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Samstag, den 8. März 1930.

* Diebstähle. Vor einigen Tagen wurde in der Grünberger­stroße Am Professorened" aus einem Personenkraftwagen ein Karton mit Herrenwäsche, bei einem Metzgermeister in der Neustadt verschiedene Würste aus dem Laden, in der Bahnhof­straße aus einem Mansardenzimmer, das mittels Nachschlüssel geöffnet wurde, 38 Mart, und aus einem Hofe einer Wirtschaft ein älteres Marsfahrrad entwendet. Personen, die sachdien­liche Angaben über die Täter und das Diebesgut machen kön­new, werden gebeten, der Kriminal- Abteilung Nachricht zu geben.

* Der Tag des Buches", der auch im Vorjahre zum Goethe­tag( 22. März) eingesetzt wurde, soll auch in diesem Jahre durch eine besondere Veranstaltung in den Schulen und zwar diesmal unter dem Thema: Jugend und Buch" begangen werden.

* Fremdenvorstellung im Stadttheater. Am Sonntag, den 9. März, wird als letztes Operettengastspiel des Frankfurter Operetten- Ensembles Der fidele Bauer" gegeben.

* Chem. 4. Gardisten. Jm größten Teile des Reiches haben sich die ehemaligen 4. Gardisten und Kriegsteilnehmer des Toch­terregiments 93 als Reichsbund 4. Gardisten mit dem Sitz in Berlin in Gaue und Ortsgruppen zusammengeschlossen. Nun­mehr haben sich auch die Angehörigen beider Regimenter aus Hessen- Nassau, Kreis Wetlar, Hessen und den angrenzenden Teilen zusammengefunden und haben den Gau: Hessen- West, Sitz Gießen und Gau: Hessen- Ost, Sitz Kassel, gegründet. Vor­sitzender des Gaues Hessen- West ist: Oberst a. D. Kock- Gießen, Wartweg 14. Am 28. und 29. Mai d. J. findet in Berlin eine Wiedersehensfeier ehemaliger Kameraden beider Regimenter statt. Anmeldungen nimmt Oberst Kock- Gießen entgegen.

* Der Goethebund veranstaltet seinen nächsten Vortrags= abend am heutigen Samstag. Dr. Meyer aus Nürnberg hält einen Lichtbildervortrag über ,, Sommer in Südtirol". * Kaufmännischer und Ortsgewerbeverein. Montagabend ist in der Neuen Aula ein Vortrag von Dr. Meyer Nürnberg über Sommer in Südtirol".

=

Kommenden

* Feithalten und Verkauf von Weidenkäßchen verboten. Die Blütenstaub spendenden Sträuche wie Weide, Hasel usw., die zur Förderung der Bienenzucht wichtig sind, müssen geschont werden. Deshalb ist der Verkauf und das Feilhalten von Wei­denkätzchen durch Polizeiverordnung verboten. Das Abreißen und Abschneiden von Weidenkäßchen, Haselnußblüten usw. wird bei Anzeige mit Geldstrafe bis zu 30 Mark belegt.

Aus Nah und Fern.

Oberhessischer Dorfkirchentag.

Die diesjährige Dorfkirchentagung fand am vergangenen Montag unter dem Vorsitz von Pfarrer Georgi Ermenrod statt. Sie behandelte die Frage der Volkshochschule. Als erster Redner sprach am Vormittag Prof. D. Dr. Cordier- Gießen über: Die Krisis im Erziehungswesen der Zeit und der Volks­hochschulgedanke." Am Nachmittag hielt Dr. Kammer= Hohensolms einen Vortrag über: Aus der Arbeit der Heim­volkshochschule an der Landjugend." Angelegenheiten, die alle Stände, alle Berufe angehen, werden in der Arbeit erörtert. Auch an diesen zweiten Vortrag schloß sich eine lebhafte Aus­Sprache an.

Ein Stadthausprojekt in Bad Nauheim.

Bad Nauheim. Die Stadtverwaltung hat eine Vorlage ausgearbeitet, die dem Stadtrat die Uebernahme einer Pen­sionsvilla empfiehlt, in der sämtliche Abteilungen der städti­

,, Gießener Zeitung"

schen Verwaltung einschließlich der Stadtkasse und des Hoch­bauamtes, die bisher getrennt von der Hauptverwaltung lagen, untergebracht werden sollen. Die Diensträume des jetzigen Stadthauses würden in diesem Falle für das Polizeiamt frei werden.

Bad Nauheim. Erzbischof D. Söderblom kommt wieder nach Bad Nauheim. Wie der Evangelische Presseverband für Hessen erfährt, wird der bekannte schwedige evangelische Erz­bischof D. Söoerblom Anfang April hier zur Kur eintreffen. Erzbischof D. Söderblom gehört als Führer der großen christ­| lichen Einigungsbestrebungen und geistiger Urheber der großen Kirchenkonzilien von Stockholm und Lausanne zu den bedeu­tendsten lebenden Männern der christlichen Kirchen. Er war be= reits 1924 und 1925 Bad Nauheimer Kurgast.

Schlig. Fünfzig Jahre Mitglied der Hessischen Landes: synode. Am 2. März ds. Js. waren es 50 Jahre, daß Geh. Ju­stizrat Wahl von hier als Abgeordneter des Dekanats Als­feld in der Hessischen Evangelischen Landessynode verpflichtet wurde. Seit dieser Zeit gehörte er ununterbrochen als welt­licher Abgeordneter dieses Dekanats und später des Dekanats Lauterbach der Landessynode bezw. dem Landeskirchentag an. Die Glückwünsche und den Dank des Landeskirchentages sprach des= sen Präsident, Archivdirektor D. Herrmann, dem Jubilar per­sönlich aus. Ebenso Prälat D. Dr. Diehl namens der Kirchen­regierung und des Landeskirchenamts, ferner Oberkirchenrat Wagner als Superintendent der Provinz Oberhessen und Dekan Schlösser namens des Dekanatsausschusses Lauterbach.

Verheerendes Großfeuer.

Büdingen, 7. März. In der großen Automobilhalle des hiesigen Automobilhändlers und Opelvertreters Groß brach heute früh gegen 6 Uhr auf bis jetzt noch nicht einwandfrei ge­klärte Weise Großfeuer aus. Die Flammen legten die Auto­mobilhallen vollständig in Trümmer, wobei auch zehn Auto­mobile mit verbrannt sind. Unter den zerstörten Kraftwagen befinden sich zwei ganz neue. Mit Mühe gelang es, drei Autos aus dem lichterloh brennenden Gebäude herauszuschaffen. Die Löscharbeiten hatten unter starkem Wassermangel zu leiden. Der Brandschaden ist sehr hoch, er soll nur zum Teil durch Versiche= rung gedeckt sein.

Büdingen. Eine 34jährige Ehefrau, die in der letzten Zeit kränklich war, beging Selbstmord, indem sie sich mit einem Rasiermesser die Kehle durchschnitt.

Blühende Mandelbäume an der Bergstraße. Weinheim a. d. B. Etwas verspätet hat in diesem Früh­jahr das Blühen der Mandelbäume eingesetzt. In manchem Jahr konnte man an besonders geschützten sonnigen Stellen der Bergstraße bereits Mitte Februar blühende Mandelbäume sehen, blaßrosa Blumen in lichtem Grün des Vorfrühlingslandes ver­gleichbar, wenn man aus den Zügen nach den Hängen hinüber­sah. In diesem Jahre brachen die Blüten trotz des allgemein sehr warmen Frühlingswetters erst in den ersten Märztagen

aus.

Ein hessisches Marinedenkmal in Mainz. Mainz. Die Vereinigung der ehemaligen Marineangehöri­gen in Hessen plant die Errichtung eines Denkmals für die gefallenen Angehörigen der hessischen Marine. Man beabsich= tigt, ein einem Leuchturm ähnliches Mal entweder an der Altrheinmündung bei Ginsheim oder aber am historischen Platz des Altrheins bei Erfelden.

Frankfurt. Im preußischen Landtag ist beantragt, für die Unterhaltung des Goethehauses 25 000 Rmt. pro Jahr zur Ver­fügung zu stelle.

Neue Bücher.

Nr. 19

Gustav Hochstätter: Wir waren alle verrückt. Ein Mädchenroman aus der Billionenzeit. Verlag Theod. Thomas, Leipzig. Hochstetters neuestes Buch ist ein Meisterwerk der Psychologie. Im Rahmen der seligen oder richtiger: ,, unseligen" Inflationszeit behandelt es das Problem der Geschlechter, das heute im Mittelpukt unseres Lebens steht. Die alten Schran­ken haben nicht mehr ihre Festigkeit. Das Urteil der Jugend rüttelt übermütig an ihnen. Mit künstlerischem Blick und mu tiger Offenheit rollt Hochstetter den tollen Lebenswandel eines Mädchens auf, der in dieser tollen ,, Billionenzeit" ganz dem Eros gewidmet ist. Interessiert folgt man dem glitzernden Buche der Lebensfreude, auch dem Augenblick, wo sich der Ueber: schwang einer Lebensbejaherin jäh ins Gegenteil verwandelt.

Wie erziele ich Steuerermäßigung? Von Rechtsawalt Dr. Joachim Reschke, Berlin. 3. ergänzte Auflage. Verlag von Franz Vahlen, Berlin W. 9, Linkſtraße 16. Preis 2 Rmf. Der Verfasser zeigt die gesetzlichen Wege, die zu einer Er­leichterung der Steuerlast führen können. Ein besonderes Kapi­bel unterrichtet über die in Frage kommenden Antragstermine. In einem Anhang findet man eine gute alphabetische Zusam­menstellung über die Abzüge, die bei der Berechnung des steuer­pflichtigen Einkommens zulässig sind und die es nicht sind. Die Schrift ist für jeden Steuerpflichtigen wichtig.

Geschäftliches.

Der neue Mercedes- Benz Typ Mannheim". Mit Recht hat die deutsche Automobilindustrie in ihrem Abwehrkampf gegen die ausländische Konkurrenz ihre Produk­tion auf die Lieferung von Fahrzeugen eingestellt, deren Preis in einem außerordentlich günstigen Verhältnis zu ihrer Qua­lität und ihren Fahreigenschaften steht. Gerade dieses Wert­verhältnis läßt heute eine Ueberlegenheit des deutschen Wa­gens gegenüber dem Auslandserzeugnis erkennen, sodaß der Käufer beim deutschen Wagen alle Wünsche erfüllt findet, die er hinsichtlich Qualität und Preis zu stellen berechtigt ist. Be­kanntlich hat vor allem die Marke Mercedes- Benz im letzten Jahrzent der Herstellung hochwertiger und dabei preiswerter Gebrauchswagen- Typen ihre ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Richtigkeit dieser Produktions- Politik wurde vom Auslande als vorbildlich bezeichnet. Die außerordentliche Beliebtheit des Modells Stuttgart" beruht neben dem gün­stigen Preis und den niedrigen Betriebskosten vor allem auf den glänzenden Fahreigenschaften, die diesem 4-5sizigen Ge­brauchswagen alle Merkmale eines Fahrzeuges der höchsten Qualitätsklasse verleihen. Der deutsche Markt zeigt aber einen starken Bedarf nach 6sitzigen Wagen von Qualität und Leistung, die in Steuer und Betrieb wirtschaftlich sind, im Gegensatz zu den amerikanischen Wagen. Diesem ausgesprochenen Bedürf= nis kommt die Marke Mercedes- Benz mit der Schaffung ihres neuen Typs ,, Mannheim"( 3,5 Ltr.- 14/ 70 PS) entgegen, mit dessen Lieferung in nächster Zeit begonnen wird. Rasches Anzugsmoment und hervorragende Beschleunigung, mit vor­züglicher Bremswirkung und Straßenlage verschaffen dem Typ ,, Mannheim" eine Lebendigkeit und Elastizität, die bei einem 6sitzigen Wagen dieser Stärkeklasse überraschen muß. wird der Typ ,, Mannheim", der mit den formenschönen Merce­des- Benz- Original- Fabrikkarosserien des Sielfinger Werkes aus= gestattet ist, zu außerordentlich günstigen Preisen geliefert. Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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