reifen. Un­ruh machie sich vom Zwang des Dienstes frei. Erst der Welt­krieg rief ihn, den ehemaligen Leutnant, wieder unter die Fah nen. Auf eine so eindrucksfähige Natur mußte das unerbitt liche Geschehen der Kriegszeit von entscheidendem Einfluß sein. Im Krater des Trommelfeuers vollzog sich die Wandlung. In der ersten Marneschlacht vollende er sein dramatisches Gedicht ,, Vor der Entscheidung". Im Jahre 1916, in der Hölle vor Verdun, gestaltete er in wenigen Monaten die Prosa- Schöpfung

*) Frankfurter Societäts- Druderei G. m. b. H., Abteilung Buchverlag, Frankfurt a. M.

,, Gießener 3ettung"

Lofales.

Konzert des Bauerschen Gesangvereins..

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Am Sonntag, den 6. April, veranstaltete der Bauersche Ge­sangverein in der fast ausverkauften Aula der Universität ein wohlgelungenes Konzert, das neben ausgezeichneten Männer­chören eine Reihe mit großem Beifall aufgenommener Solo­Vorträge des auch in Gießen von früherem Auftreten bekann ten Frankfurter Konzertsängers Joh. Willy brachte. Bauersche Gesangverein läßt sich schon seit Jahren die Verede­lung des deutschen Männergesanges ganz besonders angelegen sein, und hat mit diesem Kanzert wiederum bewiesen, daß seine musikalische Leitung( Herr Ehrenchormeister D. Görlach) und sein Stimmaterial durchaus auf der Höhe ist. Gesungen wurden Chöre von Lendvai, Kaun, Silcher, Othegraven, di Lasso und Moldenhauer in zum Teil moderner Bearbeitung, die insgesamt in vortrefflicher Manier zum Vortrag kamen. Besondere Er­wähnung verdienen ,, Mädel rud, rud, rud", das Landsknechts­ständchen" von Orlando di Lasso und der Moldenhauersche Chor ,, Der unerbittliche Hauptmann". Gleichen Anklang fanden die Solis des Herrn Joh. Willy, der in feinsinniger Art von seiner Sein träftiger Bariton Gattin am Flügel begleitet wurde.

zeigte Vorzügliches in der Betonung des Dramatischen. Am Das begeisterte besten gefielen wohl seine Wolfschen Lieder. Publikum zwang den sympatischen Sänger zu einer Zugabe. Alles in allem, ein wohlgelungenes Konzert, das dem Veran­stalter sowie den Sängern alle Ehre macht.

* Neue Heilstätte. Mit einer eindrucksvollen Feier wurde Samstag mittag die Heilstätte Seltersberg für Tuberkulose der oberen Luftwege" eingeweiht. Zu dieser Feier hatte sich eine große Festgemeinde eingefunden. Als Vertreter der hessi­schen Regierung war Staatspräsident Dr. Adelung zugegen; ferner sah man eine ganze Reihe von Persönlichkeiten des öf= fentlichen Lebens, darunter die Spitzen der Behörden, viele biele Gelehrte der Landesuniversität und Wissenschaftler aus dem Reiche. Nach einem Musikvortrag übergab der Erbauer Bau­rat Meyer- Gießen den Schlüssel des neuen Hauses dem Vor­sitzenden des Landesverbandes zur Bekämpfung der Tuberku lose, Professor Dr. Neumann- Darmstadt. Dieser reichte den Schlüssel mit einer Ansprache an den ärztlichen Leiter der An­stalt, Universitätsprofessor Dr. Brüggmann weiter, der nach herzlichen Dankesworten über das ärztliche Aufgabengebiet der Anstalt sprach. Hierauf überbrachte Staatspräsident Dr. Adelung mit einer Ansprache die besten Wünsche und Grüße der hessischen Regierung. Ihm schlossen sich Professor Dr. Hildebrand Gießen namens der medizinischen Fakultät der Landesuniversität Gießen, Oberregierungsrat Rizel im Namen der Provinz Oberhessen und des Kreises Gießen, Bür germeister Dr. Seibe Gießen für die Stadt Gießen und Dr. Helm- Berlin als Vertreter des Zentralfomitees zur Bekämp­fung der Tuberkulose mit Glückwunschonsprachen an. Hierauf erfolgte eine Besichtigung der neuen Heilstätte.

* Bom Stadttheater. Heute abend wird zum erstenmal in Gießen Fritz von Unruh mit seinem Louis Ferdinand, Prinz von Preußen" zur Aufführung gelangen.

* Der erste Tonfilm in Gießen. Im Lichtspielhause in der Bahnhofstraße läuft seit gestern zum erstenmal ein Tonfilm.

Bolizei- Bestimmungen für die Osterwoche. Auf Grund der Verfügung des Herrn Ministers des Innern vom 10. März 1924 zu Nr. M. d. J. 7792 und 19. März 1929 zu Nr. M. d. J. 12376 haben am Palmsonntag, den 13. ds. Mts. öffentliche Lust­barkeiten zu unterbleiben. Theatralische und Kinovorführun gen werden nur dann zugelassen, wenn die Darbietungen ett sten oder belehrenden Inhalts sind und der besonderen Bedeutung und Weihe dieser Tage angepaßt sind. Am Karfreitag, den 18. ds. Mts., sind nach wie vor öffentliche Lustbarkeiten jeder Art, auch solche mit ernstem Hintergrund, nicht erlaubt. An den übrigen Tagen der Karwoche einschließlich Ostersonntag sind theatralische Vorführungen und Konzerte aller Art einschließ

,, Opfergang". Unruhs im Kriege entstandene Bücher sind weder Photographie noch Predigt. Sie geben die höhere Wirklichkeit wieder und enthalten darum die seelischen Voraussetzungen für das, was folgt.

Die Revolution schien solche Voraussetzungen zu erfüllen. Doch die Folgezeit enttäuschte. Nur wenige der Forderungen, die sich aus seiner wesenhaften Anschauung der Dinge ergeben hätten, wurden erfüllt. Das Jahr 1918 hätte ein Jahr wirt­licher Regeneration für Deutschland und die Welt werden kön­nen. Die Hoffnungen verwirklichten sich aber nicht. Der Dich­ier zog sich zur neuen Arbeit und Vertiefung zurüd nach Sil­vaplana. Jm gleichen Zimmer, in dem Nietzsche seinen Zara­thustra" vollendete, schrieb er Ein Geschlecht". In unermüd­lichem Schaffensdrang erstand, Play". Danach vollendete Un­ruh das Drama Stürme", ein vor dem Kriege begonnenes romantisches Jugendwerk, und ,, Rosengarten", eine Schöpfung, in der er sich wieder mit den Zeitproblemen auseinandersetzte. Die Tausendjahrseier der Rheinlande gab ihm den Anlaß, in ,, Heinrich aus Andernach" in neuer Gestalt und mit der Tiefe eines symbolischen Spieles ein glühendes Bekenntnis für die endgültige Befriedung des ältesten deutschen Kulturbodens ab­zulegen. Der ,, Bonaparte" ist die letzte dramatische Schöpfung Unruhs. Er enthüllt aufs stärkste die Dynamit der historischen und persönlichen Kräfte, die an einem Wendepunkt in Napoleons Leben, kurz vor seiner Krönung, als mit Enghien das legitime Prinzip beseitigt werden soll, zur Entscheidung drängen.

Osterblumen und pflanzen.

Das natürliche starke Bedürfnis unseres Boltes nach Blumen 1. Pflanzen, das in den langen Wintermonaten oft nicht in vol= lem Umfange befriedigt wurde, läßt sich mit dem Eintritt in die Osterzeit nicht länger zurückhalten. Spät, aber immerhin noch zur rechten Zeit, erkannte auch die Frau von heute, in welch hohem Maße die Blume in geschmackvoll gewählter Vase be­rufen ist, die Stimmung an Festtagen zu steigern. Nicht um­sonst hat die Natur zur Osterzeit Hyazinthen, Tulpen, Krokus, Narzissen, Tazetten, Jonquillen und wie sie alle heißen mögen, aufblühen lassen, und wo ihre eigene Kraft und Wärme nicht

Nr. 27.

lich der Begleitmusik bei Lichtspielen zulässig, wenn sie eben falls ernsten, belehrenden Inhalts und der Bedeutung und Weihe dieser Tage angepaßt werden. Oeffentliche Tanzlust: barkeiten werden für diese Tage grundsätzlich nicht genehmigt. Die für die Karwoche vorgesehenen Konzertprogramme sind dem Polizeiamt zweds Prüfung sofort, spätestens bis 11. ds. Mts., in doppelter Ausfertigung einzureichen.

* Muttertag in Hessen. In diesem Jahre wird wieder am zweiten Sonntag im Mai( 11. Mai) der Muttertag zur Ab­haltung gelangen.

* Sonderurlaub zur Teilnahme an Tagungen wird zukünftig den Beamten nur bis zu drei Tagen genehmigt. Was darüber hinausgeht, wird auf den alljährlichen Erholungsurlaub an­gerechnet.

* Fahrpreisermäßigung zugunsten der Jugendpflege. Nach einer Mitteilung des Hessischen Ministeriums für Kultus und Bildungswesen werden vom 1. April 1930 ab die Führeraus­weise nicht mehr von ihm ausgestellt, sondern sind von dem der Gemeinde­und von Vereinsleiter selbst auszustellen ( Ortspolizei-) Behörde oder dem Jugendamt zu beglaubigen. Die neuen Vordrude werden von der Eisenbahnverwaltung an die Jugendpflegevereine gegen Vorzeigung der Bescheinigung über die behördliche Anerkennung und Erstattung des Herstel­lungspreises unmittelbar abgegeben. Die bisherigen, vom Mi­nisterium für Kultus- und Bildungswesen ausgefertigten Füh­rerausweise behalten bis auf weiteres noch Gültigkeit.

* Bekämpfung der Schnatenplage. Die Grundstückseigen­tümer werden nochmals auf die Bekanntmachung des Kreis­amts Gießen im Amtsverkündigungsblatt Nr. 22 vom 25. März 1930 hingewiesen, wonach jeder Grundstückseigentümer verpflich= tet ist, im April eines jeden Jahres die auf seinem Grundstück befindlichen, den Schnaken zur Brut dienenden Gewässer( Was­sertümpel) Regenfässer, Bassins, Wasserlachen, Jauchegruben, Abortgruben usw. mit einem zur Vertilgung der Brut geeig­ten Mittel( Saprol, Petroleum usw.) zu übergießen. Nichthe­folgung hat Bestrafung gemäß§ 3 der Polizeiverordnung, Le= treffend die Bekämpfung der Schnakenplage vom 28. November 1911 zur Folge.

* Die Meisterprüfung tann nur machen, wer eine vor­schriftsmäßige Lehrzeit durchgemacht hat und sich im Besitze eines Gesellenbriefes befindet.

Feuerverhütung!

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* Das Büchlein für alle*

Die offizielle Aufklärungsbroschüre zur Feuerschutz- Woche

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ausreichte, da half die Kunst des Gärtners, damit sich überall dort, wo Geschmad, Kultur und Frohsinn die Familienangehöri gen vereinen, diese köstlichsten aller Güter in den Osterblumen fundtun können. Jung und alt sammeln nach alter Sitte Bir­tenzweige, die zum Schmuck der Wohnung ins Wasser gestellt werden, desgleichen als Ersatz für morgenländische Palmen haben sich die vielbeliebten Weidenfätzchen eingebürgert, die bereits in der Passionszeit sinnig auf das tommende Osterfest hinweisen. Hier und da werden die Osterfuchen mit Blumenkränzen um wunden, die Körbchen der Ostereier erhalten einen Schmuck von Anemonen oder Narzissen, die Mädchen winden sich Kränze der Frühblüher ins Haar usw.

Ob Stadt, ob Land, überall werden Blumen ins Haus ge­tragen. Mit ihnen werden Besuche gemacht, denn sie darf man in alle Kreise tragen, seine Dankesschuld abtragen und Auf merksamkeiten erweisen. Liegt in einem Strauß aus Blüten­zweigen nicht der Frühling selbst, das lachende Erwachen der Natur, das wir mit dem Osterfest feiern? Aber auch ein be scheidenes Vergißmeinnichtsträußchen, ein Topf bepflanzt mit Hyazinthen, Tulpen, Krokus, ein Kränzchen aus Anemonen, Veilchen, und die als Osterglocken allgemein bekannten gelben Narzissen lassen uns aufjubeln und stärken unser Sehnen nach noch mehr Schönheiten.

Bei der Liebe der weitesten Schichten unseres Volkes zu den Blumen ist es erklärlich, daß auch die Altäre und die Gräber der Friedhöfe mit Frühlingsblumen und Pflanzen geschmückt werden. Zu den bereits genannten feien noch das liebliche Bellis Maßliebchen und das in allen Farben gezüchtete Stiefmütterchen genannt. Beide bilden sie den schönsten und dauerhaftesten Grabschmuck für das Osterfest.

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Deutsche Frauen, laßt es Euch nicht nehmen, klagt nicht über die Not der Zeit, holt Euch den Frühling herein, schmückt Euer Heim zum Osterfest mit Blumen. Euch ist es vorbehalten, im Verein mit den mannigfaltigsten osterlichen Blumen die Heimgestaltung in der liebenswürdigsten Weise zu vollbringen. Wetteifert um den schönsten Tisch, den wahrhaft festlich zu ge stalten, Euch durch unsere Blumen möglich ist.

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