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Mittwoch, den 5. November 1930.

Staatswaldungen nicht von den Arbeitsämtern, oder deren Ne­benstellen vermittelt werden, wie das die Arbeitsämter beab­sichtigen, sondern ihre Auswahl den Gemeindebehörden und Oberförstereien überlassen bleibt.

Darmstadt, den 4. November 1930.

gez.: Dr. v. Helmolt und Fraktion.

Frankreich erwirbt die polnische Korridorbahn. Berlin, 4. November. Am 9. November findet die Eröffnung der neuen Eisenbahnlinie Bromberg- Gdingen in Gegenwart des polnischen Verkehrsministers statt. Wie nach einer Meldung der DAZ." aus Danzig zuverlässig verlautet, soll diese Strecke nach ihrer Eröffnung gemäß bereits erfolgreich gepflogenen Ver­handlungen in den Besitz des französischen Unternehmens Schnei­der- Creuzot übergehen, und zwar bei gleicher Jnteressiertheit der französischen Regierung.

Lokales.

Abendbummel.

Wo alles rennt, muß man sich nur Zeit nehmen, dann ist das Rennen ganz unterhaltsam anzusehen. Nur nicht immer gleich in ein Auto stürzen oder auf die Straßenbahn! Lieber an einem linden Herbstabend, von ingend einer Straßenbahn­halie im Süden, den Seltersweg entlang bummeln, und weiter bis zum Marktplatz Drehscheibe durch die Marktstraße

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und Bahnhofstraße, da sieht man so recht den Unterschied meinetwegen auch den Fortschritt"- des jetzigen gegen das frühere Gießen. Diese Zunahme der Lichtreklame! Haushoch steigen die zappelnden Linien und Bogen, alle Farben ausstrah­lend, in den Abendhimmel. Wäre das Gerassel und Gefnatter und beizende Gestank der Benzingase nicht man könnte in eine regelrechte Märchenstimmung geraten. So aber- der Auspuff der Motorräder und Autos noch nicht nach Maiglöckchen und Reseda duften! Da wären übrigens Millionen mit einer solchen Erfindung zu verdienen.

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In den achtziger Jahren sang ganz Deutschland ,, Vorwärts mit frischem Mut". Der Vers summt mir, als scheinbar höchst zeitgemäß, unaufhörlich im Kopf herum, wie ich den Selters­weg in den Abendstunden viel zu schmal für den herrschenden Verkehr, erfüllt von Reklame- Feuerzauber, Lärm und Stid­luft, gemächlich herunterschlendere. Da plötzlich wächst vor mir ein finsterer Riesenschatten steil und zackig empor: die Stadt­kirche. Dann in der Bahnhofstraße, von einem feurigen Kranz umgeben das Lichtspielhaus. Hier zwei aufeinanderstoßende Welten. Stumm und tot liegt die schwere Masse der Kirche da, ein Symbol dafür, wie schroff in unserer unausgeglichenen Gegenwart die Gegensätze sind. Die Kirche aber ragt auf als ein stummer Protest gegen ein tolles Treiben in unserer so schweren, ernſten Zeit.

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Kj.

Einschränkungen für die Fastnachtszeit. Angesichts der wirtschaftlichen Notlage weiter Kreise hat das Innenministerium eines süddeutschen Staates für die Fast­nachtszeit des Jahres 1931 weitgehende Einschränkungen in Aus­sicht genommen. Karnevalistische Veranstaltungen jeglicher Art, insbesondere Masken- und Kustümbälle, sind vor dem 17. Ja= nuar 1931( d. i. eine Monat vor Fastnacht) und ebenso nach dem Fastnachtsdienstag gänzlich verboten. Ebenso wird auch jedes Fastnachtstreiben auf öffentlichen Straßen und Plätzen untersagt sein, also insbesondere alle Faschingsauf- und Umzüge, sowie jedes faschingsartige Auftreten von Personen auf öffent= lichen Straßen und Plätzen.

Aehnliche Einschränkungen dürften sich auch für Hessen emp­fehlen. Feste müssen in der Gegenwart, wenn sie eine Daseins­berechtigung haben wollen, einfach sein und die Grenzen respek­tieren, die sich aus sozialen Erwägungen ergeben.

* Diamantene Hochzeit. Am 28. Nov. Können der Renter Johannes Nickel und seine Gattin, wohnhaft im Großen Stein­weg 11, ihre diamantene Hochzeit feiern. Rückt man den Jahres­zeiger um 30 Jahre zurück, da findet man den alten Herrn Nickel als ehrbaren Pflastermeister am Werk, die Gießener Straßen sauber zu pflastern oder das Material dafür zu liefern. Dem seltenen Jubelpaar wird es an zahlreichen liebevollen Glückwünschen zu seinem Ehrentag nicht fehlen.

* Fundsachen im Monat Ottober 1930. Das Verzeichnis über die im Monat Oktober 1930 gefundenen bezw. abgelie­ferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Po­lizeiamts, Landgraf- Philipps- Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb 2 Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen.

* Kraftfahrzeugführer. Das Polizeiamt teilt folgendes mit: Wiederholte Beschwerden geben uns Veranlassung, darauf hin­zuweisen, daß das Aufstellen von Kraftfahrzeugen an Straßen­Treuzungen und der Nähe derselben unzulässig und strafbar ist. Wir bringen nachstehende Entscheidung dem kraftfahrenden Pub­likum zur Kenntnis: Ein Fahrzeug ist an einer Wegekreuzung oder scharfen Wegekrümmung nicht nur dann aufgestellt, wenn es auf der Kreuzung usw. hält, sondern auch dann, wenn es in so unmittelbarer Nähe der Kreuzung hält, daß die durch die Kreuzung entstehende Verkehrserschwerung sich auf den Stand­punkt des Fahrzeuges erstreckt. KG. v. 15. 7. 1929-3& 401/ 29.­( D. Recht 1929 S. 656.) Vorstehende Entscheidung findet auch Anwendung auf alle übrigen Fahrzeuge. Im Interesse der Sicherheit des Verkehrs haben wir die Beamten angewiesen, gegen Fahrzeugführer, die ihre Fahrzeuge auf Wegekreuzungen oder in deren unmittelbarer Nähe aufstellen, Anzeigen vorzu­legen.

* Aus dem Stadtheater. Zum ersten Male wird als 6. Mittwoch- Abonnements- Vorstellung das Lustspiel Geschäft mit Amerika", in 3 Akten von Paul Frank und Ludwig Hirschfeld aufgeführt.

* Gastspiel im Theater. Ein ganz besonderer Genuß wurde den Gießenern gestern durch unsere Theaterdirektion geboten, die den bekannten Filmschauspieler Harry Liedtke mit seinem Berliner Ensemble für ein Gastspiel verpflichtet hatte. Auf­

,, Gießener Zeitung"

geführt wurde vor ausverkauftem Hause Der ideale Gatte", Schauspiel von Oskar Wilde. Der reiche und unaufhörliche Beifall, zum Teil auf offener Bühne, zeugte dafür, daß nicht nur das, was gezeigt, sondern noch mehr, wie es gezeigt wurde, der Begeisterung wert war.

* Oberhess. Geschichtsverein. Montag, den 10. Nov. 1930, abends 8.15 Uhr, im Vorlesungsgebäude der Universität Mit­gliederversammlung mit anschließendem Vortrag von Herrn ein Geh. Rat Prof. Dr. Krueger über ,, Die Eudämonisten" Beitrag zur hessischen Publizistik 3. 3t. der französischen Revo­lution.

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Oeffentliche Versammlung. Heute, Mittwoch, den 5. No­vember, abends 8.15 Uhr, spricht im, Café Leib" Oberstleutnant Ahlemann- Berlin von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei über Deutschland am Scheidewege".

* Neues in der Jugendstunde des Südwestdeutschen Rund­funts. Der Frankfurter Sender bringt am Sonntag, dem 9. No­vember, das Kölner Hännesche- Theater in Originalbesetzung vor das Mikrophon. Es ist nur zu hoffen, daß diese Kasperlbühne besonderer Art im Rundfunk ebenso schallenden Widerhall findet wie im Theatersaal. Auch der Mittwoch, der 12. November, bringt zwei Themen, von denen anzunehmen ist, daß Kinder daran Interesse finden. Zunächst spricht Paul Laven mit Karl Roltsch über Wanderfahrten eines Kunden"; daran schließt sich an eine ganz gegenteilige Unterhaltung: Alfred Fisch spricht über: Bei Dollarfürsten in Amerika", Besuche bei amerikani­schen Millionären.

Steuerkalender für November 1930, ( Mitgeteilt von der Südwestdeutschen Revisions- und Treuhand­Vereinigung Frankfurt a. M.) Reich.

5. November: Lohnabzug für die Zeit vom 16. bis 31. Oktober 1930; für die Zeit vom 1. bis 31. Oktober, falls im Ueber­weisungsverfahren die bis zum 15. Oktober einbehaltenen Beträge 200 RM. nicht überstiegen haben.

10. November: Anmeldung und Zahlung der Börsenumsagsteuer für Oktober im Verrechnungsverfahren bei monatlicher Er­hebung.( Keine Schonfrist.)

15. November: Einkommensteuervorauszahlung für die Land­wirtschaft in Höhe der Hälfte der zuletzt festgestellten Steuerschuld It. letztem Einkommensteuerbescheid. Bu­

gleich mit dieser Vorauszahlung ist die Hälfte des Zu­schlages zur Einkommensteuer für Einkommen von mehr als 8000 RM., sowie des Ledigenzuschlages der veran­lagten Ledigen zu zahlen, soweit die Einkünfte hauptsäch= lich aus Landwirtschaft und Forstwirtschaft stammen. 15. November: Vermögensteuervorauszahlung in Höhe von einem Viertel des letzten Steuerbescheides. Besteht das Vermögen hauptsächlich aus landwirtschaftlichem Ver­mögen und hat der Steuerpflichtige im August keine Vor­auszahlung geleistet, so sind zwei Viertel zu zahlen. 20. November: Lohnabzug für die Zeit vom 1. bis 15. Novem­ber 1930 beim Markenverfahren. Im Ueberweisungs­verfahren nur, falls die bis zum 15. November einbehal­tenen Lohnsteuerbeträge 200 RM. überstiegen haben. Bemerkungen: Mit dem Lohnabzug erfolgt die Abführung des Ledigenzuschlages und der Reichshilfe der Personen des öf­fentlichen Dienstes.

Hessen:

25. November: 4. Ziel der Kommunalsteuern( Grund-, Gewerbe­und Sondergebäudesteuer) in Höhe des zugestellten Ge­meindeumlagebescheides 1930-31.( Schonfrist meist bis zum 5. Dezember.)

Aus Nah und Fern.

Gefahr für den Neusalzer Bezirk.

Neusalz a. d. Oder, 4. Nov. Die Hochwassergefahr ist seit heute erschreckend gewachsen. Der Wasserstand betrug vormit­tags 10 Uhr 5,21 Meter. Die Dämme bei Kusser und Modrig sind teilweise eingesunken. Die Oderbrücke ist am Sonntag mit schweren Steinen beschwert worden, damit sie nicht weggerissen wird. Das Wasser reicht bis an die Brücke heran. Die Saale steigt.

Halle, 4. Nov. Beim staatlichen Wasserbauamt in Halle lagen am Dienstag Meldungen aus Saalburg und Jena vor, wonach die Saale stark steigt. Für Mittwoch abend rechnet man in Halle mit einem Wasserstand von 3,5 Meter, Ueber­schwemmung tritt jedoch erst bei einem Pegelstand von 3,8 Meter in der Trothaer Schleuse ein.

Mosel und Saar führen Hochwasser.

Trier, 4. Nov. An Mosel und Saar hat sich wieder Hoch­wasser eingestellt. Am Sonntagnachmittag zeigte der Trierer Pegel noch einen Stand von 2,50 Meter, am Montag um 20 Uhr betrug der Wasserstand schon 4,53 Meter. Die Moſelfähren mußten bereits Montag ihren Betrieb wieder einstellen.

Eine Eisenbahnbrücke eingestürzt.

Prag, 4. Nov. Infolge der großen Ueberschwemmungen bei Tinischt an der Adler ist eine Eisenbahnbrücke eingestürzt, so daß der gesamte Verkehr auf dieser Strecke für unbestimmte Zeit unterbrochen werden mußte.

Langsdorf. Das Fest der Goldenen Hochzeit begingen Bau­inspektor i. R. Daniel Roth und Frau Veronika geb. Fay. Butzbach. Die in Frage gestellte Verlegung der Schutz­polizei von Butzbach nach Friedberg ist nun dahin geregelt worden, daß die Friedberger Bereitschaft mit der Butzbacher vereinigt und diese sowohl wie auch das Kommando der Schupo in Butzbach verbleiben. Lediglich die siebente Bereitschaft und eine von Butzbach und eine Hundertschaft von Friedberg werden nach Mainz verlegt.

Nidda( Oberhessen). Am 28. Oktober hielt der Dorfkirchen­verband für das südliche Oberhessen seine 12. Tagung hier ab. Prof. Dr. Cordier Gießen hielt einen zweistündigen Vor­trag über: ,, Die Krisis des Bauerntums als Erziehungsaufgabe".

Nr. 88

Darin charakterisierte er zunächst die gegenwärtige Lage des Bauerntums als eine schwere wirtschaftliche, gesellschaftliche, geistige und auch religiös- kirchliche Erschütterung. In der Zeit­wende sei das Bauerntum in die Krisis aller Stände, ja des ganzen Menschentums, hineinverwoben, werde aber von der all­gemeinen Erschütterung besonders hart berührt. Demgegen­über sei die Aufgabe des Erziehers in Schule und Kirche darin zu suchen, daß dem Landmenschen mehr und mehr die Augen für seine Verflochtenheit mit der Allgemeinheit geöffnet würden. Den Ausführungen des Redners schloß sich eine lebhafte Aus­sprache an.

Darmstadt. Im Hauptbahnhof wurde der Oberpoſtſchaffner Ritter aus Gr.- Zimmern vom Zug erfaßt und totgefahren. Darmstadt. Anläßlich des 40. Geburtstages des Dichters Klabund wird am 6. November eine kleine Gedenkfeier im Kleinen Haus des Landestheaters sein.

Frankfurt a. M. Die Straßenbahnlinie Fechenheim- Gries: heim wurde Sonntag vormittag dem Verkehr übergeben. Kassel. Der Sparkassenverband für Hessen- Nassau beschloß, seine nächstjährige Jahreshauptversammlung in Bad Hom burg v. d. H. abzuhalten.

Bingerbrüd. Außergewöhnlich erhöht man hier die Bier steuer. Von RM. 2, auf 2,50 bis RM. 7,50 pro Hektorliter.

Fischbach( Nahe). In einem nahe gelegenen Walde fand man eine ganze Familie erschossen auf Es handelt sich um den Bergmann Müller, dessen Frau und zwei unmündige Kinder.

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Bad Kreuznach. Die Stadtverordneten beschlossen eine Kopf­steuer, die je nach dem Einkommen, sich zwischen RM. 6,- und 500,- bewegt

Braunschweig, 4. 11. Das Staatsmuseum verkaufte das berühmte Bild Vermeers: Das Mädchen mit dem Weinglas" für 2,7 Millionen Mark an einen englischen Kunsthändler.

Berlin, 4. 11. In der Stadtbant am Tiergarten drangen vormittags 2 mastierte Banditen ein, hielten das Personal mit Revolvern in Schach und raubten 14 000 Mark.

Fischdampfer

Fischdampfer untergegangen. Wesermünde. Am Sonntag wurde der ,, Langeoog" in der Nordsee von einem Dampfer gerammt und zum Sinben gebracht. Sechs Personen sind ertrunken.

In einer Nußschale" über den Atlantik. Halifax( Neuschottland), 4. November. Aus Michigan sind hier vier Männer eingetroffen, die in einem 10 Meter langen Motorboot über den Atlantischen Ozean nach Deutschland zu fah ren beabsichtigen. Sie nehmen bereits die für ihr waghalsiges Unternehmen erforderlichen Vorräte an Bord.

Opfer des Meeres.

Habana, 4. Nov. Die Frau des Vizekonsuls der Vereinig ten Staaten, Jackson, wurde durch einen heftigen Windstoß von einem Felsen ins Meer geworfen, an einer Stelle, die von Haifischen wimmelt. Ihr Mann und ein anderer amerikanischer Vizekonsul stürzten sich in die Fluten, um Hilfe zu bringen; alle drei ertranfen.

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Neue Bücher.

,, Bilanzkniffe und Buchführungsschliche"( 600 Schleichwege aus der Praxis der Steuerrevision) von Regierungsrat Dr. Matthias Koch. Als Manuskript gedruckt. 225 S. 15 RM. Verlag für Wirtschaft und Verkehr, Stuttgart, Pfizerſtr. 20. Der ehem. Leiter des Buchprüfungsdienstes eines der wichtigsten deutschen Landesfinanzämter legt hier ein Manu­skript vor, worin er über 600 der am wenigsten bekannten Arten von Steuerverkürzungen beschreibt, die er und seine Beamten in langjähriger Tätigkeit bei der Prüfung von Büchern und Bilanzen in allen Kreisen von Gewerbe, Handel und Industrie aufgedeckt haben. Es ist wirklich erstaunlich, was da alles herausgekommen ist! Der Steuerpflichtige ahnt gar nicht, was die Steuerbehörde von solchen Buchführungsschlichen und Bilanz fniffen alles tatsächlich weiß. Die Arbeit dient natürlich in erster Linie den Steuerrevisoren und den Veranlagungsbeamten. Darüber hinaus ist aber die Kenntnis ihres Inhaltes gerade für alle Steuerpflichtigen außerordentlich wichtig.

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Das Haus des Dr. Prade, von Karl Wilke. Roman. Leipzig 1930. Koehler u. Amelang, Verlag. Ganzleinenband 5,50 RM. Karl Wilke gibt in diesem fesselnd geschriebener Roman ein lebendiges Zeitbild aus den Jahren 1908-1928. Ein Achtfamilienhaus, von Menschen verschiedenster Lebensart und sozialer Stellung bewohnt, ein Deutschland im Kleinen durchlebt Krieg, Revolution und Inflation, die die Lebens­möglichkeiten des Einzelnen in den Grundlagen erschüttern. Doch ringt jeder in seiner Art mit zäher Kraft um ein V01­wärtskommen. Ein Buch, das, vom Standpunkt der Heimat gesehen, das ungeheure Erlebnis des Krieges und seiner et drückenden Folgen menschlich ergreifend nahebringt.

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Die Diamantenhöhlen. Abenteuerroman von Emilio Salgari. 320 G. In Ganzleinen geb. 3,90 Mt. Phönig Verlag Carl Siwinna, Berlin SW 11.- Der Schauplatz dieses an bunten Abenteuern reichen Romans ist in das Innere Süd­afrikas verlegt, wo ein kulturell ziemlich hochstehender, aber von einem grausamen König beherrschter Negerstamm lebt. Drei Europäer unternehmen das kühne Wagnis, in dieses von der übrigen Welt durch einen breiten Würstengürtel geschiedene Land vorzubringen. Darunter der Jäger Quatremain, weil er mit Hilfe eines alten Dokuments die Diamantenhöhlen suchen will, die sich in jenem fernen Lande befinden sollen. Nach Er duldung unsagbarer Anstrengungen und Leiden, und nach Ueber windung zahlloser Gefahren erreichen sie endlich das Land und den Weg nach den Diamantenhöhlen. Sie zwingen eine uralte Here, sie nach dem geheimen Zugang zu bringen. Die Here aber schließt sie in der Schatzhöhle ein und nur ein zweiter Ausgang aber, der der Here unbekannt war, bewahrt die Ge fangenen vor einem qualvollen Hungertode.

Johannes Kepler. In diesen Tagen werden es 300 Jahre, daß der Begründer der neueren Astronomie und der modernen Naturwissenschaft überhaupt, seine irdische Laufbahn schloß. Im Heft 45 der Woche" finden Sie darüber einen interessanten Auffaz.

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